Mittwoch, November 18th, 2009
Ende Oktober führte die Meldung für Aufregung, wonach die eBooks mittlerweile die grösste Katagorie bei den neu eingereichten Applikationen im iTunes Store seien und die Games überholt hätten (Quelle: Flurry). Ist das iPhone auf dem Weg, die gängigen eReader zu überholen? Bedrängt es die eReader in ihrem eigenen Bereich so wie es bei den mobilen Gamekonsolen schon passiert ist?
Zunächst muss man die Meldung von Flurry etwas relativieren. Zwar hat die Menge an eBooks stark zugenommen, aber mehr als 10‘000 eBooks sind noch nicht im iTunes Store im Angebot. Und es ist natürlich bedeutend einfacher, ein eBook zu produzieren als ein neues Game oder andere Software. Zudem sagt die Menge nichts aus über die Qualität. Und ich wage zu behaupten, dass die eBooks im App Store noch nicht die wirklich attraktiven Inhalte bieten.
Auch die Nachfrage scheint noch übersichtlich zu sein. An seinem Vortrag an den 3. E-Book-Tagen an der BSB München erwähnte ein Verlagsvertreter, dass auf 10 verkaufte eBooks für den Sony eReader eines für das iPhone käme. Und wenn man bedenkt, dass in der ersten Jahreshälfte 2009 in Deutschland nur gerade 65‘000 eBooks verkauft worden sind, relativiert sich diese Zahl noch mehr.
Gemäss meiner These, wonach das Gerät nur ein Element für den Erfolg eines eReaders ausmacht, möchte ich die verschiedenen Aspekte des iPhone als eReadr vom Angebot bis hin zur Distribution betrachten und dann mit den gängigen eReadern vergleichen. Der Vergleich spielt sich auf dem Hintergrund der grundsätzlichen Frage ab, ob die dezidierten Geräte (also die spezialisierten eReader, heute auf der eInk-Technologie basierend) oder andere Mobilgeräte, die nebst vielen anderen Funktionen auch das Lesen von eBooks anbieten, sich künftig durchsetzen werden. Das iPhone spielt hier die Rolle des mobilen Alleskönners unter den Smartphones. Daneben können aber auch andere Geräte, insbesondere die Netbooks, letztlich das Rennen machen.
Dazu werde ich in nächster Zeit eine kleine Reihe auf dem Blog veröffentlichen. Den Anstoss dafür gab mein Vortrag an der TU Hamburg Harburg vom 4. November, in dem ich über das iPhone als eReader berichtet habe. Die Powerpoint-Präsentation dazu ist auf Slideshare veröffentlicht:

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Montag, September 21st, 2009
Für die Nutzung elektronischer Dokumente ist die Verwaltung der Dateien, also die Anreicherung mit Metadaten und die Strukturierung der Sammlung, von entscheidender Bedeutung. Der Blick zum erfolgreichen Apple-Modell im Musikbereich zeigt, dass am Anfang iTunes war. Nicht der iTunes Store, sondern die iTunes Software. Zunächst stand sie nur Mac-Anwendern zur Verfügung, doch folgte schon bald auch eine Version für die Windows-Plattform. Die war zwar weniger elegant, doch war sie ebenfalls kostenlos und bot dieselben Funktionalitäten. Das heisst, man konnte damit CDs rippen, die Dateien beschreiben, zu Wiedergabelisten zusammenstellen und diese Kompilationen dann wiederum auf CD brennen. Die Metadaten richteten sich nach internationalen Standards. Wenn der Rechner mit dem Internet verbunden war (damals war das noch nicht so selbstverständlich…), wurden die Metadaten der gerippten CD von einer zentralen Datenbank (GraceNote) in iTunes geladen. Mit dieser benutzerfreundlichen Software verfügte Apple einen Trumpf, der die Konkurrenz ausstach. Später wurde iTunes zur Plattform für Podcasts ausgebaut und verhalf damit diesem neuen Format zum Durchbruch. Heute dient iTunes ebenfalls als Verwaltungstool der Applikationen für das iPhone.
