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Solarenergie ab jedem Hausdach?

15.01.2010 von

50 Prozent des Energieverbrauchs und 40 Prozent der CO2-Emissionen werden hierzulande durch die Gebäude verursacht. Allein der Warmwasser- und Heizungsverbrauch verursacht jährliche Kosten von über 8 Milliarden Franken! Handeln tut also dringend Not, beispielsweise durch die bessere Isolation der Gebäudehüllen. Doch wie soll der verbleibende Energiebedarf gedeckt werden?

Gebäudehülle als Kraftwerk nutzen

Auf den am meisten besonnten 190 Quadratkilometern Dach- und Fassadenflächen des schweizerischen Gebäudeparks könnte rund 30 Prozent des heutigen Strombedarfs mit photovoltaischen Solarmodulen erzeugt werden. Das belegt eine Studie der internationalen Energieagentur (siehe www.netenergy.ch/pdf/BipvPotentialSummary.pdf). Mit Sonnenkollektoren könnte zusätzlich noch ein grosser Teil der Energie fürs Warmwasser und die Heizung erzeugt werden. Die Gebäudehülle kann somit als Kraftwerk genutzt werden, die im Idealfall den gesamten Energiebedarf des Gebäudes deckt. Oder sogar noch Wärme- und Stromüberschüsse an die Nachbarn abgeben kann, wie dies im Mehrfamilienhaus «Kraftwerk B» im schwyzerischen Bennau geschieht.

Dieses wegweisende Gebäude mit Photovoltaikmodulen auf dem Dach und Kollektoren an der Fassade wurde mit dem schweizerischen und europäischen Solarpreis ausgezeichnet (siehe Bild, Quelle: grabarchitekten.ch). Aber nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Gebäudesanierungen zeigen immer mehr innovative Architekten, wie die Kraft der Sonne ästhetisch überzeugend genutzt werden kann. Mehr dazu unter www.solaragentur.ch

Dezentrale Energieversorgung ist weniger störungsanfällig

Aber wäre es nicht gescheiter, die Sonne dort zentral zu nutzen, wo sie am meisten scheint, beispielsweise dank „Desertec“ in der Sahara? Zur Lösung unseres Energieproblems sollten wir beide Möglichkeiten weiter verfolgen. Wenn dank Wüstenkraftwerken erst einmal eine klimaschonende und zuverlässige Energieversorgung Nordafrikas sicher gestellt ist, können diese auch an unseren Strombedarf einen wichtigen Beitrag leisten. Doch wir sollten uns nicht wieder in die gleichen gefährlichen Abhängigkeiten von wenigen Energieproduzenten begeben, wie dies heute bei Öl und Gas der Fall ist. Einiges spricht dafür, dass eine primär dezentrale Energieversorgung weniger störungsanfällig ist als die ausschliessliche Abhängigkeit von Grossproduzenten.

Strom vom eigenen Dach hat Zukunft

Die Entwicklung von solaren Kleinstkraftwerken auf unseren Häusern dürfte schon in wenigen Jahren einen gewaltigen Schub erhalten. Bereits ab etwa 2015 wird nämlich Strom vom eigenen Dach für die meisten Hausbesitzer billiger sein als Strom von der Steckdose!

Zum Autor

Gastautor David Stickelberger ist Geschäftsführer von Swissolar, dem Fachverband für Sonnenenergie.

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Kommentare (20) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Sehr geehrter Herr Bichsel

Zum Kondenswasser-Problem bei den Kollektoren gibt es meines Wissens keine Lösung. Allerdings ist die Anlage bereits 23 Jahre alt und hat damit bald ihre Lebensdauer erreicht – es lohnt sich demnach, den Ersatz zu planen.

Für die Spiegelung von Solarenergie auf Ihre Anlage müssten Sie ein kompliziertes Tracker-System haben, das der Sonne nachgeführt wird. Mir ist keine solche Lösung bekannt, und zudem wäre der Mehrertrag in keinem Verhältnis zu den Kosten.

