ETH-Klimablog - Politik - Gouverner, c’est prévoir

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Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

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Gouverner, c’est prévoir

12.12.2009 von

An den gegenwärtigen Klimaverhandlungen in Kopenhagen strebt die internationale Staatengemeinschaft nach gemeinsamen Regeln für die Emission von Treibausgasen und die Finanzierung von Klimamassnahmen nach 2012. Zukunftsfähige Regelungen erfordern genügend Voraussicht, vor allem wenn sie sehr langfristige und unumkehrbare Prozesse betreffen.  «Gouverner, c’est prévoir» sagte der französische Verleger und Politiker Emile de Girardin im 19. Jahrhundert. Jedoch, das Klimaproblem ist äusserst komplex und bedingungslos international. Für eine vorausschauende Politik ist dies eine unvergleichlich schwierige Ausgangslage.

Anspruchsvolle Koordination

Die Basis für die nötige Voraussicht bilden die naturwissenschaftlichen Ergebnisse des Treibhauseffekts, die heute eine äusserst breite aber nicht ganz vollständige Zustimmung finden. Vor allem aber ist die internationale Koordination der Politik generell – und besonders bei Umweltfragen – sehr anspruchsvoll. Die Unterschiede in den Interessen von Industrienationen und weniger entwickelten Länder sowie die Anreize, selber wenig zu tun und von den Leistungen anderer zu profitieren, sind nur zwei von vielen Herausforderungen.

Nutzen und Kosten der Politik

Eine zentrale ökonomische Frage dreht sich um die Nutzen und Kosten von Klimamassnahmen. Die These, dass die Anpassung an einen ungebremsten Klimawandel nur wenig kosten würde, ist weitgehend entkräftet. Die Ansicht, dass Klimapolitik teuer ist, wird hingegen häufig vertreten. Ist sie stichhaltig?
Wichtig ist, dass die Kosten der Politik nicht an einer Entwicklung wie bisher (ohne Klimawirkung) gemessen werden. Die korrekte Referenz ist die Entwicklung bei ungebremster Klimaänderung, die gemäss Stern-Report Kosten in der Höhe von einigen Prozenten des Welteinkommens verursachen würde.
Weiter gilt: Weder aus der Theorie des Wirtschaftswachstums noch aus dem internationalen Vergleich von Ländern kann gefolgert werden, dass ein hoher Energieverbrauch für das wirtschaftliche Wachstum unabdingbar ist. Auch in Ländern mit hoher Auslandsverflechtung hängt das Wachstum vorrangig von den Investitionen und den Innovationen ab, die wiederum stark vom Humankapital und der Qualität der Institutionen geprägt sind.

Effizienz nur bei Kostenwahrheit

Es ist eine grundlegende Erkenntnis, dass eine Marktwirtschaft nur dann effiziente Resultate hervorbringt, wenn die Marktpreise die gesamten Kosten abbilden. Das bedeutet, dass Umweltleistungen nicht gratis sind sondern einen angemessenen Preis haben sollten. Es braucht ein neues Preisregime, das mit geringen Anpassungskosten erreichbar ist, wenn die Marktmechanismen voll genutzt werden. Gerade wer von der Leistungsfähigkeit der Märkte überzeugt ist, sollte davon Abstand nehmen, die Anpassung an ökologische Erfordernisse als übermässig teuer, unerwünscht oder gar unmöglich zu bezeichnen. Während der Anpassung ergäben sich auch keine Lücken auf den Märkten – zum Beispiel bei der Energieversorgung -, denn Preisanpassungen führen den Ausgleich von Angebot und Nachfrage herbei.

Freiheit und Rahmenbedingungen

Auch wenn eine konsequente Klimapolitik für die Wirtschaft gut verkraftbar ist, bleibt die Frage nach den Möglichkeiten der individuellen Lebensgestaltung. «Tout le monde parle de progrès, et personne ne sort de la routine» lautet dazu der eingängige Satz von de Girardin. Gemäss liberaler Auffassung soll das Individuum frei entscheiden können. Aber die individuellen Entscheidungen müssen auf Rahmenbedingungen beruhen, die durch eine vorausschauende Politik gesetzt werden.

