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Versauerung der Weltmeere – das andere CO2-Problem

14.06.2010 von

Vor 20 Jahren musste ich zu einer mündlichen Prüfung bei Prof. Werner Stumm antreten. Der Professor, eine weltweite Autorität der Aquatischen Chemie, stellte mir schon fast vorhersehend die Frage, was denn die Auswirkung einer Verdopplung der atmosphärischen CO₂-Konzentration auf den pH-Wert des Ozeans sei.

Da ich mich schon als Student für die CO₂-Chemie interessierte, war ich froh, den Ball so schön zugespielt zu bekommen. Ich konnte dem Professor die Antwort darlegen und begründen: Eine Verdoppelung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre führt zu einer Absenkung des pH-Wertes im Ozean um ca 0.2 bis 0.3 pH-Einheiten. Der Grund dafür ist, dass CO₂ mit Wasser reagiert und dabei Kohlensäure bildet. Diese agiert – wie der Name schon sagt – im Wasser als Säure und gibt dabei Protonen (H+) ans Wasser ab.

Noch ahnungslose Wissenschafter

Da der Ozean im Schnitt leicht basisch ist (ungefähr pH 8), machte sich damals niemand Sorgen darüber, ob diese Ansäuerung eine Auswirkung auf marine Ökosysteme haben könnte. Wir waren alle sehr froh zu wissen, dass der Ozean gewaltige Mengen von CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen kann und somit wesentlich dazu beiträgt, dass die atmosphärische CO₂-Konzentration weniger stark ansteigt als erwartet aufgrund der Emissionen (siehe dazu meinen Blogbeitrag «Die halbe Miete» hier).

Leider hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir ahnten damals nicht, dass das Thema «Versauerung der Weltmeere» in den folgenden zwei Jahrzehnten zu einem zentralen Gegenstand der Forschung werden würde.

Was ist geschehen? Es sind zwei entscheidende Erkenntnisse, die zu einer völlig veränderten Einschätzung eines schon Jahrzehnte lang bekannten Effektes geführt haben:

1) Von Kalk-Übersättigung zu Kalk-Untersättigung

Die Aufnahme von CO₂ aus der Atmosphäre führt zu chemischen Veränderungen in den Weltmeeren. Diese Veränderungen, die regional sehr unterschiedlich sind, führen dazu, dass der Kalk-Sättigungsgrad des Wassers abnimmt. Da das oberflächennahe Wasser im Schnitt aber sowieso mit Kalk übersättigt ist, war man lange davon überzeugt, dass eine kleine Abnahme dieser Übersättigung keinen Einfluss habe auf jene Organismen, die Kalkschalen bilden (Korallen, Muscheln, einige freischwebende, d.h. planktonische Algen).

Was man aber übersehen hat, ist, dass es Gebiete gibt, wo die Übersättigung heute schon klein ist, und es so schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu einer Untersättigung gegenüber Kalk kommen kann. Zum Beispiel im Südpolarmeer, in der Arktis oder an den Westküsten vieler Kontinente. Bei einer Untersättigung wird Kalk aufgelöst, was kaum von Vorteil für Kalkschalen-bildende Organismen sein wird.

2) Organismen reagieren sensitiv

Auch in Fällen, wo keine Untersättigung erreicht wird, reagieren viele Organismen sehr sensitiv auf diese doch relativ kleinen chemischen Veränderungen. Erst vor circa 15 Jahren hat man damit begonnen, Experimente mit Korallen und planktonischen Algen durchzuführen, um den Einfluss der Ansäuerung auf deren Wachstum oder Fitness zu untersuchen. Und siehe da, viele Organismen zeigten substantielle Veränderungen.

Bei den genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass viele Organismen nicht nur negativ auf die pH-Absenkung reagieren, sondern auch auf die erhöhte Konzentration der gelösten Kohlensäure und die Abnahme des Sättigungsgrades gegenüber Kalk. Man hat aber auch einige Organismen gefunden, die positiv auf diese Veränderungen reagieren. Viele Experimente später ist die Situation also alles andere als geklärt.

Gewinner und Verlierer

Wenig Zweifel gibt es inzwischen darüber, dass Korallen und einige Muscheln unter der Ansäuerung leiden werden. In Bezug auf die anderen Organismen kann man heute nur mit Sicherheit sagen, dass die zunehmende Versauerung der Weltmeere zu einer Veränderung der Ökosysteme führen wird – mit Gewinnern und Verlierern.

