News and Trends aus der Informationstechnologie und dem Bibliothekswesen
Januar 19th, 2012 von Rudolf Mumenthaler
Es ist wohl kaum Zufall, dass Barnes&Noble gerade jetzt einen Newsletter zum Thema Lehrbücher verschickt. Apple hat für heute (19. Januar 2012) zu einem Event in New York eingeladen, für den man Neues zum Thema digitale Lehrbücher erwartet. Die Gerüchteküche brodelt wie gewohnt vor solchen Anlässen.
Barnes&Noble legt aber schon mal vor. Auf der Website zum Thema Textbooks findet man nicht nur neue und gebrauchte Lehrbücher zum Kaufen oder Mieten, sondern ebenfalls E-Books und eine Plattform namens NOOKstudy zum Lesen und Bearbeiten von digitalen Lehrbüchern. “Natürlich” ist auch diese Plattform nur in den USA in vollem Umfang nutzbar. E-Books von B&N kann man nur mit einer Rechnungsadresse in den USA kaufen – aber immerhin lassen sich eigene Texte auf die Plattform hochladen. Dokumente im Format PDF oder EPUB kann man mit NOOKstudy lesen und annotieren.
Eine Verbindung zur App Nook for iPad gibt es noch nicht. Hier wird in den FAQ erklärt, dass Lehrbücher (noch) nicht auf dem iPad unterstützt werden. Dafür sei NOOKstudy für PC und Mac entwickelt worden. B&N setzt also auf das Notebook als Arbeitsgerät der Studierenden.

Dann sind wir mal gespannt, was Apple am 19. Januar präsentiert…
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Januar 18th, 2012 von Rudolf Mumenthaler
Noch sind die beiden neuen Flagschiffe der Kindle-Flotte, der Kindle Touch und der Kindle Fire in Europa nicht offiziell erhältlich. Wer sich trotzdem in den USA oder über Direktimport einen solchen E-Reader besorgt, muss mit Überraschungen rechnen. Beim Kindle Touch funktioniert alles bestens: Man kann seine gekauften E-Books mit dem Amazon-Account abgleichen, neue E-Books direkt kaufen, eigene E-Books (nach der Konvertierung ins Format Mobipocket) via USB-Verbindung vom PC hochladen etc. Schwierigkeiten macht nur das Firmen-WLAN an der Hochschule. Es ist ein kleiner Schönheitsfehler, dass das iPhone als Hotspot hinhalten muss, um eine Verbindung herstellen zu können.

Der Kindle Touch bietet – wie schon der Nook 2 – eine sehr brauchbare Multitouch-Funktion. Die Mini-Tastatur der Vorgängermodelle ist verschwunden, die nur sehr schwer bedienbar war. Die virtuelle Tastatur, die zur Texteingabe eingeblendet wird, ist für Smartphone-Geübte recht gut benutzbar. Die Darstellung der E-Books erfolgt auf dem 6-Zoll-Bildschirm in ausgezeichneter Qualität. Texte ohne Bild lassen sich so sehr bequem und entspannt lesen. Und das ist denn auch der grosse Vor- und Nachteil der aktuellen E-Ink-Reader-Modelle: sie sind wirklich gut geeignet zum Lesen von E-Books, aber für mehr leider nicht. Schon bei PDF-Dokumenten stösst der kleine Bildschirm an seine Grenzen. Bei einem einspaltigen A4-Dokument sind die Buchstaben entweder zu klein, oder man muss über die Lupenfunktion mühsam auf der Seite von links nach rechts und von oben nach unten scrollen. Und leider lassen sich PDF-Dokumente nicht ohne Weiteres ins E-Book-Format Mobipocket konvertieren (auch nicht in EPUB, wohlgemerkt). Der installierte Webbrowser ist unter der Rubrik Experimental zu finden. Zu überzeugen vermag das Experiment jedoch nicht – ein Webbrowser in Graustufen wird sich nicht durchsetzen können. Toll ist bei den Kindles natürlich die Integration in den Amazon Kindle Store mit mittlerweile gegen 1 Mio. E-Books, davon etwa 56‘000 in deutscher Sprache. In den USA kommt die Ausleihfunktion dazu, wofür man ein Amazon Prime-Abonnement benötigt. Mit 79 $ pro Jahr ist man dabei und kann dann aus mittlerweile auch schon 50‘000 Buchtiteln zur Ausleihe wählen (quasi mit Flatrate) oder auch Videos ausleihen (aber dafür ist der Kindle Touch nicht geeignet…). Bibliotheken spielen mit diesem Modell ganz klar keine Rolle mehr bei der Buchausleihe.
Insgesamt bestätigt sich die Einschätzung, wonach die E-Ink-Reader in Richtung Nische im Tiefpreissegment tendieren.
Auch wenn der Kindle Touch also offiziell in Europa noch nicht erhältlich ist, kann ein in den USA gekauftes Gerät bestens genutzt werden. Ganz anders verhält es sich mit dem Kindle Fire, dem supergünstigen Tablet aus dem Hause Amazon. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag…

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September 2nd, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Das Samsung Galaxy Tab 10.1 wird der erste ernstzunehmende Herausforderer für das iPad. Ich halte es für das beste Android-Tablet, das zur Zeit auf dem Markt ist (sofern es denn angesichts des Patentstreits mit Apple im EU-Raum verkauft werden darf). Und es ist auch klar, weshalb sich Apple gerade auf das Samsung-Tablet eingeschossen hat: Es ist sehr schön verarbeitet, liegt gut in der Hand, ist leicht (565 g – verglichen mit 613 g beim iPad2) und schnell.