Ich wünsche Ihnen viel Freude an der Solaranlage und grüsse freundlich
D. Stickelberger

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Sehr geehrter Herr Stickelberger,
Wir haben seit 1984 Kollektoren für das Warmwasser und seit Sommer 2009 eine 3.5 kWH Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Beide funktionieren sehr gut. Auf Grund unserer Erfahrungen sind wir überzeugt, dass jedes Einfamilienhaus (unseres wurde 1971 gebaut) bei guter Gebäudeisolierung und ohne Speicherung mehr als 30% des Energiebedarfs mit der Sonne decken kann.
Ich suche noch auf zwei Gebieten nach einer Verbesserung:
a) Im Laufe der Zeit hat sich bei den Kollektoren Kondenswasser gebildet, das nicht mehr weggeht. Von blossem Auge sind keine Risse bei den Kollektordecken feststellbar und nach Angaben des Kollektorbauers gibt es keine Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand das Kondenswasser zu entfernen, das die Leistungsfähigkeit der Kollektoren um 10-15% einschränkt. Kennt vielleicht Swissolar oder ein Leser eine kostengünstige Lösung?
b) Die Photovoltaikanlage produzierte im ersten Betriebsjahr 3550 und im zweiten 3840 kWh Strom, funktioniert demnach einwandfrei (wir wohnen im Zürcher Weinland). Zwei Feststellungen führten dazu, dass die Frage aufkam, ob nicht noch eine grössere Stromerzeugung möglich wäre.
1. Beobachtung: Ein Dachfenster des Nachbars (im Süden unserer Liegenschaft) blendet uns im Frühling auf unserem Sitzplatz.
2. Beobachtung: Die Photovoltaikanlage produziert am meisten Strom, wenn die Sonne zum Vorschein kommt, nachdem sie von einer Wolke verdeckt wurde.
Deshalb die Frage: Gibt es irgendwo Spiegel (ähnlich einer Fernsehschüssel), die auf der Ostseite des Hausdaches montiert werden könnten, um das Sonnenlicht zu „bündeln“ und je nach Sonnenstand andere Module zu bescheinen? Die Spiegel müssten so montiert werden, dass sie weder den Dachfirst übersteigen noch am Vormittag viel Schatten erzeugen. Falls es zu diesem „Problem“ irgendwelche Unterlagen gibt, so bin ich dafür dankbar.

Mit einem freundlichen Gruss
Ernst Bichsel

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@Pius Kuster
Zitat: „bau eines AKW mit 1GWe spart 1GWth Heizöl.“
Das ist in der Tat eine gute Idee, zudem stehen die schweizerischen AKW’s ja in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen, so dass Fernwärme nicht allzu weit fliessen muss.
Tiefengeothermie macht in der Schweiz übrigens nur dann halbwegs ökonomisch einen Sinn, wenn nicht nur Strom erzeugt – sondern auch die erschlossene Wärme genutzt wird.

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Lieber Herr Holzherr

Das ist ja schon unglaublich was sie mir hier alles in den Mund legen!
Zitat: „Es gibt allerdings niemanden (ausser ihnen), der überhaupt auf die Idee kommt sämtliche Energiequellen durch Atomenergie zu ersetzen.“

Das habe ich nie gesagt!! Ich habe nur gesagt man könne die Energie die zum Heizen benötigt wird durch Atomkraftwerke decken und damit massiv viel CO2 Emissionen einsparen.
Mit massiv meine ich: bau eines AKW mit 1GWe spart 1GWth Heizöl. Für ein GW Heizleistung mit Öl benötigt man jährlich 700’000’000 kg Heizöl. Kostenpunkt ca. eine halbe Milliarde Franken (was zu einem guten Teil in korrupte Länder fliesst) und CO2 Emissionen verursacht von 1.8 Milliarden kg jährlich!

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@Paul Meier
Es gibt schon Möglichkeiten, die Leistungsschwankungen von Wind/Sonne aufzufangen. Das ist allerdings mit Kosten verbunden.