Zum Autor

Lucas Bretscher ist Professor für Ressourcenökonomie an der ETH Zürich. Er nimmt zurzeit als Mitglied der Schweizer Delegation an der Klimakonferenz in Kopenhagen teil. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (14) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Hallo Herr Schwab,

> Da bin ich nach wie vor anderer Meinung. Einmal von meinem
>unerschütterten Glauben in den Markt und den Fortschritt
>(an dem ich festhalte wie an einer Religion, von dem Sie aber zu Recht
>sagen, dass man nicht damit rechnen kann) abgesehen denke
>ich, dass zumindest bei uns ein Umdenken stattgefunden hat.

ich habe diesen „Glauben“ schon lange verloren. Eigentlich nach dem lesen von etlichen Buechern wie „Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahre 1972 sowie dem erlernen der „exponential funktion“ aber wie waere es ein paar Hypothesen fuer die naechsten Jahre zu formulieren um den „Glauben“ zu testen..

mit besten Gruessen
Michael

ps.. aus der Einsicht ueber den nicht vorhandenen Einfluss auf das Geschehen der naechsten Jahre ..

man kann versuchen die Rolle eines Beobachters (vom Mars aus) zu uebernehmen. Dann wird das ganze sogar noch „spannend“! Versuchen sie es mal..

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Herr Dittmar

Osterinseln:
Ich meinte nur es könnte sein, dass es keine bessere Alternative gab, weil man die Fische zu überleben brauchte und auch verhungert wäre, wenn man keine Schiffe gebaut hätte. Aber das ist etwas spekulativ, weil ich ja nicht weiss wie viel ihnen der Wald zum leben hergegeben hätte und auch nicht weiss, ob der Wald wirklich wegen Übernutzung verschwunden ist (das könnte ja auch einen anderen Grund haben).

Indianer:
Also, dass das letztlich aus einer Haltung resultiert ist, die nicht auf Nachhaltigkeit bedacht war (sondern auf Wachstum) stimmt schon. Also in dem Zusammenhang kann man das dann auch so stehen lassen. Es ist mir aber wichtig festzustellen, dass man diesen Genozid nicht direkt mit dem heutigen, friedlichen Wirschaftswachstum in Europa und den USA vergleichen kann.

die USA (und die Welt) eine Osterinsel in dem Sinn, dass wir nicht fähig sind darauf zu reagieren:
Da bin ich nach wie vor anderer Meinung. Einmal von meinem unerschütterten Glauben in den Markt und den Fortschritt (an dem ich festhalte wie an einer Religion, von dem Sie aber zu Recht sagen, dass man nicht damit rechnen kann) abgesehen denke ich, dass zumindest bei uns ein Umdenken stattgefunden hat. Ich habe schon den Eindruck, dass die Privaten und auch gewisse Unternehmen (bei uns und in den USA) mehr auf ökologische Fragen achten als früher.
Also deshalb, wenn Sie schon fast zu müde für Ihren Einsatz fürs Klima sind, so können Sie sicher müde aber glücklich und beruhigt sein.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sollten wir den Klimablog der ETH nicht in der englischen Sprache weiterführen?
Die Klimafrage ist eine globale Frage und interessiert die ganze Welt. Ich weiss, die Sprachdebatte in der Schweiz ist ein wichtiges Thema.
Damit wir mit Klima-Blogs wie Climate Matters @ Columbia oder Real Climate mithalten können, sollten wir auf die englische Sprache wechseln.
Die Internet-Community ist eine globale Community. Wir sollten uns mit unseren Beiträgen nicht nur auf die Schweizerische und Deutsche Leserschaft beschränken.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

>die Indianer:
>das kann man so glaub nicht stehen lassen. Da ging es um >territoriales Wachstum. Das geht mehr unter den Punkt Macht >und Recht, aber dieser Genozid hat mit dem heutigen >Wirtschafts-wachstum (momentan leider negativ) in Europa und >den USA denke ich nicht viel zu tun.

Naja also die Idee „fuer sieben Generationen“ zu planen
hatte mit dem folgenden Genozid nichts direkt zu tun.
Sondern eher mit dem Gedanken „Nachhaltig“ zu leben.
Das die Europaer einen ganzen Kontinent zum pluendern
und besiedeln gefunden haben war schon eine Folge
davon! Nun sind die meisten „Baeume“ auch dort gefaellt
und fast alles wird heute in die USA importiert trotz
fast unendlich vieler ehemaliger Resourcen.
Angefangen beim Oel.. (alles verbraucht).
Eben eine grosse Osterinsel!

