ETH-Klimablog - Energie - Mobilität: Möglichkeiten & Grenzen der Technik

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Mobilität: Möglichkeiten & Grenzen der Technik

25.11.2009 von

Aussagen zum Temperaturanstieg und dessen Auswirkungen möchte ich den Klimaforschern überlassen. Als Maschineningenieur suche ich Lösungen, wie wir den Problemen der schwindenden fossilen Energiereserven und der zunehmenden Schadstoff- bzw. CO₂-Belastung der Atmosphäre begegnen können.

Nachdem ich mich nun doch schon einige Jahre mit diesen Fragen beschäftigt habe, bin ich zum Schluss gelangt, dass grosse Fortschritte in Naturwissenschaften und Technik notwendige Voraussetzungen sind, um Lösungen zu finden, aber sie werden – leider – nicht ausreichen. Wir werden nicht darum herumkommen, uns grundsätzliche Fragen zu unserem Lebensstil und zu unserem Umgang mit der Natur zu stellen. Zudem hat unsere Welt noch einige andere Probleme, welche zum Teil mit der Klimaproblematik verschränkt sind:

  • eine Milliarde Menschen hungern heute;
  • Krieg, Gewalt und Unterdrückung sind in vielen Weltregionen der Alltag;
  • die Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Biodiversität schreiten unaufhaltsam voran;

und die Liste liesse sich fortsetzen.

Was tun?

Was also tun? Depressiv werden? Die letzten ruhigen Jahre auf dem Raumschiff Erde bei Champagner in der Pianobar geniessen, oder versuchen Gegensteuer zu geben? Das Letztere natürlich! Und das bedeutet meiner Meinung nach:

  1. Eine ehrliche und nüchterne Analyse der Situation und der in absehbarer Zeit zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten, wobei nur eine globale Optik unter Einbezug der ökonomischen Gesetzmässigkeiten zielführend ist.
  2. Eine klare Kommunikation der Resultate dieser Analyse – auch wenn Tabus dabei gebrochen werden müssen – und daraus abgeleitet eine breite Debatte welche Massnahmen zu ergreifen sind.
  3. Mutige Entscheidungen und konsequente Umsetzung dieser Beschlüsse, auch wenn sie «schmerzhaft» sind.

Das tönt alles gut, ist aber völlig unverbindlich, ich weiss. Also werde ich etwas konkreter.

«Schmerzlose» Lösungen sind gewünscht

An Vorträgen und Diskussionen spüre ich oft den Anspruch des Publikums an mich, doch endlich «schmerzlose» Lösungen zu präsentieren. Auf Autos bezogen heisst das: eine komfortable Limousine mit den Fahrleistungen eines Sportwagens, der Crashsicherheit eines Panzers, dem Treibstoffverbrauch eines Rasenmähers und den Kosten eines Kleinwagens. Es ist aber klar, dass diese Erwartungen sich nicht alle gleichzeitig erfüllen lassen. Viele Menschen hoffen, dass ein Wunder geschehen wird und dass die Wasserstoffwirtschaft, die Biotreibstoffe, die Elektrofahrzeuge, die ……… (hier bitte Ihren Lieblingsansatz einfüllen) alle Probleme lösen werden. Alle diese Ansätze können helfen, eine magische Lösung sind sie aber leider nicht.

Technischer Fortschritt allein genügt nicht

Autos mit einem Alltagsverbrauch von 4 l Diesel pro 100 km kann man heute schon kaufen. Aber eben: eher klein, nicht gerade günstig und mit bescheidenen Fahrleistungen. Wir werden Fortschritte machen. Aber wenn wir es ernst meinen mit dem «2 l pro 100 km»-Auto müssen wir vernünftiger werden. Und zwar eben nicht nur die paar zehntausend Überzeugten, sondern die einigen hundert Millionen heutigen und zukünftigen Autokäufer. Aber damit wären wir wieder bei der oben gemachten Aussage: Gute Technik ist eine notwendige aber nicht hinreichende Voraussetzung.

Zum Autor

Lino Guzzella ist Professor für Thermotronik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (1) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Herr Professor Guzzella,
ihre Arbeit an der ETH ist ja relevant für die Technologie, die uns auf den Klimawandel reagieren lässt. Und die Arbeit vieler anderer ist ebenso relevant. Klimawandel-Mitigation könnte man als Riesenprojekt analog etwa dem Large Hadron Collider-Projekt auffassen, in dessen Dienst tausende von Forschern und Technikern ihre Arbeit setzen. Und die Arbeiten am CERN haben ja zu ganz neuen Formen von Kooperation (z.B. über das Internet) und zu neuen Formen der Publikation (etwa Gemeinschafts-papers, an denen dutzende von Autoren beteiligt waren) geführt.
Wird auch bei der Klimamitigation so ein verschworener, einem Ziel gewidmeter Gemeinsamkeitsgeist entstehen? Wohl kaum, denn hier betrifft das Problem alle, nicht nur die „interessierten“ Leute. In gewissen Sinn müssen wir auf ein Wunder hoffen, aber nicht auf ein technisches, sondern auf ein menschliches, nämlich die Bereitschaft aller auf ein Ziel hinzuarbeiten oder es mindestens nicht zu torpedieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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