ETH-Klimablog - Politik - Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 2)

ETH life zum Thema

Welternährung: «Ein nahrhafter Denkanstoss» (17.10.13)
Klimaforschung: «Klimaforschung im Dialog» (4.10.13)
Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

Blog-Schwerpunkte

Die Beiträge geordnet nach Wissensgebieten rund um den Klimawandel:
>Klimaforschung
>Umweltfolgen
>Energie
>Mobilität
>Wirtschaft
>Politik
>Stadtentwicklung
>Welternährung
>Nord-Süd

Archive

Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 2)

29.04.2010 von Gastautor , Swiss Re

Wie Reto Knutti im Teil 1 bereits angesprochen hat, sind wir in Anbetracht der unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels gezwungen, bereits heute Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Selbst wenn die globalen Treibhausgasemissionen heute gestoppt würden, würde sich das Weltklima weiter verändern. Doch sind wir von einer Reduktion der globalen Emissionen noch weit entfernt. Wir können uns glücklich schätzen, wenn sich die Weltgemeinschaft nicht nur vage auf ein 2-Grad-Ziel, sondern zu konkreten Reduktionszielen verpflichtet. Und erst wenn die nötigen Reduktionsmassnahmen auch umgesetzt werden, können wir behaupten, das Problem der Klimaveränderung an der Wurzel gepackt zu haben.

Naturgefahrenschäden: Kosten haben sich vervierfacht

Bis dahin sind wir gezwungen, uns gegen die lokalen Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen. Wie Reto Knutti ausführte, werden Klimaprognosen besonders auf regionalen und lokalen Skalen noch lange mit grossen Unsicherheiten behaftet sein. Unsicherheiten bestehen jedoch nicht nur in Bezug auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung. Die mittleren jährlichen Naturgefahrenschäden sind von unter 25 Milliarden Dollar in den Jahren 1970-1990 angestiegen auf jährlich im Mittel über 100 Milliarden Dollar seit dem Jahr 2000. Dieser Anstieg ist primär erklärbar durch die Zunahme der Werte – und insbesondere der Bautätigkeit in gefährdeten Gebieten.

«Totales Klimarisiko»

Somit muss eine robuste Anpassungsstrategie nicht nur die lokalen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen. Wir schlagen deshalb vor, der Entwicklung von Anpassungsstrategien das so genannte «totale Klimarisiko» zu Grunde zu legen. Das «totale Klimarisiko» setzt sich zusammen aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risiko.

Wir kennen das «totale Klimarisiko» (z.B. bis ins Jahr 2030) natürlich nicht genau, doch können wir bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung eine Projektion vornehmen und die Auswirkungen der Klimaveränderung in verschiedenen Auswirkungs-Szenarien abbilden. Damit haben wir eine Methode an der Hand, die es uns erlaubt, auch bei hohen Unsicherheiten, Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu entwickeln.

Lohnen sich Anpassungsstrategien finanziell?

Eine robuste Anpassungsstrategie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie dem «totalen Klimarisiko» erfolgreich begegnet. Sofort stellt sicht natürlich die Frage, ob eine solche Anpassungsstrategie auch bezahlbar ist (ohne hier bereits darauf eingehen zu wollen, von wem). In der Tat zeigt eine Serie von Fallstudien in verschiedenen Ländern mit je ganz verschiedenen Gefahren und Risikosituationen, dass sich in den meisten Fällen 40-60% der Anpassungsmassnahmen rechnen. Dies bedeutet, dass es günstiger ist, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu bezahlen. Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag.

Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Emerging Risk Management bei der Swiss Re, der Schweizerischen Rückversicherungsgesellschaft.

.

.





Kommentare (11) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@ Dittmar

Hi Michael,

klick doch einfach unterhalb der Karte auf den Link “CO2 Science MWP Project” http://www.co2science.org/data/mwp/mwpp.php – da findest du die Arbeiten im Detail und nach Regionen geordnet.

Noch wichtiger als die MWP-Rekonstruktion scheint mir die aktuelle Debatte um die AGW-These …

http://pielkeclimatesci.wordpress.com/2010/04/28/comments-on-numerical-modeling-as-the-new-climate-science-paradigm/

http://climaterealists.com/attachments/ftp/AMS-Final5-10.pdf

http://icecap.us/index.php/go/joes-blog/testimony_of_the_viscount_monckton_of_brenchley_before_congress_may_6_2010/

… und die zu beobachtenden Folgen einer falschen Politik:

http://euobserver.com/22/29996

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Ich sehe praktisch nur Random Kurven ohne Kalibration, ohne Erklaerung der Messfehler und Methoden.

Herr Palmer versuchen sie es doch mal mit einer Erklaerung dieser verschiedenen Kurven und warum die Messungen so unterschiedlich genau sein sollen und warum manche Baumring Daten ok sind und andere nicht!

oder machen sie etwa den “Wunsch zum Vater des Gedanken”?