>die Osterinseln:
>Meinen Sie, dass die zu viel Holz für ihre Schiffe verwendet >haben? Na ja, das stimmt so wohl schon.
ja so in etwa!

>Aber wäre die Alternative gewesen, nicht fischen zu gehen und >zu verhungern. unsere Wirtschaft, so wie sie jetzt funktioniert >und auch viele Private haben auch schlicht eine günstige Energie >nötig.
Das Ergebnis des „nichthaltigen Lebens“ war ja gerade
das verhungern. Die Unfaehigkeit auf das Problem zu reagieren..
genau wie heute!

>Nur geht es nicht um den Erhalt des Lebens sondern meistens >darum, einen bescheidenen aber hart erarbeiteten Wohlstand >aufrecht zu erhalten.

Tja wer hoeher den Berg hinauf gekommen ist
(unter Muehen) muss auch viel weiter runter…
Und das Gewitter ist schon recht nahe!

>Das Paradoxe an der Situation ist ein bisschen, dass gerade jene >die für Einschränkungen plädieren oftmals selbst von diesen >profitieren (und es beim eigenen Energieverbrauch auch nicht >immer so genau nehmen). Ich meine nicht Sie, aber was ist mit >Al Gore und Joschka Fischer oder die ganze Kopenhagener Elite >… ? Man ist für das Dosenpfand und den Klimarappen aber fliegt >in der Welt umher. Der kleine Mann, der das Auto für die >tägliche Arbeit braucht und sich keine luxuriöse, >umweltfreundliche Heizung leisten kann soll das dann mit seinen >Steuern zahlen.

ja einverstanden und jetzt?

Wir muessen etliche „Fliegen“ mit einer Klappe treffen..
und ich bin „schon fast zu muede dafuer!“

Wo anfangen ..

beim Aufklaeren ueber die Probleme
angefangen vom Bevoelkerungswachstum bis zum
unsinningen Ueberkonsum mit all den Folgekosten!

michael

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

die Indianer:
das kann man so glaub nicht stehen lassen. Da ging es um territoriales Wachstum. Das geht mehr unter den Punkt Macht und Recht, aber dieser Genozid hat mit dem heutigen Wirtschafts-wachstum (momentan leider negativ) in Europa und den USA denke ich nicht viel zu tun.

die Osterinseln:
Meinen Sie, dass die zu viel Holz für ihre Schiffe verwendet haben? Na ja, das stimmt so wohl schon. Aber wäre die Alternative gewesen, nicht fischen zu gehen und zu verhungern.

unsere Wirtschaft, so wie sie jetzt funktioniert und auch viele Private haben auch schlicht eine günstige Energie nötig. Nur geht es nicht um den Erhalt des Lebens sondern meistens darum, einen bescheidenen aber hart erarbeiteten Wohlstand aufrecht zu erhalten. Das Paradoxe an der Situation ist ein bisschen, dass gerade jene die für Einschränkungen plädieren oftmals selbst von diesen profitieren (und es beim eigenen Energieverbrauch auch nicht immer so genau nehmen). Ich meine nicht Sie, aber was ist mit Al Gore und Joschka Fischer oder die ganze Kopenhagener Elite … ? Man ist für das Dosenpfand und den Klimarappen aber fliegt in der Welt umher. Der kleine Mann, der das Auto für die tägliche Arbeit braucht und sich keine luxuriöse, umweltfreundliche Heizung leisten kann soll das dann mit seinen Steuern zahlen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Herr Schwab

zur individuellen Freiheit:
>“die hoert natuerlich immer da auf wo andere gefaehrdet
>werden!” Einverstanden, nur ist das oft eine Ermessensfrage.
>Gewisse Regelungen über Luft, Wasser, Umwelt sind für mich
>schon in Ordnung – aber die haben wir ja schon lange. Es ist im
>Grunde nur eine Ermessensfrage wie weit man da gehen will
>und ob man die jetzt im Alleingang plötzlich und drastisch
>verschärfen soll?

Ja richtig und jetzt? Wenn die „Regelung“ nicht ausreicht.. dann muessen eben staerkere Regelungen kommen!

