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Die Geister, die wir riefen …

20.11.2009 von

Ein gewisser Klimawandel ist schon unabwendbar geworden, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, ob wir Klimaschutz betreiben oder nicht. Es ist unzweifelhaft wärmer geworden. Seit 1906 ist die Temperatur weltweit im Mittel um 0,74°C angestiegen. Im Norden fallen mehr, im Süden weniger Niederschläge. Extreme Wetterereignisse wie Trockenheit, Starkniederschläge und Hitzewellen treten häufiger auf.

Was der bisherige Klimawandel schon alles angerichtet hat

In der Schweiz sind währenddessen die Temperaturen etwa doppelt so stark angestiegen, um 1,5°C. Juli 2006, Herbst 2006 und April 2007 waren viel zu warm. Und da war noch der aussergewöhnlich heisse Sommer 2003. Er führte zum völligen Austrocknen von Bächen und Flüssen und hat alleine im Monat August insgesamt 35’000 Menschen das Leben gekostet. Menschen, die sonst nicht gestorben wären. Die Landwirtschaft Europas erlitt Ertragseinbussen und Verluste von 13 Milliarden Euro. Das waren alles Witterungen, die Jahrtausendereignisse darstellen, und man kann sagen, dass die vom Menschen verursachte Erwärmung hier mitbeteiligt war.

Überall auf der Welt schmelzen die Gletscher. Die wenigen, die zulegen, sind die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Sie liegen an Orten, wo die Niederschlagszunahme zu mehr Schnee führt. Weltweit hat die Schneedeckenfläche abgenommen. Permafrost taut auf und bedroht viele Infrastrukturen. So musste z.B. in der Schweiz die Stieregghütte kontrolliert abgebrannt werden, nachdem 2005 unmittelbar vor der Hütte etwa eine halbe Million Kubikmeter Felsmaterial zu Tale gedonnert ist (Bild).

Pflanzen blühen und reifen zu aussergewöhnlichen Zeitpunkten. Aussaat und Ernte von Getreide erfolgen früher. Zugvögel ziehen später weg und kehren früher zurück. Durch Trockenheit haben Brände in Häufigkeit und Fläche zugenommen, so in Spanien, Griechenland, Kalifornien, Australien und Kanada. Wegen milden Wintern können Borkenkäfer riesige Gebiete befallen und die Bäume abtöten. Zum Glück gibt es auch Positives zu vermelden: Im Norden nimmt die land- und forstwirtschaftliche Produktivität tendenziell zu. Bei geeigneten Anpassungsmassnahmen, wie z.B. Bewässerung, lassen sich auch bei uns vorerst (!) die landwirtschaftlichen Erträge noch etwas steigern. Währenddessen zeigen jedoch Kulturpflanzen wie Weizen, Mais und Reis in Entwicklungsländern schon jetzt verminderte Erträge.

Diese Beispiele sind keine Einzelerscheinungen. Der letzte Bericht des UNO-Klimarats belegte mit 577 Studien (28’671 Datenreihen), dass 94% der physikalischen und 90% der biologischen Systeme seit 1970 eine merkliche Reaktion auf Erwärmung zeigten.

Und was bringt die Zukunft?

Für Aussagen zur Zukunft brauchen wir Modelle. Diese zeigen: Auch wenn wir über Nacht vernünftig würden und den Treibhausgas-Ausstoss auf einen Schlag auf fast null senken, würde sich die Erde weiter erwärmen. Unabhängig davon, ob die Menschheit nun in Kopenhagen oder danach ein griffiges Klimaschutzabkommen beschliesst. Soviel Klimawandel scheint unabwendbar zu sein.

Wir haben die erste Hälfte dieser unabwendbaren und scheinbar minimalen Erwärmung schon erlebt und können ahnen: Vermutlich stehen uns mindestens nochmals doppelt so viele Auswirkungen bevor. Zusätzlich gilt zu bedenken: Nicht nur der Klimawandel, auch die Folgewirkungen treten verzögert auf. Wir haben also noch keineswegs alle Folgewirkungen der bisherigen Erwärmung verspürt. Wie lässt Goethe den Zauberlehrling ausrufen? «Die ich rief, die Geister, werd‘ ich nun nicht los!»

