Anmelden  • Druckversion

Seiten

Herausforderungen für Bibliotheken

Donnerstag, Mai 26th, 2011

Welches sind die neuen Herausforderungen für Bibliotheken und wie können sie sich darauf einstellen? Dieser Frage bin ich in einem Vortrag am Springer Library Summit am 20. Mai in Zürich nachgegangen. Und vor lauter Vorträge halten hätte ich beinahe mein Blog vernachlässigt… Hier meine zentralen Gedanken und die Präsentation auf Slideshare dazu.

Mein Fokus liegt – das überrascht wohl niemanden – vor allem auf den technologischen Herausforderungen. Hier sehe ich die mobile Webnutzung als wichtigsten Trend, der grossen Einfluss auf das Nutzerverhalten und damit auch auf die Anforderungen hat, die an Dienstleister wie Bibliotheken herangetragen werden. Die mobile Nutzung mit Smartphones dürfte die stationäre Internetnutzung vom PC aus schon bald überholen. Für das Nutzerverhalten bedeutet dies, dass kleine Informationshäppchen (noch kleinere als heute…) gewünscht werden, die man schnell von unterwegs auch auf kleinen Bildschirmen abrufen kann. Wie beim Fernsehen mit vielen verfügbaren Kanälen wird “gezappt”: man springt schnell von eienr Information zur andern – dafür sind die Hyperlinks schliesslich da… Noch verstärkt wird die Tendenz, dass Informationen für Nutzer nicht existieren, wenn sie nicht elektronisch verfügbar sind. Weiter wirkt sich auch der Siegeszug der sozialen Netzwerke auf das allgemeine Benutzerverhalten und die Erwartungen aus: man will per Knopfdruck mit Freunden teilen, wenn etwas interessiert, man will Empfehlungen abgeben und Kommentare geben können – oder einfach etwas mögen (“liken”). Dann kommt hinzu, dass ich mir meine Informationen immer stärker auf meine persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann. Twitter gibt hier den Takt vor. Ich organisiere die Informationen in Listen, speichere Suchabfragen (mit oder ohne Hashtag) ab und lasse mir diese personalisierte Information in meinem sozialen Magazin in Echtzeit anzeigen. Eine Zukunftsvision? Nein, sondern die schon alltägliche Nutzung von Flipboard auf dem iPad.

Ein weiterer Megatrend sind die geobasierten Anwendungen, die sich dank der Smartphones rasend schnell etabliert haben. Meine Freunde und Follower wissen von meiner Begeisterung für Foursquare. Hier werden spielerische Elemente mit nützlichen Informationen zum Ort, wo man sich befindet, kombiniert. Darauf setzen dann weitere Anwendungen wie lokale Auskunftsdienste (Localmind) oder soziale Netze wie Scoville auf. Auch Facebook ist mit Places auf diesen Zug aufgesprungen. Ich habe in diesem Blog schon darauf  hingewiesen, dass Localmind eine virtuelle Variante zum klassischen Auskunftsschalter der Bibliothek sein könnte. Es geht  noch weiter in Richtung Augmented Reality. Auch hier bieten die Smartphones die Hard- und Software, die für eine rasante Verbreitung solcher Dienste sorgen. In der Schweiz ist die Anwendung Swiss Peaks beliebt, die einem anzeigt, welche Berggipfel man von seinem Standort aus sieht. Ein neuer Dienst ist Junaio, mit dem man sich z.B. die Orte in der Nähe anzeigen lassen kann, die einen Eintrag in Wikipedia haben.

Screenshot ab iPhone mit App Junaio: Blick von der ETH in Richtung Zürcher Altstadt mit eingeblendeten Wikipedia-Einträgen

Und dann sind da – natürlich – noch die E-Books und die E-Reader, die eine grosse Herausforderung für die Bibliotheken (und Verlage) darstellen. Wir sind gefordert, benutzerfreundliche Formate und Anwendungen zu entwickeln, damit wir unseren Kunden die gewünschten Inhalte auch für die mobile Nutzung anbieten können.

So viel für heute. Wie sich die Bibliotheken methodisch und organisatorisch auf diese neuen Herausforderungen einstellen können, wird Thema eines nächsten Blogbeitrags sein. In der Präsentation auf Slideshare gibt es bereits Stichworte dazu.



Share/Save/Bookmark

Einsatz von eBook Readern in Bibliotheken? (update)

Dienstag, Mai 5th, 2009

Der ALA-Blog ist umgezogen und nun unter neuer Adresse erreichbar. Auch der Beitrag “A TechSource Blogger Forum: E-Readers and Libraries” über eBook Reader ist nun wieder zugänglich. Eigentlich wollte ich ja nur den Blogeintrag weitergeben. Aber da der Artikel weiterhin nicht abrufbar ist, berichte ich etwas ausführlicher über die aktuelle Diskussion in amerikanischen Bibliothekskreisen, ob die mobilen eBook Reader in Bibliotheken eingesetzt werden können.

Im Blogbeitrag von ALA Techsource äussern sich drei Spezialisten zum Thema: Jason Griffey (University of Tennessee) sieht das Hauptproblem beim Kindle in Amazons DRM. Man kann ein Buch nicht mehrfach kaufen und es nur sehr eingeschränkt kopieren. Für eine Familie mag das Modell in Ordnung sein, für eine Bibliothek ist es untauglich. Cindi Trainor (Lexington, Kentucky) schreibt:

My library is in the midst of planning how to circulate digital content using Kindles and iPods (Touch). We are very excited about the pilot project, the plan for which is to involve the book that our freshman class will read, as well as books related to major lecture events on campus. 

Aber auch sie macht die Einschränkung, dass der mehrfache Kauf von Büchern – weder bei Amazon noch auf iTunes – vorgesehen ist. Und sie fragt: “If institutional purchase is not being considered at all, have libraries already lost this battle?” Tom Peters sieht grosses Zukunftspotenzial in der Art, wie Amazon eBooks überall hin liefert. Wobei ich hier anmerken möchte, dass sich momentan dieses “überall” auf die USA beschränkt, sofern die drahtlose Übertragung gemeint ist. Weiter ist er von der Text-to-Speech-Funktion des Kindle 2 hell begeistert.

Auch bei den Kollegen in den USA ist die Unsicherheit also sehr gross, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, dass Bibliotheken eBooks auf Readern an ihre Benutzer abgeben.


top
 
FireStats icon Powered by FireStats