>Auch wenn “profit now, pay later” etwas verkürzt ist würde ich
>schon meinen, dass man auch berücksichtigen muss, welche
>wirtschaftlichen Auswirkungen das heute hat. Vielleicht finden
>Sie das grobfahrlässig, aber als careful student of history sollte
>man wissen, dass “profit now, pay later” besser funktioniert als
>“we look altogether for the next 7 jears (and all are equal)”.

Ich hatte von 7 Generationen gesprochen. Ansonsten als „Student of History“ sollte man lange Zeitraeume betrachten und das mit der „sustainability“ Frage in Verbindung bringen.

Wie waere es mit der Geschichte der Osterinseln? oder dem Genocid gegen die Ureinwohner der
neuen Welt? (ist uebrigens noch nicht zu Ende Amazon zum Beispiel).

„Profit now“ funktioniert immer besser? wirklich? Die Geschichte ist voll vom Gegenteil! Nur wenn man kurze Zeitraeume des Wachstums anschaut bekommt man den Eindruck es wird immer besser..

>Daran ändert wohl bei einer gesamthaften Betrachtungsweise
>auch die Bankenkrise nicht viel.

Glauben sie wir werden uns in 10-20 Jahren fuer die enorme Staatsverschuldung bedanken?

Nehmen wir nur Argentinien als Beispiel fuer das was die logische Konsequenz ist!

>Ok, vielleicht haben wir dann inskünftig mal ein Energie- oder Klimaproblem…

und dann?

>aber der Kommunist wollte alle Probleme im vornherein
>erkennen und lösen und ist kläglich gescheitert.

Wollte er das wirklich? Oder ging es nur darum eine Elite gegen eine andere zu ersetzen? Der Wachstumsgedanke ist fest im Marxismus verankert. Die Erkenntnis einer Erde mit Grenzen aber nicht!

>Zur globalen Regulierung – ja, da vermischt sich Recht (Unrecht)
>und Macht (Machtlosigkeit) manchmal wirklich stark. Das ist
>zwar nich nicht gerecht, aber gibt es ein besseres System?

Eine Antwort waere vielleicht „Think globally act locally“.

>Ich fände es auch schön, aber kann man sich das überhaupt
>theoretisch ausdenken. Letztlich hängt recht und macht immer
>eng zusammen!

Genau das Recht wird von den Maechtigen zu „Recht und Unrecht“ gemacht.

>Ob es einen Klimawandel gibt und ob der menschverursacht ist:
>Also ich weiss es ja auch nicht, aber warum dürfen sich jetzt die
>Befürworter dieser These näher bei den Beobachtungen wähnen
>als die Gegner?

Ich wuerde sagen die Summe der wissenschaftlichen Fakten entscheidet! oder .. man braucht ja nur durch das Fernglas des Galileo zu schauen..

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

zur indiduellen Freiheit:
„die hoert natuerlich immer da auf wo andere gefaehrdet werden!“ Einverstanden, nur ist das oft eine Ermessensfrage. Gewisse Regelungen über Luft, Wasser, Umwelt sind für mich schon in Ordnung – aber die haben wir ja schon lange. Es ist im Grunde nur eine Ermessensfrage wie weit man da gehen will und ob man die jetzt im Alleingang plötzlich und drastisch verschärfen soll?

Auch wenn „profit now, pay later“ etwas verkürzt ist würde ich schon meinen, dass man auch berücksichtigen muss, welche wirtschaftlichen Auswirkungen das heute hat. Vielleicht finden Sie das grobfahrlässig, aber als careful student of history sollte man wissen, dass „profit now, pay later“ besser funktioniert als „we look altogether for the next 7 jears (and all are equal)“. Daran ändert wohl bei einer gesamthaften Betrachtungsweise auch die Bankenkrise nicht viel. Ok, vielleicht haben wir dann inskünftig mal ein Energie- oder Klimaproblem, aber der Kommunist wollte alle Probleme im vornherein erkennen und lösen und ist kläglich gescheitert.

Zur globalen Regulierung – ja, da vermischt sich Recht (Unrecht) und Macht (Machtlosigkeit) manchmal wirklich stark. Das ist zwar nich nicht gerecht, aber gibt es ein besseres System? Ich fände es auch schön, aber kann man sich das überhaupt theoretisch ausdenken. Letztlich hängt Recht und Macht immer eng zusammen!

