Dienstag, Mai 5th, 2009
Der ALA-Blog ist umgezogen und nun unter neuer Adresse erreichbar. Auch der Beitrag “A TechSource Blogger Forum: E-Readers and Libraries” über eBook Reader ist nun wieder zugänglich. Eigentlich wollte ich ja nur den Blogeintrag weitergeben. Aber da der Artikel weiterhin nicht abrufbar ist, berichte ich etwas ausführlicher über die aktuelle Diskussion in amerikanischen Bibliothekskreisen, ob die mobilen eBook Reader in Bibliotheken eingesetzt werden können.
Im Blogbeitrag von ALA Techsource äussern sich drei Spezialisten zum Thema: Jason Griffey (University of Tennessee) sieht das Hauptproblem beim Kindle in Amazons DRM. Man kann ein Buch nicht mehrfach kaufen und es nur sehr eingeschränkt kopieren. Für eine Familie mag das Modell in Ordnung sein, für eine Bibliothek ist es untauglich. Cindi Trainor (Lexington, Kentucky) schreibt:
My library is in the midst of planning how to circulate digital content using Kindles and iPods (Touch). We are very excited about the pilot project, the plan for which is to involve the book that our freshman class will read, as well as books related to major lecture events on campus.
Aber auch sie macht die Einschränkung, dass der mehrfache Kauf von Büchern – weder bei Amazon noch auf iTunes – vorgesehen ist. Und sie fragt: “If institutional purchase is not being considered at all, have libraries already lost this battle?” Tom Peters sieht grosses Zukunftspotenzial in der Art, wie Amazon eBooks überall hin liefert. Wobei ich hier anmerken möchte, dass sich momentan dieses “überall” auf die USA beschränkt, sofern die drahtlose Übertragung gemeint ist. Weiter ist er von der Text-to-Speech-Funktion des Kindle 2 hell begeistert.
Auch bei den Kollegen in den USA ist die Unsicherheit also sehr gross, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, dass Bibliotheken eBooks auf Readern an ihre Benutzer abgeben.
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Donnerstag, April 9th, 2009
Selber schuld, wenn man einen Kindle 2 über eBay in den USA kauft. In Europa ist man vom Kindle-Store abgeschnitten. Dieser offizielle Weg wäre sehr bequem und schnell, aber auch teuer. Ich schliesse mich der Meinung der Kindle-User an, die Preise von über 10$ für ein eBook zu teuer halten (Bericht über den Protest von Kindle-Besitzern). Schliesslich sind die Nutzungsmöglichkeiten gegenüber einem Buch limitiert. Und gerade bei den Büchern, die schon als Taschenbuch auf dem Markt sind, finde ich die Preise in den Online-Buchläden überrissen. Seis drum, für den Kindle kann ich ohnehin keine Bücher kaufen. Einerseits weil ich keine Rechnungsadresse in den USA habe, andererseits, weil ich keinen Zugang zum drahtlosen Netzwerk Whispernet habe. Wie kommt denn nun Inhalt auf mein Gerät?
Ältere Literatur findet man bei Gutenberg.org in verschiedenen Formaten (vorbildlich!), u.a. auch im .mobi-Format für den Kindle. Das ausgewählte Format lässt sich problemlos herunterladen. Anschliessend schiebt man die .prc-Datei in den Folder “Documents” des über das USB-Kabel am PC angeschlossenen Kindle 2. Und schon kann es losgehen.
Schwieriger wird es, wenn man Dokumente in Formaten hat, die vom Kindle nicht unterstützt werden. PDF zum Beispiel (!). Hier sorgt die freie Software Mobipocket Creator für Abhilfe. Sie verarbeitet Dokumente im Format .pdf, .doc, .docx, .txt und .html zu eBooks im mobi-Format. Gute Resultate gibt es nur, wenn die Dokumente auch die Textinformation enthalten. PDF-Dokumente als reine Bilder lassen sich auf dem Kindle nicht vergrössern und sind kaum lesbar. Keine Chance hat Mobipocket Creator bei PDF-Dokumenten, die mit DRM geschützt sind. Bis jetzt habe ich erst einen – nicht gerade einfachen – Weg gefunden, wie ein Dokument, das ich für den Sony PRS gekauft habe, auf dem Kindle lesen kann. Als PDF ausdrucken oder ausdrucken und dann scannen funktionieren übrigens nicht, da die Dokumente von der Sony eBook Library aus nicht ausgedruckt werden können.