Screenshot: das Samsung Galaxy Tab 10.1 mit dem Social Hub
Der Bildschirm ist von hoher Qualität. Allerdings irritieren gewisse temporäre Druckstellen, die unter der Oberfläche entstehen können und das Bild trüben. Der iPad-Bildschirm ist in dieser Beziehung robuster. Die Auflösung beim Samsung beträgt 800×1280 Pixel (gegenüber 1024×768 beim iPad2) und ist vorwiegend auf das Querformat ausgerichtet. Natürlich kann das Samsung auch im Hochformat genutzt werden, doch werden die Seiten dann ungewohnt lang.
Der grosse Vorteil gegenüber dem iPad liegt in der Offenheit des Betriebssystems Android 3.1 sowie der offenen USB-Schnittstelle. Über diese lassen sich Daten beliebig via Ordnerstruktur vom PC auf das Tablet kopieren. Das hat z.B. mit E-Books im Format EPUB bestens geklappt. Über den entsprechenden Import-Ordner gelangen die Dateien aufs Tablet und können dort mit der vorinstallierten App “ebook” aufgerufen und gelesen werden. Mit dieser App, die weniger elegant als iBooks erscheint, können die Texte annotiert und markiert werden. Diese Notizen und Markierungen können allerdings nicht exportiert werden. Aber im Amazon oder Google App Store finden sich sicher noch weitere Apps zum Bücherlesen. Auch eine Kindle-App ist verfügbar, mit der jedoch wie üblich nur E-Books aus dem Kindle-Store von Amazon genutzt werden können. Natürlich ebenfalls plattformübergreifend. Für DRM-geschützte EPUB-Bücher kann der Bluefire Reader installiert werden.
Zum Bearbeiten von Text und Office-Dokumenten wird die App PolarisOffice mitgeliefert. Auf den ersten Blick kann man damit gut arbeiten, wobei zum Teil die Designs von Dokumenten verändert werden, gerade bei der Verwendung von Spezialschriften. Ein kleiner Nachteil ist der eher schmale Bildschirm im Querformat, wenn die virtuelle Tastatur eingeblendet ist. Sie deckt mehr als die Hälfte des Bildschirms ab. Integriert ist als Online-Speicher der Dienst box.net. Man kann (natürlich) auch die Dropbox-App installieren und dann die Dateien aus dieser Anwendung öffnen. Office-Dokumente werden in PolarisOffice geöffnet und können dort bearbeitet und wieder auf Dropbox abgespeichert werden. Zunächst wird das Dokument aber im internen Speicher des Tablets (/Root/dropbox/) gesichert und muss dann von dort aus an Dropbox gesendet werden.
Einwandfrei und unkompliziert klappt ebenfalls die Einrichtung verschiedener E-Mail-Konten, auch über Exchange.
Samsung bietet mit dem Social Hub oder dem Music Hub eine Bündelung verschiedener Funktionen zu diesen Themen. Beim Social Hub hat man seine sozialen Netzwerke auf einen Blick auf dem Bildschirm. Die angezeigten Elemente lassen sich über die Einstellungen definieren. Im Newsfeed lassen sich Twitter, Facebook und LinkedIn sowie E-Mail in einem Widget anzeigen.
Für die Verbindung mit einem externen Monitor braucht man wohl das Multi-Media-Dock von Samsung ($35), dann kann das Tablet via HDMI an das heimische Media-Center angeschlossen werden. Die “leichte” Variante, um das Tablet direkt an einen VGA-Beamer anzuschliessen, habe ich noch nicht gefunden.
Das Samsung Galaxy Tab verfügt mit Anyconnect von Cisco (kostenlos im Android-Market erhältlich) über einen einfachen VPN-Client. Damit ist mein altes Problem gelöst, dass ich jeweils mit Android-Tablets keinen Zugang zum Firmen-WLAN der Hochschule hatte. Die Installation von Anyconnect ist einfach, und danach erfolgt der Zugriff auf die lizenzierten elektronischen Ressourcen problemlos.
Ein bekannter Mangel des iPad ist die fehlende Unterstützung von Flash. Auf das Samsung Galaxy Tab mit Android 3.1 kann zwar Adobe FlashPlayer geladen werden. Flash-Videos (z.B. auf der Seite des Schweizer Fernsehens sf.tv) oder auf Flash basierte Anwendungen (wie die Zoom-Funktion im Bildarchiv Online der ETH-Bibliothek) werden jedoch nicht angezeigt.
Fazit: das Samsung Galaxy Tab 10.1 ist eine echte Konkurrenz fürs iPad. Das Gerät überzeugt durch seine technischen Leistungsmerkmale und die saubere Verarbeitung. Seine Vorteile liegen bei der Offenheit des Betriebssystems und der Schnittstellen. Der grosse Konkurrent iPad punktet im Vergleich zum Samsung durch die Zahl der Apps und einige “Killer-Apps” wie GoodReader und Flipboard, die es (noch) nicht für Android 3 gibt.

