ETH-Klimablog - Politik - Was erwarten nachhaltige Unternehmen von der COP15?

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Was erwarten nachhaltige Unternehmen von der COP15?

16.12.2009 von

«Ask not what your country can do for you, but what you can do for your country!» Im Sinne von J. F. Kennedy will ich die Frage umkehren: Was können nachhaltige Unternehmen beitragen, um die globale Erwärmung in verkraftbarem Rahmen zu halten? Bedeutender Spielraum besteht.

Mit gutem Beispiel voran

Der Innerschweizer Weichkäsehersteller BAER hat ein langfristiges Ziel: die Halbierung des Ressourcenverbrauchs innert zweier Generationen. Das erfordert, pro Jahr die Effizienz um zwei Prozent zu steigern. Seit über 15 Jahren ist BAER mehr als nur auf Kurs. Wer langfristig plant und Schritt für Schritt kleine Massnahmen umsetzt, kann mit vertretbarem Aufwand erstaunliche Effizienzgewinne einfahren.

Andere Firmen überdenken ihre Produkteverpackungen. Denn klug designte Produkte können im Extremfall Teil der Lösung statt Teil des Problems sein. Zum Beispiel wenn die Verpackung Wertstoff ist und zur Bodenbildung beiträgt, sogar ein paar Wildblumensamen eingebaut sind, dann wird Wegwerfen zur Pflicht. Eines der wenigen bisher auf dem Markt verfügbaren sogenannten „Cradle zu Cradle“ Produkte ist der Climatex-Möbelstoff.

Oder eine Firma setzt drehzahlgeregelte Motoren ein. Diese brauchen bis zu 50 Prozent weniger Strom und würden, wenn konsequent eingesetzt, zusammen 20 Prozent des gesamten von der Industrie benötigten Stroms sparen.

Zu wenige Anreize und gehemmte PolitikerInnen

Warum handeln nicht mehr Unternehmen nach diesen Prinzipien? Weil zuwenig Anreize bestehen und weil der Markt nicht bereit ist. PolitikerInnen haben Hemmungen, eine klare Klimapolitik zu verfolgen, weil sie Wettbewerbsnachteile auf den internationalen Märkten fürchten: Die Exportindustrie kann kurzfristig schlechter konkurrieren mit Wirtschaften, welche schwache oder gar keine Auflagen erfüllen müssen.

Wunsch an die Klimakonferenz in Kopenhagen

Hier kommt nun der Wunsch an die COP15: Setzt ehrgeizige, verbindliche Ziele. Schafft den Markt für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. Und handelt schnell. Lieber ein nicht ganz perfektes Resultat, das aber verbindliche Regeln für alle aufstellt. Je später wir ernsthafte Massnahmen ergreifen, desto steiler der Absenkpfad – das macht es umso härter für die Unternehmen.

Und behaltet den eingeschlagenen Kurs bei: Unternehmen brauchen stabile Bedingungen. Dann können sie rechnen, welche Investitionen über die Lebensdauer rentabel sind. Dann können Sie auf den Markt vertrauen und nachhaltige Angebote erfinden, was das Zeug hält. Dann werden sie Geld verdienen und Steuern zahlen und damit die Kosten des Klimawandels mitfinanzieren.

Es mag paradox klingen: Die Unternehmen brauchen heute starke und verlässliche Leitplanken, damit sie nicht später mit unerfüllbaren Forderungen konfrontiert werden. Liebe COP, trau dich, wir werden es dir danken!

Zur Autorin

Gastautorin Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

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