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«Koalition der Willigen» – Warum und wozu?

09.09.2010 von

Eigentlich ist man sich einig: Bis 2050 dürfen weltweit noch höchstens 750 Gigatonnen CO₂ emittiert werden. Nur in diesem Fall können schwerwiegende und unumkehrbare Schädigungen der Ökosysteme durch die globale Erderwärmung vermieden werden. Doch schon fangen die Probleme an: Welche Länder dürfen wie viel dieser 750 Gigatonnen für sich beanspruchen? Und welche Länder sollten sich wie stark bemühen, ihre CO₂-Emissionen herunterzufahren?

Internationale Kooperation wäre sinnvoll…

Nahe liegend wäre es, dass man diese Probleme so löst, wie man es in analogen Fällen auch in kleinerem Rahmen tut: Man einigt sich auf einen wirksamen und doch für alle Beteiligte zumutbaren Verteilungsschlüssel, und jeder einzelne sucht sich dann die beste Strategie zur Einhaltung des individuellen Emissionsrahmens.

…aber sie funktioniert nicht

Leider wird diese Idylle aber gestört: Es gibt Länder wie etwa die USA oder China, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, sich an einem solchen Verfahren zu beteiligen und allfällige Einschränkungen ihrer künftigen Emissionsbudgets zu akzeptieren. Dies wirft nun für die anderen Länder die Frage auf, ob sie dennoch bereit sind, sich nach Kräften für Emissionsminderungen im eigenen Land einzusetzen oder ob sie ebenfalls abtrünnig werden. Dies wäre für die Staatengemeinschaft insgesamt fatal: Wir würden uns damit wohl ungebremst auf Temperaturanstiege von 4° und mehr zubewegen.

Spieltheoretisch gesehen haben wir es hier mit einem typischen Kooperations-Dilemma bei öffentlichen Gütern zu tun: Für ein einzelnes Land ist es nicht rational, Kosten für die Vermeidung des Klimawandels aufzuwenden, da von solchen Massnahmen alle Länder profitieren würden, aber nur das Land selbst die Kosten trägt. Das vermutete Trittbrettfahren der anderen erstickt die erforderliche Kooperation im Keim. Es scheint auf den ersten Blick günstiger zu sein, einen Franken in Anpassungsmassnahmen (etwa: Deichbau oder Anpassung von Gebäuden an längere Hitzeperioden) zu stecken als in Emissionsreduktionen.

Teilweise Kooperation bringt nur Vorteile

Dennoch kann es zur teilweisen Kooperation kommen, wenn eine «Koalition der Willigen», etwa in Europa, die Sache in die Hand nimmt. Dies macht Sinn, weil Massnahmen zur Vermeidung von Klimawandel fast immer mit Sekundärnutzen für die betreffenden Länder verbunden sind, wie etwa Handelsvorteile aus innovativen Energietechnologien. Zum anderen sind Vermeidungsmassnahmen Investitionen mit längerem Zeithorizont. Es rentiert sich, als Ländergruppe mit Klimaschutzmassnahmen voranzugehen, solange zu erwarten ist, dass — im Zuge fortschreitender globaler Erwärmung — andere Länder später nachziehen werden. «First-mover-Vorteile» kompensieren dann die kurzfristigen Nachteile aus dem Klimaschutz. Schliesslich spricht die Schaffung von politischem Vertrauen auf der politischen Ebene dafür, sich auch als kleinere Ländergruppe für Emissionsreduktionen zu entscheiden. Es ist jedenfalls kein überzeugendes Argument dafür erkennbar, wegen des Trittbrettfahrer-Problems Emissionsreduktionen zu unterlassen. Koalitionen von Willigen geben in diesem Zusammenhang wichtige Impulse und sind unverzichtbar.

Zur Autorin

Renate Schubert ist Professorin für Nationalökonomie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (16) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Zitat: Es gibt Länder wie etwa die USA oder China, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, sich an einem solchen Verfahren zu beteiligen und allfällige Einschränkungen ihrer künftigen Emissionsbudgets zu akzeptieren.