Die einfachste Art die Intermittenz von Wind und Sonne zu neutralisieren, wird gegenwärtig in Deutschland praktiziert (allerdings spielt in D momentan nur der Wind eine Rolle, obwohl sehr viel Geld für PV ausgegeben wird):

Immer wenn mehr Windkraft ans Netz geht, werden zuerst Gaskraftwerke, später eventuell sogar Kohlekraftwerke heruntergefahren. Um dies besser zu steuern gibt es sogar eine spezialisierte Wind-Meteorologie.

Viel weiter geht das Konzept des weiträumigen Wind/Sonne/Wasser-Verbunds. Vor kurzem ging die Meldung durch die Presse (siehe http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,670148,00.html), es sei für 30 Milliarden Euro eine Netzverbund von Nordsee-Windturbinen mit norwegischer Wasserkraft geplant (allerdings erst in 10 Jahren).
Es gibt auch Ideen zu noch viel weiterreichenden Netzen, die Windturbinen vom Atlas über Kasachstan bis zur Nordsee miteinander verbinden. Die Wasserkraft würde dann verbleibende über-unterschiessende Windenergie puffern.
Wenn es nur darum geht, CO2-freie/arme Energie kostengünstig bereitzustellen, gibt es keine Alternative zur Kernenergie, weil sie, da grundlastfähig, ohne teuren Netzverbund auskommt. Grundlastfähig wäre auch Tiefengeothermie, leider ist sie aber sehr teuer. Ein vollständige Versorgung mit Oekostrom (Wind,Sonne,Wasser) erfordert einen Energieverbund mit tausenden von Kilometern Hochspannungsleitungen.
Die folgende Tabelle stellt Preis/Kohlenstoffintensität der verschiedenen Lösungen dar:
– Low Carbon/Low Price: AKW mit Laufzeit 60 Jahre oder länger (nur dann ist der Preis tief)
– Low Carbon/Middle Price: AKW + Wasser + <=30%Oekostrom (Sonne,Wind); Schwankungen durch Regulation bei Wasserkraft auffangen
– Low Carbon/High Price: Geothermie, PV+Wind+Wasser über tausende Kilometer vernetzt (um Schwankungen auszugleichen)
– Middle Carbon/Middle Price: Oeko + Backup durch Gas/Kohle
– High Carbon/Low Price: Kohle

Interessant ist, dass das Preisargument in verschiedenen Oekonomien ganz verschieden beurteilt wird. In den USA spielt der Preis eine überragende Rolle. AKW’s werden in den USA auch darum nicht gebaut, weil die Kohle immer noch viel billiger ist. Hier in Europa hat sich bei vielen die Meinung ausgebildet, der Preis sei nicht allein entscheidend, für Oekostrom (ohne Atom) erhalte man ja auch eine bessere Qualität für die man auch mehr bezahlen muss (so gesagt von Thomas Stocker (Schweizer Klimatologie) in einem NZZ-Interview).

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Also ich bin froh, dass die PV in der Schweiz nicht so massiv subventioniert wird wie in Deutschland. Gegen eine Anschubhilfe habe ich nichts einzuwenden und gegen Forschungsunterstützung auch nicht. Aber wenn man eine nicht marktfähige Technik derart massiv und über 20 Jahre zwangssubventioniert, dann kann das eigentlich nicht gut herauskommen.
Es gibt noch ein paar einfache Tatsachen, die man eigentlich kennt, die aber immer wieder vergessen werden:

1. PV produziert nicht immer Strom. Nachts gar nichts und oft auch tagsüber nicht viel. Im Winter, wenn wir den grössten Verbrauch haben, produziert PV viel weniger als im Sommer; zumindest hier in der Schweiz. PV produziert zwar Strom, trägt aber wegen der Zufälligkeit nichts zu einer gesicherten Stromversorgung bei. Das ist heute so und wird immer so sein.
2. Die Schweizer Stromproduktion ist heute sehr CO2 arm. Mit der Installation von PV verschlechtern wir diesen Wert, wir verbessern ihn nicht.
3. Wir müssen unsere älteren AKWs ohnehin ersetzen, ob wir nun PV Anlagen bauen oder nicht. Das sagen die Stromversorger und das BFE. Ich nehme an, die sehen das realistisch.