Zum Autor

Andreas Fischlin ist Professor für Systemökologie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (11) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Hans Geiger
Zitat
Ohne Experimente – die ja in der Klimaforschung nur bedingt möglich sind – fehlt ein wichtiges Mittel der Falsifikation.
Der oben erwähnte Skandal bezieht sich auf das Problem, dass in den letzten 10 Jahren die Temperatur nicht gestiegen ist. Dafür ist mehr Arktiseis geschmolzen usw. Der vom IPCC untersuchte Klimawandel hat sich ja in sehr kurzer Zeit -gemessen an früheren klimatischen Phänomenen – vollzogen. Ein Zeitraum von 10 Jahren ist geologisch gesehen nichts. Das ist ein neues Problem für die Menschheit. Die meisten heute lebenden Menschen erleben die prognostizierten Auswirkungen in der vollen Stärke nicht mehr, müssen aber jetzt aktiv werden. Auch die jetzt lebenden Klimaforscher suchen nach Indizien, die von Jahr zu Jahr bestätigt werden. Das ist sehr menschlich, aber nicht ganz passend zu den Zeiträumen mit denen es wir zu tun haben.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Es scheint mir etwas peinlich, wenn ich heute, am 24. November 2009 Sätze lese wie diesen: „Der letzte Bericht des UNO-Klimarats belegte mit 577 Studien (28′671 Datenreihen), dass 94% der physikalischen und 90% der biologischen Systeme seit 1970 eine merkliche Reaktion auf Erwärmung zeigten“. Hat niemand im „Spiegel“ vom vom 22. November gelesen, dass 160 Megabyte an Informationen über Manipulationen an Daten und Meinungen der Klimaforschung, die sich über 13 Jahre erstrecken, im Internet publiziert wurden. Was immer am Schluss dieses Skandals , der nicht mehr unter der Decke gehalten werden kann, an Wahrheit herauskommt. Einen Vorwurf muss sich die Zunft der empirischen Klimaforscher gefallen lassen. Sie hat das Abgrenzungskriterium der Falsifikation (Karl Popper) für empirische, wissenschaftliche Aussagen aufgegeben zu Gunsten der Verifikation. Gleichzeitig werden Wissenschafter verteufelt, welche versuchen, die gängige Theorie zu wiederlegen, zu falsifizieren. Der Schaden für das Ansehen der empirisch-wissenschaftlichen Forschung ist enorm. Es ist an der Zeit, dass sich die Klimaforscher ernsthaft mit ihren Forschungsgrundsätzen auseinander setzen.

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Was das von Martin Holzherr angesprochene Düngen der Meere betrifft, konnte ich die damals aufkommende Diskussion auch nicht verstehen und nur mit dem Kopf schütteln. Entweder wir sind bereit uns dem Klimawandel zu stellen, dann müssen wir aber auch manche Konvention über Bord werfen und dürfen in unsren Grundlagenforschung keine Scheu davor haben zu experimentieren, denn anders haben viele derer, welche wir heute als wissenschaftliche Universalgenies bezeichnen, ihre grundlegenden und nachhaltigen Ergebnisse nicht erreicht. Oder wir verhalten uns ganz naturgemäß und stecken wie ein Vogelstrauß unsere Köpfe in den Sand und harren der Dinge, welche der Klimawandel uns bringen wird.

Als denkender Mensch, und zu solchen werden sich die meisten, welche sich hier in diesem Blog engagieren, zugehörig fühlen, wäre ein solches Verhalten nicht mit ihrer Vernunft und Verstand vereinbar. Daher sollten wir nichts unversucht lassen, auch wenn seine Wirkung im ersten Moment nur amrginal erscheint; aber besser wir fangen jetzt an und können auf lange Sicht viel erreichen, als genötigt zu werden viel erreichen zu müssen, wenn es bereits zu spät ist.

Um das ganze auf eine wissenschaftlich-mathematisch, verständlichen und nachvollziehbaren Nenner zu bringen: Bilden wir die Kosten für den Klimawandel ab und berechnen daraus die Grenzkosten dann ist es evident, daß der Kostenaufwand zunimmt und zum Schluß der Aufwand zur Erreichung eines weiteren Prozentpunktes unverhältnismäßig teuer wird. Daher ist es nicht nur rein ökonomisch sondern auch unvernünftig bis zu „der“ rettenden Maßnahme zu warten, denn dann werden wir sie uns vermutlich gar nicht mehr leisten können.

