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Kohlendioxid und Erwärmung: Wie viel ist zu viel? (Teil 1)

29.11.2009 von

2°C, 1.5°C, 20% CO₂-Reduktion bis 2020? Falls Sie (wie viele andere auch) vor lauter Zahlen das Ziel nicht mehr sehen, dann ist es Zeit für ein paar Erklärungen.

Was ist das Ziel?

Den meisten Vorschlägen zur CO₂-Reduktion liegt die Idee zu Grunde, dass es eine Schwelle für gefährliche Auswirkungen des Klimawandels gibt, die wir nicht überschreiten wollen. Als Folge davon müssen wir den Temperaturanstieg stoppen und die Temperatur stabilisieren oder sogar absenken. Eine stabile Temperatur bedeutet stabile CO₂-Werte in der Luft und damit eine Reduktion der menschengemachten Emissionen auf fast null. Das am häufigsten diskutierte Ziel ist eine Erwärmung von höchstens 2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit (etwa 1850). Über hundert Staaten haben sich dazu bekannt. Die Allianz kleiner Inselstaaten (OASIS) fordert 1.5°C aufgrund der Bedrohung durch den Meeresspiegelanstieg. Andere Organisationen (350.org) fordern eine Stabilisierung der CO₂-Werte unter 350 ppm (parts per million).

Wie ich in der heutigen NZZ am Sonntag diskutiere, erfordert das Bestimmen eines solchen Ziels Werturteile und eine Abwägung von Risiken, Kosten und Nutzen, die über eine rein wissenschaftliche Analyse hinausgehen. Daher ist es naheliegend, dass verschiedene Interessensgruppen zu unterschiedlichen Resultaten kommen.

Wie viel CO₂ für 2°C?

Die neusten Berechnungen zeigen, dass wir für den Zeitraum von 2000-2050 rund 1000 Milliarden Tonnen CO₂ ausstossen können, um wahrscheinlich unter 2°C Erwärmung zu bleiben (ETH Life-Artikel). Von diesem CO₂-Budget haben wir von 2000 bis 2008 schon einen Drittel verbraucht. Weltweit müssten die Emissionen bis 2050 damit mehr als halbiert werden. Für die Industrieländer bedeutet dies eine Reduktion von 25-40% bis 2020 (gegenüber 1990) und 80-95% bis 2050.

Die momentane Verhandlungsposition der Schweiz ist eine 20%-Reduktion bis 2020, mit der Möglichkeit einer 30%-Reduktion, falls alle anderen Staaten entsprechende Ziele haben.

Tun wir zu wenig?

Die Ziele, die für Kopenhagen auf dem Tisch liegen, sind tatsächlich ungenügend, um ein 2°C-Ziel zu erreichen (Beitrag im ProClim-Flash). Greenpeace hat am Donnerstag eine neue Studie veröffentlicht, die zeigt, dass 2°C auch nicht möglich sind, falls alle Länder die Politik der Schweiz verfolgen würden (Infos zur Studie, Beitrag im 10vor10). Eine Erwärmung von 3°C wäre wahrscheinlich.

An der Studie gibt es wissenschaftlich nichts auszusetzen. Sie nimmt jedoch an, dass zukünftige Generationen von 2020 bis 2100 die gleichen Reduktionen (in Prozent pro Jahr) realisieren wie wir. Die Rechtfertigung dafür ist kein wissenschaftliches sondern ein gesellschaftliches Argument: die Gerechtigkeit zwischen Generationen. Wir dürfen unsere Anstrengungen nicht auf unsere Nachkommen abschieben.

Fazit

Viele sind sich über das Ziel von 2°C einig, und wir wissen, wie wenig CO₂ wir uns noch erlauben können. Aber kaum jemand ist bereit, genügend rasch zu handeln. Welches Land muss wie viel reduzieren? Wer bezahlt für die Entwicklungs- und Schwellenländer? Welchen Teil des Problems bürden wir der nächsten Generation auf? Dies werden die Streitpunkte sein, die ein «Wunder von Kopenhagen» unwahrscheinlich machen.

