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«post 2012» – Wie gehts weiter?

15.07.2010 von

Die Abgabe meiner Masterarbeit rückt langsam näher. In diesem Zusammenhang bot mir die CarbonExpo in Köln eine umso willkommenere Gelegenheit, mich auf den aktuellen Stand in Sachen «Carbon Market» und Emissionshandel zu bringen. Deren Zukunft ist mit dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 noch ungewiss und Spekulationen sind allgegenwärtig. Die Marktteilnehmer scheinen zuversichtlich – trotz des unerhofft ambitionslosen Ausgangs der Verhandlungen in Kopenhagen.

«Auch Kleinvieh macht Mist»

In Köln war der so genannte «programmatische Clean Development Mechanism (programmatischer CDM)» ein «heisses Thema» im Bereich der marktbasierten Instrumente zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Im Gegensatz zu den grossen einzelnen Projekten im traditionellen CDM werden im programmatischen CDM verstärkt kleine Projekte vorangetrieben, welche in einem «Programm» zusammengefasst werden (daher der Name). Auf diese Weise schaffen es auch kleine Projekte, sich trotz der hohen Transaktionskosten zu behaupten und wirtschaftlich rentabel zu werden.

Sektorale Ansätze

Abgesehen von der Förderung kleinerer Emissionsprojekte ist der programmatische CDM ein Meilenstein auf dem Weg zu breiter gefächerten und allgemeineren so genannten sektoralen Marktmechanismen. Grundgedanke des sektoralen Ansatzes ist es, anstatt für einzelne Projekte für einen kompletten Industriesektor Emissionsziele zu definieren. Die Verfehlung dieser Ziele führt nicht zu Sanktionen, da es sich um so genannte «No-lose Targets» handelt. Dies soll einerseits Anreize für Emissionsreduktionen schaffen und andererseits Entwicklungsländer dazu anspornen, mittelfristig ein nationales Emissionsziel anzunehmen.

Auf dem Weg zu globalen Emissionszielen

Die Implementierung verschiedener sektoraler Ansätze wird zurzeit diskutiert. Die sektoralen Ansätze bieten unter anderem den Vorteil, dass sie auch von den bisher auf dem internationalen «Klimaparkett» verhalten agierenden USA favorisiert werden. Und das ist gut: Wie die Verhandlungen in Kopenhagen deutlich bestätigt haben, müssen die USA dringend ins Boot geholt werden, damit die internationale Klimapolitik an Fahrtwind gewinnt und auch Entwicklungs- und insbesondere Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China mitspielen. Dies könnte dank der besagten «No-lose Targets» politisch möglich werden und würde einen grossen Schritt für die internationale Klimapolitik bedeuten.

Neue und alte Bekannte

Abgesehen von den vielen Informationen und einigen neuen Kontakten, die sich als durchaus nützlich für meine Arbeit erwiesen haben, konnte ich auf der CarbonExpo auch alte Bekannte wiedertreffen. Nachdem wir uns seit der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember nicht gesehen hatten, liefen sich Tim und ich zufällig in Köln an der Messe über den Weg – die Welt des Emissionshandels ist klein!

Zur Autorin

Katja Halbritter ist dipl. Chemikerin und schreibt zurzeit eine Masterabeit an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (14) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Die Welt des Emissionshandels ist voller überraschender Wendungen.

Die Idee zum im Kyoto-Protokoll verankerten Emissionshandel kommt aus den USA. Die USA ratifizierten das Kyoto-Protkokoll aber nie.

Obama wollte die USA zurück in den Kyoto Prozess bringen und versprach schon mal 17% US Emissionsreduktionen zwischen 2005 und 2020. In der Nacht zu diesem Freitag, dem 23. Juli 2010, scheiterte aber das US-Klimaschutzgesetz, da es absehbar war, dass die Republikaner geschlossen gegen dieses Gesetz stimmen würden – weil die Republikaner nur höhere Energiepreise und den Verlust der US-Konkurrenzfähigkeit mit dem geplanten Gesetz verbanden.

Fast gleichzeitig, nämlich am Donnerstag, dem 22. Juli 2010 beschloss die chinesische Führung, im Zeitraum 2011 bis 2015 ein nationales Emissionshandelssystem aufzubauen um das chinesische Ziel einer geringeren Energie- und CO2-Intensität pro erwirtschafteten Yuan zu erreichen. China betont, der nationale Emissionshandel stünde in keinerlei Zusammenhang mit den internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz oder dem Nachfolgeabkommen für Kyoto.

