ETH-Klimablog - Politik - Beim Klimaschutz «vorne dabei sein»!

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Beim Klimaschutz «vorne dabei sein»!

16.11.2009 von

Der Anlass – Das Klimagespräch an der ETH Zürich vom letzten Donnerstag.

Die Absicht – Der Trialog, das Gespräch zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.

Das Ergebnis – Erst besorgniserregende Fakten, dann eine Leiter an Auswegen, am Ende äusserst verhaltener Optimismus (oder sollte ich schreiben «gedämpfte Erwartungen»?) im Hinblick auf den Klimagipfel in Kopenhagen demnächst im Dezember.

Frustration, Hoffnung oder Motivation?

Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer konnten am Ende eines langen Tages wählen zwischen der Frustration ob der vielen schlechten Nachrichten jenseits des IPPC-Berichtes von 2007, der Hoffnung, dass es Leitern, ja viele Leitern gibt zu tief oder hoch oben hängenden (Klimaschutz-)Früchten, und der Motivation, die eigene Leiter zu nutzen oder eine zweite zu bauen, diese zu verkaufen und damit ganz vorne beim Klimaschutz dabei zu sein. Aber wäre das «vorne dabei sein» nicht die geeignete Vision, die Moritz Leuenberger abends anmahnte, um die politische Arbeit in der Schweiz und damit auch global in Kopenhagen voranzubringen?

Schweiz versucht sich vorzubereiten …

Die Auswirkungen des Klimawandels, ob gebremst oder nicht, werden auch in der Schweiz spürbar sein. Wir erinnern uns alle an den Sommer 2003 mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen. Klimaszenarien sagen voraus, dass solch ein Sommer bis Ende des 21. Jahrhunderts ein durchschnittlicher Sommer sein wird. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass dies dann wohl jeden zweiten Sommer betrifft.

Schon werden von den Bundesämtern Studien in Auftrag gegeben und veröffentlicht, die zum Beispiel den Bewässerungsbedarf der Schweizer Landwirtschaft abklären lassen – im (heutigen) Wasserschloss Europas! Das Senkenpotenzial der Schweizer Wälder wird modelliert, um zu ergründen, mit welchem Verhalten in Zukunft zu rechnen ist. Selbst die Raumplanung berücksichtigt zunehmend die sich ändernden Klimabedingungen, zumindest in ihren Rechenmodellen zur «Stadt der Zukunft». Hier waltet das Vorsorgeprinzip; man versucht sich vorzubereiten.

… auf was denn?

Doch worauf müssen wir uns genau vorbereiten? Im Moment zeichnen die Treibhausgas-Emissionen das schlechteste Emissionsszenario sehr genau nach, vom besten Szenario sind wir sehr weit entfernt. Die letztjährigen Emissionen werden zwar erst diese Woche veröffentlicht, doch erste Studien erlauben bereits heute die Schlussfolgerung, dass es trotz der globalen Finanzkrise keine Kehrtwende geben wird. Umso wichtiger ist es, schnell zu handeln, mit allen Beteiligten zu verhandeln, die Vision auch umzusetzen. «Vorne dabei zu sein» bedeutet aktiven Handlungsspielraum zu behalten, diesen zu nutzen, auch ökonomisch, damit wir den Klimawandel und seine Konsequenzen möglichst gering halten können.

Zur Autorin

Nina Buchmann ist Professorin für Graslandwissenschaften an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (2) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Zuerst möchte ich der Aussage von MBruetsch, dass im Gebäudebereich ein immenses Energiesparpotienzial liegt, beipflichten. (vgl. dazu Energieplanungsbericht 2006 des Kantons Zürich) Als angehender Raumplaner werde ich derzeit mit den Möglichkeiten, aber auch den Schwierigkeiten in diesem Bereich betraut.

Unattraktive Energie- und Klimadiskussion

Die weiteren Ausführungen von MBruetsch geben meiner Meinung nach genau die Hauptproblematik der energiepolitischen Diskussion wieder: Es wird viel von konkreten Zahlen gesprochen, verglichen und bewertet. Schnell hat jeder betroffene „Energiesünder“ seine Argumente zusammen, weshalb erst mal der „andere“ und nicht er selbst handeln müsste.
Was mir an der Argumentation von MBruetsch allerdings missfällt, ist die Tatsache, dass in genau demselben Ton auf andere gezeigt wird, welche vermeintlich alles falsch machen. Nicht zuletzt die ewigen Zahlenspielereien verhindern eine zielgerichtete und attraktive Diskussion.

