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31.10.2011

Bilderwelten – die neue Buchreihe des Bildarchivs der ETH-Bibliothek

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geistes- und Sozialwissenschaften — Tags: , — Nicole Graf @ 18:03

Bildpostkarten stellten im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Aufsehen erregendes neues Kommunikationsmittel dar: Touristisch geschönte Werbebilder, Fotos von Unfällen und Naturkatastrophen oder idyllische Fiktionen von exotischen Lebensverhältnissen wurden von den handlichen Bildträgern übermittelt. Die Postkartensammlung Adolf Feller bildet ein einzigartiges Zeugnis der damaligen Ansichtskartenbegeisterung.

Die heute im Besitz des Bildarchivs der ETH Zürich befindliche Bildersammlung umfasst rund 54‘000 Bildpostkarten aus den Jahren 1889 bis 1980 und geht auf die Sammlungstätigkeit des Schweizer Unternehmers Adolf Feller und seiner Tochter Elisabeth Feller zurück. Ansichten von Orten und Landschaften bilden den thematischen Schwerpunkt, rund 15‘000 Motive stammen aus der Schweiz, auf den übrigen Karten sind Sujets aus über 140 Ländern vertreten.

Mit dem Bildband „Die Welt im Taschenformat“ von Monika Burri wird die neu geschaffene Publikationsreihe „Bilderwelten. Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek“ eröffnet, das Buch vermittelt einen ebenso anschaulichen wie kulturwissenschaftlich informierten Rundgang durch die Bildtraditionen, Geschmacksvorlieben und Wahrnehmungsprägungen des beliebten Massenmediums.

Das Buch können Sie im Lesesaal Spezialsammlungen für CHF 59.- oder im Buchhandel kaufen.

Weitere Postkarten sind im Wissensportal oder im Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

07.10.2011

Karten in der Entwicklungszusammenarbeit

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 11:00

 

 The Pamirs, 2004

Northern Tajikistan, 2009

Southern Tajikistan, 2009

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) feiert 2011 ihr fünfzigjähriges Bestehen. Das Engagement der Schweiz und der ETH Zürich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit geht jedoch zurück bis in die Nachkriegsjahre und wurde zunächst durch die ETH koordiniert. 1960 schaffte der Bundesrat den „Dienst für technische Hilfe“, der ein Jahr später in „Dienst für technische Zusammenarbeit“ umbenannt wurde und mit dem ersten „Delegierten des Bundesrats für technische Zusammenarbeit“ den Grundstein der heutigen DEZA bildete.

Mit dem Inkrafttreten des „Bundesgesetzes über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe“ wurde 1976 aus dem „Dienst für technische Zusammenarbeit“ die „Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe DEH“. Der Name war Programm und beschreibt noch heute gültige Schwerpunkte der DEZA: die humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit. Als drittes Standbein kam 1990 die Zusammenarbeit mit Zentral- und Osteuropa hinzu. In den ersten Jahren noch im Eidgenössischen Politischen Departement angesiedelt, wurde das „Büro für die Zusammenarbeit mit Osteuropa“ 1995 in die DEH integriert. 1996 wird die neu benannte „Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA“, die nun alle Tätigkeitsbereiche vereint, zum schweizerischen Kompetenzzentrum für Entwicklungszusammenarbeit. Die Kernaufgabe der DEZA, die Armutsbekämpfung, ist heute so aktuell wie vor 50 Jahren.

In Projekten der Entwicklungszusammenarbeit stellen topographische und thematische Karten eine wichtige Grundlage dar. Oft ist gerade (wissenschaftliches) Kartenmaterial im mittleren bis grösseren Massstabsbereich die Länder des Südens betreffend Mangelware. So kann die Herstellung kartographischer Grundlagen zu einer bestimmten Region Teil eines Entwicklungsprojektes oder der Entwicklungszusammenarbeit sein.

