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Extremereignisse als Warnzeichen?

17.08.2010 von

Wassermangel in England, Überflutungen in Osteuropa, Hitze und Brände in Russland und intensive Regenfälle in Pakistan und China — dies sind die meteorologischen Schlagzeilen der letzten Tage. Vor einem Jahr wären sie von allen Zeitungen als Menetekel¹ des Klimawandels reisserisch verkauft worden. Heute sind die Medien zurückhaltender. Einzelne Extremereignisse können nicht dem Klimawandel zugeordnet werden, wird nun wissenschaftlich korrekt berichtet. Auffällig ist aber auch, dass die Artikel zur Klimaänderung spärlicher erscheinen. Ist das öffentliche Interesse am «global warming» bereits am Schwinden?

Schweiz muss Aufholjagd betreiben

Das Ziel, die globale Erwärmung nicht über 2 Grad Celsius ansteigen zu lassen, wurde in Kopenhagen anerkannt. Es ist auch ein wichtiges Element der Schweizer Klimapolitik. Doch was bedeutet dies überhaupt? Welche Veränderungen und welche Auswirkungen müssten wir in der Schweiz erwarten? Diese Fragen müssen wir uns stellen.

Klar ist, dass die Herausforderungen nach wie vor riesig sind. Damit die Temperaturen nicht um mehr als 2 Grad Celsius ansteigen, sind kolossale Anstrengungen nötig. In der Schweiz haben wir schon Mühe, unsere Ziele zu erfüllen, die wir uns für die laufende «Kyoto-Periode» gestellt haben. 2009 sank der CO₂-Ausstoss nur um ein (!) Prozent. Die CO₂-Emissionen aus Treibstoffen erhöhten sich sogar seit 1990 in der Schweiz um 12,8 Prozent. Sicher keine Meisterleistung. Damit wir unser Ziel, zehn Prozent weniger CO₂-Ausstoss bis 2012 noch erreichen, müssen wir eine gewaltige Aufholjagd betreiben.

Extremereignisse und warme Meere

Und ähnlich sieht es global gesehen aus. Die Treibhausgase steigen kontinuierlich an. Eines ist sicher: Wenn die Erde sich erwärmt, wird die Anzahl an Extremereignissen steigen. «Hochwasser, Gluthitze und Eiseskälte sind normal», titelte die NZZ am Sonntag gestern. «Mit Sicherheit kann man aber schon jetzt sagen dass die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Und wenn all diese Feuchtigkeit konzentriert über einem Gebiet abgeladen wird, dann ist die Katastrophe programmiert», stellte der bekannte Meteorologe Thomas Bucheli im erwähnten Artikel fest.

Bemerkenswert sei auch, dass der Indische Ozean im vergangenen Monat bis zu 1,5 Grad wärmer gewesen sei als im langjährigen Mittel. Auch das Mittelmeer sei gemäss der amerikanischen Wetterbehörde im vorigen Monat bis zu 3,5 Grad wärmer als normal gewesen. Die Atmosphärenphysik lehrt uns, dass warme Meere gute Feuchtigkeitsspender sind und auch die Ursache für tropische Wirbelstürme wie Hurrikane und Taifune.

Ständerat muss mutige Entscheide fällen

Es ist nicht jedes Extremereignis ein Menetekel für den Klimawandel, aber der Klimawandel wird zu einer Häufung von Extremereignissen führen. Der Ständerat, der demnächst die Behandlungen zu der Klimapolitik «Post-Kyoto» aufnehmen wird, tut sehr gut daran, mutige Entscheide zu fällen.

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¹Ein Menetekel ist ein Warnzeichen oder ein Anzeichen drohender Gefahr.

Zur Autorin

Gastautorin Kathy Riklin ist Nationalrätin der CVP und Präsidentin des OcCC, des beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung des Bundes.

