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22.06.2011

Aussicht von der Weid bei Zürich

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Susanne Zollinger @ 18:28

Panorama von der Weid von Heinrich Keller von 1880

Ausschnitt aus: Südliche Aussicht von der Weid bei Zürich, Heinrich Keller, 1880

Um 1880 zeichnet Heinrich Keller von der Weid aus ein detailgetreues Panorama der Stadt Zürich, das ein ländlich anmutendes, locker bebautes Stadtgebiet zeigt. Bereits sind jedoch auch Zeugen des Fortschrittes sichtbar. So ist in der Ansicht ist ein bereits ansehnliches Eisenbahnnetz abgebildet. Die Strecke der Schweizerischen Nordostbahn  verläuft auf einem mächtigen Damm  und über ein  Viadukt über die Limmat nach Oerlikon und weiter bis nach Romanshorn.  Am Rand der dicht bebauten Zürcher Innenstadt ist das Portal des 1870 fertig gestellen Hauptbahnhofes sichtbar. Industriegebäude mit hohen Kaminen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. In Wipkingen bezieht die  Stadtmühle Elektrizität vom Flusskraftwerk beim Unteren Letten.

Im Hintergrund des Panoramas ist die atemberaubende Bergkulisse des Alpenrandes sichtbar und verweist auf die Bedeutung von Panoramen als touristische Souvenirs. Aus heutiger Sicht ist die Darstellung ein wichtiges Zeugnis der Siedlungs- und Landschaftsentwicklung der Stadt Zürich.

Das wunderschöne 13 x 89 cm grosse Panorama von Heinrich Keller hat die Signatur K 690326 und kann im Lesesaal Spezialsammlungen der ETH Bibliothek eingesehen werden.

Informationen zu Heinrich Keller findet man im Lexikon zur Kunst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.

13.08.2010

Gebirgsansicht von Villars sur Ollon

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Zollinger @ 17:03

Ausschnitt aus: Gebirgsansicht von Villars sur Ollon, Albert Heim, Hofer & Burger, 1885

An einem Sommertag 1885 hielt der Zürcher Geologe Albert Heim die Generalversammlung des SAC Diablerets, die auf einer Alp bei Villars sur Ollon stattfand, in einem wunderschönen Panorama fest. Der Titel des Panoramas informiert über neuen „Schneefall in der Höhe” und tatsächlich zeigen sich die Gipfel und Hügel der Waadtländer Alpen in einem frischen weissen Kleid.

Das Panorama weist einige Besonderheiten auf. In der Zeichnung sind aussergewöhnlich viele Personen abgebildet, während in Panoramen des 19. Jahrhunderts sonst keine oder wenige Personen, meist Wanderer oder Bergsteiger, dargestellt sind, oft um die Grössenverhältnisse zwischen Bergwelt und Mensch darzustellen. Als Kuriosität porträtiert Albert Heim sich selber und bildet den Zigarre rauchenden Panoramazeichner in der linken unteren Ecke des Panoramas ab. Neben Heim liegen Rucksack, Seil und Pickel im Gras. Die Ausrüstung für schwierige Bergtouren in Fels und Eis verweist auf Alberts Heims Leidenschaft für die Berge und seine Mitgliedschaft im SAC. Das Panorama ist der Sektion Diablerets  “in dankbarer Erinnerung” gewidmet.

Albert Heim als Panoramazeichner mit Bergausrüstung

Albert Heim mit Tocher Helene, Fotografie, 1888

Albert Heim war ein fleissiger Panoramenzeichner. Allein im Katalog des NEBIS-Verbundes sind gegen 30 Panoramen des Zürcher Geologen verzeichnet.

Die mehrfarbige Lithographie mit der Signatur K 690126 ist 23 x 80 cm gross und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden. Die Fotografie von Albert Heim ist im BildarchivOnline der ETH-Bibliothek verfügbar.

Links: Portrait von Albert Heim in Wikipedia

16.07.2010

Panorama vom Piz Mundaun

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Zollinger @ 17:16

Ausschnitt Panorama vom Piz Mundaun bei Ilanz im Bündner Oberland / Chur: Hitz, 1861

Um 1861 zeichnet der Bündner Maler Michel Caderas vom Piz Mundaun aus ein zauberhaftes Panorama – wohl ein touristisches Souvenir – das den Blick über die Surselva und das Val Lumnezia schweifen lässt. Die „nach der Natur gezeichnete” Ansicht zeigt mit grosser Detailtreue kleine Bauerndörfer, Wiesen, Wälder und die tief eingeschnittenen Schluchten des Vorderrheins und des Glenners in einer majestätischen Gebirgslandschaft.

