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Kohlendioxid-Ausstoss: 40% weniger wären möglich

04.01.2010 von

In den nächsten Jahren will die Schweiz den CO₂-Ausstoss um 20 Prozent reduzieren. Dabei wäre in der Schweiz eine Reduktion des CO₂-Austosses um 40 Prozent möglich, unter anderem mit Massnahmen beim Verkehr.

Soll und Ziel widersprechen sich

Die Einsicht des Bundesrats und die Konsequenzen daraus widersprechen sich. Moritz Leuenberger hat am Klimagespräch an der ETH Zürich im November 2009 selber gesagt, dass die politische Zielsetzung «SELBSTVERSTÄNDLICH» eine maximale Klimaerwärmung von 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit sein müsste. Dazu müssten die Industrieländer gemäss dem Zwischenstaatlichen Ausschuss für die Klimaänderung ihren CO₂-Ausstoss bis 2020 um 40 Prozent reduzieren – und dies meiner Meinung nach im Inland. Die Schweiz will nun in den nächsten Jahren den Ausstoss um 20 Prozent reduzieren. Geht das auf? Definitiv nicht!

Schweiz verpasst erstes Klimaschutz-Ziel

Betrachten wir die Situation in der Schweiz mit Fokus auf dem Bereich Verkehr: Laut dem Bundesamt für Umwelt stieg der Ausstoss von Autos und Lastwagen zwischen 1990 und 2008 von 15,48 auf 17,67 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr an. Damit die Vorgaben des CO₂-Gesetzes eingehalten würden, müssten die Emissionen aber bis 2010 auf 14,2 Milllionen Tonnen sinken. Die Schweiz verpasst nur schon dieses erste Ziel.

Obwohl gerade der Strassenverkehr ein sehr grosses Potenzial zur Reduktion der CO₂-Emissionen aufweist. Längst ist bekannt wie der CO₂-Ausstoss von Autos und Lastwagen wirksam reduziert werden könnte: mit einer substantiellen CO₂-Abgabe auf Treibstoffen. Das Beispiel des Heizöls zeigt, dass eine solche Massnahme erfolgversprechend ist. Seit der Bundesrat eine Abgabe auf Brennstoffen eingeführt hat, sinkt der Ausstoss in diesem Bereich. Die CO₂-Abgabe ist eine rückzahlbare Lenkungsabgabe, die die Steuerlast insgesamt nicht erhöht.

CO₂-Ausstoss neuer Autos einschränken

Neben einer CO₂-Abgabe auf Treibstoffen ist es notwendig, bei der anstehenden Teilrevision des CO₂-Gesetzes den Ausstoss neu immatrikulierter Personenwagen wirkungsvoll einzuschränken. Das Ziel für die Absenkung des CO₂-Ausstosses von Neuwagen muss auf 120 Gramm CO₂ pro Kilometer festgelegt werden, und nicht wie geplant auf 130 Gramm pro Kilometer.

Zeit für mutige Entscheide

Wie die zwei Beispiele zeigen, ist es möglich, den CO₂-Ausstoss zu reduzieren. Eine 40%-Reduktion wäre für die Schweiz auf alle Fälle möglich. Es ist an der Zeit, mutige Entscheide zu treffen und damit wirkungsvollen Klimaschutz zu betreiben. Solche Engagements werden sich bereits mittelfristig auszahlen.

Zur Autorin

Gastautorin Aline Trede ist Kampagnenleiterin beim Verkehrs-Club der Schweiz VCS.

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Kommentare (4) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Die 40% Reduktion des CO2 ist auch aus meiner Sicht ein richtiges und realistisches Ziel.
Was in Ihrem Artikel fehlt ist eine schlüssige Argumentation mit Zahlen und Informationen, die auch von Laien nachvollzogen werden kann. Einfach Statements in den Raum zu setzen, die nicht nachvollziehbar sind, locken die Gegner aus dem Busch und spielt denen in die Hand. Diese haben es dann einfach, vom Kern Ihres/unseres Anliegens abzulenken und das sind die dringend erforderlichen Massnahmen für die Rettung des Klimas. Diese Ungenauigkeit in der Argumentation ist möglicherweise der Grund, dass viele Mitmenschen zu den Skeptikern des Klimawandels überlaufen oder sich nicht für griffig Massnahmen gewinnen lassen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Guten Tag,

Sie schreiben:
«Laut dem Bundesamt für Umwelt stieg der Ausstoss von Autos und Lastwagen zwischen 1990 und 2008 von 15,48 auf 17,67 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr an.»

Also muesste man 40% unterhalb von 15,48 Millionen Tonnen erreichen oder von 17.67 auf rund 9.3 Millionen Tonnen gegenueber 1990 und das bis 2020? also fast die Haelfte!

