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30.09.2011

Landschaftsbilder

Erorberte Landschaft mittels Luftbilder: Spelterini, Eduard: Bâle, une prise à 3520-3820 mètres de hauteur, ca. 1895 (Ans_05752)

 

Landschaft als Souvenir und Reiseersatz: A native kraal, South Africa. Durban : publ. by Sallo Epstein & Co., ca. 1905 (Fel_035225-RE)

Nationale Landschaft: Gaberell, Jean: Steinbockgruppe in der Abteilung Jagd. Schweizerische Landesausstellung, 1939, Zürich (Ans_00796)

 Kulturlandschaft: 21. Mai 1891, Photographien vom Bau des neuen Stahlbades in St. Moritz erbaut von A. Bringolf, Architekt, 1891-1892 (Ans_05453-012-AL-PL)

„Die Landschaft“ zu beschreiben ist so unmöglich, wie die vielfältigen Bilder, die wir uns von ihr machen. Landschaft ist immer eine Konstruktion, ein kulturelles Konzept. Je nach Disziplin und Perspektive wird Landschaft interpretiert.

Landschaften repräsentieren den Abwechslungsreichtum natürlicher Bedingungen und zeigen, wie unterschiedlich sich das Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt hat. Landschaft umspannt das weite Spektrum von naturnahen Landschaften, Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, hochproduktiven, land-, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Gebieten, über Dorf- und Parklandschaften bis hin zu den dichtbesiedelten Städten mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten und den Verkehrsflächen und -wegen.

Die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft findet seit mehreren Jahrhunderten statt. Die Landschaftsfotografie hat sich rasch von der Landschaftmalerei gelöst, insbesondere weil der Dokumentationswert hohe funktionale (und neue) Ansprüche einlöste. Interessant ist, dass – obwohl das heute so naheliegend ist und Landschaftsfotografie alltäglich ist, dass die Abbildung der Landschaft lange Zeit keine Bedeutung hatte. Interessant war die Landschaft in der Fotografie höchstens als bildgebender Hintergrund.

Weitere Bilder sind im Wissensportal oder über das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Veranstaltungshinweis:

An der Abendführung des Bildarchivs am 4. Oktober zeigen wir einen vielfältigen Querschnitt durch die Bestände des Bildarchivs unter dem Gesichtspunkt der Landschaftsfotografie. Wir werden Themen wie die eroberte Landschaft, Landschaft als Souvenir und Reiseersatz, die nationale Landschaft und Kulturlandschaft anhand von mannigfaltigem Bildmaterial ausleuchten.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

04.03.2010

Das erste Alpenpanorama: Im Gefängnis Aarburg 1754 von Micheli du Crest erstellt.

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Carol Ribi @ 17:59

Alpenpanorama von Micheli du Crest (1754), Faksimiledruck 1995.

Der Adelige, Jacques-Barthélemy Micheli du Crest lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Genf, das damals  noch eine vom Adel regierte Republik war. Du Crest gehörte zur städtischen Obrigkeit und wurde als Wissenschafter und Herausgeber der topographischen Karte „Geneva Civitas” (1726) geehrt. Seine Ehrbarkeit verspielte aber Micheli du Crest, als er 1730 den Bau der Stadtfestung harsch kritisierte. Er wurde seiner politischen Ämter enthoben und um seine Güter gebracht. Es blieb ihm nichts anderes übrig als zu fliehen. Dem herrschenden Adel waren wohl die demokratischen Ideen und allzu reformistischen Ansichten du Crests allgemein ein Dorn im Auge. In mehreren veröffentlichten Schriften kritisierte Micheli du Crest das Genfer Regierungssystem. Er forderte die Abkehr von der Oligarchie und die Gründung einer vom Volk regierten demokratischen Republik. Diese Forderungen riefen grosse Resonanz beim Volk hervor, so dass du Crest als „Aufwiegler gegen die Obrigkeit” verbannt und 1735 während seiner Abwesenheit sogar zum Tode verurteilt wurde. Er konnte nicht mehr nach Genf zurück und suchte so in Zürich, Bern, Basel und zeitweise auch in Paris Unterschlupf. In dieser Zeit verkehrte er mit berühmten Wissenschaftern wie dem Pariser Physiker Réaumur oder dem Basler Mathematiker Daniel Bernoulli und anderen.