Der Vermerk „topographisch verificirt” verweist auf die exakte Wiedergabe der Topografie. Durch die hohe Genauigkeit in der Darstellung des Raumes liefern Panoramen des 19. Jahrhunderts wertvolle Informationen zur Veränderung der Landschaft.

Das wunderschöne 15×100 cm grosse Panorama hat die Signatur K 690285 und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

04.03.2010

Das erste Alpenpanorama: Im Gefängnis Aarburg 1754 von Micheli du Crest erstellt.

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Carol Ribi @ 17:59

Alpenpanorama von Micheli du Crest (1754), Faksimiledruck 1995.

Der Adelige, Jacques-Barthélemy Micheli du Crest lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Genf, das damals  noch eine vom Adel regierte Republik war. Du Crest gehörte zur städtischen Obrigkeit und wurde als Wissenschafter und Herausgeber der topographischen Karte „Geneva Civitas” (1726) geehrt. Seine Ehrbarkeit verspielte aber Micheli du Crest, als er 1730 den Bau der Stadtfestung harsch kritisierte. Er wurde seiner politischen Ämter enthoben und um seine Güter gebracht. Es blieb ihm nichts anderes übrig als zu fliehen. Dem herrschenden Adel waren wohl die demokratischen Ideen und allzu reformistischen Ansichten du Crests allgemein ein Dorn im Auge. In mehreren veröffentlichten Schriften kritisierte Micheli du Crest das Genfer Regierungssystem. Er forderte die Abkehr von der Oligarchie und die Gründung einer vom Volk regierten demokratischen Republik. Diese Forderungen riefen grosse Resonanz beim Volk hervor, so dass du Crest als „Aufwiegler gegen die Obrigkeit” verbannt und 1735 während seiner Abwesenheit sogar zum Tode verurteilt wurde. Er konnte nicht mehr nach Genf zurück und suchte so in Zürich, Bern, Basel und zeitweise auch in Paris Unterschlupf. In dieser Zeit verkehrte er mit berühmten Wissenschaftern wie dem Pariser Physiker Réaumur oder dem Basler Mathematiker Daniel Bernoulli und anderen.

Im Herbst 1746 wurde du Crest in Neuenburg verhaftet und zu lebenslänglicher Haft im Gefängnis des Schlosses Aarburg verurteilt. Das war eine grosse Demütigung für den Freigeist und begnadeten Wissenschafter du Crest. Im Rückblick ist die Inhaftierung der Beginn einer umfassenden geodätischen Arbeit, die die Vermessung der Schweiz zum Ziel hatte. In diesem Zusammenhang entstand im Aarburger Gefängnis das erste wissenschaftliche Alpenpanorama. Micheli du Crest versuchte die Höhen fern gelegener Alpengipfel von seinem Kerker aus zu bestimmen und kartographisch zu erfassen. Seine Pioniertat bestand  darin, dass er die damals noch weitgehend unbekannte Bergwelt topographisch erschliessen wollte. Seine Messungen nahm du Crest auf Grund der ihm damals zur Verfügung stehenden Geräte und Hilfsmittel vor. Er stellte selbst einen Barometer her, um die Meereshöhe von Aarburg zu ermitteln. Für weitere Messungen konnte er Johann Jakob Brenner als Expeditionsleiter gewinnen, korrespondierte mit anderen Wissenschaftern wie Albrecht von Haller und erhielt dadurch wertvolle Informationen. Angesichts der Bedingungen, unter welchen er nur sehr eingeschränkt in seiner Zelle arbeiten konnte, schuf er ein bemerkenswertes Werk, das bis heute Experten zu erstaunen vermag. Dass einige Bergnamen falsch definiert wurden und fehlerhafte Referenzdaten das Panorama in seiner Realitätstreue verzerren, macht der Leistung Micheli du Crest keinen Abbruch.

Zur weiteren Vertiefung ist Martin Rickenbachers Studie zu empfehlen: Das Alpenpanorama von Micheli du Crest – Frucht eines Versuches zur Vermessung der Schweiz im Jahre 1754, die als Sonderheft Nr. 8 in der Reihe Cartographica Helvetica 1995 erschienen ist. In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek ist das Heft und die Karte unter der Signatur: K 372 017 oder KA SCHW 112: 02, 8 zu finden.

Im Zusammenhang mit Gebirgsdarstellungen ist auch auf unseren ausgedehnten Panorama-Bestand und die Abendführung der Kartensammlung am 9. März 2010 hinzuweisen:

Abendführung zum Thema Kartographische Darstellungen von Gebirgen, 9. März, 18:15 Uhr, Treffpunkt Ausleihe der ETH-Bibliothek Zentrum, Stockwerk H.

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