Ob die Menschheit dann ebenfalls zu den Gewinnern dieses Wandels in den marinen Ökosystemen gehört, wissen wir noch nicht – ich würde es doch stark bezweifeln. Im Sinne einer vorausschauenden Sicht ist es also doch sehr ratsam, den Grund dieser Versauerung an der Wurzel zu packen – also den Anstieg von CO₂ in der Atmosphäre so gering wie möglich zu halten. Damit hätten wir zwei Probleme auf einmal gelöst: weniger Klimaerwärmung und weniger Versauerung.

Literatur und weitere Hinweise

Hauri, C., Gruber, N., Plattner, G.-K., Alin, S., Feely, R.A., Hales, B., and Wheeler, P.A. (2009). Ocean acidification in the California current system, Oceanography, 22 (4), 61-71, December 2009.

EPOCA – European Project on Ocean Acidification. www.epoca-project.eu

Zum Autor

Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich und beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit dem Kohlenstoffkreislauf und dem Klima. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (17) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

… echt interessante Debatte bei WUWT.

Kommentare lesen, speziell ab dem Beitrag von „Chris“ (June 20, 2010 at 2:15 am)

http://wattsupwiththat.com/2010/06/19/the-electric-oceanic-acid-test

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr

„In ihren Beiträgen hat man immer wieder den Eindruck, sie wollten das Klimaproblem hier und jetzt “erledigen”.“

Keineswegs. Ich denke aber, dass die steigenden CO2-Werte das Klima nicht in der befürchteten Weise und im vorausgesagten Mass beeinflussen. Trifft das zu, befinden wir uns wissenschaftlich und politisch auf einem (sauteuren) Holzweg.

Klimaprobleme und -änderungen haben die Menschen und die Natur seit jeher beschäftigt. Sie werden es zweifellos weiterhin tun. Niemand wird diese Realität leugnen.
„Instant-Lösungen“ kann es aber schon deshalb nicht geben, weil wir vorderhand nicht wissen, wohin die Reise führt.
Erwärmung? Abkühlung? Global? Regional?

Zum Treibhauseffekt erscheint demnächst ein neues Papier von Miskolczi…

http://landshape.org/enm/new-miskolczi-manuscript/

Ersatz von fossilen Energieträgern: absolut einverstanden, wenn effiziente und überzeugende Lösungen vorliegen, oder wenn uns Mangel und Preisentwicklung zu Substitution und Sparsamkeit zwingen. Eine einseitige, übereilte und auf zweifelhaften Grundlagen und mit untauglichen Technologien erzwungene Dekarbonisierung stellt keine Lösung dar. Im Gegenteil: sie bildet das Problem, dessen Lösung sie verspricht.
Erneut: mehr Forschung im Energiebereich, bei den Werkstoffen, im Bausektor etc.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Kommentar von Peter Bühler. 15.06.2010, 19:14
Herr Bühler,
besten Dank für die Links zu unterschiedlichen Beurteilungen der Versauerung des Ozeans.

Ich möchte noch auf folgende Aussage eingehen, die sie an Herrn Dittmar gerichtet haben, Zitat:

„Anders gesagt: die CO2-Diskriminierung mag mit Blick auf die Mittel-Generierung für die angepeilten Ziele (gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbau, Umverteilung, Entwicklungshilfe etc.) clever eingefädelt sein, sie hat aber den Bogen überspannt.“

CO2 wird nicht diskriminiert, sondern als Treibhausgas erkannt. Dies kann man immer weniger bezweifeln und sogar durch Messungen belegen. So nimmt die langwellige Strahlung, die aus der Atmosphäre zurück auf den Boden geworfen wird, zu. Man kann also nicht mehr über die Rolle von CO2 als Treibhausgas streiten, sondern allenfalls noch darüber, wie stark die Temperatur steigen wird.

Es gibt sicher Leute, die den Klimawandel zur „Mittel-Generierung für die angepeilten Ziele (gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbau, Umverteilung, Entwicklungshilfe etc.)“
verwenden wollen, doch diese Leute werden scheitern, denn mit zunehmenden Klimawandel werden Scheinlösungen und Mittelverschwendung demaskiert werden.