Und wie sieht das bei den elektronischen Büchern aus? Eher düster, muss ich sagen. Beim Kindle gibt es gar keine Unterstützung zur Verwaltung und Organisation der Daten – Irrtum vorbehalten, falls ich hier in Europa gewisse Dienste nicht nutzen kann, die US-Kunden geboten werden. Man lädt die eBooks entweder drahtlos direkt aus dem Store auf das Lesegerät oder via PC. Mehr als ein Ordner „Documents“ im Dateiverzeichnis wird jedoch nicht geboten. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, die Daten zu gruppieren oder mit zusätzlichen Metadaten zu versehen. Etwas weiter ist Sony. Kürzlich wurde die
eBook Library 3.0 lanciert. Diese bietet verschiedene Möglichkeiten zur Datenverwaltung für Windows und Mac. Zunächst werden „intelligente“ Listen angeboten, welche bestimmte Formate (Audio, Bilder, Bücher, Notizen) enthalten. Über das Plus-Symbol in der linken unteren Ecke kann man neue Bücherlisten erstellen und die in der Bibliothek enthaltenen Titel einer solchen Liste zuweisen. Diese Listen sind auf dem Reader dann als Collections zu sehen. Die Metadaten lassen sich in der eBook Library jedoch nicht verändern. Auch PDF- und Word-Dokumente können mit der Software verwaltet und auf dem PC gelesen werden, aber nicht mit dem Sony Reader synchronisiert werden.

Screenshot eBook Library
Ein sehr viel versprechendes OpenSource-Tool ist Calibre. Es verwaltet nicht nur die eBooks auf einem Computer, sondern kann auch aus verschiedenen Quellen neue Ausgabeformate generieren. Leider hilft das bei DRM geschützten Werken auch nicht weiter, um einen rechtmässig gekauften Titel auf einem anderen Reader lesbar zu machen. Die unterschiedlichen Format und DRM der Anbieter limitieren also die Möglichkeiten eines solchen Tools.

Screenshot Calibre
Für Bücher im Mobipocket-Format bietet sich der Mobipocket Reader an. Auch mit diesem Tool kann man die im entsprechenden Format vorhandenen Titel auf seinem PC verwalten und auf einen angeschlossenen Reader übertragen. Im Mobipocket Reader kann man individuell Leselisten einrichten und die vorhandenen Bücher diesen Listen zuweisen. Allerdings klappt auch hier der Abgleich mit dem Kindle natürlich nur, wenn die Dateien im richtigen Format (Mobipocket) und mit dem richtigen DRM (von Amazon, nicht aber aus dem Mobipocket Store) versehen sind. Mobipocket unterstützt verschiedene eReader, u.a. die Modelle Cybook, iRex, iLiad, Hanlin oder BeBook, sowie Smartphones wie Blackberry, Palm, Modelle mit Symbian oder Windows Mobile.
Diese ersten Ansätze für geeignete Dateiverwaltungstools werden also durch die unübersichtliche Situation bei den Formaten und DRMs unterlaufen. Nach der Synchronisierung der eReader ist man immer wieder überrascht, welche Titel übertragen worden sind und welche nicht. Beim Kindle fällt erschwerend ins Gewicht, dass sich Daten überhaupt nicht strukturieren lassen und auch auf dem Lesegerät nur als unübersichtliche Liste präsentiert werden. Die Sortiermöglichkeit nach Autor, Titel oder „most recent first“ findet man auch nicht auf Anhieb. Konnte das Produkt Amazon/Kindle auf der Angebotsseite also eindeutig punkten, fällt es bei der Möglichkeit der Dateiverwaltung hinter die Konkurrenz zurück.

