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Patente gegen den Klimawandel

16.09.2010 von

Wie in jedem Semester veröffentlicht die studentische Organisation [project 21], zu der ich gehöre, auch im Herbst wieder das Studienmagazin Studio!Sus. Darin betrachten wir jeweils ein gesellschaftlich relevantes Thema unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Die kommende Ausgabe beschäftigt sich mit «freiem Wissen» und bespricht neben freier Software und offenen Standards auch freie Verwendung von Inhalten.

In einem Selbstversuch haben wir die vorläufigen Artikel auf unserer Website einem offenen Reviewprozess ausgesetzt. Dabei konnten wir die positiven Seiten von geteiltem Wissen erfahren und die Artikel durch angeregte Diskussionen inhaltlich verbessern. In der Softwareentwicklung ist diese Arbeitsweise heute weitverbreitet und sehr erfolgreich. Das Wissen ist nicht patentrechtlich geschützt, sondern allen zugänglich und darf verwendet und weiterentwickelt werden. Doch ist das Konzept aus der digitalen in die technologische Welt übertragbar?

Patentfreie grüne Technologien?

Während der Klimakonferenz in Kopenhagen gab es den Vorschlag einiger Entwicklungs- und Schwellenländer, den Patentschutz für grüne Technologien gesetzlich aufzuweichen oder gar ganz abzuschaffen. Als Hauptargument hierfür wurden die Klimaschulden der Industriestaaten genannt, die mit einem kostenfreien Wissenstransfer zurückgezahlt werden könnten. Gegenargument waren allerdings schnell auf dem Tisch:

  • Im Gegensatz zur Generierung digitaler Produkte, sind physische Güter teuer in der Herstellung → Investitionen in die Entwicklung und Herstellung werden nur getätigt, wenn die Amortisation gesichert ist.
  • Wie können Unternehmen zur Förderung von Innovation motiviert werden, ohne dass ihnen ein Monopol auf die Erfindung gewährleistet wird?
  • Viele Neuentwicklungen sind mit Effizienzsteigerung verbunden und tragen so zum Klimaschutz bei. Wer definiert, was eine grüne Technologie ist und somit nicht unter Patentschutz stehen darf?

Klimafonds als Lösung?

Die negative Einstellung der Industriestaaten gegenüber einer Rechtsänderung erfordert also alternative Lösungsvorschläge. In der derzeitigen Diskussion steht dabei ein Klimafonds an oberster Stelle, in den die Industriestaaten einzahlen. Die Erträge sollen den Entwicklungsländern zugute kommen und ihnen den Erwerb von Lizenzen ermöglichen.

Für mich stellt sich hier allerdings die Frage, wie ein solcher Topf zur Emanzipation der Entwicklungsländer beiträgt. Letztendlich unterstützen die einzahlenden Nationen damit nämlich die innovationsstärksten Unternehmen und damit vorrangig ihre eigene Ökonomie.

Einige Beispiele aus der Schweizer Wirtschaft (z.B. OSCar, Open Prosthetics und andere – im Studio!Sus aufgelistet) zeigen, dass der Erfolg eines Technologieunternehmens nicht zwangsläufig an ein Lizenzmonopol gebunden ist. Ein freiwilliger Verzicht auf den Patentschutz bestimmter Entwicklungen kann daher sogar förderlich und auch für grosse Konzerne durchaus empfehlenswert sein.

Zur Person

Susanne Dröscher ist Doktorandin an der ETH Zürich und Präsidentin von [project 21], der studentischen Organisation für nachhaltige Entwicklung. Persönliches Zitat und Biografie

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Nachtrag zu G. Hardin

W. Catton ein inzwischen Pensionierter Prof. in den USA
(sein Buch Overshoot sollte man kennen!)

http://www.garretthardinsociety.org/tributes/tr_catton_2003oct.html

Tribute to Garrett Hardin

William R. Catton, Jr.

Garrett Hardin’s wisdom and clearly expressed challenges to conventional thoughtways will live on. Had his only publication been the 1968 paper in Science magazine, „The Tragedy of the Commons,“ that alone would have been a monumental intellectual legacy. Just where in his numerous books and papers occurred the simple truth about every „shortage“ of some resource being a „longage“ of demand for it, I don’t recall. But his aphoristic statement of that concept perfectly reflects his keen awareness that we see not just with eyes but with ideas. He was a great purveyor of vision-widening ideas.

Only twice did I have opportunities for face-to-face conversations with Garrett Hardin, but I will long cherish having heard him address an audience at Washington State University under the title „Eskimos and Ecologists Are Happy“ – meaning that one need not be demoralized either by living in an extremely limiting environment nor from studying a discipline that fosters maximum awareness of limits.

Shortly thereafter it was my privilege to publish a review of his 1993 book, Living Within Limits, in the journal Human Ecology Review. As usual with Hardin’s books, it was filled with epigrammatic gems. One of my favorites: „With the coinage of ’sustainable development,‘ the defenders of the unsteady state have won a few more years‘ moratorium from the painful process of thinking.“ We who admired him must continue our efforts to end that moratorium.

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Kommentar von Peter Bühler. 23.09.2010, 15:24
@ Dittmar
„wo du überall Widersprüche findest…
Ich sehe keinen Ersatz für eine freiheitliche Marktwirtschaft, Ich sehe kein System, das die Erfindungskraft der Märkte ersetzen könnte.“

Vielleicht liegt es einfach an der Definition

Ich habe nichts gegen fairen Handel, ganz im Gegenteil („good deal“ um mit Kevin Costner in Dances with wolves“.

Aber den Glauben an die unsichtbare Hand habe ich schon lange verloren.