In ihren Beiträgen hat man immer wieder den Eindruck, sie wollten das Klimaproblem hier und jetzt „erledigen“. Doch dieses Problem wird uns noch in 50 Jahren beschäftigen und alle, die eine Instant-Lösung oder eine Leugung des Problems propagieren, kann man ruhig ignorieren. Entscheidend ist die Langfristigkeit des Klimawandels. Auch die Alarmisten, die glauben man könne keinen Monat mehr zuwarten, liegen deshalb falsch. Ich bin überzeugt, dass es noch 10 Jahre braucht bis für alle sichtbar wird, wie man mit dem Klimawandel umgehen muss und was die richtigen Lösugen sind.
Klar aber ist, dass die fossilen Rohstoffe im Zentrum des Problems stehen und dass diese Rohstoffe auch unabhängig vom Klimaproblem auf längere Sicht ersetzt werden müssen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Peter,

tja ich kann dir hier nur volle Zustimmung geben!

„Mit Brecht: “Gut gemeint ist das Gegenteil von gut”“

trotzdem waere ich bei den riesigen Unsicherheiten eher fuer „Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste“!

Ohne Panik und was dazu gehoert aber eine realistische Analyse von den moeglichen Folgen der knapper werdenden Energie (damit wird das Kyoto Protokoll ja automatisch erfuellt wie wir (oder die USA noch mehr) es gerade durch die Krise lernen..).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hier das bereits früher verlinkte Papier von Knorr, auf dessen Aussagen sich Everett u. a. namentlich stützt…

http://www.agu.org/pubs/crossref/2009/2009GL040613.shtml

@ Holzherr

„bis jetzt gibt es keine Trendstudie, die negative Effekte eines abnehmenden pH’s in den Ozeanen zeigt“

Es gibt neben den zahlreichen, emotionalisierenden NGO-Publikationen die von Everett erwähnte Arbeit von Riebesell et al., auf die sich viele weitere Papiere stützen ( http://www.atmos.ucla.edu/~gruber/teaching/papers_to_read/riebesell_nat_00.pdf )

Seit Iglesias-Rodriguez et al. ( http://www.sciencemag.org/cgi/content/full/sci;322/5907/1466c ) gilt diese „Ikone“ des Aktivismus als widerlegt.

Schwierig zu beurteilen, was eine Binnenland-Hochschule zu dieser Debatte beitragen soll. Hüten Sie sich auf jeden Fall vor Studien, in denen irgendwo das Wort „Bulk“ vorkommt.

Everetts bedenkenswerteste Sätze finden sich im Kapitel VII. RESEARCH SUGGESTIONS, speziell wegen des letzten Punktes –
zu deutsch in der hier mehrfach erhobenen Forderung: MEHR FORSCHUNG!

@ Dittmar

Das Stolpern der Treibhaus- und Meerversauerungs-Hypothesen bedeutet keinesfalls grünes Licht für die hemmungslose Verschwendung fossiler Treibstoffe und die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung natürlicher Ressourcen.
Sie sorgt aber hoffentlich für die Entwirrung unzulässig und heillos verknoteter Erkenntnis- und Handlungs-Stränge.

Gerade der ideologisch motivierte, wissenschaftlich verbrämte Ökologismus verantwortet die massiven Glaubwürdigkeitsverluste und die enormen Rückschläge für praktisch jedes berechtigte ökologische Anliegen: der Schaden für die Wissenschaft – und für die Umwelt – ist beträchtlich.

Anders gesagt: die CO2-Diskriminierung mag mit Blick auf die Mittel-Generierung für die angepeilten Ziele (gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbau, Umverteilung, Entwicklungshilfe etc.) clever eingefädelt sein, sie hat aber den Bogen überspannt. Was mit überspannten Bogen geschieht, braucht nicht näher ausgeführt werden.

Mit Brecht: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 15.06.2010, 10:31

Hoi Michael,
es scheint mir, dass du mindestens bei folgenden beiden Punkte von DR. JOHN T. EVERETT’s Argumentationsliste mit ihm einer Meinung bist:
-CO2-Emissionen könnten sich wegen steigender Brennstoffpreise nivellieren
-Es gibt gar nicht genug fossilen Brennstoff um 560 ppm CO2 in der Atmosphäre zu erreichen

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Peter,

interessanter Artikel mit einem interessanten Schluss: (uebrigens zur Frage des Todesstosses bei vielen einzelnen Gefahren sagt er im Artikel nichts oder nicht viel!)