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Mittwoch, September 16th, 2009
Im letzten Blogbeitrag habe ich nur die Angebote der grossen Player behandelt. Natürlich gibt es auch alternative Möglichkeiten. Ich habe ja zum Beispiel gar nichts von Google gesagt – wie kommt das? Momentan halte ich das Angebot von Google nicht wirklich dafür geeignet, den eBooks zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist ja nett, dass man jetzt Zugriff auf hunderttausende von Büchern hat, die man dank der Kooperation mit Sony und dem Format EPUB auch auf eBook Readern lesen kann. Aber vorläufig – und ich denke noch für eine ganze Weile – beschränkt sich dieses Angebot auf alte Werke, bei denen das Urheberrecht abgelaufen ist. Zum Testen eines Readers – auch fürs iPhone – eignen sich diese Titel durchaus. Aber es ist nicht das, was mich dazu bringt, einen Reader zu kaufen und in meiner Freizeit Texte vorwiegend elektronisch zu konsumieren. Obschon sich hier zwei wichtige Elemente zeigen: grosse Quantität bei der Auswahl und offenes Format.
Dann gibt es noch einige Nischenplayer, die sich auf die Publikation elektronischer Texte aus Kleinverlagen spezialisiert haben. Sozusagen elektronische Samizdats (so hiessen diese subversiven Eigenverlage in der UdSSR…). Eine solche Plattform für kleine Verlage ist Readbox (www.readbox.net). Hier werden vorbildlich verschiedene Formate für unterschiedliche Reader angeboten. Auf http://www.mobipocket.com gibt es ebenfalls eBooks zu unterschiedlichen Themen. Bei den Bestsellers stehen Wörterbücher und medizinische Titel zuoberst. Bei der Belletristik schwingt Perry Rhodan oben aus, was nicht gerade ein Hinweis auf verfügbare Weltliteratur ist. Die Seite von Beam-eBooks ist leider momentan nicht verfügbar, doch habe ich die Situation hier ähnlich in Erinnerung: ein Angebot, das eher auf “Special Interest” ausgerichtet ist – und fürs Stöbern und Neuentdecken durchaus interessant ist. Aber die nationalen und internationalen Bestseller fehlen hier ebenfalls.
Über das iPhone und die verschiedenen Applikationen für eBooks sind Verlage wie Fictionwise (im Besitz von Barnes & Noble). Über die Applikation Stanza fürs iPhone hat man Zugriff auf über eine Million eBooks dieses grössten Anbieters. Diese Applikation der Firma Lexcycle wurde vor einigen Monaten von Amazon übernommen. Damit ist Amazon auch im Hinblick auf eBooks fürs iPhone in einer sehr günstigen Position. Was diese Deals für die Zukunft bedeuten, ist mir nicht klar. Aber man kann daraus schliessen, dass man via iPhone den Zugriff auf die grösste Auswahl hat. In den USA gibt es ja noch die Kindle-Applikation, womit auch der Kindle Store genutzt werden kann.
Wenn man sich fragt, ob Apple den Einstieg ins eBook-Geschäft wagen wird, gibt diese Ausgangslage doch einen interessanten Hinweis: Apple bietet via iPhone und die verschiedenen Applikationen in Kooperation mit verschiedenen Anbietern (u.a. Amazon) bereits heute das grösste Angebot. Ein entsprechendes Gerät, das einen grösseren Bildschirm als das iPhone bietet, wäre also in einer sehr günstigen Ausgangslage…
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Mittwoch, September 9th, 2009
Was wir für die Zukunft von Büchern und eBooks aus den Entwicklungen in der Musikbranche lernen können (Teil 1)
Die Musikbranche hat in den letzten zehn Jahren einen fundamentalen Wandel durchgemacht. Alles hat sich verändert: wie wir Musik kaufen, wie wir sie aufbewahren, ordnen, tauschen, kopieren und wie wir sie hören. Und natürlich auch, wie Musik aufgenommen, produziert und vermarktet wird. Ich möchte mich bei meinem Vergleich auf den Bereich der Vermittlung von Musik, also nicht mit Aufnahme und Produktion befassen. Ich bin überzeugt, dass die Bücherbranche sehr viel von diesen Entwicklungen lernen kann und lernen muss. Die aktuellen Reaktionen von vielen Mitspielern im Büchermarkt lassen befürchten, dass man dieselben Fehler wiederholen wird, welche die Musikbranche gemacht hat. Aus dem Vergleich mit den Vorgängen im Bereich Musik möchte ich aber auch zeigen, was heute für den Durchbruch von eBooks noch fehlt. Mein Vergleich gliedert sich in mehrere Teile, die ich gesondert betrachten möchte, die jedoch im Zusammenspiel entscheidend sein werden. Meine erste These: nur wenn die Anbieter von eBooks und eBook Readern die gesamte Kette von der Auswahl der Werke bis hin zur mobilen Nutzung mit einem attraktiven Angebot abdecken können, wird der Durchbruch erfolgen. Meine zweite These: Genau dann wird der Durchbruch innerhalb kürzester Zeit erfolgen, und er wird unseren Umgang mit Büchern grundlegend verändern. Es ist naheliegend, dass als Erfolgsmodell im Musikbereich das Apple/iTunes/iPod-Angebot eine zentrale Rolle spielt. Und gerade dieses Modell zeigt, dass die einzelnen Elemente nicht in der logischen zeitlichen Reihenfolge realisiert werden müssen.