Weder die Schweizer noch die Deutschen Fernsehnachrichten berichteten über diese für die Klimapolitik so wichtigen Entscheidungen.

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„…die Welt des Emissionshandels ist klein“

Tja, das ist sie wohl und je nach Perspektive auch gemein und banal:

„most of the projects that are being funded as “cuts” either don’t exist, don’t work, or would have happened anyway”

Geht es K. Halbritter & T. Schloendorn um eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung des Gegenstandes oder geht es um politisierte Wissenschaft im Namen einer Doktrin? Eine Doktrin, die in ihrem verblendeten Blick auf das weltanschaulich als einzig richtig erkannte Ziel die ihr nicht genehmen Erkenntnisse und Fakten ausblendet?

Letzteres wäre überaus bedauerlich – und führte zu wissenschaftlich vollkommen wertlosen Ergebnissen – und (wenn überhaupt) zu schlechter Politik.

Die vielleicht berauschende, jedenfalls aber absolut anmassende Vorstellung, aufgrund von wie immer gearteten Überzeugungen und mit Hilfe passend unterfütterter Thesen nebenbei mal eben Gesellschaft und Weltwirtschaft umzubauen, wird scheitern – oder zusätzlicher Anstrengungen bedürfen. Bleibt zu hoffen, dabei würde aus vergleichbaren Motiven heraus nicht nach Rezepten geschielt, die geschichtliche bereits mehrfach für reichlich Schäden an Menschen und Umwelt gesorgt haben.

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Nur um das klar zu stellen: Meiner Meinung nach müsste die CO2 Reduktion in der OECD unabhängig von der Reduktion in Schwellen & Entwicklungsländern passieren. Das „Offsets“ aus Entwicklungsländern benutzt werden um Europäische Emissionen zu „kompensieren“ ist nichts weiter als ein Marketing-Gag. Anders lassen sich finanzielle Unterstützungen von EE, Avoided Deforestation, Energieeffizienz etc. Projekten in Entwicklungsländern im Augenblick leider nicht verkaufen => Daher bin ich im „Zertifikate Business“ gelandet.
Die derzeitige Debatte in der Schweiz macht das deutlich – Es wird klar zwischen Reduktionen im Inland und im Ausland unterschieden, auch wenn dabei der Wort-Kniff der „zusätzlichen Reduktion um 20% im Ausland“ verwendet wird.

Cap & Trade innerhalb Europas halte ich ebenfalls für sehr fragwürdig – Interessanterweise stammt die ganze Idee ein „marktbasiertes“ System einzuführen aus der US-Republikanischen Ideologie eines schwachen Staates, also aus der gleichen Ecke die jetzt propagiert doch lieber gar nichts zu unternehmen. In einer klassichen Sozialdemokratie wäre eine CO2-Tax (mit Rückerstattung bzw. Ausgleich über geringere Einkommenssteuer) viel naheliegender.

Das die Unterstützung der Dekarbonisierung der Entwicklungs- und insbesondere Schwellenländer von der OECD unterstützt werden muss steht ausser Frage. Hierzu machen Zahlungen in Abhängigkeit von nachweisbaren Reduktionen, also „Zertifikate“, mehr Sinn als in Europa aber es ist noch ein langer Weg bis das System einigermassen effizient ist.

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Es dürfte niemandem ein zentrales Problem, das Hansen anspricht, entgangen sein. Mit ausreichend Kapital kann eine Bank das tun, was Goldman Sachs beispielsweise schon mehrfach mit Lebensmitteln, Rohstoffen oder Immobilienmärkten getan hat. Anstatt nur als Zwischenhändler/Vermittler aufzutreten, kauft die Bank massiv Zertifikate (Derivate, Futures, etc.), ohne dass ein echter Bedarf bei einem Kontrahenten besteht. Die Konsequenzen werden die gleichen wie bei Weizen, Mais, Zucker, Reis, etc. in den vergangen Jahren sein. Der künstlich aufgebaute Bedarf führt zu starken Preisanstiegen, die an Konsumenten weitergereicht und damit auf jeden Fall kompensiert werden, weil Energie beispielsweise zwingend konsumiert werden wird, auch zu wesentlich höheren Preisen. Die, die nicht bezahlen können werden „hungern“. Begründet wird es dann durch „striktere Umweltauflagen (der Politik)“ etc.
Den Rest kann man anhand bekannter Beipiele schon vorhersagen.

