Kindle Fire im Praxistest

Der Kindle Fire ist offiziell in Europa noch nicht erhältlich. Die Verlockung ist jedoch gross, das sehr günstige Tablet aus dem Hause Amazon in den USA oder über Direktimport zu kaufen. Die Nutzung ist dann jedoch stark eingeschränkt. Es lassen sich nur einige wenige Apps installieren – wie Audible, Weather oder Pandora. Doch wenn man im Amazon Appstore eine andere kostenlose App beziehen will, erscheint die Meldung: „The Amazon Appstore is not yet available in your region.“ Aufgrund der Liste der beliebtesten Downloads wird immerhin klar, dass mit dem Kindle Fire vor allem gespielt wird – und Videos angesehen werden, denn die App von Netflix steht auf Rang 3 der kostenlosen Apps. Ansonsten befinden sich unter den TopTen auschliesslich Games, sowohl bei den kostenlosen wie bei den kostenpflichtigen Apps. Ein gewisses Mysterium sind die Apps, die man trotzdem laden kann. Mit der Zeit haben sich immer mehr Anwendungen unter dem entsprechenden Tab „eingefunden“. So konnte ich eine E-Mail-App oder auch QuickOffice (in einer Light-Version) in Betrieb nehmen, letzteres sogar mit meiner Dropbox verbinden.

Klar ist jedoch, dass sich das Bedienungskonzept des Kindle Fire von den klassischen Kindle-E-Readern unterscheidet. Es handelt hierbei sich um eine abgespeckte Android-Variante. Man hat direkte Links auf die Rubriken Newsstand, Books, Music, Video, Docs, Apps und Web. Hinter letzterem verbirgt sich ein schlanker Browser, mit dem ich mich über die Landingpage der Hochschule mit dem öffentlichen WLAN verbinden konnte. Im Vergleich zu anderen Tablets (iPad, Samsung Galaxy, HTC Flyer) wirkt der Browser etwas rucklig beim Vergrössern von Inhalten.

Aussen vor bleibt man in Europa bei den Videos. Man stellt aber fest, dass Amazon in den USA ein konkurrenzfähiges Angebot bereitstellt. Mit dem Amazon Prime-Abonnement ($ 79 pro Jahr) kann man tausende von Videos und auch E-Books ohne weitere Kosten ausleihen.

Der Kindle Fire ist direkt mit der Amazon-Cloud verbunden. So gibt es auch bei den Büchern zwei Tabs, einen für Bücher auf dem Gerät, einen für jene in der Cloud. Bei Bedarf werden die gewünschten Titel aus der Cloud auf das Gerät heruntergeladen. Eigene Dokumente kann man über eine eigene E-Mail-Adresse auf das Gerät schicken. Dafür muss die Absender-Adresse jedoch in den Einstellungen des Amazons-Konto registriert werden. Ein Word-Dokument mit Tabellen und Grafiken wird allerdings etwas verzerrt dargestellt. Der Viewer ist eher für PDF-Dokumente geeignet.

Das Lesen von Büchern ist vergleichbar mit allen anderen 6/7-Zoll-Tablets mit einer Kindle-App. Es lassen sich Markierungen und Notizen anlegen, die dann auf der persönlichen Kindle-Seite (https://kindle.amazon.com/) über den Browser vom PC aus zugänglich sind und veröffentlicht werden können. Wie bei den anderen Tablets fallen beim Kindle Fire die Vorteile der E-Ink weg. Zum Lesen und Annotieren von PDF-Dokumenten ist die Grösse des Bildschirms nicht ideal. Wer mit dem Tablet arbeiten will, ist mit einem 10-Zoll-Bildschirm besser bedient.

Eine Alternative, die ich so nicht unbedingt empfehlen kann und auf keinen Fall darf: Ein Kollege hat kurzerhand seinen Kindle Fire gerootet, also das Betriebssystem Android 4 installiert – und erfreut sich jetzt am günstigsten Tablet weit und breit auf dem Markt. Wer zu diesem Schritt nicht bereit ist, dem wird empfohlen mit dem Kauf des Kindle Fire noch zu warten, bis er offiziell in unseren Landen erhältlich ist. Erst dann wird man die Funktionen des Kindle Fire wirklich nutzen können.

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