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01.07.2009

Christian Konrad Sprengel: Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen (Berlin, 1793)

Filed under: Alte Drucke, Botanik, Naturwissenschaften, Zoologie — Tags: , — Roland Lüthi @ 8:15

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Titelkupfer

Der deutsche Theologe und Botaniker Christian Konrad Sprengel (1750-1816) begründete mit  ”Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen” einen Zweig der biologischen Wissenschaften, der erst Jahrzehnte später seinen heutigen Namen “Blütenökologie” erhielt. 

Sprengel beschäftigte sich auf Anraten seines Arztes mit Botanik und erforschte von 1787 bis 1792 die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Insekten. Insbesondere ging er der Frage nach, wie der Bau, die Farbgebung, und spezifische Farbzeichnungen von Blumen die verschiedenen Insekten anlocken, um die Bestäubung zu ermöglichen. Der deutsche Botaniker Gerhard Wagenitz fasst die Grundaussage des Buches so zusammen: “Blüten sind zum überwiegenden Teil auf ihre Bestäuber angewiesen, und die Eigentümlichkeiten ihres Baues lassen sich als Anpassungen verstehen, die die Bestäubung sicherstellen. Dabei wird die Selbstbestäubung weitgehend vermieden.”

Der Gedanke der Beförderung der Fremdbefruchtung war wohl das, was Charles Darwin knapp 50 Jahre später an dem Buch von Sprengel beeindruckte. Darwin selbst sah die sexuelle Fortpflanzung als Quelle der Variabilität und publizierte 1862 sein blütenökologisches Hauptwerk On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilised by insects, and on the good effects of intercrossing. “Intercrossing” übersetzt als “Befruchtung durch eine andere Art” impliziert hier bereits auch den Begriff der “Koevolution”, die wechselseitige Anpassung von Pflanze und Tier.

Links:

Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bibliothekskatalog NEBIS

Das Titelkupfer in E-Pics Alte Drucke 

Ein deutscher Imker hat das Buch als Faksimile erworben und eingescannt. Er stellt es online als PDF (20 MB) zur Verfügung.

Literatur:

Gerhard Wagenitz: Sprengels „Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“ aus dem Jahre 1793 und seine Wirkung. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: 2, Mathematisch-Physikalische Klasse; 1993, 1. Göttingen 1993.  

06.02.2009

Oswald Heer – der Entdecker der fossilen Schweizer Flora

Filed under: Archive und Nachlässe, Botanik — Tags: — Ursula Steinhauser @ 14:48

Oswald Heers Zeichnung verschiedener Typen von Ahornsamen (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 204:188)

Oswald Heer (1809-1883) studierte zuerst Theologie, widmete sich aber anschliessend den Naturwissenschaften und gilt heute als einer der Begründer der Paläontologie und der Archäo- bzw. Paläobotanik. An der ETH, wie auch an der Universität Zürich wirkte er als Professor für Botanik. Zu seinen wichtigsten Werken gehört unter anderen die Flora tertiaria Helvetiae. In ihr beschrieb er 720 bis dahin unbekannte fossile Pflanzen auf schweizerischem Gebiet. Damit war der Grundstein für seinen guten internationalen Ruf als Paläobotaniker gelegt.
Von den fossilen Pflanzen zeichnete Heer sehr viele selbst und wurde erst in der Endphase von einem wissenschaftlichen Zeichner unterstützt. Heer arbeitete sehr genau und selbstkritisch und war immer offen gegenüber begründeter Kritik. Einen grossen Teil der Zeichnungen zur Flora tertiaria Helvetiae finden sich in den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH Bibliothek.
In seinem Werk beschrieb Heer unter anderem insgesamt 35 Ahornarten (vgl. Abb. oben). Da ein Bestimmungswerk noch fehlte, versuchte Heer möglichst viele Typen herauszuarbeiten und präsentierte – dem Zeitgeist entsprechend – eine artenreiche Flora.
Aus heutiger Sicht sind natürlich einige seiner Erkenntnisse (z.B. der Artenreichtum beim Ahorn) überholt, dies schmälert seine Leistung aber in keiner Weise (nach wie vor findet seine Arbeit Eingang in die heutige Forschung).

Links:

Die Originalzeichnungen zur Flora tertiaria Helvetia befinden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH Bibliothek Zürich.
Die Flora tertiaria Helvetia kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.
Das Nachlassverzeichnis von Oswald Heer kann online eingesehen werden.
Ein Portrait des Monats von Oswald Heer findet sich auf der Homepage der ETH Bibliothek Zürich.

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