Warum heisst es nicht Es gibt Länder wie etwa die USA, China oder Indien …

Die Autorin lässt Indien vielleicht darum aus, weil es pro Kopf immer noch wenig CO2 emittiert, vielleicht aber auch, weil sie weiss, dass Emissionsreduktionen in Indien weniger Wachstum und damit mehr Hunger bedeuten. Roger Pielke junior stellt in seinem Artikel Reducing Hunger and the „Iron Law“ of Climate Policy (siehe http://rogerpielkejr.blogspot.com/2010/09/reducing-hunger-and-iron-law-of-climate.html) eine Beziehung zwischen Höhe des Energiepreis und Hunger in armen Ländern her, unter anderem weil höhere Energiepreise in Zeiten von Biotreibstoffen höhere Getreidepreise bedeuten. Zitat: Thus, higher priced energy means more hungry people … Policies that reduce economic growth and/or make energy more expensive will lead to more hungry people around the world. This is just an empirical reality.

Folgerung: CO2-Emissionsreduktionen dürfen nicht zu schwächerem Wachstum führen – sicher nicht in armen Ländern mit vielen Hungernden.

So gesehen ist es wohl kein Zufall, dass die NZZ vom 15.9.2010 vom Weltenergiegipfel in Montreal meldet: Indien setzt auf Kohle. …Die Nutzung von Kohle sei für Indien der einzige Weg, um das Wirtschaftswachstum zu bewältigen und den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern, erklärte Shri Vinay Kumar Singh, Verwaltungspräsident von Northern Coalfield.

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Die „Koalition der Willigen“

… müsst sich erst mal in eine „Koalition der Fähigen“ verwandeln, um die hoch gesteckten Ziele tatsächlich zu erreichen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus…

Zitat: „Furthermore, the low cost and high availability of offsets make it is highly unlikely that this meagre 32Mt of abatement will take place in Europe“

http://sandbag.org.uk/files/sandbag.org.uk/caportrap.pdf

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Zitat: Es gibt Länder wie etwa die USA oder China, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, sich an einem solchen Verfahren zu beteiligen und allfällige Einschränkungen ihrer künftigen Emissionsbudgets zu akzeptieren. Dies wirft nun für die anderen Länder die Frage auf, ob sie dennoch bereit sind, sich nach Kräften für Emissionsminderungen im eigenen Land einzusetzen oder ob sie ebenfalls abtrünnig werden. Dies wäre für die Staatengemeinschaft insgesamt fatal: Wir würden uns damit wohl ungebremst auf Temperaturanstiege von 4° und mehr zubewegen.

Die Aussage des obigen Zitats ist in etwa: falls nicht nur die USA und China, sondern auch – als Reaktion auf das Abseitsstehen der USA und Chinas – auch Europa und der Rest der Welt auf Emissionsminderungen verzichtet, erwartet uns eine fatale Klimaerwärmung.

Stimmt. Jedoch ändern Klimaschutzmassnahmen nur in der EU nichts daran, denn die Gewichte sind sehr ungleich verteilt. China und die USA emittieren heute zusammen 40% des CO2 und in 20 Jahren werden China, Indien und die USA zusammen für mehr als 60% des CO2-Ausstosses veranwortlich sein. Auffälligerweise ist keines dieser Länder bereit seine Emissionen einzuschränken.

Die Autorin, Prof.Renate Schubert, hat recht. Die einzig bedeutende Rolle der EU (und Deutschlands als Vorreiter) kann einzig im Vorspuren einer Lösung für das Emissionsproblem sein. Man kann nur hoffen, dass in Europa Techniken zur CO2-Emissionsreduktion entwickelt werden, die dann von den Late-Adopters (USA, China und Indien) übernommen werden können, wenn sie auch so weit sind und einsehen, dass sie es sind, die die Welt gefährden und dass sie sich vor allem selber gefährden und darum im eigenen Interesse handeln.

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@Kommentar von Michael Dittmar. 14.09.2010, 7:44

Hoi Michael,

In http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,717196,00.html wird über Waffenlieferungen der USA an Saudi-Arabien im Wert von 60 Milliarden berichtet. Folgerung: Saudi-Arabien wird weiterhin als solvent und kreditwürdig betrachtet. Alle sind sich klar, dass mit saudischem Öl noch viele Jahre lang viel Geld verdient werden kann.

Übrigens habe ich heute, am 14.09.2010 in der NZZ gelesen, dass die OPEC über eine Erhöhung der Produktionsquoten nachdenkt. Nicht etwa weil die OECD-Länder mehr konsumieren – nein die Ölreserven der USA sind so hoch wie noch selten – sondern weil die Nachfrage aus Asien (vor allem China) hoch ist und steigt.