Ein Beispiel dafür sind die drei abgebildeten Karten zu Tajikistan, deren Entstehung die DEZA im Rahmen ihrer Präsenz im Osten massgeblich unterstützt hat. Die Karten decken zusammen das ganze Staatsgebiet Tajikistans, das Pamirgebirge und weite Teile benachbarter Staaten ab. Die Rückseite informiert ausführlich über verschiedene Aspekte der Region und berücksichtigt insbesondere auch den Tourismus. Diese Karten stellen über die Verwendung für touristische Zwecke hinaus auch wertvolle topographische Karten dar, die für diese Region einzigartig in ihrer Genauigkeit und Aktualität sind.

Die Karten mit den Signaturen K 684990 (Pamir), K 686103 und K 686104 (Nord und Süd Tadjikistan) können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen und weitere Informationen:

Die ETH Zürich, die sich bis heute aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert, beleuchtet zum 50 jährigen Jubiläum der DEZA in einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto “Denkplatz Entwicklung” diverse Aspekte der nationalen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit:

http://www.northsouth.ethz.ch/news/future_events/denkplatzentwicklung/Oeffentliche_Events

DEZA: http://www.deza.admin.ch/

30.09.2011

Landschaftsbilder

Erorberte Landschaft mittels Luftbilder: Spelterini, Eduard: Bâle, une prise à 3520-3820 mètres de hauteur, ca. 1895 (Ans_05752)

 

Landschaft als Souvenir und Reiseersatz: A native kraal, South Africa. Durban : publ. by Sallo Epstein & Co., ca. 1905 (Fel_035225-RE)

Nationale Landschaft: Gaberell, Jean: Steinbockgruppe in der Abteilung Jagd. Schweizerische Landesausstellung, 1939, Zürich (Ans_00796)

 Kulturlandschaft: 21. Mai 1891, Photographien vom Bau des neuen Stahlbades in St. Moritz erbaut von A. Bringolf, Architekt, 1891-1892 (Ans_05453-012-AL-PL)

„Die Landschaft“ zu beschreiben ist so unmöglich, wie die vielfältigen Bilder, die wir uns von ihr machen. Landschaft ist immer eine Konstruktion, ein kulturelles Konzept. Je nach Disziplin und Perspektive wird Landschaft interpretiert.

Landschaften repräsentieren den Abwechslungsreichtum natürlicher Bedingungen und zeigen, wie unterschiedlich sich das Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt hat. Landschaft umspannt das weite Spektrum von naturnahen Landschaften, Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, hochproduktiven, land-, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Gebieten, über Dorf- und Parklandschaften bis hin zu den dichtbesiedelten Städten mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten und den Verkehrsflächen und -wegen.

Die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft findet seit mehreren Jahrhunderten statt. Die Landschaftsfotografie hat sich rasch von der Landschaftmalerei gelöst, insbesondere weil der Dokumentationswert hohe funktionale (und neue) Ansprüche einlöste. Interessant ist, dass – obwohl das heute so naheliegend ist und Landschaftsfotografie alltäglich ist, dass die Abbildung der Landschaft lange Zeit keine Bedeutung hatte. Interessant war die Landschaft in der Fotografie höchstens als bildgebender Hintergrund.

Weitere Bilder sind im Wissensportal oder über das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Veranstaltungshinweis:

An der Abendführung des Bildarchivs am 4. Oktober zeigen wir einen vielfältigen Querschnitt durch die Bestände des Bildarchivs unter dem Gesichtspunkt der Landschaftsfotografie. Wir werden Themen wie die eroberte Landschaft, Landschaft als Souvenir und Reiseersatz, die nationale Landschaft und Kulturlandschaft anhand von mannigfaltigem Bildmaterial ausleuchten.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

29.07.2011

Adam Olearius: Voyages très curieux et très renommez faits en Moscovie, Tartarie et Perse (Amsterdam, 1727)

Filed under: Alte Drucke,Geographie und Karten — Tags: — Roland Lüthi @ 7:30

Kupferstich Seite 40: Die holsteinische Delegation beim russischen Zaren in Moskau, 19. August 1634

Der deutsche Schriftsteller und Diplomat Adam Oehlschlegel (1599-1671) begab sich 1633 als Sekretär einer holsteinischen Delegation auf eine Reise nach Russland und Persien. Im Auftrag des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf sollten die 34 Delegierten eine wirtschaftliche Anbindung Norddeutschlands mit Russland und Persien erreichen. Die Mission dauerte von 1633 bis 1639 und endete ohne Erfolg. Die Gründe für das Scheitern waren vielfältig: Die lange und gefährliche Route, die hohen Zölle, welche die Russen und Schweden verlangten, der Umstand, dass Holländer und Armenier den Seidenhandel in Isfahan bereits kontrollierten, und am schwerwiegendsten die Tatsache, dass Persien nicht genug Seide produzierte, um das Unternehmen profitabel zu machen.

