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Klimaschutz in Entwicklungsländern – Wie soll das gehen?

14.12.2009 von

Treibhausgas Reduktionen in Entwicklungsländern sind viel billiger als in der Schweiz. Die Verhandlungen über Details zu deren Finanzierung sind eine der grössten Herausforderungen für die Diplomaten, Unternehmen und NGOs in Kopenhagen.

Hier in Kopenhagen ist die Rolle der Entwicklungsländer das heisseste Eisen im Feuer. Es wurden stolze 28 verschiedene Vorschläge gemacht, wie Massnahmen zur Anpassung an die Erwärmung und zur Reduktion der Treibhausgase dort finanziert werden könnten. Es geht dabei um eine Grössenordnung von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Während zur Anpassung an die Klimaerwärmung vor allem öffentliche Gelder gefragt sind, lassen sich CO₂-Reduktionen auch privat finanzieren.

CO₂-Kompensation in Entwicklungsländern

Der Clean Development Mechansim (CDM) ist ein Instrument für die CO₂-Kompensation, mit dem seit dem Kyoto-Protokoll gearbeitet wird. Projekte in Entwicklungsländern können Reduktions-Zertifikate von der UN erhalten und diese Zertifikate dann auf dem Markt verkaufen. Damit finanzieren letztendlich Firmen in Europa, die ihre Emissionen kompensieren müssen, Projekte in Entwicklungsländern.

Ich konnte in der vergangenen Woche an der Kopenhagener Klimakonferenz die intensiven Diskussionen über die Details einer Reform des Ablaufs des CDM-Prozesses verfolgen. Es steht dabei einiges auf dem Spiel: Seit 2004 wurden dank CDM knapp 3 Milliarden Tonnen CO₂ eingespart (rund 60 Mal der jährliche Ausstoss der Schweiz).

«Faule» Zertifikate verhindern

Das grosse Problem des CDM ist die «Additionalität»: Es muss sichergestellt werden, dass keine Zertifikate ausgestellt werden bei Projekten, die auch ohne CDM zustande gekommen wären. Ansonsten kommen «faule» Zertifikate auf den Markt und es werden insgesamt mehr Treibhausgase freigesetzt. Das macht aufwändige Kontrollen nötig. Aufwändig heisst aber auch teuer, und so werden viele Projekte wegen der strengen Auflagen nicht umgesetzt.

Susanne Häfeli-Hestvik von Tricorona berichtete beispielsweise, dass sie unter anderem statistisch signifikant nachweisen müsste, wie ineffizient die offenen Feuerstellen in Kenianischen Dörfern sind, um ein Projekt mit solarer Wasseraufbereitung umsetzen zu können. Aber die Messungen und Berechnungen sind so teuer, dass ihre Firma mit dem Projekt Verluste machen würde. Damit muss das Projekt vermutlich gestrichen werden – obwohl CO₂ eingespart werden könnte und die moderne Wasseraufbereitung die kochenden Frauen vor lebensgefährlichen Rauchvergiftungen schützen würde.

«Unser Klima, nicht euer Geschäft»

Die UN-Organe und NGOs machen sich jedoch weniger Sorgen darum, dass sinnvolle Projekte an den strengen Vorgaben scheitern, sondern wie «faule» Zertifikate verhindert werden können. Es wurde sogar eigens eine «CDM Watch»-NGO gegründet um den Prozess zu überwachen. Insbesondere seit Grossbanken wie JP Morgan in das Geschäft mit CDM eingestiegen sind, ist das Misstrauen gewaltig. Der Spruch «Our climate, not your business!» («Unser Klima, nicht euer Geschäft!») auf dem Plakat gegenüber unserer Unterkunft in Kopenhagen bringt es auf den Punkt.

CDM ist nur eins von vielen Rädchen in den internationalen Verhandlungen, und dennoch scheint es bereits hier unmöglich alle Parteien an einen Tisch zu bringen und gemeinsam sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Es wird wohl noch lange gehen, bis ein stabiler und effizienter Gesetzesrahmen existiert. Bis dahin muss wohl weiter improvisiert werden. Tricorona jedenfalls hat Interesse gezeigt, eine Zusammenarbeit mit ETH-Studierenden zu prüfen, um die Kosten für solche Messungen zu senken und gleichzeitig meinen Mitstudis zu einer spannenden Masterarbeit zu verhelfen.

Zum Autor

Tim Schloendorn ist Student der Umweltwissenschaften an der ETH Zürich. Letzte Woche weilte er in Kopenhagen und nahm als Gast an der Klimakonferenz teil. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (2) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Es sollte vor allem klar gemacht werden, dass mit CDM keine einzige Tonne CO2 gespart wird. Im Gegenteil, wenn faule Zertifikate im Umlauf sind, dann wird insgesamt sogar mehr emittiert. Denn die genau gleich grosse Menge, die an Zertifikaten gehandelt wird, wird dann bei uns einfach entsprechend mehr ausgestossen, respektive nicht gespart. Heisst bei faulen Zertifikaten: Es wird das doppelte emittiert. Es ist deshalb wichtig, dass Länder die am Handel teilnehmen absolute Reduktionsziele einhalten. CDM ist dann einfach ein Tool, mit welchem die Reduktionen dort gemacht werden können, wo sie am günstigsten sind, was schlussendlich dazu führt, das sich die globalen Preisgefälle etwas glätten. Es sollte aber auf keinen Fall mit einem Instrument verwechselt werden, das irgendwelche CO2-Ausstösse verringert im globalen Saldo!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Die Regeln und Auswirkungen des Emissionshandels sind für mich ein Buch mit sieben Siegeln. So stellen sich mir z.B. folgende Fragen:
– Können die EU-Länder die in Kopenhagen zugesagten jährlichen Milliardenhilfen für die Entwicklungsländer über den Kauf von Emissionszertifikaten durch diese Milliarden praktisch in eine CO2-Reduktion im Ausland ummüntzen und so ihren eigenen Reduktionszielen näher kommen?
– Warum sind gerade Länder wie Deutschland (mit ihrem grossen fossilen Anteil an der Energieerzeugung) am Emissionshandel interessiert? Bietet sich ihnen damit die Möglichkeit die Reduktionsquoten auf jeden Fall zu erreichen, indem sie bei Nichterrreichen im Inland einfach entsprechende Reduktionen im Ausland finanzieren?

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