ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

25.07.2014

Urlaubsgesuch am Vorabend der deutschen Kriegserklärung 1914

Filed under: *Bestände,Chemie und Pharmazie,Physik — Tags: , — Christian John Huber @ 10:02

Hierdurch erlaube ich mir, um Urlaub für das Wintersemester 1914/15 zu bitten. Ich gedenke auf Aufforderung von Herrn Geheimrat Haber, dem Leiter des Kaiser Wilhelm Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Dahlem b. Berlin, als wissenschaftlicher Gast in seinem Institut zu arbeiten.

Diese Zeilen stammen vom Physikochemiker und späteren Nobelpreisträger Otto Stern. Er richtet sie 1914 an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats. Stern ist zu diesem Zeitpunkt Privatdozent an der ETH Zürich. An und für sich ist ein Urlaubsgesuch wegen einer Einladung als wissenschaftlicher Gast im akademischen Umfeld nichts Aussergewöhnliches. Einzig die Wortwahl fällt auf. Stern schreibt von einer “Aufforderung” des Leiters, als wissenschaftlicher Gast in seinem Institut zu arbeiten, und nicht wie zu erwarten wäre, von einem Angebot. Die Einbettung des Briefs in den welthistorischen Kontext führt zu weiteren Fragen.

SR3:1914,883

Otto Stern an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats, 31.7.1914 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3: 1914, 883).

Das Schreiben entsteht am 31. Juli 1914 in Berlin-Charlottenburg. Drei Tage zuvor hat Oesterreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt. Deutschland befindet sich noch nicht im Krieg, ist jedoch vertraglich an Oesterreich-Ungarn gebunden und erklärt am darauf folgenden Tag Russland den Krieg. Die Juli-Krise beginnt sich zu einem ganz Europa umspannenden Krieg auszuweiten. Beim erwähnten Haber handelt es sich um den Chemiker Fritz Haber. Es ist davon auszugehen, dass Haber einen Tag vor dem offiziellen Kriegsbeitritt Deutschlands mit der bevorstehenden Kriegserklärung rechnete. Haber meldet sich sogleich zum Kriegsdienst und wird Leiter der Zentralstelle für Chemie beim preussischen Kriegsministerium. Er entwickelt für Deutschland Gaskampfstoffe, für deren Einsatz er sich entschieden stark macht. Haber gilt deshalb als “Vater des Gaskriegs”.

Hat Stern den Begriff “Aufforderung” im Schreiben an den Schulratspräsidenten mit Bedacht gewählt? Ist er von Haber unter Druck gesetzt worden? Ein Einsatz als wissenschaftlicher Gast in Habers Institut wird in Sterns Biographien nirgends erwähnt. Auch in einem 1961 geführten Interview, das Stern dem Physiker Res Jost an der ETH Zürich gibt, erwähnt er die Episode mit keinem Wort. Es ist trotzdem davon auszugehen, dass der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg die eigentliche Motivation für Otto Sterns Urlaubsgesuch darstellt. Das nächste Schreiben Sterns, das in den Akten des Schweizerischen Schulrats vermerkt ist, stammt vom 16. November 1915. Es handelt sich um das Rücktrittsschreiben. Diesmal wird der Krieg als Grund angeführt:

Hiermit bitte ich um meine Entlassung aus der Stellung als Privatdozent für physikalische Chemie an der Eidg. techn. Hochschule, da ich mich inzwischen als Privatdozent für theoretische Physik an der Universität Frankfurt a. Main habilitiert habe. Hierbei war für mich hauptsächlich der Wunsch massgebend, besonders bei den augenblicklichen Zeitverhältnissen eine Stellung in meinem Vaterlande zu haben.

 ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3: 1915, 1244. Otto Stern an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats, 16.11.1914.