Mit ferundlichen Grüssen, Paul

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Ich nehme zu div. Fragen betr. meinem Blog Stellung:
– @M. Holzherr: Wir rechnen mit einer jährlichen Kostensenkung von Solarstrom um 10%. Heute liegt er in der Schweiz bei ca. 60 Rp./kWh, bis 2020 somit ca. 20 Rp./kWh. Gleichzeitig steigt der Strompreis und wird 2020 bei 25-30 Rp./kWh liegen (bei allerdings grossen Unterschieden innerhalb der Schweiz). Damit lohnt es sich für den Hausbesitzer, seinen eigenen Solarstrom zu produzieren. Mit dem Preis ab Klemme Grosskraftwerk kann zu diesem Zeitpunkt Solarstrom noch nicht konkurrieren.
– @M. Holzherr: Pilotprojekte wie die Monte-Rosa-Hütte sind fast immer teuer, aber sie lösen Lernprozesse aus, wodurch Nachfolgeprojekte günstiger werden.
– @B. Steurer: Ich empfehle Ihnen, unser Verzeichnis der geprüften Anbieter „Die Solarprofis“ unter http://www.swissolar.ch zu konsultieren.
– @T. Neubaurer: Ja, wirklich schade, dass die Schweiz nicht gleich entschlossen wie Deutschland fördert. Die jährlich hierzulande installierte PV-Leistung wird in Deutschland innerhalb von 2 Tagen gebaut… Bei uns ist die kostendeckende Vergütung im Gegensatz zu DE „gedeckelt“, weshalb rund 4500 Gesuche mit einer Leistung von 140 MW zurzeit auf einer Warteliste stehen. Das ist ein Investitionsvolumen von über 1 Milliarde Franken, und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten! Die kostendeckende Vergütung wird sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz durch einen Aufschlag auf die Stromrechnung bezahlt – in Deutschland sind es pro Haushalt ca. 5 Fr./Monat für Sonne, Wind, Biomasse, etc. Eine erträgliche Belastung, wenn es um die Sicherung der Energieversorgung geht. Dieser Betrag sinkt in den nächsten Jahren wieder, da Neuanlagen laufend tiefere Vergütungen erhalten. Die kostendeckende Vergütung ist nachweislich die wirksamste Massnahme zur Förderung von Solarstrom und wird in Dutzenden von Ländern eingesetzt.

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@Pius Kuster
Zitat: „Woher sie ihre Gewissheit haben dass das Uran nicht reicht um die Welt mit Energie zu versorgen weiss ich nicht.“
Nach Areva (siehe http://www.areva-np.com/de/liblocal/docs/Germany_pdf/Uran_final.pdf), der franz. Firma, die Atomkraftwerke baut, liegt die statische Reichweite der konventionellen Uranreserven zwischen 47 und 166 Jahren. Allerdings wird momentan nur 16% des globalen Strombedards mit Atomenergie gedeckt. Nur schon um 100% des heutigen Strombedarfs mit AKW’s zu decken schrumpt die Reichweite auf 1/6 (maximal 25 Jahre). Wenn sie darüberhinaus auch noch die fossile Energie mit AKW’s ersetzen wollen sind die Uranreserven in 10 Jahren weg.

Es gibt allerdings niemanden (ausser ihnen), der überhaupt auf die Idee kommt sämtliche Energiequellen durch Atomenergie zu ersetzen. Bei heutigem Uranverbrauch (oder einer 2-3 Mal grösseren Nutzung) und wenn man einrechnet, dass sicher noch weitere Reserven gefunden werden, reicht das Uran recht lange.

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Herr Kuster,

>Es gibt kein Problem, darum brauchts auch keine Lösung.

