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Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 3)

05.08.2010 von

In Anbetracht der unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels sind wir gezwungen, bereits heute Anpassungsstrategien zu entwickeln (siehe mein letzter Beitrag hier). Unsicherheiten bestehen allerdings nicht nur in Bezug auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung.

Eine robuste Anpassungsstrategie muss deshalb nicht nur die lokalen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen. Dies legt es nahe, der Entwicklung von Anpassungsstrategien das sogenannte «totale Klimarisiko» zu Grunde zu legen. Das «totale Klimarisiko» setzt sich aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risiko zusammen.

Gefragt ist eine robuste Anpassungsstrategie

Eine robuste Anpassungsstrategie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie dem «totalen Klimarisiko» erfolgreich begegnet. Es zeigt sich, dass es in vielen Fällen günstiger ist, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu bezahlen – wie wir anhand von acht Fallstudien aufgezeigt haben. Die Resultate sind in der Studie «Shaping climate-resilient development – a framework for decisionmaking» ausführlich dokumentiert (hier).

Eine Fallstudie: Dürrebedingte Schäden in Indien

Ich möchte hier zur Illustration dieser Feststellung die Studie im Bundesstaat Maharashtra in Indien heranziehen. In dieser Fallstudie haben wir den Einfluss von Dürre auf die Landwirtschaft untersucht.

Dürrebedingte Schäden in Maharashtra, Indien, in Mio. USD

Das heutige Risiko, in dieser Studie also der durchschnittliche dürrebedingte Ernteausfall aufgrund des heutigen Wetters und Klimas, beläuft sich auf 238 Mio. USD jährlich (linke Säule in der Grafik). Nimmt man die prognostizierte wirtschaftliche Entwicklung bis zum Jahr 2030 dazu, so erhöht sich das Risiko um 132 Mio. USD jährlich (grüner Beitrag). Zur Abschätzung des zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risikos haben wir ein Szenario herangezogen, das auf den regionalen Auswirkungen basiert, wie sie von einer Reihe von Klimamodellen prognostiziert werden (Details in der oben genannten Studie). Die dürrebedingten Schäden nehmen unter diesen Annahmen um weitere 200 Mio. USD zu (dunkelblauer Beitrag). Damit beläuft sich das totale Klimarisiko im Jahre 2030 unter diesen Annahmen auf 570 Mio. USD (rechte Säule).

Gut beraten, wer schon heute an Klimaanpassung denkt

Wie man aus diesen Resultaten unschwer ersieht, tragen das heutige Risiko und die wirtschaftliche Entwicklung deutlich mehr als die Hälfte zum totalen Klimarisiko im Jahre 2030 bei. Man ist also in der Tat gut beraten, schon heute Massnahmen zur Minderung dieses Risikos ins Auge zu fassen – kein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger würde ernsthaft erwägen, bis ins Jahr 2030 mit der Klimaanpassung zuzuwarten. Damit haben wir dargelegt, dass es sinnvoll ist, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, im nächsten Beitrag werde ich zeigen, dass dies auch günstiger ist, jetzt zu investieren als zuzuwarten.

Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Emerging Risk Management bei der Swiss Re, der Schweizerischen Rückversicherungsgesellschaft.

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Kommentare (10) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

[…] Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie 3 (Originalbeitrag auf dem ETH-Klimablog) […]

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Auch die jüngste Publikation zum Thema…

http://www.swissre.com/media/news_releases/Climate_change_could_significantly_increase_the_risk_of_hurricanes_and_storms_in_the_Caribbean.html

http://www.ccrif.org/sites/default/files/publications/ECABrochureFinalAugust182010.pdf )

findet mit ihren zentralen Aussagen bei einem der weltweit renommiertesten Spezialisten auf dem Gebiet wenig Gnade:

„That is just wrong and misleading. Not good.“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr

Wenn Sie noch lesen mögen – an Lektüre zum Thema fehlt es nicht…

„The biggest boon in insurance industry history“ *

Natürlich schreibt Herr Bresch hier im Namen eines angesehenen Versicherers und gibt nicht vor, ein unabhängiges (klima)wissenschaftliches Institut zu vertreten.