Stern befindet sich gerade auf Heimurlaub von der Ostfront und bittet “auch die Verspätung dieser Mitteilung mit durch den Krieg verursachten Umständen gütigst entschuldigen zu wollen”. In oben erwähntem Interview berichtet Otto Stern auch aus seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Tape D83:1, 8:00-10:00. Otto Stern, Gespräche mit Res Jost, 25.11.1961 und 2.12.1961):

Hinweise

Horst Schmidt-Böcking, Karin Reich. Otto Stern: Physiker, Querdenker, Nobelpreisträger. Frankfurt am Main 2011.

ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1008:8. Otto Stern, Gespräche mit Res Jost über Albert Einstein und den eigenen Werdegang am 25. November und 2. Dezember 1961 in der Pension Tiefenau in Zürich. Abschrift der Tonaufzeichnung.

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18.07.2014

Heile Bergwelt

Filed under: BILDARCHIV — Tags: , — Roland Lüthi @ 10:03

Japanische Reiseleiterin und japanische Reisegruppe, 1981

Japanische Reisegruppe auf dem Jungfraujoch, 01.06.1981 (Com_LC0751-049-003-004)

Das Jungfraujoch gehört neben Paris, London und Berlin zum Pflichtprogramm für europareisende Japaner. Pro Jahr fahren etwa 130‘000 japanische Touristen mit der Jungfraubahn auf den Gipfel, um dort durchschnittlich eine Stunde zu verweilen. Ebenso wie die meisten Japaner von Heidi fasziniert sind, fühlen sie sich auch von den Schweizer Bergen stark angezogen. Beides sind Mythen, die eng verbunden sind, und die Sehnsucht nach einer heilen präindustriellen Welt zu befriedigen vermögen.

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11.07.2014

Heidiland Schweiz

Filed under: BILDARCHIV,Linguistik, Literatur — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Johanna Spyri Museum, Japaner besuchen das Museum

Junge Japanerinnen im Johanna Spyri Museum, Hirzel, 20.08.1976 (Com_L25-0576-0118)

Die Schweizer Romanfigur Heidi ist in Japan schon seit der ersten Übersetzung von Johanna Spyris Roman ins Japanische im Jahr 1920 bekannt, drang aber vor allem durch die Trickfilmserie „Alpenmädchen Heidi“(アルプスの少女ハイジ, Arupusu no shōjo Haiji, 1974) ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Laut David Zoppetti gibt es drei Gründe, weshalb die Japaner von Heidi fasziniert sind:

Zum einen die Erinnerung an gemütliche Tage, als sich Japan zu einer wirtschaftlichen Supermacht entwickelte und Kinder sich mit ihren Müttern (die Väter waren arbeiten …) sowie den Grosseltern an einer bewegenden und friedlichen Zeichentrickserie erfreuen konnten. Eine weitere Faszination rührt aus den Alpenlandschaften, also der Vorstellung, dass irgendwo in weiter Ferne eine Welt existiert, in der die Luft rein ist, die Natur wunderschön und üppig ist […]. Dann wäre als Drittes noch das „kawaii“-Phänomen (zu Deutsch etwa „hübsch“ oder „niedlich“). Für eine grosse Mehrheit der japanischen Frauen und Kinder sind irgendwelche Dinge nur attraktiv, wenn sie „kawaii“ sind (David Zoppetti, Heidi-Magazin Nr. 1, 2008).

„Kawaii!“ oder “oh how cute!”  dürften denn auch diese jungen Besucherinnen im Bild ausgerufen haben, als sie im Jahr 1976 das Johanna Spyri-Museum in Hirzel besuchten.

Literatur:

Ernst Halter (Hrsg.): Heidi. Karrieren einer Figur. Offizin, Zürich 2001

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04.07.2014

Die Freiheit verteidigen? Klar, aber welche? Debatte um den Ausschluss des Kriegsdienstverweigerers Max Kleiber aus der ETH im Jahr 1917

Filed under: Geschichte,HOCHSCHULARCHIV ETHZ — Tags: , — Michael Gasser @ 7:00

SR3_1917_985_18

Aufruf zur Teilnahme an einer Versammlung der Studierenden der ETH und der Universität Zürich im Juli 1917 zur Unterzeichnung einer Resolution gegen den Ausschluss Max Kleibers aus der ETH (Hochschularchiv der ETH Zürich, SR3 1917, 985/18).