In nächster Zeit werde ich im Blog Beiträge zu diesem Thema, die sich explizit als Diskussionsbeiträge verstehen. Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion.
(Fortsetzung folgt)
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Donnerstag, August 13th, 2009
Für die Nutzung der eBook Reader ist entscheidend, wie die eBooks auf den Reader gelangen. Amazon bietet für den Kindle bekanntlich das proprietäre WiFi-Netz “Whispernet” an. In Europa hat man nichts davon, da der Dienst vorläufig nur in den USA angeboten wird. Angeblich ist die Einführung des Kindle in Deutschland an den unterschiedlichen Vorstellungen von Amazon und der Telecom-Firmen über den Preis für die Nutzung des Mobilfunknetzes für Whispernet gescheitert. Auf einer Reise in die USA hatte ich nun Gelegenheit, Whispernet im Einsatz zu erleben. Und ich bin ziemlich begeistert, muss ich zugeben. Zuerst muss ich vorausschicken, dass ich mich in einer Grossstadt (Boston) aufgehalten habe. Whispernet ist, so viel ich weiss, nicht flächendeckend zu haben. Man muss sich also schon vor der Abreise in die Wildnis oder in die Berge mit eBooks eindecken.
Auffallend war, wie schnell sich der Kindle DX mit dem Kindle-Store verbunden hat und die Buchtitel geladen hat. Der Stromverbrauch ist auch nicht übermässig gestiegen. Der Kindle hat eine längere Zeit ohne Neuaufladung gut überstanden. Das mitgebrachte Kabel konnte im Koffer bleiben.
Einmal mit dem Kindle-Store verbunden kommt eine Stärke des Amazon-Pakets voll zum Tragen: das riesige und qualitativ absolut hochstehende Angebot an eBooks. Allerdings nur in englischer Sprache. Es gibt kein einziges Buch in deutscher Sprache, was angesichts der Beschränkung auf den US-Markt verständlich ist, aber mir halt doch negativ aufgefallen ist. Aber auf Englisch gibt es eine fast unbgrenzte Auswahl an aktuellster Literatur, ob Belletristik oder Fachbücher. Und man lädt die Bücher schnell mal im Hotelzimmer, im Café oder im Flughafen. Kleiner Wermutstropfen: wer keine Kreditkarte mit US-Adresse besitzt, kann keine Bücher kaufen und keine Zeitungen oder Zeitschriften abonnieren. Bei den Büchern kann man sich aber jeweils ein Sample von ein paar Seiten herunterladen. Dadurch hat man immerhin einen Eindruck von der Qualität der eBooks. Und da würde ich bei reinem Text die Höchstnote vergeben.
Und ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich morgens aufstehe und mir die neuste Ausgabe der abonnierten Tageszeitung direkt über Whispernet auf den Kindle laden könnte. Nicht übel die Vorstellung. Leider konnte ich es mangels US-Kreditkarte nicht testen. Aber auch die begrenzte Nutzung hat mich darin bestätigt, dass der Kindle DX ein weiterer Schritt in eine Zukunft ist, in der sich unsere Lesegewohnheiten dramatisch verändern werden. Es fehlen noch zwei-drei wichtige Elemente für den Durchbruch, aber der wird in den nächsten Monaten erfolgen, da bin ich mir schon ziemlich sicher.
