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Heisse Neuigkeiten

17.05.2010 von

Allem kalten und nassen Wetter zum Trotz, der nächste Sommer kommt bestimmt. Wie warm er sein wird, ist schwierig vorherzusagen. Aber eine neue Studie von Erich Fischer und Christoph Schär von der ETH Zürich zeichnet ein klares Bild für die langfristige Entwicklung. Mehr und längere Hitzewellen führen zu steigenden Gesundheitsrisiken in der Bevölkerung. Die Studie ist in verschiedener Hinsicht bemerkenswert.

Robuste Muster

Verschiedene Klimamodelle stimmen nicht bei allen Voraussagen miteinander überein. Dies, weil nicht alle wichtigen Prozesse gleich und genügend genau beschrieben werden. In der neuen Studie zeigen jedoch verschiedene Modelle sehr ähnliche Muster. Mehr noch, diese sind konsistent mit den beobachteten Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Sie sind zudem in Übereinstimmung mit der Statistik von seltenen Ereignissen und dem theoretischen Verständnis der Prozesse. Die Klimamodelle sagen vorher, dass in vielen Fällen die Variabilität des Klimas grösser wird, das heisst die Schwankungen zwischen Tag und Nacht, von Tag zu Tag, von Saison zu Saison und von Jahr zu Jahr. Selbst ohne eine Erwärmung führt eine solche Erhöhung der Variabilität zu mehr Extremereignissen. Die Erwärmung verschiebt die ganze Verteilung in die Richtung von wärmeren Temperaturen und verstärkt zusätzlich die Häufigkeit und Länge von Hitzewellen.

Relevant für die Gesellschaft

Grundlagenforschung ist wichtig, denn nur so können wir das Verständnis der Prozesse und die Modelle verbessern. Die Forschung beantwortet aber immer mehr auch Fragen, die für die Gesellschaft direkt relevant sind.  Die Autoren diskutieren daher nicht nur die Temperaturen sondern auch Hitzeindikatoren. Diese stehen in direktem Zusammenhang mit dem Risiko für Hitzeschläge und Todesfälle. Die Autoren finden, dass die Tage mit erhöhtem Gesundheitsrisiko in vielen Städten Südeuropas bis zu zehnmal häufiger werden. Der Hitzesommer 2003 war ein Vorbote von dem was auf uns zukommen wird.

Weitere Einzelheiten zu der Studie

ETH Life Artikel zur Studie >> hier

Fischer und Schär, Nature Geoscience, doi:10.1038/ngeo866, publiziert online am 16. Mai 2010 >> hier

Zu den Autoren:

Reto Knutti ist Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

Erich Fischer ist Postdoc, Christoph Schär ist Professor am Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich.

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Kommentare (12) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

es ist erstaunlich, dass Menschen welche von Mitteleuropa nach Los Angeles od. nach Rom od. gar nach Kairo auswandern überhaupt mehr als ein weiteres Jahr überleben…
2003 wurde Frankreich von einer Hitzewelle heimgesucht, auf welche das Land ganz schlecht vorbereitet war. Von tausenden Klimatoten war die Rede, fast alles Menschen im sehr hohen Alter. Böse Zungen sagen: natürliche Auslese.
Die Motarbiliät ist in nördlichen mitleren Breiten über die Wintermonate deutlich über dem Jahresmittel. Vielleicht ändert sich das irgendwann und vielleicht beachten die Nationalen Gesundheitszentren bei der Prognose der nächsten Hitzewellen, dass man den alten Menschen genügend passende Flüssigkeiten anbietet und schaut, dass diese auch konsumiert werden, wenn man wirklich nicht will, dass diese ein paar Tage od. Monate „vorzeitig“ von uns gehen. Junge Menschen und halbwegs gesunde halten Wochen über 35°C im schattigen Biergarten aus…

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@ Roger Suter

… wird wohl schwierig, dafür einen (kompetenten oder auskunftswilligen) Experten aufzutreiben.

Inzwischen wundern wir uns doch einfach darüber, dass es seit ca. 1750 oder dem Beginn der industriellen Revolution KEINEN NATÜRLICHEN Klimawandel mehr gibt – bzw. dass seither ALLE Klimaänderungen ausschliesslich von Menschen verursacht sind.

Watts, Peaucellier oder Tschebyschow würden im Grab rotieren, wenn sie von der ungeheuren Wirkmacht ihrer Erfindungen wüssten …

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Bei all den schönen Theorien frage ich mich, wieso dass hier seitens Experten die ganzen HAARP-Apparaturen und deren Auswirkungen nie genannt werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/HAARP

Wird dieses Thema hier einfach totgeschwiegen?

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Sie meinen den Treibhauseffekt, dessen Wirkung sich nun seit über einem Jahrzehnt anschaulich NICHT beobachten lässt und der zur bescheidenen Erwärmung von 0,7° C seit dem Beginn des Industriezeitalters wohl nur einen unbedeutenden Beitrag geleistet hat?