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Hier gaebe es vielleicht auch noch ein paar Euro zum sparen… Eh nein, damit holen „wir“ uns ja das Geld fuers Oel zurueck… und dann ab und zu macht man alles Kriegsmaterial mal wieder kaputt und kann dann auch neu aufbauen.. gegen Oel versteht sich genial oder?

Wenn wir einfach so auf das Oel verzichten wuerden dann haetten die Oellaender kein Geld und koennten keine Waffen kaufen. Wir wuerden weniger CO2 produzieren usw .. und Kriege muessten wir auch nicht mehr fuehren..

komisch … irgendwo ist das ein Problem, nur wo?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,717196,00.html

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Zitat: Zum anderen sind Vermeidungsmassnahmen Investitionen mit längerem Zeithorizont.

Ein Meilenstein auf dem langen Weg zur Dekarbonisierung ist das Jahr 2050, in dem die Welt insgesamt nur noch die Hälfte an Kohlendioxid emittieren sollte und Deutschland sogar mehr als 80% weniger.

Eine Investition mit langem Zeithorizont ist sicher die „Klimasanierung“ aller Häuser. Nach Spiegel Nr. 37 wird der Nullemissionsstandard für alle Wohngebäude in Deutschland bis ins Jahr 2050 Gesamtkosten in Höhe von 2 bis 2.4 Billionen Euro verursachen. Das entspricht 75 Milliarden Euro pro Jahr oder oder etwa 2 % des Bruttoinlandprodukts.
Im Energie- und Verkehrsbereich sind für die Dekarbonisierung bis 2050 Investitionen ähnlicher Grössenordnung nötig (siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,705217,00.html).
Selbst wenn man berücksichtigt, dass nur ein Teil der Haussanierungskosten von mehr als 2 Billionen Euro bis 2050 allein dem Klimaschutz angelastet werden können und ähnliches auch im Verkehrs- und Energiebereich gilt, ist es wohl nicht falsch für alle Klimaschutzmassnahmen bis 2050 eine jährlichen Anteil am Bruttoinlandprodukt von 2 bis 5% anzunehmen.

Nicholas Stern, der britische Klimaökonom, kommt in seinem Stern-Report jedoch nur auf Klimakosten von 1% des BIP, allerdings unter der Annahme, dass immer die kostengünstigste Form des Klimaschutzes gewählt wird, wofür der Emissionshandel sorgen sollte.

In Deutschland wird oft die teuerste Form des Klimaschutzes gewählt. An Einspeisegarantien für Photovoltaik wurden für die nächsten 20 Jahre bereits 50 Milliarden Euro garantiert, wobei der erzeugte Photovoltaikstrom nur 1% des Gesamtstroms ausmacht.

Gibt es den Übergang in die dekarbonisiserte Welt mit dem Geldeinschiessen in Klimamassnahmen fast unabhängig von der Kosten-/Nutzenrelation? Vielleicht. Deutschland jedenfalls geht diesen Weg mindestens teilweise – und alle Welt schaut zu und ist neugierig auf das, was daraus wird.

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Zitat: Es gibt Länder wie etwa die USA oder China, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, sich an einem solchen Verfahren zu beteiligen und allfällige Einschränkungen ihrer künftigen Emissionsbudgets zu akzeptieren

China wird auf absehbare Zeit keine Emissionseinschränkungen hinnehmen. Der extreme Wachstumskurs lässt Einschränkungen gar nicht zu. Westliche Beobachter lassen sich teilweise täuschen durch Vorhaben Chinas im Bereich erneuerbarer Energien. So sollen vor der südchinesichen Küste gigantische off-shore Windparks erstellt werden. Doch damit wird kein einziges fossiles Projekt in China gestoppt. Man muss sich bewusst sein, dass der Energiesektor in China weiterhin mit 11% pro Jahr wächst, sich mithin in 7 Jahren verdoppelt. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2010 sind in China 22.3 Milliarden Franken in die Förderung von Erdöl und Erdgas investiert worden (Quelle NZZ 13.11.2010). Würde das Wachstum in China unverändert weitergehen, so würde der durchschnittliche chinesiche Bürger im Jahre 2024 die gleiche Kaufkraft haben wie heute ein italienischer Büerger. Momentan, also im Jahre 2010, ist die chinesische Kaufkraft noch auf der Stufe eines algerischen Bürgers.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

«Koalition der Willigen» als Zusammenschluss von Klimaverbündeten. Diese Formel wurde von Norbert Röttgen (deutscher Umweltminister) wiedererfunden (siehe http://www.tagesschau.de/ausland/euklimagipfel122.html).