Der Reisebericht von Olearius erschien erstmals 1647 unter dem Titel Die Offt Begehrte Beschreibung der Newen Orientalischen Rejse. Sie vereint eine Beschreibung der Völker Persiens, Informationen über Geografie, Biologie, Linguistik, Geschichte und Naturgeschichte. Der Text gehört dabei zu einem Genre von Reisebericht, der Augenzeugenberichte über eine relativ unbekannte Gegend zu vermitteln sucht. Das Buch wurde schnell zu einem Bestseller und es folgten holländische, englische, französische und italienische Ausgaben.

Link:

Voyages faits en Moscovie, Tartarie et Perse im Bibliothekskatalog NEBIS

Literaturhinweis:

Elio Christoph Brancaforte:Visions of Persia: mapping the travels of Adam Olearius (Cambridge, 2003)

15.07.2011

Palma – Von der Römersiedlung zur Touristendestination

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 8:00

Plano de Palma y su ensanche, erste Hälfte 20. Jahrhundert

Palma de Mallorca, in: Gran Atlas de Espana, 1989, Band 3, S. 504

 

Palma und Massentourismus. Ist dies auch Ihre erste Assoziation? Auf den zweiten Blick hat Palma, die Hauptstadt Mallorcas, eine 2000-jährige bewegte Geschichte aufzuweisen, in der der Massentourismus, wie wir ihn heute kennen, lediglich etwa die letzten 50 Jahre umfasst.

123 v. Chr. eroberten die Römer unter Quintus Caecilius Metellus Mallorca und gründeten an der südlich gelegenen weiten Bucht das nach der Siegespalme benannte Palmeria. Von hier aus wurden Oliven transportiert, durch deren Kultivierung  Mallorca einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr. Nach dem Zerfall des römischen Reiches im dritten Jahrhundert n. Chr. eroberten die Vandalen die Insel und zerstörten zahlreiche römische Siedlungen. Erst unter der Herrschaft der Mauren ab 902 erlebte Palma unter dem damaligen Namen Medina Mayurqa eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit, die 1229 ein jähes Ende fand, als der aragonische König Jaume I. im Zuge der Reconquista die Insel eroberte. Von den Plünderungen und Zerstörungen blieb auch Palma nicht verschont. Die Stadt entwickelte sich dennoch schnell zu einem der wichtigsten Handelsplätze im östlichen Mittelmeer. La Llotja, ein wichtiges gotisches Denkmal aus dieser Epoche, war der Sitz der damaligen Seehandelsbörse, die den Handel regulierte und den Hafen von Palma instand hielt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts spitzte sich  die sanitäre und soziale Situation in Palma zu. Die Mauer, die zum Schutz der Stadt errichtet wurde, behinderte nun deren Wachstum. 1897 wurde ein Wettbewerb für die Erweiterung der Stadt ausgeschrieben, den der Architekt B. Calvet gewann. Seine vorgeschlagene Erweiterung, wie sie auf dem Plano de Palma y su ensanche ersichtlich ist, wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts realisiert. Ab 1960 boomte der Massentourismus in Palma und die Stadt erfuhr seither sowohl  eine enorme Bevölkerungszunahme als auch ein starkes bauliches Wachstum, das – sowie alle vorangegangenen Phasen des Wachstums – der Stadtplan aus dem Gran Atlas de España illustriert.

