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23.02.2009

Nachricht von neuen Sternen: Galileo Galileis Sidereus Nuncius (Venedig, 1610)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 10:35

 

Plejaden

Mit Sidereus Nuncius (deutsch: “Sternenbote”) publizierte der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom Galileo Galilei (1564-1642) eine lebhafte Beschreibung seiner Beobachtung von Himmelskörpern. Er berichtete, dass die Mondoberfläche keineswegs wie bisher angenommen eine glatte Kugel, sondern reich an Bergen und Kratern sei. Diese Beobachtungen widersprachen der aristotelischen Vorstellung, die alle Himmelskörper als vollkommene Kugeln ansah. Ebenfalls gegen die bisherigen Vorstellungen sprachen Galileis Beobachtungen der Jupitermonde. Diese zeigten, dass die Erde nicht das einzige Zentrum der Rotation im Weltall sein konnte. Beide Entdeckungen waren somit gewichtige Argumente gegen das vorherrschende geozentrische Weltbild und machten Galilei mit einem Schlag berühmt.

Galilei begann die Schilderung seiner neuen Beobachtungen mit der Beschreibung der Herstellung des Fernrohrs, das er neu entwickelt hatte. Teleskope wurden seit dem Herbst 1608 hergestellt, und als Galilei davon hörte, fing er an verbesserte Modelle mit einer stärkeren Vergrösserung zu entwickeln. Seine Instrumente waren noch weit entfernt von der heutigen Präzision, was auch in den Abbildungen des Sidereus Nuntius deutlich wird. Vergleicht man diese mit fotografischen Darstellungen desselben Himmelsausschnittes, stellt man kaum eine Ähnlichkeit fest. Trotz dieser Ungenauigkeiten trugen Galileis Beobachtungen wesentlich zu einer Revolution unseres Weltbildes bei.

Links:

Galileis Siderus Nuncius von 1610 (Signatur Rar 4342: 1) ist zusammengebunden mit fünf weiteren Werken zur Astronomie des 17. Jahrhunderts und online via e-rara.ch.

Ausstellung “Galileo Galilei” in der Haupthalle der ETH Zürich vom 18. Januar bis 3. Februar 1999 und an der ETH-Bibliothek von Januar bis Mai 1999.

Literatur:

Hans Blumenberg: Die Genesis der kopernikanischen Welt

Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang

13.02.2009

Johannes Hevelius: Prodromus astronomiae (Danzig, 1690)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:28

Kupferstich Fig. V: Sternbilder Pegasus, Andromeda, Cassiopeia und Piscis

Über das Observatorium des polnischen Astronomen und Instrumentenbauers Johannes Hevelius (1611-1687) und sein dem Mond gewidmetes Hauptwerk Selenographia  wurde in diesem Weblog bereits berichtet. Mit dem 1690 posthum erschienenen Werk Prodromus astronomiae unternahm Hevelius eine Darstellung des gesamten gestirnten Himmels.

Hevelius’ Katalog von 1564 Sternen war bereits etwas umfangreicher als derjenige von Johann Bayers Uranometria (1603), die hier ebenfalls bereits vorgestellt wurde. Die Leistungen von Hevelius lagen in der Einführung einer Reihe neuer Konstellationen (Lacerta, Leo Minor, Vulpecula, Canes Venatici, Lynx, Sextans Uraniae, Sagitta und Scutum Sobiescanum), sowie in der verbesserten Darstellung des südlichen Sternhimmels. Wie schon bei Selenographia zeichnete und stach Hevelius die Platten selbst und druckte sie im eigenen Haus.

Die Rezeption von Prodromus astronomiae wurde getrübt durch eine Debatte um die Arbeitsweise von Hevelius. Dieser argumentierte während seiner ganzen Karriere, dass trotz der technischen Fortschritte im Instrumentenbau das menschliche Auge den neu entwickelten Visieren und anderen Hilfsmitteln überlegen sei. Die Kontroverse über den Gebrauch von Hilfsmitteln entbrannte in den 1660er-Jahren und dauerte zwanzig Jahre. Sie ist dokumentiert in zahlreichen Briefen, die zwischen Hevelius und seinen Kollegen – vornehmlich Mitgliedern der Royal Society – ausgetauscht wurden.

Links:

Prodromus astronomiae (Rar 9629 GF) im Bibliothekskatalog NEBIS. Das Werk ist zusammengebunden mit Firmamentum sobiescia und Catalogus stellarum fixarum.

