Log in  • Druckversion

News und Trends aus der Informationstechnologie und dem Bibliothekswesen


ORCID – Eine digitale Identität für Forscherinnen und Forscher

March 19th, 2014 by Barbara Hirschmann

Die eindeutige Identifikation von Autorinnen und Autoren ist für wissenschaftliche Bibliotheken eine wiederkehrende Herausforderung. In unseren Katalogen haben wir umfangreiche Normdateien aufgebaut. Mit ihrer Hilfe können wir Autorinnen und Autoren trotz unterschiedlicher Schreibweise oder Namensänderungen eindeutig identifizieren.

 

Abbildung 1: Auszug aus dem Normdateneintrag zum Autor Konfuzius, aktuell sind 32 Namensvarianten erfasst

 

[Abbildung 1: Auszug aus dem Normdateneintrag zum Autor Konfuzius, aktuell sind 32 Namensvarianten erfasst]

 

Auch die Betreiber von grossen bibliographischen Datenbanken wie Web of Science oder Scopus haben eigene Identifikationssysteme für Autorinnen und Autoren etabliert. Der Gebrauch dieser Autoren IDs ist jedoch meist auf die jeweilige Datenbanken beschränkt.

Die Idee, eine plattformunabhängige ID für wissenschaftliche Autorinnen und Autoren zu etablieren, die Forschende über ihre gesamte Karriere hinweg begleitet, hat daher für Bibliotheken einen grossen Reiz. Aber auch andere Akteure aus dem Hochschul- und Forschungsbereich, wie Förderorganisationen, Evaluierungsstellen an Universitäten und nicht zuletzt die Forschenden selbst würden davon profitieren. Denn Publikationen, Projekte, Patente oder anderer Forschungsoutput könnten dann institutionen- und datenbankübergreifend eindeutig identifizierten Person zugeordnet werden.

Mit der Open Researcher and Contributor ID – kurz ORCID – ist in den letzten Jahren eine vielversprechende, von Wissenschaftsverlagen, Forschungsförderern und Universitäten getragene Initiative entstanden. Sie rückt die Vision einer dauerhaften, digitalen Identität für Forschende in greifbare Nähe. Eine ORCID iD ist eine sechzehnstellige Zahl, die dem Forschenden zugewiesen wird, wenn er sich das erste Mal unter www.orcid.org registriert. Mit der ORCID iD verbunden ist das ORCID Profil des Forschenden (zum Beispiel http://orcid.org/0000-0001-5109-3700). Es kann Namensvarianten, Informationen zum Werdegang sowie Verweise auf Publikationen und andere Werke enthalten. Der Forschende selbst kann bestimmen, welche Informationen aus seinem Profil öffentlich sichtbar sind und welche nicht.

 

Abbildung 2: Beispiel eines ORCID Profils

 

[Abbildung 2: Beispiel eines ORCID Profils]

 

Digitale Forscherprofile gibt es unzählige: von Mendeley, über ResearchGate bis zu Thomson Reuters‘ ResearcherID. Das Potenzial von ORCID liegt denn auch nicht allein in den Informationen, die in den öffentlichen Profilen enthalten sind. Es besteht in den Möglichkeiten, die ORCID für den automatisierten Datenaustausch zwischen Verlagen, Hochschulen und Förderorganisationen bietet.

Einige Wissenschaftsverlage haben bereits damit begonnen, Autoren bei der Einreichung eines Manuskripts um die Angabe einer ORCID iD zu bitten. Fügt der Autor den betreffenden Verlag als vertrauenswürdige Quelle seinem ORCID-Profil hinzu, erscheinen seine dort publizierten Werke automatisch in seinem ORCID-Profil. Der Wissenschaftler kann dann z. B. von seiner persönlichen Website einen Link auf sein ORCID-Profil setzen und damit der interessierten Öffentlichkeit, aber auch seinem Arbeit- oder Fördermittelgeber einen stets aktuellen Leistungsausweis anbieten.

