ETH-Klimablog - Energie - «Weg vom Öl» ist keine Antwort

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«Weg vom Öl» ist keine Antwort

07.06.2010 von

Nicht nur in den Spalten des ETH-Klimablogs, sondern auch in der Politik dominiert die Klimafrage, wenn es um das Spannungsverhältnis fossile Energien und Umweltschutz geht. Klimaschutz ist gewissermassen die «new economy» des Umweltschutzes. Die profunden, stets lesenswerten, hin und wieder epischen Beiträge der Autoren und Blogger machen allerdings auch eine Art Schattenboxen deutlich. Für viele bleibt der durch menschliche Aktivität verursachte Klimawandel, seine Ursachen und seine Gefahren, (heute mindestens noch) kaum fassbar.

Sicherheitsmanagement aktueller denn je

Das Geschehen im Golf von Mexiko zeigt aber, dass klassischer Menschen- und Umweltschutz, unter dem Titel HSSE («Health, Security, Safety, Environment») zusammengefasst, noch lange nicht passé ist. Die bisher erfolglosen Bemühungen, das Bohrloch abzudichten, zeigen, dass auch in der «old economy» der Energiegewinnung ein rigoros gehandhabtes Sicherheitsdenken und -management aktueller denn je ist.

Der von den Politikern (auch hier) bereitwillig und sofort feil gebotene Ruf «Weg vom Öl» ist keine Antwort, weil uns die Erdölförderung noch über mehrere Jahrzehnte erhalten bleiben wird. Die Erdölnachfrage nimmt regional zwar ab (wie in der Schweiz), global aber zu. Es geht also darum, die Qualität der Erdölförderung zu verbessern, vor allem derjenigen in grossen Wassertiefen, um dadurch Ereignisse wie im Golf von Mexiko wenn nicht auszuschliessen, so doch auf eine akzeptable Eintretenswahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Fossile Energien: grosses Feld für Innovationen

Auch bei den hiesigen Forschungsinstitutionen stehe ich unter dem Eindruck, dass ob all des wissenschaftlichen Drängens nach Alternativen zu den fossilen Energieträgern die klassischen Fragen zu kurz gekommen sind, nämlich die HSSE-relevanten Aspekte von Energiegewinnung, -verteilung und -konsum. Gerade die Energiegewinnung (Öl, Gas, Kohle, Nuklear) ist ein grosses Feld für Innovationen. Und nicht nur was die Ölförderung in Supertiefen betrifft. Die technischen Wissenschaften sollten deshalb nicht nur Erkenntnisbeiträge für die Zeit nach dem Öl liefern, sondern auch für die Zeit mit dem Öl.

Zum Autor

Gastautor Rolf Hartl ist Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung.

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Kommentare (38) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Hoi Martin,

zu:
„Scheinbar seit ihr beide Neo-Romantiker, die vom naturverbundenen Leben in einer technikfernen Welt träumen, wobei Michael Dittmar durchaus weiss, dass eine extensive Landwirtschaft, die sogar der wilden Natur (wildlife) Raum lässt, nicht mit einer ständig wachsenden Bevölkerung vereinbar ist.“

Naja modifizieren wir diese Aussage vielleicht in etwa so

ich habe nichts gegen eine supertolle nachhaltige „energiesparende Technik“ …

Entsprechend wie in dem Permaculture video ueber „greening the desert“ gezeigt.

Wenn man das richtig machen will muss man sehr viel wissen und koennen und viele viele Methoden kennen wir ja noch nicht mal (oder haben sie verlernt?)

Wer kann zum Beispiel noch mit Pfeil und Bogen umgehen und ihn selber bauen.

Oder wer kann Hoehlenbilder malen die 40000 Jahre halten bis sie von uns entdeckt und dann gleichzeitig zerstoert werden?

Aber egal

der zweite Teil stimmt leider:
solange die Bevoelkerung weiter waechst ist alles andere nutzlos!

Egal wie idealistisch!

Dazu noch etwas zu Gandhi’s Satz

„there is enough for everybody but not enough for everybodies greed“ (oder so aehnlich)

Ich antworte drauf immer .. vielleicht war das vor 100 Jahren richtig als es 2 Milliarden Menschen gab.

Heute sind wir aber 7 Milliarden, und viel ist verschleudert und fuer immer (oder sagen wir fuer die naechsten 7 Generationen verschwunden..)

ansonsten

Romantik und Idealismus … na ist ja nicht das schlechteste der menschlichen Eigenschaften oder? (man sollte es noch mit den Worten „realistisch und innerhalb der Naturgesetze“ ergaenzen.)

michael

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Karim Niazi und Michael Dittmar

Beide habt ihr hier das Thema Landwirtschaft in der postfossilen, ja postindustriellen Gesellschaft eingebracht. Scheinbar seit ihr beide Neo-Romantiker, die vom naturverbundenen Leben in einer technikfernen Welt träumen, wobei Michael Dittmar durchaus weiss, dass eine extensive Landwirtschaft, die sogar der wilden Natur (wildlife) Raum lässt, nicht mit einer ständig wachsenden Bevölkerung vereinbar ist.
Wie stark die Landwirtschaft auf Ölprodukte angewiesen ist, möchte ich im folgenden kurz zusammenfassen (der Text beruht auf dem Artikel „Energy Use in the US & Global Agri-Food Systems: Implications for Sustainable Agriculture „ (siehe http://www.theoildrum.com/node/6575#more)

Landwirtschaft in einer fossil dominierten Welt

Spezialisierte Farmbetriebe (z.B. nur Schweinehaltung), Monokulturen, Farmen, die für nicht-lokale Märkte produzieren und Landwirtschaftsbetriebe, die ein Mehrfaches aus dem Boden holen, als was natürlicherweise darauf wachsen würde, sind direkt oder indirekt auf fossile Treibstoffe und auf aus Öl gewonnene Düngemittel und Pestizide angewiesen.

Landwirtschaftsmaschinen, die von Diesel- oder Benzinmotoren angetrieben sind, haben den Zeitaufwand für das Heranziehen einer Hektare Weizen um den Faktor 100 reduziert. Seit 1950 hat sich zudem die Getreideernte durch den Einsatz von Düngemitteln, ertragsreicheren Sorten und Bewässerung verdreifacht. Düngemittel und teilweise Pestizide sind Ölderivate. Tiefgefrorene Lammkeulen aus Australien sind nur wegen schwerölbetriebenen Ozeantankern in Europa zu haben.

Landwirtschaft in einer postfossilen, postindustriellen Welt

Was eine Ölverknappung bedeutet, darüber können die Kubaner wohl am besten berichten, mussten sie ihre Wirtschaft doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der ausbleibenden Wirtschaftshilfe von dort, neu orientieren. Zudem brach die Ölversorgung um mehr als 1/3 ein und die Nahrungsmittelimporte aus der Sowjetunion blieben aus. Folgen waren in den ersten Jahren ein um 36% geschrumpfte Kalorienaufnahme und eine 40% kleinere Proteinaufnahme des Durchschnittskubaners. Die Unterernährung nahm um 15% zu.

Ähnliches würde der ganzen Welt blühen, wenn plötzlich kein Öl mehr fliessen würde. Auch mit dem Import von exotischen, ja mit dem Import sogar so selbstverständlicher Dinge wie Reis wäre es hier vorbei oder würde es schlecht stehen. Ganze Länder, die vom Nahrungmittelexport leben, würden von heute auf morgen eine wichtige Einnahmequelle verlieren. Die moderne Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie sind also stärker auf Öl angewiesen als beispielsweise die Stahlindustrie, der Häuserbau (obwohl auch nur schwer ohne auskommt) oder das Zeitungswesen.

Dass das meiste, was wir essen vom Öl abhängt, das erstaunt doch. Man vergisst oder verdrängt das im Alltag.

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@ Holzherr

Toll, wenn sich selbst für die Niederungen des Klimakitsches so etwas wie eine Hagiographie entwickelt.
Mag durchaus sein, dass in paar Jahrzehnten ein echter „Jones“ oder „Hansen“ bei Sothebys ähnliche Spitzenwerte erzielt wie eine Blaue oder Rote Mauritius.

Selbstverständlich bin ich „persönlich an der weltanschaulichen und politischen Dimension des Klimaschutzes“ interessiert“, betrifft sie doch u. a. auch unmittelbar mein Leben.

Kommunismus? – es gibt durchaus Parallelen…

„Wenn man den Klimawandel für nichtig hält“

Wie käme ich dazu?
Wovon glauben Sie eigentlich zu reden?
Natürlich gibt es einen Klimawandel!

Offenbar aber fällt es Ihnen trotz mehrfacher Hinweise schwer, (natürlichen) Klimawandel und AGW halbwegs auseinanderzuhalten.
Demnächst wird hier als Beleg vermutlich das Johannes-Evangelium beigezogen.

Wie immer: GSDIG

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@Kommentar von Peter Bühler. 23.06.2010, 9:15

Rolf Hartl: “Klimaschutz ist gewissermassen die «new economy» des Umweltschutzes”

Peter Bühler: „Ein mildes Urteil, denn der Begriff kennzeichnet darüber hinaus eine quasi-religiöse Bewegung, …

Wie falsch sie liegen: Klimaschutz als «new economy» des Umweltschutz zu bezeichnen ist aus der Sicht von Herrn Hartl ein weit vernichtenderes Urteil als ihm weltanschauliche und politische Verbrämungen vorzuwerfen.

new economy ist ein Synonym für boom&bust oder auf gut deutsch: etwas ohne Substanz.