Zum Autor

Reto Knutti ist Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (19) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Ernst Beck
Zusammengefasst sagen sie:

Der Kohlenstoff-Kreislauf befindet sich weiterhin in einem dynamischen Gleichgewicht und die anthropogenen CO2-Emissionen stören dieses Gleichgewicht nicht wesentlich.

Der CO2-Anstieg in der Atmosphäre (nachgewiesen z.B. durch Mauna-Lea Messstation http://de.wikipedia.org/wiki/Messstation_Mauna_Loa) wäre dann rein reaktiv (z.b. Übertritt von CO2 aus dem Ozean in die Luft wegen globalem Temperaturanstieg).

Wie wollen sie das beweisen? Wären die drei geplanten CO2/Methan-Messsatelliten (Microcarb,OCO,Ibuki (schon in Betrieb)) dafür geeignet.
Im übrigen mündet der Artikel (http://scienceblogs.com/illconsidered/2009/06/revisiting_the_source_of_the_o.php) den ich ihnen schon angegeben habe in der Formel:
Zunahme von atm.CO2
+ Zunahme ozeanisches CO2
= anthropogene CO2-Emissionen.
Ist diese Formel falsch?

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Sehr geehrter Herr Holzherr,
Sie haben das Problem nicht verstanden, es gibt keine CO2 Zunahme seit 200 Jahrhunderten.
Außerdem gehorcht das CO2 Gleichgewicht LeChatelier.

mfg egb

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Sehr geehrter Herr Knutti,
können Sie mir, einem Meteorologen, als Klimaphysiker erklären, was Klimaphysik ist und wie CO2 mit seinen Absorptionslinien bei 15 Mikrometern, die IR-Strahlung der Erde, deren Maximum bei 10 Mikrometern (bei 288 K) liegt, absorbieren kann? Zeigt sich diese Unmöglichkeit nicht täglich bei klaren Strahlungsnächten, insbesondere über Schneeflächen?

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@Ernst Beck
Sie liegen falsch:
Beim atmosphärischen CO2 geht es nicht um absolute Werte, sondern um Veränderungen. Es gibt einen CO2-Kreislauf. Die Situation ist vergleichbar mit einem Gefäss, mit einem Auslauf unten und einem Zufluss oben. Wenn der Zufluss zunimmt (menschlicher Einfluss) der Abfluss aber gleich bleibt kommt’s zum Ueberlauf. Niemand bezweifelt übrigens, dass die atmosphärische CO2-Konzentration von 280 ppm zur vorindustriellen Zeit auf jetzt 338 ppm angestiegen ist und dass diese Zunahme auf das Konto des Menschen geht. Hier eine hilfreiche Web-Adresse:
http://scienceblogs.com/illconsidered/2009/06/revisiting_the_source_of_the_o.php

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Sehr geehrter Herr Knutti,

Sie diskutieren innerhalb des Fehlerbereichs unseres Wissens.

Die Atmosphäre enthält ca. 750 GT CO2 +- 5%.
Die anthropogenen CO2 Emissionen bewegen sich laut IPCC bei ca. 3% im Vergleich zu den natürlichen, die geologischen Ausgasungen (Subduktion, Kalksteinverwitterung, Oxidation von Oberflächenkohle und der CO2 Eintrag in die Meere nicht mitgerechnet. Die airborn fraction ist laut neuster Studie seit 150 Jahren konstant.
Wie Sie als Naturwissenschaftler Zahlen innerhalb des natürlichen Rauschens diskutieren kann ich nicht nachvollziehen.
Es ist nötig aus der politischen initiierten Massenneurose zu erwachen und die naturwissenschaftlichen Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. Ansonsten ist eine wissenschaftliche Diskussion zwecklos.