 

Abbildung 3: Webseite eines Forschers an der ETH Zürich

 

[Abbildung 3: Webseite eines Forschers an der ETH Zürich]

 

An der ETH-Bibliothek sind wir davon überzeugt, dass die eindeutige Identifizierung von ETH-Autoren mithilfe von ORCID iDs für alle involvierten Parteien einen grossen Mehrwert bietet. Auch unsere Dienstleistungen, insbesondere der Dokumentenserver ETH E-Collection und die Hochschulbibliographie ETH E-Citations, werden an Effizienz und Attraktivität gewinnen, wenn wir in Zukunft Publikationen aus ORCID-Profilen importieren oder ein verlässliches Autorenbrowsing auf Basis von ORCID iDs anbieten können.

Eine erste beispielhafte Anbindung des Dokumentenservers ETH E-Collection an ORCID haben wir bereits erprobt. Über ein Tool der DOI-Registrierungsagentur DataCite kann ein in ETH E-Collection publiziertes Werk automatisiert in ein ORCID-Profil übernommen werden. Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag.

 

Autorin: Barbara Hirschmann

LaTeX auf dem iPad – Mit Apps zum mathematischen Formelsatz II

February 14th, 2014 by Maximiliane Okonnek

Logo LaTex Touch TeX Touch

TeX Touch präsentiert sich mit ansprechender Nutzeroberfläche, die eine leichte Orientierung in der App erlaubt. Um in den Arbeitsprozess einzusteigen, ist zunächst das Einloggen in die TeXCloud erforderlich. Zwar arbeitet der TeX-Editor lokal, das Kompilieren hingegen erfolgt via TeXCloud Server und ist somit nur mit bestehender Internetverbindung möglich. Synchronisiert wird über Dropbox, der Formatexport erfolgt in einer .tex- oder .PDF-Datei.

 

TexTouchEditor

[Abbildung 1: TeX Touch Editor, Screenshot]

 

Das Eingeben der .tex-Inhalte über die virtuelle Tatstatur ist angenehm. Viele TeX-Funktionalitäten lassen sich über grafische Icons in den Text einfügen, so dass Syntaxkenntnis von TeX keine Voraussetzung für die App-Nutzung ist.

Pro & Contra

Das Kompilieren via Internetverbindung funktioniert zügig. Bei einfachen Dokumenten sind kaum Verzögerungen im Vergleich zu lokal ausgeführtem TeX-Satz zu bemerken. Die zusätzliche Einbindung eines externen Servers kann als Nachteil gesehen werden, da so die Abhängigkeit von einer Internetverbindung besteht.

Der Fachmann gibt

4Star

 

Logo Texpad Texpad

Nach Download der App kann direkt editiert und lokal kompiliert werden. Mit jeweils einer zusätzlichen Registrierung werden das Kompilieren via Cloud Server „Texpad Connect“ und problemfreies Synchronisieren mit Dropbox möglich. Darüber hinaus können .tex- und .PDF-Dateien via App-interner E-Mail-Anbindung versendet oder via iTunes ausgetauscht werden.

Dank guter grafischer Aufmachung und selbsterklärender Icons gewöhnt man sich schnell an die Texpad-Arbeitsumgebung. Vom TeX-Input kommt man per Knopfdruck direkt zum .PDF-Resultat. Das Tippen auf der virtuellen Tastatur und die Navigation durch TeX-Files läuft nicht immer stolperfrei.

 

TexpadEditorAutocomplete

 

[Abbildung 2: Texpad Editor, Auto-Complete, https://www.texpadapp.com/ios]

 

Pro & Contra

Die App ist ansprechend und nutzerfreundlich gestaltet. Ohne vertieftes Studium einer Bedienungsanleitung kann auch mit elementaren LaTeX-Kenntnissen direkt losgelegt werden. Besonders hilfreich ist die Einblendung möglicher Optionen für den Auto-Input von TeX-Kommandos während des Tippens. Die stationären TeX-Kommandos über der virtuellen Tastatur sind in ihrer Anzahl jedoch so beschränkt, dass für eine weitere  Auswahl oft hin- und her gewischt werden muss, um weitere Befehle angezeigt zu bekommen. Der Arbeitsfluss wird so unterbrochen.