So sprach der Alkoholiker und trank noch ne Flasche Wodka,
aber bitte alleine und ohne kollateralen Damage!
Fangen Sie schon mal an das Oel, Gas und Uran in
ihrem Garten zu suchen!

mit besten Gruessen
michael
ps
versuchen sie es mal mit den AA..

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Dilemma, Katzenjammer, Blackout, Spatzen pfeifen von den Dächern,…

Also wieder mal ein bisschen sachlicher:
Wenn es im Französischen Elektrizitätsnetz ein Problem gibt, dann dass 1,2 oder 3 Kernkraftwerke fehlen. Das ist die Schuld der Atomstromgegner. Dass AKW’s alt werden und nicht durch neue ersetzt werden können ist die Schuld der Atomstromgegner. Damit uns in der Schweiz nicht das gleiche passiert muss dringend ein neues AKW mit 1GWe gebaut werden. Wenn dies beschlossen wird dauert es nachher nochmals 10Jahre bis zur Inbetriebnahme!

Der Primärenergieverbrauch in der Schweiz ist ca. 40GW. 100 Kernkraftwerke sind also eindeutig zu viel. Um alle Heizungen elektrisch zu betreiben (inkl. Warmwasser) braucht es ca. 10GW, also 10 AKW’s. Wenn zusätzlich auch noch die Fernwärme von AKW’s endlich genutzt werden könnte würde sich deren Zahl noch reduzieren.

@Martin Holzherr: Was ist schon dabei ein dutzend AKW’s zu bauen? Immerhin geht es doch um die Rettung der Welt?!

Woher sie ihre Gewissheit haben dass das Uran nicht reicht um die Welt mit Energie zu versorgen weiss ich nicht. Ist denn ihrer Meinung nach Peak Oil auch schon erreicht? Ich glaube nicht daran.

Energieproblem? Habe ich etwas verpasst? Auf der ganzen Welt in den entlegesten Winkeln kann man für 2$ einen Liter Benzin kaufen. Und diese Hypothetischen Diskussionen um Erwärmung und Peak Oil sind doch mittlerweile nur noch nervig. Es gibt kein Problem, darum brauchts auch keine Lösung.

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Solange Baukomisionen von 200 Seelen Dörfern Entscheidungen treffen und Auflagen erlassen wie und wo Solarpanel eingebaut werden können und dürfen, solange wird das nicht zur Tatsache. Dass sich dann auch die Anlage entsprechend verteuert und diese Mehrkosten vom Eigentümer übernommen werden müssen, wird geflissentlich Überschaut und Ignoriert. Dass es sich dann wirtschaftlich nicht mehr lohnt, ein solche Anlage einzubauen, dürfte ja wohl klar sein, denn eine 20 bis 25 jährige Amortisation ist schlicht illusorisch.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Pius Kuster,
ich möchte den Kommentar von Michael Dittmar noch etwas ergänzen.
Wenn Michael Dittmar schreibt „Wieviele neue Kernkraftwerke haetten sie den gerne fuer die Schweiz? 1? 10? oder warum nicht gleich 100? mit 1 GWe?“ ist das eine Antwort auf ihre Anregung fossile Energie durch AKW’s zu ersetzen. 70% des Endenergieverbrauchs in der Schweiz ist fossilen Ursprungs. Ein Ersatz mit AKW’s würde tatsächlich dutzende von AKW’s benötigen.
AKW’s bringen einige Probleme mit sich, zum Teil auch, weil sie schon als Dual-Use-Anlagen erfunden wurden (Frankreich baut auch auf KKW’s weil diese für ihre Force de Frappe nützlich sind), zum Teil aber inhärent. Ferner würde die heute dominierende Form des AKW’s gar nicht in der Lage sein als alleinige Primäreenergiequelle der Welt zu dienen, weil sie zu ineffizient mit Uran umgeht.
Man kann mit Gewissheit sagen, dass die Weltenergieprobleme momentan nicht mit einem einzigen Energieträger gelöst werden können.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Herr Kuster,

Sie haben es geschickt(?) vermieden zu antworten..
>Da gibt es ganz simple aber erstaunlicherweise unpopuläre
>Lösungen. Bsp: Bau von neuen Atomkraftwerken und staatliche
>Förderung von Elektroheizungen als Ersatz von Ölheizungen.