Sie, Herr Bühler, scheinen an der weltanschaulichen und politischen Dimension des Klimaschutzes interessiert zu sein. Vielleicht ist die Klimaschutzbewegung für sie der neue Kommunismus?

Sie denken halt in modernen Kategorien. Wenn man den Klimawandel für nichtig hält – wie sie – und historisch etwas weiter zurückgeht, könnte man die mit dem Klimawandel verbundenen Warnungen mit den Warnungen vor der unmittelbar bevorstehenden Akopalypse vergleichen, die im Mittelalter bis zur Zeit der Reformation, gang und gäbe waren.

Gut passen würde das Bild von Albrecht Dürer Der Apokalyptische Reiter mit folgender Wikipedia-Beschreibung (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Apokalypse):

Auf dem Bild Die Apokalyptischen Reiter wird das Ende der Welt durch menschliche Reiter eingeläutet. Das bedeutet, dass die Menschen selbst für ihr Ende verantwortlich gemacht werden. Im Hintergrund sieht man einen Engel und Gott, der durch die Strahlen symbolisiert wird. Beide verhalten sich passiv; somit wird die Theorie vom Selbstverschulden der Menschen an ihrem Ende bestätigt.

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„Klimaschutz ist gewissermassen die «new economy» des Umweltschutzes“

Ein mildes Urteil, denn der Begriff kennzeichnet darüber hinaus eine quasi-religiöse Bewegung, die ihre angeblich wissenschaftlich gestützte Anmassung inzwischen nach Pfunden publizierter Literatur bemisst und für gerechtfertigt hält – und Skeptiker mit inquisitorischen Methoden an den Pranger stellt.
What a brave new world…

http://www.drroyspencer.com/2010/06/the-global-warming-inquisition-has-begun/

http://www.pnas.org/content/early/2010/06/04/1003187107.abstract

http://pielkeclimatesci.wordpress.com/2010/06/21/comments-on-the-pnas-article-expert-credibility-in-climate-change-by-anderegg-et-al-2010/

http://news.sciencemag.org/scienceinsider/2010/06/scientists-convinced-of-climate.html

http://rogerpielkejr.blogspot.com/2010/06/new-black-list.html

http://www.readers-edition.de/2010/04/17/waermste-globaltemperatur

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@ Herr Hartl

Erstens: Danke, dass sie sich überhaupt Zeit genommen haben, meinen Post zu lesen und zu beantworten, dass freut mich sehr. 😀

Sie haben recht, wenn mein Beitrag unangenehm wirkt.
Aber ich muss bemerken, dass auch wenn ich den jetzt so durchlese, so habe ich über weite Strecken vielmehr die Fakten offengelegt als sinnlos schwarzgemalt.

Es muss ihnen ja wirklich düster vorgekommen sein, wenn Malthus neben mir wie ein Sängerknabe erscheint.

Im Grossen und Ganzen versuche ich die Sachlage relativ realistisch und sachlich anzugehen. Klar haben uns der technische Fortschritt und somit auch die fossilen Brennstoffe sehr weit gebracht, dass bezweifle ich keinesfalls und ich bin froh nicht vor mehr als hundert Jahren gelebt zu haben (Toilette, Medizin, Computer, Musik und Film sind wunderbare Dinge).

Ich stimme sogar voll mit den Buddhisten überein, die finden, dass der Pessimismus unser ärgster Feind ist.
Gleichzeit möchte ich aber nicht mein Augen vor den Problemen und dem Leiden verschliessen und mein Bewusstsein für seine Existenz abstumpfen lassen.

Wenn ich das illustrieren darf:
Mit dem Ausblenden von Problemen verhält es sich meiner Meinung nach ähnlich, wie wenn unser Gehirn Lärm herausfiltert. Der Akt des Filterns ist eine Belastung, der einen Teil meines Arbeitsspeichers in Beschlag nimmt und somit mein Wesen (spezifischer: meine Wahrnehmung) beeinträchtigt.
Ich würde mich deswegen (entgegen des Anscheins) als einen überdurchschnittlich glücklichen und positiven Menschen beurteilen.

Ich gönne mir sozusagen den Luxus, die Welt in einem grösseren Kontrastspektrum als üblich wahrnehmen zu dürfen.

Deswegen sind all die Klima-, Umwelt und Energieprobleme meiner Meinung nach vorerst nicht technischen, sondern kulturellen Ursprungs. Mich erstaunt vielmehr die Tatsache, dass man bei einer Präsentation der Fakten ins pessimistische Lager verbannt wird oder man diese Dinge hinter vorgehaltener Hand diskutieren muss.
2+2 ist nun mal 4…. (obwohl so simpel ist’s hier ja auch nicht immer).

Ich sehe in einem Rückgang der fossilen Brennstoffe aber eine Riesenchance. Durch den verknappten Spielraum sind wir wohl gezwungen einige Dinge besser/richtig zu machen.
Die thermodynamischen Energiegesetze (sowie die Fakten) sind und bleiben aber unumstösslich.

Eine voluntäre Reduktion unseres übertriebenen Konsums und somit eine Änderung unserer Kultur des „materiellen Wachstums“-Paradigma wäre dringendst nötig.

„Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut. Wer das Unrecht nicht verbietet, wenn er kann, der befiehlt es.“ – Marc Aurel

@Herr Dittmar
Permakultur ist eine geniale Sache! Ich finde der bisher beste Dok-Film kam von BBC (Rebecca Hoskings) namens
„Farm for the future“
zu sehen unter:
http://video.google.com/videoplay?docid=2750012006939737230#

Die Zukunft könnte meiner Meinung nach ruhig so aussehen 🙂

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Hallo Herr Hartl,

Einverstanden, versuchen wir also ein optimistisch denkender Realist zu sein/bleiben/werden.

Der Typ der es schafft die Wueste gruen zu machen (http://www.youtube.com/watch?v=4S6kTlz6Mk4), versucht genau das und gleichzeitig noch sehr optimistisch.

Uebrigens im Vergleich, die Peak Oil Realisten machen einen deutlich vergnuegteren Eindruck als die erfolgreichen Buiseness Manager (selbst abgesehen vom BP Chef.. im Moment).

Wie ich es versuche in Analogie zu sagen

Kann die Berfuehrer Nation den Weg nach unten (im Gewitter) finden ohne zu stuerzen? Das ist doch eine sehr interessante Aufgabe! Selbst wenn man nicht mehr daran glaubt mal auf den
Everest oder den K2 zu kommen.

zu:

„Wir koennten heute im Moment genug Kalorien erzeugen um alle Menschen zu ernaehren (dank den indirekten Kalorien aus dem Oel!?)“

Was machen wir wenn das Oel mal knapp wird ..

Dann doch vielleicht die Methode der Permaculture probieren?

Warum machen wir das nicht schon mal heute und foerdern die Leute die sowas vorleben auch in der Schweiz?

Zum Beispiel ein Lehrstuhl fuer „Permaculture“ gesponsert von „beyond oil“ .. das waere doch mal was.

Genauso waere es doch spannend wenn die Resourcenfrage mal wirklich gruendlich an den Universitaeten erforscht wird.

Und das ganze mit Optimismus und den Humor auch nicht ganz vergessen!

mit besten Gruessen

Michael

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Lieber Herr Dittmar
Auch ich betrachte mich als Realisten. Der Realist weiss aber auch, dass eine Fussballmannschaft, die nicht davon überzeugt ist, den Gegner zu schlagen, genauso verlieren wird wie eine Gesellschaft, die nicht bereit ist, die tatsächlich existierenden Probleme mit inhärenter Zuversicht anzugehen. Wir wurden auf die Welt gesetzt, um diese Welt besser zu machen, nicht um vor lauter Probleme in immobiliserenden Griesgram zu verfallen. Das war der Sinn meines Kommentars.
Korrigendum zu meinem vorgängigen Beitrag: natürlich gibt es Hunger auf der Welt als Folge des Verteilungsproblems. Korrekt ausgedrückt wollte ich sagen, dass wir im Gegensatz zu früher mittlerweile so viele Kalorien produzieren können, dass die ganze Welt ernährt werden kann. (Auch) das ändert selbstverständlich nichts am massiven Wohlstandsgefälle zwischen den Weltregionen – m.E. die wichtigste globale Herausforderung unserer Zeit.

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Hallo Herr Hartl,

wie waere es mal statt pessimistisch oder optimistisch einfach von realistisch zu reden?

Richtig, im Moment leben wir im reichen Teil der Erde recht angenehm, in etwa wie sie es aufgefuehrt haben.

In den weniger reichen Teilen des Planeten sieht es gar nicht so rosig aus, die Fakten zeigen eher das Gegenteil. Soll ich mal Bilder von Kindern suchen die von Muellhaufen der Zivilisation „leben“?
Oder Bilder vom Delta in Nigeria, der Abbau der Tarsande in Canada von den Uranminen im Niger ..

Ich glaube wir kennen alle diese Bilder

Also auf wessen Kosten verprassen wir, und so schnell es geht, das natuerliche Kapital der Erde? Und dann sagen wir in 50 Jahren (wenn ich die Radieschen von unten anschaue)?

