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Archiv für April, 2009


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Wozu twittern?

Mittwoch, April 22nd, 2009

Ich habe im Januar einen eher zweifelnden Beitrag im Blog geschrieben und mich gefragt, wozu Twitter denn gut sein soll. Seither habe ich Twitter aktiv genutzt, und zwar mit rein professionellen (also bibliothekarisch-informationstechnologischen) Interessen. Fazit: mittlerweile ist Twitter der von mir mit Abstand am meisten genutzte Webdienst. Aber weshalb? Was ist an den 140 Zeichen so interessant?

Punkt 1: Netzwerk

Twitter eignet sich am besten, um sich schnell und unverbindlich ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Jemandem auf Twitter zu folgen (follow) ist bedeutend einfacher und unverbindlicher als in Facebook Freund zu werden (und dann alle Intimitäten zu teilen). Wenn jemand zu persönlich wird oder zu viel quatscht, kann man ihn per Knopfdruck still und heimlich wieder “unfollowen”. Sein persönliches Netzwerk kann man übrigens mit dem Tool Twitnest wunderschön visualiseren.

Punkt 2: Up to date sein und bleiben

Twitter ist ein hervorragender News-Ticker. Seit ich Twitter systematisch einsetze, brauche ich meine RSS-Reader (Google Reader, Bloglines) viel seltener. Die mich interessierenden Blogs habe ich in Twitter abonniert, da vermutlich 90% der Blogger auch einen Twitterfeed füttern. Die neuesten Blogeinträge kommen also über den Twitterdienst automatisch rein. Richtig nett wird der Newsticker mit den geeigneten Tools (siehe Punkt 4).

Punkt 3: Reply and Retweet

Die Antwortfunktion versteht sich von selbst. Nützlich ist die Funktion Retweet (RT), mit der man interessante Posts weiterleitet. OK, das ist nicht gerade originell. Aber zur Verbreitung nützlicher Infos an seine Follower ein sehr gut geeignetes Mittel. Ein spannender Link, ein nützlicher Literaturtipp – einfach retweeten.

Punkt 4:nützliche Helfer

Damit das funktioniert, braucht man geeignete Helfer. Es gibt zahllose Tools für Twitter. Meine Favoriten:

- Hashtags: Man kann einen Begriff mit einem #-Symbol kennzeichnen, und der wird dann als sog. Hashtag gefunden. Zum Beispiel auf www.hashtags.org oder direkt in der Twittersuche lässt sich der Begriff suchen. Oder durch Klicken auf einen solchen Hashtag werden gleich die aktuellsten Twitterfeeds zum Thema angezeigt. So kann man z.B. die Twitterfeeds zu einem Kongress kennzeichnen: #elag09 und sich dann alle Posts anzeigen lassen.

- Twitterfeed: unentbehrlich, um RSS-Feeds und Blogs auf seinen Twitterfeed zu spielen. Nur mit dem Format des RSS-Feeds der Aktuell-Meldung der ETH-Bibliothek hat Twitterfeed noch Mühe..

- Twittervision: die Welt als Dorf. So intensiv habe ich das noch nie gesehen, wie bei der geografischen Visualisierung der Twitterströme.

- Twitterrific: wer nicht mobil twittert, ist nur ein halber Twitterer. Twitterrific ist mein ständiger Begleiter als Applikation auf dem iPhone. Es fehlt eigentlich nur die Funktion Retweet.

- Nambu: eine Alternative zu Twitterrific. Bietet zusätzlich auch die Funktion Retweet an. Für Mac und iPhone.

- AlertThingy: Eine Desktopoberfläche für den eigenen Twitterfeed. Jeder neue Twitterbeitrag einer Following-Person wird aktiv angezeigt. Damit wird Twitter zum Newsticker. Man kann nämlich auch die  Twitterfeeds von Zeitungen, Nachrichtendiensten etc. abonnieren. Achtung: Ablenkungsgefahr ist relativ gross, wenn es ständig blubbert und das Fenster aktualisiert.