Mit freundlichen Grüßen
Ernst Beck

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Sehr geehrter Herr Knutti,

es ehrt Sie ja schon dass Sie einleitend schreiben. „…(den) Vorschlägen zur CO₂-Reduktion liegt die Idee zu Grunde, dass es eine Schwelle für gefährliche Auswirkungen des Klimawandels gibt.“ Also eine Idee, den Einfall, die Vorstellung, vielleicht auch nur den Glauben, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Also: Keine Theorie, noch weniger eine physikalisch schlüssige Theorie, noch viel weniger eine durch experimentelle Nachweise als zutreffend bewiesene Theorie.

Wie ist es denn nun tatsächlich mit der Brauchbarkeit der Vorstellung, dass mehr CO2 in der Atmosphäre zur Erwärmung führen sollte? Es sollte eigentlich leicht nachvollziehbar sein, dass wir die lebensfreundlichen Temperaturen in unseren Lebensräumen, so in 0….2000 m über NN den strahlungsaktiven Bestandteilen der Luft, also auch dem CO2, zu verdanken haben. Dass Leben in der Form, wie das menschliche und auch das tierische funktioniert, funktionieren kann, nämlich bei Temperaturen, bei denen Eiweiß nicht denaturiert wird, bei Fehlen strahlungsaktiver Bestandteile, also der Spurengase wie z.B. auch CO2, in der Folge zu hoher Temperaturen nicht möglich wäre, ist offenbar noch keine allgemein verbreitete Erkenntnis. Es ist zwar bekannt, dass ein erheblicher Teil der Wärmezufuhr für die Atmosphäre über Konvektion vom durch die Sonneneinstrahlung erwärmten Erdboden stattfindet. Und dass, sollte die Atmosphäre keine Strahlung emittieren können, diese der Atmosphäre zugeführte Wärme für immer in der Atmosphäre bliebe. (Denn wärmere Luft ist stets leichter als kältere, unten, direkt über dem Erdboden läge allenfalls eine wenige cm hohe kühlere Luftschicht, die ihre Wärme auch wieder durch Berührung an den Erdboden abgegeben hätte. Aber da bliebe diese Schicht dann auch liegen). Und dass, solange die Atmosphäre kühler wäre als die heißeste Stelle der Erdoberfläche bei stärkster Sonneneinstrahlung (meine eigenen Messungen deuten auf mehr als 80°C hin), stets weiter Wärme in die Atmosphäre eingetragen würde. Bis schlussendlich die Atmosphäre überall etwa diese 80°C erreicht hätte. Aber dann wären wir alle tot, wären dem Hitzetod erlegen.

Mir ist es bis heute nicht klar, wie denn Wissenschaftler in/an wirklichkeitsnahen Lehranstalten, und dazu rechne ich die ETHZ, diese eigentlich sehr einfachen Zusammenhänge nicht erkennen können und stattdessen von Erwärmung bei Anstieg des CO2-Gehaltes der Atmosphäre sprechen können.

Einzig und allein von Wichtigkeit bezüglich der Wärmeabgabe aus dem System Erde/Atmosphäre ist die Frage, ob und ggf. wie sich bei einem erhöhten CO2-Gehalt der Luft die Abstrahlungsverhältnisse, also der Wärmeaustrag, aus diesem Gesamtsystem verändert. Und hierzu kann ich nach Betrachten der einschlägigen Diagramme, in der Fachliteratur sind diese veröffentlicht, nur erkennen: Offenbar ändern sich diese Verhältnisse nicht. Allerdings ist darin auch zu erkennen, dass CO2 allenfalls von völlig untergeordneter Bedeutung ist. So gut wie allein ausschlaggebend bezüglich Wärmeabstrahlung aus der Atmosphäre sind der Wasserdampfgehalt und die Bewölkung.

Ja, und in Kopenhagen sprach man über 1,5°C oder 2°C Temperaturanstieg, ohne jedoch – wie hier ausgeführt – das System des Wärmeein-und -austrags der Atmosphäre auch nur ansatzweise verstanden zu haben.