Nein, das glaube ich erst wenn sie die Erklaerungen nicht liefern koennen. (die Webseite schweigt dazu). Aber ihr kritischer Kopf wird ja kein Problem haben das fehlende zu liefern. Danke

——————————————————-
Kommentar von Ben Palmer. 07.05.2010, 0:21
Noch eine kleine Berichtigung betreffend mittelalterlicher Warmzeit:
http://pages.science-skeptical.de/MWP/MedievalWarmPeriod.html
————————————————-

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Noch eine kleine Berichtigung betreffend mittelalterlicher Warmzeit:

http://pages.science-skeptical.de/MWP/MedievalWarmPeriod.html

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr

Das trifft selbstverständlich nicht nur für Grönland zu – allein die Vorstellung wäre absurd. Die MWP ist für eine Reihe weiterer Regionen belegt (wie Jones ebenfalls an anderer Stelle einräumte – BBC-Interview?!)

Siehe dazu u. a.

Mexiko: http://www.co2science.org/data/mwp/studies/l2_pescaderobasin.php

Asien:
http://www.co2science.org//articles/V12/N11/C2.php

Schweiz:
Schweizer Alpengletscher: Häufige Funde von Holz mit Altern um 1000 n.Chr. (Mittelalterliche Wärmephase) im Gletschermaterial belegen starke Gletscherrückzugsphasen mit anschließender Bewaldung. Siehe dazu u. a.
http://ruby.fgcu.edu/courses/twimberley/EnviroPhilo/Glacial.pdf

http://www.alpenverein.at/portal/Home/Downloads/Bergauf_2_08/Gletscherschwund.pdf

http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/324/5927/622

Schlüchters Untersuchungen legen darüber hinaus nahe, dass es so etwas wie ein “Globalklima” nicht gibt.

“Im Durchschnitt ist die Temperatur heute in Europa höher als während der mittlerlichen Warmzeit”

Eher unwahrscheinlich, wenn Sie den damaligen Gletscherrückgang betrachten, die höheren Anbaugebiete in den deutschen Mittelgebirgen, die Besiedlung Grönlands etc.

“2010 (dem wärmsten oder zweitwärmsten Jahr…)”
Dank El Niño – wie 97/98.
Dass es so weiter geht, ist nach dem Abklingen des Phänomens kaum zu erwarten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

@Peter Bühler
Kleine Berichtigung betreffend mittelalterlicher Warmzeit:
Inzwischen räumen selbst Jones, Briffa et al. ein, dass es im Mittelalter wärmer war als zu Ende des 20. bzw. zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Das stimmt für Grönland (siehe http://www.co2science.org/articles/V13/N16/C2.php) und einige andere Regionen in Europa. Im Durchschnitt ist die Temperatur heute in Europa höher als während der mittlerlichen Warmzeit, wenn auch nur wenig. Doch wer weiss wie es nach 2010 (dem wärmsten oder zweitwärmsten Jahr seit Aufzeichnungen) weitergeht. Falls die Erwärmung weitergeht kommen sie in arge Argumentationsschwierigkeiten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

“Selbst wenn die globalen Treibhausgasemissionen heute gestoppt würden, würde sich das Weltklima weiter verändern”

Inzwischen räumen selbst Jones, Briffa et al. ein, dass es im Mittelalter wärmer war als zu Ende des 20. bzw. zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Ergebnisse decken sich mit jenen anderer Untersuchungen u. a. von Mangini.
Von einer bisher nie gesehenen Temperaturanomalie kann daher keine Rede mehr sein.
Die klimatischen Bedingungen ändern sich und mit ihnen – wie zu allen Zeiten – die menschlichen Anpassungsstrategien.

http://www.co2science.org/articles/V13/N16/C2.php

Wünscht sich irgendjemand eine kleine Eiszeit zurück?
Die Folgen insbesondere auch für die Versicherer wären verheerend.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

“Wie Reto Knutti im Teil 1 bereits angesprochen hat, sind wir in Anbetracht der unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels gezwungen, bereits heute Anpassungsstrategien zu entwickeln”

Sind wir das tatsächlich?

http://www.pnas.org/content/early/2009/01/28/0812721106.full.pdf+html

http://pielkeclimatesci.wordpress.com/2009/03/17/narrow-thinking-in-a-new-pnas-paper-irreversible-climate-change-due-to-carbon-dioxide-emissions-by-solomon-et-al-2009/

http://blog.heritage.org/2009/01/26/stimulus-plan-non-existent-unemployed-climate-modelers-get-140-million/

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zu den Versicherungsprämien und wackligen Prognosen hinsichtlich Naturgefahrenschäden z.B. in Sachen tropische Stürme – ein besonders peinliches Kapitel der IPCC-Voraussagen – siehe u. a. Landsea “An open letter to the Community…” oder auch die Einschätzung der Koryphäe auf dem Gebiet, Karen Clark…

http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_309656

http://www.karenclarkandco.com/pdf/KCCNearTermHurricaneModelsJanuary2010.pdf

http://www.aoml.noaa.gov/hrd/Landsea/landsea-eos-may012007.pdf

http://www.munichre.com/de/profile/focus/climate_change/archive/opinion_we_need_to_reassess_the_risk/default.aspx

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

“Das «totale Klimarisiko» setzt sich zusammen aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risiko.”