Der Fachmann gibt

4Star

 

Logo VerbTex VerbTex

 

Auf den ersten Blick macht VerbTex einen rudimentären Eindruck. Dieser Eindruck verstärkt sich bei näherer Betrachtung. Die virtuelle Tastatur ist nicht auf LaTeX-Bedürfnisse angepasst. Das Eingeben der Quelltexte ist eher umständlich, da keine benutzerdefinierten Toolbars mit TeX-spezifischen Eingabebefehlen hinterlegt werden können. Dadurch muss die virtuelle Tastatur teilweise mehrmals umgeschaltet werden, bis ein TeX-Befehl eingegeben werden kann. Das Kompilieren erfolgt ausschliesslich über einen Cloud Server. Dazu ist eine Registrierung beim Hersteller nötig.

VerbTeX Editor, Screenshot

[Abbildung 3: VerbTeX Editor, Screenshot]

 

Pro & Contra

Das Kompilieren über das Internet geht zügig und die Qualität der .PDF-Dateienist gut. Jedoch ist das Editieren selbst recht mühsam, da zum einen die Tastatur nicht auf LaTeX-Bedürfnisse zugeschnitten ist. Zum anderen gibt es keine Möglichkeiten ergänzender Benutzereinstellungen.

Der Fachmann gibt

2 Sterne

 

Autoren: Maximiliane Okonnek, Dr. Alfred Gautschy

 

LaTeX auf dem iPad – Mit Apps zum mathematischen Formelsatz I

February 5th, 2014 by Maximiliane Okonnek

Wozu eigentlich LateX mobil? – Die Frage nach dem Sinn und Zweck mobiler LaTeX-Programmierung steht schnell im Raum. Für uns sprechen drei gute Gründen für eine Annäherung an das Thema:

  1. LaTeX ist nach wie vor die beste Textsatz-Software auf dem Markt. Sie bietet wertvolle Unterstützung bei der Erstellung naturwissenschaftlich-technischer Dokumente, indem sie die typografisch erstklassige Darstellung mathematischer Formelsätze erlaubt.
    [Abbildung 1: Textsatz ohne und mit LaTex]
    [Abbildung 1: Textsatz mit/ohne LaTex]
  2.  

  3. Mobile Endgeräte sind unterdessen weit verbreitet. Das belegen eine Vielzahl an Studien zur mobilen Webnutzung, Verkaufszahlen von Tablets und nicht zuletzt unsere eigenen Beobachtungen an den Studentenarbeitsplätzen der ETH-Bibliothek.
  4. Das Interesse unserer Nutzerinnen und Nutzer an LaTeX-Applikationen zeigt sich oft anhand von Fragen in unserer Schulung iPad für Studium und Arbeit.

Die in diesem und dem folgenden Blogbeitrag bewerteten LaTeX-Applikationen für das iPad wurden von Alfred Gautschy – Fachreferent für Physik und Astronomie und unser Spezialist bei Fragen zu LaTeX, BibTeX und JabRef – getestet. Mit entsprechenden Apps für Android wird sich ein späterer Beitrag befassen.

Grundsätzlich gilt für das “TeX-en” auf dem iPad: Durch die im Moment noch bestehende Hardware-Limitierung im Vergleich zu Desktop-Computern gibt es Einschränkungen. LaTeX-Compiler, die lokal auf dem iPad laufen, sind oft stark abgespeckt. Nicht alle Applikationen bieten zum Ausgleich dieses Mankos Paketerweiterungen, die zusätzlich in die App integriert werden können.

tex_k  TeX Writer

Der Tex Writer ist LaTeX-Editor und -Compiler. Seine reduzierte Nutzeroberfläche ermöglicht eine leichte Orientierung. Der optische Eindruck wird dominiert von einem Editorenfenster ohne wesentliche Einstell- oder Benutzerhilfen. Für die Nutzung der Applikation ist eine Registrierung oder das Einrichten eines Benutzerkontos nicht nötig. Nach dem Download kann direkt “ge-TeX-t” werden.