„Über den Überfluss und sein persönliches Konsumverhalten mag sich daneben jeder unaufgefordert von staatlichen Stellen oder Institutionen einer höheren Moral seine Gedanken machen. “

Ja im Prinzip aber was machen wir mit „The tragedy of the commons“ G. Hardin?

http://www.sciencemag.org/sciext/sotp/pdfs/162-3859-1243.pdf

„Das Beispiel der zwei Atlantikschwimmer ist oberflächlich lustig, im Grunde aber bloss sophistisch: “Wenn der erste ertrinkt ist das kein Beweis dass der zweite es schafft!” – eben so wenig ist es ein Beweis dafür, dass der zweite es nicht schafft.“

Nein, aber so wie wir die Kraefte eines Schwimmers ermessen koennen (mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode) erkennen wir sehr schnell

„er kann es mit Wundern nicht schaffen“

Dagegen zurueckschwimmen koennte mit kleinen Wundern funktionieren!

„Davon abgesehen, welche Alternativen hat er denn bzw. die Menschheit? das Schwimmen einstellen und willentlich versaufen?“

siehe oben .. es gibt eben doch mehr als das Dualsystem! (Kommunismus und Kapitalismus)!

„ Zweifellos neigt ein Teil der Gesellschaft zu dieser Lösung. Die meisten aber schwimmen weiter, so gut sie es vermögen. Und sie werden es weiter tun, auch wenn kein Ufer in Sicht scheint.“

ja und es gibt auch die dritte Variante!

„Daran ist wenig zu ändern. Der Triumph im Scheitern liegt darin, sich dem (menschlichen) Leben nicht aus einer pessimistischen Haltung heraus zu verweigern, sondern – um in deinem Bild zu bleiben – weiter zu schwimmen.“

nein, eben die Richtung aendern und die auch unangenehmen Erkenntnisse der Wissenschaft
akzeptieren und nutzen!

„Wir haben keine Wahl. Über den Schwimmstil kann man von mir aus reden … ökonomisch sollte er jedenfalls sein.“

genau keine Wahl.. umkehren (mit einem noch zu lernenden Stil) oder dank des Glaubens an die unsichtbaren zu ertrinken.

Wo ist das Problem?

Weg vom Dualsystem!

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@ Dittmar

wo du überall Widersprüche findest…

Ich sehe keinen Ersatz für eine freiheitliche Marktwirtschaft, zumal die auf Mangel ebenso reagiert wie auf Überfluss: mit Flexibilität, Innovationen, Anpassungen, Alternativen. Ich sehe kein System, das die Erfindungskraft der Märkte ersetzen könnte.

Über den Überfluss und sein persönliches Konsumverhalten mag sich daneben jeder unaufgefordert von staatlichen Stellen oder Institutionen einer höheren Moral seine Gedanken machen. Wer das für sich persönlich tut, mag daraus nicht gleich eine Verpflichtung für alle übrigen ableiten, allenfalls eine Ermunterung und im Bewusstsein möglichen Irrens.

Wenn ich deshalb vom besten aller schlechten System und seinen Mängeln spreche, hätte ich auch seine unbestreitbaren Vorzüge hervorheben können.

Das Beispiel der zwei Atlantikschwimmer ist oberflächlich lustig, im Grunde aber bloss sophistisch: „Wenn der erste ertrinkt ist das kein Beweis dass der zweite es schafft!” – eben so wenig ist es ein Beweis dafür, dass der zweite es nicht schafft.
Davon abgesehen, welche Alternativen hat er denn bzw. die Menschheit? das Schwimmen einstellen und willentlich versaufen? Zweifellos neigt ein Teil der Gesellschaft zu dieser Lösung. Die meisten aber schwimmen weiter, so gut sie es vermögen. Und sie werden es weiter tun, auch wenn kein Ufer in Sicht scheint.

Vanitas, Vergänglichkeit und Vergeblichkeit liegen unverändert als Schatten über allem menschlichen Tun. Daran ist wenig zu ändern. Der Triumph im Scheitern liegt darin, sich dem (menschlichen) Leben nicht aus einer pessimistischen Haltung heraus zu verweigern, sondern – um in deinem Bild zu bleiben – weiter zu schwimmen. Wir haben keine Wahl. Über den Schwimmstil kann man von mir aus reden … ökonomisch sollte er jedenfalls sein.

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Kleines Beispiel:

In der Appareal Industrie (z.B. bei Nike) gibt es inzwischen ein halb-offizielles Übereinkommen, dass grüne Technologien (z.B. Schuhsolen Gummies die ohne HFCs auskommen) patentfrei entwickelt werden.

Für die Firmen ist das kein Problem, da der Differenzierungsgrund für 99% der Käufe nicht die Umweltverträglichkeit der Sohle sondern die Farbe der Streifen (oder sonstige Modekennzeichen) auf einem Schuh sind… & es kommt erst noch gut an.

mehr dazu z.B. in Nike CSR Report.

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@Marin Schmied
da ein vermehrter Einsatz grüner Technologien egal in welchen Ländern der ganzen Menschheit nutzt.

Erklären Sie bitte einmal, woran man erkennt, ob eine Technologie „grün“ ist? Nennen Sie uns bitte einige konkrete Beispiele?

Die obige Aussage ist an Banalität kaum zu übertreffen und natürlich auch nicht sachlich zu widerlegen. Aber ich versuche es trotzdem einmal.

Wenn diese sog. grünen Technologien nicht nur etwas verbessern sondern auch Gewinn bringen würden, würden sie ganz von alleine eingesetzt. Denn wir sind uns doch klar darüber, dass diejenigen, die diese Technologien einsetzen, auch daran etwas verdienen möchten, denn sie haben einen Lebensunterhalt zu bestreiten, Miete zu bezahlen, ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren … und auch Steuern zu bezahlen.