Umgekehrt besteht das Publikum in einem öffentlichen Blog nicht mehrheitlich aus Shareholdern, Versicherungsvertretern und Umwelt-Aktivisten, sondern überwiegend aus Prämienzahlern. Die ersten drei Gruppen verbindet – wir leben in einer freien Welt – ein gesteigertes Interesse an versicherbaren bzw. medial verwertbaren Risiken: Null Risiko = null Prämie (bzw. Spendenaufkommen). Für Versicherer gilt allerdings auch: hohes Risiko = hohes Schadenpotential.

Das Biotop, in dem der „Organismus“ Versicherung am besten gedeiht, befindet sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Der Idealfall aus geschäftlicher Sicht: hohes Risikoempfinden bei den Versicherten – vergleichsweise geringeres Risiko bei der tatsächlichen Schaden-Eintretenswahrscheinlichkeit.
Aus der grösseren oder geringeren Differenz zwischen diesen Erwartungshorizonten speisen sich der geschäftliche Erfolg, die zahlreichen Arbeitsplätze, die ansehnlichen Anlage-Portefeuilles und imposanten Geschäftsgebäude, die steigenden Aktienkurse, die Dividenden und Boni – oder eben der Misserfolg.

Big Business auf heikler Gratwanderung. Da schaut man sich schon mal nach Partnern um, die eine sichere Seilschaft versprechen. Die Gefahr bei solchen Gemeinschaften: gerät einer aus dem Tritt, droht er die anderen mitzureissen. Dass es darunter auch welche gibt, die einen zum Mitgehen schon beinahe nötigen, gehört wohl zum Geschäft ( http://www.climate-insurance.org/upload/pdf/FriendsoftheEarth2005_Climate_Risk_Reporting_casualty_and_property_insurers.pdf ).
All die Gruppen und Grüppchen haben bei ihrem langen Marsch durch die Institutionen eines verinnerlicht: Klappern gehört zum Handwerk, und wer lauter schreit, erhält mehr Aufmerksamkeit – und Zuwendungen. Eher ruhige aber nicht weniger einflussreiche Gruppe bilden dagegen all die Foundations, die sich der „climate advocacy“ widmen, aus durchaus unterschiedlichen Motiven ( http://legalectric.org/weblog/2250 ).

Nun will hier niemand der Versicherungsindustrie unterstellen, sie würde die Nähe zu Leuten suchen, die die Existenz von Risiken übertrieben darstellen, weil’s den (beidseitigen) geschäftlichen Interessen dient. Eher möchte man annehmen, dass die Vertreter der Versicherungsindustrie – wie viele von uns – von der redlichen Sorge umgetrieben werden, was aus der Welt werden soll, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen und wie wir die auftretenden Risiken meistern. Ein durchaus ehrenwertes und mitreissendes Unterfangen. In seinem überschwänglichen Sendungsbewusstsein droht es allerdings gelegentlich über das hehre Ziel hinauszuschiessen. Dann z. B., wenn unbeirrt an Klima-Risiken bzw. an Risiko-Szenarien festgehalten wird, die wissenschaftlich kaum haltbar sind und die auch von der Öffentlichkeit zunehmend als unglaubwürdig betrachtet werden.

Gut gibt es da die etwas nüchterneren Stimmen, wie etwa jene von Karen Clark, die Jahr für Jahr die aus dem Ruder laufenden Ansichten in Sachen Risikowahrnehmung und -voraussagen etwas zurechtrückt. Daneben gibt es deutlich kritischere Einlassungen. Im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung der Versicherer verdienen auch sie Aufmerksamkeit. Eine kleine Auswahl davon…

http://www.karenclarkandco.com/pdf/KCCNearTermHurricaneModelsJanuary2010.pdf

http://www.coaps.fsu.edu/~maue/tropical/global_running_ace.jpg

http://www.property-casualty.com/News/2010/1/Pages/Hurricane-Modelers-Past-Insured-Loss-Predictions-Called-Flawed-.aspx

* http://network.nationalpost.com/np/blogs/fpcomment/archive/2009/06/06/lawrence-solomon-climate-insurance.aspx

http://reason.com/blog/2010/01/15/climategate-controversy-roils

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,673779-2,00.html

http://rogerpielkejr.blogspot.com/2010/01/der-spiegel-on-ipcc-and-disasters.html

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article6038044/Die-selbstgemachte-Klimakatastrophe-der-UN.html

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Peter Bühler. 10.08.2010, 19:14
Danke, da habe ich wohl zu viel gedacht und zuwenig gelesen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr

„Beim nochmaligen Überdenken des Artikels von David Bresch bin ich zum Schluss gekommen, dass der Autor aus der Sicht eines Versicherers schreibt“

Ernsthaft?!