Der Plano de Palma y su ensanche mit der Signatur K 670811 und der Gran Atlas de España mit der Signatur KA 160 SPAN 01 können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

 

08.07.2011

Mittelholzers Abessinienflug (1934)

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten,Geschichte — Tags: , , — Nicole Graf @ 18:00

 

Links: Mittelholzer, Walter: Mazedonien, 200 km südlich von Belgrad. 07.02.1934 (LBS_MH02-22-0003)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Fokker F. VII b-3m, CH-192 an Tankstelle. 02/1934 (LBS_MH02-22-0907)

 

Links: Mittelholzer, Walter: Männer vor Flugzeug, Ma’an, Transjordanien. 15.02.1934 (LBS_MH02-22-0012)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Flugplatz in Addis Abeba. 03/1934 (LBS_MH02-22-0778)

  

Links: Mittelholzer, Walter: Kaiser Haile Selassie I. zu Pferd. 02/1934 (LBS_MH02-22-0382)
Rechts: Übergabe von Schild und Degen an Walter Mittelholzer, durch den Privatsekretär des Kaisers Haile Selassie I. 03/1934 (LBS_MH02-22-0789)

 

Mittelholzer, Walter: Dankali-Mädchen aus der Völkerfamilie der Galla, an der Küste von Französisch Somali-Land. 03/1934 (LBS_MH02-22-0775)

Der Fotograf, Flugpionier und Swissair-Mitgründer Walter Mittelholzer (1894–1937) und seine Crew flogen vom 2. bis 23. Februar 1934 über die Alpen – Athen – Jerusalem – Tel Aviv – Kairo – Assuan mit einem Abstecher nach Petra nach Addis Abeba. Mittelholzer flog 7‘118 km in 46,28h Flugstunden. Ziel des Abessinienflugs war ein Flugzeugtransport an den Hof des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Mittelholzer lieferte also die 3-motorige Fokker (CH 192) per Flug an die Regierung nach Äthiopien. Nebst der Dokumentation des Hinfluges mit vielen Luftbildern fotografierte Mittelholzer den Kaiser Haile Selassie, den Hof und das Militär und besuchte diverse Stämme in Süden Äthiopiens.

Die filmische und fotografische Ausbeute bei Mittelholzers Auslandflügen waren damals besonders wertvoll, wurden doch unberührte Gegenden erkundet und erstmals fotografisch festgehalten. Die vielen Pionierflüge (Afrika, Persien, Spitzbergen, Alpen, Kilimandscharo) fanden auch im Ausland stark Beachtung und machten Mittelholzer und die Schweizer Aviatik damals in weiten Kreisen bekannt.

Mittelholzer galt immer als sehr geschäftstüchtig und hat seine Auslandflüge optimal vermarktet: nicht nur hat er viel fotografiert – die Fotografien von rund 50 solcher Auslandflüge sind erhalten und werden seit dem Jahr 2009 im Bildarchiv der ETH-Bibliothek archiviert. Diese kulturhistorisch bedeutende Fotosammlung wird im Bildarchiv inventarisiert, digitalisiert und erschlossen. Der Abessinienflug ist nun der erste dieser Auslandflüge, den das Bildarchiv aufgearbeitet und übers Bildarchiv Online veröffentlicht hat.

Mittelholzer hat zudem oft auch als Regisseur für die Filmproduktionsfirma Praesens-Film, deren Mitbegründer er war, Filme über die Flüge gedreht. Seine Filme hat damals fast jeder Schweizer gesehen, es waren sehr populäre Filme zur grossen Zeit des Schweizer Films. Der Film über den Abessinienflug war Mittelholzers erster Tondokumentarfilm. Das Original ist ebenfalls Teil der Mittelholzer-Sammlung des Bildarchivs und liegt zur Zeit in der Cinemathèque Suisse im Depot. Ausserdem hat Mittelholzer in der Regel parallel zu den Flügen jeweils ein Fotobuch geschrieben. Das Buch zum Abessinienflug ist bereits 1934 erschienen und kann übers Wissensportal bestellt werden.