Das Konzept des «totalen Klimarisikos» hat etwas bestechendes an sich, vor allem wenn es durch das allgemeinere Konzept «totales Zunkunftsrisko» ersetzt. Dahinter steckt ja eine Informationsassymetrie, denn nur wenige Spezialisten (?) kennen das zukünftige Risiko. Falls man es aber mit einer hohen Gewissheit -und dann auch noch als einziger- kennt, kann man daraus geradezu phantastisch anmutende Vorteile ziehen.

Im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung könnten wir uns den Erwerb einer Immobilie für die nächsten 100 Jahre an der ostamerikanischen Küste vorstellen. Gibt es zwei sonst gleiche Grundstücke, eines davon aber einige Meter mehr über dem Meeresspiegel als das andere und weiss man, dass der Meeresspiegel im betrachteten Zeitraum durchschnittlich 1m, an der Ostküste aber um 1.5 m steigt, kann man das ausnützen ohne das man einen Aufpreis zahlen muss.

Ähnliche Überlegungen gelten natürlich auch für Versicherungen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

“Selbst wenn die globalen Treibhausgasemissionen heute gestoppt würden, würde sich das Weltklima weiter verändern. Doch sind wir von einer Reduktion der globalen Emissionen noch weit entfernt.”

Lieber David Bresch, Ihren Aussagen fehlt leider jegliche faktische Substanz. Das Weltklima wird sich auf jeden Fall ändern, informieren Sie sich doch selbst über die Entwicklungsgschichte unseres Planeten. Das Klima hat sich – zum Glück – seit der letzten Eiszeit zu unseren Gunsten geändert, denn dort wo ich aufgewachsen bin, war das ganze Tal einmal von einem mehrere hundert Meter dicken Gletscher ausgefüllt. Das das heute nicht mehr der Fall ist, hat mit den globalen Emissionen rein gar nichts zu tun.

“Wir kennen das «totale Klimarisiko» [...] natürlich nicht genau, doch können wir bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung eine Projektion vornehmen und die Auswirkungen der Klimaveränderung in verschiedenen Auswirkungs-Szenarien abbilden. Damit haben wir eine Methode an der Hand, die es uns erlaubt, auch bei hohen Unsicherheiten, Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu entwickeln.”
Schön für die Swiss Re. Je horrender die Szenarien, desto höher die Prämien? Ist das Ihre Anpassungsstrategie?

Zeigen Sie uns doch einmal am Beispiel Schweiz, wie diese Anpassungsstrategie konkret aussieht. Welche Risiken würden denn bei einem Temperaturanstieg um 3 Grad in der Schweiz bestehen? Wie sieht die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten 20 Jahren aus?

Wenn ich mich recht erinnere, zeigten die kürzlich von der Swiss Re vorgelegten Geschäftsergebnisse, dass sogar die Risikoabschätzung im eigenen Haus daneben lief. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung, die zeigen soll, auf welch wackeligen Pfaden sich Vorhersagen über die Klimaentwicklung bewegen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

“Naturgefahrenschäden: Kosten haben sich vervierfacht .. Dieser Anstieg ist primär erklärbar durch die Zunahme der Werte – und insbesondere der Bautätigkeit in gefährdeten Gebieten.”

Zu erwartende Schäden schlagen sich ja in Versicherungsprämien nieder. Trotzdem wird immer mehr gebaut und gerade in Gefahrenzonen, zum Beispiel an der hurrikanbedrohten Küste. Das scheint ein Widerspruch, ist vielleicht aber auch ein Begleitphänomen des zunehmenden Wolhlstands: Wer es sich leisten kann, baut an schöner Lage auch wenn es eine gefährdete Lage ist – und nimmt Naturschäden alle 10 bis 20 Jahre in Kauf.

So gesehen leuchtet es ein, dass auch der Klimawandel – soweit man sich ihm anpassen kann – vor allem die weniger Wohlhabenden betrifft und die Folgen des Klimawandels von den Begüterten leichter weggesteckt werden können. Im günstigsten Fall erhöht sich nur die Versicherungsprämie.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

top
 
FireStats icon Powered by FireStats