Ob es einen Klimawandel gibt und ob der menschverursacht ist:
Also ich weiss es ja auch nicht, aber warum dürfen sich jetzt die Befürworter dieser These näher bei den Beobachtungen wähnen als die Gegner?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Herr Schwab,

hier noch ein paar Gedanken zu unserer Diskussion.
>Der Punkt, dass es mit Zukunftsprognosen immer etwas schwierig >ist, ist aber dadurch meines Erachtens nicht entkräftet.

Einverstanden .. das bedeutet nur wir muessen einfach noch viel
vorsichtiger beim Handeln sein!
(zb sieben weitere Generationen duerfen nicht benachteiligt
werden! .. brauchen Sie eine Quelle dafuer?)

>Zu Ihrem Vergleich mit den Gewitterwolken muss ich fast ein >bisschen polemisch antworten. Also ich würde wahrscheinlich >umkehren, aber ich möchte nicht, dass mir der Staat >Wanderungen verbietet, weil mal Gewitterwolken aufziehen >können.

Ist keine polemische Antwort (jedenfalls nicht im negativen Sinne)
sondern ein sehr wichtiger Punkt!

Warum verbieten wir Heroin aber nicht den Alkohol?

Als Antwort wuerde ich sagen gilt..

Es gibt viele (mich eingeschlossen) die glauben mit
dem Alkohol vernuenftig umgehen zu koennen. Dagegen ist
es bei „harten Drogen“ praktisch unmoeglich!
(Beide Aussagen stimmen vielleicht nicht!).

Zur individuellen Freiheit ..
die hoert natuerlich immer da auf wo andere gefaehrdet werden!

Also Alkohol Verbot im Stadion, zu hohes Tempo
auf Strassen, Rauchverbot in oeffentlichen Gebaeuden etc

>Ich glaube, da haben wir grundsätzlich andere Auffassungen.

Nein glaube ich gar nicht mal (siehe obige Punkte).
>Für mich sollte der Staat nur das friedliche Zusammenleben >zwischen den Menschen sicherstellen und sich darüber hinaus >aus dem Privatleben der Bürger raushalten.

Ja richtig und gerade deshalb sollte der Staat
knappe Gueter wie sauberes Wasser, Luft eine gesunde Umwelt
etc kontrollieren und regeln!

Was ist bei weltweiten Problemen?
Tja wir haben keine Instanzen die das regeln koennen oder wollen
und deshalb geht es bei den „Grenzen des Wachstums“
mehr nach „der staerkere hat Recht“ mit den logischen
Konsequenzen.

>Hingegen sprechen dann historische und reale Erfahrungen wie >jene des prognostizierten (und nicht eingetroffenen) >Waldsterbens

Was ist das Problem mit dem Waldsterben.
Gerade in der Schweiz kommt dieses Argument in den letzten
Monaten andauernd.

Der saure Regen war und ist ein riesen Problem und das Blei im
Benzin auch. Wir haben in Europa noch mal „Glueck“ gehabt

weg von Kohle sowie der Kollaps der Sowjetunion
und deren ex „Kolonien“. Damit sind zwar viele Menschen
arbeitslos geworden .. aber nicht bei uns!
Benzin ohne Blei hat auch noch viele andere Vorteile.

>oder die Geschichte um Climate Gate sowie die
>Tatsache, dass es auch Forscher gibt, die keinen >menschverursachten Klimawandel sehen, eher dagegen.

Ja und? Denken Sie an Galileo
damals haben auch viele „Wissenschaftler“ gegen ihn argumentiert. Heute kommt man nur nicht mehr auf den Scheiterhaufen .. (im Moment und bei uns!)

>Ferner sind natürlich die wirtschaftlichen Aspekte auch zu >berücksichtigen.

Genau wenn unsere ganze Wirtschaft vor die Hunde geht
weil wir uns nicht auf die Probleme vorbereiten.

Siehe Banken..

michael
ps..
Geschwindigkeitsbegrenzungen ..
in den USA wurden sie wegen der 1. Oelkrise eingefuehrt
und man hat sie vernuenftiger Weise aus vielen anderen
Gruenden beibehalten! Unfaelle gehen deutlich zurueck

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Michael Dittmar und Martin Holzherr

es ist schon spannend auch noch etwas über den friedenspolitischen Kontext der Zitate zu erfahren. Danke. Der Punkt, dass es mit Zukunftsprognosen immer etwas schwierig ist, ist aber dadurch meines Erachtens nicht entkräftet.