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Dienstag, Juli 7th, 2009
Der erste positive Eindruck hat sich in der Praxis bestätigt: Der Kindle DX bedeutet einen grossen Schritt in Richtung alltagstauglichem eBook Reader. Neben dem grösseren Display, welches das Lesen von Pdf-Dokumenten erlaubt, die nur als Bilddatei verfügbar sind, ist es vor allem die Offenheit für das Pdf-Format, das entscheidende Vorteile bringt. Das Lesen mit dem Kindle DX ist wirklich sehr angenehm. Bei einem genügend grossen Angebot an interessanten eBooks im entsprechenden Format kann ich mir langsam vorstellen, den Kindle einer Tasche von Büchern, die ich in die Ferien mitschleppen muss, vorzuziehen.
ABER: Ich schliesse mich der Meinung von Tim O’Reilly an, der in seinem Beitrag “Why Kindle Should Be An Open Book” die Öffnung gegenüber Standards und die Absage an DRM fordert – oder der Kindle wird sich als Sackgasse erweisen. Ein lesenswerter Artikel von Giles Slade skizziert ein anderes Szenario: Eebs: A History of Future Publishing. eBooks müssen sich von ihren gedruckten Vorbildern lösen und sich auf den sinnvollen Einsatz der technischen Möglichkeiten konzentrieren, dann werden sie zu einem eigenständigen Medium, den Eebs. Slade sieht den Kindle gegenüber dem Sony klar im Vorteil. Das sehe ich auch so. Aber es gilt die eingangs zitierte Bemerkung: der Kindle hat nur eine Zukunft, wenn er von DRM und geschlossenen Formaten befreit wird.
UND: Nicht existent ist eine vernünftige Verwaltung der Buchtitel auf dem Kindle oder auf dem PC. Hier bewegt sich der Kindle noch tief in der Steinzeit. Und hier sehe ich den eigentlichen Haken an der Sache: Apple hat es im Bereich Musik vorgemacht. Der Erfolg des iPod ist nicht (nur) seinem Design und seinen technischen Möglichkeiten, auch nicht nur dem Marketing zu verdanken. Entscheidend ist die Integration der ganzen Beschaffung und Verwaltung der Medien. Der entscheidende Erfolgsfaktor für den iPod war und ist iTunes, das Apple in einer zweiten Phase für die Windows-Plattform geöffnet hat. Über iTunes kauft und verwaltet man alle Inhalte. Man legt Wiedergabelisten (auch intelligente) an, gruppiert und bewertet die Songs und synchronisiert sie dann mit beliebigen iPods und iPhones. Und hier hat Amazon den Zug vielleicht schon verpasst. Wenn ich mehr als 30 eBooks auf meinem PC oder meinem Kindle habe, verliere ich bei der rudimentären Filestruktur schon die Übersicht. Ich kann einzelne Dokumente nicht gruppieren oder kategorisieren.
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Mittwoch, Juli 1st, 2009
Erstaunlich schnell wurde der neue Kindle DX geliefert. Auch wenn er in absehbarer Zeit nicht in Europa erhältlich ist, kann man den Kindle problemlos über eBay kaufen.
Vorneweg der erste Eindruck: Nicht übel! Eigentlich sogar sehr gut! Gegenüber dem Kindle 2 fallen folgende Punkte positiv auf:
- Der Kindle DX liest problemlos PDF-Dokumente. Das heisst, dass ich alle meine eigenen Texte, von der Bibliothek lizenzierte eBooks (meist kapitelweise) oder frei erhältliche PDF-Dokumente (ohne DRM) auf den Kindle DX laden kann. Man ist also nicht mehr vom Mobipocket-Format abhängig.
- Der Bildschirm ist so gross, dass auch reine Bild-Dokumente (PDF ohne OCR) gut gelesen werden können. Der Bildschirm ist mehr als doppelt so gross wie beim Kindle 2 oder beim Sony PRS. Der Effekt für die Lesbarkeit der Dokumente ist enorm. Waren bei den kleineren Modellen ältere Texte, die nicht OCR hinterlegt hatten, völlig unlesbar, erscheinen auf dem DX auch die digitalisierten alten Drucke in sehr gut lesbarer Form. Bei “normalen” Texten muss bei gleicher Schriftgrösse weniger geblättert werden.