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August 15th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Darf ich vorstellen: Kindle Cloud Reader, hier kommt die Zukunft! Eigentlich macht ja Amazon nichts anderes als Google mit Google Books schon vorgemacht hat. Es hat seine Plattform für E-Books auf der Basis von HTML 5 für das Lesen im Browser geöffnet. Was soll daran so spektakulär sein? Ich sehe drei Punkte:
- Neues technisches Konzept: Unabhängigkeit von Hardware- und Software
- Neues Geschäftsmodell: Unabhängigkeit von der einen marktdominierenden Firma (Apple)
- Alternative zum Modell der Apps
1. Amazon schafft mit der Loslösung von Einschränkungen durch Hard- und Software einen bewundernswerten Befreiungsschlag. Es ebnet nicht nur den Weg für ein eigenes Tablet, sondern bietet die Grundlage dafür, dass die Kindle E-Books tatsächlich auf jeder Plattform gelesen werden können. Damit geht Amazon noch einen Schritt weiter als bei der Öffnung des Kindle über verschiedene Kindle-Apps und -Softwares. Amazon nutzt dafür (wie Google auch) zwei der Technologien und Konzepte der Zukunft: Daten in der Wolke, Nutzung über Browser in HTML5. Hierhin geht die Reise! Ob die herkömmlichen E-Book-Reader dabei mithalten können, ist allerdings noch offen.
2. Amazon befreit sich aus der Abhängigkeit von Apple und bestraft den neuen Riesen für den Missbrauch seiner marktdominierenden Stellung. Apple beanspruchte mit seiner neuen Regelung für In-App-Verkäufe einen unanständig hohen Anteil an den Verkaufserlösen. Das führte zunächst dazu, dass Amazon die Möglichkeit E-Books zu kaufen aus seiner Kindle-App entfernte. Nun bietet Amazon eine neue integrierte Lösung, ohne dass Apple sich am Verkauf von Kindle E-Books weiterhin ein grosses Stück abschneiden kann. Als Kunde finde ich das toll. Zumal es nun meine freie Wahl ist, auf welchem Gerät ich meine Kindle E-Books lese. Ich kann das auch weiterhin auf dem iPad tun. Dazu speichere ich die Website Kindle Cloud Reader mit entsprechendem Icon auf dem Homescreen des iPad. Und mehr brauche ich nicht!

Screenshot: Abspeichern des Icons zum Webdienst Kindle Cloud Reader auf dem iPad
3. Damit zeigt Amazon auf, dass die Zukunft nicht bei den plattformabhängigen Apps liegt, sondern bei den unabhängigen Webdiensten. Wer braucht denn eine App, wenn man dieselben Funktionen dank HTML5 auch über einen Webdienst kriegt? Der nebst vielen anderen Vorteilen nicht ständig aktualisiert werden muss und nicht von einer Firma kontrolliert werden kann. Ich kann schon heute verraten, dass auch die ETH-Bibliothek bei ihrer in Arbeit befindlichen mobilen Website auf Webdienste setzen wird, und nicht auf eine App. Die Schlüsseltechnologie dahinter heisst jQuery mobile und bietet nichts weniger als die Unabhängigkeit von den verschiedenen mobilen Plattformen. Doch dazu gibt es später mehr…

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Juli 8th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Überraschend klein kommt er daher, der neue Nook. Wobei der Bildschirm nach wie vor – und vergleichbar zum Kindle – 6 Zoll in der Diagonale aufweist. Mit 210 Gramm ist das Device ein absolutes Leichtgewicht, das sehr gut in einer Hand liegt. Das Gerät kommt mit einigen Vorschusslorbeeren, die sich bei den ersten Tests aber durchaus bestätigen.
Herausragend ist der Touchscreen, der noch bei keinem E-Ink-Reader so überzeugend umgesetzt war. Endlich kann auch in vom iPhone verwöhnter Nutzer das Gerät so bedienen, wie er es erwartet. Zwar wird nicht Multitouch unterstützt, aber die Buttons und Links lassen sich einfach durch Berühren des Bildschirms ansteuern. Auch Inhaltsverzeichnis und Endnoten können durch einfaches Antippen des Links angewählt werden. Die Bedienung ist gegenüber dem Nook 1 viel intuitiver.