Weniger Nachhaltig geht es ja wohl kaum oder? (eine moegliche Alternative habe ich gerade auf dem Wuestenstrom blog gelinkt.. das ist doch mal was optimistisches)

Und wenn wir uns daran gewoehnen das Oel ist nun mal sehr sehr endlich dann ist das realistisch.

Manche koennen es pessimistisch nennen was Galileo gesagt hat, die Erde und Rom ist nicht das Zentrum des Universums. Aendert aber sonst nicht viel an der Realitaet

einen schoenen Tag noch

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@Karim Niazi
Ich kann nachvollziehen, dass man unter dem Eindruck der Ölkatastrophe im Gof von Mexiko pessimistisch werden kann, aber solch eine rabenschwarze Einschätzung der Welt-Lage, wie sie aus Ihrem Beitrag herauszulesen ist, trifft man selten (übrigens auch nicht in diesen Spalten). Verglichen mit Ihnen sind Malthus und der Club of Rome ja Sängerknaben. Sehen Sie auch Lichtblicke ? Finden Sie nicht auch, dass der klassische Umweltschutz viele Fortschritte frü die Menschheit gebracht hat – wir sterben immer weniger wegen der Luftverschmutzung, z.B. (wenn Sie mir diese Formulierung erlauben). Unsere Lebensqualität ist doch um einges besser als noch vor hundert Jahren: wir sind mobil, materiell saturiert, können (fast) alle unserer materiellen Träume verwirklichen, es gibt keinen Hunger, keine Weltkriege. Werfen Sie doch auch das in die Waagschale ! Und wegen der Energie: die Energiesysteme haben sich im Verlauf der Zeit immer verändert – und sie werden das auch in Zukunft tun, druchaus (auch) in die von Ihnen gewünschte Richtung. Also: Cheer up !

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@Hartl
(übrigens positiv überrascht, dass sie einige Kommentare beantworteten)

Ich verstehe Ihre Haltung gewissermassen, kann aber kein Verständnis dafür aufbringen, weshalb sie nicht auch ein „Weg vom Öl“ forcieren. Öl wird relevant bleiben und somit ist ihre Position einigermassen gesichert, wenn sie aber beim Öl bleiben wollen fliegt uns aber die ganze Zivilisation um den Kopf, was wohl nicht in ihrem Interesse sein kann.

Der Umstand, dass wir so abhängig sind vom Öl, ist bedauernswert.
Öl ist aber in seiner Qualität einzigartig und einer der Grundsteine (wenn nicht der Grösste) unserer heutigen Zivilisation.
Dass wir nicht vom Öl wegkommen ändert aber nichts am Umstand, dass wir vom Öl wegkommen müssen (oder es versuchen sollten)!

Da es sinngemäss keinen Plural der Logik gibt, sind sie und ich gezwungen, aufgrund der Faktenlage, zu den (fast) gleichen Schlüssen zu kommen (=> objektive oder wissenschaftliche Erkenntnis).

Sie und ich wissen, dass das Ölfördermaximum nicht allzu weit sein kann, was aus den Daten vollkommen ersichtlich ist… Leute wie Yergin oder Lynch sind Schaumschläger (yep, ich lese den Schrott den die publizieren, der zu Recht auf Seiten wie „theoildrum.com“ zerrissen wird).
Es ist ja auch schön wie die IEA ihre Prognosen immer weiter nach unten korrigiert. Und nein, ich glaube nicht, dass wir die Apokalypse selbst sehen werden (obwohl ein schnelleres Einsehen besser wäre als die Lage inder wir uns jetzt befinden)… viel eher ein wirtschaftliches auf , das liegt wohl daran, dass ein zu tiefer Ölpreis die Kosten nicht deckt (Investitionen jetzt und in neue Projekte) und ein zu hoher Preis unserer Wirtschaft arg zusetzt, somit haben wir preislich wenig Spielraum, was zu sogenannten „demand destructions“ führen kann/könnte wie wir es 2008 gesehen haben.

Auch wenn die Erden eine Truffé voll mit Erdöl wäre, der Peak Oil Theorie ist das egal. Es geht um flow rates, timing & costs.
Und unter „costs“ verstehen wir/ich nicht nur ökonomische Kosten ( das wäre ja zu einfach).
Ob für Demokratie, Menschenrechte oder Natur, das schwarze Gold ist wohl eher ein schwarzer Fluch.
Und ja, die Natur ist auch ein Teil unseres Reichtums… sauberes, trinkbares Wasser ist z.B. ein Resultat davon.

Wenn wir den Erdball als ein geschlossenes System betrachten, dass seine Energie von der Sonne bezieht wird das Bild indes viel klarer.
Bei Solar, Wind, Holz-, (oder auch) Nahrungs- und Hydro-/Wellenenergie handelt es sich um „jetzigen“ Input unserer Sonne, bei fossilen Energien ist es eine alte Akkumulation von Sonnenergie.
Wenn wir besagte fossile Energien benutzen, leben wir also auf Pump.
Es ist aber leider so, dass die Natur keine „bailouts“ unternimmt und wir früher oder später den Kredit aufgebraucht haben werden.
Insofern handelt es sich beim Klimawandel um eine Freisetzung eben genannter fossilen Brennstofen, was zu einer Erhöhung der Energie (bzw. Entropie) im System führt => mehr Wärme.

Soviel zur Greifbarkeit des Klimawandels. Wir können nicht einfach irgendwelche Variablen in einem komplexen System verändern… Die Kette: „mehr CO2 => saureres Meer => Probleme für Korallen etc.“ ist allgemein bekannt. Lustigerweise führt ein tieferer PH auch dazu, dass das Meer „lauter“ wird… ich wette das hat auch irgendwelche Konsequenzen.

Erschreckend ist auch, dass fossile Brennstoffe ihren Weg in unsere Nahrungskette gefunden haben, so dass schätzungsweise durchschnittlich 10 Kalorien fossile Energie auf eine Kalorie Nahrungsmittel-Energie entfallen.
Die übermässige Mechanisierung der Landwirtschaft, der Gebrauch von Düngern und Pestiziden (die aus „Erdgas“ hergestellt werden) und die ver-„monokultur“-isierung sind weitere Übel denen wir uns schnellstmöglich entziehen müssen.

Das exponentielle Wachstum unserer Bevölkerung ist sicher auch eine (indirekte) Konsequenz des Öls… die Frage nach der wahren „carrying capacity“ unserer Erde soll hier mal im Raum stehen gelassen werden. Es sei nur erwähnt, dass es in der Natur keinen einzigen Prozess gibt, der exponentiell wächst.
Übertriebener materieller Wachstum ist unter diesen Umständen keine wirkliche Option und geht auf Kosten unserer Zukunft.

Wenn wir weiterhin auf das alte Steckenpferd „fossile Brennstoffe“ setzen sind wir zum Scheitern verurteilt!
Projekte wie die Deepwater Horizon oder die Ölsände in Kanada, die überaus komplex (=>Kosten-/Energie-/Technologie-intensiv) sind, zeigen auf wie schlecht es um uns wirklich steht.

Die Netto gewonnene Energie dieser Unterfangen nimmt logischerweise drastisch ab, wobei erwähnt sei, dass wir Technologie nicht mit Energie gleichsetzen dürfen (Technologie braucht einen Energie- und Material-Input) .

Beim Material Input wäre z.B. Wasser zu erwähnen, das bei den „tar sands“ (Ölsand) in Unmengen verschleudert wird.
Somit stellt sich dort die ähnliche Frage wie bei den „bekloppten“ Bio-Treibstoffen: „Wollen wir Nahrung oder doch lieber den Porsche Cayenne?“

Das alles zwingt uns wohl zu einer weitgehenden Umgestaltung unserer Lebensweise.
Obwohl es momentan so scheint, als ob wir lieber Anderen das Leben zur Hölle machen und sie den Preis für unsere Gier zahlen lassen.

Es ist somit dringendst nötig, dass wir die Effizienz unserer Energienutzung steigern und die Verschwendung herunterfahren (so können wir uns sicher einen guten Lebensstandard erhalten!).

Der Wechsel wird sicherlich nicht von heute auf morgen geschehen (leider) weswegen wir gezwungenermassen noch „Zeit mit dem Öl“ verbringen müssen.
Unter diesen Umständen verstehe ich aber nicht, wieso sie nicht energischer auf einen gut geplanten, schnellstmögichen und realistischen Übergang zu Alternativen (gepaart drastischer Energiesenkung) pochen?

@Martin Holzherr
„clean coal“ ist leider nur PR (peak coal wäre da auch noch) , auch die Liquidifizierung ist nicht das gelbe vom Ei (wurde schon im WW2 ausprobiert).

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@Herr Dittmar
Herzlichen Dank für Ihren Hinweis: Die kabarettistische und trotzdem allzu wahre Umsetzung der Erkenntnis, dass wir gerade im Energiebereich mit sehr vielen Sonntagspredigten konfrontiert sind. Oder netter ausgedrückt: Guter Rat (und vor allem dessen Umsetzung) ist und bleibt teuer !

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Leider nur auf Englisch aber genial!

Weg vom Oel oder doch nicht! 7min die alles erklaeren!
http://www.thedailyshow.com/watch/wed-june-16-2010/an-energy-independent-future

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Evaluierung verschiedener CO2-armer Energiequellen

Die einen schwören auf Wind+Sonne, andere auf Nuklearenergie und wieder andere auf fossile Energiequellen mit CCS.