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war für Max Kleiber der Fall klar. Zwar hatte er erst 1913 sein Studium an der Landwirtschaftlichen Schule der ETH abgebrochen und war mit zwei Freunden nach Kanada ausgewandert, um dort eine eigene Farm aufzubauen. Jetzt aber leistete er der Mobilmachung Folge und kehrte wie viele andere Auslandschweizer in die Heimat zurück. Im Aktivdienst wurde er Artillerieleutnant und 1916 nahm er sein Studium an der ETH wieder auf.

Zum Bruch kam es ein Jahr später. 1917 verweigerte Leutnant Kleiber den weiteren Militärdienst. Sein tadelloser Leumund und die überzeugende Darlegung seiner inneren Beweggründe führte dazu, dass das Militärgericht über ihn ein verhältnismässiges mildes Urteil fällte: Kleiber wurde degradiert und zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Zudem wurden ihm für ein Jahr die Aktivbürgerrechte entzogen. Die Milde des Urteils wurde dadurch bekräftigt, dass Kleibers Antrag auf Verschiebung des Strafantritts bis nach dem Abschluss des Studiums statt gegeben wurde.

Dazu kam es aber vorerst nicht. Kleiber hatte seine Diplomarbeit bereits eingereicht, als ihm der Rektor der ETH mit Schreiben vom 25. Juni 1917 mitteilte, er werde „aus der Eidg. Technischen Hochschule ausgeschlossen”. Dieser Beschluss war auf Antrag der Landwirtschaflichen Schule gefällt worden. Aus den Akten und Protokollen des Schweizerischen Schulrats, dem damaligen Leitungsgremium der ETH, geht hervor, wie intensiv um die Behandlung dieses Antrags und die Begründung des Ausschlusses gerungen wurde. Der Schulrat fragte – allerdings vergeblich – sogar beim Departement des Inneren um Entscheidungs- und Argumentationshilfe nach.

Einmal gefällt, wirkte diese Disziplinarverfügung als diskursiver Brandbeschleuniger. Der „Fall Kleiber“ wurde rasch über die ETH hinaus zum Thema. An verschiedenen Schweizer Hochschulen bildeten sich „Kleiber-Komitees“ und die kontroverse Diskussion um den Fall erfasste bald auch die Presse. Im Zentrum der Debatte standen nicht etwa Kleibers Dienstverweigerung oder seine Beweggründe. Vielmehr drehte sich die Diskussion um die Frage, ob der disziplinarische Ausschluss eines verurteilten Dienstverweigerers aus der Hochschule mit der akademischen Freiheit vereinbar war. Als Eidgenössische Technische Hochschule, so die eine Seite, sei die ETH in Kriegszeiten der Schweiz als Nation und der Verteidigung ihrer Freiheit verpflichtet. Sie dürfe keinen Dienstverweigerer in ihren Reihen dulden. Dadurch würde der Antimilitarismus gefördert und die vielen Studenten, die aufgrund des Aktivdienstes ihr Studium um weitere Semester unterbrechen mussten, würden benachteiligt. Auf der anderen Seite wurde geltend gemacht, dass die Hochschule dem Ideal einer supranationalen akademischen Freiheit verpflichtet sei, die sich auch im Krieg nicht von nationalen politischen Interessen einschränken lassen dürfe. Daher sei die Relegation Kleibers nicht gerechtfertigt. Unter dem Eindruck des Krieges machte der Fall Kleiber die fragile Nahtstelle zwischen den beiden Konzepten “Nation” und “akademische Freiheit” deutlich sichtbar.