- Seesmic: Noch eine Stufe verschärft: Hier lässt sich ein richtiges Cockpit mit Twitterfeeds anlegen. Besonders spannend: ich kann eine Suche abonnieren und das Ergebnis in einer Spalte stets aktualisiert anzeigen. Auch hier gilt: wer daneben noch arbeiten muss, sollte das Instrument nicht ständig einsetzen… Gibt es erst als Vorversion, lohnt sich aber schon jetzt.

Wie kommen eBooks auf den Kindle 2?

Donnerstag, April 9th, 2009

Selber schuld, wenn man einen Kindle 2 über eBay in den USA kauft. In Europa ist man vom Kindle-Store abgeschnitten. Dieser offizielle Weg wäre sehr bequem und schnell, aber auch teuer. Ich schliesse mich der Meinung der Kindle-User an, die Preise von über 10$ für ein eBook zu teuer halten (Bericht über den Protest von Kindle-Besitzern). Schliesslich sind die Nutzungsmöglichkeiten gegenüber einem Buch limitiert. Und gerade bei den Büchern, die schon als Taschenbuch auf dem Markt sind, finde ich die Preise in den Online-Buchläden überrissen. Seis drum, für den Kindle kann ich ohnehin keine Bücher kaufen. Einerseits weil ich keine Rechnungsadresse in den USA habe, andererseits, weil ich keinen Zugang zum drahtlosen Netzwerk Whispernet habe. Wie kommt denn nun Inhalt auf mein Gerät?

Ältere Literatur findet man bei Gutenberg.org in verschiedenen Formaten (vorbildlich!), u.a. auch im .mobi-Format für den Kindle. Das ausgewählte Format lässt sich problemlos herunterladen. Anschliessend schiebt man die .prc-Datei in den Folder “Documents” des über das USB-Kabel am PC angeschlossenen Kindle 2. Und schon kann es losgehen.

Schwieriger wird es, wenn man Dokumente in Formaten hat, die vom Kindle nicht unterstützt werden. PDF zum Beispiel (!). Hier sorgt die freie Software Mobipocket Creator für Abhilfe. Sie verarbeitet Dokumente im Format .pdf, .doc, .docx, .txt und .html zu eBooks im mobi-Format. Gute Resultate gibt es nur, wenn die Dokumente auch die Textinformation enthalten. PDF-Dokumente als reine Bilder lassen sich auf dem Kindle nicht vergrössern und sind kaum lesbar. Keine Chance hat Mobipocket Creator bei PDF-Dokumenten, die mit DRM geschützt sind. Bis jetzt habe ich erst einen – nicht gerade einfachen – Weg gefunden, wie ein Dokument, das ich für den Sony PRS gekauft habe, auf dem Kindle lesen kann. Als PDF ausdrucken oder ausdrucken und dann scannen funktionieren übrigens nicht, da die Dokumente von der Sony eBook Library aus nicht ausgedruckt werden können.

Und so geht es (nicht zur Nachahmung empfohlen…): Text in der eBook Library öffnen, Fenster maximieren. Dann mit dem PrintScreen das Textfenster als Objekt aufnehmen, als Bild in ein Word-Dokument einfügen. Umblättern, same procedure bis zum Schluss. Dann das Word-Dokument in ein PDF umwandeln, OCR drüber laufen lassen (ich benutze Acrobat Professional), allenfalls Korrekturen vornehmen und dann das PDF dann in mit Mobipocket Creator in ein Mobi-Format umwandeln. Abtippen ginge schneller? Kann schon sein. Aber das wäre ja keine Herausforderung…

Kindle 2 im Test

Dienstag, April 7th, 2009

Der erste Eindruck vom Kindle 2 ist eindeutig positiv. Die grössten Ärgernisse des Kindle 1 sind behoben. Das Gerät lässt sich anfassen, ohne dass eine Taste versehentlich gedrückt wird, die ärgerliche Abdeckung auf der Rückseite ist verschwunden, der Einschaltknopf am oberen Rand angebracht. Der Kindle 2 ist bedeutend schmaler und eleganter als sein Vorgänger. Für mich die Hauptsache: Plug and Play funktioniert diesmal! Nach der Verbindung über das USB-Kabel erscheint der Kindle als Laufwerk des PCs. Mit Hilfe der Software Mobipocket Creator erstellte eBooks lassen sich in den Ordner Documents des Kindle verschieben. Et voilà: Nach dem Ausdocken des Kindles vom PC lassen sich die eBooks öffnen und lesen.