Lesen Sie mal den zitierten Bericht (Maharashtra: S. 81 – 85) mit einem Vorwort von N. Stern und der hier gezeigten Grafik in abgewandelter Form.

Interessant übrigens u. a., dass die Autoren die IPCC-Aussagen zu den schmelzenden Himalaja-Gletschern schon bei Berichterscheinen im September 2009 mit auffallender Zurückhaltung betrachteten (s. Grafik S. 81).

http://media.swissre.com/documents/ECA_Shaping_Climate_Resilent_Development.pdf

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Roger Meier. 08.08.2010, 19:50

Hier möchte ich auf folgende Aussagen von Roger Meier

Zitat:
Hier zwei gesicherte Erkenntnisse:
– Bei jeglicher staatlich erzwungenen “Transformation der Wirtschaft” wird selbige abserbeln
– Bei jeglicher Katastrophenangst werden die Versicherungen Kasse machen

eingehen und zeigen,
1) dass erzwungene und einseitige Wirtschaftstransformationen tatsächlich problematisch sind und statt dessen in einer globalisierten Welt global gültige Massnahmen angestrebt werden müssen.
2) dass Klimakatastrophen in der Realität so verheerend sind, dass Handlungen erst post festum möglich sind und dass die Prognose von Klimakatastrophen so kontraproduktiv ist, dass dies nicht einmal einer Versicherung etwas nützt.

Wirtschaft und Auflagen

Zitat: Bei jeglicher staatlich erzwungenen “Transformation der Wirtschaft” wird selbige abserbeln

Partielle Zustimmung: In einer globalisierten Wirtschaft vermindert jede staatliche Auflage die Konkurrenzfähigkeit der Firmen im betreffenden Staat. Das gilt schon für die klassischen Umweltschutzmassnahmen, die seit den 1970er Jahren ergriffen wurden. Da sich ein gewisser Umweltstandard in den industrialisierten Ländern durchgesetzt hat, sind die Umweltschutz-Auflagen nun kein Wettbewerbsnachteil mehr.

Das gleiche gilt für Klimaschutzmassnahmen (CO2-Reduktion). Alle müssen mitmachen,
1) damit Abseitssteher nicht profitieren
2) damit eine globale Wirkung erzielt wird

Sogar die EU zweifelt momentan an der Verlängerung von Kioto, da die USA, China und Indien abseitsstehen und ohne sie keine „Klimakorrektur“ möglich ist.

Wichtig: Da CO2-Reduktionen auch einen Verzicht auf fossile Rohstoffe bedeuten, kann auch eine einseitige CO2-Reduktionsstrategie Vorteile bringen, da die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen abnimmt. Beispiel: China will in naher Zukunft die Wasserkraft massiv ausbauen (z.B. in Tibet). Wasserkraft bedeutet weniger Kohle und damit weniger CO2-Aussstoss. Zudem wird selbst in China die Kohle langsam knapp. Also eine Win-Win-Situation.

Mit der Aussage Zitat
.. die Hauptunsicherheit besteht in der Prognose des zukünftigen Klimas, nämlich ein totales Unwissen
kann man sich heute Klimamassnahmen entziehen, doch ich bin überzeugt, dass sich das in den nächsten 10 Jahren ändert und immer mehr Zweifler vom Klimawandel und der Notwendigkeit des Handelns überzeugt werden.

Fazit:
-Verzicht auf fossile Rohstoffe macht langfristig auf jeden Fall Sinn, da Verknappungen zu erwarten sind
– Besser als einseitige einzelstaatliche Massnahmen ist ein globaler Ansatz, der alle einbezieht
– Auflagen für die Wirtschaft nur bei absoluter Notwendigkeit und am besten wettbewerbsneutral

Versicherung profitiert von Katastrophenangst?

Die Aussage Zitat Bei jeglicher Katastrophenangst werden die Versicherungen Kasse machen trifft nur bedingt zu.

Eine wirkliche Katastrophe lässt sich nicht versichern, da sie alles übersteigt, was zu versichern ist. Gegen Tschernobyl kann man sich also nicht versichern. Je besser nachvollziehbar und überzeugender Risiken dargestellt werden, umso mehr potentielle Versicherungsnehmer werden sich damit auseinandersetzen und Lösungen suchen. Eventuell können dann Vorsorgemassnahmen einen Teil der Versicherung gegen das drohende Unheil sein.