Vielleicht aber müssen alle drei dieser sauberen Energieformen eingesetzt werden, wenn man nur noch CO2-freie Energiequellen zulässt. Dass erneuerbare Energien allein als Ersatz dienen können, scheint unwahrscheinlich, wenn man ihren heutigen Primärenergieanteil anschaut (siehe die dünne rote Linie in der „World primary engergy production“ Graphik auf http://europe.theoildrum.com/node/6602).

Weil die Meinungen über die zukünftige Rolle der verschiedenen Energieformen so weit auseinandergehen, denke ich auch, dass wir noch Jahre brauchen, bis es klar wird, was der beste Weg in eine Karbon-arme Zukunft ist.

Zudem sollte man die heute verwendeten Energiesysteme auch auf ihren CO2-Ausstoss hin untersuchen und zwar mit Parametern wie EROEI, CO2-Ausstoss inklusive Backupenergie, CO2-Ausstoss für Brennstoffbeschaffung und für Kraftwerkbau.

Für Deutschland wäre eine Trendanalyse aufschlussreich. Wie wirkt sich der steigende Anteil an Windenergie auf den Gesamt-CO2-Ausstoss aus, wie sind die Kosten im Gesamtsystem Wind und Backupenergie, Bau von zusätzlichen Stromleitungen, notweniger Umbau des Netzes, etc. verteilt.

Mehr Transparenzenz tut not. Subventionen und Einspreisevergünstigungen verdecken die wirklichen Verhältnisse und geben erst über den gestiegenen Strompreis ein feedback.

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Hallo Peter,

schoen waers!
In der Realitaet ist der Verbrauch an Oel trotz der vielen tollen Entwicklungen in der Schweiz praktisch konstant geblieben! Und wenn wir die graue Energie (und Oel) zaehlen wuerden waere der Anstieg auch klar.

Was man vielleicht sagen koennte, obwohl wir (wir alle?) scheinbar besser leben, haben wir die Verbesserungen bei der Isolation etc eigentlich nur fuer groessere Wohnungen und mit mehr Mobilitaet vertauscht.
Statt eine natuerliche Umgebung die immer weniger natuerlich wird muessen wir das jetzt durch Urlaub in den noch vorhandenen Paradiesen kompensieren. Als Resultat zerstoeren wir sie dann gleichzeitig.

Das ist doch eigentlich unser Fortschritt.

Meine Forderung.. na ja in meinem hoffnunglosen Optimismus traeume ich von einem weltweiten Ausgleich und entsprechend z.B. einer 5% Reduktion fuer die die mehr als das Weltmittel nutzen ..

die 2-3% Reduktion ist mehr das was uns die Natur der Oelreserven aufzwingen wird (und wohl mehr in Laendern ohne Oel!)

„In Wirklichkeit hat die schweizerische Industrie beträchtlich in fortschrittliche Technologien investiert, die zu sehr respektablen Einsparungen an fossilen Energieträgern geführt haben.
Einsparungen, die Michael Dittmars Forderungen nach 2 – 3% jährlichem Minderverbrauch zumindest nahe kommen, wenn sie ihn nicht sogar übertreffen. „

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Ich möchte hier auf Rolf Hartl’s abschliessendes Kapitel „Fossile Energien: grosses Feld für Innovationen“ reagieren und eine mögliche fossile, aber doch saubere Energiezukunft vorstellen. Ein neues fossiles Bonanza scheint Schiefergas zu versprechen. Einen aktuellen Beitrag des New Scientist zu diesem Thema (siehe
http://www.newscientist.com/article/mg20627641.100-wonderfuel-welcome-to-the-age-of-unconventional-gas.html) ist im folgenden kurz zusammengefasst:

Der Welterdgasverbrauch ist momentan 3 Billionen Kubikmeter pro Jahr womit die Reserven an konventionellem Erdgas im Jahre 2068 erschöpft wären.
Doch es gibt noch 900 Billionen Kubikmeter an unkonentionellem Erdgas, sogenanntem Schiefergas. Neue Förderverfahren, die horizontales Bohren und viel Druckwasser einsetzen, machen nun 180 Billionen dieses Schiefergases zu niedrigen Kosten erschliessbar. Das meiste Schiefergas befindet sich in den USA aber auch Europa hat 15 Billionen Kubikmeter, vor allem in Polen, Deutschland, den Niederlanden und in Südengland.

Bei einer besonder attraktiven und sauberen Verstromungsmethode wird Erdgas vor der Verbrennung in CO2 und Wasserstoff aufgespalten. Das CO2 kann dann abgeschieden und vergraben werden (CCS). Der Wasserstoff kann bei der Verbrennung Strom liefen, aber auch Grundlage einer Wasserstoffwirtschaft sein und zudem zwischengespeichert werden, so dass solche Erdgaskraftwerke schneller auf windkraftbedingte Leistungsschwankungen im Netz reagieren können.

Mit Erdgas (konventionellem und unkonventionellem) ergeben sich also folgende Optionen:
-die Welt kann noch viele Jahrzehnte mit Energie versorgt werden
-durch Aufspaltung in CO2 und Wasserstoff könnte die Grundlage für eine Wasserstoffwirtschaft gelegt werden
-durch Abtrennen und Vergraben von CO2 könnte die Bilanz (fast) CO2-neutral werden

Der Artikel schliesst so: Mit Einbezug von CCS, minimierten Wasserverbrauch und umweltschonendem Abbau kann Schiefergas die Welt noch viele Jahrzehnte mit sauberer Energie versorgen.

Wahrlich vielversprechend, wenn das Problem der benötigten riesigen Endlagervolumen für CO2 gelöst werden kann und das oben beschrieben Verfahren nicht zu teuer wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Dazu passt eigentlich eine Diskussion ueber die Rede von Obama und was er zum Beispiel haette sagen koennen nach Rachel Maddow
http://www.msnbc.msn.com/id/26315908/vp/37744753#37744753

Was mich dabei stoert, man koennte denken das Problem ist nur der Schaden fuer die USA.

Aus der Sicht eines nicht-Amerikaners verwundert es einen wenn man nicht auf die vielen vielen anderen Oel-Disaster inklusive dem Iraq Krieg verweist und davon Abstand nimmt!

Wenn es Oilspills im Rest der Welt gibt, Nigeria, Equador etc etc

Und ja, es waere nicht schlecht gewesen zu sagen: „The Party is over“

und jetzt muessen wir alle mit dem „Kater“ und den Folgen unserer „Drug Addiction“ leben!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Die kurzsichtige Forderung „Weg vom Öl“ lässt demnächst wieder die alten Plakatsujets aufleben, auf den fette Fabrikanten in Frack und Zylinder mit Zigarre im Mund vor rauchenden Fabrikschloten posieren. In Wirklichkeit hat die schweizerische Industrie beträchtlich in fortschrittliche Technologien investiert, die zu sehr respektablen Einsparungen an fossilen Energieträgern geführt haben.
Einsparungen, die Michael Dittmars Forderungen nach 2 – 3% jährlichem Minderverbrauch zumindest nahe kommen, wenn sie ihn nicht sogar übertreffen. Diese Leistung wurde aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, wirtschaftlicher Anreize, verfügbarer Technologie und finanzieller Mittel, aber auch dank persönlicher Überzeugung der Verantwortlichen und ihres Engagements möglich. (Relativ) saubere Luft und (relativ) sauberes Wasser gibt es denn auch nicht in unterentwickelten Ländern. Sie sind das Resultat von Weiterentwicklung, – ohne abschätzigen Hohn auf die erstgenannten, denn der (immer wieder unterschätzte) Wissenstransfer wird letztlich für die weltweite Verbreitung sinnvoller und effizienter Technologie sorgen.

Ich kann auch nicht erkennen, dass die viel gescholtene – und vorläufig nur schwer entbehrliche – Ölindustrie in ihrer Entwicklung von der Prospektion bis zur Anwendung ihrer Produkte bloss stagniert. So kann, wer das tatsächlich will, heute mit deutlich weniger Öl wohnen, heizen und sog. Auto fahren als z. B. vor 20, 30 oder 40 Jahren, – ohne jede Komforteinbusse, im Gegenteil!

Dass das Parlament sich beim CO2-Ausstoss der Autos auf vergleichsweise mutlose 150 g CO2/km einigte, spiegelt vielleicht nicht das technisch problemlos Zumut- und Machbare, es setzt aber Vertrauen in die individuellen Entscheidungen und die wachsende Vernunft der Bürger und Konsumenten. Steigende Energiepreise, steuerliche Anreize und ein evtl. Durchbruch bei der Batterietechnologie in den kommenden Jahren werden ein Übriges tun.

Die Energielandschaft Schweiz wird sich auch ohne forcierte Dekarbonisierungsanstrengungen bis 2030 merklich verändern, wenn – wie Herr Hartl fordert – die einseitige Fokussierung unter der Devise „Weg vom Öl“ einer unvoreingenommenen und pragmatischeren Sichtweise Platz macht.

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@Peter Bühler
Herr Bühler, nehmen sie die Zitat „milden Invektiven“ nicht zu ernst, möglicherweise möchte ich sie nur etwas verunsichern.