Zu Ihrem Vergleich mit den Gewitterwolken muss ich fast ein bisschen polemisch antworten. Also ich würde wahrscheinlich umkehren, aber ich möchte nicht, dass mir der Staat Wanderungen verbietet, weil mal Gewitterwolken aufziehen können.

Die etwas sachlichere Frage lautet, ob und was die „classe elitaire politique“ gegen den prognostizierten Klimawandel unternehmen soll und was sie lieber den Bürgerinnen und Bürgern überlässt. Ich glaube, da haben wir grundsätzlich andere Auffassungen. Für mich sollte der Staat nur das friedliche Zusammenleben zwischen den Menschen sicherstellen und sich darüber hinaus aus dem Privatleben der Bürger raushalten. Dies auch zum Argument, dass die Massnahmen auch sinvoll sein, wenn der Klimawandel nicht kommt. Ich bin der Meinung, das sollte jeder selber entscheiden.

Jetzt stellt sich da natürlich die Frage, ob da der Klimawandel eine Ausnahme sein soll? Einerseits gibt es schon Gründe dafür, und zwar einfach das prognostizierte Ausmass der Schäden und dass diese nicht nach dem Verursacherprinzip auf der Welt verteilt werden sowie die Endlichkeit mancher Ressourcen.

Hingegen sprechen dann historische und reale Erfahrungen wie jene des prognostizierten (und nicht eingetroffenen) Waldsterbens oder die Geschichte um Climate Gate sowie die Tatsache, dass es auch Forscher gibt, die keinen menschverursachten Klimawandel sehen, eher dagegen. Ferner sind natürlich die wirtschaftlichen Aspekte auch zu berücksichtigen.

Die Entscheidungen zu überdenken, wenn es neue Erkenntnisse gibt wäre eine gute Idee. Aber wir haben seit dem Waldsterben unsere Geschwindigkeitsbeschränkungen und diese seither nicht aufgehoben. (Obwohl die Autos nicht nur schneller, sondern auch sicherer wurden und auch die physikalischen Gesetze durchaus ein flotteres Tempo ermöglichen.)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Andreas Schwab

Ich hoffe sie stimmen mir zu, man sollte Zitate nicht aus dem Zusammenhang reissen oder sie auf die Konsistenz mit der Person pruefen.

Also zu Rutherford: http://www.rutherford.org.nz/biography.htm
Rutherford was one of the first to determine that the energy involved in the radioactive decay of an atom was millions of times that of a chemical bond and he was the first to be convinced that the energy was internal to all atoms. In 1916, during the dark days of World War I, Rutherford stated that there was then no way that the energy of the atom could be extracted efficiently and he personally hoped that methods would not be discovered until man was living at peace with his neighbours.

zu Einstein und da koennte/sollte man unendlich viel schreiben
http://www.doug-long.com/einstein.htm
A short article on the front page of the New York Times contained his view: „Prof. Albert Einstein… said that he was sure that President Roosevelt would have forbidden the atomic bombing of Hiroshima had he been alive and that it was probably carried out to end the Pacific war before Russia could participate.“ („Einstein Deplores Use of Atom Bomb“, New York Times, 8/19/46, pg. 1).

und hier:
http://www.princetonhistory.org/museum_alberteinstein.cfm
Einstein opposed the use of the atomic bomb; he urged the United States to demonstrate the weapon to foreign governments rather than use it on an actual target. He was at the forefront of the campaign waged by atomic scientists beginning in the mid-1940s to educate the public and the leaders of the world about the implications of nuclear energy and the absolute necessity of not developing nuclear weapons. As late as the spring of 1955, Einstein worked with Bertrand Russell to launch a project to start a worldwide movement among scientists to reverse the Cold War trend toward nuclear war.

Zu
>Insbesonder(e) sollen sie meine Meinung zum Ausdruck bringen,
>dass der Staat nun nicht aufgrund von Zukunftsprognosen über
>das Ziel hinaus schiessen sollte.

Also nochmal: Was machen Sie wenn in den Bergen in Gewitterwolken aufziehen? Umdrehen?

Zu unserem Thema: eine rationale und vorsichtige Politik basiert Entscheidungen auf dem heutigen Stand der Wissenschaft und laesst zukuenftigen Generationen die Freiheit selber zu entscheiden.