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Sehr geehrter Herr Knutti
Und wenn es die Klimatologen – wenn überhaupt – einmal schaffen den Nachweis zu erbringen, dass das CO2 ganz wenig etwas mit der Erderwärmung zu tun hat, steckt die ETHZ bös in der Sackgasse.
Im Bereich Bauen und Energie hat die ETHZ nämlich alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann.
Mir fällt es nach jahrzehntelangen, nutzlosen Intervention bei den Schweizerischen Bildungsinstituten leicht zu postulieren, dass man, hätte man vor 35 Jahren auf mich gehört, heute die Hälfte an Heizenergie verbrauchen würde.
Das aber, sehr geehrter Herr Knutti, lässt sich physikalisch, mathematisch sowie vom Experiment und im Vergleich in der Realität eindeutig beweisen.
Ich habe den Eindruck, dass die Klimasimulierer der ETHZ etwa über die gleichen Qualitäten verfügen, wei jene Abteilungen, welche sich weigern Energie-Verbrauchs-Analysen durchzuführen.
Da helft die nachfolgende Aussage auch nicht weiter:
Sehr geehrter Herr Bossert
Wir haben schon mehrfach miteinander kommuniziert.
Es sind inzwischen keine neuen Gesichtspunkte aufgetaucht
und daher sehe ich kein Bedürfnis nach weiteren Gesprächen.
mit freundlichen Grüssen
Ralph Eichler
Herr Knutti, das Klimadebakel muss sofort enden!
Mit freundlichen Grüssen

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Hallo Herr Knutti,
Sie schreiben:
“IPCC schätzt die Menge an Kohle, die mit heutiger Technologie zu heutigen Preisen abgebaut werden kann, über 200 mal so gross wie der jährliche Verbrauch“

Wenn man diese eine Seite zu den Resourcen anschaut, kann man sich eigentlich nur wundern. Total veraltete und inzwischen eigentlich falsche Zahlen gehen in die IPCC Berichte zu den Resourcen ein. Auf einer einzigen Seite wird eins der heissesten Themen der zukuenftigen Oel und nergieversorgung abgehandelt. Und zwar so als ob in den letzten 10-20 Jahren fast nichts passiert waere. Inzwischen spricht ja sogar die IEA (die international energy agency) von einem supply crunch beim Oel. Die Oel Preise sind explodiert mindestens ein Faktor 4 hoeher als die Erwartungen der benutzten Studien aus den 90iger Jahren.

Aber egal, die “200 Jahre abbaubare Kohle” ist das was man auch sonst so findet! (ob sie stimmt und wann der Kohle Peak beim Abbau erreicht wird ist eine andere Frage)

Was Sie und viele andere scheinbar bei dieser Zahl von 200 Jahren Reichweite uebersehen…
200 Jahre gelten bei heutigem Verbrauch und ohne Wachstum (es handelt sich um eine statische Reichweite).
Aber gut jetzt sollte man bedenken bei heutigem Verbrauch in etwa
40% Oel (statische Reichweite 40 Jahre)
25% Kohle (200 Jahre)
23% Gas (60 Jahre)
ok?
Wenn Sie Oel und gas durch Kohle ersetzen wollen, rein vom Energieinhalt, ja dann kann muss man also den heutigen Kohleverbrauch schon mal deutlich erhoehen!
also von 25% heute auf entsprechend 63%+25%
also sagen wir mal 3!
damit sinken unsere 200 Jahre schon auf 65 Jahre
(kann man auch genauer rechnen wenn man will!)
Sie schreiben
>Kohle kann in flüssige und gasförmige Brenn- und Treibstoffe >umgewandelt werden.
Richtig mit welchem Wirkungsgrad? Und in welcher Menge?
aber um nur mal grob die Zahlen zu nehmen:

wenn man Kohle als Ersatz fuer Oel nehmen moechte dann kann man erst mal nen Faktor 2-3 Verlust fuer die Verfluessigung ansetzen und dann, ja dann bleiben von den 200 Jahren gerade mal 20-30 Jahre uebrig! Und wir haben noch nicht mal etwas zum jaehrlichen Wachstum von 2% gesagt (1% Wachstum der Bevoelkerung).
Jetzt denken sie an das Problem
Peak Oil, Peak Gas und Peak Kohle (ueber Peak Uran und Kernspaltung koennte man hier auch ne ganze Menge sagen aber lassen wir das beim CO2 Problem lieber weg) also die maximal abbaubare Menge pro Zeiteinheit ist das was eine Rolle spielt.
Also Peak Oil scheint mehr oder weniger da zu sein. (vermutlich 2008!).
Peak Gas, auch nicht mehr weit weg und ob die Russen es uns einfach so geben ist fraglich!
Ja und dann wieviel Kohle wollen sie in der Schweiz realistisch verbrennen um das Oel Problem in den Griff zu bekommen und wo soll diese Kohle herkommen?
mit besten Gruessen
Michael

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Kohle kann in flüssige und gasförmige Brenn- und Treibstoffe umgewandelt werden. Mit Kohle kann man Strom produzieren, und mit Strom kann man z.B. auch Wasserstoff produzieren.

IPCC schätzt die Menge an Kohle, die mit heutiger Technologie zu heutigen Preisen abgebaut werden kann, über 200 mal so gross wie der jährliche Verbrauch (http://www.ipcc.ch/ipccreports/sres/emission/index.php?idp=71).

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Hallo Herr Knutti,
sie schreiben:
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Die Idee, dass uns die fossilen Energieträger bald ausgehen, ist falsch. Es gibt wahrscheinlich nicht mehr sehr viel Oel, aber sehr viel Kohle.
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Ja genau und wieviel Kohle kann man ohne die Oel-Infrastruktur abbauen?

Und wieviel Kohle gibt es wirklich die man mit gutem EROEI abbauen kann und wo?

ganz so einfach ist das eben nicht!

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Wie wir dieses Jahr gezeigt haben (http://www.iac.ethz.ch/people/knuttir/papers/meinshausen09nat.pdf Balken in Figur 3), sind die bekannten und mit heutiger Technologie und Kosten zugänglichen Mengen an fossilen Energieträgern zwei bis dreimal grösser als wir uns von 2000-2050 für ein 2°C Ziel erlauben könnten.
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mag sein, aber wie soll eine Gesellschaft wie im heutigen Europa eigentlich ohne Oel, Gas funktionieren.

Und, in West-Europa wieviel Kohle bleibt eigentlich?

>Mit besserer Technologie und der Bereitschaft, für Energie mehr >zu bezahlen, sind die Reserven noch deutlich grösser.

Aus physikalischer Sicht sollte man eher nach dem EROEI Energy Return over Energy invested fragen!
Das Geld kann man fuer ein paar Jahre einfach drucken und auf einmal verschwinden ein paar 1000 Milliarden..

Oder man bekommt eine Monster Inflation.

michael

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Ein paar Klarstellungen und Ergänzungen:

Positive Rückkopplung und Runaway Effekt (unkontrollierte immer weiter steigende Erwärmung) sind nicht dasselbe. Die Rückkopplungen durch Wasserdampf, Wolken etc. sowie diejenigen im Kohlenstoffkreislauf (Abnahme der Effizienz in der Kohlenstoff Aufnahme von Ozean und Biosphäre) verstärken die Erwärmung, aber führen nicht zu einem Runaway Effekt. Die Konzepte dazu werden zum Beispiel im Appendix von Bony et al. 2006 (http://pubs.giss.nasa.gov/docs/2006/2006_Bony_etal.pdf) diskutiert, finden sich aber schon weit früher, z.B. bei Hansen et al. 1984 (http://pubs.giss.nasa.gov/docs/1984/1984_Hansen_etal_1.pdf). Ein Institut für Regelungstechnik braucht es also nicht, ein Lehrbuch über Klimaphysik genügt.