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@Kommentar von Katja Halbritter. 17.07.2010, 14:34

Zu Einsparungen beim Reisen und Einsparungen bei allem anderen was zum modernen Leben gehört meinen sie:

„… und wenn man noch einen Schritt weitergeht, mag man direkt den Sinn des schlichten menschlichen Daseins in Frage stellen (wobei die Diskussion an diesem Punkt dann eher philosophisch als wirklichkeitsbezogen wird). Wo wollen Sie da die Grenze ziehen? „

Mit dieser Textpassage haben sie – wohl unbeabsichtigt – ein Kernproblem einer Politik angesprochen, die vor allem mit Quoten und Verordnungen ein bestimmtes CO2-Ziel erreichen will: Dass nämlich Einsparungen allein zwar eine CO2 ärmere, aber auch eine insgesamt ärmere, ärmlichere und vielleicht sogar erbärmliche Zukunft schaffen.

Sie selber erwarten also, dass sie in Zukunft weiterhin reisen können, sowohl im Inland wie im Ausland. Auch alle anderen Selbstverständlichkeiten unserer Zeit wie geheizte Hallenbäder, Kunsteisbahnen, das Pendeln zwischen Bern und Zürich können sie sich wahrscheinlich nicht einfach wegdenken.

Damit ihr Wunsch und der Wunsch der meisten in Erfüllung geht, nicht zurückbuchstabieren zu müssen in einer karbonfreien Zukunft, braucht es Techniken, die CO2 ersetzen und dabei die gleiche Leistung erbringen:
-fossile Mobilität => Elektromobilität
-Kerosen betriebenes Flugzeug => Wasserstoff betriebenes Flugz.
-Heizen mit Öl-/Gas => Wärmepumpen, Passivhaus,Minenergie P
-Strom aus Kohle-/Gaskraftwerk => Strom aus CO2-freien Quellen

Es wären also gewaltige Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung nötig. Doch solche konzertierten Anstrengungen gibt es nicht. Kürzlich hat Obama in einer Fernsehansprache, in der er über Konsequenzen sprach, die aus der Ölpest im Golf von Mexiko zu ziehen sind, gerade auch darüber gesprochen. Als eine der vorgestellten Optionen sah er die Subventionierung alternativer Energien, zum anderen stellte er fest, dass in Energieforschung sehr viel weniger Geld investiert wird als in alle andere Wirtschaftsbereiche (wohl weil Energie immer noch so billig ist, dass sich das nicht lohnt).

Zum Abschluss möchte ich noch feststellen, dass von allen Bloggern hier, die schon Kommentare beigesteuert haben, vor allem Michael Dittmar glaubt, dass es keinen ebenbürtigen Ersatz zu fossilen Rohstoffen gibt. Er ist tatsächlich der Überzeugung, dass wir alle in einer ärmeren Zukunft wieder aufwachen, wenn uns das Öl und die Kohle ausgeht und wir sollten uns schon mal darauf einstellen, gemäss dem Motto: „Nach den sieben fetten Jahren kommten die sieben mageren Jahre.“

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@ Ben Palmer:
Ich kann Ihre Einwaende auf der einen Seite nachvollziehen – sicherlich waere es fuer das Klima am besten, ueberhaupt keine Reisen mehr zu unternehmen, sei es nun zu Klimaverhandlungen, Messen oder einfach nur in den Urlaub. Ihr Argument kann man allerdings auch leicht ad absurdum fuehren: am besten waere dann, auf jeglichen Transport zu verzichten, alle muessten von zu Hause aus arbeiten, niemals in den Urlaub fahren (schon gar nicht weiter weg)… und wenn man noch einen Schritt weitergeht, mag man direkt den Sinn des schlichten menschlichen Daseins in Frage stellen (wobei die Diskussion an diesem Punkt dann eher philosophisch als wirklichkeitsbezogen wird). Wo wollen Sie da die Grenze ziehen?