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Die Erde wird sich weiter erwärmen, auch wenn wir sämtliche Treibhausgas-Ausstoss auf einen Schlag stoppen (was wir ja nicht tun). Also müssen wir uns an den Klimawandel anpassen. Dies wurde bereits weiter oben angesprochen.
Dies bedeutet für mich auch, dass wir alle Scheuklappen was mögliche Massnahmen gegen den Klimawandel angeht, ablegen sollten. Auch Geoengineering sollte in Betracht gezogen werden. Ich weiss nicht ,wie das die IPCC-Mitglieder sehen und bewerten, nehme aber wahr, dass Organisationen wie Greenpeace sich sogar gegen kleinere Experimente (wie die Eisendüngung im antarktischen Ozean) wehren – mit dem Argument, man wolle echte Massnahmen hintertreiben. Einige der vorgeschlagenen Geoengineering-Methoden wie beispielsweise das Marine Cloud Whitening (Vermehrung der marinen Bewölkung) wären finanziell sehr günstig. Allerdings bezweifeln viele auch den behaupteten Effekt (auf Detals will ich nicht eingehen). Dies wäre für mich allerdings umso mehr ein Grund wissenschaftlich begleitete Versuche durchzuführen. Man würde dann auch mehr über die Reaktion des Klimasystems auf externe Stimuli erfahren. Im Unterschied zu den Teilchenphysikern können Klimawissenschaftler ja keine Versuche durchführen. Ihre Aussagen sind deshalb weniger abgesichert. Dass dies die Klimawissenschaftler selbst auch wissen, zeigt zum Beispiel die rege Messtätigkeit einiger Wissenschaflter als im Vorfeld zur Olympiade in Peking mehrere Kohelkraftwerke abgestellt wurden. Es gibt auch die Meinung, die Arbeit der Klimawissenschaflter sei nun getan, jetzt müsse gehandelt werden.
Es muss sicher gehandelt werden, die wissenschaftlichen Erkentnisse müssen aber auch vertieft und weiter abgesichert werden.

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Um diese Diskussion wieder auf mein eigentliches Thema zurückführen, nämlich dass ein gewisser und keineswegs unerheblicher Klimawandel samt seinen Auswirkungen unabwendbar geworden ist (für die Schweiz ~2.7°C Erwärmung gegenüber vorindustriell): All diejenigen welche um Ihren Lebensstil bangen, sollten sich auch vom unabwendbar gewordenen Klimawandel bedroht fühlen. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, ob wir Klimaschutz betreiben oder nicht, es werden sich deutlich spürbare Änderungen, auch am Lebensstil, einstellen und in der Schweiz sind wir direkt und indirekt (über das Ausland) davon betroffen (z.B. mein kürzlich an der ETH gehaltener Vortrag, an dem ich das Thema unabwendbare Auswirkungen und auch minimale Anpassung an den Klimawandel etwas angesprochen habe: video, pdf).

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@Alexander Graf
Zitat: „Ohne klare Dekarbonisierung wird es keine Zukunft geben“. Wir müssen von den fossilen Energiequellen wegkommen, da stimme ich Ihnen zu. Es gibt viele Gründe dafür, einige davon sind: die ohnehin bevorstehende Verknappung (vor allem beim Oel), die Abhängigkeit von politisch unstabilen Regionen (wieder Oel, aber auch Gas), die viel zu schnelle „Liquidierung“ von Rohstoffquellen, die möglicherweise in Zukunft noch von Nutzen wären, etc.
Da kommt es eigentlich recht gelegen, dass auch der Klimaschutz ein Abrücken von Kohle, Oel und Gas fordert.
Sie sprechen auch von Klimaleugnern (Leugnern des Klimawandels), „von denen es immer noch zu viele gibt“. Meine Einschätzung ist eher die, dass es weit mehr Klima-Indifferente als Leugner gibt. Klimawandel-Indifferente sind Leute, die keinen oder nur einen geringen Handlungsbedarf sehen, weil sie sich nicht unmittelbar betroffen fühlen und das Thema irgendwo zwischen Vogelgrippe, Aids oder eine der vielen anderen kleinen Katastrophen ansiedeln mit denen zu leben sie inzwischen gelernt haben. Dazu kommen die Leute, die ihren Lebensstil bedroht fühlen und die sich fragen, ob es sich lohnt, für die Ideen einiger Wissenschaflter weniger Auto zu fahren, teurer zu bauen und wegen erneuerbaren Energien eine grössere Stromrechnung begleichen zu müssen. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich das nachvollziehen und ich plädiere deshalb auch dafür, Klimamassnahmen zu bevorzugen, die möglichst viel Wirkung relativ zum eingesetzten Geld haben.