Die Theorien von Richard Lindzen zum Iris Effekt (die Idee, dass sich die Temperatur der Erde durch Wolken selber regelt, ähnlich wie sich die Iris des menschlichen Auges schliesst wenn es hell ist) sowie seine Hypothesen von netto negativen Rückkopplungen sind durch wissenschaftliche Publikationen widerlegt worden. Wie wir kürzlich in einem Review Artikel (http://www.iac.ethz.ch/people/knuttir/papers/knutti08natgeo.pdf) gezeigt haben, ist die Erwärmung als Resultat der Rückkopplungen etwa dreimal so gross wie ohne (beste Schätzung 3°C statt 1.1°C für eine Verdopplung von CO2).

Die Verwirrung darüber, ob sich CO2 oder Temperatur in der Eiszeit zuerst geändert hat, wurde schon beliebig oft diskutiert und ist hier im Detail erklärt: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/04/the-lag-between-temp-and-co2/

Die Idee, dass uns die fossilen Energieträger bald ausgehen, ist falsch. Es gibt wahrscheinlich nicht mehr sehr viel Oel, aber sehr viel Kohle. Wie wir dieses Jahr gezeigt haben (http://www.iac.ethz.ch/people/knuttir/papers/meinshausen09nat.pdf Balken in Figur 3), sind die bekannten und mit heutiger Technologie und Kosten zugänglichen Mengen an fossilen Energieträgern zwei bis dreimal grösser als wir uns von 2000-2050 für ein 2°C Ziel erlauben könnten. Mit besserer Technologie und der Bereitschaft, für Energie mehr zu bezahlen, sind die Reserven noch deutlich grösser.

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@Hr. Dittmar:

Eine gute Übersicht über Climategate ist: http://wattsupwiththat.com/climategate/
Es ist allerhand zu lesen, aber jedenfalls zeigte sich, dass an der Hadley Climate Unit alles andere als seriöse Forschung betrieben wurde. Es wurden auch Andersdenkende dabei behindert zu publizieren und dass ihre Berichte beim IPCC berücksichtigt wurden. Daten wurden manipuliert und es wurde „cherry-picking“ betrieben. Und genau diese Leute stehen hinter Realclimate.
Wenn Sie es jetzt runterspielen wollen: Es ist sinnlos, Phil Jones ist heute verübergehend zurückgetreten, also ist nicht „nichts“ passiert.

Richtig, mit den fossilen Roshstoffen muss man sparsam umgehen. Peak Oil ist mir bewusst. Und nun macht man wegen der Kimaforscher folgendes:
Man baut Kohlekraftwerke, bei denen das CO2 abgetrennt wird, wodurch der Wirkungsgrad der Kohlkraftwerke *sinkt* wodurch die Kohle *weniger lange* hält. Ebenfalls schützt man die Natur, indem man die Landschaft mit Windmühlen verschandelt. Konsens im Jahre 2009 des Herrn.

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Hallo Herr Simo Häyhä

>Seit dem Climategate wissen wir, wie die Leute dahinter so >arbeiten. Wir wissen es sogar sehr genau.
Zum Beispiel?

Aber eigentlich interessieren mich „Posten gerangel“ Probleme nicht. Klar gibt es sowas auch in der Wissenschaft, leider! Und so what? Ich koennte Ihnen viele Stories dazu erzaehlen.

Trotzdem, worauf es ankommt ist die wissenschaftliche Methode Hypothesen aufstellen, Daten analysieren, Hypothese testen etc ..

Also: shoot the message (if you can) not the messenger!

CO2 ist ein Treibhausgas wissen wir schon lange. Und wir wissen warum es in der Atmosphaere ansteigt und zwar dramatisch. Was koennten die schlimmsten Folgen davon sein? Wollen wir das riskieren? Sollte man das genauer untersuchen? Viele Fragen.

Aber, manchen wir uns keine Illusionen Versprechungen zu Co2 Reduktionen im Jahr 2020 oder 2050 oder was immer sind bis jetzt nichts anderes als Versprechungen!

Was den CO2 Anstieg limitieren wird sind die begrenzten Resourcen insbesondere and Oel und Gas. Ja, genau das magische Wort ist Peak oil (insbesondere beim Export) uns seine Konsequenzen. Gerade fuer stark import abhaengige Laender. Kennen sie so ein Land?