Nun zum Thema Energiequellen:

Herr Hartl kann durchaus recht haben, wenn er momentan keine Alternative zum Öl sieht. Das schliesst nicht aus, dass wir aus vielen Gründen von den fossilen Rohstoffen wegkommen müssen. Und auch die erneuerbaren Energien dürften nicht die Lösung für alle sein, denn die EE’s können sich nur jene leisten, die stark steigende Energiepreise wegstecken können.

Wir befinden uns also in einer Situation ohne naheliegende Lösung, also in einem Dilemma, was nach Wikipedia eine Situation ist, die zwei Wahlmöglichkeiten bietet, welche beide zu einem unerwünschten Resultat führen.

Der Ruf «Weg vom Öl» ist sicher keine Antwort, er drückt vielmehr ein Unbehagen aus und Herr Hartl weiss, dass er trotzdem so weitermachen kann oder muss wie bisher.

Zu den freien Märkten:

Freie Märkte sind ein Idealkonstrukt, weswegen sie ja auch schreiben (Zitat) „In einem tatsächlich freien Markt“… .
Ist der schweizerische Telkommunikationsmarkt frei, das Schweizer Rundfunkwesen oder das Deutsche?
Ich bin zum Schluss gekommen, dass die freiesten Märkte im Bereich austauschbarer Massenware zu finden sind, also bei den Waschmitteln, Shampos und Hauhaltsgeräten, nicht aber bei den anspruchsvolleren Gütern wie Häusern oder bis vor kurzem im Flugverkehr. Erst die Billigfluglinien schaffen im Flugbereich einen zunehmend freien Markt, sehr zum Wohl des Konsumenten. Und die Billigfluglinien haben dem Fliegen ja den Nimbus genommen und es auf die Stufe des Transfers von A nach B heruntergedrückt.

Wie soll im Energiebereich ein freier Markt geschaffen werden? Das dürfte schwierig sein, denn Infrastrukturvorhaben sind von langer Hand vorbereitet und geplant und müssen politisch abgesegnet sein. Das war früher so und wird so bleiben. Wichtiger als der freie Markt ist bei der Energieversorgung die Zielsetzung. Früher war Zuverlässigkeit, hoher Erschliessungsgrad und ein günstiger Energiepreis das Ziel. Aber heute gibt es Leute mit ganz anderen Zielen. Sie wollen beispielsweise den Strompreis künstlich erhöhen, damit weniger Strom verbraucht wird.
Ehrlicherweise habe ich da meine Bedenken, vor allem wenn am Schluss jeder Industriebetrieb mit höheren Energiepreisen belastet wird. Aber vielleicht fehlt mir einfach der Durchblick.

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@ Holzherr

„Mantras herunterleiern… ohne Sinngehalt… Jünger des freien Markts… autistisch bramarbisieren… refokussieren“

Tolle Sammlung an milden Invektiven, lieber Holzherr. Da haben Sie aber mächtig in die Tasten gegriffen, um zu belegen, dass hier weder „von staatlichen Eingriffen in Form von CO2-Abgaben noch von anderen Marktaspekten im Zusammenhang mit der Ölwirtschaft“ die Rede sei.

Abgesehen davon, dass diese politischen Forderungen sehr real im Raum stehen, muss man zum besseren Verständnis etwas zwischen den Zeilen lesen. Zitat R. Hartl: „Der von den Politikern (auch hier) bereitwillig und sofort feil gebotene Ruf «Weg vom Öl» ist keine Antwort.“
Was bedeutet denn „Weg vom Öl“ anderes als der Ruf nach vermehrter staatlicher Förderung von sog. erneuerbaren Energien? Selbstverständlich finanziert mit zusätzlichen Abgaben.

Herr Hartl ist sich der allein schon rein quantitativen Bedeutung von Öl für unsere Wirtschaft bewusst. Was sich umgekehrt von jenen Träumern kaum behaupten lässt, die zwar „Weg vom Öl“ rufen, aber keine Alternativen anzubieten haben, vorläufig jedenfalls keine brauchbaren.

Über die Freiheit der Märkte liesse sich lange philosophieren. Ich sehe sie durchaus spielen, wenn auch nicht überall und in wünschbarem Umfang.
Vielleicht mag sich Herr Hartl dazu äussern.

Von Ihnen wäre interessant zu erfahren, was Sie genau an die Stelle freier oder halbwegs freier Märkte setzen möchten.

Die Regulierung und Überwachung von Sicherheitsvorkehrungen, umweltschonenden Massnahmen und die Eindämmung von Korruption – alles selbstverständlich unter staatlicher Obhut und in gebotener Strenge – bildet, um den wüsten Themenmix etwas zu entwirren, nur am Rand und unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse Teil der grundsätzlichen Öl- und Marktdebatte. Letztere mündet denn auch nicht zwingend in ein Entweder-oder-Dilemma „HSSE“ oder “Weg vom Öl”.

Dem Blog-Autor ist in seinen Schluss-Sätzen zuzustimmen: „Gerade die Energiegewinnung (Öl, Gas, Kohle, Nuklear) ist ein grosses Feld für Innovationen… Die technischen Wissenschaften sollten deshalb nicht nur Erkenntnisbeiträge für die Zeit nach dem Öl liefern, sondern auch für die Zeit mit dem Öl.“

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@Kommentar von Peter Bühler. 15.06.2010, 19:43
Herr Bühler,
Die Mantras, die sie in ihrem Kommentar vom 15.6. herunterleiern, sind fast ohne Sinngehalt und sollen wohl nur demonstrieren, dass sie ein Jünger des freien Marktes sind.

Zitat1:
„Kurz: Preis und Nutzen eines Gutes bilden den Schlüssel zu seiner Marktakzeptanz und -durchsetzung.“

Zitat2:

„Staatliche Eingriffe (CO2-Abgaben etc.) sind aus mehreren Gründen suspekt. Zum einen wird das so generierte Geld wohl nur in Ausnahmefällen sinnvoll eingesetzt, zum andern fehlt das Vertrauen in die unter dem Preisdruck auf den vermeintlich “unverzichtbaren Lebenssaft” entstehenden Innovationen.“

Weder der Artikel von Herrn Hartl noch einer der anderen Kommentare in diesem Blogteil hat nämlich von staatlichen Eingriffen in Form von CO2-Abgaben noch von anderen Marktaspekten im Zusammenhang mit der Ölvirtschaft gesprochen, so dass ihre Auslassungen nur als autistisch interpretiert werden können.

Mir ist deshalb rätselhaft wie sie im Kopfteil ihres Kommentars schreiben können: „Eigentlich trennen nur Nuancen die unterschiedlichen Ansichten.“ und dann von etwas ganz anderem bramarbisieren als das, worum es im Artikel und den vorgängigen Kommentaren ging.
Um sie zu refokussieren, hier kurz zusammengefasst um was es in „Weg vom Öl“ ist keine Antwort geht:
-Ölförderung und auch Förderung anderer fossiler Energien missachtet elementare Sicherheitsmassnahmen und verschmutzt die Umwelt regelmässig
-Ist das von Herrn Hartl geforderte Sicherheistmanagement HSSE (Health, Security, Safety,Environment) die Antwort darauf oder ist etwa doch „Weg vom Öl“ die richtige Antwort?
-Sollen die von Herrn Hartl geforderten Investitionen in fossile Energien getätigt werden, damit die Energiegewinnung sicherer wird

Der freie Markt allein kann hier keine Antwort geben und ihre Anregung, seine eingebauten Korrekturen in Form beispielsweise eines sinkenden BP-Aktienkurs sollten genügen, überzeugt keinen einzigen Amerikaner. Die US-Bürger fordern zu recht die Durchsetzung der bestehenden Regulationen und Sicherheitsmassnahmen und ein Ende der Korruption bei Vergabe von Förderlizenzen und Sicherheitskontrollen.

Der Bereich der fossilen Energien ist generell kein Paradebeispiel des Spiels der freien Märkte, das zeigen schon die jährlichen Subventionen von 550 Milliarden Dollar.

Auch auf die Gefahr einer baldigen Ölknappheit kann der freie Markt nur unzureichend reagieren, denn der Markt vergisst schnell und denkt nicht weit voraus.

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@Peter Bühler und Michael Dittmar

Herr Bühler,
der Markt, den sie mit folgendem Satz beschwören

„Kurz: Preis und Nutzen eines Gutes bilden den Schlüssel zu seiner Marktakzeptanz und -durchsetzung.“

hat im Energiebereich noch nie allein bestimmt, denn Versorgung mit Energie verbinden die meisten Staaten mit ihrer Souveränität. Wenn der Markt allein entscheiden würde gäbe es nicht diese enormen Unterschiede in der Art der Stromproduktion, wo Deutschland immer noch auf Stein- und Braunkohle setzt und Frankreich eine Flotte von Atomreaktoren unterhält.

Auch bei den fossilen Energien spielte der Gedanke der Energiesouveränität schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle und er wird es in Zukunft noch stärker tun. Länder mit viel Kohle unter der Erde wie die USA, China, Indien und Russland nutzen die Kohle intensiv und zwar auch deshalb, weil sie Abhängigkeiten im Energiebereich vermeiden wollen. In Krisenzeiten (früher war mit Krieg ja jedes Jahrzehnt zu rechnen) kann nämlich der Import zusammenbrechen, womit die Industrie gelähmt wäre.

Für Öl galt diese Überlegung lange Zeit nicht, allenfalls wurde die Abhängigkeit von den Scheichs rhetorisch beklagt ohne dass dies Konsequenzen gehabt hätte.