Tatsächlich scheint es mehr Verbindungen dieses wiederverwendeten Begriffs mit G.W.Bush’s «Koalition der Willigen» zu geben als man zuerst annimmt:
Zitat: Obwohl sich die Minister einig waren, aus den schlechten Erfahrungen von Kopenhagen lernen zu wollen, stellten sie das System der Vereinten Nationen nicht infrage. „Trotz all seiner Schwächen ist es das UN-System, das die Interessen der kleineren Länder schützt“, sagte Carlgren. Und Röttgen ergänzte: Die Alternative sei, dass einzelne Länder aus Machtpositionen heraus für den Rest handelten.

Kommt einem doch bekannt vor. Nur mit dem Unterschied, dass G.W. Bush nach Telepolis (siehe http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14334/1.html) seine Willigen scheinbar willig gemacht hat, ZitatNach einem Bericht des Institute for Policy Studies hat die US-Regierung die Mehrzahl der auf 34 Mitglieder geschätzten Koalition mit Zwang, Druck, Bestechung oder Drohungen von ihrer Irak-Politik „überzeugt“

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@Kommentar von Michael Dittmar. 09.09.2010, 17:00

Hoi Michael,
deine Vorschläge, Zitatzu
(es gibt auch andere Loesungen)
also man koennte theoretisch auch noch sagen
ergaenzen zu …

und
Zitat als Alternative ginge auch noch:…

lassen einen erahnen wie die deutsche Steuergesetzgebung entstanden sein könnte – und warum sie nie vereinfacht, sondern immer nur verkompliziert wird: Gerechtigkeit ruht nie.

Man muss aber im Auge behalten, dass
1) nach IPCC die CO2-Reduktionen bis 2050 nur der erste Schritt sind und schliesslich vollkommen dekarbonisiert werden muss. Daraus folgt: Es gibt gar nichts zu verteilen. Alles muss weg.
2) nach Nikolaus Stern die Dekarbonisierung leicht zu erreichen ist, bindet sie doch an finanziellen Mitteln nur 1% des Bruttoinlandprodukts, was einer Mehrwertsteuererhöhung entspricht, die die meisten gar nicht wahrnehmen würden (frei nach Erinnerung, aber im Geiste von N.Stern)

@Kommentar von Peter Bühler. 09.09.2010, 23:11

“Koalition der Willigen”
daran habe ich mich auch gestört. Und ehrlich gesagt, frage ich mich, wie es im Kopf eines Menschen aussehen muss, der im Zusammenhang mit Klimapolitik auf so eine Assoziation kommt.
aus der Wikipedia: Als Koalition der Willigen oder als Koalition der Wollenden[1] (Original: “coalition of the willing”) bezeichneten insbesondere die US-amerikanischen Gründer dieser Koalition eine Allianz von Staaten, die den Angriff der USA im Frühjahr 2003 auf den Irak im Dritten Golfkrieg politisch und militärisch unterstützten. Der Begriff steht im Gegensatz zum von George W. Bush geprägten Ausdruck „Achse des Bösen“, zu der der Irak gezählt wurde. Die genaue Anzahl der Mitgliedsstaaten war und ist unklar, da einige der Mitglieder – vor allem Golfstaaten – nicht genannt werden wollen, andere wiederum ihre Zugehörigkeit heftig dementieren.

Diese Koalition der Willigen, ausgerufen von G.W.Bush, entstand als Reaktion auf die Ablehnung einer von den USA eingebrachten UN-Resolution, die einen Angriff auf den Irak legitimieren wollte.

Die Koalition der Willigen griff also den Irak ohne demokratische Legitimitation an.