Es handelt sich bei meinen eBooks um ursprüngliche PDF-Dokumente, die ich mit Mobipocket Creator ins Format .prc umgewandelt habe. Das funktioniert sowohl mit einem selbst digitalisierten Dokument, wie auch mit einem über die ETH-Lizenz bezogenen kommerziellen E-Book im PDF-Format. Somit hat der Kindle 2 den ersten Test mit Bravour bestanden. Der Kindle 1 schmollt derweil und stellt sich tot… Recht hat er…

Der Bildschirm ist noch gleich gross oder klein wie beim Vorgänger, nämlich 6 Zoll bei 600×800 pixel. Die Lesbarkeit von reinem Text ist ausgezeichnet. Der Seitenumbruch erfolgt dynamisch je nach eingestellter Schriftgrösse. Entsprechend gilt auch hier, dass die Navigation nach Seiten nicht möglich ist, sondern über “Locations” erfolgt. Aber wie sein Vorgänger beherrscht der Kindle 2 die Volltextsuche innerhalb der Dokumente, was das Auffinden von Textstellen erleichtert. Die QWERTY-Tastatur ist unterhalb des Bildschirms angebracht, wobei die Knöpfe zwar hübscher als beim Vorgängermodell, aber etwas gar klein geraten sind.

Sehr nett ist die Funktion, sich Texte vorlesen zu lassen. Den Horizon-Report zum Beispiel  liest “Herr Kindle” ganz ausgezeichnet und sehr gut verständlich vor. Er blättert auch selbständig weiter, so dass ich beim Schreiben weiter berieselt werde…

Als Nutzer in Europa sind mir wichtige Funktionen des Kindle 2 verwehrt: ich kann die wireless-Funktion nicht nutzen und bin somit vom Kauf von Büchern im Kindle-Store, von der täglichen Lieferung abonnierter Zeitungen oder Zeitschriften, von Updates und von der Registrierung des Geräts abgeschnitten. Ob ich mir vorstellen könnte, auf meine gedruckte Zeitung zu verzichten, wenn ich jeden Morgen drahtlos die neueste Ausgabe auf den Kindle geliefert bekäme? Langsam könnte ich mir das tatsächlich vorstellen. Das Gerät hat einen gewaltigen Sprung gemacht und kommt nun ausgereift daher. Kritisieren möchte ich vor allem das Geschäftsmodell mit den nach wie vor proprietären Formaten. Ein eBook Reader muss einfach ein PDF-Dokument lesen können. Und für das Abonnements eines Blogs werde ich nie etwas bezahlen wollen, wie das im Kindle-Store vorgesehen ist.

Streit um digitalisierte Lehrbücher

Freitag, April 3rd, 2009

Mit seinem Beitrag im Börsenblatt (“Seit vergangener Woche ist das Lehrbuch in Deutschland tot”) hat Matthias Ulmer, der UTB-Verlagsleiter, die UB der TU Darmstadt scharf angegriffen. Hintergrund: die TU Darmstadt hat die 100 wichtigsten Lehrbücher digitalisiert und innerhalb des Campus elektronisch zugänglich gemacht. Für Ulmer ist diese Aktion klar illegal und der Anfang vom Ende für die Lehrbuchverlage. In den immer länger werdenden Kommentaren zum Artikel bieten ihm Vertreter der Bibliotheksszene Paroli und kritisieren im Gegenzug die Benutzerunfreundlichkeit des “UTB-Studi-e-book Trial”.

