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Was lernen wir aus dem Ölunfall im Golf?

12.10.2010 von

Das BP Bohrloch im Golf von Mexiko ist gestopft. Was ist mit dem ausgelaufenen Öl geschehen? Was sind die Folgen für die Umwelt und für die Ölindustrie?

Aus dem «Deepwater Horizon»-Bohrloch sind etwa 0.7 Millionen Tonnen Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. BP hat einen Viertel davon abgefangen und zum grossen Teil auf offener See verbrannt. Ein weiterer Viertel ist in die Atmosphäre verdunstet oder hat sich im Meerwasser aufgelöst. Die meisten gelösten Bestandteile des Erdöls können von Mikroorganismen im warmen Meerwasser gut abgebaut werden. Damit bleibt noch die Hälfte der Ölverschmutzung in der Umwelt zurück.

Ölwolken treiben in der Tiefsee

Mit einem massiven Einsatz von Dispersionsmitteln ist es BP gelungen, einen Teil des ausgetretenen Öls in kleine Tröpfchen aufzulösen, welche im Wasser schweben bleiben. Dieses dritte Viertel der Ölpest treibt nun in Form riesiger Wolken in etwa 1000 Meter Wassertiefe. Bakterien zersetzen auch diese Öltropfen, sie verbrauchen dabei jedoch soviel Sauerstoff, dass Todeszonen für Meerestiere entstehen. Die Meereswissenschafter untersuchen intensiv, wo und wie lange diese toxischen Ölwolken in der Tiefsee treiben und ob sie eine Gefahr für die Fische darstellen.

Öl in flachen Uferzonen bleibt lange liegen

Nur das letzte Viertel der Ölverschmutzung ist weiterhin sichtbar. Über 100’000 Tonnen Erdöl haben etwa 1000 Kilometer Küstenlinie verschmutzt. Das Öl liegt als Teerklumpen in den Feuchtgebieten von Louisiana oder es treibt weiterhin als feiner Ölfilm auf der Wasseroberfläche.

Frühere Ölkatastrophen haben gezeigt, dass in flachen Uferzonen das Teeröl Jahrzehnte lang liegen bleiben kann. Im sensiblen Marschland sind Versuche, das Öl zu entfernen, häufig noch schädlicher als die Ölverschmutzung selber. Die hohen Temperaturen helfen jedoch mit, dass Bakterien das Öl rascher abbauen.

Mehr Öl aus der Tiefsee

Weil die einfach zugänglichen Ölquellen an Land und in Ufernähe langsam versiegen, steigt der Druck, immer tiefer zu bohren. Die neuen grossen Ölfelder am Golf aber auch diejenigen vor den Küsten von Brasilien, Angola, und Nigeria liegen tiefer als 400 m. Im letzten Jahr hat die Ölförderung aus dem Golf von Mexiko dank der Tiefseetechnologie um 30% zugelegt. BP hält den Rekord mit einer Ölbohrung in die Tiefsee von über 10 Kilometern.

Der Unfall der «Deepwater Horizon» ist ein Signal für neue Prioritäten in der Ölindustrie. BP hat bisher für die direkte Bewältigung der Ölkatastrophe über 11 Milliarden Dollar aufgewendet und an der Börse innert Jahresfrist über 60 Milliarden an Wert verloren. Weitere Unfälle dieser Grössenordnung muss die Industrie vermeiden. Für Tiefseebohrungen braucht es in Zukunft ein Nachrüsten der Sicherheitstechnik, und ein wesentlich vorsichtigeres Risikomanagement. Beides wird die Förderkosten erhöhen.

Zum Autor

Bernhard Wehrli ist Professor für Aquatische Chemie an der ETH Zürich und an der Eawag. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (4) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Was lernt man aus Unfaellen?

je nachdem wuerde ich denken.
Manche lernen etwas ueber die Grenzen der Technologie
andere werden die Unfaelle ignorieren
und weiter an den unendlichen Fortschritt glauben
wie zum Beispiel Treibstoff sparende Flugzeuge
(mit bis zu 800 Passagieren?)

nun ja
A380 muss nach Triebwerksbrand notlanden
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,727124,00.html

nehmen wir dieses „noch mal gut gegangen“ vielleicht als Warnung vor „Wir haben keine Alternative“.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Kompliment für diesen verdichteten Bericht von der «Ölfront».

