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Wird der Ausbruch des Eyjafjallajökull Wetter und Klima beeinflussen?

16.04.2010 von

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hält zurzeit Europa in Atem. Der Flugverkehr ist zu einem beträchtlichen Teil lahm gelegt. Wird sich auch das Klima ändern? Niemand vermag im Moment zu sagen, wie lange der Ausbruch dauern wird, und wie viel Material schlussendlich in die Atmosphäre gelangt. Offenbar gehen Experten aber davon aus, dass der Ausbruch lange dauern könnte.

Explosive tropische Vulkanausbrüche mit stärkstem globalen Klimaeffekt

Die stärksten globalen Klimaeffekte werden von explosiven tropischen Vulkanausbrüchen verursacht. Bei solchen Ausbrüchen erreichen grössere Mengen von Gasen und Asche die Stratosphäre, die dann langsam polwärts über den gesamten Erdball verteilt werden. Nach dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 sank die globale Mitteltemperatur um ca. 0.5°C. Der Einfluss solcher Ausbrüche auf die einfallende Strahlung dauert ungefähr 1-2 Jahre.

Beim Eyjafjallajökull liegt die Sache anders, weil der Vulkan weit weg vom Äquator ist. Ausserdem ist es unklar, ob seine Gase und Teilchen die Stratosphäre erreichen. In einem solchen Fall ist der Effekt regional beschränkt, da die Teilchen schnell ausgewaschen werden. Wenn der Ausbruch lang andauert, kann sich der Effekt zwar aufsummieren, bleibt aber immer noch auf die nördlichen Breiten begrenzt.

Ausbruch mit kühlendem Effekt

Wenn man von einem länger dauernden Effekt ausgeht, bietet sich ein Vergleich an mit dem Laki-Ausbruch auf Island von 1783-1784. Der damalige Ausbruch war ungefähr acht Monate lang intensiv. In Europa folgte darauf ein kalter Winter, den zeitgenössische Wissenschaftler denn auch tatsächlich auf den Ausbruch zurückführten, zumal sehr viele Augenzeugen die Aschewolke über Europa beschrieben.

Gemäss Modellrechungen erreichte der Abkühlungseffekt damals regional 1-1.5°C. Aber bereits im nordhemisphärischen Mittel war die Abkühlung nur 0-0.2°C, global entsprechend weniger. Kein Vergleich also mit Pinatubo! Mitteleuropa war in diesen Simulationen von der Abkühlung betroffen, lag aber nicht im Kerngebiet. Im südlichen Mittelmeerraum ging der Effekt gegen Null.

«Jahr ohne Sommer» in der Schweiz

Nur wenige Jahre später sorgte ein weiterer Vulkanausbruch, Tambora in Indonesien, in Westeuropa für den wohl kältesten Sommer der letzten 400 Jahre. Das Jahr 1816 ging als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein. Die Schweiz war besonders stark betroffen. Die Sommermitteltemperaturen lagen 3°C unter denjenigen der umliegenden Jahre und es regnete besonders häufig. Dies führte zur hierzulande letzten grossen Hungersnot. Das Beispiel zeigt, dass Vulkanausbrüche zwar einen grossen Einfluss auf das Klima eines Jahres haben können — von Eyjafjallajökull haben wir aber keine derartigen Folgen zu erwarten.

Zum Autor

Stefan Brönnimann ist Professor für Klimatologie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (10) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Da es in den Medien etwas stiller um den Vulkan wurde und ein anderes oeliges Thema die Medien erfuellt… koennte man die Frage neu formulieren

Wird der „Ausbruch“ des „Deepwater Horizon“ das „Peak Oil (Wetter)“ und damit das „Klima“ beeinflussen?

http://www.spiegel.de/flash/flash-23315.html

das griechische Drama eignet sich auch ganz gut dafuer..

Mehr und mehr Staaten koennen sich den Oelimport nicht mehr leisten und machen im Rahmen der freien Marktwirtschaft den „freiwilligen“ Verzicht beim CO2 Ausstoss.

Das Klima wird sich daran freuen? Wer noch?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Holzherr

„Behauptung: Schon ein Vulkan, der soviel CO2 ausstossen würde wie die USA…“

Genau das hat der „Vulkan“ USA zusammen mit den übrigen „Vulkanen“ China, Russland, Japan, Indien, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Italien, Südkorea (um nur die 10 grössten zu erwähnen) in den vergangenen Jahrzehnten getan.

Ein Effekt auf die Globaltemperatur lässt sich derzeit nicht messen. Er bleibt zweifelhaft, wurde mit Sicherheit überschätzt und soll nun ggf. in „einigen dutzend Jahrzehnten“ eintreten.

Ich kenne Richard Alleys Buch und schaue mir den Video gern an.
Allerdings kenne ich auch die Reaktionen auf seine Thesen, um hier nur eine aufzuführen…
http://moregrumbinescience.blogspot.com/2010/01/biggest-control-knob.html

Es gibt, wie Sie wissen, eine Reihe offener Fragen, vor allem aber prominente Fach-Vertreter, die das einseitig auf CO2 fokussierte Modell erheblich in Frage stellen.
Bleibt doch spannend, oder nicht?