Die Umverteilungsanhänger werden natürlich erwidern, dass die Allgemeinheit (also wir alle; Sie, ich …) das zu bezahlen habe.
Und es stellt sich die Frage, inwiefern diese Technologie mir (als Teil der Allgemeinheit) Nutzen bringt. Ich habe nicht einmal die Möglichkeit, zu überprüfen, ob mein finanzieller Beitrag wirklich nutzbringend eingesetzt ist; das Geld versickert irgendwo.

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@Kommentar von Ben Palmer. 21.09.2010, 12:40
@Kommentar von Michael Dittmar. 21.09.2010, 12:50

Zitat: “Wenn es einen Wirtschaftszweig gibt, der nicht nach den Prinzipien der freien Marktwirtschaft funktioniert, dann ist es die Finanzwirtschaft.”

Das ist ein Falschaussage. Die Finanzwirtschaft nutzt in Wirklichkeit alle Möglichkeiten der freien, liberalisierten Martwirtschaft.

Die aktuelle Immobilien- und Finanzkrise ist tatsächlich auf das unglückliche Zusammenwirken von Profitinteressen der Banken und staatlichen Garantien für Hypothekennehmer zurückzuführen. Halbstaatliche Institute wie Fredy Mac und Fannie Mae, die die Kreditsumme immer mehr ausweiteten gaben den privaten Investoren die Illusion, es gehe immer so weiter, dafür werde der Staat schon sorgen.

Was aber stimmt und was viele nicht wissen: Banken und die Finanzwirtschaft im weiteren brauchen als letzten Garanten den Staat. Das war schon immer so. Die Kreditwirtschaft wurde in Oberitalien zur Zeit der Renaissance erfunden (Das Wort Kredit kommt aus dem Italienischen) und die ersten grösseren Banken ginge alle Bankrott. Weil die Kreditnehmer nicht zuverlässig waren und nicht zurückzahlten. Das grösste Kapital einer Bank ist das Kundenvertrauen. Umgekehrt muss die Bank den Kunden trauen, dass sie ihre Kredite bedienen können. Leider geht das immer wieder schief. Wie man aus der Finanzgeschichte aber weiss geht es nie immer so weiter.

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aber Hallo, das sind ja mal interessante Aussagen

„Wenn es einen Wirtschaftszweig gibt, der nicht nach den Prinzipien der freien Marktwirtschaft funktioniert, dann ist es die Finanzwirtschaft.“

Also leben wir in Wirklich in der Schweiz und sonstwo schon lange im Kommunismus?

Muss ich echt verpennt haben!

koennten sie das noch etwas genauer und (ruhiger) erklaeren. Vielleicht koennten sich auch andere Experten der Oekonomie dazu aeussern.

Also wie gesagt ich bin schon jetzt tief beeindruckt und auf die Details gespannt.

(sagen Sie am Ende aber bitte nicht wir leben gar nicht im Kapitalismus weil die Physik und die Naturgesetze uns erpressen.. das waere zu simple)

Wollen sie auch gleich die Zahl pi auf drei festlegen?

Kommentar von Ben Palmer. 21.09.2010, 12:40
Kommentar von Michael Dittmar. 21.09.2010, 8:02
(und ja die Bankenkrise .. hat die nicht gezeigt ohne staatliche Eingriffe geht es nicht.. sozusagen nochmal vor dem Ertrinken bewahrt?)
Offenbar wissen Sie nicht, was die Bankenkrise wirklich ausgelöst hat. Ja, es war die Reaktion der freien Marktwirtschaft auf unsinnige, kontraproduktive staatliche Eingriffe und Erpressungen. Wenn es einen Wirtschaftszweig gibt, der nicht nach den Prinzipien der freien Marktwirtschaft funktioniert, dann ist es die Finanzwirtschaft. Staaten bestimmen die verfügbare Geldmenge, setzen Leitzinse fest und produzieren Geld nach belieben.

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Kommentar von Michael Dittmar. 21.09.2010, 8:02
(und ja die Bankenkrise .. hat die nicht gezeigt ohne staatliche Eingriffe geht es nicht.. sozusagen nochmal vor dem Ertrinken bewahrt?)

Offenbar wissen Sie nicht, was die Bankenkrise wirklich ausgelöst hat. Ja, es war die Reaktion der freien Marktwirtschaft auf unsinnige, kontraproduktive staatliche Eingriffe und Erpressungen. Wenn es einen Wirtschaftszweig gibt, der nicht nach den Prinzipien der freien Marktwirtschaft funktioniert, dann ist es die Finanzwirtschaft. Staaten bestimmen die verfügbare Geldmenge, setzen Leitzinse fest und produzieren Geld nach belieben.

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Kommentar von Peter Bühler. 20.09.2010, 19:30
@ Susanne Dröscher
Hallo Peter,

ich finde es immer amuesant wenn man den Devil’s Advokat dabei erwischt mit der linken Haelfte das Gegenteil von der rechten Haelfte zu verbreiten.. smile

(koennen wir nicht versuchen hier in diesem Blog ernsthaft zu diskutieren?)

Also wenn

„Unser Wirtschaftssystem, das beste aller schlechten, basiert darauf, mit all seinen Mängeln.“

(wie definierst du „unser“ System: also Kapitalismus (sprich neu-Deutsch „freie soziale Marktwirtschaft“ oder wer will Neoliberalismus) ..

dann gilt die Frage: welches System gibt es denn noch?

Kommunismus(?) oder war es Sozialismus oder wurde es also solcher verkauft (sowohl im Westen wie im Osten?)

egal also nennen wir die Dinge beim Namen

„Kapitalismus und Sozialismus“

dazu gilt das schoene Beispiel
„zwei Maenner versuchen ueber den Atlantik nach Amerika zu schwimmen. Wenn der erste ertrinkt ist das kein Beweis dass der zweite es schafft!“

Dann forderst du ja immer wieder die Jugend auf kritisch zu denken und „neues“ zu finden.

