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Streit um digitalisierte Lehrbücher


Mit seinem Beitrag im Börsenblatt (“Seit vergangener Woche ist das Lehrbuch in Deutschland tot”) hat Matthias Ulmer, der UTB-Verlagsleiter, die UB der TU Darmstadt scharf angegriffen. Hintergrund: die TU Darmstadt hat die 100 wichtigsten Lehrbücher digitalisiert und innerhalb des Campus elektronisch zugänglich gemacht. Für Ulmer ist diese Aktion klar illegal und der Anfang vom Ende für die Lehrbuchverlage. In den immer länger werdenden Kommentaren zum Artikel bieten ihm Vertreter der Bibliotheksszene Paroli und kritisieren im Gegenzug die Benutzerunfreundlichkeit des “UTB-Studi-e-book Trial”.

Mich erinnert die Diskussion stark an die Vorgänge in der Musikindustrie. Aber hat sich dort nicht gezeigt, dass die Industrie die Entwicklung zu einem grossen Teil selbst verschuldet hat, weil sie zu lange mit benutzerfreundlichen Modellen für die digitale Nutzung von Musik gezögert und nur lamentiert hat? Und gerade in Bibliotheken wäre die Bereitschaft sehr hoch, kommerzielle benutzerfreundliche Angebote zu übernehmen. Aber auch für die ETH-Bibliothek kommt das Geschäftsmodell der UTB-Studie-E-Books nicht in Frage. B-C. Kämpers Kritik (Kommentar 21 zum Artikel…) bestätigt die Richtigkeit dieses Entscheids.


One Response to “Streit um digitalisierte Lehrbücher”

  1. Dörte Böhner Says:

    Wenn wir durch die Beobachtung der Vorgänge in der Musikbranche etwas gelernt haben, dann dass Nutzer sich nur ungern gängeln und bevormunden lassen und sie nicht gerne als Verbrecher hingestellt werden. Musikportale, die auf DRM verzichtet haben und qualitativ hochwertige Angebote machten, bewiesen, dass der Nutzer per se gerne legale Angebote wahrnimmt. Preis und Qualität sind hierfür die ausschlaggebenden Argumente. Dafür nimmt man dann auch die Personalisierung der Dateien mittels Wasserzeichen in Kauf.

    Genau darüber sollten sich die Verlage Gedanken machen. Schlechte Qualität der Scans und hohe Hürden bei der Nutzbarkeit und beim Zugang verhindern nicht, dass Leser sich illegale Kopien beschaffen oder herstellen und sie werden keinen Leser zurück zum Printbuch treiben.

    Wo sind die Marktstudien, in denen geschaut wird, welche Anforderungen Lernende und Forschende an E-Books stellen? Was an Mehrwerten ist das Minimum und was das Optimum? Angebote, wie das der Verlagskooperation UTB wirken lust- und lieblos, so als ob man die Printbüchern entgegengebrachte Liebe und Sorgfalt nicht auch dem Stiefkind E-Book zukommen lassen will oder kann. Damit wird man so ein Stiefkind rasch wieder los und für das Scheitern kann man dann undankbare Bibliotheken und Leser verantwortlich machen und deren “überzogene” Forderungen.

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