Die Mittelholzer-Bilder sind Bestandteil des Archivs der Stiftung Luftbild Schweiz. Sie werden kontinuierlich aufgearbeitet und sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

01.07.2011

Ludwig Choris: Voyage pittoresque autour du monde (Paris, 1822)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten — Tags: — Roland Lüthi @ 7:35

Abbildung III: Costumes des Malais de l’ile de Luzon

Abbildung XV (Alaska): Ours marins dans l’île de St. Paul

Der junge ukrainische Künstler Ludwig Choris (1795-1828) wurde 1815 von Kapitän Otto von Kotzebue zu einer Expedition ins Nordpolarmeer eingeladen. Zweck der Reise war die Suche nach der legendären Nordwestpassage durch die Beringstrasse. Unter den 27 Passagieren des russischen Forschungsschiffs Rurik befanden sich neben Choris auch der deutsche Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso (1781-1838).

Wie viele vorgängige und spätere Expeditionen erreichten Kotzebue und seine Gefährten das gesteckte Ziel nicht. Sie konnten jedoch eine zusammenhängende Meeresströmung nachweisen, die der erste wissenschaftliche Beleg für die Existenz der Nordwestpassage war. Ausserdem kartographierte Kotzebue über 400 Inseln in Polynesien und weite Teile der Westküste Alaskas. Während Chamisso zahlreiche neue Pflanzen entdeckte und benannte, fertigte Ludwig Choris eine grosse Anzahl  von Zeichnungen an. Die Publikation, die der Künstler nach seiner Rückkehr in Paris veröffentlichte, ist eines der wertvollsten und fundamentalen Werke über Alaska, Kalifornien und die Hawaiianische Inselwelt. Der Druck erschien zuerst mit allen Tafeln in schwarzweiss, dann mit den naturgeschichtlichen Tafeln in Farbe und schliesslich mit allen Tafeln in Farbe. Die ETH-Bibliothek besitzt die farbige Variante.

Link:

Ein Teil der Tafeln und Texte sind online bei http://www.americanjourneys.org/aj-087/index.asp .

Literaturhinweis:

Edward Mornin: Through Alien Eyes; the visit of the Russian ship Rurik to San Francisco in 1816 and the men behind the visit, Oxford: P. Lang, 2002

24.06.2011

Sommerzeit – Ferienzeit – Strandurlaub

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten — Tags: — Nicole Graf @ 18:46

 

Badhusen, Marstrand. Marstrand : Imp. Otto Svensson, Poststempel 27.8.1903 (Fel_029392-RE)

Abbazia, Villen am Südstrand. Abbazia : Verlag a. Dietrich ; Dresden-A. : Chromotion von Markert & Sohn, Graph. Kunstanstalt, Poststempel 09.03.1908 (Fel_027337-RE)

 Catania, Hütten am Strand. Poststempel 26.6.1923 (Fel_054041-RE)

Westerland a. Sylt, Strandleben a. Familienbad. Berlin : Verlag J. Wollstein, Poststempel 11.9.1925 (Fel_047222-RE)

Cannes, Promenade de la Croisette. Paris : Lévy & Neurdein Réunis, Poststempel 25.4.1928 (Fel_056586-RE)

Im 19. Jahrhundert ermöglichte die Schleifung von Stadtbefestigungen und die Auslagerung von Hafeneinrichtungen in vielen Städten die Anlage von Promenadenwegen auf den früheren Festungs- und Wallanlagen. Die Sommerfrische und Meereslust begannen sich auszubreiten und vielerorts wurden die Küstenregionen touristisch erschlossen.

Strandkörbe, Strandhütten, Seebäder, Sonnenhüte und sich nach modischem Geschmack ändernde Strandkleider prägen seither das Bild. Aber auch Strand- oder Uferpromenaden wie die Promenade de la Croisette in Cannes nehmen bis heute eine zentrale Rolle im Stadtleben ein und galten bzw. gelten als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Die Bilder sind Bestandteil der Postkartensammlung von Adolf Feller, die zahlreiche Kartenbeispiele von Strandaufnahmen aus aller Welt enthält. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

11.03.2011

Reisekarten

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Hofacker @ 8:00

Panorama vom Gottschalkenberg, 1886                           Reisekarte von Graubünden, 1944

USA, 1964/65                                                                        Alpen, ca. 2002

Seit Ende des 18. Jahrhunderts begab sich eine wachsende Zahl (männlicher) Angehöriger eines frühen, vermögenden Bürgertums auf Reisen zu Bildungszwecken oder zum Vergnügen, was einen Bedarf an ersten Reisekarten auslöste. Das Gelände dieser Karten wurde bewusst einfach dargestellt, im Zentrum des Interesses standen vielmehr Informationen zu religiösen Stätten, Sehenswürdigkeiten und zum Wegnetz.