Weitere Werke von Astronomen des 15. Bis 18. Jahrhunderts, darunter auch Venus in Sole visus von Hevelius, sind online bei der Rare Book Collection des Vienna University Observatory: http://www.univie.ac.at/hwastro/

01.12.2008

Conrad Meyer: Planisphaerium Coeleste. Zürich 1681.

Filed under: Astronomie,Bestände — Tags: — Rudolf Mumenthaler @ 8:28

planisphaerium

Planisphaerium Coeleste. Cura Philomusi sculpsit Conrad Meyer. Tiguri 1681. Ans 2775:85 plan

Conrad Meyer (1618-1689) war ein bekannter Zürcher Kunstmaler und Kupferstecher. Nach seinen Lehrjahren, u.a. bei Matthäus Merian, betätigte er sich in seiner Heimatstadt mit Erfolg als Porträt- und Landschaftsmaler. Das Hauptgewicht seiner Arbeiten verlegte er dann auf die Kupferstecherei, wobei gegen tausend Radierungen auf ihn zurückgehen, u.a. die ersten Neujahrsblätter der Stadtbibliothek Zürich im Jahre 1645. Zudem besorgte er den Stich der Schweizerkarte von Johann Conrad Gyger (1657) und des vorliegenden Planisphaerium Coeleste (1681). Dieses gelangte über die Sammlung der Eidgenössischen Sternwarte in den Besitz der ETH-Bibliothek. Rudolf Wolf beschreibt das Werk in seinem Verzeichniss der Sammlungen der Zürcher-Sternwarte von 1878:

“Dieses in stereographischer Projection verzeichnete und von dem geschickten Maler und Kupferstecher Conrad Meyer von Zürich (1618-1689) gestochene, einen Fuss im Durchmesser haltende Sternkarte ist nicht nur für die Zeit ihres Entstehens [eine] recht schöne und sorgfältige Arbeit, sondern gewinnt auch noch dadurch an Interesse, dass die Cometen von 1577, 1585, 1596 etc., sowie die neuen Sterne von 1572, 1600 und 1604 in dieselbe eingetragen sind.”

Wolf, Verzeichniss S.5.

In Bildarchiv Online findet sich eine vergrösserbare Version des digitalisierten Bildes.

03.10.2008

Johann Bayer, Uranometria: omnium asterismorum continens schemata (Augsburg, 1603)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 9:19

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 Tabula Secunda: Ursa Major [Sternbild Grosser Bär]

Der Himmelsatlas des deutschen Astronomen und Juristen Johann Bayer (1572-1625) setzte neue Massstäbe in der Geschichte der Himmelskartographie. Die Karten zeigen die präzisen Positionen der Fixsterne und sind zugleich von einer aussergewöhnlichen Schönheit. Der Atlas enthält 51 doppelseitige Himmelskarten (49 Konstellationen und zwei Hemisphären). Die Uranometria ist der erste Himmelsatlas, in dem die Sternbilder über dem Südpol verzeichnet sind: Paradiesvogel, Pfau, Tukan, Kranich, Phönix, Kleine Wasserschlange, Chamäleon, Fliege, Fliegender Fisch, Schwertfisch, Südliches Dreieck und Indianer.

Die grosse Leistung Bayers lag in der Vereinheitlichung der bislang uneinheitlichen und verwirrenden Bezeichnungsweise der einzelnen Fixsterne. Er löste das Problem, indem er die 1’300 Sterne aus Tycho Brahes Sternenkatalog mit den 24 Buchstaben des griechischen Alphabets versah. Die Reihenfolge orientierte sich dabei im Wesentlichen an der Helligkeit der Sterne. Eine Sternbezeichnung nach Bayer enthält einen griechischen Vor- und einen lateinischen Familiennamen (z.B. “Alpha Centauri”). Jüngere Sternkataloge haben die Bayer-Klassifikation wieder fallen gelassen und sind zur blossen Nummerierung der Sterne übergegangen. Dennoch greifen Astronomen noch heute gerne auf Bayers Bezeichnungen zurück.

Links:

Uranometria (Augsburg 1606) im Bibliothekskatalog NEBIS

Die Ausgabe von Ulm 1723 im Bibliothekskatalog NEBIS

Einzelne Bilder aus der Uranometria in E-Pics Alte Drucke

Digitalisierte Ausgabe bei Linda Hall Library

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