Einwandfrei funktioniert auch die Integration ins WLAN, was nach erfolglosen Versuchen mit Android-Geräten überraschend einfach klappt. Die Verbindung ist auch nach dem Aufwecken aus dem Sleep-Mode immer noch da. Man kann im Shop von Barnes & Noble einkaufen – wobei ohne US-Kreditkarte und –Rechnungsadresse nur die kostenlosen E-Books zur Verfügung stehen. Eigene oder in anderen Stores gekaufte E-Books können über USB mit dem PC synchronisiert werden. Für die Synchronisation mit Calibre wird die aktuellste Software-Version benötigt. Im ersten Anlauf meldete der Nook bei DRM geschützten E-Books, das Device sei nicht registriert. Nach einmaligem Aufrufen aus Adobe Digital Editions ging dann auch das problemlos. Das bedeutet – ohne es jetzt konkret getestet zu haben -, dass auch die Onleihe via Nook möglich ist. Der Abgleich von E-Books via Calibre erfolgt indirekt: das Gerät wird von Calibre nicht erkannt. Aber die einzelnen E-Books lassen sich via „send to disk“ auf das Gerät, das als Laufwerk erkannt wird, laden.
Die Pearl E-Ink-Anzeige ist brillant. Gegenüber dem Nook 1 soll sie 50% mehr Kontrast bieten. Für belletristische Texte mag der relativ kleine Screen genügen. Für grössere PDF-Dokumente ist er aber nicht geeignet. Man kann Textstellen highlighten oder auch Notizen erfassen. Dazu wird eine virtuelle Tastatur eingeblendet, die der Kindle-Tastatur weit überlegen ist. Auch hier orientiert sich der Nook eher an den Tablets als an bisherigen E-Ink-Readern.
Der Nook weist interessante zusätzliche Funktionen auf: zum einen gibt es die „Lend-Me“-Funktion, zum anderen die Möglichkeit, Informationen über soziale Medien zu teilen. „Lend-Me“ ist nur mit bestimmten im B&N-Store gekauften E-Books möglich. Ein E-Book kann dabei einmal an einen Nook-Freund für 14 Tage ausgeliehen werden. Die Funktion konnte ich nicht testen, da ich keine entsprechenden E-Books kaufen konnte (und auch noch keine Nook-Freunde habe). Die Sharing-Funktion ist auch nur für gekaufte E-Books aus dem B&N-Store verfügbar. Man kann hier Textstellen markieren und dann via verknüpftem Twitter- oder Facebook-Account oder an seine Kontakte (also wieder die Nook-Freund) veröffentlichen. Die Einflussmöglichkeit ist beschränkt, so dass auch schon mal kryptische Tweets den Kreis der Follower verwirren können. Das sieht dann so aus: „I’ve read 3% of Cross Fire (Alex Cross Series #17)(Free Preview: The First 30 Chapters) by James Patterson http://tiny.cc/c0apj #NOOK”. Der Link führt dann übrigens zum E-Book im Store, so dass man es gleich kaufen kann. Da kann also noch etwas optimiert werden…
Fazit: mit dem Nook 2 hat Barnes & Noble ein Gerät vorgelegt, das den Kindle 2 3 (korrigiert am 26.7.) als besten E-Ink-Reader zumindest arg in Bedrängnis bringt. Der Nook punktet bei der Steuerung, beim Handling und bei der Eingabe von Notizen. Jetzt warten wir eigentlich nur noch auf mehr und günstige Inhalte in den E-Book-Stores.

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Juni 24th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Das 7-Zoll-Tablet Playbook ist ein handliches Device, klar für die Nutzung im Querformat ausgerichtet. Der erste Eindruck ist durchaus positiv, wenn man sich mit einer Grundfunktion des Touchscreens vertraut gemacht hat: Um zum Hauptmenü zu gelangen, muss man jeweils mit dem Finger vom unteren Rand nach oben fahren. Das Playbook überrascht durch sehr schnelle Reaktion. Auch Multitasking beherrscht das BlackBerry Tablet OS bestens.

Aber umso schneller merkt man auch, dass das Gerät eindeutig zu früh auf den Markt geworfen wurde. Es gibt erst wenige Apps, und für viele wichtige Anwendungsfälle fehlt ein entsprechendes Tool. Ich nutze selbst kein Blackberry, kann also die Integration in diese Umgebung und die Synchronisation mit den wichtigsten Diensten nicht beurteilen. Ich verweise dazu auf den Bericht von Chip.de, welche diese Synchronisation getestet und gelobt haben. Die Daten sind auf dem Playbook nur solange verfügbar, wie das Smartphone daran gekoppelt ist. Aus Sicherheitsgründen verschwinden die Daten dann wieder auf dem Tablet. Das stelle ich mir allerdings sehr unpraktisch vor… Das bedeutet ja, dass ich das Playbook ohne verbundenes Blackberry nicht vernünftig nutzen kann. Dieses „Feature“ wäre nichts für mich…
Ein Besucher am Stand der Zukunftswerkstatt am Bibliothekartag versuchte die Synchronisation mit seinem Blackberry, gab mir das Gerät aber nach einiger Zeit entnervt zurück… Er fand sich offenbar mit den unterschiedlichen Bedienkonzepten von Smartphone und Tablet nicht zurecht.
Das Hauptproblem des BlackBerry Playbook ist die magere Ausstattung der AppWorld. Ich finde auf dem Device keine brauchbare Agenda, nur verschiedene Mail-Clients (Hotmail, GMail), die auf den Webbrowser verweisen und keine vernünftige Software, um E-Books zu lesen. Installiert sind ein PDF-Reader und die Apps Word To Go, Sheet To Go und Slideshow To Go. Mit BlueBox steht eine Anwendung für Dropbox zur Verfügung. Der Versuch, eine Präsentation von Dropbox zu starten, misslang jedoch.
Ein Rätsel gibt der Akku auf: Laden dauert eine gefühlte Ewigkeit, egal ob man dafür das Ladegerät oder die USB-Verbindung zum PC nutzt. Dafür leert sich der Akku überraschend schnell, vor allem im ausgeschalteten Zustand bzw. im SleepMode. Zudem entwickelt das Device recht grosse Hitze beim Ladevorgang. Angeblich soll das Tablet eine Akkulaufzeit von über 5 Stunden aufweisen.
Für die ETH-Bibliothek sind diese Devices ja vor allem im Hinblick auf die Frage interessant, wie gut sie sich zum Lesen und Bearbeiten von Texten und E-Books eignen. In der Blackberry AppWorld findet man nur den Kobo-Reader. Man kann also nur E-Books aus diesem Store kaufen und auf dem Gerät lesen. Eigene EPUB-Dokumente erkennt das Device nicht, auch wenn sie über BlueBox aus Dropbox geladen werden. PDF-Dokumente können mit dem vorinstallierten Acrobat Reader gelesen, aber nicht bearbeitet werden.
Es ist unklar, welche Zielgruppe RIM mit dem Blackberry Playbook ansprechen will. Die User ihrer Smartphones aus dem Business-Bereich dürften sich mit diesem Gerät kaum anfreunden. Dafür ist es zu wenig praktisch und zu wenig gut in die Arbeitsumgebung integriert. Für alle anderen bietet es zu wenig Inhalte, um eine Alternative zum iPad oder den Android-Tablets darzustellen. Deshalb sage ich dem Gerät keine glorreiche Zukunft voraus… Ach ja, auch der Name des Device hält ja nicht gerade, was er verspricht: wenig zum Spielen, wenig Bücher zum Lesen…