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Ich werde einmal versuchen, die Diskussion auf einen gemeinsamen Nenner zu vereinfachen und den Kern anzugehen, denn, wie ich bereits an anderen Stellen anmerkte, scheint es eher, daß sich einige, wenn nicht sogar viele, in unnötigen, wissenschaftlichen Scharmützeln verdern und selbstzerfleischen. So oder so ähnlich mutet es einem, wenn man derzeit eine Vielzahl an Diskussionen zu der Thematik Klimawandel und ihre Folgen verfolgt. Besser ist es endlich die Scheuklappen zu lösen und uns der Lösung des Klimawandels zu stellen.

Man sagt landläufig, besser ein „Ende mit Schrecken“ als ein „Schrecken ohne Ende“ und genau das sollte jedem bewusst sein. Wollen wir eine lebenswerte Zukunft oder soll alles den Bach hinuntergehen? Dabei erscheint es mir eher unwichtig darüber zu reüssieren ob anthropgener oder natürlicher Klimawandel, sondern das Problem als solches zu verstehen was es ist: ohne eine klare Derkarbonisierung wird es keine Zukunft geben. Besser, bereits jetzt mit kleinen Schritten anfangen um später mit großen Schritten den Erfolg gegen den Klimawandel zu bewerkstelligen, bevor es irgendwann zu spät ist, wir uns dann aber bewusst sind, was der Grund für die dann final klimageschädigte Erde ist. Daher muß es unser Ziel sein, sowohl meta- als auch interdisziplinär, realisierbare Lösungen zu bieten, damit den Leugner des Klimawandels, von denen es immer noch zu viele gibt, der Wind aus den Segel genommen wird.

Denkt an Alexander Dumas‘ „Die drei Musketiere“: „Alle für einen, einer für alle“ und genau so sollten alle Disziplinen handeln!

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Ja, das ist in der Tat so, dass viele Leute unsicher sind, was die menschliche Ursache des Klimawandels anbetrifft. Dies ist in Anbetracht der grossen Variabilität der Witterung ja verständlich. Auch das Klima, das ja bloss die durchschnittlichen Situation der Witterung beschreibt, kann erstaunlich schnelle Änderungen vollziehen, wie uns dies die Forschung vergangener Klimaänderungen deutlich zeigt. Jedoch ist damit keineswegs gegeben, dass die Zweifel, die ich bei Ihnen etwas heraushöre, wirklich berechtigt sind. All diese Zweifel haben ja seit Jahrzehnten die Klimaforscher auch immer wieder geplagt, jedoch sprechen die Forschungsresultate, die zu dieser Frage erarbeitet worden sind eben eine deutliche und eindeutige Sprache. Genau dies ist auch die Aussage, die der UNO Klimarat (IPCC) gemacht hat.

Die Analyse der Mess- und Beobachtungsdaten bedeutet, dass erstens bei heutigem Wissensstand der bisherige Klimawandel mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 90%, d.h. sehr wahrscheinlich durch den Menschen verursacht worden ist. Dahinter stecken übrigens viele Untersuchungen, von denen eine der Wichtigeren Klimamodelle benutzt. Dieser Ansatz ist durch die Kollegin Frau Prof. Ulrike Lohmann kürzlich an der ETH erläutert worden (Vortrag: pdf, video). Natürlich bleibt noch eine gewisse Unsicherheit bestehen und es gibt je nach Untersuchungsansatz wenige Prozent Wahrscheinlichkeit, dass doch bloss die Natur alle die schon beobachteten Veränderungen ohne jegliches menschliches Dazutun zustandegebracht hätte.

Jedoch sollten wir diese Frage nicht bloss aus statistischer Sicht betrachten, sondern hier zweitens auch noch beachten, dass die physikalischen Gesetzmässigkeiten, die hinter einer menschlichen Verursachung des Klimawandels stecken, sehr gut bekannt sind (Treibhauseffekt). Unser Verständnis möglicher Ursachen und die Beobachtungen ergeben ein sehr stimmiges Bild. Zusammen spricht dies alles eine sehr deutliche Sprache: Der bisherige, schon beobachtete Klimawandel ist höchstwahrscheinlich menschgemacht.