Innerhalb der Studentenschaft verlief diese Debatte interessanterweise quer zur politischen Couleur. So unterstützten auch konservative Studentenkreise, etwa Mitglieder der „Zofingia“, die Protestbewegung zugunsten Kleibers. Manche Kommentatoren sahen gerade darin, dass der „Fall Kleiber“ klare und über die Generationen hinweg verlässliche politische Positionen ins Wanken brachte, die eigentliche Gefahr. So heisst es etwa im Freisinnigen Zuger Volksblatt vom 21. Juli 1917:

„es ist a u f l ö s e n d e r Geist in der Haltung der Studentenschaft eine Gesinnungsart, die vom chaotischen Vielerlei der Oberfläche genährt ist, in der alle Begriffe nebeneinander wogen und nach Laune und zeitweiligem Interesse gebraucht werden. Es ist aber weniger staatsrevolutionäre Gesinnung als vielmehr allgemeiner Zeitgeist der Zersetzung, der Haltlosigkeit.“

Und der inzwischen prominente Max Kleiber, um den sich die politisch aufgeladene Diskussion in immer weiteren Dimensionen drehte? Weder sein eigenes Wiedererwägungsgesuch noch die zahlreichen Proteste machten den Entscheid des Schweizerischen Schulrats rückgängig. Zumindest nicht bis nach dem Krieg. Im Frühjahr 1920 allerdings kehrte Kleiber für den Studienabschluss wieder an die ETH zurück. Nach seiner Promotion wurde er 1924 Assistent am Institut für Haustierernährung. Nachdem er sich 1928 habilitiert hatte, erhielt er 1932 einen Ruf an die University of California in Davis. Der Fachwelt bekannt wurde der 1976 verstorbene Biochemiker Max Kleiber nicht als Schweizer Kriegsdienstverweigerer und Auslöser einer Grundsatzdebatte über die akademische Freiheit, sondern aufgrund seiner Beschreibung des Zusammenhangs zwischen Masse und Stoffwechsel von Tieren, dem so genannten Kleiber Gesetz.

Quellen im Hochschularchiv der ETH Zürich

Online Zugriff auf die Einträge zu Max Kleiber in den Protokollen des Schweizerischen Schulrats
Die ergänzenden Schulratsakten zum „Fall Kleiber“ (SR3 1917, 985/1-41) sind ebenso vorhanden wie Kleibers Matrikel (EZ-REK1/1/15594) und ein biografisches Dossier über ihn.

Literaturhinweis
Zur Rolle des Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH) im Fall Kleiber siehe Lengwiler, Urs et al. Was Studenten bewegt – 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH. Baden: hier + jetzt, 2012, S. 61–65.

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27.06.2014

„Irgendwo jenseits des Bodensees …“ oder das glimpfliche Ende von Mittelholzers Postflug

Filed under: BILDARCHIV — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Über den Postflug oder Balkanflug von Walter Mittelholzer vom 28. Juni 1934 wurde im Rahmen des Bilderrätsels vom 28.06.2013 bereits berichtet. Der achtzigste Jahrestag dieses legendären Flugs bietet nun Gelegenheit zur näheren Betrachtung seines unglücklich – glücklichen Ausgangs.

So gut nämlich das ganze Unterfangen der Flugreise von Zürich nach Istanbul und zurück mit Stopps in Neapel, Athen und Belgrad gelungen war, verlief die letzte Teilstrecke von Belgrad nach Zürich eher glimpflich. Die Mittagsausgabe der NZZ vom 29. Juni 1934 beschreibt die Stimmung in Zürich am Abend der erwarteten Rückkehr des Flugpioniers:

Eine grosse Menschenmenge erwartete am Donnerstagabend in Dübendorf die Rückkehr Walter Mittelholzers, der am Donnerstagfrüh bei günstigsten atmosphärischen Bedingungen zu seinem Eintag- Orientflug aufgestiegen war, mit etwelcher Sorge; hatte sich doch das Wetter im Laufe des Nachmittags zusehends verschlimmert, und zahlreiche Gewitter zogen sich über das nordöstliche Europa. […] Nach 21 Uhr – die Leitung des Zivilflugplatzes war ohne jegliche Nachricht – wurde die Flugplatzbeleuchtung in Funktion gesetzt, um dem Piloten bei der wegen der tiefhängenden Wolken vorhandenen schlechten Sicht die Landung zu erleichtern. Vergebens spähte man in die dunkle Nacht, vergebens strengte man sein Ohr an, um ein allfällig sich näherndes Motorengeräusch wahrzunehmen.