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Kommentare (16) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Kommentar von Martin Holzherr. 12.09.2010, 21:57
@Kommentar von Michael Dittmar. 12.09.2010, 15:35
Hoi Michael,
„kann dir nur zustimmen. Möchte allerdings zu deinem Zitat
“Welches Problem wird eigentlich durch immer weiter
wachsende Bevoelkerung geloest”“

Nur ganz kurz um auf keinen Fall bei diesem Taboo Thema falsch interpretiert zu werden.

Es ging mir mehr um Aussagen

„Hilfe wir xx (die Guten) sterben aus“ etc

Nicht um individuelle Familien und Kinder. Da gibt es tatsaechlich, zumindest manchmal die Moeglichkeit dass „Probleme“ durch Kinder geloest werden .. zum Beispiel wie „die Mutter (und Vater) findet durch Kinder einen Sinn des Lebens“

(wobei ich denke auch das eine pauschal Aussage ist denn falls die Eltern vorher schon in einer kritischen, depressiven xx Situation waren dann deutet es im allgemeinen auf nichts Gutes fuer die Kinder nach einigen Jahren hin.)

also kurz und knapp

dieses Taboo Thema „Wachstum der Bevoelkerung“ und dessen Konsequenzen sollte eben kein Taboo sein und vernuenftig diskutiert werden.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 12.09.2010, 15:35

Hoi Michael,
kann dir nur zustimmen. Möchte allerdings zu deinem Zitat

“Welches Problem wird eigentlich durch immer weiter
wachsende Bevoelkerung geloest”

anmerken, dass Menschen mit der Geburt von Kindern im allgemeinen kein Problem lösen wollen. Probleme sind ja etwas unangenehmes; wenn Kinder als Problem wahrgenommen würden, gäbe es wahrscheinlich wirklich weniger Nachkommen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

ja genau, volle Zustimmung und noch eine kleine Ergaenzung

„Die Medien, die Verwaltung auch viele Politiker fokussieren viel zu stark auf gesamtwirtschaftliche Zahlen, anstatt sie pro Kopf zu rechnen.“

Wenn wir pro Kopf rechnen wuerden ja dann kann man „leider“ China nicht mehr kritisieren und muss zugeben der durchschnittliche Schweizer und Deutsche und Franzose lebt deutlich verschwenderischer als der grosse Mittelwert.

etwa einen Faktor 3 mehr als der durchschnittliche Chinese und fast 10 mal mehr als der Inder..

Dabei koennten wir aber immer noch auf die USA schimpfen.. die verbrauchen naemlich rund doppelt so viel pro Kopf (und leben noch nicht mal besser damit).

Das andere Problem ..
es sagt sich so leicht wir in der Schweiz koennen ja eh nichts aendern .. „wir“ leisten ja nur einen verschwindend kleinen Beitrag zum gesamt Ausstoss an CO2 oder beim Verbrauch des kostbaren Oels..

wie hat das mal jemand treffend beschrieben

„Welches Problem wird eigentlich durch immer weiter wachsende Bevoelkerung geloest“ (nicht verschoben!)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Martin Holzherr. 23.08.2010, 0:05

Obiger Blogbeitrag von Kathy Riklin hat beinahe lyrische Qualitäten, präsentiert sie uns doch ihre Gedanken in 4 Strophen, wobei Strophe 1 und 3 sich mit dem Klima und Strophe 2 und 4 sich kontrapunktisch dazu mit der Klimapolitik befassen. Hier der Überblick:

– Strophe 1 (Einleitung): aktuelle Extremereignisse
– Strophe 2 : Schweiz verfehlt Kyotoziele
– Strophe 3: warmes Meer -> Extremereignisse
– Strophe 4: Ständerat korrigiert Klimapolitik?