Also was bedeutet das? Wieviele neue Kernkraftwerke haetten sie den gerne fuer die Schweiz? 1? 10? oder warum nicht gleich 100? mit 1 GWe?

>Elektroheizungen sind sehr simpel und können für Nachtbetrieb
>eingestellt werden.

Ja richtig.. und das ist genau das Problem in Frankreich. Jedesmal wenn es im Moment ein Grad kaelter wird braucht man rund 2 GWe mehr. Inzwischen pfeifen es nicht nur in Frankreich die Spatzen von den Daechern.. die einseitige Orientierung auf die Kernkraft bring das System an den Rand des Blackouts und jeden Winter etwas mehr. Vor einer Woche war es sehr knapp. Am 21.12 waren 2 Millionen fuer eine Stunde ohne Strom und der Winter ist noch nicht zu Ende.

Die Kernkraftwerke werden auch aelter und mindestens 5 GWe sind im Moment nicht in Funktion (10%).

Also ihren Vorschlag hat man schon probiert und jetzt ist der Katzenjammer da. Koennen Sie aus diesen Fehlern lernen oder muss man das in der Schweiz auch noch durchziehen?

>Aber die CO2 Frage entscheidet sich nicht in der Schweiz
>sondern in Deutschland, Italien, China, usw. Viele Länder
>produzieren den Grossteil ihres Stromes aus Kohle und Öl/Gas.

Das war nicht die Frage.

>Es ist absolut illusorisch zu glauben diese Länder könnten ohne
>die Atomkraft zu einer “CO2 neutralen” Stromversorgung
>gelangen.

>Atomkraft funktioniert seit jahrzehnten!

genau und jetzt werden sie alt und klapprig! Um den Muell und die Folgekosten kuemmern wir uns erst in 40 Jahren.. sehr praktisch. „profit now pay later“.. also unsere Nachkommen!

Das ist genau das Dilemma mit ihren Vorschlaegen. Egal ob es CO2 ist oder die Verschuldung des Staates etc..

>Photovoltaik und Windkraft sind noch viel älter, trotzdem haben
>sie den Durchbruch bis heute nicht geschafft, und ich sehe nicht
>ein wieso der Durchbruch jetzt auf einmal kommen sollte.

Braucht man auch nicht zu sehen (man kann es auch einfach rechnen). Man braucht nur in die Geschichtsbuecher zu schauen um zu verstehen was mit Wind und Sonne moeglich ist.

Warum die Waesche in einem Tumbler und mit 2 kwh aus Solarstrom trocknen wenn man die Waesche auch direkt in der Sonne trocknen kann?

michael

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@David Stickelberger, @Pius Kuster
Zitat Artikel Stickelberger: „Auf den am meisten besonnten 190 Quadratkilometern Dach- und Fassadenflächen des schweizerischen Gebäudeparks könnte rund 30 Prozent des heutigen Strombedarfs mit photovoltaischen Solarmodulen erzeugt werden.“
30% des Stroms lokal erzeugen, das tönt toll. Doch sofort stellen sich Fragen:
– wie bringt man die Leute dazu, dieses Potential auszuschöpfen?
– was für Anreize, Einspeisevergütungen usw. sind nötig?

Zitat Kommentar Kuster: „Bau von neuen Atomkraftwerken und staatliche Förderung von Elektroheizungen ..“
Auch hier stellen sich Fragen:
– warum Elektroheizungen staatlich fördern, wenn doch sowieso jeder eine Heizung braucht und man durch gute Isolation das Heizen stark reduzieren kann?
– warum durch falsche Subvention eine Lösung verhindern wie sie von David Stickelberger angedeutet wurde, nämlich, dass die Solarmodule eventuell so günstig werden, dass die Leute sie sogar ohne Anreize kaufen?