Was könnte „Koalition der Willigen“ im Zusammenhang mit Klimapolitik bedeuten?
– Klimapolitik ist etwas martialisches? (wie Krieg)
– Klimapolitik muss gewaltsam durchgesetzt werden? (gegen den Willen der Mehrheit)
– Klimapolitik muss als Mission aufgefasst werden mit dem Ziel eines Sieges? (wie er im Irak erreicht wurde)

Zitat:
Dennoch kann es zur teilweisen Kooperation kommen, wenn eine «Koalition der Willigen», etwa in Europa, die Sache in die Hand nimmt. Dies macht Sinn, weil Massnahmen zur Vermeidung von Klimawandel fast immer mit Sekundärnutzen für die betreffenden Länder verbunden sind, wie etwa Handelsvorteile aus innovativen Energietechnologien.

Diesmal ist also Deutschland bei der Koalition der Willigen, nicht aber die USA (Abwechslung muss sein).
Der Zitat Sekundärnutzen war im Irakkrieg wohl der Zugang zu den Ölquellen, in der Klimapolitik ist das dann wohl der Zugang zu den Ökomärkten der Welt.

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„Koalition der Willigen“

Eine subtile Antwort auf die “coalition of the willing” (Irak-Krieg)?

Die „Achse des Bösen“ würden entsprechend all die unbelehrbaren AGW-Skeptiker und -Ignoranten bilden?

Wenigstens redet Frau Prof. Schubert nicht gleich einem „robustem UNO-Mandat“ das Wort. Es kam schon 2003 nicht zustande. Die Sache bewegt sich unterhalb der militärischen Eskalationsschwelle, nachdem keine der Grossmächte sich daran beteiligen mag. Vorläufig keine Drohnenangriffe auf missliebige Kritiker also.

Die historische „Koalition der Willigen“ begann übrigens nur ein Jahr nach ihrer Verkündigung zu bröckeln. Noch besteht Hoffnung.

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Kommentar von Michael Dittmar. 09.09.2010, 15:13

zu
(es gibt auch andere Loesungen)

also man koennte theoretisch auch noch sagen ergaenzen zu

pro capita im Mittel was immer akzeptabel im Jahre 2015/20 etc korrigiert fuer:

1) die Oel und Gas etc reichen Laender duerfen durchschnittlich pro mehr verbrauchen

2) die pro capita consumption der letzten 50 (100) Jahre wird auch gerechnet

3) wer in warmen Laendern lebt darf Klimaanlagen benutzen und in kalten Laendern Heizung etc

als Alternative ginge auch noch:

wer heute wenig verbraucht weiss ja wie es geht und soll deshalb weiter so machen wie bisher und die die heute viel verbrauchen entsprechend auch und warten ab mit den Entscheidungen

Also eigentlich was wir schon jetzt machen.

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Hallo Martin,

stimmt ist ein Pseudo Problem (weil die Realitaet eh sich nicht nach Gerechtigkeit richtet! meine Meinung und weil die Natur es uns auch nicht erlauben wird)

Nennen wir es also ein theoretisches pseudo Problem

Martin du hast es ja schon beantwortet. Fuer dich sollte pro Kopf gelten!

Was sagen andere (fuer Peter eben unter der rein theoretischen zusaeztlichen Annahme.. rein zum Spass es stimmt mit dem CO2 Problem

(es gibt auch andere Loesungen)

Das ist in meinen Augen ein Pseudoproblem. Denn wie bereits von Professor Knutti an anderer Stelle erwähnt, laufen die Emissionsziele auf eine “erlaubte” Pro-Kopf-Emission von 2 Tonnen CO2/Jahr im Jahre 2050 heraus. Daraus ergibt sich automatisch der Verteilungsschlüssel für die Emissionsreduktionen: China muss seinen CO2-Ausstoss halbieren im Vergleich zu heute, Indien darf sogar etwas mehr ausstossen, die Schweiz muss um 80% reduzieren und Deutschland um 90%.

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@Kommentar von Michael Dittmar. 09.09.2010, 14:06

Zitat: Welche Länder dürfen wie viel dieser 750 Gigatonnen für sich beanspruchen? Und welche Länder sollten sich wie stark bemühen, ihre CO₂-Emissionen herunterzufahren?

Das ist in meinen Augen ein Pseudoproblem. Denn wie bereits von Professor Knutti an anderer Stelle erwähnt, laufen die Emissionsziele auf eine „erlaubte“ Pro-Kopf-Emission von 2 Tonnen CO2/Jahr im Jahre 2050 heraus. Daraus ergibt sich automatisch der Verteilungsschlüssel für die Emissionsreduktionen: China muss seinen CO2-Ausstoss halbieren im Vergleich zu heute, Indien darf sogar etwas mehr ausstossen, die Schweiz muss um 80% reduzieren und Deutschland um 90%.