Im Herbst 1746 wurde du Crest in Neuenburg verhaftet und zu lebenslänglicher Haft im Gefängnis des Schlosses Aarburg verurteilt. Das war eine grosse Demütigung für den Freigeist und begnadeten Wissenschafter du Crest. Im Rückblick ist die Inhaftierung der Beginn einer umfassenden geodätischen Arbeit, die die Vermessung der Schweiz zum Ziel hatte. In diesem Zusammenhang entstand im Aarburger Gefängnis das erste wissenschaftliche Alpenpanorama. Micheli du Crest versuchte die Höhen fern gelegener Alpengipfel von seinem Kerker aus zu bestimmen und kartographisch zu erfassen. Seine Pioniertat bestand  darin, dass er die damals noch weitgehend unbekannte Bergwelt topographisch erschliessen wollte. Seine Messungen nahm du Crest auf Grund der ihm damals zur Verfügung stehenden Geräte und Hilfsmittel vor. Er stellte selbst einen Barometer her, um die Meereshöhe von Aarburg zu ermitteln. Für weitere Messungen konnte er Johann Jakob Brenner als Expeditionsleiter gewinnen, korrespondierte mit anderen Wissenschaftern wie Albrecht von Haller und erhielt dadurch wertvolle Informationen. Angesichts der Bedingungen, unter welchen er nur sehr eingeschränkt in seiner Zelle arbeiten konnte, schuf er ein bemerkenswertes Werk, das bis heute Experten zu erstaunen vermag. Dass einige Bergnamen falsch definiert wurden und fehlerhafte Referenzdaten das Panorama in seiner Realitätstreue verzerren, macht der Leistung Micheli du Crest keinen Abbruch.

Zur weiteren Vertiefung ist Martin Rickenbachers Studie zu empfehlen: Das Alpenpanorama von Micheli du Crest – Frucht eines Versuches zur Vermessung der Schweiz im Jahre 1754, die als Sonderheft Nr. 8 in der Reihe Cartographica Helvetica 1995 erschienen ist. In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek ist das Heft und die Karte unter der Signatur: K 372 017 oder KA SCHW 112: 02, 8 zu finden.

Im Zusammenhang mit Gebirgsdarstellungen ist auch auf unseren ausgedehnten Panorama-Bestand und die Abendführung der Kartensammlung am 9. März 2010 hinzuweisen:

Abendführung zum Thema Kartographische Darstellungen von Gebirgen, 9. März, 18:15 Uhr, Treffpunkt Ausleihe der ETH-Bibliothek Zentrum, Stockwerk H.

13.02.2008

Die Schweiz und die projectirten Eisenbahnen, in: Chemin de fer des Alpes, 1852.

Filed under: Alte Drucke,Eisenbahnwesen — Tags: , — Rudolf Mumenthaler @ 12:09

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der Schweiz intensiv über die ideale Route einer Alpenbahn durch die Alpen diskutiert. Dabei spielten die Interessen einzelner Kantone und Regionen sowie der Einfluss der Nachbarstaaten eine wichtige Rolle. Ende der 1840-er Jahre wurden in der ganzen Schweiz zahlreiche Projekte diskutiert wie diese Karte aus dem Jahre 1852 zeigt:

Karte projektierte Eisenbahnen

Ausschnitt aus: Die Schweiz und die projectirten Eisenbahnen, in: Chemin de fer des Alpes, 1852. (Sammlung Alte Drucke, Rar 8956q, Annexe III). Abgebildet sind die Varianten Grimsel (grün), Simplon (grün), Gotthard – mit Schiffverbindung (rot), Lukmanier (blau), San Bernardino (braun) und Splügen (violett).

Bei der Vision einer Eisenbahnverbindung über die Alpen hatten die Bündner die Nase vorn: 1845 legte Richard La Nicca ein erstes Projekt vor und beantragte eine Konzession für den Bau einer Eisenbahn durch den Kanton Graubünden über den Lukmanier. 1847 unterzeichneten die Schweizer Kantone St. Gallen, Graubünden und Tessin einen Staatsvertrag mit dem Königreich Sardinien, der den Bau der Lukmanierbahn zum Ziel hatte. Doch sowohl dieser wie auch allen anderen Bündner Varianten (San Bernardino und Splügen) war kein Erfolg beschieden.

Die sog. Gotthardvereinigung, bestehend aus 14 Kantonen sowie der Zentral- und Nordostbahn, befürwortete die Gotthardlinie. Als sich dann 1866 auch Italien für die Gotthardbahn und die Durchbohrung des Gotthards aussprach, waren die Würfel gefallen. Diesem politischen Gewicht hatten die „Lukmanier-„ und die „Simplonkantone“ wenig entgegenzusetzen.

Link zum Dokument in E-Pics Alte Drucke:

http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?id=Rar8956_ANNEXE3.tif&view=preview

 

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