Orchideen im DigiCenter der ETH-Bibliothek

Ein Projekt der besonderen Art war die Digitalisierung von 535 originalen in Glas-Dias gefassten Blütenanalysen von Orchideen.

Das DigiCenter der ETH-Bibliothek hat sich Ende 2015 und Anfang 2016 mit diesem „floralen“ Projekt befasst. Der digitalisierte Bestand ist Teil der Orchideen-Materialsammlung des Schweizer Botanikers Hans R. Reinhard (1919-2007) und befindet sich im Hochschularchiv der ETH Zürich.

Umgang mit empfindlichen Orchideen

Da ein Schimmelbefall der Orchideenblüten trotz Konservierung jederzeit möglich ist, müssen die Blütenanalysen besonders gelagert und behandelt werden. Die Holzbehältnisse mit den Glas-Dias wurden daher in einem Tresor gelagert und erst kurz vor der Digitalisierung entnommen. Zudem durften die Glasplättchen nur mit Einweg-Schutzhandschuhen angefasst werden.

Orchideen vor der Hasselblad-Kamera

Die Blütenanalysen enthalten zahlreiche Details, deren möglichst genaue Wiedergabe anhand von hochaufgelösten Bilddateien gewährleistet werden sollte. Dazu wurde eine Vollformat-Kamera der Firma Hasselblad eingesetzt. Diese ist mit einem Sensor von 39 Megapixeln ausgestattet. Verwendet wurde dazu ein lichtstarkes 67er Macro-Objektiv sowie die dazugehörigen Bildbearbeitungssoftware Phocus.

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Hasselblad-Kamerainstallation des DigiCenters der ETH-Bibliothek


Die Ablichtung erfolgte auf einem Leuchtpult mit optimierter Helligkeitseinstellung. Um störenden Lichtveränderungen vorzubeugen, war die gesamte Aufnahmestation permanent vor einfallendem Tageslicht geschützt.

Die Glas-Dias wurden sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite fotografiert und als Raw-Datei (16Bit) abgespeichert. Ergänzt wurden die Aufnahmen durch einen so genannten Colorchecker, um bei möglichen späteren Farbveränderungen auf die Referenzfarben Bezug nehmen zu können.

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Ablichtung Vorder- und Rückseite, Colorchecker mit Referenzfarben

Orchideen in der Bildbearbeitung

Die Aufnahmen auf dem Leuchtpult mit Durchlicht bewirkten, dass bei zahlreichen Dias die weiss beschriftete Signatur auf dem schwarzen Rahmen auf der Abbildung nicht mehr sichtbar war. Nur mit starker Überbelichtung wären die originalen Signaturen erkennbar gewesen. Damit diese wesentliche Information bei der Digitalisierung nicht verloren ging, wurde die Signatur nachträglich mit Photoshop im Diarahmenfeld des Digitalisates eingetragen.

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Überbelichtetes Dia mit sichtbarer Originalsignatur (links) und korrekt Aufnahme mit via Photoshop eingefügter Signatur

Die weitere Bearbeitung bestand darin, die Bilder mit der Aufnahmesoftware Phocus zu begradigen und auszuschneiden. Im Anschluss wurden sie in den 8bit-Modus umgewandelt und als Tiff-Dateien exportiert und abgespeichert.

Der Zeitaufwand für den Aufnahme- und Bearbeitungsprozess betrug pro Glas-Dia rund 5 Minuten. Insgesamt erfolgte die Erstellung der 1‘070 Digitalisate (Vorder- und Rückseite der Dias) in ungefähr 40 Stunden.

Orchideen auf e-manuscripta

Die Blütenanalysen sowie die weiteren digitalisierten Bestände der Orchideen-Materialsammlung von Hans R. Reinhardt sind auf der Plattform e-manuscripta zugänglich.


Dieses Werk unterliegt einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Public License.

CC-BY-SA

DOI Link: 10.16911/ethz-ib-2673-de

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