Strukturanalyse:
Klima-Faktum (Strophe 1) => Klima-Agens (Strophe 3)
Politik-Faktum (Strophe 2) => Politik-Agens (Strophe 4)

Das ist kunstvoll geschichtet wie die schweizerische Alpentektonik und zeigt doch gut, dass auch und gerade Menschen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund strukturiert, verständlich und suggestiv kommunizieren können.

Alles obige war nur eine Nebenbemerkung, hier nun eine Ergänzung zu dem was ich im Kommentar von Martin Holzherr. 23.08.2010, 0:05 schon geschrieben habe:

Was ich sagen will:
Wenn die Schweiz sich ein gesamtschweizerisches Ziel steckt, so muss sie ihr Bevölkerungswachstum mitberücksichtigen.

Reiner Eichenberger (Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik der Uni Freiburg) schreibt in der Sonntags-Zeitung vom 12. September 2010:
Die Medien, die Verwaltung auch viele Politiker fokussieren viel zu stark auf gesamtwirtschaftliche Zahlen, anstatt sie pro Kopf zu rechnen. Ein besonders absurdes Beispiel dafür bietet die Klimapolitik: Sogar der Writschaftsdachverband Economiesuisse befürwortete eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um die von der EU geplanten 20 Prozent. … Dabei wird aber nicht bedacht, dass die Schwiez von 1990 bis 2020 voraussichtlich ein Bevölkerungswachstum um fast 30 Prozent erlebt …. sondern sie müsste [die Schweiz] pro Kopf gerechnet eine rund doppelt so hohe Reduktion wie Deutschland und die meisten EU-Staaten vornehmen.

Reiner Eichenberger empfiehlt dann Medien und Politikern, endlich die neue schweizerische Realtität – nämlich das Bevölkerungswachstum – zur Kenntnis zu nehmen.

Damit hat er sehr recht. In der Tat vergessen auch viele Blogautoren hier (nicht nur Kathy Riklin) diese neue Schweizer Realtität. Wenn David Stickelberger in seinem Beitrag Solarenergie wird immer beliebter schreibt: In Kombination mit anderen erneuerbaren Energien sowie dem Einsatz effizienter Geräte lassen sich damit die bestehenden Atomkraftwerke problemlos ersetzen
so vergisst er vollkommen, dass die Schweiz in 30 Jahren 2 Millionen Menschen mehr hat. Dementsprechend braucht sie mehr Strom – und der wird nicht einmal in der reichen Schweiz von Solarpaneln allein geliefert werden, sondern von neuen Kraftwerken oder von importiertem Strom. Doch – das werde ich später ausführen – ich warne vor dem Vertrauen in den Stromimport. Das könnte für die Schweiz gefährlich werden.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

In diesem Blogbeitrag wird konstatiert, dass die Extremereignisse dieses Sommers in Osteuropa, Pakistan, China und Russland von den Medien kaum mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht wurden, ja dass Meldungen zum Klimawandel generell spärlicher werden. Zugleich läuft die Schweiz Gefahr, das Kyoto-Ziel zu verfehlen, sanken doch die CO2-Emissionen sogar in der Rezession nur um 1.5%. Das lässt fragen: Könnte mehr mediale Aufmerksamkeit und mehr Furcht vor dem, was das Menetekel dieses Extremsommers verheisst, die Entkarbonisierung der Schweiz beschleunigen? Indirekt vielleicht. Christian Wasserfallen würde sich dann nicht für (Zitat http://blogs.ethz.ch/klimablog/2010/05/26/neues-co2-gesetz-okologie-und-okonomie-gleich-gewichten/): 150 g CO2/km in der Schweiz einsetzen, sondern für das EU-Ziel 130 g CO2/km bis 2015.
Doch für 2012 kommen neu beschlossene Massnahmen ohnehin zu spät, da könnte nur noch die Zwangsabschaltung sämtlicher Ölheizungen und eine Abwrackprämie für spritfressende Fahrzeuge helfen – und solche Hau-Ruck-Massnahmen passen ja irgendwie nicht zur Schweiz. Also hilft sich die Schweiz mit schönrechnen, indem sie die Senkenleistung des Waldes mitberücksichtigt (siehe http://blogs.ethz.ch/klimablog/2010/08/12/hilft-der-wald-bei-der-reduktion-der-co2-emissionen/). Dumm nur, dass die Schweiz die Zunahme des Waldes (Wikipedia: Obwohl Stürme wie Vivian oder Lothar große Schäden anrichteten, hat der Wald in den letzten zwanzig Jahren um 4 Prozent zugenommen) sich nicht anrechnen lassen kann, denn das ist nur erlaubt, wenn es geplant ist, nicht aber wenn es unbeabsichtigt geschieht. Folgende Faktoren machen es für die Schweiz besonders schwierig, ihr Emissionsziel zu erreichen:
– jährliche Wohnbevölkerunszunahme von 60’000 Menschen (1% Wachstum)
– Strom wird schon CO2-arm erzeugt (besser geht’s nimmer)