Mich erinnert die Diskussion stark an die Vorgänge in der Musikindustrie. Aber hat sich dort nicht gezeigt, dass die Industrie die Entwicklung zu einem grossen Teil selbst verschuldet hat, weil sie zu lange mit benutzerfreundlichen Modellen für die digitale Nutzung von Musik gezögert und nur lamentiert hat? Und gerade in Bibliotheken wäre die Bereitschaft sehr hoch, kommerzielle benutzerfreundliche Angebote zu übernehmen. Aber auch für die ETH-Bibliothek kommt das Geschäftsmodell der UTB-Studie-E-Books nicht in Frage. B-C. Kämpers Kritik (Kommentar 21 zum Artikel…) bestätigt die Richtigkeit dieses Entscheids.

Erfahrungen mit dem Kindle 1

Mittwoch, April 1st, 2009

In den USA ist der Kindle 2 zurzeit ein grosses Thema. Bei uns gibt es aber noch nicht einmal das Vorgängermodell offiziell zu kaufen. Die ETH-Bibliothek hat sich letzten Herbst ein Exemplar beschafft, und ich habe es getestet. Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick…
Das Handling des Geräts ist furchtbar umständlich. Der Einschaltknopf befindet sich auf der Rückseite, und immer, wenn ich ihn betätige, fällt der Kindle aus dem “schönen” gefütterten Etui. Diese Hülle ist in Verbindung mit der Fixiereinrichtung am Gerät selber die blanke Katastrophe. Punkto Benutzerfreundlichkeit lässt sich der Kindle fast nur noch verbessern: die Knöpfe sind so angebracht, dass ich das Gerät nicht anfassen kann, ohne ungewollt umzublättern. Das Click-Wheel zur Navigation ist nach der ersten Angewöhnung durchaus brauchbar. Die Schrift – wohl das Wichtigste an der Sache – ist sehr gut lesbar. Sie lässt sich mit einem schwer auffindbaren (vor allem, wenn man kurzsichtig ist und die Schrift vergrössern möchte…) Knopf auf der Tastatur vergrössern oder verkleinern. Dadurch verändert man auch den Umbruch der Seiten. Entsprechend wird bei den eBooks keine Seitenzahl angegeben, sondern eine “Location”. Worauf sich die bezieht (Zeile? Absatz?) ist mir nicht klar. Entsprechend schwierig ist die Orientierung in einem längeren Text. Im Gegensatz zum Sony prs-505 erlaubt der Kindle die Volltextsuche in den gespeicherten Dokumenten. Das funktioniert gut und bietet einen direkten Zugriff auf Informationen.
Aber wie kommt denn ein Text ausserhalb der USA überhaupt auf den Kindle? In den USA kann man eine eigenes WLAN “Whispernet” verwenden, um Bücher bei Amazon zu kaufen. Theoretisch sollte man auch über den USB-Anschluss eBooks in den Formaten .txt, .mobi und .prc auf den Kindle laden können. Ich habe das nach einigen erfolglosen Versuchen aufgegeben und danach den Kindle in der Schublade verschwinden lassen. Bis sich ein IT-Mitarbeiter (Danke, Greg!) gemeldet hat, der mir sagte, es müsste gemäss Herstellerangaben möglich sein (read the f*ing manual!). Tatsächlich beschreibt Amazon auf der Hilfe-Seite, wie man vorgehen muss und warnt, dass es auch zu Problemen mit der Netzwerkkennung führen könne. Ich habe in der Folge mehrere Netzlaufwerke getrennt, den PC mit und ohne eingeschaltetem Kindle neu gestartet – Fehlanzeige! Dann habe ich es zu Hause auf dem Mac probiert – und siehe da, es hat funktioniert! So konnte ich einen eigenen Text und im Shop bezogene (kostenlose) Bücher im Mobipocket-Format auf den Kindle laden.

Na ja, die grosse Liebe wird das nicht, zwischen dem Kindle (1) und mir. Aber nach dem Erfolgserlebnis mit den hochgeladenen Texten werde ich es mal mit dem Kindle 2 versuchen und  hoffe auf eine benutzerfreundliche Hardware. Aber der grosse Nachteil des in sich geschlossenen proprietären Systems wird auch beim Kindle 2 nicht durch eine verbesserte Usability aufgewogen.


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