Aber in Wirklichkeit hast du dich abgefunden mit dem Status quo..

Also ich wuerde sagen zu den beiden Systemen

1) der Kapitalismus hat es verstanden die Ressourcen der anderen schneller und besser zu nutzten als der Sozialismus. In Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums dank billiger Energie im Ueberfluss sieht man also man eine eine „wunderbare Gesellschaft“ organisieren die gedankenlos und verschwenderisch mit den Ressourcen umgeht. Nachdem die „eigenen“ Ressourcen verbraucht sind lohnt sich der Kolonialismus in der alten und neuen Form inklusive Bestechung korrupter lokaler Eliten um die letzten Ressourcen schneller als die Konkurrenten zu bekommen.

Wenn die Geschichte ein Beispiel ist

na 2 Weltkriege und etliche Kriege im Namen der Freiheit und eigentlich ging es immer nur darum den Zugang zu den Ressourcen zu behalten.

Heute sind Niger mit seinem Uran und Nigeria mit seinem Oel sowie der Kongo wunderbare Beispiele wie soziale Marktwirtschaft wirklich funktioniert.

Und schon zittern wir im Westen weil China auf einmal eine ernsthafte Konkurrenz wird.

ist das nun Kapitalismus oder was in China

(und ja die Bankenkrise .. hat die nicht gezeigt ohne staatliche Eingriffe geht es nicht.. sozusagen nochmal vor dem Ertrinken bewahrt?)

2) In Zeiten der Stagnation und dem Weg nach unten (der Krise und insbesondere der Ressourcen Krise) verschwinden die Vorteile des Kapitalismus sehr schnell.

Er entwickelt sich zum Raeuberkapitalismus mit den extremsten Formen (ich denke du kennst die Beispiele selber).

3) Fuer die Zeit nach dem Peak kennen wir das beste System noch gar nicht. Dazu brauchen wir Forschung und auch viel Idealismus (ja wirklich).

Ansaetze dazu sind vielleicht die Ideen Gandhis, Martin Luther King etc

Aber was in der Realitaet leider noch passiert mit aller ideellen Gewalt wird solche Forschung verhindert!

Warum nur.. jeder der ein wenig denkt versteht sofort exponentielles Wachstum auf einem begrenzten Planeten kann nicht fuer lange funktionieren. Was schwer zu verstehen ist (und „wir“ tun wirklich alles) um die Grenzen besser zu erkennen.

und zum Schluss noch schnell der Widerspruch des Devils..

beim Blog zu Biotreibstoffen:
(koennte fast von mir geschrieben sein.. ein richtiges „Loblied“ auf den Kapitalismus mehr Spott zum System kann man schon fast nicht aeussern.

Und am Ende sogar die Erkenntnis „klein ist fein“ lokal leben global denken steht wohl dahinter.. bis du in Wirklichkeit eben doch ein idealistischer sozialer „K.“ Typ (der nicht aelter als 25 werden will?) der es bloss nicht zugegeben will?

Kommentar (bei Biotreibstoffen) von Peter Bühler. 19.09.2010, 21:40
@ Dittmar
Die Carter-Geschichte lese ich separat.
Inzwischen denke ich ausser an all den weggeschmissenen “Food” (!), die zahlreichen “fineFood”- und “Sélection”-Produkte, die nutzlos herumstehenden Autos, halbleeren Züge, die überheizten und überklimatisierten Räume, die allgegenwärtigen Lichtorgien, den generellen Konsumwahn, all die unnützen Fahrten, Urlaubsreisen, die absolut blödsinnigen Sport (Hilfs)Geräte, ohne die ein Gang in die Natur nicht mehr möglich scheint etc., – um als eine Art “Fitness-Trainer” festzustellen, dass sich da enorm viel “Speck” angesammelt hat.
Entbehrlicher Speck, wenn es denn darauf ankommen sollte, wie du prophezeist. Kein wertendes Urteil über unterschiedliche Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen.
Ein jeder nach seiner Façon.
Bleibt die Frage, nach welchen Grundsätzen wir unsere Kinder erziehen sollen: weniger ist meist mehr für jene in den reichen Industriestaaten – mehr ist möglich für jene in den Entwicklungsländern?
Mir scheint, das ist im Gang: ohne bigotten Entsagungsmoralismus, ohne drohenden Zeigefinger, ohne Scheuklappen.
Gegen den Trend und Autobahn-füllende, rollende Logistik-Lager kommen lokale Produzenten, Molkereien, Brauereien (wieder) auf: gute Bauern, Bäcker, Metzger, Handwerker behaupten sich. Der Wissenstransfer kennt keine Grenzen, er benötigt weniger physische Transporte und weniger Energie.

“Warum sollten nicht die Firmen, die hohe Gewinne machen, auch indirekt zahlen?”
Weil eine derartige Gewinnverwendung betriebswirtschaftlich und vorerst auch steuerlich nicht vorgesehen ist. Sie sollten sich von der Vorstellung lösen, dass “Gewinne” a priori irgendetwas Unanständiges bzw. beliebig zu Besteuerndes darstellen. Sie bilden den notwendigen Erfolg der wirtschaftlichen Tätigkeit für die Weiterentwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionen, Steuerabgaben (Boni und Dividenden, ich weiss).

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Martin spricht’s absichtlich oder unabsichtlich an: es geht um weniger ums Klima als um Umverteilung, unter welchem Fähnchen auch immer. Man mag sie gut und gerecht heissen, sollte sich aber über die möglichen Wirkungen und Folgen Rechenschaft ablegen.

