ORCID – Eine digitale Identität für Forscherinnen und Forscher

Die eindeutige Identifikation von Autorinnen und Autoren ist für wissenschaftliche Bibliotheken eine wiederkehrende Herausforderung. In unseren Katalogen haben wir umfangreiche Normdateien aufgebaut. Mit ihrer Hilfe können wir Autorinnen und Autoren trotz unterschiedlicher Schreibweise oder Namensänderungen eindeutig identifizieren.

Abbildung 1: Auszug aus dem Normdateneintrag zum Autor Konfuzius, aktuell sind 32 Namensvarianten erfasst

Abbildung 1: Auszug aus dem Normdateneintrag zum Autor Konfuzius, aktuell sind 32 Namensvarianten erfasst

Auch die Betreiber von grossen bibliographischen Datenbanken wie Web of Science oder Scopus haben eigene Identifikationssysteme für Autorinnen und Autoren etabliert. Der Gebrauch dieser Autoren IDs ist jedoch meist auf die jeweilige Datenbanken beschränkt.

Die Idee, eine plattformunabhängige ID für wissenschaftliche Autorinnen und Autoren zu etablieren, die Forschende über ihre gesamte Karriere hinweg begleitet, hat daher für Bibliotheken einen grossen Reiz. Aber auch andere Akteure aus dem Hochschul- und Forschungsbereich, wie Förderorganisationen, Evaluierungsstellen an Universitäten und nicht zuletzt die Forschenden selbst würden davon profitieren. Denn Publikationen, Projekte, Patente oder anderer Forschungsoutput könnten dann institutionen- und datenbankübergreifend eindeutig identifizierten Person zugeordnet werden.

Mit der Open Researcher and Contributor ID – kurz ORCID – ist in den letzten Jahren eine vielversprechende, von Wissenschaftsverlagen, Forschungsförderern und Universitäten getragene Initiative entstanden. Sie rückt die Vision einer dauerhaften, digitalen Identität für Forschende in greifbare Nähe. Eine ORCID iD ist eine sechzehnstellige Zahl, die dem Forschenden zugewiesen wird, wenn er sich das erste Mal unter www.orcid.org registriert. Mit der ORCID iD verbunden ist das ORCID Profil des Forschenden (zum Beispiel http://orcid.org/0000-0001-5109-3700). Es kann Namensvarianten, Informationen zum Werdegang sowie Verweise auf Publikationen und andere Werke enthalten. Der Forschende selbst kann bestimmen, welche Informationen aus seinem Profil öffentlich sichtbar sind und welche nicht.

Abbildung 2: Beispiel eines ORCID Profils

Abbildung 2: Beispiel eines ORCID Profils

Digitale Forscherprofile gibt es unzählige: von Mendeley, über ResearchGate bis zu Thomson Reuters‘ ResearcherID. Das Potenzial von ORCID liegt denn auch nicht allein in den Informationen, die in den öffentlichen Profilen enthalten sind. Es besteht in den Möglichkeiten, die ORCID für den automatisierten Datenaustausch zwischen Verlagen, Hochschulen und Förderorganisationen bietet.

Einige Wissenschaftsverlage haben bereits damit begonnen, Autoren bei der Einreichung eines Manuskripts um die Angabe einer ORCID iD zu bitten. Fügt der Autor den betreffenden Verlag als vertrauenswürdige Quelle seinem ORCID-Profil hinzu, erscheinen seine dort publizierten Werke automatisch in seinem ORCID-Profil. Der Wissenschaftler kann dann z. B. von seiner persönlichen Website einen Link auf sein ORCID-Profil setzen und damit der interessierten Öffentlichkeit, aber auch seinem Arbeit- oder Fördermittelgeber einen stets aktuellen Leistungsausweis anbieten.

Abbildung 3: Webseite eines Forschers an der ETH Zürich

Abbildung 3: Webseite eines Forschers an der ETH Zürich

An der ETH-Bibliothek sind wir davon überzeugt, dass die eindeutige Identifizierung von ETH-Autoren mithilfe von ORCID iDs für alle involvierten Parteien einen grossen Mehrwert bietet. Auch unsere Dienstleistungen, insbesondere der Dokumentenserver ETH E-Collection und die Hochschulbibliographie ETH E-Citations, werden an Effizienz und Attraktivität gewinnen, wenn wir in Zukunft Publikationen aus ORCID-Profilen importieren oder ein verlässliches Autorenbrowsing auf Basis von ORCID iDs anbieten können.

Eine erste beispielhafte Anbindung des Dokumentenservers ETH E-Collection an ORCID haben wir bereits erprobt. Über ein Tool der DOI-Registrierungsagentur DataCite kann ein in ETH E-Collection publiziertes Werk automatisiert in ein ORCID-Profil übernommen werden. Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag.

Autorin: Barbara Hirschmann


Dieses Werk unterliegt einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Public License.

CC-BY-SA

DOI Link: 10.16911/ethz-ib-1334-de

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