Archiv für die ‘ Trends ’ Kategorie
Montag, August 15th, 2011
Darf ich vorstellen: Kindle Cloud Reader, hier kommt die Zukunft! Eigentlich macht ja Amazon nichts anderes als Google mit Google Books schon vorgemacht hat. Es hat seine Plattform für E-Books auf der Basis von HTML 5 für das Lesen im Browser geöffnet. Was soll daran so spektakulär sein? Ich sehe drei Punkte:
- Neues technisches Konzept: Unabhängigkeit von Hardware- und Software
- Neues Geschäftsmodell: Unabhängigkeit von der einen marktdominierenden Firma (Apple)
- Alternative zum Modell der Apps
1. Amazon schafft mit der Loslösung von Einschränkungen durch Hard- und Software einen bewundernswerten Befreiungsschlag. Es ebnet nicht nur den Weg für ein eigenes Tablet, sondern bietet die Grundlage dafür, dass die Kindle E-Books tatsächlich auf jeder Plattform gelesen werden können. Damit geht Amazon noch einen Schritt weiter als bei der Öffnung des Kindle über verschiedene Kindle-Apps und -Softwares. Amazon nutzt dafür (wie Google auch) zwei der Technologien und Konzepte der Zukunft: Daten in der Wolke, Nutzung über Browser in HTML5. Hierhin geht die Reise! Ob die herkömmlichen E-Book-Reader dabei mithalten können, ist allerdings noch offen.
2. Amazon befreit sich aus der Abhängigkeit von Apple und bestraft den neuen Riesen für den Missbrauch seiner marktdominierenden Stellung. Apple beanspruchte mit seiner neuen Regelung für In-App-Verkäufe einen unanständig hohen Anteil an den Verkaufserlösen. Das führte zunächst dazu, dass Amazon die Möglichkeit E-Books zu kaufen aus seiner Kindle-App entfernte. Nun bietet Amazon eine neue integrierte Lösung, ohne dass Apple sich am Verkauf von Kindle E-Books weiterhin ein grosses Stück abschneiden kann. Als Kunde finde ich das toll. Zumal es nun meine freie Wahl ist, auf welchem Gerät ich meine Kindle E-Books lese. Ich kann das auch weiterhin auf dem iPad tun. Dazu speichere ich die Website Kindle Cloud Reader mit entsprechendem Icon auf dem Homescreen des iPad. Und mehr brauche ich nicht!

Screenshot: Abspeichern des Icons zum Webdienst Kindle Cloud Reader auf dem iPad
3. Damit zeigt Amazon auf, dass die Zukunft nicht bei den plattformabhängigen Apps liegt, sondern bei den unabhängigen Webdiensten. Wer braucht denn eine App, wenn man dieselben Funktionen dank HTML5 auch über einen Webdienst kriegt? Der nebst vielen anderen Vorteilen nicht ständig aktualisiert werden muss und nicht von einer Firma kontrolliert werden kann. Ich kann schon heute verraten, dass auch die ETH-Bibliothek bei ihrer in Arbeit befindlichen mobilen Website auf Webdienste setzen wird, und nicht auf eine App. Die Schlüsseltechnologie dahinter heisst jQuery mobile und bietet nichts weniger als die Unabhängigkeit von den verschiedenen mobilen Plattformen. Doch dazu gibt es später mehr…