Mit dem Aufschwung des Alpinismus Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Ruf nach Karten in einem grösseren Massstab und einer detaillierteren Geländedarstellung. Reliefkarten mit Höhenlinien, farbigen Höhenschichten und Reliefschattierung deckten diese Bedürfnisse zunehmend ab.

Eine Vielfalt an Exkursionskarten und Panoramen, die als Souvenirs verkauft wurden, zeugen von der Blütezeit des Tourismus in der Schweiz  vor dem ersten Weltkrieg.

In der Nachkriegszeit setzte der Massentourismus ein, begünstigt durch die rasche Entwicklung des Strassennetzes und der Erschwinglichkeit von Autos. Strassenkarten, wie wir sie bis heute kennen,  wurden zu wichtigen Reisekarten.

Reisekarten dokumentieren kartographische und kulturelle Entwicklungen gleichermassen. Sie geben zum Beispiel Auskunft über den Ausbau des Verkehrsnetzes, bevorzugte Ausflugsziele und Sportarten im Laufe der Zeit.

An der Abendführung  der Kartensammlung der ETH-Bibliothek wird eine Auswahl an Reisekarten der letzten 200 Jahre gezeigt.

Abendführung: 22. März 2011, 18.15 – 19.15 Uhr, Lesesaal Spezialsammlungen

04.03.2011

„Wenn nur meine Photos gut sind!“ – Der Geologe Arnold Heim beobachtet eine tibetanische Bestattungszeremonie

 

Tagebuch VIII, China, 17.9.1930-20.2.1931, S. 55-56 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 494: 254)

Fotoalbum Szechuan-Tibet Expedition 1930-1931, Bild 394-401 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 494b: 25)

In der Schweiz entwickelte sich die Ethnologie erst sehr spät zu einer eigenständigen akademischen Disziplin. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde das Fach meist als Teil der Geografie behandelt. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerade weitgereiste Geologen waren, welche fremde Völker in ihren Reisenotizbüchern und Publikationen ausführlich studierten, beschrieben und bildlich darstellten. Einer dieser Geologen war Arnold Heim. Er wuchs als Sohn von Albert Heim, Ordinarius für Geologie an der ETH Zürich, bereits mit der Pike in der Hand auf. Nach Studium und Promotion in Zürich sowie Anstellungen als Privatdozent an der ETH Zürich entschied sich Arnold Heim zur grossen Enttäuschung seines Vaters gegen eine Karriere an der ETH Zürich und für eine Laufbahn im Ausland als Petrogeologe. Zuvor folgte er jedoch 1929 einem Ruf an die Sun-Yat-Sen-Universität in Kanton (China), wo er für drei Jahre den Lehrstuhl für Geologie und die Leitung des Geologischen Instituts inne hatte.

Ebenfalls 1929 berichtete der US-amerikanische Forschungsreisende Joseph Rock von einem Berg von über 9000 Metern Höhe im Westen der Provinz Szetschuan. Dass der Minya Gongkar den Mount Everest überrage, wurde jedoch von vielen Fachleuten bezweifelt. Um dies zu überprüfen, übertrug die Universität von Kanton 1930 Arnold Heim zusammen mit dem schweizerischen Kartographen Eduard Imhof die Leitung einer chinesisch-schweizerischen Expedition. Der offizielle Auftrag bestand darin, den Minya Gongkar und seine Umgebung zu vermessen und zu kartieren. Trotz widriger Umstände – die Expedition war nur mangelhaft ausgerüstet, in China herrschte Bürgerkrieg, die Expedition wurde mehrmals von Banditen überfallen – gelang es ihnen das Gebirge zu vermessen und die Höhe des Gipfels auf 7600 m.ü.M. zu bestimmen.