Und so geht es (nicht zur Nachahmung empfohlen…): Text in der eBook Library öffnen, Fenster maximieren. Dann mit dem PrintScreen das Textfenster als Objekt aufnehmen, als Bild in ein Word-Dokument einfügen. Umblättern, same procedure bis zum Schluss. Dann das Word-Dokument in ein PDF umwandeln, OCR drüber laufen lassen (ich benutze Acrobat Professional), allenfalls Korrekturen vornehmen und dann das PDF dann in mit Mobipocket Creator in ein Mobi-Format umwandeln. Abtippen ginge schneller? Kann schon sein. Aber das wäre ja keine Herausforderung…
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Dienstag, April 7th, 2009
Der erste Eindruck vom Kindle 2 ist eindeutig positiv. Die grössten Ärgernisse des Kindle 1 sind behoben. Das Gerät lässt sich anfassen, ohne dass eine Taste versehentlich gedrückt wird, die ärgerliche Abdeckung auf der Rückseite ist verschwunden, der Einschaltknopf am oberen Rand angebracht. Der Kindle 2 ist bedeutend schmaler und eleganter als sein Vorgänger. Für mich die Hauptsache: Plug and Play funktioniert diesmal! Nach der Verbindung über das USB-Kabel erscheint der Kindle als Laufwerk des PCs. Mit Hilfe der Software Mobipocket Creator erstellte eBooks lassen sich in den Ordner Documents des Kindle verschieben. Et voilà: Nach dem Ausdocken des Kindles vom PC lassen sich die eBooks öffnen und lesen.
Es handelt sich bei meinen eBooks um ursprüngliche PDF-Dokumente, die ich mit Mobipocket Creator ins Format .prc umgewandelt habe. Das funktioniert sowohl mit einem selbst digitalisierten Dokument, wie auch mit einem über die ETH-Lizenz bezogenen kommerziellen E-Book im PDF-Format. Somit hat der Kindle 2 den ersten Test mit Bravour bestanden. Der Kindle 1 schmollt derweil und stellt sich tot… Recht hat er…
Der Bildschirm ist noch gleich gross oder klein wie beim Vorgänger, nämlich 6 Zoll bei 600×800 pixel. Die Lesbarkeit von reinem Text ist ausgezeichnet. Der Seitenumbruch erfolgt dynamisch je nach eingestellter Schriftgrösse. Entsprechend gilt auch hier, dass die Navigation nach Seiten nicht möglich ist, sondern über “Locations” erfolgt. Aber wie sein Vorgänger beherrscht der Kindle 2 die Volltextsuche innerhalb der Dokumente, was das Auffinden von Textstellen erleichtert. Die QWERTY-Tastatur ist unterhalb des Bildschirms angebracht, wobei die Knöpfe zwar hübscher als beim Vorgängermodell, aber etwas gar klein geraten sind.
Sehr nett ist die Funktion, sich Texte vorlesen zu lassen. Den Horizon-Report zum Beispiel liest “Herr Kindle” ganz ausgezeichnet und sehr gut verständlich vor. Er blättert auch selbständig weiter, so dass ich beim Schreiben weiter berieselt werde…
Als Nutzer in Europa sind mir wichtige Funktionen des Kindle 2 verwehrt: ich kann die wireless-Funktion nicht nutzen und bin somit vom Kauf von Büchern im Kindle-Store, von der täglichen Lieferung abonnierter Zeitungen oder Zeitschriften, von Updates und von der Registrierung des Geräts abgeschnitten. Ob ich mir vorstellen könnte, auf meine gedruckte Zeitung zu verzichten, wenn ich jeden Morgen drahtlos die neueste Ausgabe auf den Kindle geliefert bekäme? Langsam könnte ich mir das tatsächlich vorstellen. Das Gerät hat einen gewaltigen Sprung gemacht und kommt nun ausgereift daher. Kritisieren möchte ich vor allem das Geschäftsmodell mit den nach wie vor proprietären Formaten. Ein eBook Reader muss einfach ein PDF-Dokument lesen können. Und für das Abonnements eines Blogs werde ich nie etwas bezahlen wollen, wie das im Kindle-Store vorgesehen ist.

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