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Donnerstag, Mai 26th, 2011
Welches sind die neuen Herausforderungen für Bibliotheken und wie können sie sich darauf einstellen? Dieser Frage bin ich in einem Vortrag am Springer Library Summit am 20. Mai in Zürich nachgegangen. Und vor lauter Vorträge halten hätte ich beinahe mein Blog vernachlässigt… Hier meine zentralen Gedanken und die Präsentation auf Slideshare dazu.
Mein Fokus liegt – das überrascht wohl niemanden – vor allem auf den technologischen Herausforderungen. Hier sehe ich die mobile Webnutzung als wichtigsten Trend, der grossen Einfluss auf das Nutzerverhalten und damit auch auf die Anforderungen hat, die an Dienstleister wie Bibliotheken herangetragen werden. Die mobile Nutzung mit Smartphones dürfte die stationäre Internetnutzung vom PC aus schon bald überholen. Für das Nutzerverhalten bedeutet dies, dass kleine Informationshäppchen (noch kleinere als heute…) gewünscht werden, die man schnell von unterwegs auch auf kleinen Bildschirmen abrufen kann. Wie beim Fernsehen mit vielen verfügbaren Kanälen wird “gezappt”: man springt schnell von eienr Information zur andern – dafür sind die Hyperlinks schliesslich da… Noch verstärkt wird die Tendenz, dass Informationen für Nutzer nicht existieren, wenn sie nicht elektronisch verfügbar sind. Weiter wirkt sich auch der Siegeszug der sozialen Netzwerke auf das allgemeine Benutzerverhalten und die Erwartungen aus: man will per Knopfdruck mit Freunden teilen, wenn etwas interessiert, man will Empfehlungen abgeben und Kommentare geben können – oder einfach etwas mögen (“liken”). Dann kommt hinzu, dass ich mir meine Informationen immer stärker auf meine persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann. Twitter gibt hier den Takt vor. Ich organisiere die Informationen in Listen, speichere Suchabfragen (mit oder ohne Hashtag) ab und lasse mir diese personalisierte Information in meinem sozialen Magazin in Echtzeit anzeigen. Eine Zukunftsvision? Nein, sondern die schon alltägliche Nutzung von Flipboard auf dem iPad.
Ein weiterer Megatrend sind die geobasierten Anwendungen, die sich dank der Smartphones rasend schnell etabliert haben. Meine Freunde und Follower wissen von meiner Begeisterung für Foursquare. Hier werden spielerische Elemente mit nützlichen Informationen zum Ort, wo man sich befindet, kombiniert. Darauf setzen dann weitere Anwendungen wie lokale Auskunftsdienste (Localmind) oder soziale Netze wie Scoville auf. Auch Facebook ist mit Places auf diesen Zug aufgesprungen. Ich habe in diesem Blog schon darauf hingewiesen, dass Localmind eine virtuelle Variante zum klassischen Auskunftsschalter der Bibliothek sein könnte. Es geht noch weiter in Richtung Augmented Reality. Auch hier bieten die Smartphones die Hard- und Software, die für eine rasante Verbreitung solcher Dienste sorgen. In der Schweiz ist die Anwendung Swiss Peaks beliebt, die einem anzeigt, welche Berggipfel man von seinem Standort aus sieht. Ein neuer Dienst ist Junaio, mit dem man sich z.B. die Orte in der Nähe anzeigen lassen kann, die einen Eintrag in Wikipedia haben.

Screenshot ab iPhone mit App Junaio: Blick von der ETH in Richtung Zürcher Altstadt mit eingeblendeten Wikipedia-Einträgen
Und dann sind da – natürlich – noch die E-Books und die E-Reader, die eine grosse Herausforderung für die Bibliotheken (und Verlage) darstellen. Wir sind gefordert, benutzerfreundliche Formate und Anwendungen zu entwickeln, damit wir unseren Kunden die gewünschten Inhalte auch für die mobile Nutzung anbieten können.
So viel für heute. Wie sich die Bibliotheken methodisch und organisatorisch auf diese neuen Herausforderungen einstellen können, wird Thema eines nächsten Blogbeitrags sein. In der Präsentation auf Slideshare gibt es bereits Stichworte dazu.

