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Archiv für Mai, 2009


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Sony PRS-700 im Praxistest

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Den Sony PRS-700 wollte ich im Praxistest auf seine Alltagstauglichkeit prüfen. Mein Interesse galt der Frage, ob ich als leidenschaftlicher Leser von Kriminalromanen den eBook Reader von Sony einem Taschenbuch vorziehen würde. Gelegenheit zum Lesen habe ich als Berufspendler genug. Zudem nahm ich das handliche Gerät mit auf eine Flugreise ins Ausland.

1. Kauf eines Buchs

Wie schon früher bemerkt, ist die Auswahl an aktuellen eBooks nach wie vor klein. Zum einen schränken die Formate die Auswahl ein, zum andern sind sehr oft nur wenige Neuerscheinungen auch als eBook zu haben, erst recht in deutscher Sprache. Der Preis erscheint mir für die gegenüber dem gedruckten Exemplar eingeschränkte Funktionalität generell zu hoch. Schliesslich werde ich doch fündig und kaufe mir bei Weltbild den Kriminalroman Der zweite Tod von Daniel Scholten, einem Goldmann-Taschenbuch aus dem Jahre 2007 für Fr. 12.70.

2. Der Sony Reader unterwegs

Etwas irritiert war ich schon, als mich beim Einschalten des Geräts jeweils das Dialogfenster “Low Battery!” empfing. Aber ich hatte den Reader doch mehrere Stunden via USB an meinem PC aufgeladen? Dem Batteriesymbol sah ich nicht wirklich an, ob es den Status völlig leer oder ganz voll anzeigte… Nach rund 90 Seiten Lesen wurde es mir klar – die Batterie war tatsächlich leer. Irgendwie scheint der Aufladevorgang nicht richtig funktioniert zu haben. Doch sagen wir mal, das war mein Fehler. Aber auch nach dem Wiederaufladen (erst zu Hause, da ich auf der Reise kein Kabel dabei hatte…) fällt auf, dass die Batterie sehr rasch wieder leer ist. Und ich dachte, die eInk brauche so wenig Strom…

Zum Lesevergnügen unterwegs machte ich folgende Beobachtungen: Bei Sonneneinstrahlung muss man manchmal eine ungemütliche Haltung einnehmen, um nicht geblendet zu werden. Der Kontrast ist beim Sony grundsätzlich schlechter als beim Kindle, der Hintergrund ist zu dunkelgrau. Und man kann den Kontrast nirgends einstellen. Mühsam finde ich das Umblättern der Seiten. Unten am Bildschirmrand befinden sich zwei sehr dezent angebrachte Knöpfe zum vor- oder rückwärtsblättern. Die findet man fast nicht blindlings, und man muss fürs Umblättern immer vom Text aufschauen. Dann gibt es die Variante, durch einen Fingerstrich über den Touchscreen umzublättern. Das funktioniert leider nicht immer und benötigt – für einen iPhone verwöhnten Anwender – ungewöhnlich viel Druck und Kraft. Besonders wenn man die Schrift vergrössert hat, muss man pro realer Seite drei Mal umblättern, was einfach unbequem ist. Das Laden der neuen Seite dauert zwar nicht lang, ist aber mit einem nicht gerade tollen Aufblinken des Bildschirms verbunden.

3. Das eBook im EPUB-Format

Am meisten enttäuscht bin ich vom eBook selber. In der kleinsten Grösse erscheint das Originallayout im Stile eines PDF-Dokuments. Nur kann ich diese Auflösung auf dem kleinen Bildschirm beim besten Willen nicht lesen. Ich schalte also die Zoomfunktion ein und wähle die mittlere Grösse. Nun werden die Seiten neu umgebrochen, und zwar wie! Mir ist unerklärlich, wie man ein eBook oder eine Software anbieten kann, die keine Silbentrennung verwenden. Dadurch entstehen unmögliche Trennungen in Wörtern und Zeilen. Fast dieselben Störungen hat man übrigens, wenn man das Buch auf dem PC in der Sony eBook Library anschaut und die Schrift vergrössert. Das Lesen wird damit zu einem Stück Korrekturarbeit: man ist ständig damit beschäftigt, die Umbrüche zu korrigieren, Wörter zusammenzusetzen oder dann auch wieder nicht. Ein Beispiel gefällig: das Wort “jeden” wird in “je den” getrennt. Da die Kombination je den durchaus möglich ist, liest man darüber, stolpert, weil der Anschluss nicht stimmt, kehrt zurück – und ärgert sich. Sorry, so geht das nicht. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass dieses Lesen im geistigen Korrekturmodus ziemlich ermüdet.

Fazit: Der Sony PRS-700 kommt im Paket mit den eBooks noch sehr unausgegoren daher. Er wirkt schwerfällig und bietet kein Lesevergnügen. Im Vergleich zum Taschenbuch sehe ich keine praktischen Vorteile.

Und vom Handling her kommt der Sony PRS-700 nicht annähernd ans iPhone heran. Dort ist das Blättern ein Vergnügen – ob man den Text langsam fliessen lässt oder ob man mit Druck auf die rechte Bildschirmseite vorwärts blättert (wie in der Applikation Stanza) oder die Seite mit einem Blättereffekt wendet (wie bei Eukalyptus) – so stelle ich mir das vor. Übrigens stimmt bei den eBooks fürs iPhone – ich habe schon einige Verlage und Applikationen ausprobiert – auch der Seiten- und Zeilenumbruch. So geht das – es müsste nur noch der Bildschirm grösser sein. Aber da bestehen ja durchaus Hoffnungen…

Durchbruch von eBook Readern fürs Studium?