Es bleiben der Verkehrs- und Gebäudebereich als Hauptemissionsquellen.
Schnelle Änderungen sind vor allem im Gebäudebereich bei einer Sanierungsrate von etwas mehr als 1% pro Jahr nicht zu erwarten. Zudem ist bei Neubauten der Minergie-Standard nur in ein paar Kantonen und Städten hoch (Stadt Zürich 40-50%, Tessin 2%, Deutschschweiz insgesamt 20%, siehe http://www.minergie.ch/tl_files/download/ccrs_minergie_2010_internet.pdf).

Fazit:
– CO2-Emissionsreduktionen müssen geplant werden, sie fallen nicht einfach in den Schoss, vor allem nicht in der Schweiz, wo im Kraftwerksbereich nichts mehr herausgeholt werden kann
– Es bleibt ein Rätsel wie die Grünen 40% CO2 bis 2020 einsparen wollen (siehe http://blogs.ethz.ch/klimablog/2010/01/04/kohlendioxid-ausstoss-40prozent-weniger-waeren-moglich/).

Post Scriptum: Die Grünen wollen scheinbar vor allem bei den Treibstoffen sparen (120 gr CO2/km für Neuwagen), doch damit erreichen sie, Zitat:
Eine 40%-Reduktion wäre für die Schweiz auf alle Fälle möglich.
ihr Ziel nie, vor allem dann nicht wenn auch noch Zitat:
und dies meiner Meinung nach im Inland
erreicht werden soll. Die Grünen und die drei ???.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

„Aufwendungen der öffentlichen Hand für die Energieforschung in Promillen des Bruttoinlandprodukts“

DIESE AUFWENDUNGEN SIND HEUTE GERINGER ALS 1977!!!

Projektliste der Energieforschung des Bundes 2006/2007, Seite 10, Figur 5: http://www.bfe.admin.ch/themen/00519/00524/index.html?lang=de&dossier_id=01156 )

Und weshalb interessiert das hier?

Zunächst einmal handelt es sich um eine gewaltige Schande.
Wenn man bedenkt, welche Belastungen die Politik der Wirtschaft und den Haushalten zumuten will, um aufgrund wackliger Daten, fehlerhafter Voraussagen und Modelle ineffiziente EE-Träumereien zu finanzieren und illusorische „Klimaziele“ (bzw. exotische Konferenzorte) anzupeilen. Stets mit dem betulich vorgetragenen Impetus dringend gebotener „Vorsorge“, aber ohne gleichzeitig massiv in die Energieforschung zu investieren.

Dabei wird sich die Zukunft des Landes und seiner Wirtschaft massgeblich auf dem Feld der Energieversorgung (und jenem der Bildung) entscheiden.