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Juni 23rd, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Die Integration von Sharepoint auf dem iPad ist möglich, wenn auch über einige Umwege…
Ich muss vorausschicken, dass wir an der ETH-Bibliothek (und auch in anderen Verwaltungsbereichen der ETH Zürich) SharePoint von Microsoft für die Dokumentenverwaltung und das Intranet einsetzen. Das hat für den Remote-Zugriff auf die Geschäftsunterlagen grosse Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Fileablage. Aber so richtig gut funktioniert das ja nur mit Internet Explorer und auf Windows-Systemen. Oder etwa doch nicht? Im Zusammenhang mit der Frage, inwiefern das iPad auch zum Arbeiten taugt, ist die Integration in SharePoint also zumindest an unserer Hochschule entscheidend.
Mit dem Safari-Browser auf dem iPad kann man direkt auf SharePoint zugreifen, sich einloggen und die gewünschten Dokumente ansehen. So weit, so gut. Ich kann mit einer entsprechenden App (Pages, QuickOffice, DocsToGo u.a.) die Office-Dokumente öffnen und bearbeiten. Interessanterweise übernimmt DocsToGo sogar die spezielle Schrift ETH Light, die ich sonst nicht aufs iPad übertragen kann. Auch das ist so weit in Ordnung. Nun kommt aber erst das eigentliche Problem: Wie kriege ich die bearbeiteten Dokumente wieder auf SharePoint zurück? Möglichst als neue Version des Originaldokuments?
Dazu braucht man nun die App SharePlus Pro. Man kann sehr einfach den Zugang auf die verschiedenen SharePoint-Server einrichten, das Passwort eingeben und hat dann eine mobile Sicht auf dieBibliotheken, Kalender etc. in SharePoint. Die Dateien lassen sich hier auschecken und betrachten, aber nicht inhaltlich verändern. Für die Bearbeitung von Office-Dokumenten braucht man eine der oben genannten App.
Dokument auf SharePoint hochladen
Wer sich ein wenig mit dem iPad und der Speicherung der Dateien auf dem Gerät beschäftigt hat, weiss, dass genau dies der entscheidende Unterschied zur gewohnten PC- oder Mac-Umgebung ist. Man kann nicht einfach eine Datei von der Festplatte hochladen. Was passiert also mit dem via Safari heruntergeladenen Dokument? Wenn das Dokument nach dem Bearbeiten wieder auf SharePoint gespeichert werden soll, ist DocsToGo die App der Wahl.
Zunächst wird das Dokument lokal in der App gespeichert, hier mit dem Befehl „speichern unter…“ im Ordner „/Lokale Dateien/“.

Abb. 1: Menü Speichern unter… in der App DocsToGo
Aber in SharePoint ist damit das Dokument noch nicht… DocsToGo (oder auch Dropbox) bietet nun die Möglichkeit, ein lokal abgelegtes Dokument über die Funktion „Öffnen mit…“ in SharePlus zu öffnen. Der Hinweis auf Dropbox ist insofern wichtig, als von hier aus mit einer beliebigen App bearbeitete Dokumente nach SharePlus übertragen werden können – aber es wäre noch ein Schritt mehr als über DocsToGo.
Beim Öffnen mit SharePlus wird das File in die Ablage „Lokale Dateien“ der App SharePlus kopiert (siehe Abb.2, Nr.1). In einem nächsten Schritt kann das Dokument dann in die gewünschte Dokumentbibliothek oder einen Ordner auf SharePoint hochgeladen werden.
Dazu öffne ich den gewünschten Ordner auf SharePlus (Abb.2, Nr.2) und wähle über den Plus-Button rechts oben die Funktion „Hinzufügen Dokument“ (Abb.2, Nr.3).

Abb. 2: SharePlus auf iPad: 1. Ablage „lokale Dateien“, 2. SharePoint-Seite, 3. Button „Dokument hinzufügen“
Nun kann ich mit „Dokument auswählen“ eine lokale Datei selektieren, sie mit Titel und Eigenschaften (gemäss SharePoint-Umgebung) versehen und in den SharePoint-Ordner hochladen (Abb.3). Nun steht das neue Dokument auf SharePoint zur Verfügung.