Der Teil von Frau Schuberts Ausführungen, der ein echtes Problem anspricht, beginnt erst mit dem Kapitel …aber sie funktioniert nicht

und dieses Problem, Zitat: Es gibt Länder wie etwa die USA oder China, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, sich an einem solchen Verfahren zu beteiligen und allfällige Einschränkungen ihrer künftigen Emissionsbudgets zu akzeptieren.
hat in Wirklichkeit nichts mit dem Verteilungsschlüssel zu tun, sondern mit einer grundsätzlichen Weigerung von China und den USA, sich im Energie-/Emissionsbereich etwas vorschreiben zu lassen.

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Frau Schubert,

angenommen sie koennten als Schiedsrichter entscheiden, welche Loesung zur Verteilung schlagen sie vor?

Die Anteile weiter so wie bisher? Pro Kopf Verbrauch? Den vergangenen CO2 Anteil einrechnen? etc…

also wer soll den nun eigentlich abspecken?

„Nahe liegend wäre es, dass man diese Probleme so löst, wie man es in analogen Fällen auch in kleinerem Rahmen tut: Man einigt sich auf einen wirksamen und doch für alle Beteiligte zumutbaren Verteilungsschlüssel,“

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@Kommentar von Roger Meier. 09.09.2010, 11:12

Zitat:Ich sehe nicht ein, wieso “die innovativen Energietechnologien” ausgerechnet in dem Land entwickelt und produziert werden sollen, das diese vorschreibt.

Komponente wie Windräder und Solarpanels werden ja in Massen benötigt. Es wäre dumm, hier nicht den günstigsten Anbieter zum Zuge kommen zu lassen.

Doch – und das haben sogar viele EE-Fans noch nicht begriffen – das Gesamtenergiesystem, welches für 100% Erneuerbare Energien sorgt, ist viel komplexer. Dazu gehören gemäss Energiekonzept des BMWi/BMU (siehe http://www.spiegel.de/media/0,4906,24278,00.pdf):
– ein Supergrid, welches mittels HGÜ-Leitungen die ganze EU durchzieht und aus Nord-Südtrassen besteht (für den Ausgleich der schwankenden Windenergieleistung mit Hydroenergie in Norwegen und der Schweiz) und über seine Ost-Westtrassen Sonnenstrom aus Spanien und der Türkei ins Netz einbindet.
-regionale Smartgrids für das Lastenmanagement: Nur so können die vielen Energiequellen und intelligenten Stromnutzer zuverlässig aufeinander abgestimmt werden
– Pumpspeicher in den Alpen und in Norwegen
– Biomassekraftwerke als Regelenergie
– Neue Stromspeicher wie Druckluftspeicher, Wasserstoffspeicher, Flow-Batterien

Das innovative an einem solchen System von 100% erneuerbaren Energien sind nicht die Windräder oder Solarpanels, es ist die Integration mit der zugehörigen Infrastruktur und Logistik.

Im gegenwärtigen Zeitpunkt kann man sagen, dass solch ein System technisch machbar sein sollte. Die Gesamtkosten sind aber eine unbekannte Grösse. Man betritt also, was die Kosten betrifft – um einen Terminus aus dem Klimabereich zu benutzen – unknown territory.

Falls das Gesamtsystem – zu dem beispielsweise auch Elektrofahrzeuge gehören, die ihre Batterie als Pufferspeicher zur Vergügung stellen – funktioniert (keine Blackouts) und erst noch kostengünstig Strom liefert, wird das mit Sicherheit Nachahmer auf den Plan rufen und viele deutsche Systemspezialisten werden dann europaweit gefragt sein.

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„fast immer mit Sekundärnutzen für die betreffenden Länder verbunden sind, wie etwa Handelsvorteile aus innovativen Energietechnologien“

?
Wer baut die hochsubentionierten Solarpanels für Deutschland? Genau, die Chinesen (Yingli Solar etc.). Die deutschen Firmen Q-Cells, Conergy, Solon sind alle am abserbeln.
Wer baut die alles verschandelnden Windräder? Die indischen Suzlon.
Ich sehe nicht ein, wieso „die innovativen Energietechnologien“ ausgerechnet in dem Land entwickelt und produziert werden sollen, das diese vorschreibt.

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