Im Verlaufe dieser Expedition studierte Heim auch die regionalen Sitten und Gebräuche. Seine ethnographischen Beobachtungen beschrieb er minutiös in seinen Reisetagebüchern und dokumentierte sie mit umfangreichem Bildmaterial. Arnold Heim war seit Jugendjahren ein begeisterter Fotograf. Foto- und Filmkamera waren auch auf den beschwerlichsten Expeditionen immer mit dabei.  So auch am 2. Januar 1931, als Heim die Gelegenheit erhielt, eine tibetanische Bestattungszeremonie zu beobachten. In seinem lebhaften Tagebucheintrag ist die Aufregung, die Zeremonie miterleben zu dürfen und seine Sorge um die Qualität der Aufnahmen förmlich zu spüren:

„Aber ich will die Möglichkeit nicht verpassen, den Totenkult zu sehen, und frage Edgar, mir ein Pferd und Führer zurückzulassen. Mit 9×12 und Kinokamera beladen gehe ich auf den kahlen Hügelrücken, wo ich mit dem Feldstecher die Geier sehe. In der Nähe – 1/4 Stunde zu Fuss – welcher Anblick – eine lange Reihe roter Lamas im Gebetsang, dirigiert von einem Oberlama. Links eine rote Reihe sitzender Lamabuben, und dahinter die Geier sitzend, über 50 gewaltige Tiere, meist bèche [sic] mit weissem Schwanenhals, einige vollkommen schwarz – riesige Tiere, grösser als die jungen Lamas. Ich schiesse Kinofilm los – leider habe ich bloss 3, und das Wellington Pack streikt – hoffentlich nicht alles kaput [sic]. Nun verziehen sich die grossen Lamas, während die jungen auf mich zustürzen, neugierig das photographieren verfolgend, aber anständig.

Nun sehe ich vor mir auf einem runden Platz von ca. 5 m Durchmesser, ringsum mit Steinen markiert, einen Toten Leib, der von einem Chines [sic] in verschiedene Abschnitte mit grossem Messer, auf d. Rücken liegend, zerschnitten und geskalpt wird. Mit d. Füssen wird der Tote an einem Pflock mit einem roten Band angebunden. Wie er sich entfernt, stürzen die Geier wütend darauf – einen Knäuel bildend, so dass man vom Leichnam nichts mehr sieht, bis alle Weichteile entfernt sind. Die Tiere sind rasend, zanken sich, fauchen und zischen, lassen mich bis auf wenige Meter mit aufgestelltem Stativ herankommen. Nach etwa 10-15 Minuten ist nur noch der abgetrennte Schädel, Becken und Wirbelsäule vorhanden. Die Geier haben blutrote Köpfe und Hälse. Nun tritt ein Lama mit dem Stock vor und verjagt die Geier. (Die bleibenden Knochen sollen noch verstampft, mit Tsamka und Butter nachträglich verfüttert werden). Hauptsache ist, dass das Herz gefressen wird, sonst ist es für den Toten und seine Angehörigen ein böses Zeichen. Diese Bestattung ist etwas vom Schauerlichsten, was ich je gesehen. Wenn nur meine Photos gut sind!“

Literatur:

Arnold Heim. Minya Gongkar: Forschungsreise ins Hochgebirge von Chinesisch Tibet – Erlebnisse und Entdeckungen. Bern 1933.

Eduard Imhof. Die grossen kalten Berge von Szetschuan: Erlebnisse, Forschungen und Kartierungen im Minya-Konka-Gebirge. Zürich 1974.

Links:

Daniel Speich. Der Minya Konka. Ein Berg als umstrittenes Objekt. In: ETHistory 1855-2005: Zeitreisen durch 150 Jahre Hochschulgeschichte: Eine Web-Ausstellung des Instituts für Geschichte der ETH Zürich

Biographisches Kurzporträt Arnold Heims aus der Reihe Porträt des Monats der ETH-Bibliothek

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