Doch jetzt wollen die USA beispielsweise den Trend zu sinkender Öl-Eigenproduktion brechen, indem sie zum Beispiel Tiefwasserbohrungen und offshore-Bohrungen erlauben, indem unkonventionelles Öl im Bakken-Feld Nord-Dakotas gefördert wird und indem Projekte zur stärkeren Entölung (enhanced oil recovery) von alten Erdölfeldern gefördert werden.

Auch Indonesien, das seit kurzem mehr Öl importiert als es produziert, will seine Importabhängigkeit verringern. Es investiert in Kohleverflüssigungstechnologie (CTL siehe http://www.engineeringnews.co.za/article/sasol-may-build-ctl-plant-in-indonesia-2009-12-04).

Für die Energieversorgung gelten ähnliche Überlegungen wie für die Nahrungsmittelversorgung. Das Denken ist in diesen Bereichen von den Zeiten der häufigen Kriege bestimmt. Ohne Nahrung und Energie war eine Nation in Kriegszeiten schon besiegt bevor es richtig los ging.

Doch jetzt zeigt sich eine verstärkte Tendenz, Ölimporte zu vermindern -wegen den hohen, vielleicht bald noch höheren Preisen, wegen der ungewissen Zukunft der Ölversorgung überhaupt.

Mit dem folgenden Satzfragment

„In einem tatsächlich freien Markt spielt die Evolution: survival of the fittest. Gilt auch für die Ölindustrie, ..

haben sie gewissermassen recht, nur dass sie sich täuschen, was den tatsächlich freien Markt angeht. In einem völlig freien Markt können sie nämlich jederzeit den Lieferanten wechseln. Doch mit den politischen Ungewissheiten in den produzierenden Ländern und der neu zunehmenden Unsicherheit über die verbleibenden Reserven gibt es gar keinen echten freien Markt mehr. Gerade urliberale Länder wie die USA ziehen daraus ihre Konsequenzen. Vorsorge könnte sich bald auszahlen.

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Hallo Peter,

„Bliebe noch Michaels Tipping Point-Szenario: das Öl fehlt von einem Tag auf den anderen. Wahrscheinlichkeit?
Und, bei evtl. Eintreten: was geschähe dann?“

Also fuer die Schweiz, nicht fuer Individuen, um ein interessantes Scenario zu finden. Alles Spekulation Sagen wir es passiert zum Beispiel das folgende Horrorscenario:

Israel greift den Iran an. Die Strasse von Hornus (oder Hormus?) durch den praktisch das gesamte Oel aus der Gegend geht wird durch den Iran blockiert (Minen). Der Krieg eskaliert (Iran ist eben doch nicht unbedingt ein Papiertiger) und dauert .. Russland wird hineingezogen und China aber es gibt keinen Weltkrieg.. (wenn doch mit Einsatz von 10% der Atomwaffen also rund 2000 Ziele.. na dann schauen wir uns schnell nochmal Dr. Strangelove an!)

gut also nehmen wir mal dieses halb extrem Scenario (gab es so aehnlich in Cuba 1994-97 nach dem Collaps der Sowjetunion blieb das Oel aus zum Beispiel hier .. (nicht rosig aber besser als in Nordkorea!): http://www.youtube.com/watch?v=yIC-0JYoDs8

Als erstes wird in der Schweiz radikal rationiert und die sogenannte strategische Reserve genutzt um das notwendige zu organisieren. Damit kommt man ueber den Winter, danach nun ja
a) die Schweizer wurden auf dieses Problem vorbereitet und helfen sich gegenseitig und solidarisch!
b) sie wurden nicht darauf vorbereitet und die EU denkt auch erstmal an den Eigenbedarf bei allem was in die Schweiz hinein muss und dann ups ..

bleiben wir lieber bei Punkt a)

so und jetzt wie man sich die Entwicklung mit einem 2-3% Rueckgang pro Jahr beim vorhandenen und nutzbaren Oel denken koennte.

1) Laender und Regionen ohne Oel werden mit sagen wir -5% pro Jahr lernen zu leben. Der Flugverkehr und alle damit zusammen haengenden Jobs werden in eine tiefe Krise schlittern

Dann geht es mit der Auto/Transport Infrastruktur den Bach ab. Wer kann wird sich im richtigen Moment einen anderen Job suchen. Wer vom Tourismus lebt sollte auch gut aufpassen.. ja und das ganze wird jedes Jahr drastischer.

a) Rationierung wird besser sein als b) Preisexplosionen aber wer will das schon (eine schwere Grippe oder die Pest?)?
a) ist mir lieber denn bei b) kann es sehr schnell viel kollateral Damage geben ..

gut, so weit so schlecht waren nur ein paar Alptraum Gedanken.

Glauben wir doch einfach lieber es geht einfach immer so weiter mit dem Wachstum und wir Menschen sind einfach Engel!

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@ Dittmar und Holzherr

Eigentlich trennen nur Nuancen die unterschiedlichen Ansichten.

Kurz: Preis und Nutzen eines Gutes bilden den Schlüssel zu seiner Marktakzeptanz und -durchsetzung.

Staatliche Eingriffe (CO2-Abgaben etc.) sind aus mehreren Gründen suspekt. Zum einen wird das so generierte Geld wohl nur in Ausnahmefällen sinnvoll eingesetzt, zum andern fehlt das Vertrauen in die unter dem Preisdruck auf den vermeintlich „unverzichtbaren Lebenssaft“ entstehenden Innovationen.

Bliebe noch Michaels Tipping Point-Szenario: das Öl fehlt von einem Tag auf den anderen. Wahrscheinlichkeit?
Und, bei evtl. Eintreten: was geschähe dann?

Bitte keine Neo-Liberalismus-Chicago-Boys-Banken-Krise-Rettungs-Boni-irgendwie-Klimadebatte-Replik…
Betrug oder Marktverzerrung in diesem Ausmass werden erst durch staatliche Eingriffe – und Rettungsschirme für (teure) Angestellte und Aktionäre – möglich. In einem tatsächlich freien Markt spielt die Evolution: survival of the fittest. Gilt auch für die Ölindustrie, wie der BP-Aktienkurs zeigt. Ohne jede Absolution für die Mitkonkurrenten…

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Hoi Martin,

interessante und wichtige Gedanken zum Nachdenken.

aber hier stimme ich dir nicht zu:

„Ölverknappung
Gäbe es nur die klassischen Industrieländer, bliebe der Ölverbrauch konstant oder sänke sogar wegen effizienterer Motoren. “

Das ist leider eine Illusion! Wenn wir in Europa so koennten wie wir wollen dann wuerden wir genauso viel Oel pro Kopf verbrauchen wollen (und etliche Fluege pro Jahr machen wollen, groessere bequemere Autos kaufen und nutzten etc, die besseren Motoren wurden durch groessere ersetzt. Bessere Hausisolierung durch groessere Wohnflaechen) etc etc

Wenn „man“ uns die Freiheit gaebe wuerden wir fast alle gerne wie die Elite leben oder?

nur.. es geht schon laenger nicht mehr! Und was haben wir noch erreicht? Die energieintensive, schmutzige Knochenarbeit haben wir nach China, Indien etc verlagert und trotzdem ist der Energieverbrauch nicht gesunken!

dann:
„Wächst der Wohlstand in China und Indien jedoch im gleichen Mass wie in den letzten Jahren, so werden diese Schwellenländern schon bald ein Ölförderwachstum von mehr als 2% pro Jahr erzwingen, damit das Angebot die Nachfrage decken kann.“

tja deshalb versuchen „wir“ es wohl diese Laender von den Oelquellen fern zu halten!

mit vermutlich wenig Erfolg oder jede Menge collateral Damage wie wir wohl leider bald im Iran erleben koennten.

„ Ein solches Wachstum der Förderung ist nicht möglich.“

Genau und damit sind wir beim Oel Foerderpeak und Laender ohne Oel sollten sich schnell daran gewoehnen das es nicht so weiter wie bisher gehen kann!

egal ob wir das als positiv, negativ oder einfach nur als real betrachten!!!

michael

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Im folgenden Kommentar möchte ich die Gedanken, die Rolf Hartl in diesem Artikel entwickelt hat, aufnehmen und mit Beispielen konkretisieren, um dann zu folgendem Schluss zu kommen:
Öl, Gas und Kohle sind das Energiegold, das seit Jahrzehnten in immer schnelleren Takt aus dem Boden geholt wird. Das Klimaproblem allein genügt nicht, um ihren Verbrauch zurückzudrängen und eine Einschränkung des Verbrauchs gibt es nicht von heute auf morgen. Erst eine von aussen aufgezwungene Verknappung wird eine Dekarbonisierung als notwendig erscheinen lassen. Ferner gehe ich auf die lasche Sicherheitskultur im Umgang mit Öl, Gas und Kohle ein. Zurecht verbinden viele den Begriff Schmutz und Dreck mit Öl und Kohle – und das wird möglicherweise so bleiben.