Allein die permanente Darstellung von Drittweltländern als zuwendungsbedürftige Bettler ist grundfalsch, sie verfügen häufig über reichlich unerschlossene, schlecht genutzte oder korrupt verwaltete Ressourcen. In der Tat müsste „der Funke für eine starke, nachhaltige Entwicklung aus dem sich entwickelnden Land kommen“ – oder wäre dort zu zünden.

Von wegen „gestrige Schablonen“: die Vorstellungen einer bürokratisch herstellbaren „Gerechtigkeit“ erscheinen trotz durchgehend negativer geschichtlicher Erfahrungen alle paar Jahre wieder, spätestens aber mit jeder neuen Generation.
Es ist ihnen vom beabsichtigten Ziele her nichts grundlegend Schlechtes zu unterstellen, bloss eine gewisse Naivität hinsichtlich der realen menschlichen Natur, der conditio humana.
Nicht bürokratische Organisationen lösen die Probleme, die Menschen selber tun dies, und sie sind dazu auch in der Lage, wenn sie ermutigt und in geeigneter Form unterstützt werden. Umverteilung bedeutet weder das eine noch das andere. Menschen treffen ihre Entscheidungen frei von ideologischem Ballast und stolz auf ihre Selbstbestimmung und ihr Leistungsvermögen auch unter schwierigsten Umständen.

Um noch mal Karl Popper zu zitieren. „Wir müssen für die Freiheit planen und nicht für die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann“

Dagegen klingt ein Satz von der Sorte „da ein vermehrter Einsatz grüner Technologien egal in welchen Ländern der ganzen Menschheit nutzt“ eher nach den Ängsten eines Privilegierten, der um seine Zukunft bangt, wenn auch andere seinen Lebensstil zu kopieren beabsichtigen.

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Weil nun der Begriff der Klimaschuld mehrmals aufgetaucht ist: die Frage nach der Ethik hinter dem Klimaproblem ist für mich in diesem Zusammenhang nur ein Nebenschauplatz, da ein vermehrter Einsatz grüner Technologien egal in welchen Ländern der ganzen Menschheit nutzt.

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@ Peter Bühler:

Sie reden von einer verstärkten F&E. Findet die nicht auch statt, wenn Technologien vermehrt zum Einsatz kommen und so auf den Prüfstand gestellt werden? Genau das könnte durch ein gelockertes Patentrecht bzw. Lizenzvergabe verstärkt geschehen.

Eben das „sich raschere Durchsetzen“ sollte das Ziel sein und genau dieses kann durch ein sehr strenges Patentrecht stark behindert werden. Daher der Vorschlag zu einem alternativen Weg.

Projekte wie das genannte Chinesisch-Deutsche-Dung-Kraftwerk sind sicher positive Beispiele von internationaler Zusammenarbeit und Technologietransfer.

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Als Unterton in diesem Blogbeitrag aber auch im Kommentar von Marin Schmied hört man die Überzeugung heraus, dass wir hier in der „entwickelten Welt“ über die Technologie, die Patente und kreativen Ideen verfügen, die die Welt vorwärts bringen. Damit gibt es so etwas wie eine Verhandlungsmasse – von der Gegenseite hier „Klimaschuld“ genannt – über die man mit der noch nicht entwickelten Welt verhandeln kann.

Doch dieses Bild trifft immer weniger zu und darüber sollte man eigentlich froh sein. Schwellenländer wie China, Brasilien und sogar Indien treten inzwischen als eigenständige Akteure auf, die selber Technologien entwickeln oder von uns „geklaute“ Technologien verbessern und anpassen und damit die noch wenig entwickelten Länder beispielsweise in Afrika „beglücken“.

Diese Länder, die selbst bis vor kurzem noch Habenichtse waren, operieren allerdings aus einer ganz anderen Perspektive als wir Westler und verlangen keine „humanitäre Konzessionen“ für ihre Hilfe. Sie begnügen sich schon damit, dass sie einen Markt aufbauen und sich Rohstoffe sichern können. Solche ein Eigeninteresse muss nicht notwendigerweise zum Nachteil der Einheimischen werden, allerdings auch nicht unbedingt zum Vorteil. Letztlich muss der Funke für eine starke, nachhaltige Entwicklung aus dem sich entwickelnden Land kommen. Äussere wirtschaftliche Einflüsse und Hilfen, seien sie nun rein altruistisch oder teilweise mit Eigeninteresse unterlegt, können eine Initialzündung auslösen, beispielsweise wenn Menschen im Entwicklungsland Chancen erhalten und diese auch wahrnehmen, sie können aber auch wirkungslos bleiben. Vieles bleibt eben unberechenbar. Doch China und Brasilien sind auch ein Modell für andere noch wenig entwickelte Länder, ein Modell, das zeigt, dass man ein besseres Leben in wenigen Jahrzehnten erreichen kann und es schon die nächste Generation viel besser haben kann.

Klimaschutz wird allerdings kaum je erste Priorität in diesen Ländern haben, ausser wenn sie „grüne Technologie“ produzieren können, die sie dann exportieren können – so wie das in China läuft, welches uns seine (von uns inspirierte) Solarmodule und Windräder liefert.

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Jedenfalls bleibt das Argument, dass bestehende (erneuerbare wie auch andere) Technologien schneller in Entwicklungsländern eingesetzt werden würden, wenn diese nicht Lizenzen kaufen müssten die teilweise auf das Preisniveau von Industriestaaten zugeschnitten sind.