„The real threat lies not in warming or less alkaline water but in the pervasive chemicals that flow down our rivers to the sea. Secondly, we need to improve our oil drilling and transport so disasters cannot happen: it may be as simple as building in more redundancy, whether to valves, hulls, or captains. As my daughter said, “Dad, Ocean acidification is not a problem for the oysters. They will all be dead”.“

und ja eigentlich doch toll. Wenn der Golf jetzt eh schon „fast tot“ ist wozu dann eigentlich noch Geld ausgeben um die Ausbeutung der letzten Reserven „sicher“ bis zum naechsten Unfall zu machen?

Welche Alternative gefaellt dir besser:
Beim letzten Mal hat es nicht funktioniert und wir muessen es eben noch besser machen
oder … wir versuchen jetzt etwas ganz anderes!

das Prinzip kann man auf praktisch alle Probleme in unserer geliebten Wachstumsgesellschaft anwenden.

Mehr Wachstum beseitigt eigentlich kein einziges Problem aber trotzdem ist es das einzige was wir probieren!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Peter Bühler. 15.06.2010, 9:01

Besten Dank Herr Bühler für den wervollen Link. Die wichtigsten Aussagen von DR. JOHN T. EVERETT vor dem US-Senat habe ich in folgender Liste zusammengefasst in der Hoffnung einige der Leser haben darauf einen Antwort:

-Anteil der CO2-Gesamtemissionen, der in Atmosphäre bleibt, unverändert seit 1850
-CO2-Anstieg in Realität (1980-2008) linear ansteigend anstatt beschleunigt ansteigend wie von IPCC in BAU-Szenarien vorausgesagt
-CO2-Emissionen könnten sich wegen steigender Brennstoffpreise nivellieren
-Eventuell gelangt mehr CO2 in Ozean als angenommen, der aber könnte CO2 als Kalziumkarbonat speichern (organisch gebunden)
-Es gibt gar nicht genug fossilen Brennstoff um 560 ppm CO2 in der Atmosphäre zu erreichen
-Ein mariner CO2-Anstieg könnte die im Ozean produzierte Biomasse erhöhen
-In Seen existieren bei pH-Werten von 5.5 Krustaceen,Schlangen und Fische (wobei die Artenzusammensetzung anders ist als in einem See mit pH 7 oder höher)
-Überträgt man die Resultate von Beobachtungen an sauren Seen auf die Ozeane, so ist nichts zu befürchten
-Zwischen 50 und 600 Millionen vor unserer Zeit waren CO2-Werte 2 bis 20 Mal höher als heute, die Ozeane damals waren artenreich
-Bei einem See in Wisconsin sank der pH durch sauren Regen auf 4.7. Es verschwanden Arten, dafür tauchten andere auf
-Bis jetzt gibt es keien Trendstudie, die negative Effekte eines abnehmenden pH’s in den Ozeanen zeigt

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr, Schmid, Dittmar

Keine Rede davon, dass ich irgendetwas als „unbedenklich erkläre“ oder verharmlose und ich störe auch den Konsensfrieden des Katastrophismus nur ungern.

Vielleicht trauen Sie den Einschätzungen eines ausgewiesenen Spezialisten und IPCC-Experten mehr…

http://epw.senate.gov/public/index.cfm?FuseAction=Files.View&FileStore_id=db302137-13f6-40cc-8968-3c9aac133b16

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

@Kommentar von Peter Bühler. 14.06.2010, 12:10
Herr Bühler,
im obengenannten Kommentar vom 14.6., in dem sie die Versauerung der Meere durch uns Öl-,Gas- und Kohle-Konsumenten als unbedenklich erklären, spielen sie die Rolle des Fuchses, der den Hühnerstall für einbruchsicher erklärt.
Sie machen das gut, denn auf den ersten Blick erscheinen sie tatsächlich als besorgter Experte und nicht als der Nutzniesser von unbeschränkten Emissionsrechten, der sie sind.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Peter Bühler. 14.06.2010, 12:10

Sehr geehrter Herr Bühler,

Nochmaliges Lesen ihres abwiegelnden Kommentars hat mich zu dieser Replik veranlasst.
Sie versuchen die Folgen der steigenden Kohlensäurespiegel in den Weltmeeren mit untauglichen Argumenten herunterzuspielen.