Mit Herrn Rahmstorfs Thesen hat sich u. a. R. Pielke sen. näher auseinandergesetzt:

http://pielkeclimatesci.wordpress.com/2010/04/13/continued-misconception-of-the-concept-of-heating-in-the-pipeline-in-the-paper-vermeera-and-rahmstorf-2009-titled-global-sea-level-linked-to-global-temperature/

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@Peter Bühler. 17.05.2010, 10:40

Die drei Referenzen, die sie angeben und die jeweils eine Abkühlung in den nächsten Jahren vorhersagen, nämlich
1) http://www.climatedepot.com/a/6574/Geologist-Declares-global-warming-is-over–Warns-US-Climate-Conference-of-Looming-Threat-of-Global-Cooling
2) http://sc25.com/index.php?id=177&linkbox=true&position=9
3) http://en.rian.ru/science/20080122/97519953.html
geben als Gründe für die Abkühlung jeweils folgendes an
1) Eine ins Negative führende Pazifisch-Dekadische Oszillation in den nächsten Jahrzehnten
2) Solare Aktivität nimmt in den folgenden Jahren ab
3) Solare Aktivität nimmt in den folgenden Jahrzehnten ab, mit einem Minimum um 2041 Minimum

Liest man die Ausführungen, so findet man als Begründung, dass sich in der Vergangenheit ähnliche solare Zyklen und Änderungen von Ozeanströmungen finden, die jeweils mit einer entsprechenden Abkühlung verbunden waren.

Die Begründugen sind also sehr oberflächlich. IPCC-Wissenschaflter wie Stefan Rahmstorf anerkennen übrigens solche Faktoren wie Änderungen der Sonnenaktivität, kommen aber zum Schluss, dass sie gegenüber dem Treibhauseffekt nur minimale Auswirkungen haben werden.

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@MH: Alle sprechen von den Hitzetoten in Frankreich. Warum nur in Frankreich?

Europa:
„Les décès par hypothermie sont rares dans l’UE (on les estime à environ 1% du nombre total de décès dus au froid dans les pays à climat tempéré) et la plupart peuvent faire l’objet d’une prévention.“
http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/unexpected/unexpected_8_fr.htm

USA:
„extreme cold, rather than heat, is the deadliest form of extreme weather event. In fact, from 1979-2002, extreme cold was responsible for 53 percent of deaths due to all these categories of extreme weather, while extreme heat contributes slightly more than half that (28%).“
http://snipurl.com/wg8jd

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Eine rundum versicherte und saturierte Gesellschaft sträubt sich zunehmend gegen die existentielle und durchaus beängstigende Tatsache: Leben an sich ist gefährlich, individuell endlich und gefährdet, Lebensbedingungen, Temperaturen, Klima, Gesellschaft, Wirtschaft etc. sind einem steten Wandel unterworfen.
Die Menschen in Sizilien, in der Sahara, in Lappland, in den Alpen und am Polarkreis haben sich seit Urzeiten darauf eingestellt und sich an wechselnde Szenarien und Bedrohungen anpassen müssen.

Die zu beobachtende Verweigerung dieser grundlegenden existentiellen Einsicht greifen die „Versicherer“ und Vertreter des „Vorsorgeprinzips“ politisch auf und versprechen Heilung, wo in Wirklichkeit keine zu erwarten steht. Dazu werden griffig „Schadensverursacher“ bezeichnet und „Massnahmen“ wie z.B. das 2°-Ziel definiert – und last but not least „Versicherungsprämien“ erhoben, die vor dem Hintergrund der alarmierenden Bedrohungen nicht hoch genug sein können.
Gleichzeitig legt man den erschrockenen Bürgern in einer Art Rundumversorgungsmodell nahe, die Verantwortung und die Anpassung an die sich für zuständig erklärenden Behörden und Institutionen zu delegieren.
Retten wird „uns“ das alles nicht, aber es verbindet „Retter“ und „Erlösungsbedürftige“ in einer Koalition des „Wohlfühlens“, des guten Einvernehmens und der gegenseitigen Abhängigkeit.

Fehlt bloss noch das Versprechen der Geoingenieure, eines Tages die Temperaturen auf den lokal jeweils als angenehm empfundenen Durchschnittswert einstellen zu können, Tele-Voting inkl.

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@Ben Palmer

Zitat: Knutti: „Der Hitzesommer 2003 war ein Vorbote von dem was auf uns zukommen wird.“
Ben Palmer: „Tatsache ist,
– dass weitaus mehr Menschen wegen grosser Kälte als wegen grosser Hitze sterben“
usw.

Wenn ich Herrn Knutti richtig verstehe, geht es um Hitzewellen wie 2003, also Situationen auf die niemand gefasst ist.
Hitzetote und Kältetote kommen aus den gleichen Gesellschaftsschichten: Obdachlose, Einsame Alte allein daheim und so weiter.