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Dienstag, Mai 10th, 2011
An der informare! habe ich einen Vortrag zum Thema “machen eReader in Bibliotheken Sinn?” gehalten. Es ging dabei zunächst um eine Einschätzung der zu erwartenden Entwicklung, anschliessend um die voraussichtlichen Konsequenzen für die Bibliotheken. Im englischen Sprachraum ist der Durchbruch der E-Books bereits erfolgt. Im deutschen Sprachraum fehlen noch die aktuellen Angebote, zudem sind sie tendenziell überteuert. Die kürzlich erfolgte Öffnung des Amazon Kindle Stores für Deutschland dürfte aber ein wichtiger Schritt in Richtung eine attraktiven Angebots sein. Bei den Geräten ist auf Seite der E-Ink-Reader nicht allzu viel passiert in jüngster Zeit. Klar ist, dass sich diese dedizierten E-Book-Reader in Richtung Tiefpreissegment bewegen. Bei den multifunktionalen Tablets sind zahlreiche Geräte angekündigt (nun auch ein Android-Tablet von Amazon), aber erst wenige auf dem Markt erschienen. Apple hat mit dem iPad 2 wiederum die Nase vorn, doch dahinter sind mit dem Motorola Xoom und dem Playbook von RIM ernst zu nehmende Konkurrenten aufgetreten. Auch mitdem Samsung Galaxy 10.1 wird zu rechnen sein. Aber der Vorsprung von Apple vor allem im Bereich Apps ist schon sehr gross.
Unter dem Strich können wir aus Bibliothekssicht den sicheren Schluss ziehen, dass unsere Kunden immer häufiger mit mobilen Geräten auf unsere Dienstleistungen und Ressourcen zugreifen werden. Das betrifft also zum einen die Website, zum anderen die elektronischen Ressourcen. Somit müssen sich die Bibliotheken die Frage stellen, ob sie für diese Entwicklung vorbereitet sind. Dies betrifft zum einen den mobilen Zugriff auf ihre Website mit den Rechercheinstrumenten oder auch eigenen Volltextangeboten, zum anderen die Bereitstellung elektronischer Texte – seien es E-Journals oder E-Books. Im letzteren Fall sind die Bibliotheken vom Angebot der Verlage abhängig. Und dieses muss zum heutigen Zeitpunkt klar als kundenunfreundlich kritisiert werden. Bei der Belletristik ist die Auswahl zu gering und zu wenig aktuell, zudem sind die Preise zu hoch. Bei der wissenschaftlichen Literatur ist das momentan vorherrschende Distributionsmodell (freier Zugang aus der IP-Range einer Hochschule auf die lizenzierten Werke, Download allerdings nur als ein PDF-Dokument pro Kapitel) zwar noch bibliotheksfreundlich, aber keineswegs kundenfreundlich. Wünschenswert sind hier alternative Formate, die sich auch für kleinere Reader eignen (also EPUB), komplette Dokumente sowie integrierte Metadaten, damit die E-Books vernünftig organisiert werden können.
Die Bibliotheken selbst können mit gutem Beispiel vorangehen und die Texte, die sie oder die Hochschulangehörigen selbst produzieren, entsprechend aufbereiten. Ganz allgemein sehe ich im Bereich Unterstützung der Hochschulangehörigen beim elektronischen Publizieren (von Open Access über Archivierung und eben auch Bereitstellung verschiedener Dateiformate) eine wichtige Aufgabe für die Hochschulbibliotheken.
Eine besondere Herausforderung stellen die E-Books mit den gängigen Lizenzmodellen für Bibliotheken mit unterschiedlichen Nutzergruppen (Hochschulangehörige und externe Kunden) dar. Momentan werden externe Kunden, die für die ETH-Bibliothek ein sehr wichtiges Segment darstellen, von der elektronischen Informationsversorgung weitgehend abgeschnitten. Hier müssen neue Lösungen gefunden werden. Zwei Ansätze bieten sich an: Erweiterung der Lizenzen auf externe, eingeschriebene Nutzer mit den entsprechenden Authentifizierungs- und Authorisierungsmassnahmen und/oder die zeitlich limitierte zur Verfügungstellung von elektronischen Dokumenten, die sogenannte Onleihe.
Und wie sieht es jetzt mit den eReadern in Bibliotheken aus? Ich gehe davon aus, dass unsere Kunden ihre eigenen Geräte in die Bibliothek mitbringen werden und dafür geeignete Inhalte fordern werden. Bibliotheken müssen also meiner Ansicht nach nicht eReader verkaufen oder ausleihen. Damit die Kunden die neuen Geräte ausprobieren können, macht es aber durchaus Sinn, eine Auswahl an verschiedenen Devices mit Inhalten zur Verfügung zu stellen. Aber die Bestückung von E-Book-Readern mit Kollektionen von E-Books, die katalogisiert werden und dann wie gedruckte Bücher ausgeliehen werden, scheint mir etwas anachronistisch. Abgesehen davon sprechen die Lizenzverträge mit den Verlagen gegen eine solche Nutzung.
Mit dem Ausprobieren der Geräte verbunden werden kann die Nutzung von Tageszeitungen. Warum nicht die Lese-Lounge mit iPads (oder anderen Tablets) ergänzen, auf denen aktuelle Titel elektronisch gelesen werden können? Die ETH-Bibliothek bietet dies mit ausgewählten Tageszeitungen, darunter die nur auf dem iPad angebotene The Daily an. Und zudem werden auch Schulungsangebote für die unterschiedlichen Plattformen durchgeführt.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass sich die Bibliotheken darauf einstellen müssen, dass die Kunden in Zukunft verstärkt mobil auf ihre Inhalte zugreifen wollen. Und dafür müssen sie vorbereitet sein und geeignete Dienstleistungen anbieten. Dies geht allerdings nicht ohne die kommerziellen Anbieter von E-Books.