Warum die Klimaforscher die limitierten Reserven, insbesondere beim Oel, ignorieren ist eine gute Frage! Vielleicht kriegen wir ja noch mal eine Antwort darauf!

Aber so oder so, wir sollten lernen „so gut wie moeglich und ohne uns die Koepfe einzuschlagen“ mit weniger zu leben. Bevor wir dazu durch die Natur gezwungen werden.

mit besten Gruessen

Michael

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@ Hr. Dittmar

Nein, WSJ ist kein wissenschaftliches Magazin, sind seine Aussagen deshalb weniger wert? Er publiziert übrigens auch in wissenschaftlichen Magazinen. Den WSJ-Link habe ich nur reingestellt, weil er sehr aktuell ist.
Interessant, dass Sie gerade etwas von Realclimate verlinken. Seit dem Climategate wissen wir, wie die Leute dahinter so arbeiten. Wir wissen es sogar sehr genau.

„Welche Daten bezweifeln sie?“ Ich habe selten Probleme mit Daten (ausser bei Hockeysticks und dergleichen), ein grosses Problem habe ich mit deren Interpretation. In jetzigen Fall mit dem angedeuteten Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2.

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Herr Simo Häyhä schreibt:
Z.B. gibt es ja den Klimawissenschafter Prof. S. Lindzen, der gerade einen Artikel im Wallstreet-Journal veröffentlicht hat:
http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703939404574567423917025400.html

WSJ ist nicht gerade ein Journal fuer wissenschaftliche Artikel oder?

Eigentlich wurden die Daten zur Klimaerwaermung jetzt schon mehrmals in diesem Blog vorgestellt.

Welche Daten bezweifeln sie?

Ansonsten falls es von Interesse ist gibt es eine Antwort zu den Thesen von Prof. Lindzen.
(und ja man koennte auch einfach mal versuchen zum Thema und den Thesen von Prof Lindzen pro und contra auf dem Internet zu suchen (also zu googlen) und sich dann eine eigene Meinung bilden.)

http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/04/lindzen-in-newsweek/

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@Roman Hüppi und Simo Häyhä
Dass alle Klimawissenschaftler und alle Politiker zu den Ursachen des Klimawandels und der Dringlichkeit von Massnahmen zum gleichen Schluss kommen, ist nicht zu erwarten. Professor Knutti vertritt den breiten Konsens was die Frage der Ursache angeht, kennt aber bestimmt auch ernsthafte Gegenargumente.
Selbst wenn man daran zweifelt, dass der Mensch die beobachtete Klimaerwärmung verursacht, kann man die wichtigste Massnahme, die sich aus der These der engen Koppelung zwischen Anstieg von Treibhaushasen und globaler Erwärmung ergibt, nämlich den Verzicht auf fossile Energiequellen durchaus mittragen, gibt es doch viele Gründe von den fossilen Brennstoffen wegzukommen.

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Doch zurück zum Artikel von Herrn Knutti:

Herr Knutti schein recht genau zu wissen, wieviel CO2 in der Atmosphäre was für eine Temperatur bewirken.

Wie schon hier im Blog diskutiert, ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, damit auch schön alle das Gleiche denken können, wie von Herrn Hüppi gefordert.