Der TeX Writer ist auch mit elementarem TeX-Wissen direkt verwendbar. Im Editor wird mit einer modifizierten Onscreen-Tastatur gearbeitet, die bereits wichtige TeX-Funktionalitäten enthält. Werden Tech-Zeichen häufig gebraucht, die umständlicher einzugeben sind, können zwei zusätzliche “assistant keyboards” individuell bestückt und ohne Umschalten verwendet werden. Vom fertigen TeX-Input kommt man abschliessend mit einem Knopfdruck direkt zum .PDF-Resultat.

Dateien werden in den Formaten  .tex bzw. wenn kompiliert in .PDF exportiert. Der Export erfolgt via E-Mail oder Datensynchronisierung mit Dropbox. Eine andere Form der Datensynchronisierung ist aktuell nicht möglich.

 

Tex Writer Editor, Quelle: http://www.texwriterapp.com/

[Abbildung 2: Tex Writer Editor, Quelle: http://www.texwriterapp.com/]

 

Pro & Contra

Der TeX Writer ist ein schnörkelloses Arbeitspferd, das über die Möglichkeiten der “assistant keyboards” auf die eigene Arbeitsweise angepasst werden kann. Das Tippen auf der virtuellen Tatstatur und Navigieren durch das TeX-File sind nicht immer stolperfrei. Die Dokumentation zur Nutzung der Applikation ist etwas zu knapp gehalten.

 

Der Fachmann gibt

4Star

 

LogoTeX Expert TeX Expert

Auch TEX Expert ist ein “ready-to-use”-Editor und -Compiler.  Die Arbeitsumgebung wirkt spartanisch und sauber. Die Bedienung erfolgt mittels weniger Icons, die nicht detailliert beschrieben, aber nach kurzer Benutzung in ihrem Funktionsumfang schnell geläufig werden. Auch hier unterstützen zwei “assistant keyboards” beim Editieren, indem sie umständlich einzugebende TeX-Zeichen ohne Umschalten nutzbar machen. Darüber hinaus lässt sich ein zusätzlicher “command bar” mit Schnellkommandos für den Editiermodus benutzerdefiniert bestücken.

 

[Abbildung 2: TeX Expert Editor, Screenshot]

[Abbildung 3: TeX Expert Editor, Screenshot]

Aus der App können .tex-Formate oder das prozessierte .PDF-Endprodukt exportiert werden. Die Synchronisierung mit Dropbox funktioniert nach einmaliger Benutzeridentifizierung problemlos.

 

Pro & Contra

Positiv sind der schnelle Compiler und die Möglichkeit, benutzerdefinierte Toolbars zu erstellen. Mit nur einem readme.tex, das auch gleich als Übung kompiliert werden kann, ist die Benutzerführung allerdings etwas mager. Darüber hinaus erscheinen .PDF-Inhalte unscharf auf dem Display, da offenbar keine Vektorfonts verwendet werden.

 

Der Fachmann gibt

3Star

 

Weitere Applikationen, wie z. B. TeX Touch und VerbTeX, werden im nächsten Blogbeitrag vorgestellt.
 
Autoren: Maximiliane Okonnek, Dr. Alfred Gautschy

 

Warum Forschungsdaten ein Thema für wissenschaftliche Bibliotheken sind

December 16th, 2013 by toewem

Forschungsrelevante Informationen und Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens zu sammeln, zugänglich zu machen und zu bewahren – das sind seit jeher Aufgaben wissenschaftlicher Bibliotheken. Im Mittelpunkt stehen dabei seit langem formale Publikationen wie Zeitschriftenartikel oder Monographien. Diese werden ergänzt durch Dokumente und Quellen, die als Teil von Nachlässen in Bibliotheken gelangen und ursprünglich nicht publiziert wurden.