Unterschiedlichste Ansprüche an die Planung

Von meinen bisherigen Einblicken in die Planungsrealität kann ich sagen, dass sich die Dinge in der Umsetzung meistens ziemlich komplex gestalten, weil es bei einem Haus ja nie nur um die Energie, sondern immer auch um andere Ansprüche wie Identität, Ästhetik oder Wohnqualität, aber auch Finanzierbarkeit geht.
Ich nehme es dem Architekten, der vor 100 Jahren unser Haus geplant hat, deshalb nicht übel, dass sich die energetische Sanierung heute recht umständlich gestaltet; schliesslich ist die Lebensqualität ansonsten sehr hoch.
Auch heute planen wir ja bloss mit dem Wissen, welches uns aktuell zur Verfügung steht, heute ist uns aber bekannt, dass wir den Fokus stärker als bisher auf den Energieverbrauch richten müssen.

Der Teufel steckt im Detail, so aber auch das Potenzial!

Damit eben dieses Wissen von der gesamten Bevölkerung genutzt wird, dafür tut eine breite Sensibilisierung für die Energie- und Klimaproblematik Not. (Ein gutes Beispiel hierfür: http://www.google.org/rec.html)
Nicht nur reine Information, sondern auch Motivierung und Animierung der Bevölkerung ist gefragt.
Das grösste Sparpotenzial liegt nämlich auf keinem Reisbrett irgend eines genialen Ingenieurs, sondern in der Summe der Einsparungen durch jede einzelne Person.
Ich plädiere für eine Förderung des Bottom-Up-Ansatz, weil dieser meiner Meinung nach zwingende Voraussetzung für eine wirklich nachhaltige Entwicklung ist.
Erst damit wird auch in der föderalistischen Schweiz eine Umstellung auf eine nachhaltige Lebensweise möglich.

Nachhaltiger Lebensstil statt Zahlenklaubereien als Zukunftsvision

Wir brauchen vor allem – und ich denke das ist auch die Kernbotschaft von Nina Buchmann – eine verständliche, breit abgestützte Vision für eine nachhaltige Lebensweise.
Wenn wir das ehrgeizige Ziel von weniger als 2°C Erwärmung erreichen wollen, müssen schliesslich alle an demselben Strick ziehen, nicht nur die grossen Energieerzeuger, Industriebetriebe, Flugzeughersteller, die „anderen“…

Kontinuität als Voraussetzung für Innovation

Der Weg in eine nachhaltige Zukunft wird mit kleinen, aber stetigen Schrittchen zurückgelegt werden müssen.
Je konsequenter wir diesen Weg beschreiten, desto erfolgreicher können wir darauf sein.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Leider ist es fast immer so.. Nur politisch attraktive Massnahmen oder Sündböcke werden diskutiert. Niemand redet von bessern oder zusätzlicher Isolierung der älteren Wohnhäuser obwohl da ein Riesenpotential steckt. Wenn ein Haus zwischen 1000 bis 3000l Öl im Jahr für das Heizen verbrennt.. sind das zwischen 10000 und 30000 km für ein Auto bei einem Verbrauch von 10l/100km.
Niemand redet von einer gestammt schweizerische Energiepolitik, was denn Effekt hat dass eine Gemeindebehörde, die Baukommission, von 500 Seelen bestimmen kann ob und wie Solarpanel in Häusern eingebaut werden können oder dürfen. Die anfallenden Mehrkosten sind natürlich in jedem Fall vom Hausbesitzer zutragen. Das Beste was die Grünen dazu zu sagen haben ist: Erdöl abschaffen bis 2050.
Niemand redet über die Käseproduktion und den damit verbundene Methan Ausstoss, obwohl Methan mehr zum Klimawandel beiträgt als CO2.
Alle lästern über den gebrauch von Flugzeugen, selbst Kantonsschulen im Aargau verbieten Klassenreisen mit dem Flugzeug, obwohl alle Auto und Flugzeuge zusammen weltweit tragen nur mal 15% zum CO2 Ausstoss bei.
Niemand stört sich dass nun seit rund 20 Jahren, 2 grosse Kernkraftwerke ihre Abwärme von 2GW, was notabene rund 66% der ursprünglichen Energie ist, im Kühlturm abführt. Dieses Warmwasser könnte etwa 200’000 Einfamilienhäuser mit Heizenergie versorgen.
Da hilft auch ein Klimagipfel wenig in Kopenhagen, wenn die wirklichen Problem, politisch nicht attraktiv sind.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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