Eine Politik, der es (auch) um Glaubwürdigkeit und tatsächlich ums prévoir geht, würde hier klar die Schwerpunkte setzen, statt sich in den Wohlfühl-Wolkenkuckucksheimen „Nachhaltigkeit“, „Vorsorgeprinzip“, und wie die stets griffbereiten Worthülsen alle heissen, aus der Realität und der Verantwortung zu stehlen.

Das Menetekel, geschätzte Frau Nationalrätin Riklin, zeigt keinen Klimawandel, der zu einer Häufung von Extremereignissen führen wird. Eine solche Häufung wurde in den vergangenen Jahrzehnten nirgendwo beobachtet und sie steht auch nicht zu erwarten.
Das Menetekel warnt vor den Folgen einer offenkundig verblendeten und fehlgeleiteten Politik aufgrund unzutreffender Annahmen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 4

„Reiche Länder wie Deutschland, Frankreich oder die Schweiz haben meiner Ansicht nach die meisten Möglichkeiten, ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Und in diesen Ländern gibt es ja Exponenten, Gruppierungen und sogar politische Parteien, die beispielsweise den Wandel zu 100% Erneuerbaren propagieren und das sogar in 10 bis 20 Jahren erreichen wollen (und die meinen das ja ernst).“

Das glaube ich nicht! Versprechungen gab und gibt es immer viele.

Aber wer erinnert sich noch an die goals vom Jahr 2000 aller reichen Laender, die extreme Armut um einen Faktor 2 zu reduzieren (bis 2015). Also so von 800 Millionen auf 400 Millionen oder so.

Heute haben wir wohl sowas von 1200 Millionen und Tendenz steigend.

Aehnliche Versprechungen gibt es zum Artenschutz und was ist das Resultat? Genau das Gegenteil auch und gerade in den reichen Laendern.

Dann koennte man sich auch noch an die Kyoto Reduktion erinnern und wie wir die mal wieder nicht einhalten..

deshalb macht die EU dann eben wieder Versprechungen bis zum Jahr 2020 ..

Dagegen steht dann der Energieoutlook der IEA, der vom vorhandenen Oel etc ausgeht (was ja vollkommen falsch ist .. inzwischen auch nach Birol von der IEA)

was wirklich mit CO2 passieren wuerde, von wegen 20% Einsparung in der EU

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

Sehr geehrte Frau Riklin

Haben Sie, bevor Sie Präsidentin des OcCC wurden, wirklich nicht gewusst, dass wir das Ende der Eiszeit der globalen Erwärmung verdanken?

Sind Sie sicher, dass OcCC der Politik den richtigen Weg zeigt? Inbesondere sind Sie sicher, dass es Sinn macht weltweit riesige finanzielle Resourcen zur Eindämmung der globalen Erwärmung auszugeben die natürlich andernorts fehlen?

Wäre es nicht besser eine Evidenzen basierte Resourcenallokation in der Politik zu vertreten?

Die Evidenzen sind klar. Es gibt die globale Erwärmung und es gibt Millionen von Menschen die regelmässig unter Extremereignissen leiden. Also wieso nicht da allozieren wo die Evidenzen unumstösslich sind?

Oder wollen Sie den Millionen von leidenden Menschen, z.B. aktuell in Pakistan klar machen, dass ihnen und den nächsten Generation besser geholfen ist wenn alles menschenmögliche getan wird um die weltweiten CO2-Emissionen zu reduzieren?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 4

@Kommentar von Michael Dittmar. 18.08.2010, 14:55

Zitat:
die Laender mit hohem pro Kopf Verbrauch
(also wir!) weigern uns etwas zu aendern.
Tun aber gerne so als ob und geben den
“anderen” (wie immer) die Schuld!