Obwohl Zeitschriften und Monographien seit Jahren intensiv digital genutzt werden, klingt das ein wenig nach endlos langen Regalen mit aufgereihten Büchern und Archivschränken, die selten einen Nutzenden sehen. Oder haben Sie jetzt gerade an Innovation gedacht? Und doch: Im direkten Zusammenhang mit diesen klassischen Aufgaben entstehen neue und neuartige Anforderungen. So verlangt der Erhalt digitaler Forschungsdaten nach Lösungen, die u. a. aus technischer Sicht innovativ in Ausrichtung und Umsetzung sind. Mit einer Reihe von Blogbeiträgen möchten wir daher anhand der Erfahrungen der ETH-Bibliothek Einblick in die Welt des digitalen Datenerhalts geben. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei digitalen Forschungsdaten die an Hochschulen anfallen. Den Anfang macht dieser Beitrag mit einer generellen Standortbestimmung.

In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein stetig gewachsen, dass der öffentlich zugängliche Forschungsoutput nur einen Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit abbildet. Er ist sozusagen die Spitze eines Eisbergs aus wissenschaftlich verdichteter Information und beschreibt das gewonnene Wissen. Gleichzeitig bleiben riesige Mengen an Rohdaten oder in unterschiedlicher Art und Weise bearbeitete Daten meist unsichtbar, aus denen die publizierten wissenschaftlichen Erkenntnisse gezogen wurden.

 

[Abbildung 1: Schematische Darstellung der Informationsverdichtung im Forschungsprozess]

[Abbildung 1: Schematische Darstellung der Informationsverdichtung im Forschungsprozess]

 

Die Verdichtung von Rohdaten hin zur „lesbaren“ Publikation war und ist ein grundlegender Faktor in der wissenschaftlichen Kommunikation. Im Zuge der digitalen Transformation nimmt die technologische Durchdringung wissenschaftlicher Prozesse jedoch stetig zu. Die Reduktion auf wenige Textseiten wird daher von Forschenden zunehmend als Einschränkung empfunden, und zwar sowohl in ihrer Rolle als Autorinnen und Autoren als auch in ihrer Rolle als Lesende, die wissenschaftliche Veröffentlichungen rezipieren. Denn durch die technischen Möglichkeiten digitale Datenmengen zu sammeln und nach Bedarf auszutauschen, bietet sich die Chance, publizierte Resultate transparenter zu dokumentieren und nachvollziehbarer zu machen. Das wiederum begünstigt institutionsübergreifende, wissenschaftliche Forschungsprozesse.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind keine neue Forderungen. Sie sind Grundpfeiler der wissenschaftlichen Arbeitsweise, die per definitionem überprüfbar sein muss. Verändert haben sich vor allem die Menge und die Bedeutung digitaler Daten. Die Rohdaten müssen zumindest für eine gewisse Zeit greifbar bleiben – so sehen es z. B. seit Jahren auch die Richtlinien der ETH Zürich für die gute wissenschaftliche Praxis vor. Es liegt jedoch nahe, einen Schritt weiter zu gehen. Denn die einmal gemessenen oder erhobenen Daten langfristig verfügbar zu machen, ermöglicht eine spätere Nachnutzung bei der Beantwortung neuer Fragestellungen oder auch die zusätzliche Auswertung mit neuen, vielleicht effektiveren Methoden.