In der Morgenausgabe der NZZ vom 30. Juni 1934 erfahren wir dann, was jenseits des Bodensees geschah:

Um 17 Uhr 29 wurde zur letzten Etappe gestartet und südlich am Plattensee vorbei dem Semmering zugesteuert. Nach Dachstein herrschten im Bayrischen Gebiet heftige, blitzreiche Gewitter, so dass Mittelholzer genötigt war, stark nördlichen Kurs zu halten. Zweimal versuchte er vergeblich, irgendwo gegen die Schweiz hin durchzustechen; aber die Blitzgefahr war zu gross und so blieb nichts anderes übrig, als irgendwo jenseits des Bodensees niederzugehen. So setzte Mittelholzer seinen roten Vogel [eine Lockheed 9 B Orion] um 21 Uhr 10 auf einer grossen Wiese in Pfullendorf bei Ravensburg nieder. Beim Ausrollen geriet er in einen kleinen, in der Dunkelheit nicht sichtbaren Graben, was die geringfügige Strebenbeschädigung […] zur Folge hatte.

Lockheed Orion nach Landung auf Wiese

Die Lockheed Orion nach der Landung in Pfullendorf (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, LBS_MH02-27-0006)

Reparatur der Lockheed Orion

Die Lockheed Orion wird repariert (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, LBS_MH02-27-0009)

Ende gut, alles gut: Walter Mittelholzer schreibt in seinem Reisebericht in der NZZ vom 8. Juli 1937, Blatt 7:

In Pfullendorf selbst fanden wir bei den Behörden und der Bevölkerung die freundlichste Unterstützung. Die Post wurde gleich der Bahn nach Zürich übergeben, und gegen Mittag langten auch die Ersatzbestandteile aus der Schweiz ein. Die kräftigen Arme der S.A.-Mannschaft von Pfullendorf hoben unsern immerhin über 1200 kg schweren Vogel aus dem verhängnisvollen Graben, und um 18 Uhr starten wir zum letztenmal, uns mit einigen Ehrenrunden von der zahlreich erschienenen Bevölkerung des kleinen Städtchens verabschiedend. Eine Viertelstunde später hatte unsere Fahrt über 4500 km. in Dübendorf ihren Abschluss gefunden.

Link:

Bilderrätsel vom 28.06.2013: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2013/06/28/bilderratsel-3/

Das Rätsel ist übrigens noch immer ungelöst.

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25.06.2014

Forschung im Fokus – Eine Ausstellung des Bildarchivs in der Photobastei Zürich

Filed under: BILDARCHIV,Geschichte — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich präsentiert in der Photobastei Zürich 28 historische Fotografien aus dem Forschungsbetrieb an der ETH. Es handelt sich dabei um eine Auswahl aus dem kürzlich in der Reihe Bilderwelten im Verlag Scheidegger & Spiess erschienenen Band Forschung im Fokus; Wissenschaftsfotografie aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek von Monika Burri. Das kürzlich zu einem der schönsten Bücher des Jahres 2013 erkorene Buch zeigt die Wechselbeziehung von Fotografie und Wissenschaft und bietet einen einmaligen Einblick in die Geschichte der Forschungsfotografie.

Nikotinbildung im Tabakkeimling

Nikotinbildung im Tabakkeimling, 1948 (Dia_249-EL-028-C)

Die Bilder der Ausstellung decken einen Zeitraum von ungefähr 1910 bis 1975 ab. Inhaltlich zeigen sie eine breite Palette von Themengebieten und sind direkt mit der ETH Zürich bzw. ihren Fachgebieten in Lehre und Forschung verbunden. Darunter fallen Fotografien aus den Bereichen Astronomie, Botanik, Elektrotechnik, Land- und Forstwirtschaft, Wasserbau oder Geologie. Darüber hinaus finden sich Bilder aus dem Fotonachlass des Photographischen Instituts der ETH Zürich. An dieser hochschulinternen Fachstelle für Film und Fotografie wurde von 1886–1979 einerseits Forschung auf dem Gebiet der Fotografie betrieben und andererseits wurden im Auftrag Fotos und Filme für den Wissenschaftsbetrieb erstellt.