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Donnerstag, April 7th, 2011
Geobasierte Information ist dank den Smartphones mittlerweile alltäglich geworden. Foursquare ist wohl der bekannteste Dienst, der ortsbezogene Informationen vermittelt, die von Usern oder auch von Institutionen bereitgestellt werden. Die ETH-Bibliothek versucht gerade, eine Foursquare-Seite zu erhalten, um dem bisherigen Ort (“venue”) einen offizielleren Touch zu geben. Sobald wir mehr wissen, wird an dieser Stelle berichtet…
Auf diesen Diensten (Gowalla, Foursquare, Facebook Places, Twitter) baut nun Localmind auf, eine Art Web 2.0-Auskunftsdienst, der durchaus auch für Bibliotheken interessant sein könnte. Mit der entsprechenden App auf dem iPhone kann man Leute in der Nähe suchen, die einem Auskunft erteilen können. Voraussetzung ist, dass man sich über einen der oben genannten geobasierten Dienste an einem Ort eincheckt und die App installiert hat.

Screenshot vom iPhone: Anzeige von Localminds, Anfrage und Meldung einer Antwort
Man kann also dem vor Ort anwesenden User eine Frage stellen. Dieser wird benachrichtigt, dass eine Frage gestellt wurde. Konkret erhält er umgehend eine Direktnachricht auf das iPhone. Die angefragte Person kann dann entscheiden, ob sie antworten kann oder nicht. Die Beantwortung einer Frage wird mit Punkten „belohnt“ – hier kommt der spielerische Aspekt zum Zug. Und der Fragesteller kann ein Feedback geben, ob die Antwort nützlich war. Bei positivem Feedback wird die Glaubwürdigkeit (bzw. der Punktestand) des Antwortgebers erhöht.
Was spricht dagegen, dass sich eine Bibliothek einen Foursquare-Account zulegt und sich bei Localmind anmeldet, damit die Informationsdienste Anfragen auf diesem Kanal entgegennehmen und beantworten können? Eine Schwäche des Dienstes besteht darin, dass prinzipiell keine Spezialisten sondern zufällig an diesem Ort eingecheckte Personen angefragt werden. Auf der Online-Plattform für Kundenfeedback von Localmind ist denn auch der Wunsch bereits formuliert, dass eine Art Expertenstatus möglich sein soll. Dann wüsste der Fragesteller, ob er sich an irgend einen Passanten oder an eine vertrauenswürdige Stelle wendet. Und das wäre dann der virtuelle Auskunftsdienst, oder? Zumindest scheint mir das eine attraktive Ergänzung zu bereits bestehenden Informationskanälen.
Als Grundsatz lässt sich festhalten, dass fast täglich neue Anwendungen auf den Markt kommen, von denen sich zumindest einige durchsetzen werden und in Aufgabenbereiche wirken, die traditionell Bibliotheken zugeschrieben werden. Wir bleiben dran…