Neben einer Steuererhoehung, schreiben Sie, sollte man:
«Das Ziel für die Absenkung des CO₂-Ausstosses von Neuwagen muss auf 120 Gramm CO₂ pro Kilometer festgelegt werden, und nicht wie geplant auf 130 Gramm pro Kilometer.»

Wie rechnet man daraus eine 40% Reduktion aus?

«Zeit für mutige Entscheide. Wie die zwei Beispiele zeigen, ist es möglich, den CO₂-Ausstoss zu reduzieren.»

Warum nicht 0.6*130 gr/km .. das wuerde rund einer 40% Reduktion entsprechen?

Die Antwort ist einfach: Wir wollen das leider nicht so drastisch!

«Eine 40%-Reduktion wäre für die Schweiz auf alle Fälle möglich. Es ist an der Zeit, mutige Entscheide zu treffen und damit wirkungsvollen Klimaschutz zu betreiben.»

Einverstanden. Also wenn wir 40% in den naechsten 10 Jahren und gegenueber 1990 reduzieren wollen ja dann

fangen wir doch einfach an: zum Beispiel jedes Jahr 8% weniger km fahren! Die hoeheren Steuern (z.B. jedes Jahr 10 Rappen mehr? oder besser die ersten 500 Liter Benzin pro Auto so wie heute und alles weitere progressiv besteuern und jedes Jahr mehr!) werden benutzt um Fahrradwege und Freizeit ohne Auto in der naeheren Umgebung, die wieder naturiert wird, zu ermoeglichen.

Das waeren mutige Massnahmen die „keiner“ mit Auto will!

michael

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zitat: “Die Schweiz will nun in den nächsten Jahren den Ausstoss um 20 Prozent reduzieren.”

Frage: wer ist „die Schweiz“? Moritz Leuenberger? Die Autoren dieses Klimablogs? oder sind es deren 7,7 Mio Einwohner?

Eine Umfrage auf 20min.ch hat ergeben dass eine grosse Mehrheit nicht mehr Geld gegen den Klimawandel einsetzen möchte. Nun können sie natürlich die Repräsentativheit dieser Umfrage anzweifeln. So genau wie Claude Longchamp und die Leute von gfs ist die 20min-Umfrage aber allemal!

Ich bin überzeugt dass sobald einschneidende Massnahmen zur Beschränkung der globalen Erwärmung beschlossen werden, in der Schweiz darüber abgestimmt wird. Ich bin sehr zuversichtlich dass das Schweizer Volk weise entscheidet (wie meistens) und sich keinen Bären aufbinden lässt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zitat: „Die Schweiz will nun in den nächsten Jahren den Ausstoss um 20 Prozent reduzieren.“
Das stimmt hat aber folgenden Hintergrund (mindestens von Moritz Leuenberger behauptet): Die Schweiz will die Vorgaben der EU nachvollziehen. Falls diese ein höheres Ziel setzt, soll die Schweiz nachfolgen.
Zitat: „Das Ziel für die Absenkung des CO?-Ausstosses von Neuwagen muss auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer festgelegt werden, und nicht wie geplant auf 130 Gramm pro Kilometer.“
120 oder 130g scheint mir kein grosser Unterschied, auch hier ist es vielleicht sinnvoller der EU zu folgen.
(http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?language=DE&type=IM-PRESS&reference=20081208BRI43933&secondRef=ITEM-002-DE)

Das Modell der linearen schrittweisen Absenkung der CO2-Emissionen, wie es auch von ihnen empfohlen wird (nur halt 40% Reduktion bis 2020 anstatt 20 oder 30%) muss vielleicht generell in Frage gestellt werden.
Bei einem pro Kopf CO2-Ausstoss von unter 1 Tonne CO2/Jahr nach 2050 (angenommener steady-state) sind viele heute eingesetzte Technologien nur Brückentechnologien. Dazu gehört auch der verbrauchsarme Verbrennungsmotor.
Anstatt Brückentechnologien zu fördern, könnte man im Verkehrsbereich auch jetzt schon emissionsfreie Fahrzeuge (http://en.wikipedia.org/wiki/Zero-emissions_vehicle) und emissionsfreien Transport fördern (und z.B. im öffentlichen Verkehr mit Postauto und Bus beginnen).

Dies würde zu einem ganz anderen Ansatz gehören. Anstatt schrittweise Absenkung der CO2-Emissionen anzustreben könnte man ganze Sektoren (Häuser,Fahrzeuge) schrittweise dekarbonieren (vollkommen von CO2-Emissionen befreien).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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