Ich denke, dass es in diesem Zusammenhang wichtig ist, die bestehenden (Anfahrts-)Moeglichkeiten und Alternativen z.B. fuer einen Urlaub oder eben fuer das Einholen von Informationen und das Kontaktknuepfen (Masterarbeit) miteinander abzuwaegen und dann entsprechend verantwortungsbewusst zu handeln – zumindest ist dies meine persoenliche Meinung.

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In diesem Kommentar möchte ich die Position James Hansens gegenüber dem Zertifikatehandel vorstellen. Im letzen Abschnitt gebe ich der Meinung Hansens Gestalt, in dem ich – ironisch gebrochen – ein Zertifikatesystem der Zukunft materialisiere.

Cap&Trade: CO2-Deckelung und CO2-Handel

Die erlaubte totale Emissionsmenge (Cap) an CO2 wird auf die teilnehmenden Firmen aufgeteilt. Wer mehr ausstossen will als zugteilt, kauft Emissionsrechte von jemand anderen.
Zitat Wikipedia: The cap … is usually lowered over time

James Hansen’s Beurteilung des Emissionshandels

Hansen sieht den Effekt von Cap&Trade-Effekt insgesamt so:
-Keine Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen
-CO2-Emittenten und die Wall Street schröpfen damit die Gesellschaft um Milliarden Dollars.

Das SO2-Cap&Trade-System (sauerer Regen) der USA von 1980 bis 2000 zeigt, was zu erwarten ist:
-in 20 Jahren eine SO2-Reduktion von 43%
-alte Kohlekraftwerke wurden unter dem Status „wird bald ausgemustert“ ausgenommen, laufen aber immer noch

Grundsätzliche Einwände Hansen’s gegen Cap&Trade:
-Cap&Trade perpetuiert Emissionen: Was der eine weniger ausstösst, kann der andere mehr ausstossen, die totale Emissionsmenge von Handelsperiode zu Handelsperiode sinkt umso langsamer je weniger sich die Emittenten anstrengen.
-Offsets in Form von beispielsweise „nicht abgeholztem Wald“ erhöhen die erlaubte Emissionsmenge: schwer verifizierbar, Wald wird als Ersatz woanders abgeholzt
-Emissionszertifikate werden teilweise gratis zugeteilt und ein Teil des durch Handel eingenommen Geldes für Projekte wie „saubere Kohle“ verwendet
-Wall Street verdient auf Kosten der Öffentlichkeit Milliarden mit dem Emissionshandel

James Hansen schlägt dagegen eine CO2-Abgabe mit Rückerstattung vor. Dies würde jede Emissionsreduktion belohnen, sogar wenn man mehr reduziert als von den Cap&Trage-Behörde vorgesehen.

Fiktive Festansprache vor der Zeritifikate-Region Europa im Jahre 2060

Der Präsident, Tim Schloendorn: „Liebe CO2-Emittenten und Emittentinnen, liebe CO2-Kommissare der EU, liebe Gäste aus den Kopenhagen-Vertragsstaaten der ganzen Welt, liebe Festgemeinde:

Seit der Installierung des Zertifikatehandels im Jahre 2020 hat sich die weltweit ausgestossene CO2-Menge nur verdoppelt, anstatt verdreifacht wie im Business as Usual Szenario der IPCC vorgezeichnet. Dies ist der unermüdlichen Arbeit der Emissionsbehörden und dem internationalen Zertifikatehandel zu verdanken.
….Hier ein späterer Teil der Rede
Es gibt auch immer wieder Verstösse gegen den Geist des Zertifikatesystems: Spanien hat mit seinem Erlass, nur noch solar betriebene Klimaanlagen zuzulassen, die CO2-Emissionen unter Umgehung des Zertifkatewegs um ein Mehrfaches des CO2-Absenkungsziels ESP-2060 für Spanien gesenkt. Doch unser System bewährt sich gerade auch bei solchen Regelwidrigkeiten. Die zuviel eingesparte CO2-Emissionsmenge wird an das CO2-Absenkungsziel der nächsten Handelsperiode Spaniens angerechnet und kompensiert zudem die Methanemissionen der neuen Methanhydrat-Abbaustätten in Norwegen und Finnland. Wir sind stolz darauf, wegen dem Methanhydratabbau eine neue Zertifikate-Filiale in Lappland mit Katja Halbritter als Vorsteherin eröffnen zu können . Katja, ich beneide dich, Lappland ist jetzt ja klimatologisch begünstigt mit schneereichen, insgesamt aber doch milden Wintern und Sommertemperaturen bis 35°C. Liebe Festgemeinde, lasst uns in einem Moment der Einkehr, dafür danken, dass unsere Arbeit derartige Früchte getragen hat. Die neuen Methanhydratabbaustätten in Lappland sind ein Beispiel dafür, wie der Zertifikatehandel neue Geschäftsfelder eröffnet hat – zum Wohle von uns allen, liebe CO2-Emittenten und CO2-Kommissare.“