- der Kindle DX erkennt (auf Wunsch) automatisch, wenn die Anzeige im Querformat erfolgen soll. Das erhöht die Lesbarkeit nochmal, denn durch Kippen wird die Schrift auf die Bildschirmbreite angepasst und vergrössert. Einziger Nachteil: die Tasten fürs Umblättern sind dann unten am Bildschirmrand und nicht mehr so einfach zu erreichen.
- Eine schlichte Lederhülle schützt den Kindle DX. Die weisse Oberfläche ist ohne Hülle sehr schnell verschmutzt.
Nachteile? Die Vorteile haben natürlich ihren Preis, bei eBay-Händlern aktuell 468 Euro. Hinzu kommen noch Versandkosten. Gegenüber dem Kindle 2 fällt auf, dass die Tasten am linken Rand (vor- und zurückblättern) weggefallen sind. Ich weiss noch nicht, ob ich sie vermissen werde… Die Tastatur am unteren Rand hat eher leichter zu bedienende Knöpfe als das Vorgängermodell. Die Zahl der Knöpfe ist reduziert, da der Nummernblock als Tastenbelegung in die QWERTY-Tastatur integriert ist.
Vergleichen wir einen von der ETH-Bibliothek digitalisierten älteren Text, nämlich die Geschichte der Vermessungen in der Schweiz von Rudolf Wolf, auf den beiden Kindle-Geräten. Nur der Kindle DX zeigt das Dokument im PDF-Format an. Für den Kindle 2 muss es zunächst ins Mobipocket-Format umgewandelt werden (mit MobiPocket Creator). Das Resultat ist ein nicht wirklich lesbares Dokument. Das PDF als Bild lässt sich auf dem Kindle 2 nicht vergrössern und erscheint negativ (schwarzes Blatt mit weisser Schrift), wogegen derselbe Text auf dem Kindle DX sehr gut leserlich ist (siehe unten). Einen anderen Versuch unternehme ich mit einem Mobipocket-Dokument aus dem Gutenberg-Projekt. Auf beiden Readern ist der Text von Georg Büchner, Dantons Tod, einwandfrei zu lesen. Nur hat auf dem DX ungefähr drei Mal so viel Text Platz, was weniger Blättern und mehr Komfort bedeutet.

Hier die Grössenverhältnisse im Bild: Links der Kindle 2 mit einer Seite aus einem eBook, rechts der Kindle DX im Querformat mit einem alten Buch im PDF-Format.
Fazit: Der Kindle DX überzeugt mit einem sehr gut lesbaren Bildschirm und der Öffnung gegenüber dem PDF-Format. Ich freue mich auf die Lektüre unterwegs…
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Mittwoch, Mai 27th, 2009
Den Sony PRS-700 wollte ich im Praxistest auf seine Alltagstauglichkeit prüfen. Mein Interesse galt der Frage, ob ich als leidenschaftlicher Leser von Kriminalromanen den eBook Reader von Sony einem Taschenbuch vorziehen würde. Gelegenheit zum Lesen habe ich als Berufspendler genug. Zudem nahm ich das handliche Gerät mit auf eine Flugreise ins Ausland.
1. Kauf eines Buchs
Wie schon früher bemerkt, ist die Auswahl an aktuellen eBooks nach wie vor klein. Zum einen schränken die Formate die Auswahl ein, zum andern sind sehr oft nur wenige Neuerscheinungen auch als eBook zu haben, erst recht in deutscher Sprache. Der Preis erscheint mir für die gegenüber dem gedruckten Exemplar eingeschränkte Funktionalität generell zu hoch. Schliesslich werde ich doch fündig und kaufe mir bei Weltbild den Kriminalroman Der zweite Tod von Daniel Scholten, einem Goldmann-Taschenbuch aus dem Jahre 2007 für Fr. 12.70.