Dienstag, Mai 5th, 2009

Studierende freuen sich wies Kindle (danke, Pascal, fürs Wortspiel…) auf den morgigen Tag: Amazon ruft zur Pressekonferenz im Umfeld der New York Times. Das regt die Phantasie an, nicht nur meine. Kommentatoren und Blogger auf der ganzen Welt fiebern mit: Kommt jetzt der Kindle im Grossformat, der geeignet ist, Tageszeitungen zu lesen? Mit dem vollintegrierten Webbrowser? Und erfüllen sich gleichzeitig die Hoffnungen der Studierenden? Letztes Jahr war die Rede von einer Hochschulversion des Kindle. Man stelle sich vor: der Kindle in Grossformat, vollgepackt mit eBooks für ganze Studiengänge… Ich habe mich schon mal vorsorglich bei Amazon als Testperson gemeldet.

Am Tag vor der Präsentation ist Phantasieren erlaubt, denke ich. Was braucht es, damit sich ein eBook Reader bei den Studierenden durchsetzt? Nebst den Anforderungen ans Format, die technischen Funktionen und den Inhalt, die mit einem Kindle 3 vielleicht erfüllt werden können, braucht es noch anderes. Insbesondere die nahtlose Integration des Readers in die gewohnte PC-Umgebung. Ich will unterwegs Notizen machen können, Passagen kopieren und in ein Textdokument einfügen können. Ich will den Literaturnachweis direkt übernehmen können, in meine Bibliografieliste oder nach Digg, Delicious oder Connotea exportieren können. Und ich will frei sein, was die Formate und die Geräte betrifft. Und als Bibliothekar? Da wünsche ich mir, dass Amazon attraktive Lizenzmodelle bietet, damit ich für einen Studiengang die elektronischen Lehrbücher lizenzieren und auf PCs und Kindles und iPhones laden kann.

Ich bin skeptisch, dass schon morgen alle diese Wünsche in Erfüllung gehen. Die Spannung steigt.

Einsatz von eBook Readern in Bibliotheken? (update)

Dienstag, Mai 5th, 2009

Der ALA-Blog ist umgezogen und nun unter neuer Adresse erreichbar. Auch der Beitrag “A TechSource Blogger Forum: E-Readers and Libraries” über eBook Reader ist nun wieder zugänglich. Eigentlich wollte ich ja nur den Blogeintrag weitergeben. Aber da der Artikel weiterhin nicht abrufbar ist, berichte ich etwas ausführlicher über die aktuelle Diskussion in amerikanischen Bibliothekskreisen, ob die mobilen eBook Reader in Bibliotheken eingesetzt werden können.

Im Blogbeitrag von ALA Techsource äussern sich drei Spezialisten zum Thema: Jason Griffey (University of Tennessee) sieht das Hauptproblem beim Kindle in Amazons DRM. Man kann ein Buch nicht mehrfach kaufen und es nur sehr eingeschränkt kopieren. Für eine Familie mag das Modell in Ordnung sein, für eine Bibliothek ist es untauglich. Cindi Trainor (Lexington, Kentucky) schreibt:

My library is in the midst of planning how to circulate digital content using Kindles and iPods (Touch). We are very excited about the pilot project, the plan for which is to involve the book that our freshman class will read, as well as books related to major lecture events on campus. 

Aber auch sie macht die Einschränkung, dass der mehrfache Kauf von Büchern – weder bei Amazon noch auf iTunes – vorgesehen ist. Und sie fragt: “If institutional purchase is not being considered at all, have libraries already lost this battle?” Tom Peters sieht grosses Zukunftspotenzial in der Art, wie Amazon eBooks überall hin liefert. Wobei ich hier anmerken möchte, dass sich momentan dieses “überall” auf die USA beschränkt, sofern die drahtlose Übertragung gemeint ist. Weiter ist er von der Text-to-Speech-Funktion des Kindle 2 hell begeistert.

Auch bei den Kollegen in den USA ist die Unsicherheit also sehr gross, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, dass Bibliotheken eBooks auf Readern an ihre Benutzer abgeben.

Weltbild verkauft eBooks und Reader

Montag, Mai 4th, 2009

Der Buch- und Medienhändler Weltbild bietet einen eigenen Downloadshop für E-Books sowie den E-Book-Reader Cybook Gen 3 von Bokeen an. Zunächst sollen 30.000 Titel unter der Domain www.weltbild-ebooks.de oder www.weltbild-ebooks.ch verfügbar sein. Der Cybook Gen 3 wird im Weltbild-Shop bereits angeboten, übrigens auch in der Schweiz. Dieser eBook Reader schneidet im Quervergleich nicht schlecht ab, wie die Aufstellung von TopTen-Reviews zeigt.

Die eBooks werden im PDF-Format (mit DRM) geliefert und sind somit auch mit dem Sony PRS-505 oder PRS-700 kompatibel. Zum Lesen wird Adobe Digital Editions benötigt. Ein Angebot fürs iPhone soll folgen.


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