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„Nachdem wir uns seit der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember nicht gesehen hatten, liefen sich Tim und ich zufällig in Köln an der Messe über den Weg – die Welt des Emissionshandels ist klein!“

Keine Welt ist zu klein, um nicht auf dem Weg zu Emissionreduktionsverhandlungen mittels eifriger Reisetätigkeit Emissionen zu produzieren.

Man kann doch nicht allen Ernstes zu Beschränkungen aufrufen, wenn man seine eigenen Aktivitäten – für welche Sache auch immer – nicht selbst in dieser Hinsicht hinterfragt und mittels Innovation effizientere Wege aufzeigt.
Das selbe gilt für die grossen Klimakonferenzen mit Zehntausenden von Teilnehmern.
Oder für die olympischen Spiele.
Oder für die Fussball-Weltmeisterschaft.
Warum soll ich mich einschränken, wenn Andere für solche Anlässe ungehemmt emittieren? Da ist doch der Standby meines Fernsehers (den ich auch nicht habe!) ein Tropfen im Ozean.

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Wenn Sie einen Vorschlag haben die Emissionen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu reduzieren, der ohne Kontrolle auskommt -> Ihnen ist der Nobelpreis so gut wie sicher.

Das CDM Executive Board ist mittlerweile sehr viel kritischer gegenüber den Verifizieren und verlangt immer mehr reviews / lehnt auch immer häufiger Projekte ab. Dennoch ist der Prozess dringend reformbedürftig. Es wird daran gearbeitet, ist jedoch sehr mühsam da die Anerkennung nicht-additioneller Projekte viel Cash für China & India einbringt & diese grundlegenden Reformen zustimmen müssen.

Katjas Masterarbeit beschäftigt sich übrigens mit der Frage der Haftbarkeit der Kontrolleure (TUV, SGS, etc.). Strafen für die Verifizierung nicht-additioneller Projekte sind ein Ansatz die Verifizierer zu disziplinieren.

Die Kontrolle ist eine der Schlüsselfragen im CDM – Ich persönlich würde eine nicht-kompetetive Lösung bevorzugen… Leider hat das Neoliberale Denkschema unsere Institutionen mittlerweile soweit gebracht dass sogar Qualitäts-Kontroll Firmen privatisiert sind… Da der Wettbewerb angeblich soooo wichtig ist stossen Vorschläge zu fixen Preisen und zentraler Vergabe für CDM Verifizierungen derzeit auf taube Ohren. Das wäre ein anderer Weg den Interessenkonflikt zu beseitigen.

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@ Schloendorn

Von den Einlassungen Hansens, Bühlers, Hänggis, Taibbis et al. mal abgesehen, äussern Sie doch bitte mal konkret zu den folgenden unter den verlinkten Zitaten:

„Der CDM Ausschuss ist stark unterbesetzt und deshalb auf Dritte angewiesen, wenn es um die Prüfung des behaupteten klimafreundlichen Projekts geht. In der Praxis heißt das, dass die Kontrolleure von den Projektbetreibern bezahlt werden, was natürlich ein massiver Interessenkonflikt ist. CDM Investoren drängen auf rasche Abwicklung um die Transaktionskosten zu minimieren und so gibt es so gut wie keine neutrale Kontrollinstanz. Aber damit nicht genug, führen solche Systeme natürlich auch zu „Anreizen“, die kriminelle Energien befördern, also ein Betrug lukrativ ist.“

„Axel Michaelowa, ein Mitgründer von Perspectives, hat 2006 im Auftrag des WWF die 52 damals registrierten CDM-Projekte in Indien unter die Lupe genommen. Ein Drittel davon waren nicht additionell und hätten nicht anerkannt werden dürfen.“

„A study by the University of Stanford found that most of the projects that are being funded as „cuts“ either don’t exist, don’t work, or would have happened anyway“

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@Martin:

Interessanter Eintrag.
Dazu noch ein kleiner Kommentar: Wenn das Deutsche EEG nur CO2 reduzieren wollte, hätte es besser PV Anlagen in Italien oder Spanien subventioniert… Ich vermute stark, dass hier auch die Energieautarkie & Importabhängigkeit mitspielen.