Die Dominanz fossiler Energien heute und in naher Zukunft

Kohle, Öl und Erdgas sind heute die wichtigsten Energiequellen. Wirtschaftliche Entwicklung bedeutet sehr oft Entwicklung fossiler Energiequellen, deshalb kann es nicht erstaunen, dass fossile Energien heute pro Jahr mit 550 Milliarden Dollar subventioniert werden (siehe http://www.grist.org/article/2010-06-07-iea-stunner-global-subsidies-dirty-energy-top-550-billion-year/). Auch Polarforscher, die die Erderwärmung anhand von Eisbohrkernen erforschen, sind auf dieselbetriebene Schiffe angewiesen. Pauchauri, der IPCC-Chef, begann seine Karriere als Ingenieur von Diesellokomotiven und leitet jetzt das TERI , ein Energieforschungsinstitut, welches auch Methoden für eine bessere Entölung von Ölfeldern patentiert hat (patentiert ist eine bestimmte Methode aus dem Bereich MEORI: Microbial Enhanced Oil Recovery). In unterentwickelten Gebieten, in denen eine Strominfrastruktur fehlt, sind Dieselgeneratoren meist der erste Schritt zur Elektrifizierung. Photovoltaikanlagen und Windturbinen werden in unerschlossenen Gebieten zwar auch schon eingesetzt, sind aber komplexer und teurer und liefern nicht immer Strom. In entwickelten Regionen ist Öl Grundlage der Mobilität und hat über das Automobil Siedlungsstrukturen wie ausgedehnte Vorstädte erst ermöglicht. Wir in Europa konsumieren fossile Energien nur, viele Regionen sind jedoch auf die Einkünfte beispielsweise aus der Erdölförderung angewiesen. Und zwar nicht nur Saudi-Arabien, dessen Namensschild bei der jüngsten Kopenhagen-Folgekonferenz im WC versenkt wurde, sondern sogar die US-Staaten im Golf von Mexiko, die den Förderstopp seit der Ölpest in Form von Finanz- und Arbeitsausfällen spüren.
Fazit: Die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle ist jetzt so gross wie eh und je. Sogar der IPCC wäre bei einem plötzlichen Ölversorgungsengpass in seiner Tätigkeit eingeschränkt.

Sicherheitskultur bei der Öl- und Kohleförderung

Die Sicherheit von Arbeitern und Umwelt bei der Förderung von Öl und Kohle wird heute stärker beachtet, ist aber im Vergleich zu anderen industriellen Tätigkeiten (beispielsweise Stahlherstellung, Betrieb von AKW’s) immer noch unterentwickelt.
5% bis 10% der Kohlemineure entwickeln eine Staublunge und 10’000 US-Kohlemineure sind daran in den letzten 10 Jahren gestorben, das sind aber 90% weniger als 1969. Bei Kohleunglücken (Verschüttungen etc) sterben weltweit 8’000 Menschen pro Jahr, die meisten davon in China. In den USA sterben heute weniger als 50 Kohlenmineure pro Jahr in Unfällen. Die Kohlekraftwerke in China arbeiten oft noch ohne Filter und stossen vor allem Russ und Schwefeldioxid aus. Nur 1% der chinesischen Stadtbewohner atmen Luft entsprechend EU-Standards.
Ölförderung und -transport sind geprägt von regelmässig vorkommenden schweren Unfällen. Vielerorts, z.B. in Nigeria gibt es aber auch Leckagen, die zum täglichen Betrieb gehören. In den letzten 20 Jahren wurde im Nigerdelta mehr Öl freigesetzt als bis heute bei der aktuellen Ölpest im Golf von Mexiko. Ölunfälle wie Havarien und Ölpeste setzen durchschnittlich 10’000 Tonnen Öl pro Jahr frei (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_oil_spills).
Erst jetzt sind Tiefwasserbohrungen als besonderes Risiko ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Sie machen inzwischen 5% der weltweiten Ölförderung aus. Bis jetzt war Öl aus Tiefwasserförderstellen deutlich billiger als Öl aus Ölsand. Sollten die Sicherheitsanforderungen erhöht werden, könnte sich das ändern. Fahrlässiges Handeln scheint im Ölfördergeschäft bis jetzt an der Tagesordnung zu sein. Das zeigen auch Berichte der Washingten Post über das Umgehen von Sicherheitsvorschriften bei Bohrungen in Alaska.
Es kann durchaus sein, dass das Unglück im Golf von Mexiko die Sicherheitskultur im Ölgeschäft nachhaltig ändert. Andererseits hat sich die Öffentlichkeit an Havarien und Öllecks auch gewöhnt und es ist fraglich ob man für etwas mehr Sicherheit einen höheren Ölpreis in Kauf nimmt.

Innovationen bei der Gewinnung von Öl und Kohle

Öl wird knapp, deshalb die Tiefwasserbohrungen und der Abbau von Ölsand. Ebenso vielversprechend sind Methoden um den Entölungsgrad bestehender Förderstellen zu erhöhen. CO2-Enhanced-Oil-Recovery (kurz CO2-EOR) soll den Entölungsgrad bestehender Ölfelder vergrössern, indem Öl mit Kohlendioxid „ausgetrieben“ wird. Die grossen Mengen an benötigtem CO2 stammen bei EOR mit CCS aus Kohlenkraftwerken, bei denen CO2 abgeschieden und zum Ölfeld ge-pipipeline-t wird (siehe http://www.carboncapturejournal.com/displaynews.php?NewsID=533 und http://www.fossil.energy.gov/programs/oilgas/eor/index.html ). Obama und sein Energiesekretär Steven Chu planen, bestehende Kohlekraftwerke zur Kohlendioxidabscheidung (CCS) gesetzlich zu zwingen. Das gewonnene CO2 hilft dann mehr Öl zu fördern. Die USA wollen also noch lange nicht vom Öl wegkommen – im Gegenteil, sie wollen mehr eigenes gewinnen.

„Kohle an Ort und Stelle verbrennen“ ist eine andere innovative Fördermethode, die unzugängliche Kohlevorkommen (z.b. sehr tief gelegene) erschliesst und in einer Variante sogare die Speicherung des verbrannten Kohlendioxids an Ort und Stelle ermöglicht. Bei diesem Verfahren wird ein Gemisch von Sauerstoff und Wasserstoff über eine Bohrung in die Kohle injiziert, die darauf unvollständig verbrennt (vergast). Diese Gase werden dann mit einer zweiten Bohrung abgezapft und einem normalen Gaskraftwerk zugeführt. Das in der Verbrennung erzeugte Kohlendioxid wird wieder in die ausgebrannten Kohlenflöze zurückgepresst.

Ölverknappung

Gäbe es nur die klassischen Industrieländer, bliebe der Ölverbrauch konstant oder sänke sogar wegen effizienterer Motoren. Wächst der Wohlstand in China und Indien jedoch im gleichen Mass wie in den letzten Jahren, so werden diese Schwellenländern schon bald ein Ölförderwachstum von mehr als 2% pro Jahr erzwingen, damit das Angebot die Nachfrage decken kann. Ein solches Wachstum der Förderung ist nicht möglich. Deshalb wird des noch in diesem Jahrzehnt zu einer Ölverknappung kommen. Allenfalls bleibt der Ausweg, auf andere Treibstoffe/Antriebsquellen umzusteigen.

Fazit:
-Öl wird nicht so schnell ersetzt werden, dazu ist es für die Mobilität zu wichtig
-Die Suche nach Alternativen zu Öl wird zunehmen, sobald sich Verknappungstendenzen zeigen
-Die Dekarbonisierung wird keine Antwort auf das Klimaproblem allein sein, sondern sie wird auch eine Antwort auf die baldige Ölverknappung sein

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@Herr Ragaller
„Weg vom Öl“ ist keine Antwort auf die Frage, wie man in der heutigen fossil dominierten, wohl noch einige Jahrzehnte so dauernden Energiewelt den Saft zu akzeptablen (ökologischen, technischen, sicherheitsmässigen, wirtschaftlichen) Bedingungen bereitstellen kann. „Weg vom Öl“, so wie Politiker den Slogan verwenden, ist das Placebo, das den Menschen vorgaukelt, schnell zu wirken und in eine perfekte (Energie-)Welt zu führen. Bis wir uns von den 35-40 % Ölanteil am Primärenergieverbrauch verabschiedet haben, werden wir noch mit einigen Problemsituationen zu Rande kommen müssen Wir tun gut daran, uns darauf vorzubereiten.

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Kommentar von Pius Kuster. 11.06.2010, 11:35
„Ich bin genug produktiv um mir auch in Zukunft ab und zu eine Tankfüllung leisten zu können. Als erstes sollen andere reduzieren. Mir ist das alles egal und ihre Prognosen interessieren mich nicht.“

War mir klar was Sie denken
„Nach mir die Sintflut“
warum denn nicht gleich so!

Denken Sie nur daran was mit der Aristokratie in Frankreich passiert ist…. Kollateral Damage gab es auch genug .

Also viel Spass dann beim Urlaub an der Oelkueste der USA

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Ich bin genug produktiv um mir auch in Zukunft ab und zu eine Tankfüllung leisten zu können. Als erstes sollen andere reduzieren. Mir ist das alles egal und ihre Prognosen interessieren mich nicht.

Sie und ihr Lügengebilde werden längerfristig keine Chance haben. Es gibt andere Probleme, z.B. Moslems (siehe Wahlerfolg von Geert Wilder in Holland: http://www.20min.ch/news/ausland/story/18598575
Dieses demokratische Votum beeindruckt (und beängstigt) mich bei weitem mehr als das Geschwafel und ein paar ppm CO2 !

Es ist die Konkurrenz der Probleme. <10% wählen grün. Alle anderen gewichten andere Probleme stärker, was man wohl als eine realistische Einschätzung seitens der Bevölkerung sehen kann.