Nach Lesen einiger Bücher, Studien und Artikel zum Thema bin ich zum Schluss gekommen, dass die meisten Leute, die sich Massnahmen gegen den Klimawandel ausdenken, im allgemeinen auch Weltverbesserer sind. Sie wollen nicht nur den Klimawandel verhindern oder mitigieren sondern auch ihre Vision der menschlichen Energiezukunft (und vielleicht noch einiges mehr) realisieren.

Das gilt selbst für Klimawissenschaftler. S.Rahmstorf schreibt in „Der Klimawandel“ (C.H.BECK) – einem Buch in dem man viel über das Denken der Autoren (und auch etwas über den Klimawandel) erfährt –

„kurzfristig … die Kohlenstoffintensität des fossilen Sektor durch Substitution von Kohle und Öl durch Erdgas …“
„langfristig … ist jedoch der Strukturwandel zu einer Solargesellschaft unabdingbar.“

Wenn diese Klimawissenschaftler, Politiker und Klimaökonomen, die sich scheinbar alle auch als Gestalter einer neuen Welt sehen, dann doch einmal nur die CO2-Problematik in Betracht ziehen, kommen sie oft zu einem ganz ähnlichen Schluss: Eine hohe CO2-Steuer oder ein Verbot für die Nutzung von fossilen Brenn-/und Treibstoffen wäre am effizientesten:
Wer für den Austoss von 1 Tonne CO2 1000 Franken zahlen muss, überlegt es sich vorher gut, ob er das wirklich machen will.

Nach meinem Dafürhalten braucht es aber politisch gar nicht mehr. Jeder soll frei sein, wie er den Austoss von CO2 vermeidet, ob mit Solar-/Wind oder irgend einer anderen Energie. Natürlich müsste man auch die Energieforschung massiv steigern um mehr CO2-freie Alternativen zu haben. Einspeisevergütungen aber sind grundfalsch, weil sie mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Fehlallokation von Mitteln (Geld) führen.

Nur wenige nehmen den Klimaschutz bis jetzt als wirklich dringlich wahr, das gilt auch für viele Umweltbewegte, denen vielleicht die Abschaffung der Atomkraft wichtiger ist als Massnahmen für ein hypothetisches fernes Klimaparadies (das ja nur unser bekanntes Klima ist).
Jede Form der Energie, die den CO2-Austoss verhindert, wird willkommen sein, wenn einmal die Dringlichkeit von Massnahmen für jedermann ersichtlich sind. Davon bin ich überzeugt.

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Da gibt es ganz simple aber erstaunlicherweise unpopuläre Lösungen.

Bsp: Bau von neuen Atomkraftwerken und staatliche Förderung von Elektroheizungen als Ersatz von Ölheizungen. Elektroheizungen sind sehr simpel und können für Nachtbetrieb eingestellt werden.

Aber die CO2 Frage entscheidet sich nicht in der Schweiz sondern in Deutschland, Italien, China, usw. Viele Länder produzieren den Grossteil ihres Stromes aus Kohle und Öl/Gas. Es ist absolut illusorisch zu glauben diese Länder könnten ohne die Atomkraft zu einer „CO2 neutralen“ Stromversorgung gelangen.

Atomkraft funktioniert seit jahrzehnten! Photovoltaik und Windkraft sind noch viel älter, trotzdem haben sie den Durchbruch bis heute nicht geschafft, und ich sehe nicht ein wieso der Durchbruch jetzt auf einmal kommen sollte.

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hallo Herr Kuster,

Sie schreiben:
>ob vermehrt auf Kernenergie gesetzt werden sollte

Wenn sie entscheiden koennten was waere also ihr Vorschlag um durch Kernenergie in der Schweiz den CO2 Ausstoss zu reduzieren?