Im obigen Beispiel der dürrebedingten Schäden in Indien kommt dazu, dass jetzt schon (bei noch geringem Klimawandel) grosse Dürrerisiken existieren. Der Klimawandel vergrössert diese Risiken im günstigsten Fall nur etwas, so dass in die Massnahmen, die vor dem Risiko schützen sollen, etwas stärker investiert werden sollte.

Eine Katastrophe im Zusammenhang mit den dürrebedingten Schäden in Indien wäre das völllige Ausbleiben des Sommermonsums für mehrere Jahre. Dagegen kann man sich kaum versichern.

Hoffen wir also, dass der Klimawandel berechenbar bleibt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Beim nochmaligen Überdenken des Artikels von David Bresch bin ich zum Schluss gekommen, dass der Autor aus der Sicht eines Versicherers schreibt. Ein Versicherer begegnet dem Klimarisiko nicht in erster Linie mit Massnahmen – beispielsweise Wassermanagement. Er kümmert sich mehr um Eintretenswahrscheinlichkeiten. Eine robuste Anpassungsstrategien, wie sie von David Bresch empfohlen wird, muss in jedem Fall von den Entscheidern im betroffenen Land (hier Indien, Bundesstaat Maharashtra) umgesetzt werden.

Wenn die Fallstudie für den Bundesstaat Maharashtra annimmt, dass die dürrebedingten Schäden bis 2030 aufgrund der ökonomischen Entwicklung um 132 Millionen USD und aufgrund des Klimawandels um 200 Millionen USD zunehmen, so gilt dies für den Fall, dass keine wesentlichen Anpassungsstrategien zum Tragen kommen.

Muss nun der Versicherer in seiner Risikoabschätzung auch noch die Wahrscheinlichkeit abschätzen, dass proaktive Massnahmen ergriffen werden?

Oder reduziert sich die Versicherungsprämie, wenn der Staat Maharashtra Massnahmen zur Schadensreduktion ergreift?

Berücksichtigt man Massnahmen zur Schadensreduktion muss man die Gleichung

“Totales Klimarisiko” = “Heutiges Risiko” + “wirtschaftliche Entwicklung” + “Klimawandel”

erweitern zu

“Totales Klimarisiko” = “Heutiges Risiko” + “wirtschaftliche Entwicklung” + “Klimawandel” – „Schadensreduktionsmassnahmen“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Die Gleichung
„Totales Klimarisiko“ = „Heutiges Risiko“ + „wirtschaftliche Entwicklung“ + „Klimawandel“ macht wahrscheinlich Sinn, vor allem dann, wenn man sehr viele Faktoren in „wirtschaftliche Entwicklung“ hineinpackt, wie beispielsweise den Faktor des Wassermanagements, der in Gegenden mit ausgeprägt ungleich verteilten Niederschlägen über das Jahr matchentscheidend sein kann.

It’s the water, stupid

Sehr viel Mut muss ich dem Autor unterstellen, dass er ausgerechnet eine Region in Indien (um Mumbai herum) als Beispiel ausgewählt hat. Denn die Landwirtschaft in Indien hängt sehr stark vom Monsum ab und die Ernteerträge können mit dem Monsum von Jahr zu Jahr stark schwanken (Zitat: Der Monsum beeinflusst das Klimageschehen stärker als die Temperatur. Durchschnittlich 1.700 Millimeter, das sind 95 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge, regnen in dieser Zeit ab.). Die kurze Zeit der Niederschläge würde eigentlich ein effizientes Wassermanagement nötig machen, doch gerade daran fehlt es im Bundesstaat Maharashtra wie in vielen anderen Teilen Indiens. Die einzige Modernisierung im Bereich Wassermanagement sind der Bau von sehr tief reichenden Brunnen, aus denen mit kostenlosem Strom soviel Wasser herausgempumpt wird, dass die Grundwasserspiegel rapide sinken.
Wenn man dann noch weiss, dass in Indien durchschnittlich 1100 Millimeter Niederschlag im Jahr zu erwarten sind, was deutlich über dem Weltdurchschnitt liegt, so erkennt man mühelos, dass das eigentliche Problem vorerst nicht der Klimawandel, sondern das schlechte bis fehlende Wassermanagement ist.

Risikomanagement bei unbekanntem Risiko?