2. Der Sony Reader unterwegs
Etwas irritiert war ich schon, als mich beim Einschalten des Geräts jeweils das Dialogfenster “Low Battery!” empfing. Aber ich hatte den Reader doch mehrere Stunden via USB an meinem PC aufgeladen? Dem Batteriesymbol sah ich nicht wirklich an, ob es den Status völlig leer oder ganz voll anzeigte… Nach rund 90 Seiten Lesen wurde es mir klar – die Batterie war tatsächlich leer. Irgendwie scheint der Aufladevorgang nicht richtig funktioniert zu haben. Doch sagen wir mal, das war mein Fehler. Aber auch nach dem Wiederaufladen (erst zu Hause, da ich auf der Reise kein Kabel dabei hatte…) fällt auf, dass die Batterie sehr rasch wieder leer ist. Und ich dachte, die eInk brauche so wenig Strom…
Zum Lesevergnügen unterwegs machte ich folgende Beobachtungen: Bei Sonneneinstrahlung muss man manchmal eine ungemütliche Haltung einnehmen, um nicht geblendet zu werden. Der Kontrast ist beim Sony grundsätzlich schlechter als beim Kindle, der Hintergrund ist zu dunkelgrau. Und man kann den Kontrast nirgends einstellen. Mühsam finde ich das Umblättern der Seiten. Unten am Bildschirmrand befinden sich zwei sehr dezent angebrachte Knöpfe zum vor- oder rückwärtsblättern. Die findet man fast nicht blindlings, und man muss fürs Umblättern immer vom Text aufschauen. Dann gibt es die Variante, durch einen Fingerstrich über den Touchscreen umzublättern. Das funktioniert leider nicht immer und benötigt – für einen iPhone verwöhnten Anwender – ungewöhnlich viel Druck und Kraft. Besonders wenn man die Schrift vergrössert hat, muss man pro realer Seite drei Mal umblättern, was einfach unbequem ist. Das Laden der neuen Seite dauert zwar nicht lang, ist aber mit einem nicht gerade tollen Aufblinken des Bildschirms verbunden.
3. Das eBook im EPUB-Format
Am meisten enttäuscht bin ich vom eBook selber. In der kleinsten Grösse erscheint das Originallayout im Stile eines PDF-Dokuments. Nur kann ich diese Auflösung auf dem kleinen Bildschirm beim besten Willen nicht lesen. Ich schalte also die Zoomfunktion ein und wähle die mittlere Grösse. Nun werden die Seiten neu umgebrochen, und zwar wie! Mir ist unerklärlich, wie man ein eBook oder eine Software anbieten kann, die keine Silbentrennung verwenden. Dadurch entstehen unmögliche Trennungen in Wörtern und Zeilen. Fast dieselben Störungen hat man übrigens, wenn man das Buch auf dem PC in der Sony eBook Library anschaut und die Schrift vergrössert. Das Lesen wird damit zu einem Stück Korrekturarbeit: man ist ständig damit beschäftigt, die Umbrüche zu korrigieren, Wörter zusammenzusetzen oder dann auch wieder nicht. Ein Beispiel gefällig: das Wort “jeden” wird in “je den” getrennt. Da die Kombination je den durchaus möglich ist, liest man darüber, stolpert, weil der Anschluss nicht stimmt, kehrt zurück – und ärgert sich. Sorry, so geht das nicht. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass dieses Lesen im geistigen Korrekturmodus ziemlich ermüdet.

Fazit: Der Sony PRS-700 kommt im Paket mit den eBooks noch sehr unausgegoren daher. Er wirkt schwerfällig und bietet kein Lesevergnügen. Im Vergleich zum Taschenbuch sehe ich keine praktischen Vorteile.