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Es gab ein Programm zur Subventionierung von Solaranlagen. Die Nachfrage nach diesen Subventionen war viel grösser als das Angebot, darum sprechen die Subventionierer von einem Erfolg. Dabei kann es nicht erstaunen dass sich die Leute melden, wenn es Geld zu holen gibt.
Ich bin froh dass wir in der Schweiz keine grosszügigen Subventionen in diesem Bereich kennen. Dafür zahlen wir halb so viel Steuern wie die Deutschen und jeder der will soll sich sein Solardach selber finanzieren. Ausserdem ist Photovoltaik alles andere als ästhetisch. Vor allem wenn sie auf Dächern in einer Altstadt (die eigentlich via Heimatschutz geschütz wären) installiert werden. Aber für die Rettung der Welt macht der Heimatschutz gerne einmal eine Ausnahme!

Als letzten Punkt möchte ich anfügen, dass Photovoltaik im Sinne des Umweltschutzes verboten werden müsste. Atomkraftstrom verursacht um Grössenordnungen weniger CO2-Emissionen als dies Photovoltaikanlagen der gleichen Leistung tun. Selbst der IPCC Bericht sagt dass zur CO2-Reduktion wieder darüber nachgedacht werden müsse ob vermehrt auf Kernenergie gesetzt werden sollte.

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Als deutscher Leser würde mich interessieren, ob es in der Schweiz auch ein Förderprogramm für Solarenergie gibt? Immer wenn ich in der Schweiz bin fällt mir auf, wie wenige Dächer dort blau glitzern 😉 Denn was möglich ist, zeigt ja nicht zuletzt die oben erwähnte Studie. 2009 gingen allein in Deutschland über 3 GW Photovoltaikleistung ans Netz, damit könnte man über 5% des schweizer Stromverbrauchs decken. Schade, dass die Schweiz da noch nicht so mitzieht und eher auf Atomkraft setzt, obwohl ihr doch so viel Wasserkraft habt – auch Pumpspeicherkraftwerke – und so sogar Solatstrom speichern könnt.

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sehr geehrter Herr Sückelberger
Das sieht ja sehr vielversprechend aus – sollen wir Einfamilienhausbesitzer schon jetzt vorwärts machen? Wer hat schon Erfahrungen damit gemacht?
Wir haben vor dieses Jahr noch Sonnenkollektoren (12.5 m2) auf unser Flachdach zu montieren, um unseren Warmwasserbedarf abzudecken und zusätzlich noch die Heizung zu unterstützen und Waschmaschine/Tumbler mit dem Warmwasser zu speisen. Können Sie bereits Firmen empfehlen, die uns Offerten machen könnten, um jetzt schon Photovoltaik-Module einzusetzen? Vielen Dank für Ihre Auskunft. Bruno Steurer

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Zitat: „die im Idealfall den gesamten Energiebedarf des Gebäudes deckt“.
Das würde dann in Richtung eines autarken Gebäudes/Lebensbereichs gehen. Vorausgesetzt man könnte die Energie zwischenspeichern (zum Beispiel in einer Batterie).
In der Monta-Rosa-Hütte geschieht dies ja http://www.neuemonterosahuette.ch/.
Allerdings wurde in der TV-Dokumentation, die ich über die Monta-Rosa-Hütte gesehen habe, von den SAC-Verantwortlichen geäussert, dass dies zwar ein Vorzeigeprojekt, aber viel zu teuer sei, um als Vorlage für weitere Hütten zu dienen.
Was die Zukunft der Photovoltaik angeht, sind sie mit ihrer Aussage „Bereits ab etwa 2015 wird nämlich Strom vom eigenen Dach für die meisten Hausbesitzer billiger sein als Strom von der Steckdose!“ vielleicht etwas optimistisch.
Eine Studie der Carnegie-Mellon-Universität (und anderer Universitäten), die auf Befragungen von PV-Experten beruht, kommt zu folgendem Schluss: „we conclude that PV may have difficulty becoming economically competitive with other options for large-scale, low-carbon bulk electricity in the next 40 years.“
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es8014088
Diese Aussage bezieht sich allerdings nicht auf den Einsatz für den Hausbereich sondern auf den Einsatz im Kraftwerkbereich.

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