Die leichte pH-Absenkung, die sie im Zitat „… seit dem Beginn der Industrialisierung messen. Ph von ca. 8.179 auf 8.104.“ anführen ist ja nur ein Vorspiel der zu erwartenden Versauerung des Ozeans von 0.2 bis 0.3 pH-Einheiten bei einer Verdoppelung der atmosphärischen CO2-Konzentration. Sie selbst sind ja gegen CO2-Emissionseinschränkungen, deshalb ist in ihrem Szenario sogar eine noch stärkere pH-Absenkung zu erwarten.

Das folgende Zitat „Das Mio Jahre alte Barrier Rief würde heute kaum existieren, hätte es in seiner früheren Geschichte auf derart geringe Veränderungen des ph-Wertes, des CO2-Gehalts und der Temperaturen reagiert, wie wir sie seit dem Beginn der Industrialisierung messen. ist deshalb irreführend, denn der pH-Wert der Weltmeere wird durch den Menschen unter jeden Wert sinken, den das Meer während der Existenz des Barrier Reef’s je hatte.

Eine weitere Beruhigungspille ihrerseits „Der jährliche menschliche Beitrag zur atmosphärischen CO2-Konzentration ist geringer als deren natürliche Variabilität innerhalb des gleichen Zeitraums“ ist genauso irreführend.
Denn der pH des Weltmeeres sinkt kontinuierlich, jedes Jahr, und die natürliche Variabilität kann das auf die Dauer nicht überspielen.

Fazit:
-Um wieviel eine Verdoppelung des atmosphärischen CO2’s die globale Temperatur erhöht, mag umstritten sein, dass aber die steigenden Kohlesäurespiegel im Ozean zu einem ständig absinkenden pH-Wert führt ist völlig unbestritten
-Sinkende pH-Werte verschlechtern die Lebensbedingungen von Organismen mit Kalkschalen.
-Die schnelle pH-Absenkung durch den Menschen lässt den marinen Organismen wenig Anpassungszeit
-So sicher die pH-Absenkung ist, so unsicher sind die Folgen für das marine Leben. Sie könnten gravierend sein.

Abschliessende Bemerkung: je mehr Öl, Gas und Kohle verbrannt wird, desto saurer werden die Weltmeere, das können nicht einmal sie bestreiten. Es ist ihnen jedoch halbwegs gelungen, einigen Lesern weiszumachen, alles bewege sich im tolerierbaren Rahmen (sind sie ein Politiker?). Doch genau sie wollen diesen tolerierbaren Rahmen ja sprengen, indem sie keine Limite für die Verbrennung von fossilen Rohstoffen setzen.

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@ Herr Bühler

es stimmt sehr wohl, dass es immer wieder Schwankungen des pH in der Erdgeschichte gegeben hat, genau so wie bei der Temperatur. Beim pH bestet das Hauptproblem aber darin, dass es eine Schwelle gibt, die Karbonatsättigung, und dazu muss der Ozean nicht „sauer“ werden (pH < 7). Wird ein bestimmter pH unterschritten, so beginnen sich die Kalkschalen der Organismen aufzulösen und besonders die planktischen Foraminiferen werden betroffen sein, welche ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette im Ozean sind. Ein weiteres Problem ist die relativ lange Residenzeit des Ozeanwassers, denn es ist nicht möglich, den Grossteil des CO2 in die Tiefsee zu transportieren, sondern es bleibt sehr lange im Oberflächenwasser, wo auch der Hauptteil der Organismen lebt. Extrembeispiele für sinkenden pH und Perioden mit sehr hohem CO2 sind die Kreidezeit und das Paleozän-Eozän Thermale Maximum (PETM, Science, Zachos et al. 2005), als es zu nicht unbedeutenden Reduktion der Artenvielfalt vor allem bei planktischen Organismen gekommen ist. Die Versauerung der Ozeane ist also bei weitem keine Kleinigkeit und sollte meiner Meinung nach auch in der Öffentlichkeit mehr diskutiert werden!

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@Peter Bühler

Danke für die Links. Ihre Bemerkungen zur Adaptionsfähigkeit des marinen Lebens decken sich mit dem was Nicholas Gerber in seinem Blogbeitrag schreibt, es gibt also „Gewinner und Verlierer“. Nach meinen Informationen ändert sich die Artenzusammensetzung bei anhaltenden Änderungen des pH. Es entstehen also nicht abiotische Zustände sondern es ändert sich das Ökosystem, ähnlich wie nicht überall die gleichen Baumsorten wachsen.