 

[Abbildung 2: Vereinfachte schematische Darstellung des Lebenszyklus‘ digitaler Forschungsdaten]

 

[Abbildung 2: Vereinfachte schematische Darstellung des Lebenszyklus‘ digitaler Forschungsdaten]

 

Beide Aspekte – Nachvollziehbarkeit und Nachnutzung – sind darüber hinaus Anforderungen, die Forschungsförderinstitutionen verstärkt an die Verantwortlichen der von ihnen unterstützten Forschungsvorhaben stellen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützen dieses Anliegen ebenfalls. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind daher mit höheren Erwartungen konfrontiert, die sie sinnvoll beantworten müssen. Diese Erwartungen sind zum Teil wissenschaftlicher Natur, etwa wenn Forschungsdaten von den Forschenden selbst so beschrieben und dokumentiert werden müssen, dass eine wissenschaftlich seriöse Nachnutzung möglich wird. Es fallen aber auch in grösserem Umfang Aufgaben an, die von Forschenden zwar durchaus bewältigt werden können, deren Erfüllung aber in den meisten Fällen zu Lasten ihres „Kerngeschäfts“ in Forschung und Lehre geht.

Es ist daher Aufgabe von Infrastruktureinrichtungen für Forschung und Lehre, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von diesen Aufgaben zu entlasten oder sie zumindest bei der Erfüllung zu unterstützen. Die Entscheidung darüber, welche Daten für welche Zeiträume aufbewahrt werden sollen, muss dabei innerhalb gesetzlicher Grenzen oder innerhalb des von den Richtlinien der jeweiligen Institution gesteckten Rahmens bei den Forschenden bleiben.

Welche Rolle können Bibliotheken in diesem erweiterten Verständnis von wissenschaftlicher Information, also beim Umgang mit Forschungsdaten, konkret übernehmen? Dieser Frage wird ein späterer Beitrag im Innovationsblog nachgehen.

Autor: Matthias Töwe

Altmetrics – neue Formen der Impact-Messung auf dem Vormarsch?

October 17th, 2013 by Barbara Hirschmann

Der oft zitierte Slogan „publish or perish“ ist vielen ein Begriff. Er verweist darauf, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunehmend danach bewertet werden, wo und wie viel sie publizieren. Auch Berufungskommissionen legen Wert auf eine umfangreiche Publikationsliste. Artikel in den „Top-Journals“ eines Fachgebiets sind also die Währung, mit der in der wissenschaftlichen Community gehandelt wird.

Doch woran lässt sich festmachen, welchen Einfluss eine Zeitschrift in der Fach-Community hat? In den letzten Jahrzehnten hat sich hierfür der Journal Impact Factor (JIF) als klassischer Vergleichswert etabliert. Der JIF berechnet den „Einfluss“ einer Fachzeitschrift anhand der durchschnittlichen Anzahl von Zitaten, die ein darin veröffentlichter Artikel erreicht.

 

[Abbildung 1: Berechnung des Journal Impact Factor. Bildquelle: http://library.buffalo.edu/scholarly/img/impact_factor.jpg]

[Abbildung 1: Berechnung des Journal Impact Factor. Bildquelle: http://library.buffalo.edu/scholarly/img/impact_factor.jpg]

 

Über den tatsächlichen Einfluss eines einzelnen Artikels sowie dessen Reichweite in der Fachwelt und darüber hinaus sagt dieser Wert jedoch wenig aus. Somit ist es kaum verwunderlich, dass mit der zunehmenden Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Artikeln im Internet vermehrt auch Kritik am Journal Impact Factor und dessen Allgegenwärtigkeit bei der Bewertung wissenschaftlicher Leistungen geäussert wird. In der Ende 2012 veröffentlichten San Francisco Declaration of Research Assessment (DORA) spricht sich etwa eine prominente Gruppe von Wissenschaftlern und Verlegern für ein Umdenken aus. Eine Form der Impact-Messung, die sich allein auf der Ebene von Zeitschriften errechnet, scheint unter den heutigen Bedingungen eines durchwegs digitalisierten Publikationsprozesses nicht mehr zeitgemäss. Zudem zeigen eine Reihe von Studien, dass die Berechnung des JIF fehler- und manipulationsanfällig ist.