Sehr richtig sieht der Autor die Entwicklung, wenn er schreibt:

Weil die einfach zugänglichen Ölquellen an Land und in Ufernähe langsam versiegen, steigt der Druck, immer tiefer zu bohren … Für Tiefseebohrungen braucht es in Zukunft ein Nachrüsten der Sicherheitstechnik, und ein wesentlich vorsichtigeres Risikomanagement. Beides wird die Förderkosten erhöhen.

Die Risiken und die Förderkosten steigen, doch das hält die Förderung bis jetzt nicht auf.

Lula bezeichnete die Ölvorkommen als „Geschenk Gottes“

Der Held und scheidende Präsident Brasiliens Lula feiert die rekordhohe Kapitalerhöhung der staatlichen und bevorzugten Ölförderfirma Petrobras als weiteren Puzzlestein in der Erfolgsgeschichte des Aufstiegs Brasiliens (siehe http://www.google.ch/search?q=Lula+Petrobras&rls=com.microsoft:de-ch:IE-SearchBox&ie=UTF-8&oe=UTF-8&sourceid=ie7&rlz=1I7SUNA_de&redir_esc=&ei=60C7TPz1EYmR4Qauis3XDQ).
(Zitat):Mit der Kapitalerhöhung will das grösste Unternehmen Brasiliens die vor der Küste von Rio de Janeiro und Santos liegenden Ölressourcen ausbeuten.
Doch was hier als Meilenstein gefeiert wird, ist in der Geschichte der Ölförderung höchstens von der Lage der Ölfelder bedeutend (das Öl liegt 7000 m tief unter einer Meer-, dann Salzschicht), jedoch vom Volumen her ein unbedeutender Klacks: Gerade mal auf 4.5 Milliarden Barrel werden die Reserven (vorerst) geschätzt, genug um die Welt 56 Tage lang mit Öl zu versorgen.

Grönland erteilt Lizenz für Tiefseebohrung

Noch während die Ölpest im Golf von Mexiko in den Schlagzeilen ist, werden Lizenzen für Tiefseebohrungen vor Grönland vergeben (siehe http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1243834/). Bis zu einem Fünftel der fossilen Vorräte der Erde (vor allem Erdgas, aber auch einige Milliarden Barrel Öl) werden in der Arktis vermutet (siehe http://news.bbc.co.uk/2/hi/sci/tech/8073363.stm). Doch das meiste wird erst förderbar sein, wenn das arktische Eis geschmolzen ist. Viele Meldungen über Abkommen zwischen den Anrainerstaaten lassen aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass das beabsichtigt ist.

Fazit:
– Öl regiert immer noch die Welt: 5 der 10 Firmen mit dem höchsten Einkommen sind Öl-/Gasfirmen (siehe http://money.cnn.com/magazines/fortune/global500/2010/full_list/)
– Öl wird aus immer schwierigeren Lokationen trotz immer kleineren Vorkommen gefördert
– Schon bald wird es eine spürbare Ölverknappung geben, die sich nur dann „auflösen“ wird, wenn auch unkonventionelle Vorkommen wie Schieferöl effizient erschlossen werden können
– eine Ölverknappung kann auch eine Chance bedeuten: anstatt auf Kohleverflüssigung und Erdgas als Ersatz sollte man auf nicht-fossile Treibstoffe/Antriebsquellen setzen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Mal ein ausgewogener Bericht über die Öl-Katastrophe. Das erstaunt mich positiv in diesem sonst sehr tendenziösen Blog.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

„Was lernen wir aus dem Ölunfall im Golf?“

Na ich wuerde denken Sie haben nur die Spitze
des „Eisberges“ erwaehnt.

Wie waere es die 3 Monate dauernde Medienpropaganda
von BP zu erwaehnen.

zum Beispiel „Glaube nie den Medien, den Politikern
die sich entsprechend bezahlen lassen etc“

http://www.guardian.co.uk/environment/2010/may/31/bp-clashes-scientists-sea-oil-pollution

Dann wissen wir eigentlich alle:

Solche Sauereien kommen nur in die Medien
weil es in unserer eigenen „Toilette“ (siehe neben blog) passiert.

http://www.guardian.co.uk/world/2010/may/30/oil-spills-nigeria-niger-delta-shell
In Nigeria, etc

Aber wen kuemmert das schon? Auch das ist eine Erkenntnis!

Aber dieser Satz ist wirklich wichtig

„Weil die einfach zugänglichen Ölquellen an Land und in Ufernähe langsam versiegen“

ueber die Bedeutung von „langsam“ kann man sich vielleicht noch einigen.

Also fangen wir doch endlich an offen und ehrlich
das Problem „Peak Oil“ zu analysieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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