Abb.3: Neues Dokument in SharePlus erstellen – Dokument auswählen von lokale Dateien
Angelpunkt für die Bearbeitung der Files – quasi den Ersatz für die fehlende Ordnerstruktur auf dem iPad – bildet also die Funktion Lokale Dateien in SharePlus.
Nochmals, Schritt für Schritt:
Benötigt werden dafür die kostenpflichtigen Apps SharePlus Pro sowie DocsToGo Premium – vermutlich klappt es auch mit der billigeren DocsToGo Office Suite.
- Office-Dokument in DocsToGo öffnen und bearbeiten
- Dokument speichern unter… lokale Daten
- Lokale Daten in DocsToGo wählen, Datei öffnen mit… SharePlus
- Gewünschte Seite/Ordner in SharePlus ansteuern
- „Hinzufügen Dokument“ anklicken, Dokument auswählen aus lokale Dateien
- Dokumenteigenschaften bearbeiten und sichern.
Das Hochladen neuer Dokumente ist aber nur eine der Funktionen, die man beim Arbeiten mit SharePoint regelmässig braucht. Eine andere Anforderung ist das Auschecken bestehender Dokumente, die verändert und dann in einer neuen Version wieder hochgeladen werden sollen.
Checkout von Dokumenten und Erstellen einer neuen Version
In SharePlus kann ein Dokument ausgecheckt werden. Dazu wählt man in der App ein Dokument auf SharePoint aus und geht zur Funktion „Bearbeiten“. Hier können die Eigenschaften bearbeitet (Element bearbeiten) oder das Dokument ausgecheckt werden. Damit während der Bearbeitung niemand anderes das Dokument verändern kann, wird es ausgecheckt. Das Dokument wird anschliessend wie oben beschrieben in DocsToGo geöffnet und bearbeitet. Dann mit speichern unter… lokal gesichert. Dann öffnet man das ursprüngliche Dokument mit SharePlus und wählt im Menü Bearbeiten die Option Element bearbeiten. Nun kann das veränderte Dokument hochgeladen werden und somit die alte Version ersetzt werden. Nachdem das Dokument wieder eingecheckt und mit einem optionalen Kommentar zur Version versehen worden ist, steht es den übrigen SharePoint-Nutzern wieder zur Verfügung.

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Juni 20th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Das HTC Flyer-Tablet läuft auf dem Betriebssystem Android 2.3.3 mit HTC Sense 2.1. Die Oberfläche ist attraktiv mit mehreren Startbildschirmen, die mit einer Wischbewegung und 3D-Effekt gewechselt werden können. Nach dem eigentlichen Startmenu (mit Zeit, lokalem Wetter und den wichtigsten Anwendungen) folgen Kontakte, News (mit GoogleReader), My Shelf (mit den eBooks), E-Mail und dem FriendStream. Alle Google-Anwendungen sind gut integriert – von Google Mail über Kontakte, Reader bis hin zu Maps und Google Latitude. Der Android Market bietet mittlerweile auch zahlreiche Apps für den täglichen Bedarf: Dropbox, Kindle, Evernote, DocumentsToGo, Skype und viele mehr.
Die äussere Erscheinung: Der Rahmen mit Alubody und weissem Plastik wirkt weniger elegant als Konkurrenzprodukte. Mit einem Gewicht von 420 Gramm liegt der Flyer gut in einer Hand. Das Tablet lässt sich sowohl im Hochformat (mit einer Hand) wie auch im Querformat gut bedienen. Die virtuellen Buttons im Rahmen sind immer an der jeweiligen Unterseite. Sie „wandern“ also je nach Ausrichtung des Geräts – ein überraschendes und nützliches Feature.
Der HTC Flyer lässt sich als externe Festplatte an den PC anschliessen, nachdem ein entsprechender Dialog erschienen und die entsprechende Option gewählt worden ist. Auf diese Weise lassen sich Dateien vom PC auf das Tablet kopieren. Im Vergleich zum geschlossenen System des iPad ist der Transfer von Daten auch nicht viel einfacher. Auch beim HTC Flyer nutze ich Dropbox als virtuelles Laufwerk in der Wolke. Ein USB-Stick lässt sich auch hier nicht einfach so anschliessen.
Als E-Book-Reader ist der Kobo-Reader installiert, der auch die Adobe ID verwaltet. Dadurch erhält man Zugriff auf die über die eigene Adobe ID gekauften Bücher im Store. Das Hochladen eigener eBooks erfolgt über das Kopieren der Files ins Dateisystem in den Ordner Books. Nach der Synchronisierung werden die eigenen E-Books im EPUB-Format auf dem Startbildschirm My Shelf und in der App Reader angezeigt. Die Darstellung auf dem 7-Zoll-Bildschirm ist etwas beengt, die Seite wirkt etwas gar schmal (im Hochformat). Aber insgesamt klappt die Buchanzeige tadellos.