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@Peter Bühler

Zitat: „Die CO2-Emissionen des Vulkans Eyjafjallajökull betragen ca. 225′000 Tonnen täglich – oder 7 Mio Tonnen pro Monat.
Das ist mehr als der schweizerische CO2-Ausstoss im gleichen Zeitraum.“

Behauptung: Schon ein Vulkan, der soviel CO2 ausstossen würde wie die USA, dies aber nicht nur vorübergehend sondern dauerhaft, würde in einigen dutzend Jahrzehnten zu einem Treibhausklima führen wie einst im frühen Eozän, also zu einer mittleren globalen Temperatur, die mehr als 5°C über der heutigen liegt . Genau dies ist die Aussage der Klimawissenschaft und genau darum müssen Industrieländer wie die USA und die Schweiz 90% respektive 80% ihrerer CO2-Emissionen einsparen.

Vulkanismus und Verwitterung sind übrigens die Hauptursachen von längerfristigen Änderungen der atmospärischen CO2-Konzentration.
Das Video von Richard Alley mit dem Titel „how CO2 is the climate’s “biggest control knob” (siehe http://rs.resalliance.org/2009/12/29/richard-alley-explains-how-co2-is-the-climates-biggest-control-knob/) ist Pflicht.

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Keine Klimawirkung…

Die CO2-Emissionen des Vulkans Eyjafjallajökull betragen ca. 225’000 Tonnen täglich – oder 7 Mio Tonnen pro Monat.
Das ist mehr als der schweizerische CO2-Ausstoss im gleichen Zeitraum.

Dass diese Vulkanemissionen „keine Auswirkungen“ auf das Klima haben, darf selbstverständlich nicht zum nahe liegenden Schluss verführen, entsprechend seien auch die schweizerischen CO2-Emissionen nicht klimawirksam… handelt es sich doch im ersten Fall um „gutes“ CO2 aus natürlicher Quelle, im zweiten Fall aber um „schädliches“ CO2 menschlichen Ursprungs.

Wie sich die beiden Moleküle unterschiedlicher Herkunft chemisch/physikalisch unterscheiden – und wie das Klima diesen Unterschied „merkt“, bleibt indessen rätselhaft und harrt noch einer Erklärung.

Auch nicht ganz klar, wie sich das Erdklima bei weit grösseren Vulkanausbrüchen oder ganzen Reihen davon, verbunden mit hohen CO2-Emissionen, gewissermassen nicht hat „aus der Ruhe bringen lassen“, sondern über Jahrmillionen innerhalb einer Temperaturbandbreite pendelte, die das Entstehen von Leben und dessen gedeihliches Fortkommen auf diesem Planeten ermöglichte.

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[…] Welche Auswirkungen hat der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf das Weltklima? Diese Frage geistert derzeit durch viele Zeitungsartikel und Internetforen. Meine eigene Recherche hierzu hat ergeben: erstmal keine.  Nachzulesen ist das zum Beispiel beim Max-Planck-Institut für Meteorologie (hier und hier) oder bei der ETH Zürich (ETH-Klimablog). […]

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@ Kuster

Hallo Herr Kuster,

Sie verstehen das bloss nicht richtig: es geht hier um die Anwendung des in anderem Zusammenhang oft diskutierten „Vorsorgeprinzips“. Wie ein englischer Kommentator vorschlägt, sollte man die Flieger gleich auf Dauer grounden, damit künftig keinem einzigen der nun festsitzenden Passagiere je ein Leid geschieht… ; -)

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Die ETH Zürich unterstützt das Bundesamt für Zivilluftfahrt mit aktuellen Daten, um gezielte Aussagen zur Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull machen zu können. Seit Freitagnacht untersuchen mehrere Wetterballons, Laser und Wetterflüge die Aerosole in der Atmosphäre. Lesen Sie mehr dazu im ETH Life Artikel hier.

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Danke für die Hinweise. Die Frage habe ich mir nämlich auch gestellt…

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Hat jemand die Nachrichten gesehen?

Lufthansa macht Testflüge mit 10 Flugzeugen bis 8000m Höhe und misst: Nichts. Die Schliessung des Europäischen Luftraums basiert auf Modellrechnungen von Meteorologien und Schadstoffdynamikern. Bis jetzt konnte mir noch niemand erklären was denn genau gefährlich sein soll an diesem Staub.

Dass der Vulkan einen Einfluss auf das Wetter und das Klima hat ist klar. Alles hat einen Einfluss auf das Wetter und das Klima! Ich kann mich auch fragen ob es einen Einfluss aufs Klima hat wenn ich ein Bier trinke. Antwort: Ja. Ausnahme: Quöllfrisch, die sind CO2-Kompensiert.
Den einzigen wirklichen Zusammenhang vom Vulkanausbruch zum Klimawandel sehe ich darin, dass bei beiden Phänomenen eine ungeheure und absolut unnötige Panik erzeugt wird, die nur auf Modellrechnungen basiert und nie zweifelsfrei gemessen werden konnte.

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Die Verfechter des Geo-Engineerings (Crutzen, Budyko etc.) dürften sich freuen: hier haben sie ihren SO2/H2SO4-Grossversuch zur näheren Untersuchung und Bewertung…

http://www.atmos-chem-phys-discuss.net/10/7421/2010/acpd-10-7421-2010.html

http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=geoengineering-how-to-cool-earth

http://www.nature.com/nature/journal/v463/n7280/full/463426a.html

Von den nicht ganz harmlosen Nebenwirkungen einmal abgesehen (saurer Regen, Luftverschmutzung etc.), wirkt vor allem die Vorstellung einer technischen Klimasteuerung nicht eben beruhigend.
Wem würde sie überantwortet? dem IPCC ; – ) ?
Was wären die wirtschaftlich-politischen Folgen?
Bedenkenloser Verbrauch fossiler Energieträger?
Die Folgen und Risiken eines Kernenergie-Ausbaus wären da vergleichsweise überschaubar.

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