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Dienstag, Februar 15th, 2011
Facebook hat seine Pages überarbeitet und bietet neue Funktionen. Die wichtigste Neuerung besteht darin, dass ein Administrator jetzt auch in die Rolle der eigenen Seite schlüpfen kann. Dadurch kann die Seite selbst mit anderen Seiten oder Usern interagieren. Zum Beispiel kann jetzt die ETH-Bibliothek sagen, dass ihr die Mitteilung der MIT Libraries gefällt. Das eröffnet doch einige neue, interessante Möglichkeiten.

Screenshot: Like-Beitrag der ETH-Bibliothek auf der Seite der MIT Libraries
Diese neue Funktion erleichtert es Administratoren, zwischen den von ihnen betreuten Seiten und ihrem eigenen persönlichen Facebook-Profil zu unterscheiden. Diese Vermischung von persönlichem Profil mit den betreuten Seiten (oder auch Gruppen) war bisher ein Ärgernis. Noch einfacher wäre es gewesen, wenn die Facebook-Seite nicht einem persönlichen Profil zugeordnet werden müsste, denn dieser Umstand bleibt weiterhin bestehen. Eine klare Trennung wäre dann gegeben, wenn auch eine unpersönliche Geschäftsadresse als Inhaber einer Seite gelten könnte. So wird es weiterhin die manchmal lästige Vermischung der Profile und Seiten geben.
Was bringt das Redesign sonst? Die Pages wurden den normalen Profilseiten angegeglichen. So gibt es neu auch den Fotostreifen zum Einstieg. Die Tabs sind verschwunden, die Inhalte sind in die linke Spalte umgezogen. Neu werden Mitteilungen und Kommentare von Fans auf der Unternehmensseite genau gleich angezeigt, wie persönliche Mitteilungen und Kommentare im persönlichen Profil. Neue Fans werden mit demselben Symbol angezeigt wie neue Freunde.

Screenshot: die Facebook-Seite der ETH-Bibliothek im neuen Design
Als Fazit kann ich sagen, dass der neue Identitätswechsel für Administratoren eine nützliche Funktion ist, welche die Interaktionsmöglichkeit der Facebook-Seiten verbessert. Übrigens steht die ETH-Bibliothek gerade vor dem 900. Fan! Herzlichen Dank an alle, die sich für uns und unsere Seite interessieren!
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Montag, Februar 7th, 2011
Es soll uns ja nicht langweilig werden. Kaum hat sich die Diskussion von den E-Book-Readern zu den Tablets als eReader der Zukunft verlagert, tritt ein neuer Ansatz auf die Bühne: der Browser als eReader.
Google Books
Google Books gehen bereits in diese Richtung. Google Books bietet eine persönliche Online-Bibliothek, in die ich die von mir gekauften oder kostenlos bezogenen E-Books (My Google eBooks) abspeichere. Wobei vorläufig der Kauf von neuen Titeln erst in den USA möglich ist.

