Fig. F: Johannes Hevelius bei der Arbeit in seinem Observatorium
Das Observatorium des polnischen Astronomen und Instrumentenbauers Johannes Hevelius (1611-1687) gehörte seinerzeit zu den besten Europas. Es war über die Dächer von drei nebeneinanderstehenden Gebäuden verteilt und mit mehreren Teleskopen bestückt. Das grösste davon hatte eine Länge von 45 Metern und war an einem 27 Meter hohen Mast aufgehängt. Das Observatorium beherbergte auch eine Druckpresse für die Herstellung von Kupferdrucken. Die meisten Platten für seine Publikationen stach Hevelius direkt während der Himmelsbeobachtung.
Selenographia sive Lunae descriptio gilt als Hauptwerk von Hevelius. Nach der Erfindung der ersten Teleskope im frühen 17. Jahrhundert war der Mond als erdnaher Himmelskörper ein beliebtes Studienobjekt für viele Astronomen. Mit Selenographia verfolgte Hevelius als erster das Projekt einer auf eigenen Beobachtungen basierenden genauen Kartographierung des Mondes. Das Buch enthält 133 Kupferstiche mit Ansichten des Mondes und Darstellungen der verwendeten astronomischen Geräte.
Die Selenographia wurde sowohl hinsichtlich des Druckbildes wie auch der Kupferstiche für die Gestaltung naturwissenschaftlicher Werke in den kommenden Jahrzehnten vorbildhaft. So orientierte sich u.a. Newtons Philosophiae naturalis principia mathematica an Hevelius’ Werk über den Mond.
Links:
Selenographia ist online via e-rara.ch.
Eine Rekonstruktion von Hevelius’ Observatorium ist hier zu finden (Website des Henry Buhl Jr. Planetarium in Pittsburgh, USA).

Lewis M. Rutherfurd: The Moon, New York, March 6, 1865. Albuminabzug, 53x43cm (Ans 2775:18 plan)
Lewis Morris Rutherfurd (1816-1892) – zum Teil findet sich auch die Schreibweise Louis M. Rutherford – war Anwalt, Astronom und Pionier der Astrofotografie. Er galt als praktisch veranlagter Wissenschaftler, der vor allem an neuen Instrumenten und ihrer Anwendung interessiert war, sich aber kaum durch Publikationen hervortat. Die neuen Geräte, u.a. ein Spektroskop, konstruierte er selbst oder liess sie unter seiner Aufsicht herstellen. Er konstruierte unter anderem das erste Teleskop für Astrofotografie, wobei er einen 29cm-Refraktor von Henry Fitz, einem befreundeten Hersteller von Teleskopen, einsetzte. Um die gewünschte Qualität der Bilder zu erreichen, waren verschiedene Verbesserungen und technische Innovationen nötig. Wegen der langen Belichtungszeit musste das Teleskop samt fotografischem Medium der Bewegung des Mondes nachgeführt werden. Zudem setzte Rutherfurd ein neues Trägermedium (Kolloidemulsion) für die Fotografien ein. Im Dezember 1864 war das erste fotografische Teleskop einsatzbereit. Das neue Verfahren ermöglichte Bilder des Mondes von bisher unerreichter Qualität. 1874 erhielt Rutherfurd die Rumford-Medaille der American Academy of Arts and Sciences für seine Verbesserungen der Prozesse und Methoden der astronomischen Fotografie.
Die Bilder von Mond, Sonne und Sternen entstanden im privaten Observatorium, das Rutherfurd im Garten seines Hauses in New York errichtet hatte. Die Aufnahme vom 6. März 1865 gilt als das beste Mondbild. Das Originalnegativ hatte einen Durchmesser von 1.7 Zoll und liess eine Vergrösserung bis auf 21 Zoll zu. Abzüge der Fotografie wurden kommerziell vermarktet. Seine Originalbilder vermachte Rutherfurd der Columbia University. Das Exemplar der ETH-Bibliothek gelangte mit der Sammlung Sternwarte in ihren Besitz. Rudolf Wolf schreibt in seinem Verzeichniss der Sammlungen der Zürcher-Sternwarte von 1878:
“Photographie des Mondes von Louis M. Rutherford. Von dem Verfertiger durch Vermittlung von Herrn Professor Clausius im Jahre 1865 geschenkt. Diese wundervolle Abbildung stellt den Mond nach einer von Herrn Rutherford 1865 III 8, also etwa am 12. Tage seines Alters, zu New-York gemachten, und sodann bis auf 53cm Durchmesser vergrösserten Aufnahme dar.” Wolf, Verzeichniss, S. 21
Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online. Einen ausführlichen Artikel über Rutherfurd hat Deborah Jean Warner geschrieben: Lewis M. Rutherfurd: Pioneer Astronomical Photographer and Spectroscopist. In: Technology and Culture, Vol. 12, No. 2 (Apr., 1971), pp. 190-216.