Wenn es neue Erkenntnisse gibt kann man die Entscheidungen ueberdenken!

Was „wir“ heute machen ist genau das Gegenteil
„profit now pay later“
oder wir prassen und die anderen sollen die versalzene Suppe ausloeffeln!

Ist das ihre Freiheit?

Michael

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@Andreas Schwab
Ihre Skepsis gegenüber Zukunftsprognosen teile ich weitgehend.

Die Bedeutung einer Entdeckung oder Entwicklung wird zuerst meist nicht erkannt und das Wissen, das hinter einer Prognose steckt, stellt sich im Nachhinein als ungenügend heraus.

Das wird wohl auch bei den Klimaprognosen der Fall sein.

Andererseits gibt es auch viele Beispiele, dass
Menschen bevorstehende Konflikte (Kriege z.B.) vorausahnen.
Viele (Intellektuelle, Schrifstellter, Politiker)
haben den ersten Weltkrieg erwartet und den zweiten als
unvermeidlich empfunden.
Heute haben immer mehr Menschen das Gefühl, dass wir uns immer schneller vorwärtsbewegen und schon bald aus der Kurve getragen
werden könnten. Die Massnahmen, die der Klimaschutz fordert,
wie mehr Energieeffizienz, Reduktion der Abhängigkeit von
fossilen Brennstoffen, Schutz der Wälder sind meiner Ansicht
nach alle sinnvoll, selbst wenn die Klimaprognosen meilenweit
daneben liegen würden.

Die nächste Haarnadelkurve kommt bestimmt,
anstatt aufs Gaspedal zu treten sollten wir etwas Vorsicht
walten lassen.

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Einfach ein paar Zitate, die zum denken anregen sollen. Insbesonder sollen sie meine Meinung zum Ausdruck bringen, dass der Staat nun nicht aufgrund von Zukunftsprognosen über das Ziel hinaus schiessen sollte. Ich habe diese Zitate alle von http://www.maxeiner-miersch.de/dumm_gelaufen.htm. Dort gibt es noch mehr davon.

„Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Atomenergie jemals nutzbar sein wird“
Albert Einstein
Quelle: http://www.futurestudies.co.uk

„Die Atomforschung wird nie zur Nutzung von Kernenergie führen.“
Der britische Kernphysiker Ernest Rutherford in den 30er Jahren

„Während es Kohle noch für Jahrtausende gibt, gibt es Öl nur noch für wenige Jahrzehnte. Die verschiedenen Schätzungen der Vorräte ergeben kein übereinstimmendes Bild, aber dass die vereinigten Staaten in höchstens 20 Jahren kein Öl mehr haben werden, steht fest.“
Anton Zischka in „Ölkrieg“, erschienen in Leipzig 1939

„Die … Luftverschmutzung könnte die globale Temperatur um
mehr als drei Grad sinken lassen … ausreichend, um eine Eiszeit auszulösen.“
Stephen Schneider, Klimatologe (der später von einer katastrophalen globalen Erwärmung überzeugt war) in der Zeitschrift Science, 1971

„Meteorologen sind uneins über die Ursache und das Maß der Abkühlung. Aber sie sind fast einstimmig der Ansicht, dass dieser Trend die landwirtschaftliche Produktivität für den Rest des Jahrhunderts verringern wird.“
Aus Newsweek, 1975
Quelle: Tagesspiegel 29.12.1997

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Ich habe je länger je mehr den Verdacht, der Klimawandel sein nur ein Vorwand um mehr Geld für Entwicklungshilfe freizumachen.

Statt fragwürdiger CO2-Kompensation sollte man direkt beim Verbrauch von fossilen Energieträgern ansetzen. Wieso nicht eine Steuer auf Rohöl? Dies würde den Preis erhöhen und damit die Nachfrage bremsen. Um das zu verstehen muss man nicht Hayek sein!

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gemäss welcher liberalen Auffassung müssen die idividuellen Entscheidungen auf Rahmenbedingungen beruhen, die durch eine vorausschauende Politik gesetzt werden.

Ich denke kaum, dass die Väter des Liberalismus (der schottische Moralphilosoph Adam Smith oder der Ökonom Friedrich August von Hayek etc.) auch dieser Auffassung waren. Aber ehrlich gesagt weiss ich es nicht und bin gespannt, ob mich jemand belehren kann.

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