Wer mehr über Open Source, Copyright und Free Culture erfahren will: http://p2pfoundation.net/Table_of_Contents_(Overview)

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Beim Patentrecht handelt es sich um einen Balanceakt zwischen zu viel und zu wenig Schutz. Frau Dröschers Hinweis, dass über etwas weniger Schutz möglicherweise mehr erreicht werden könnte, ist nicht nur für die Bemühungen gegen die Klimaerwärmung relevant, sondern könnte auch helfen, die zunehmende Ernährungsunsicherheit anzugehen.

Im Übrigen macht sie dieser Hinweis nicht zu einer Vertreterin roten oder kommunistischen Gedankenguts –solche gestrigen Schablonen sind doch von gestern.

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@ Susanne Dröscher

„Warum sollten nicht die Firmen, die hohe Gewinne machen, auch indirekt zahlen?“

Weil eine derartige Gewinnverwendung betriebswirtschaftlich und vorerst auch steuerlich nicht vorgesehen ist. Sie sollten sich von der Vorstellung lösen, dass „Gewinne“ a priori irgendetwas Unanständiges bzw. beliebig zu Besteuerndes darstellen. Sie bilden den notwendigen Erfolg der wirtschaftlichen Tätigkeit für die Weiterentwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionen, Steuerabgaben (Boni und Dividenden, ich weiss). Unser Wirtschaftssystem, das beste aller schlechten, basiert darauf, mit all seinen Mängeln.

An die Freiwilligkeit können sie dennoch appellieren, sei es bei den Unternehmen, Beispiel … http://www.roche.com/de/sust-access.pdf oder bei den Kapitaleignern, Beispiel Bill & Melinda Gates /Warren Buffett Foundation, von denen man ansonsten halten mag, was man will. Das amerikanische Steuer- bzw. Stiftungsrecht erleichtert ihnen und vielen anderen Dagoberts dieser Erde die freiwillige Trennung von grossen Teilen ihrer Vermögen zugunsten wohltätiger Einrichtungen. Für entsprechende Regelungen in der Schweiz würde es sich eher zu kämpfen lohnen als für zusätzliche Zwangsabgaben.

„Häufig ist der Umsatz ja mit Energieverbrauch und CO2-Ausstoss verbunden.“

Wofür bereits Abgaben geleistet werden müssen, aufgrund nach wie vor umstrittener Szenarien.

„Eine Firma, die umgekehrt auch wieder von einem erhöhten Absatz aufgrund des Fonds profitiert“

Das eben dürfte wie anderswo auch zu falschen Anreizen und Marktverzerrungen führen.

„auf Nachhaltigkeit achten und angepasste Technologien der erneuerbaren Energiegewinnung einführen – solarbetriebene Elektrogeräte usw.“

Meinen Sie jetzt „einführen“ im Sinne von Import (dann wäre Ihr Klimafonds bloss eine Exporthilfe für die Produzentenländer) oder im Sinn von eigener Herstellung?
Im zweiten Fall müssten schon sehr viele Voraussetzungen gegeben sein, um der ostasiatischen Konkurrenz die Stirne zu bieten. Durchsetzen werden sich solche Technologien bei verbesserter Effizienz und geringeren Gestehungskosten auch in den Entwicklungsländern von selber (wie das Beispiel Mobilfunk vermuten lässt … http://www.izmf.de/html/de/1411.html ).
Wäre es deshalb nicht klüger, Geld in die Weiterentwicklung dieser Technologien zu stecken, damit sie sich rascher durchsetzen?

„die Bereitschaft z.B. Chinas oder Indiens nicht bremsen, auch erneuerbare Energien zu fördern.“

Das tun die doch schon und exportieren entsprechende Produkte mit hohen Marktanteilen nach Europa und den USA. Ihr Energiehunger lässt sich mit EE allerdings nicht decken, weshalb in beiden Ländern wöchentlich (!) neue Kohlekraftwerke entstehen. Auch hier: wäre es nicht besser, das Geld in F&E zu stecken und den Output dieser leider unvermeidlich entstehenden Dreckschleudern möglichst zu minimieren? Hier läge in der Tat ein Fehler vor, wenn z. B. neueste Kraftwerkstechnik aufgrund zu teurer Lizenzen nicht zur Anwendung gelangte.
Zur Erinnerung: 20 – 30 Euro kostet die Einsparung 1 Tonne CO2 in einem Kohlekraftwerk mit modernster Technik, gut 600 Euro verschlingt die Einsparung derselben Tonne bei solarer Stromproduktion. Etwas Pragmatismus bei der Mittelverwendung kann daher nicht schaden.

In anderen Fällen scheint einer Kooperation nichts im Wege zu stehen … http://www.glocalist.com/index.php?id=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2829&tx_ttnews%5Bcat%5D=5&cHash=c3de8c992e

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@ Peter Bühler:

Ich stimme Ihnen vollauf zu! Natürlich gibt es zahlreiche Fragen zu klären. Ich bin mir auch durchaus bewusst, dass ein Fond keine „Patentlösung“ ist. Hier nur ein paar Anmerkungen zu einzelnen Punkten:

Finanzierung: Warum sollten nicht die Firmen, die hohe Gewinne machen, auch indirekt zahlen? Häufig ist der Umsatz ja mit Energieverbrauch und CO2-Ausstoss verbunden. Eine Firma, die umgekehrt auch wieder von einem erhöhten Absatz aufgrund des Fonds profitiert, wird der Verwendung von Steuermitteln in diesem Bereich wohl auch zustimmen.

Patente: Im Idealfall lohnt sich der Erwerb von Lizenzen. Bis allerdings ein Reingewinn aus einer Technologie entsteht, dauert es häufig. Da die Kreditwürdigkeit in vielen Fällen sehr schwach ist, lässt sich die Investition nur schwer realisieren und oder bleibt völlig aus.