Screenshot (via Evernote) vom Startbildschirm My Shelf auf dem HTC Flyer
Eine der Besonderheiten des HTC Flyer ist der spezielle Stift. Er dient dazu, auf jeder beliebigen Ebene handschriftliche Notizen anzubringen. Nett ist die Synchronisation von Screenshots (ausgelöst durch den Stift) mit der App Evernote. Die handschriftliche Notiz wird als Bild mitgeschickt. Mit dem Stift kann man Textstellen markieren und diese dann als Notiz sichern.
Die virtuelle Tastatur ist natürlich kleiner als bei 10-Zoll-Tablets. Für kurze Texte (Mails, SMS) ist das kein Problem, aber bei umfangreicheren Texten ermüdet man schnell und muss viel korrigieren. Wobei die Korrekturfunktion ziemlich ausgefeilt ist. Bekannte Worte werden vorgeschlagen und neue Wörter können direkt ins Wörterbuch übernommen werden. Bei den 7-Zoll-Tablets stellt sich schon die Grundsatzfrage, ob sie für eine Smartphone zu gross und für ein Arbeitsinstrument zu klein sind. In dem relativ kurzen Text kann ich diese Frage nicht beantworten. Aber es wartet schon das ASUS Eee Pad Transformer, das mit einem 10-Zoll-Bildschirm ausgestattet ist…

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Mai 26th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
Welches sind die neuen Herausforderungen für Bibliotheken und wie können sie sich darauf einstellen? Dieser Frage bin ich in einem Vortrag am Springer Library Summit am 20. Mai in Zürich nachgegangen. Und vor lauter Vorträge halten hätte ich beinahe mein Blog vernachlässigt… Hier meine zentralen Gedanken und die Präsentation auf Slideshare dazu.
Mein Fokus liegt – das überrascht wohl niemanden – vor allem auf den technologischen Herausforderungen. Hier sehe ich die mobile Webnutzung als wichtigsten Trend, der grossen Einfluss auf das Nutzerverhalten und damit auch auf die Anforderungen hat, die an Dienstleister wie Bibliotheken herangetragen werden. Die mobile Nutzung mit Smartphones dürfte die stationäre Internetnutzung vom PC aus schon bald überholen. Für das Nutzerverhalten bedeutet dies, dass kleine Informationshäppchen (noch kleinere als heute…) gewünscht werden, die man schnell von unterwegs auch auf kleinen Bildschirmen abrufen kann. Wie beim Fernsehen mit vielen verfügbaren Kanälen wird “gezappt”: man springt schnell von eienr Information zur andern – dafür sind die Hyperlinks schliesslich da… Noch verstärkt wird die Tendenz, dass Informationen für Nutzer nicht existieren, wenn sie nicht elektronisch verfügbar sind. Weiter wirkt sich auch der Siegeszug der sozialen Netzwerke auf das allgemeine Benutzerverhalten und die Erwartungen aus: man will per Knopfdruck mit Freunden teilen, wenn etwas interessiert, man will Empfehlungen abgeben und Kommentare geben können – oder einfach etwas mögen (“liken”). Dann kommt hinzu, dass ich mir meine Informationen immer stärker auf meine persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann. Twitter gibt hier den Takt vor. Ich organisiere die Informationen in Listen, speichere Suchabfragen (mit oder ohne Hashtag) ab und lasse mir diese personalisierte Information in meinem sozialen Magazin in Echtzeit anzeigen. Eine Zukunftsvision? Nein, sondern die schon alltägliche Nutzung von Flipboard auf dem iPad.
Ein weiterer Megatrend sind die geobasierten Anwendungen, die sich dank der Smartphones rasend schnell etabliert haben. Meine Freunde und Follower wissen von meiner Begeisterung für Foursquare. Hier werden spielerische Elemente mit nützlichen Informationen zum Ort, wo man sich befindet, kombiniert. Darauf setzen dann weitere Anwendungen wie lokale Auskunftsdienste (Localmind) oder soziale Netze wie Scoville auf. Auch Facebook ist mit Places auf diesen Zug aufgesprungen. Ich habe in diesem Blog schon darauf hingewiesen, dass Localmind eine virtuelle Variante zum klassischen Auskunftsschalter der Bibliothek sein könnte. Es geht noch weiter in Richtung Augmented Reality. Auch hier bieten die Smartphones die Hard- und Software, die für eine rasante Verbreitung solcher Dienste sorgen. In der Schweiz ist die Anwendung Swiss Peaks beliebt, die einem anzeigt, welche Berggipfel man von seinem Standort aus sieht. Ein neuer Dienst ist Junaio, mit dem man sich z.B. die Orte in der Nähe anzeigen lassen kann, die einen Eintrag in Wikipedia haben.

Screenshot ab iPhone mit App Junaio: Blick von der ETH in Richtung Zürcher Altstadt mit eingeblendeten Wikipedia-Einträgen
Und dann sind da – natürlich – noch die E-Books und die E-Reader, die eine grosse Herausforderung für die Bibliotheken (und Verlage) darstellen. Wir sind gefordert, benutzerfreundliche Formate und Anwendungen zu entwickeln, damit wir unseren Kunden die gewünschten Inhalte auch für die mobile Nutzung anbieten können.
So viel für heute. Wie sich die Bibliotheken methodisch und organisatorisch auf diese neuen Herausforderungen einstellen können, wird Thema eines nächsten Blogbeitrags sein. In der Präsentation auf Slideshare gibt es bereits Stichworte dazu.