Die sogenannten Altmetrics sind als Antwort auf die am JIF geäusserten Kritiken entstanden. Sie können sowohl als „Alternative Metrics“ als auch als „Article Level Metrics“ verstanden werden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie den Einfluss einer wissenschaftlichen Publikation auf der Ebene des einzelnen Artikels (Buches, Kapitels etc.) messen möchten und dabei nicht allein auf das Zitate-Zählen abstellen, sondern vor allem auch darüberhinausgehende Einflussfaktoren, wie Nennungen auf Twitter, Bookmarks auf Mendeley oder Download-Zahlen mitberücksichtigen. Altmetrics messen somit nicht ausschliesslich die Reichweite von Publikationen in der Fachcommunity, sondern vor allem auch die Reichweite in einer breiteren Öffentlichkeit.

 

[Abbildung 2: Eines von vielen Altmetric-Tools, der Altmetric-Donut von www.altmetric.com: Er zeigt auf einen Blick, wie stark der Artikel in sozialen Medien und Social-Bookmarking-Diensten rezipiert wurde. Bildquelle: www.altmetric.com.]

[Abbildung 2: Eines von vielen Altmetric-Tools, der Altmetric-Donut von www.altmetric.com: Er zeigt auf einen Blick, wie stark der Artikel in sozialen Medien und Social-Bookmarking-Diensten rezipiert wurde. Bildquelle: www.altmetric.com.]

 

Einige Verlage sind auf den Trend aufgesprungen und haben verschiedene Altmetric-Anwendungen in ihre Plattformen integriert. Als Vorreiter in diesem Bereich gilt der Open-Access-Verlag Public Library of Science, der zu jedem publizierten Artikel umfangreiche Nutzungsdaten anbietet (ein Beispiel ansehen) und die gesammelten Daten auch zur Nachnutzung für Dritte zur Verfügung stellt.

Aber auch Bibliotheken bietet sich hier ein Handlungsfeld: In Repositorien, Hochschulbibliographien oder Discovery-Systemen können Altmetric-Anwendungen integriert werden. Die ETH-Bibliothek bietet auf ihrem Dokumentenserver ETH E-Collection zum Beispiel Download-Statistiken für Einzeldokumente an. Dieser Service dient nicht nur den Autorinnen und Autoren als Messfaktor für die Nutzung ihrer Dokumente, sondern kann auch gezielt vom Repository-Betreiber als Marketinginstrument eingesetzt werden: Das Angebot detaillierter Nutzungszahlen erhöht die Attraktivität einer Publikationsplattform und motiviert Hochschulangehörige, ihre Dokumente dort zu veröffentlichen.

 

[Abbildung 3: Download-Statistiken in der ETH E-Collection]

[Abbildung 3: Download-Statistiken in der ETH E-Collection]

 

Was aber sagt nun die Erwähnung auf Twitter oder die Anzahl von Downloads über die wissenschaftliche Relevanz eines Artikels aus? Nicht viel, möchte man meinen. Und tatsächlich muss die Aussagkraft mancher Werkzeuge differenziert betrachtet werden. Der Verdienst von Altmetrics liegt jedoch im Moment vor allem darin, dass die Diskussion um diese neuen Tools uns mittelfristig zu einer differenzierteren Betrachtung dessen, was wir unter Impact verstehen, führen kann.

impact

[Abbildung 4: Kriterien für wissenschaftlichen Impact. Bildquelle: http://altmetrics.org/manifesto/]

 

Dem Begriff des „wissenschaftlichen Impacts“ liegt letzten Endes keine eindeutige Definition zugrunde. Somit kann auch die Bemessung einer solchen Kategorie anhand eines einzelnen Faktors, wie dem JIF, nicht zielführend sein. Vielmehr gilt es, den Impact eines Artikels anhand einer Kombination verschiedener Kriterien festzumachen: anhand von Nutzungszahlen (zum Beispiel Downloads), Expertenmeinungen (über einen Peer-Review-Prozess), der Rezeption in der breiteren Öffentlichkeit (u.a. in sozialen Medien) und klassischer Zitationsauswertungen.

 



top
 
FireStats icon Powered by FireStats