Ein paar schwüle Nächte bei hoher Luftfeuchtigkeit können sogar jungen Gesunden zusetzen, alte gebrechliche Menschen in Häusern ohne Klimatisation stehen dann vor dem Aus. Der Artikel von Knutti spricht ja von “ vielen Städten Südeuropas „ und in Südeuropa stirbt man auch heute nicht an grosser Kälte. Gut möglich also, dass in ein paar Jahrzehnten Obdachlose in Lappland eine Winternacht im Freien überstehen – was ihnen früher zum Verhängnis geworden wäre, in Süditalien dafür arme alte Menschen bei Hitzewellen ins Spital oder Pflegeheim eingeliefert werden müssen, damit sie in den Genuss einer klimatisierten Umgebung kommen.

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„Die Klimamodelle sagen vorher, dass in vielen Fällen die Variabilität des Klimas grösser wird, das heisst die Schwankungen zwischen Tag und Nacht, von Tag zu Tag, von Saison zu Saison und von Jahr zu Jahr.“

Und was sagen die Beobachtungen der Realität dazu? Vielleicht sollten wir die Realität den Klimamodellen anpassen, um einen kausalen Zusammenhang zu konstruieren.

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MH: „Die Autoren finden, dass die Tage mit erhöhtem Gesundheitsrisiko in vielen Städten Südeuropas bis zu zehnmal häufiger werden. Der Hitzesommer 2003 war ein Vorbote von dem was auf uns zukommen wird.”

Tatsache ist,
– dass weitaus mehr Menschen wegen grosser Kälte als wegen grosser Hitze sterben
– die meisten Menschen der nördlichen Hemisphäre ihre Ferien im Süden verbringen oder im Alter sogar in den Süden migrieren … ohne erkannbare Gesundheitsschäden.
– die Herzinfarktraten im Winter höher sind als im Sommer.

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Es gibt offenbar auch „Muster“, die auf eine Abkühlung hinweisen, mit mehr Schäden und Opfern, als sie bei einer Erwärmung zu befürchten wären …

http://www.climatedepot.com/a/6574/Geologist-Declares-global-warming-is-over–Warns-US-Climate-Conference-of-Looming-Threat-of-Global-Cooling

http://sc25.com/index.php?id=177&linkbox=true&position=9

http://en.rian.ru/science/20080122/97519953.html

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

„In der neuen Studie zeigen jedoch verschiedene Modelle sehr ähnliche Muster. Mehr noch, diese sind konsistent mit den beobachteten Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Sie sind zudem in Übereinstimmung mit der Statistik von seltenen Ereignissen und dem theoretischen Verständnis der Prozesse.“

Klima-Modelle scheinen also schon recht zuverlässig zu sein. Eine gute Nachricht, bedeutet es doch, dass die Wahrscheinlichkeit für korrekte Voraussagen zunimmt. Damit steigt auch die politische Rechtfertigung für Emissionsreduktionen.

Eigentlich Anlass für ein ähnliches Experiment wie es von ETH-Professor Didier Sornette (Financial Crisis Observatory) im Bereich der Finanzmärkte (Financial Bubble Experiment) angestellt wurde: Er deponierte Voraussagen über Blasenentwicklungen an den Finanzmärkten um sie später mit den tatsächlichen Verläufen zu vergleichen. Ebenso könnte man Voraussagen über die Klimamentwicklung in den nächsten 20 Jahren (vielleicht in 5-Jahresschritten) deponieren, um die tatsächliche Entwicklung mit der vorhergesagten zu vergleichen.

„Die Autoren finden, dass die Tage mit erhöhtem Gesundheitsrisiko in vielen Städten Südeuropas bis zu zehnmal häufiger werden. Der Hitzesommer 2003 war ein Vorbote von dem was auf uns zukommen wird.“

Wie beunruhigt soll man über diese Klimazukunft sein. Der Sommer 2003 führte ja beispielsweise in Frankreich zu einer grossen Anzahl von Hitzetoten, vor allem bei alten Leuten, die allein wohnten und um die sich niemand mehr kümmerte.
Vorkehrungen gegen Ereignisse wie den Hitzesommer 2003 können solche Häufungen von Todes- oder Krankheitsfällen sicher vermindern und die Situation entschärfen.

Die Bevölkerung stellt sich ja auf zu erwartende heisse Sommer oder kalte Winter ein, weswegen ja in kalten Wintern etwa ebensoviele Leute in Lappland wie in Norddeutschland erfrieren.
Etwas anderes sind unvorhersehbare starke Variabilitäten, Extremereignisse mit denen niemand rechnet. Je ärmer die Bevölkerung ist und je schlechter die Infrastruktur, desto stärker wird sie beispielsweise von wochenlangen Hitzewellen oder gar Dürren, getroffen. Wenn schon viele zusätzliche Todesfälle in Südeuropa zu erwarten sind, werden es sicher noch mehr in bestimmten Gegenden Afrikas sein.

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