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Mai 10th, 2011 von Rudolf Mumenthaler
An der informare! habe ich einen Vortrag zum Thema “machen eReader in Bibliotheken Sinn?” gehalten. Es ging dabei zunächst um eine Einschätzung der zu erwartenden Entwicklung, anschliessend um die voraussichtlichen Konsequenzen für die Bibliotheken. Im englischen Sprachraum ist der Durchbruch der E-Books bereits erfolgt. Im deutschen Sprachraum fehlen noch die aktuellen Angebote, zudem sind sie tendenziell überteuert. Die kürzlich erfolgte Öffnung des Amazon Kindle Stores für Deutschland dürfte aber ein wichtiger Schritt in Richtung eine attraktiven Angebots sein. Bei den Geräten ist auf Seite der E-Ink-Reader nicht allzu viel passiert in jüngster Zeit. Klar ist, dass sich diese dedizierten E-Book-Reader in Richtung Tiefpreissegment bewegen. Bei den multifunktionalen Tablets sind zahlreiche Geräte angekündigt (nun auch ein Android-Tablet von Amazon), aber erst wenige auf dem Markt erschienen. Apple hat mit dem iPad 2 wiederum die Nase vorn, doch dahinter sind mit dem Motorola Xoom und dem Playbook von RIM ernst zu nehmende Konkurrenten aufgetreten. Auch mitdem Samsung Galaxy 10.1 wird zu rechnen sein. Aber der Vorsprung von Apple vor allem im Bereich Apps ist schon sehr gross.
Unter dem Strich können wir aus Bibliothekssicht den sicheren Schluss ziehen, dass unsere Kunden immer häufiger mit mobilen Geräten auf unsere Dienstleistungen und Ressourcen zugreifen werden. Das betrifft also zum einen die Website, zum anderen die elektronischen Ressourcen. Somit müssen sich die Bibliotheken die Frage stellen, ob sie für diese Entwicklung vorbereitet sind. Dies betrifft zum einen den mobilen Zugriff auf ihre Website mit den Rechercheinstrumenten oder auch eigenen Volltextangeboten, zum anderen die Bereitstellung elektronischer Texte – seien es E-Journals oder E-Books. Im letzteren Fall sind die Bibliotheken vom Angebot der Verlage abhängig. Und dieses muss zum heutigen Zeitpunkt klar als kundenunfreundlich kritisiert werden. Bei der Belletristik ist die Auswahl zu gering und zu wenig aktuell, zudem sind die Preise zu hoch. Bei der wissenschaftlichen Literatur ist das momentan vorherrschende Distributionsmodell (freier Zugang aus der IP-Range einer Hochschule auf die lizenzierten Werke, Download allerdings nur als ein PDF-Dokument pro Kapitel) zwar noch bibliotheksfreundlich, aber keineswegs kundenfreundlich. Wünschenswert sind hier alternative Formate, die sich auch für kleinere Reader eignen (also EPUB), komplette Dokumente sowie integrierte Metadaten, damit die E-Books vernünftig organisiert werden können.
Die Bibliotheken selbst können mit gutem Beispiel vorangehen und die Texte, die sie oder die Hochschulangehörigen selbst produzieren, entsprechend aufbereiten. Ganz allgemein sehe ich im Bereich Unterstützung der Hochschulangehörigen beim elektronischen Publizieren (von Open Access über Archivierung und eben auch Bereitstellung verschiedener Dateiformate) eine wichtige Aufgabe für die Hochschulbibliotheken.
Eine besondere Herausforderung stellen die E-Books mit den gängigen Lizenzmodellen für Bibliotheken mit unterschiedlichen Nutzergruppen (Hochschulangehörige und externe Kunden) dar. Momentan werden externe Kunden, die für die ETH-Bibliothek ein sehr wichtiges Segment darstellen, von der elektronischen Informationsversorgung weitgehend abgeschnitten. Hier müssen neue Lösungen gefunden werden. Zwei Ansätze bieten sich an: Erweiterung der Lizenzen auf externe, eingeschriebene Nutzer mit den entsprechenden Authentifizierungs- und Authorisierungsmassnahmen und/oder die zeitlich limitierte zur Verfügungstellung von elektronischen Dokumenten, die sogenannte Onleihe.
Und wie sieht es jetzt mit den eReadern in Bibliotheken aus? Ich gehe davon aus, dass unsere Kunden ihre eigenen Geräte in die Bibliothek mitbringen werden und dafür geeignete Inhalte fordern werden. Bibliotheken müssen also meiner Ansicht nach nicht eReader verkaufen oder ausleihen. Damit die Kunden die neuen Geräte ausprobieren können, macht es aber durchaus Sinn, eine Auswahl an verschiedenen Devices mit Inhalten zur Verfügung zu stellen. Aber die Bestückung von E-Book-Readern mit Kollektionen von E-Books, die katalogisiert werden und dann wie gedruckte Bücher ausgeliehen werden, scheint mir etwas anachronistisch. Abgesehen davon sprechen die Lizenzverträge mit den Verlagen gegen eine solche Nutzung.
Mit dem Ausprobieren der Geräte verbunden werden kann die Nutzung von Tageszeitungen. Warum nicht die Lese-Lounge mit iPads (oder anderen Tablets) ergänzen, auf denen aktuelle Titel elektronisch gelesen werden können? Die ETH-Bibliothek bietet dies mit ausgewählten Tageszeitungen, darunter die nur auf dem iPad angebotene The Daily an. Und zudem werden auch Schulungsangebote für die unterschiedlichen Plattformen durchgeführt.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass sich die Bibliotheken darauf einstellen müssen, dass die Kunden in Zukunft verstärkt mobil auf ihre Inhalte zugreifen wollen. Und dafür müssen sie vorbereitet sein und geeignete Dienstleistungen anbieten. Dies geht allerdings nicht ohne die kommerziellen Anbieter von E-Books.

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