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Herr Kuster,
na endlich sprechen sie mal von ihrer Sicht zum Oel!

Die Zahlen fuer 2009 finden sie so auf der BP Seite!

fuer 2020 .. eine Vermutung zum Oel die sich mit den Plots der international energy agency und der amerikanischen EIA deckt. habe ich schon mal gepostet. aber hier noch mal Seite 8! http://www.eia.doe.gov/conference/2009/session3.html

ansonsten wenn ihre einzige Antwort Krieg ist.. (was war dann die Frage?)

Welche Oelquellen wollen sie in der Schweiz verteidigen? Und gegen wen? und ja wenn ich mir das Resultat des Iraq Krieges anschaue koennte man denken selbst das groesste Empire kann nicht ewig Kriege fuehren (und schon Rom ist daran kaputt gegangen!)

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@Dittmar:
Wenn das stimmt was sie sagen, dann wäre meine Antwort: Aufrüsten, und zwar sofort!

Aber zum Glück stimmt das was sie sagen nicht. Oder können sie das mit einer Quelle belegen? (sie dürfen auch auf sich selber verweisen, jedoch bitte nicht auf Greenpeace, WWF, …)

Wahrscheinlich sagen sie diese Zahlen einfach so aus dem Bauch heraus, das kann ich auch:
– 2% weniger Öl
+15% mehr Gas
+10% mehr Strom
+18% mehr Muslime in der Schweiz
– 50% Wähleranteil der SP (Extrapolation der letzten Nationalratswahlen)

Und jetzt wer hat recht? Wahrscheinlich keiner von uns. Und ich weiss übrigens auch noch nicht, wer die WM gewinnt!!

Dass irgendwann Peak-Oil ist, bezweifelt niemand. Viel schlimmer ist die Unsicherheit die von Ölblockaden von uns feindselig gestimmten Arabern ausgeht. Das, und die Konkurrenz ums Öl mit China, sollte uns mehr Ressourcen kosten als die Berechnung des Peak-Oil Datums!

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Hoi Martin,

„Das Wort decline kommt in deiner Aufzählung etwas oft und für einen Oekonomen zu oft vor.“

habe nur copy/paste von der BP Webseite gemacht!

Was wird man naechstes Jahr sagen das Jahr 2010 will auch keiner zurueck? Wie eigentlich noch kein anderes Jahr vorher (ist ja auch physikalisch vollkommen unmoeglich)

Also sehen wir in die Zukunft (10 Jahre vorraus)

30% weniger Oel (ausser natuerlich an den Straenden)?
30% weniger Gas in Europa (?)
20% weniger elektrische Energie (in Europa weil die
alten KKW’s und die anderen es nicht mehr richtig tun?)

und was noch weniger?

Jetzt darfst du weiter spekulieren

michael

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@Kommentar von Michael Dittmar. 10.06.2010, 22:27

Hoi Michael,
Das Jahr 2009, von dem du oben sprichst, will niemand zurück. In diesen Jahren haben wir das Oel etwas verlassen, nicht aber das Oel uns. Das Wort decline kommt in deiner Aufzählung etwas oft und für einen Oekonomen zu oft vor. Diese Leute (die Ökonomen) und nicht die Klimawissenschaftler wollten früher hide the decline. Die heutige Generation von Ökonomen will woll eher forget the decline, denn die Party muss weiter gehen.

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Nehmen wir doch einfach mal die Fakten wie sie BP fuer 2009 gerade publiziert hat:
(der Oelspill hilft sicher nicht!)

http://www.bp.com/productlanding.do?categoryId=6929&contentId=7044622

Das was einige schon lange sagen: (mit und ohne Klimawandel und die Weltbevoelkerung ist trotzdem um weiter 70 Million gewachsen!)

„World primary energy consumption fell by 1.1% in 2009, the first decline since 1982″
Global oil consumption declined by 1.2 million b/d or 1.7%, the largest decline since 1982
World natural gas consumption fell by 2.1%, the largest decline on record
and Global coal consumption was flat in 2009.

In addition the nuclear energy produced kWh decreased from a small fraction by another almost 2% (from 2601 TWhe in 2008 to just below 2560 TWhe or about 4% lower than at the so far peak year of 2006! The Plot in Reference http://www.world-nuclear.org/info/inf01.html shows a clear trend!

Wer wollte das? Spielt keine Rolle passiert einfach auch ohne menschliche Hilfe!

Und jetzt.. was war noch mal die Frage
„Sollten wir das Oel verlassen bevor es uns verlaesst?“

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@ Sehr geehrter Herr Hartl

Auf welche Frage genau ist «Weg vom Öl» keine Antwort?

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Hallo Herr Wehrli,

„an Forschung für die Zeit mit dem Öl ist eigentlich kein Mangel.“

Ja vielleicht ist genau das ein Problem? Wer gibt Geld fuer Forschung zur Zeit mit
1) weniger und weniger Oel
2) fuer die Zeit ohne Oel

denn die wird so oder so kommen. Schneller als uns lieb ist und gerade in Laendern und Kontinenten ohne eigenes Oel!

Tja und:

„ Sowohl die Ölfirmen wie auch die staatliche Forschungsförderung bewirtschaften das Thema sehr aktiv.“

da fallen einem die Bilder vom BP Unterwasser Vulkan ein. Komisch da forscht niemand dran und man spricht es auch besser gar nicht erst an?

Streiten wir doch lieber ueber die Notwendigkeit und den Unsinn der CO2 Speicherung? Wie waere es die Loesung der Natur zu akzeptieren. Kohle ist der beste Carbon Speicher den wir kennen. Lassen wir sie einfach in der Erde!

Wer macht es besser als die Natur? Das waere doch etwas fuer die Forschung?

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Lieber Herr Hartl

an Forschung für die Zeit mit dem Öl ist eigentlich kein Mangel. Sowohl die Ölfirmen wie auch die staatliche Forschungsförderung bewirtschaften das Thema sehr aktiv. Gerade hat die EPFL eine Assisstenzprofessur zum Thema „Carbon sequestration“ ausgeschrieben. Damit werden Methoden erarbeitet, um CO2 nach der Verbrennung von Erdöl oder Kohle abzufangen. In der Gruppe von Prof. Marco Mazzotti wird dieses Thema an der ETH schon länger erfolgreich bearbeitet:

http://www.ipe.ethz.ch/laboratories/spl/research/index

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Sehr geehrter Herr Hartl,

Einige Beobachter, vor allem hier in Europa, betrachten die Ölpest im Golf vom Mexiko tatsächlich als einen weiteren Grund, vom Öl wegzukommen. Die Mehrheit der US-Bürger allerdings will, dass die Förderung im Golf und vor der Atlantikküste weitergeht, um so die Erdölsouveränität der USA stärken.

Die Ölpest in den USA scheint allerdings kein singuläres Ereignis zu sein, das machen Berichte über die Situation in Nigeria klar. Im Niger-Delta ist über einen Zeitraum von vielen Jahren deutlich mehr Öl ausgetreten als jetzt im Golf von Mexiko (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Environmental_issues_in_the_Niger_Delta und
http://www.nzherald.co.nz/environment/news/article.cfm?c_id=39&objectid=10581881 und
http://www.nzherald.co.nz/world/news/article.cfm?c_id=2&objectid=10649775).

Nach einem Bericht der NZZ (gemäss Erinnerung, leider keine Referenz) kann sich ein solcher Unfall auch in der Nordsee, beispielsweise im norwegischen Fördergebiet ereignen – allerdings mit 9-fach geringerer Wahrscheinlichkeit als im Golf von Mexiko, da die Sicherheitsanforderungen wesentlich höher sind.

Tiefwasserbohrungen gewinnen weltweit an Bedeutung – und die meisten stehen uns noch bevor. Das Tupi-Feld vor Brasilien, das insgesamt 7000 m unter dem Meeresspiegel liegt (wovon 2100 m Wasser sind) ist nur ein Beispiel von vielen ähnlichen challenging projects.

Es kann als ziemlich sicher gelten, dass die Ölkatatstrophe im Golf von Mexiko schon in wenigen Jahren vergessen ist und das Bohren andernorts weitergeht. Öl scheint schon ein besonderer Saft zu sein. Nur so kann man sich die Risiken erklären, die man dafür in Kauf nimmt.

Neuerdings wurde der Begriff Spillonomics geprägt, um das Risikoverhalten von Firmen nicht nur im Ölexplorationsbereich sondern auch im Finanzbereich zu kennzeichnen (siehe http://www.nytimes.com/2010/06/06/magazine/06fob-wwln-t.html).

Zitat Spiegel (siehe http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,698232,00.html):

Frei übersetzt bedeutet „Spillonomics“: „Katastrophenwirtschaft“. Die Ölpest (oil spill) und andere Desaster werden in Kauf genommen. Zum einen, weil man die Risiken eben nicht kalkulieren kann, weil sich die X-Faktoren Natur, Zufall, Schlamperei, Betrug, Sabotage nicht berechnen lassen, selbst wenn man es wollte.

Zum anderen aber ist für Spill-Ökonomen alles nur eine Frage der Abwägung: Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Verkettung von Problemen kommt wie auf der „Bluewater Horizon“ oder bei den Subprime-Krediten, wird als so gering eingeschätzt, dass man sich davon das Geschäft nicht verderben lässt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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