Reiche Länder wie Deutschland, Frankreich oder die Schweiz haben meiner Ansicht nach die meisten Möglichkeiten, ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Und in diesen Ländern gibt es ja Exponenten, Gruppierungen und sogar politische Parteien, die beispielsweise den Wandel zu 100% Erneuerbaren propagieren und das sogar in 10 bis 20 Jahren erreichen wollen (und die meinen das ja ernst).
Wenn so etwas unter Beibehaltung des Wohlstandsniveus erreichbar ist, dann meiner Ansicht nach vor allem in reichen Ländern, wo es viele Optionen gibt. Hier können wir ja (vermeintlich?) auswählen zwischen Kernenergie, Erneuerbarer Energie oder einem Forschungsprogramm, das uns in kürze irgend eine Wunschenergie liefert. Doch die Schwellenländer haben diesen Luxus nicht. Sie nehmen einfach das, was sie vorfinden und was mit geringstem Aufwand zur Entwicklung beiträgt.

Den “anderen” (wie immer) die Schuld zu geben offenbart darum die Arroganz der Arrivierten. Schuldzuordnungen sind sowieso nicht hilfreich. Der, der mit dem Finger zeigt, sieht sich in einer moralisch besseren Position. Doch in Wirklichkeit ist er meist einfach in einer privilegierten Situation.

Die Frage an alle, auch die entwickelten Länder, müsste deshalb sein, wie China die geforderten CO2-Reduktionen ohne Wachstumseinschränkung hinkriegen kann. Das habe ich übrigens bereits im Vorgängerkommentar geschrieben, Zitat: Das könnte eine Diskussion eröffnen wie aufstrebende Länder Wirtschaftswachstum unabhängiger von der Versorgung mit fossilen Rohstoffen machen können

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

„Wenn Cancun scheitert, dann an Indien, China und den USA, also gerade an den Hauptemittenten von Treibhausgasen. “

Ich finde man sollte es ehrlicher als die Medien formulieren und sagen

die Laender mit hohem pro Kopf Verbrauch (also wir!) weigern uns etwas zu aendern. Tun aber gerne so als ob und geben den „anderen“ (wie immer) die Schuld!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 5 Daumen runter 4

Zitat
Auffällig ist aber auch, dass die Artikel zur Klimaänderung spärlicher erscheinen. Ist das öffentliche Interesse am «global warming» bereits am Schwinden?

Tatsächlich war das (vorläufige) Scheitern der geplanten Energiegesetzgebung im US Senat (23.Juli) kein Thema für die Schweizer Nachrichten, der Entschluss Chinas ein CO2-Emissionshandelssystems für den Zeitraum 2011 bis 2015 aufzubauen, ebenso wenig. Klimawandel kann im übrigen kein Dauerthema sein, genau so wenig wie irgend ein anderes Thema (auch im Irak-Krieg ging das Interesse schliesslich stark zurück auch wenn weiterhin Bomben explodierten).

Mediales Interesse und öffentliche Diskurse entsteht in Wellen und jede Welle muss einen neuen Aspekt bringen. Das ist auch sinnvoll. Die nächste grössere Auseindandersetzung mit dem Klimaproblem könnte mit dem Klimagipfel von Cancun beginnen, vor allem dann, wenn er katastrophal scheitert. Wenn Cancun scheitert, dann an Indien, China und den USA, also gerade an den Hauptemittenten von Treibhausgasen. Es kann durchaus sein, dass die chinesische Führung – anders als die US-Republikaner – die Rolle der Treibhausgase bei der Klimaerwärmung anerkennt, aber der Wirtschaftsentwicklung höhere Priorität zuerkennt als dem Klima. Das könnte eine Diskussion eröffnen wie aufstrebende Länder Wirtschaftswachstum unghängiger von der Versorgung mit fossilen Rohstoffen machen können – eine wichtige und sinnvolle Diskussion.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zitat:
In der Schweiz haben wir schon Mühe, unsere Ziele zu erfüllen, die wir uns für die laufende «Kyoto-Periode» gestellt haben. 2009 sank der CO₂-Ausstoss nur um ein (!) Prozent.