Da Katja (wie alle) nur sehr begrenzt Zeichen für Ihren Blogeintrag zur Verfügung hat noch eine kurze Erläuterung zu „no lose targets“:

Das heisst, es gibt nur Zertifikate wenn ein bestimmtes Level unterschritten wird. Diese „no lose“ levels für Entwicklungs- und Schwellenländer sollen die Rolle ersetzen der „binding targets“ von Industrienationen, jedoch ohne die Verpflichtung Zertifikate einzukaufen wenn die Ziele überschritten werden.
Aller zu erwartenden Aufschreie der Bühlers zum trotz ist das derzeit die einzige Möglichkeit auf dem diplomatischen Parket die Schwellenländer und die USA an den selben Tisch zu bringen.

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In Deutschland gibt es effektiv zwei völlig verschiedene Pfade, die CO2 Emissionen zu reduzieren, nämlich den EEG-Pfad und den Emissionszertifikate-Pfad. Leider sind die beiden Pfade inkompatibel.
Im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung gibt es nur den EEG-Pfad. Er betrifft ja auch die deutschen Haushalte über die blauschimmernden Solardächer. Für die Industrie gilt der Emissionszertifkate-Pfad und sie profitiert von den EEG-Bemühungen, indem sie sich selber weniger anstrengen muss, wenn viele Windräder und Solarpanels montiert worden sind.

Auch die folgende Studie “Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen” (siehe http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3997.pdf), welches ein eigenes deutsches CO2-Ziel für 2050 formuliert, geht den EEG-Pfad, indem in dieser Studie detailliert die ganze Infrastruktur durchgerechnet wird, die nötig ist um bis 2050 zu 100% nur noch EE-Strom zu erzeugen.

Der Emissionszertifkate-Pfad hat eine völlig andere Grundphilosophie: Er ist technologieneutral. Der Markt soll entscheiden, wo sich Emissionsreduktionen am meisten lohnen.
Allerdings ist (für mich) der Weg über die Emissionszertifikate relativ intransparent. Zertifikate laden zum Betrug ein, erschweren und verlangsamen den Technologiewechsel und das Zertifikatesystem hat auch noch einen grossen bürokratischen Überbau.

Der Emissionszertifkate-Handel ist im Gegensatz zum EEG auch nicht an nationale Grenzen gebunden und wäre von der Idee her gut geeignet die Bemühungen aller Kjoto-/Postkjoto Vertragsstaaten zu koordinieren.

Da das CO2-Problem ein globales Problem ist müssen auch die Reduktionsmassnahmen global wirken. Diese globale Wirkung verspricht der Emissionszertifkatehandel, nicht aber die EEG-Ansätze.
Allerdings gibt es auch beim Zertifikatehandel einen Haken: Die Karbon-Preise des Zertifikatehandels wirken nur, wenn alle wichtigen CO2-Emittenten mitmachen. Würde China als einziges Land nicht am Zertifikatehandel teilnehmen, wären für China Kohle, Öl und Gas billiger als für alle anderen. Im Kern steckt hinter dem Zertifikatesystem deshalb enormes Konfliktpotential: Konflikte nämlich zwischen Teilnehmern und Verweigern. Das hat bis jetzt nur noch niemand erkannt, weil das Zertifikatesystem bis jetzt noch gar keine messbaren Auswirkungen auf den Markt der fossilen Rohstoffe hat.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Interessant ist ja am CO2-Emissionsmarkt, dass er von lokalen CO2-Verhinderungsmassnahmen sabotiert wird. Z.B. durch die massive Subventionierung in Deutschland von erneuerbaren Energien wird die Nachfrage nach Emissionszertifikaten stark gedämpft.

Näheres unter:
http://www.winkelried.info/2009/03/06/wie-man-erfolgreich-eine-volkswirtschaft-zerstoert/

Wieso will dies eigentlich niemand begreifen?

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