Da besteht ja immer noch das Problem mit dem historischen Zusammenhang zwischen CO2 und Temperatur. Einen Hinweis auf diesen Verlauf während der letzten Eiszeiten geben ja die Eisbohrkerne. Diese zeigen ja, dass jeweils die Temperatur ansteigt, und dann erst der CO2-Gehalt (durch Ausgasung des gelösten CO2s im Meer). Wenn die Temperatur wieder absinkt, sinkt auch der CO2-Gehalt. Die Verläufe sind schön parallel. Dies könnte man nun als Beweis werten, dass das CO2 so gut wie keinen Einfluss auf die Temperatur hat. Jedoch haben wir im ersten Artikel (resp. in den Kommentaren) gelernt, dass angeblich zuerst die Temperatur etwas ansteigt, wodurch CO2 ausgast, was zu einem weiteren Temperaturanstieg führen soll.
Dieser Effekt nennt sich positiver Feedback und wird zur Erklärung von jeglichem Katastrophenszenario benutzt (z.B. Schmelzen der Eisschilder).
Jetzt haben wir aber ein Problem mit diesem Mechanismus, denn wenn es so wäre, dann wäre die Erwärmung ein Runaway-Prozess, d.h. er könnte nicht mehr stoppen und zweitens wäre er irreversibel, d.h. es hätte am Ende der Interglaziale nicht mehr kälter werden können. Was machen wir jetzt?
Nun, das Institut für Mess-und Regeltechnik könnte die Lehrbücher umschreiben, dann würde wieder Konsens herrschen.
Ein zweites Problem ist, dass es starke Hinweise darauf gibt, dass die Summe der Feedbacks durch eine Erwärmung negativ ist. Z.B. ein Professor Lindzen behaptet dies und er belegt dies sogar durch Messung der Abstrahlung der Erde mithilfe von Satelliten.
Was kann man hier machen? Die Lösung hier ist, dass man solche Leute einfach ignoriert, und schon haben wir wieder den Konsens.
Eine Alternative dazu wäre, Herr Knutti würde den Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2-Gehalt und evtl. Feedbacks mal genau erklären. Wichtig dabei wäre:
-Die Vorgänge während der Eiszeit müssen damit erklärt werden
können
– Das Institut für Mess- und Regeltechnik muss es verifizieren

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„obwohl wir einen breiten Konsens der zahlreichen Experten im Land haben“

Herr Hüppi, das kann schon stimmen. Leider gibt es im Ausland diesen Konsens nicht. Z.B. gibt es ja den Klimawissenschafter Prof. S. Lindzen, der gerade einen Artikel im Wallstreet-Journal veröffentlicht hat:

http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703939404574567423917025400.html

vielleicht ist der ja nicht so klug wie die Schweizer Forscher, oder er ist Mitglied einer Partei „im eher rechte Spektrum“.
Oder vielleicht denken sie im Ausland, dass eine einheitliche Meinung des ganzen Volkes nicht nötig ist. Gut leben wir in der Schweiz, wo wir auf ein Ziel hin arbeiten: Dass alle Leute das Gleiche denken. Vielleicht sollte man da mit drastischeren Massnahmen nachhelfen, sonst gibt es immer Querschläger, die einfach denken was sie wollen, besonders im „eher rechten Spektrum“. Und damit können wir definitiv nicht leben.

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Wenn das nur alle in der Politik überhaupt so sehen würden. Gemäss Klimapositionspapier (2009) einer Schweizer Partei im eher rechten Spektrum findet die Klimaerwärmung nicht wirklich statt, seit 1998 habe sich die Temperatur in der Schweiz nicht mehr erhöht, Schwankungen habe es schon immer gegeben, gemäss IPCC seien die Unsicherheiten sehr gross, das Meer wurde seit 2003 nicht mehr wärmer … da verbietet man doch lieber Minarette
Das grundlegende Verständnis des immensen Problems fehlt scheinbar vielen wichtigen Entscheidungsträger – und mit ihnen wahrscheinlich weiten Teilen der Bevölkerung.
Meiner Meinung nach ist es auch die Aufgabe der (staatlich finanzierten) Wissenschaftler das Verständnis des Problems sicherzustellen. Bei besonders hartnäckigen Kritiker mit grossem Einfluss müssten die ETH-Experten doch aktiv den Dialog mit diesen Leuten suchen. Es es geht mir nicht um die politischen Folgerungen sondern um das reine Verständnis. Es darf nicht sein dass eine einflussreiche Partei in ihrer offiziellen Position zum Klima die mensch-verursachte Erwärmung verneint, obwohl wir einen breiten Konsens der zahlreichen Experten im Land haben. Diesen Missstand zu klären schulden wir Wissenschaftler doch der Schweiz.
Besten Dank für diese wohl etwas mühsame Überzeugungsarbeit.

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