Screenshot von Google Books mit geöffnetem E-Book im EPUB-Format
Ich kann dann im Browser das E-Book öffnen und mit einfachen Navigationselementen blättern. Wie in einem E-Book-Reader stehen die Elemente Inhaltsverzeichnis, Schriftgrösse ändern und Suche zur Verfügung. Auf die Bibliothek habe ich auch mobil Zugriff. Für verschiedenste Plattformen (Android, iPhone, iPad, Nook, Sony) gibt es eine Google Books-App, mit der ich praktisch die gleichen Möglichkeiten wie im Webbrowser habe.
Grundsätzlich sind diese E-Books in der Online-Bibliothek gespeichert, also in der Wolke. Aber Google ist nicht allein mit diesem Ansatz.
Die Plattform Booki.sh
Die australische Firma Inventive Labs (www.inventivelabs.com.au) hat basierend auf HTML5 die Plattform Booki.sh (http://booki.sh) entwickelt, die ebenfalls E-Books in the Cloud anbietet. Das Prinzip ist ganz ähnlich wie bei Google Books. Allerdings lassen sich auf Booki.sh auch eigene, DRM-freie E-Books im EPUB-Format hochladen und dann von überall her mobil nutzen. Bisher ist der australische Bookstore von Readings angebunden, dessen E-Books über die Plattform gekauft und online gespeichert werden. Der Nachteil einer reinen Online-Speicherung liegt auf der Hand: die E-Books könnten eigentlich nur dann gelesen werden, wenn das Device eine Internetverbindung hat. HTML5 soll aber dank der Funktionalität des Offline Caching ermöglichen, dass die E-Books auch ohne aktive Internetverbindung zugänglich sind.
Auch Booki.sh bietet im Browser die für einen eReader üblichen Funktionen an. Blättern, setzen von Bookmarks, Suche, Inhaltsverzeichnis. Die Plattform ist über (fast) jeden Browser bedienbar, der HTML5 unterstützt – der Internet Explorer ist hier noch ungenügend. Aber dafür lässt sich Booki.sh auch vom iPhone und iPad aus einsetzen. Es lässt sich aus dem Browser ein Home-Button generieren, der fast wie eine App aussieht. Das Caching und die offline-Nutzung sind prinzipiell möglich, doch muss das E-Book im Browser geöffnet sein, wenn die Verbindung abbricht. Ohne Internetverbindung lässt sich ein E-Book nicht wieder öffnen.

Screenshot vom iPad mit im Browser geöffnetem E-Book im EPUB-Format samt Navigationselementen
Der Ansatz ist interessant, hat aber noch einige Schwächen. So kann man beispielsweise keine Annotationen machen. Auf dem iPad lassen sich zwar Textstellen kopieren und dann in einer anderen Anwendung bearbeiten, aber mehr liegt nicht drin. Eine weitere Schwäche besteht darin, dass man die E-Books nicht herunterladen kann und somit der Zugriff von der Verfügbarkeit der Plattform abhängig ist. Es wäre also sehr von Vorteil, wenn der Host dieser Cloud zuverlässig und dauerhaft ansprechbar ist. Ich überlege mir aber gerade, ob nicht das eine Aufgabe für eine Bibliothek sein könnte? Wenn wir diese Daten hosten würden, über IP oder Anmeldung unseren Nutzer darauf Zugriff geben könnten?
Bin ich einfach zu altmodisch und habe zu wenig Vertrauen in die Cloud? Bei aller Faszination dieses Ansatzes ist es mir doch lieber, wenn ich die Daten (auch) lokal speichern kann.

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Freitag, Januar 7th, 2011
Liege ich mit meiner Einschätzung so daneben? Gestern vergebe ich im Blog Facebook Ads die Tiefstnote für Online-Werbung (aus Sicht von Bibliotheken zumindest), heute lese ich, dass Facebook-Werbung nach Ansicht vieler Werbefachleute der Megatrend 2011 sein werde.
Doch ich bleibe dabei: zumindest für ein Nonprofit-Unternehmen wie eine Hochschule oder Bibliothek ist Facebook-Werbung erstens zu teuer und zweitens droht das Risiko der Imageschädigung: Werbung auf Facebook wird entweder nicht wahrgenommen oder nervt. Zudem empfinde nicht nur ich diese Anzeigen als eher unseriös.
Was meint ihr dazu? Teilt ihr meine Einschätzung?
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Donnerstag, Januar 6th, 2011
Es gibt beinahe schon unzählige Möglichkeiten fürs Online-Marketing. Die ETH-Bibliothek hat in jüngster Zeit einige davon ausprobiert: Google AdWords, Google Places und Facebook Ads.
1. Google Places
Ein “kleiner” Vorteil von Google Places gegenüber den beiden anderen Methoden: es ist kostenlos. Google Places wurde im September 2009 gestartet und ersetzt praktisch das Branchen-Telefonbuch. Zunächst fiel uns auf, dass bei einer Suche nach “ETH-Bibliothek” auf Google Maps eine kleine Spezialbibliothek an der ETH Zürich als Treffer erschienen ist. Wir sind dem nachgegangen und haben anschliessend den offiziellen Eintrag für die Hauptbibliothek erstellt. Dieser kann mit Adresse, Kontaktdaten, der Website, mit Bildern und Videos ergänzt werden.