Hier Daten einiger anderer Länder für 2009 (siehe http://www.economic-growth.eu/Seiten/AktuelleDaten/Daten2009.html):
Schweiz BIP -1.5% CO2 -1%
Deutschland BIP -5% CO2 -8%
USA BIP -2.4% CO2 -5%
China BIP +8.7% CO2 +9%

Erläuterungen:
-In Deutschland liefen die Kohlenkraftwerke während der Krise nur in Teillast (siehe (siehe http://klima-media.de/2010/03/10/uba-verzeichnet-in-deutschland-staerksten-emissionsrueckgang-seit-staatsgruendung/)
-In den USA ersetzten teilweise Gaskraftwerke Kohlenkraftwerke.

Ein Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in der Schweiz führt zu weniger Stromverbrauch, das aber ändert wenig an den CO2-Emissionen, denn der Schweizer Strom ist schon CO2-arm.

Folgerungen:
– CO2 reduzieren ist schwieriger für weniger fossile Länder
– Das 2°C-Ziel kann nie erreicht werden, solange es Länder gibt, bei denen das Wirtschaftswachstum an fossile Energiequellen gekoppelt ist (China, Indien, USA)
– Das Ziel 1 Tonne CO2 Emission pro Kopf im Jahre 2050 bedingt vollkommene Technologiewechsel wie emissionsfreie Fahrzeuge, Gebäude ohne Heizungen
– Es braucht CO2-arme Energiequellen, die genau so billig wie Kohle sind, damit auch China, Indien (und die USA?) von der Kohle wegkommen.

Fazit:
– Bei Fortsetzung heutiger Trends wird das 2°C-Ziel weit verfehlt
– Billige CO2-arme Energiequellen würden mehr bewirken als verordnete Emissionsreduktionen
– Wenn der Kraftwerkpark kein CO2 erzeugt (wie in der Schweiz) braucht es Technologiewechsel andernorts (Heizungen,Fahrzeuge) um die CO2 Emissionen noch weiter zu reduzieren

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

Korrektur…

Der Satz sollte lauten: Bob Tisdale übrigens erwähnt in seiner letzten monatlichen Analyse (”July 2010 SST Anomaly Update”), dass die saisonale Abkühlung in der südlichen Hemisphäre (-0.076 °C) höher ausfiel als die Erwärmung in der nördlichen (+0.030 °C).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 2

Sehr geehrte Frau Riklin,

In den Zeitungsarchiven finden sich in allen Jahren Meldungen zu Dürren, Überschwemmungen, Hitze- und Kälteperioden. Erfreulich deshalb, dass die Medien nicht länger jedes Ereignis kurzerhand dem „anthropogenen Klimawandel“ zuordnen.

Derzeit kühlen der Pazifik und der tropische Atlantik unter dem Einfluss des El Niña-Phänomens ab.
Bob Tisdale übrigens erwähnt in seiner letzten monatlichen Analyse („July 2010 SST Anomaly Update“), dass die saisonale Abkühlung in der südlichen Hemisphäre (-0.076 °C) höher ausfiel als jene in der nördlichen (+0.030 °C). Zum Ostindischen West-Pazifik notiert er einen Trend von +0.019 °C.
Dieser regional zunehmende Trend ist keineswegs alarmierend sondern typisch während einer Niña-Phase, indem das warme Oberflächenwasser des Pazifischen Ozeans von den Passat-Winden nach Südostasien getrieben wird, während in Peru z. B. Tiefenwasser hochströmt und das Oberflächenwasser abkühlt.

Überaus interessant die ganze Sache.

