Kontakt über Mittag besucht die Entomologischen Sammlung

Kontakt über Mittag trifft auf Killer-Bienen, Zombie-Wespen und als Eulen getarnte Falter.

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Mehr als Wissenschaft und «more than honey»

Es summt mir noch im Ohr: «Lieber Roboter oder was sich bewegt.» Nun stehe ich hier und mich strahlen diese Augen an. Begeisterung und Faszination pur von Dr. Michael Greeff. Aber nicht nur ich sondern 15 andere Mitgerissene lauschen seinen Worten über Killer-Bienen, Zombie-Wespen oder als Eulen getarnte Falter. Sammeln scheint Leidenschaft.

Wir befinden uns in der Entomologischen Sammlung der ETH Zürich. Sie gehört mit rund zwei Millionen Belegen zu den grössten wissenschaftlichen Insektensammlungen der Schweiz. Es ist eine der ältesten – vielleicht die älteste Sammlung der ETH überhaupt. Ihr Bestand geht auf eine fast 200-jährige Sammeltätigkeit zahlreicher Naturforscherinnen und Naturforscher zurück. Sie lebt von Schenkungen auch von Sammlern wie Heinrich Escher-Zollikofer, dem Vater von Alfred Escher. Aber nicht nur er – auch viele Adlige und wohlhabende Bürger haben damals Naturforschung als Zeitvertreib betrieben. Die Entomologie als eigene Wissenschaft ist im 18. Jahrhundert entstanden. Insektensammlungen als Dokumentations- und Vergleichs-Möglichkeit bilden eine wichtige Grundlage, um wissenschaftlich zu arbeiten. Bedeutende Biologen, wie der Evolutionsbiologe Charles Darwin, sind leidenschaftliche «Käfersammler» gewesen. Heutzutage ist das Sammeln nicht mehr den Reichen vorbehalten. Viele begeisterte Hobby- und Profisammler frönen der Leidenschaft. Ob organisiert in der Entomologischen Gesellschaft Zürich oder ganz privat: Schenkungen an die Sammlung sind oft verbunden mit Geldspenden, alten Dokumenten und Briefwechsel, was, wie und wo gesammelt wurde. Ohne diese Angaben wäre das Insekt fast wertlos. Denn nur die Schriftstücke beantworten Fragen für die wissenschaftliche Forschung.

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Töten, um zu erhalten

Dumpfes Holz scharrt beim Aufziehen der Kästen. Wir sind tiefer gewandert und befinden uns im Kellerraum. Der Ort, an dem die filigranen Tierchen lagern. Alle Insekten werden genadelt. Manche haben einen so festen Panzer, dass man dazu einen elektrischen Bohrer benötigt. Zuerst aber mit Chemikalien getötet und dann bei minus 20 Grad zwei Wochen in die Gefriertruhe gesteckt. «Dieses gezielte Töten stellt in der Regel keine Bedrohung der gesammelten Arten dar», so der Biologe Greeff. «Auch wenn es nicht so scheint, es ist im Gegenteil eine wichtige Datenquelle für die Erhaltung der Tiere.» Viel mehr Insekten sterben an der Windschutzscheibe, beim Starten eines Flugzeugs oder in Lampen.

Vielfalt der Natur dokumentieren

Es ist ganz ruhig. Hören tut man wieder nur das knarrende Holz beim Zuschieben der Kästen. Da liegen sie nun: genadelt, aufgereiht und mit Namen versehen. Die Bestände umfassen ungefähr zwei Millionen Belege in 6000 Insektenkästen, darunter mehr als 5000 Typus-Belege. Alle neuen Arten, die erstmalig beschrieben werden, sind als Typus erfasst. Sie bilden die zentrale Grundlage. Will man eine neue Art beschreiben, so werden diese mit Typen verglichen. Durch sie wird das systematische Einordnen und Benennen von Insekten weiterentwickelt. Was Libellen-, Wanzenarten und Hautflügler angeht, ist die Sammlung an der ETH für die Schweiz repräsentativ. Ungefähr 6300 Käferarten liegen vor. Das sind 80 %, der in der Schweiz vorkommenden Käfer. Klick, klick – höre ich Kameras bei besonders ausgefallenen Spezies. Wie die Riesen-Schmetterlinge aus fernen Ländern, einige mit Schlangenköpfen andere mit Eulenaugen getarnt. Maulwurfsgrillen, Heuschrecken und Wanzen in allen Grössen. Man möchte sie lieber nicht lebendig sehen.

More than honey

Der Dokumentarfilm «More than Honey» widmet sich dem weltweiten Bienensterben. Er zeigt, dass mehr als ein Drittel unserer Nahrungsmittel ohne Bestäuben der Bienen nicht wachsen würde. Apiformes so der wissenschaftliche Name der Bienen, Ordnung: Hautflügler. Die Bienen sind auch in der Entomologischen Sammlung gut vertreten. Der letzte Kurator hat sich auf Wildbienen spezialisiert und viele ETH-Absolventen forschen heute mit Bienen. Insekten reagieren schnell auf Landschaftsveränderungen. Deshalb ist die Vielfalt der Insektenfauna, die auf einem Gebiet gefunden wird, ein guter Indikator, um eine Landschaft zu schützen. Hierzu werden Insektengruppen untersucht, die besonders empfindlich auf Veränderungen reagieren. Neben Bienen sind dies auch Schmetterlinge. Schon als Raupen haben sie besondere Ansprüche an die Nahrung. Schmetterlinge bilden eine einmalige Grundlage für die Erforschung des Klimawandels. Die Vernichtung natürlicher Lebensräume schreitet voran. Viele der heutigen Arten werden bereits ausgestorben sein bevor sie wissenschaftlich erfasst wurden.

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Öffentliche Führungen sind spannend

Seit 2011 organisiert Sabine Hoffmann für die Informatikdienste der ETH Zürich einen Anlass, der sich «Kontakt über Mittag» nennt. Mitarbeitende der Informatikdienste besuchen durch «Kontakt über Mittag» spannende Persönlichkeiten, interessante Forschungsgebiete und faszinierende Bereiche der ETH Zürich. Mit 15, der mehr als 200 Mitarbeitenden, bestaunen wir heute wie vielfältig die ETH-Landschaft ist. Eine Begeisterte schwärmt: «Ich bin total überwältig. Ehrlich, ich könnte Stunden hier verbringen.» Aber auch andere Stimmen hört man: «Der Besuch war wieder sehr beeindruckend. Man erhält nicht nur Einblicke in die unterschiedlichen hochinteressanten Bereiche der ETH, sondern kann auch seinen Horizont erweitern.» Sammeln ist Leidenschaft pur. Es bewegt – auch ohne Roboter.

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Kontakt über Mittag

Mehr zum Anlass «Kontakt über Mittag», der Idee dahinter und wo die Informatikdienste seit 2011 waren.

 

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