Entwicklungszusammenarbeit: Natürlich gilt es zu differenzieren! In einigen Ländern ist man noch weit von einer grossflächigen Industrialisierung entfernt und hat weitaus dringlichere Probleme als die Energieversorgung. Dennoch kann man auch dort bei der Entwicklungszusammenarbeit auf Nachhaltigkeit achten und angepasste Technologien der erneuerbaren Energiegewinnung einführen – solarbetriebene Elektrogeräte usw.
Beim Lizenzerwerb denke ich eher an Schwellenländer, in denen in den nächsten Jahren ein enormer Energiebedarf zu decken sein wird. Meiner Meinung nach, sollte man die Bereitschaft z.B. Chinas oder Indiens nicht bremsen, auch erneuerbare Energien zu fördern.

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@ Dittmar

Verwechseln wir nicht Patente und Lizenzen mit Wissen, Wissensverbreitung und Bildung generell.
Frau Droescher sieht das Probleme durchaus: „Ich stimme ihnen zu, dass eine erzwungene Aufweichung des Patenrechts wohl kaum zum Ziel fuehren wird.“

„Moerderischer Wettkampf um die letzten Ressourcen
– oder Kooperation“

Um den ersten geht es hier nicht (möge er uns jedenfalls erspart bleiben), um die zweite dagegen schon. Bleibt die Frage, ob ein „Klimafonds“ zu ihrer Förderung irgendwie nützlich wäre. Ich sehe eher die Gefahren einer gewaltigen Regelbürokratie, falscher Anreize, kaum kontrollierbarer Geldflüsse, Korruption, Mittelverschwendung etc.

Ich, ein K.?!

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@ S. Droescher

Sehr geehrte Frau Droescher,

die Ideen eines „Klimafonds“ und „Lizenztransfers“ werfen reichlich Fragen auf, wie Sie selber feststellen.

Da ist zunächst die Finanzierung eines solchen Fonds. Sie schreiben „in den Nationen (nicht Privatpersonen oder Firmen) einzahlen“. Nun, der Staat hat das Geld ja irgendwo her und pflegt es sich bei eben diesen Privaten und Firmen zu holen …
In Deutschland, Spanien, Grossbritannien etc. reiben sich die Leute gegenwärtig die Augen beim Betrachten der gestiegenen und noch folgenden Kosten für den EE-Umbau. Schwer vorstellbar, wie die Staaten darüber hinaus Mittel bereit stellen sollen.

Nächste Frage: um welche Patente geht es konkret? Beispiele? Geht es um den Aufbau einer Photovoltaik-Produktion z. B. in Eritrea?
Falls ihre Anwendung einen Nutzen generiert – und davon ist hoffentlich auszugehen – lohnt sich der Erwerb von Lizenzen so oder so. Immer vorausgesetzt, dass Umfeld, Märkte, Infrastruktur, Ressourcen etc., eine Anwendung geeignet und wirtschaftlich erscheinen lassen bzw. überhaupt vorhanden sind.

Grundlegende Frage: Entwicklungsländer sind nicht einfach alle gleich. Dennoch dürfte auf den unterschiedlichen Prioritätenlisten die Substitution fossiler Energieträger weit hinten rangieren, nach allen wichtigeren Problemen wie Ernährung, Bildung, Beschäftigung, Malaria, medizinische Versorgung etc.
Stehen diese Probleme im Vordergrund, geht es um klassische Entwicklungsarbeit, bei deren Umsetzung „grüne Technologien“ eine untergeordnete Rolle einnehmen.

Sinnvolle Entwicklung verlangt in nicht industrialisierten Ländern oft gerade den Verzicht auf nicht angepasste, importierte Technologien bzw. die Wahl lokal geeigneter und angepasster Mittel und Methoden.
Dazu zählt in einer Subsistenzwirtschaft definitiv nicht, etwa das Verbrennen von Kuhfladen durch Solartechnik abzulösen, oder peruanischen Hochlandbewohnern untaugliche Holzkocher anzudienen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Kommentar von Peter Bühler. 17.09.2010, 20:57
„Alter (roter) Wein in neuen (grünen) Schläuchen…
Eigentum (auch geistiges) soll “zu höherem Zweck” oder neu nun zur Begleichung von “Klimaschulden” vergesellschaftet werden.
Wohin diese Vergesellschaftung zwangsläufig führt, zeigt die Geschichte: letztlich zum Stillstand privater Investitionen und individueller (Innovations)Anstrengungen auf allen Ebenen und in allen Sektoren.“
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Hi Peter,

in unserem anderen Austausch von Ideen schreibst du:

Kommentar von Peter Bühler. 18.09.2010, 22:53
@ Dittmar

„Mit Blick dagegen auf eine offene, vernetzte und nicht länger durch Bürokratien bevormundete Bürgergesellschaft kommt Wikileak sicher eine grosse Bedeutung und bahnbrechende Rolle zu.“

Des weiteren glaubst du an staatliche Forschung und Bildung um alle Probleme zu loesen.

Wenn das nun nicht gerade „Rot“ in bold face ist also ich weiss ja nicht?

Worum geht es denn bei Bildung wenn nicht darum gelerntes weiter zu geben und bei der staatlich gefoerderten (subventionierten!) Forschung um wissen fuer alle zu schaffen?

Du bist also in Wirklichkeit ein verkappter K.???

oder liegt es vielleicht daran dass wir staatliche Forschung eben nur im Interesse der eigenen Industrie betreiben sollten?

Also wie auch immer und abgesehen von aussen x und innen rot etc ..

also was ist besser?
Moerderischer Wettkampf um die letzten Resourcen und dabei alles andere noch „menschliche“ in uns (was fuer ein Widerspruch in sich?)

oder Kooperation im Angesicht der kommenden Probleme?