Lesen Sie bitte auch Bob Tisdales Exposé zu der Frage, ob das gegenteilige Wetterphänomen, El-Niño, die gesamte globale Erwärmung seit 1976 (die seit gut 12 Jahren innehält) erklären könne. Tisdale bejaht die Frage ausdrücklich:

http://bobtisdale.blogspot.com/2009/01/can-el-nino-events-explain-all-of_11.html

Ihr Zeuge, Frau Nationalrätin…

Und bitte ja, möge der Ständerat tatsächlich einen mutigen Entscheid fällen und die unnötig forcierte Dekarbonisierung und das absolut illusorische 2 °-Ziel zurückweisen. Das Klima wird von seiner Umsetzung oder dem Verzicht darauf nicht die geringste Notiz nehmen. Unsere Wirtschaft aber wird unter den geplanten und kaum einhaltbaren Vorgaben Schaden nehmen.

Verwenden Sie sich mit Ihrer Partei besser dafür, dass mehr Geld für Forschung und Entwicklung bereitgestellt wird, um die Energiefrage zu lösen. Wir benötigen einen Technologiesprung. Die heutige EE-Industrie bietet ihn (noch) nicht.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 6 Daumen runter 7

Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Unbeschwertheit populäre, aber wissenschaftlich unfundierte Aussagen zu Axiomen hochgespielt werden. Insbesondere im politischen Kontext.

„Eines ist sicher: Wenn die Erde sich erwärmt, wird die Anzahl an Extremereignissen steigen.“

Wie sicher ist das? Offenbar finden starke Klimaschwankungen auch bei niedrigeren Temperaturen statt:
„In den Sedimenten fanden sie Hinweise darauf, dass es am Ende der letzten Eiszeit zu einem regelrechten «Klimaflimmern» gekommen war, während dem kalte und wärmere Phasen quasi oszillierten, bis dann der Übergang zum stabilen Klima des Holozäns – unserer jetzigen Zwischenwarmzeit – geschafft war. Die kurzfristigen und starken Schwankungen während der Jüngeren Dryas würden die heute stattfindenden „Extrem-Wetterereignisse“ in den Schatten stellen, erklärt Gerald Haug, Professor am Departement für Erdwissenschaften der ETH Zürich“

http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/090216_Nature_dryas_haug/index

„Bemerkenswert sei auch, dass der Indische Ozean im vergangenen Monat bis zu 1,5 Grad wärmer gewesen sei als im langjährigen Mittel.“
Ozeane sind die Motoren des Klimas. Die Temperaturen schwanken in gut bekannten Zyklen. Ein Ozean heizt sich nicht innerhalb eines Monats um 1.5° auf, sondern warme und kalte Wassermassen wechseln saich ab. Eine gute Übersicht über das Temperaturverhalten der Ozeane findet sich hier:
http://bobtisdale.blogspot.com/


„Auffällig ist aber auch, dass die Artikel zur Klimaänderung spärlicher erscheinen. Ist das öffentliche Interesse am «global warming» bereits am Schwinden?“

Offensichtlich haben die Massenmedien den Hype als solchen erkannt. Climategate hat einiges zur Erleuchtung beigetragen.


„2009 sank der CO₂-Ausstoss nur um ein (!) Prozent.“

Um wieviel wäre die Temperatur gesunken, wenn der Ausstoss weltweit um 100% gesunken wäre? Haben Sie die Rechnung einmal durchgeführt?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 8 Daumen runter 8

Hat es den vor dem „Klimawandel“ keine Überschwemmungen gegeben? Keine Brände in Russland (natürlich, aber der Rauch ist bisher nicht nach Moskau gedrungen, so dass es die Journalisten nicht mitbekommen haben)?
Wer behauptet, es gebe vermehrt Extremereignisse, soll mit einer Statistik nachweisen, dass mehr davon gibt. Bei den Hurricans haben sie es versucht, der Schuss ging nach hinten los, es gab weder mehr noch stärkere Hurricans. Ich will also Zahlen sehen, und keine vagen Behauptungen.
Werden die Meere tatsächlich insgesamt wärmer? Die ARGO-Messdaten zeigen, dass dem nicht so ist. Man kann natürlich immer einen Ort finden, wo es wärmer als der Durchschnitt ist, das ist kein Problem.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

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