Und vom Handling her kommt der Sony PRS-700 nicht annähernd ans iPhone heran. Dort ist das Blättern ein Vergnügen – ob man den Text langsam fliessen lässt oder ob man mit Druck auf die rechte Bildschirmseite vorwärts blättert (wie in der Applikation Stanza) oder die Seite mit einem Blättereffekt wendet (wie bei Eukalyptus) – so stelle ich mir das vor. Übrigens stimmt bei den eBooks fürs iPhone – ich habe schon einige Verlage und Applikationen ausprobiert – auch der Seiten- und Zeilenumbruch. So geht das – es müsste nur noch der Bildschirm grösser sein. Aber da bestehen ja durchaus Hoffnungen…
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Dienstag, Mai 5th, 2009
Studierende freuen sich wies Kindle (danke, Pascal, fürs Wortspiel…) auf den morgigen Tag: Amazon ruft zur Pressekonferenz im Umfeld der New York Times. Das regt die Phantasie an, nicht nur meine. Kommentatoren und Blogger auf der ganzen Welt fiebern mit: Kommt jetzt der Kindle im Grossformat, der geeignet ist, Tageszeitungen zu lesen? Mit dem vollintegrierten Webbrowser? Und erfüllen sich gleichzeitig die Hoffnungen der Studierenden? Letztes Jahr war die Rede von einer Hochschulversion des Kindle. Man stelle sich vor: der Kindle in Grossformat, vollgepackt mit eBooks für ganze Studiengänge… Ich habe mich schon mal vorsorglich bei Amazon als Testperson gemeldet.
Am Tag vor der Präsentation ist Phantasieren erlaubt, denke ich. Was braucht es, damit sich ein eBook Reader bei den Studierenden durchsetzt? Nebst den Anforderungen ans Format, die technischen Funktionen und den Inhalt, die mit einem Kindle 3 vielleicht erfüllt werden können, braucht es noch anderes. Insbesondere die nahtlose Integration des Readers in die gewohnte PC-Umgebung. Ich will unterwegs Notizen machen können, Passagen kopieren und in ein Textdokument einfügen können. Ich will den Literaturnachweis direkt übernehmen können, in meine Bibliografieliste oder nach Digg, Delicious oder Connotea exportieren können. Und ich will frei sein, was die Formate und die Geräte betrifft. Und als Bibliothekar? Da wünsche ich mir, dass Amazon attraktive Lizenzmodelle bietet, damit ich für einen Studiengang die elektronischen Lehrbücher lizenzieren und auf PCs und Kindles und iPhones laden kann.
Ich bin skeptisch, dass schon morgen alle diese Wünsche in Erfüllung gehen. Die Spannung steigt.
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Dienstag, Mai 5th, 2009
Der ALA-Blog ist umgezogen und nun unter neuer Adresse erreichbar. Auch der Beitrag “A TechSource Blogger Forum: E-Readers and Libraries” über eBook Reader ist nun wieder zugänglich. Eigentlich wollte ich ja nur den Blogeintrag weitergeben. Aber da der Artikel weiterhin nicht abrufbar ist, berichte ich etwas ausführlicher über die aktuelle Diskussion in amerikanischen Bibliothekskreisen, ob die mobilen eBook Reader in Bibliotheken eingesetzt werden können.
Im Blogbeitrag von ALA Techsource äussern sich drei Spezialisten zum Thema: Jason Griffey (University of Tennessee) sieht das Hauptproblem beim Kindle in Amazons DRM. Man kann ein Buch nicht mehrfach kaufen und es nur sehr eingeschränkt kopieren. Für eine Familie mag das Modell in Ordnung sein, für eine Bibliothek ist es untauglich. Cindi Trainor (Lexington, Kentucky) schreibt:
My library is in the midst of planning how to circulate digital content using Kindles and iPods (Touch). We are very excited about the pilot project, the plan for which is to involve the book that our freshman class will read, as well as books related to major lecture events on campus.
Aber auch sie macht die Einschränkung, dass der mehrfache Kauf von Büchern – weder bei Amazon noch auf iTunes – vorgesehen ist. Und sie fragt: “If institutional purchase is not being considered at all, have libraries already lost this battle?” Tom Peters sieht grosses Zukunftspotenzial in der Art, wie Amazon eBooks überall hin liefert. Wobei ich hier anmerken möchte, dass sich momentan dieses “überall” auf die USA beschränkt, sofern die drahtlose Übertragung gemeint ist. Weiter ist er von der Text-to-Speech-Funktion des Kindle 2 hell begeistert.
Auch bei den Kollegen in den USA ist die Unsicherheit also sehr gross, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, dass Bibliotheken eBooks auf Readern an ihre Benutzer abgeben.
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