Und ja was zeichnet nochmal die Schweiz gegenueber anderen Laendern aus?

war es die recht solidarische Gesellschaft?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sehr geehrte Herren,

ich denke, mein Beitrag ist teilweise falsch verstanden worden.
Es geht mir nicht darum, eine Gruppe von Nationen anzuklagen oder diese gar zur Selbstkasteiung aufzufordern. Ich moechte lediglich die beiden Konzepte kurz darstellen, die waehrend der Klimakonferenz in Kopenhagen diskutiert wurden.
Es besteht ein weitgehender Konsenz, dass die Industriestaaten in den letzten Jahrzehnten einen grossen Teil zur Klimaveraenderung beigetragen haben (wenn man einen solchen als real ansieht). Nun stellt sich die Frage, ob man daraus etwas gelernt hat und bei der Industrialisierung der Schwellen- und Entwicklungslaender anders vorgehen moechte. Es sind vielversprechende Technologien auf dem Markt, die dazu genutzt werden koennten.

Ich stimme ihnen zu, dass eine erzwungene Aufweichung des Patenrechts wohl kaum zum Ziel fuehren wird (und schreibe das auch so im Beitrag). Dennoch gibt es Beispiele in der Wirtschaft, die auch ohne den Schutz ihres geistigen Eigentums erfolgreich sind. Das sollte man nicht vergessen.

Der Entwurf des Klimafonds, in den Nationen (nicht Privatpersonen oder Firmen) einzahlen, erscheint mir als eine Uebergangsloesung sinnvoller. Letztendlich sind wir ja an einer Entwicklung interessiert und der Staat mit den effizientesten Technologien haette den groessten Gewinn aus solch einem System. Es besteht also ein Anreiz, diesen Wirtschaftszweig zu erweitern. Durch den Fonds und den damit verbunden Transfer von Lizenzen (die die Entwicklungslaender selbst waehlen wuerden) wuerden gruene Technologien in Schwellen- und Entwicklungslaendern implementiert. Nicht zu vergessen ist, dass auch die einheimische Wirtschaft von dem Transfer profitiert, indem sich der Einsatzbereich erweitert und die Weitergabe des geistigen Eigentums nach bisherigem Recht erfolgt.

Im abschliessenden Paragraph stelle ich lediglich die Frage, ob die Entwicklungslaender mit diesem Wissenstransfer ausreichend praepariert waeren und wie man ein solches Konzept umsetzen koennte, ohne die individuelle Entwicklung einzuschraenken.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Die Frage ist, interessiert sich z.B. der Monsanto-Aktionär für Psychosen wie „Klimaschuld“.

Frau Dröscher kann es ja herausfinden. Sie kauft sich für 56$ eine Aktie und geht an die Aktionärs-GV. Dort kann sie ihren Vorschlag mal vorbringen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 3

Frau Dröscher, sie werfen hier zwei Themen in die Runde, die Sie nur sehr oberflächlich ankratzen, ohne zu erklären, wie Sie sich das vorstellen:
– Klimaschuld : wie kommt diese Schuld zustande und wer ist wofür und in welchem Masse schuldig?

– Geistiges Eigentum: Sie fordern, geistiges Eigentum zu vergesellschaften oder den Besitz geistigen Eigentums durch eine Steuer „abzustrafen“.

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Alter (roter) Wein in neuen (grünen) Schläuchen…

Eigentum (auch geistiges) soll „zu höherem Zweck“ oder neu nun zur Begleichung von „Klimaschulden“ vergesellschaftet werden.

Wohin diese Vergesellschaftung zwangsläufig führt, zeigt die Geschichte: letztlich zum Stillstand privater Investitionen und individueller (Innovations)Anstrengungen auf allen Ebenen und in allen Sektoren.

Das jüngste bzw. eines der beiden „dienstältesten“ Beispiele…

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/raul_castro_verordnet_massenentlassungen_1.7560501.html

Den Entwicklungsländern helfen (Selbst)Entwicklung, Bildung, billige Technologien – wie die hier z.B.

http://www.shortnews.de/id/848669/Indischer-35-Dollar-Tablet-PC-geht-in-Massenproduktion

…weitaus besser als die Gratis-Aneignung oft ungeeigneter Technologien, die allenfalls einer schmalen Schicht zugute kommen, umgehend aber den Weg in den grauen Re-Export finden (s. Medikamente).

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Oh, Klimaschulden! Das raubt mir den Schlaf und ich geissle mich dafür täglich unter dem Abbeten von Rosenkränzen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 3

Das oben beschriebene Problem des geistigen Eigentums, das nicht nur die Firma schützt, die über das Patent verfügt, sondern auch die technische Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländern bremst, haben die Chinesen schon lange gelöst.

Wer in China produzieren will, ist mehr oder weniger zur Offenlegung gezwungen, sonst läuft nichts. Wenn er aber nicht in China produzieren kann, nützt dem Patentinhaber oft das Patent nichts, denn der chinesische Markt bleibt ihm dann wegen Importzöllen verschlossen oder er kann nicht preisgünstig genug produzieren.

Es gibt ein Buch mit dem Titel „When China rules the world “ – als wäre das in ferner ungewisser Zukunft. China regiert schon mit. Über die inhärente Macht des riesigen chinesischen Marktes und des Pools an Arbeitern und Manifakturen nämlich.

Es gibt tatsächlich einen Grössenvorteil in der Wirtschaft und diesen Grössenvorteil geniessen nicht nur multinationale Firmen sondern auch grosse Staaten, wenn sie geschlossen auftreten – eben zum Beispel als China AG anstatt als chinesische Firma XYZ. Deshalb haben die Grossen dieser Welt auch eine Ordnungskraft. Früher scharten sich die Kleinen um die USA und die Sowjetunion, in Zukunft scharen sie sich um China, in Südamerika vielleicht um Brasilien.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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