Abb. 1: Eintrag der ETH-Bibliothek in Google Places
Die Zugriffsstatistik für den Monat Dezember 2010 zeigt, dass über diesen Eintrag ca. 3500 Zugriffe auf die Website der ETH-Bibliothek erfolgt sind. Wie gesagt, kostenlos. Und über die mobile App von Google ist Google Places “natürlich” auch in einer mobilen Version zugänglich.
Wertung: *****
2. Google AdWords
Ein weiteres Marketingprodukt aus dem Hause Google. Als Anwender von Google Places hat die ETH-Bibliothek eine Gutschrift für Google AdWords erhalten und hat diese für einen praktischen Test während eines Monats eingesetzt. Es wurden Keywords definiert (wie z.B. Hochschule, Bibliothek, E-Books etc.), bei deren Suche das Kleininserat der ETH-Bibliothek angezeigt werden sollte. Zudem wurde die tägliche Kostenlimite angegeben.

Abb.2: Kampagnenmanager für Google AdWords
Im Ergebnis erzielten wir 345 Klicks, die rund 130 Franken (also grob 100 Euro) kosteten. Die ETH-Bibliothek hat beschlossen, die Kampagne nach Ablauf des Tests zu stoppen, da Kosten und Ertrag in einem zu schlechten Verhältnis stehen.
Wertung: **
3. Facebook Ads
Etwas längere Zeit sammelte die ETH-Bibliothek Erfahrungen mit Facebook Ads. Grundsätzlich bietet Facebook mit dem Tool fürs Management von Werbekampagnen wirklich ausgezeichnete Möglichkeiten. Man kann die Zielgruppe extrem genau definieren. So schaltete die ETH-Bibliothek eine Anzeige für den Dokumentenserver ETH E-Collection, der nur Angehörigen der ETH Zürich angezeigt wurde. Die Zielgruppen lassen sich nach Alter, Geschlecht, Region, Zugehörigkeit zu Netzwerken etc. eingrenzen. Ein echter Traum für die Werbebranche… Aber: das Resultat war für die ETH-Bibliothek ernüchternd. Eine recht allgemeine Kampagne für das neue Wissensportal wurde immerhin 1 Mio Mal angezeigt (“impressions”). Aber daraus resultierten bloss 277 Klicks. Über alle Kampagnen lässt sich sagen, dass nur etwa eine von 2000 Personen, welche eine Anzeige der ETH-Bibliothek sahen, auch darauf geklickt haben. Man kann angeben, wie viel man maximal pro Tag und pro Klick bezahlen will. Die oben erwähnten 277 Klicks kosteten rund 50 Dollar, also etwa 20 Cent pro Klick.