Doch der Klimawandel könnte in Indien und damit auch in Maharashtra zum echten Problem werden und zwar nicht über leicht erhöhte Temperaturen, sondern über markante Änderungen des Monsuns. Der Monsun könnte ins Stottern geraten oder gar für mehrere Jahre aussetzen. Andererseits wäre auch eine Verstärkung mit vermehrtetn Überflutungen möglich. Der indische Sommermonsum ist nämlich einer der vielbeschworenen Kipppunkte im Klimasystem, denn die Strömungssysteme, die für ihn verantwortlich sind, sind recht labil.

It’s the water, stupid (sequel)

Eine Risikoberechnung für Maharashtra und Indien überhaupt scheint mir mindestens dann schwierig, wenn man auch noch ein mögliches Stottern oder völliges Aussetzen des Monsums als Risikofaktor berücksichtigen will. Für so einen Fall eine Zitat robuste Anpassungsstrategie zu entwickeln, dürfte schwierig sein.

Doch etwas ist sicher: Am ehesten besteht die robuste Anpassungsstragie wohl einfach in der Implementierung eines effizienten Wassermanagements. Eigentlich braucht es keine tiefschürfende Risikoanalyse um das zu erkennen.

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„Unsicherheiten bestehen allerdings nicht nur in Bezug auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung“

So viele Unsicherheiten bestehen nicht (die Hauptunsicherheit besteht in der Prognose des zukünftigen Klimas, nämlich ein totales Unwissen).

Hier zwei gesicherte Erkenntnisse:
– Bei jeglicher staatlich erzwungenen „Transformation der Wirtschaft“ wird selbige abserbeln
– Bei jeglicher Katastrophenangst werden die Versicherungen Kasse machen

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 4

Das „totale Klimarisiko“ (zunehmend bedenkliches Vokabular, nebenbei) besteht wohl darin, dass wir sowohl mit einer Erwärmung als auch mit einer Abkühlung der globalen Mitteltemperaturen rechnen müssen, mit regional völlig unterschiedlichen Folgen: Dürren hier, Überschwemmungen da. Wie zu allen Zeiten und auch derzeit weltweit zu beobachten.

Neben den Klimawissenschaftlern, die mit einer steigenden Erwärmung rechnen, gibt es nicht wenige, die eine längere Abkühlungsphase der globalen Mitteltemperaturen für wahrscheinlich halten: s. u. a. http://wattsupwiththat.com/2010/08/05/dmi-polar-data-shows-cooler-arctic-temperature-since-1958 bzw. http://ocean.dmi.dk/arctic/meant80n.uk.php

Unter den Vorzeichen dieser Ungewissheit eine „robuste Anpassungsstrategie“ zu entwickeln, wird wohl ein schwieriges Unterfangen, wenn damit die Anpassung an die Folgen sowohl einer Erwärmung als auch an jene einer Abkühlung gemeint ist. Die Anpassung an unterschiedliche regionale Klimaveränderungen und deren ebenso unterschiedliche Folgen dagegen wäre nichts anderes als das, was die Menschen weltweit seit jeher getan haben bzw. zu tun gezwungen waren.

Wie Sie in Ihrem letzten Beitrag festhielten, gehen die höheren Schäden denn auch auf das Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft bzw. die gestiegene Bautätigkeit in gefährdeten Gebieten zurück, d. h. NICHT auf dramatisch gestiegenen Naturgefahren an sich (wie u. a. die Geschichte um die verfehlten IPCC-Aussagen zur angeblichen Zunahme von Hurrikans belegt: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,686437-5,00.html ).

Man sollte annehmen, dass dieser zivilisatorischen Entwicklung und dem damit verbundenen Anstieg der „mittleren jährlichen Naturgefahrenschäden“ a) durch behördliche Massnahmen wie Bauverbote, Vermeidung und Eindämmung der vorhersehbaren Risiken begegnet wird b) eine höherer Deckung durch entsprechende Versicherungsprämien gegenübersteht.

Unabhängig davon stehen wir nicht vor einem grundsätzlich neuen Klimawandel-Problem – das gibt es seit jeher – sondern vor dem Inkaufnehmen vorhersehbarer Risiken durch Wachstum, Bautätigkeit, Infrastrukturausbau in gefährdeten Gebieten und einem Problem der versicherungstechnischen Unterentwicklung bzw. einer fehlenden oder massiven Unterdeckung dieser neu entstandenen Risiken.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

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