Drittens gilt es in diesem Zusammenhang auch zu beachten, dass Ursache und Wirkung zeitlich auseinanderliegen. Die Tatsache, dass nun schon heute mit so hoher Wahrscheinlichkeit in den Beobachtungen und Messungen das Klimasignal gefunden werden konnte, ist demnach umso bedeutungsvoller und bedenklicher.

Zweifel sind für uns WissenschaftlerInnen das Lebenselixier, doch sollten wir im Alltag und für die Klimapolitik ob der wenigen verbleibenden Zweifel nicht die falschen Schlüsse ziehen. Insbesondere denke ich, sollten wir uns nicht an einen Strohhalm zu klammern versuchen, der eben höchstwahrscheinlich doch nicht halten wird. Ich stimme Ihnen zu, ein Hoffen auf das höchst Unwahrscheinliche und Nichts tun wären verhängnisvoll. Es ist sicherlich vernünftiger auf die wissenschaftlichen Ergebnisse abzustützen, als diese zu ignorieren. Jedoch mit Handeln abzuwarten, bis die Temperaturen weiter gestiegen sind, wäre wegen den Verzögerungen fatal und meines Erachtens auch fahrlässig. Denn Sie können immer nur im Nachhinein, wenn es zu spät ist, und genügend viele Jahre verstrichen sind (Faustregel 30 Jahre), mit genügender statistischer Sicherheit aufzeigen, dass ein Klimawandel stattgefunden hat. Klüger ist vorzusorgen!

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Ein Klimawandel hat offensichtlich stattgefunden und ist wahrscheinlich weiterhin im Gang. Ob dieser völlig menschengemacht oder teilweise „natürlichen“ Ursprungs ist, wie beispielsweise das Ende der kleinen Eiszeit, ist für mich (und ich denke für viele Leute) noch nicht völlig entschieden. Mir scheinen viele Klimaphänomene (z.B. El Nino,La Nina, multidekadische paz. Oszillation, Noradtlantische Oszillation) noch nicht befriedigend geklärt, weswegen ich über die prognostische Sicherheit vieler Klimawissenschaftler staune. Sollten die IPCC-Prognosen und der behauptete direkte Zusammenhang zwischen CO2-und Temperatur-Anstieg allerdings zutreffen, wäre ein Nicht-Handeln jetzt verhängnsivoll. Die nötige Umsteuerung – weniger fossile Brennstoffe verbrauchen – scheint auf den ersten Blick durchaus machbar, vor allem für die bereits industrialisierten Länder. Dennoch glaube ich, dass sich die meisten Staaten erst dann zu diesem Schritt entschliessen, wenn es offensichtlich ist, dass die Temperaturen weiter steigen.

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Ich stimme Ihnen insofern zu, als dass wir mit den Ergebnissen zuwenig machen. Ich denke, wir sollten in der Tat von der Fähigkeit mit Modellen die Zukunft teilweise abschätzen zu können besseren Gebrauch machen und beginnen, die erforderlichen Anpassungen an die Hand zu nehmen. Dass dies viel Zeit in Anspruch nehmen wird, ist sicherlich auch zutreffend. Doch deswegen sollten wir nicht verzagen und es lieber anpacken, als darüber uns noch lange den Kopf zu zerbrechen, dass wir nicht schon früher und rechtzeitiger damit begonnen haben. Dann handeln wir zumindest von jetzt an und bewegen uns zumindest ab jetzt auf eine bessere Zukunft hin.

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Dass es Modelle braucht, die uns die Auswirkungen in der Zukunft berechnen, ist ja schön und gut und wahr. Aber was machen wir mit den Ergebnissen? Die Klimadebatte beschränkt sich – zumindest in der Öffentlichkeit – zu 95% auf die Reduktion der Effekte. Es wäre aber langsam an der Zeit, sich vermehrt Gedanken darüber zu machen, wie wir mit den unabwendbaren Auswirkungen umgehen können.
Wenn Technologie und Innovation dazu einen Beitrag leisten sollen, und davon gehe ich aus, dann müssten wir längst begonnen haben: Es ist ein alt bekannter Fakt, dass sich Innovationen erst nach 2 bis 3 Jahrzehnten durchsetzen. Da wird auch der Klimawandel nicht viel daran ändern.

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