Abb.3: Facebook Ad für die ETH-Bibliothek mit Einstellung für Zielgruppe
Die ETH-Bibliothek zog aus dem mehrmonatigen Versuch mit Facebook Ads den Schluss, diese Kampagnen zu stoppen. Zum einen stehen – wie bei Googls AdWords – Kosten und Ertrag in einem schlechten Verhältnis. Zum andern ist das Umfeld der Werbung auf Facebook noch weniger attraktiv. Marktforschungen (vlg. die Studie von Innofact (PDF) vom Juli 2010) zeigen, dass die Werbung auf sozialen Netzwerken am wenigsten beachtet wird. Eine Einschätzung, die ich persönlich teile. Oder anders gesagt: Werbung auf Facebook nervt viele. Also ist der Nutzen solcher Werbung für seriöse Unternehmen eher zweifelhaft.
Wertung: *

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Donnerstag, Dezember 2nd, 2010
Mit dem Plugin WPtouch für WordPress ist es tatsächlich ein Kinderspiel, eine mobile Version eines Blogs zu erstellen. Mit ein paar Klicks lässt sich der mobile Auftritt ansprechend konfigurieren. Man kann Farbe und Schrift der Titel und Hintergründe einstellen und das Menu einrichten. Wenn man in der PC-Version der Blogbeiträge jeweils ein Artikelbild definiert, kann dieses als Thumbnail in der Beitragsübersicht angezeigt werden.
Über die Einstellungen kann man steuern, ob die mobile Version automatisch oder nach manueller Eingabe angezeigt wird. Unterstützt werden (nicht getestet) alle gängigen Smartphones (Android, Blackberry, WebOS, iPhone). In jedem Fall findet sich am Schluss der Seiten ein Button, mit dem das “mobile theme” ein- oder ausgeschaltet werden kann. Und die mobile Version bietet noch spezielle Features: so kann man die Beiträge nicht nur kommentieren, sondern aus der Anwendung heraus über Twitter und E-Mail verschicken oder auf Del.icio.us und anderen Plattformen abspeichern.

Screenshots vom iPhone: drei Seiten der mobilen Version, generiert mit WPtouch
Viel Spass mit der mobilen Version des Blogs!
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Mittwoch, August 11th, 2010
In Stockholm hat am 7./8. August das Satellite-Meeting der IFLA-Konferenz zu “Marketing Libraries in a Web 2.0 World” stattgefunden. Ich konnte dort einen Vortrag über den Einsatz der Sozialen Medien an der ETH-Bibliothek als Case Study halten. Die Folien dazu sind auf Slideshare veröffentlicht:
Die Tagung hat wieder einmal gezeigt, dass sich Bibliotheken fast überall mit denselben Fragen beschäftigen. Neben einigen Vorträgen zu Forschungsarbeiten im Umfeld des Einsatzes von Web 2.0 gab es interessante Beispiele aus einzelnen Ländern. So zeigte der Vortrag von Moreno Barros, dass Twitter in Brasilien sehr weit verbreitet ist. Heather Moulaison und Eward Corrado forderten die Bibliotheken auf, ihre Policies zu Social Media zu veröffentlichen. Das werde ich mir in nächster vornehmen, denn die User haben einen Anspruch darauf zu wissen, wie mit ihren Kommentaren umgegangen wird, was auf einer bestimmten Plattform erlaubt ist und was nicht. Spannend auch der Vortrag von Lisa Hinchliffe aus Urbana-Champaign, die über den innovativen Ansatz von Marketing 2.0 sprach. Sie zeigte am Besipiel der Undergraduate Library der University of Illinois auf, wie besonders Twitter eingesetzt werden kann, um einen hohen Grad an Interaktion mit den Studierenden zu erreichen. Man soll bei den Tweets stets den User im Kopf haben, nicht die Bibliothek. Rajesh Singh von der Empora State University zeigte auf, dass es primär darum geht, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen (managing experience matters). Wie einige weitere Sprecher adaptierte er bekannte Marketingkonzepte auf die Web 2.0-Welt. Ganz neue Wege geht das Kista Idea Lab in Schweden, das neue Konzepte im Umfeld einer öffentlichen Bibliothek ausprobiert. Und das sich der “user driven innovation” verschrieben hat.
Was habe ich konkret mitgenommen? Zunächst den Vorsatz eine Policy zu formulieren, dann mir die Hootsuite für Twitter einmal genauer anzuschauen. Und meinen Vortrag zu bearbeiten, da er im Tagungsband erscheinen soll…
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