Viele Korallenbänke könnten dabei durchaus schweren Schaden nehmen, denn Korallen können ja nicht ausweichen und auch ihren Genpool nicht erneuern, leben sie doch tausende von Jahre. Ihr Diagramm mit dem pH-Verlauf im südchinesichen Meer (siehe http://i90.photobucket.com/albums/k247/dhm1353/pHvCO2.png) zeigt übrigens einen starken pH-Abfall in den letzten paar hundert Jahren. Der pH erreicht heute schon das Minimum welches 4000 vor Christi gemessen wurde. Und jetzt ist ein weiterer Abfall zu erwarten.

Sicher gibt es keinen Grund zu apokalyptischen Endzeitwallungen, aber einen starken Adaptionsdruck auf das marine Leben ist durch die sinkenden pH-Werte zu erwarten. Vor allem wegen der Geschwindikgeit des pH-Abfalls werden gewisse marine Lebensgemeinschaften verschwinden und eventuell durch andere ersetzt werden.

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Hallo Peter,

wie waere es mit dem Problem der Kombination vieler Faktoren?

Jeder einzelne Faktor ist nicht „schlimm“ aber wenn 2 oder 3 gleichzeitig passieren.. ja dann!?

michael

ps.. das gleiche koennte man vielleicht auch fuer eine relativ harmlose Erwaermung von 1 Grad sagen.

Skigebiete in mittleren hoehen schaffen es gegen die Konkurenz der Superskigebiete .. aber wenn dann der sichere Schnee (an Weihnachten) ausbleibt kommt der Kollaps

oder die kleinen Laeden und Bauernhoefe schaffen es so gerade eben, dann kommt der Zusammbruch beispielsweise von OPEL oder aehnlichem und die ganze Region/Stadt geht kaputt!

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@ Dittmar

Der Ph-Wert änderte sich in der Vergangenheit ständig (s. u.a. Liu et al. 2009), er war vor über 3000 Jahren z. B. deutlich höher und sinkt seither. Um tatsächlich von einem „sauren“ Milieu zu sprechen, müsste der Ph-Wert unter 7.0 sinken. Statt von einer „Versauerung“ lässt sich allenfalls von einer geringfügigen „Neutralisierung“ sprechen. Das Meerwasser ist weiterhin alkalisch mit regional unterschiedlichen Ph-Werten.

Der jährliche menschliche Beitrag zur atmosphärischen CO2-Konzentration ist geringer als deren natürliche Variabilität innerhalb des gleichen Zeitraums. Soll nicht heissen, die menschlichen CO2-Emissionen hätte keine Bedeutung, man sollte ihren Einfluss aber auch nicht überschätzen. Auf das maritime Leben wirken sich auslaufendes Öl, Überfischung, Umweltgifte etc. weit schädlicher aus.

Der geschichtliche Rückblick lässt nicht generell auf eine hohe Sensibilität der Meerorganismen auf Veränderungen des Ph-Wertes schliessen. Das Mio Jahre alte Barrier Rief würde heute kaum existieren, hätte es in seiner früheren Geschichte auf derart geringe Veränderungen des Ph-Wertes, des CO2-Gehalts und der Temperaturen reagiert, wie wir sie seit dem Beginn der Industrialisierung messen. Ph von ca. 8.179 auf 8.104.

Die „Kollegen“ sollten vielleicht auch die folgenden Beiträge lesen…

http://ff.org/centers/csspp/library/co2weekly/2005-08-18/dioxide_files/image002.gif

http://i90.photobucket.com/albums/k247/dhm1353/pHvCO2.png

http://sanctuarymonitoring.org/regional_docs/monitoring_projects/100240_167.pdf

http://www.co2science.org/articles/V13/N9/EDIT.php

http://www.co2science.org/articles/V12/N5/EDIT.php

http://www.co2science.org/articles/V13/N23/C2.php

http://www.physorg.com/news149768973.html

http://www.sciencedaily.com/releases/2008/04/080415101021.htm

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Excellenter Blog-Artikel,

haben sie den vielleicht auch auf Englisch?
Wuerde ich gerne an einige Kollegen weiterleiten!

mit besten Gruessen
Michael

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