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Nachhaltige Städteplanung aus politischer Sicht

13.01.2010 von

Städteplanung ist für einen Politiker eine der grössten Herausforderungen. Gerade weil die Entscheidungen viel weiter wirken als die jeweiligen Karrieren der politisch Verantwortlichen, ist die Städteplanung sozusagen ein Prüfstein für Weitsichtigkeit. In keiner Stadt der Schweiz zeigt sich dies exemplarischer als in Bern.

Komplexe Entwicklung einer Stadt

Die Entwicklung einer Stadt ist ein Gesamtkonzept aus Verkehrs-, Wirtschafts-, Gesellschafts-, Finanz-, Energie- und Baupolitik. Nach seiner Gründerzeit wurde Bern etappenweise entlang der Aare-Schlaufe entwickelt. Anschliessend kamen die Aussenquartiere und bevölkerungsstarke Agglomerationsgemeinden hinzu. Mit aufkommendem Verkehr im letzten Jahrhundert stiess insbesondere der Bahnverkehr an seine Grenzen. Schliesslich stellte sich auch die Frage nach einem Flughafen. Ab den 40er Jahren bis Anfang der 70er Jahre lehnte es Berns Bevölkerung stets ab, einen eigenen internationalen Flughafen zu bauen. Kloten und Zürich «erbten» diese Aufgaben.

Alle diese Entwicklungsschritte definierten die heutige Situation von Bern. In der Diskussion rund um Metropolitanräume und die Hauptstadtregion Bern im Rahmen des neuen Raumkonzeptes des Bundes, hat sich Bern erstmals in seiner Geschichte dazu bereiterklärt, keine Metropole, also kein Epizentrum der Wirtschaft, zu sein. Automatisch kommt jetzt die politische Aufgabe auf die Region zu, diesen Hauptstadtraum besser zu positionieren.

Von öffentlichem Verkehr, Steuerpolitik und Bildung…

Zum Gesamtkonzept gehört auf jeden Fall die Zukunft des Bahnhofs Bern als zweitgrösster Umsteigebahnhof der Schweiz. Dieser ist aus meiner Sicht klar im nationalen Kontext, also auf die Bedürfnisse der SBB, auszurichten bei gleichzeitiger Verbesserung des Regionalverkehrs und nicht umgekehrt, wie das der Regierungsrat des Kantons wollte.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen inklusive Steuerpolitik sind für Unternehmen zu optimieren.

Die zwei grossen Bildungsinstitutionen, die Universität Bern sowie die Berner Fachhochschule sind besser aufzustellen. Besonders die Fachhochschule muss von ihrer absolut dezentralen Struktur hin zu einer Campusbildung getrieben werden. Der Campus gehört aus meiner Sicht ins Zentrum nach Bern, da sich dort hervorragende Anbindungen des öffentlichen Verkehrs, die Zusammenarbeit mit der Uni und die Wohnsituation für Studierende und Angestellte klar am besten präsentieren.

…bis Energieversorgung und Wohnraum

Bei der Frage nach der Energieversorgung der Stadt steht natürlich das KKW Mühleberg im Fokus, dessen Ersatz aus Berner und persönlicher Sicht nur Vorteile bringt. Wo Energie produziert wird, erhöht sich der Einfluss einer Stadt und der Betrieb eines KKW ist sowohl wirtschaftlich als auch in der Bildung interessant.

Wohnraum schaffen bedeutet auch Gesellschaftspolitik. Wie verhindere ich Ghettobildungen in Quartieren? Welche Miethöhen respektive welche Bevölkerungsschichten will ich in welchen Quartieren ansiedeln? Das sind alles Fragen, die heute leider zu sehr vom Parteibuch abhängen statt von der Weitsichtigkeit.

Vielschichtige Nachhaltigkeit

Obenerwähnte Punkte der Stadtentwicklung zeigen auf, dass sich Nachhaltigkeit nicht primär auf ökologische Fragen konzentrieren muss. Damit sich eine Stadt kontinuierlich entwickelt, müssen alle Faktoren aufeinander angepasst werden. Ohne Verkehrsanbindung keine Unternehmen, ohne Bildung kein Know-How in Wirtschaft und Gesellschaft, ohne Energie keine Entwicklung, ohne Lebensqualität keine attraktive Stadt zum Wohnen usw.

Zum Autor

Gastautor Christian Wasserfallen ist Nationalrat FDP und Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK.

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Kommentare (2) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Nein, das Thema der CO2-Emissionen ist in einigen erwähnten Punkten enthalten und stellt somit ein Querschnittsthema dar. Bei der Energieproduktion ist es enthalten, bei den Verkehrsträgern, beim Bau von Siedlungen usw. Allein dieses Thema würde einen separaten Artikel verdienen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Guter Artikel, der die vielen Faktoren, die in der Stadtplanung eine Rolle spielen, aufzeigt. Die Entwicklung der CO2-Emissionen im Stadtgebiet von Bern und Massnhamen um diese zu lenken, werden allerdings nicht erwähnt. Darf man daraus schliessen, dass Klimapolitik innerhalb des Nachhaltigkeitskonzepts der Stadt Bern keine explizite Rolle einnimmt?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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