Das Buch Forschung im Fokus; Wissenschaftsfotografie aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek wird anlässlich der Prämierung der schönsten Bücher des Jahres 2013 im Helmhaus Zürich am 26. Juni ab 18 Uhr präsentiert.

Die Ausstellung in der Photobastei dauert vom 4. bis 20. Juli 2014. Ausstellungseröffnung Donnerstag 3. Juli ab 18 Uhr. Das Bildarchiv freut sich auf Ihren Besuch!

Infos und Öffnungszeiten Photobastei Zürich: www.photobastei.ch

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20.06.2014

Die Leidenschaft für die Astronomie, das Bier und die Papageien

Filed under: ALTE UND SELTENE DRUCKE,Astronomie — Meda Diana Hotea @ 7:00

Jan Hevelke (1611-1687) oder Johannes Hevelius war eine vielseitige faszinierende Persönlichkeit: Eine spannende Mischung aus Wissenschaftler und Geschäftsmann, aus prominentem Bürger und Vogelzüchter; also eine Mischung aus hanseatischem Bürger und europäischem Wissenschaftler.

In der Danziger Gesellschaft des 17. Jahrhunderts war Hevelius ein hochangesehener Bürger. Als erfolgreicher Brauereibesitzer verkehrte er in den reichen bürgerlichen Kreisen und äusserte sich als Ratsherr auch zu politischen Themen. Wenig bekannt ist allerdings bis heute, dass er eine exotische Leidenschaft hatte: Er war ein passionierter Papageienzüchter.

Sein überragendes Interesse galt jedoch …, der Astronomie.

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Tafel H: Cetus. Diversae novae stellae facies 

Im kulturellen und wissenschaftlichen barocken Ambiente des 17. Jahrhunderts imponierte der berühmte Danziger Gelehrte durch seine astronomischen Werke, als Gründer der ersten europäischen modernen Sternwarte (1657) und nicht zuletzt als Begründer der Kartographie des Mondes.

Er verkehrte in den gelehrten Zirkeln Europas, kannte John Wallis, Athanasius Kircher, Marin Mersenne, P. Gassendi und Ismael Boulliau; mit den beiden Letzteren blieb er lange Zeit in brieflichem Kontakt. Als Mäzene unterstützten ihn die Könige Ludwig XVI und Jan III Sobieski. Die Krönung seines wissenschaftlichen Schaffens war seine Mitgliedschaft in der Royal Society in London ab 1664.

mercur venus

[links] Tafel F: Mercurius in Sole observatus  ; [rechts] Tafel G: Venus in Sole observata

Eines des wichtigsten Werke von Hevelius, Mercurius in Sole Visus Gedani (…) vervollständigt eine lange Reihe astronomischer Werke, die er zwischen den Jahren 1647 und 1690 in Danzig veröffentlicht hat. Hierbei hat er das Jahr 1661 ganz dem Planeten Merkur gewidmet; er verfolgte den Merkurtransit im Angesicht der Sonne und fasste seine Beobachtungen in diesem Werk zusammen. Im folgenden Jahr wurde das Buch in Simon Reinigers Buchdruckerei auf Kosten des Autors gedruckt. Das Werk ist nicht nur berühmt wegen seiner Beobachtungen des Merkurtransits, sondern auch durch die damit verbundene Erstveröffentlichung eines Werkes des englischen Astronomen Jeremia Horrocks (1619-1641). Dessen unbekanntes und vergessenes Werk Venus in Sole (…) hat Hevelius annotiert und als Supplement zu seinem eigenen Opus erstmals publiziert. Es ist nicht nur die erste Publikation von Venus in Sole (…), sondern die erste Veröffentlichung eines Textes von Horrocks überhaupt.

Bibliographie:

  • H. Lambrecht: Leben, Welt und Werk in: Johannes Hevelius, Machinae coelestis. [Faksimile]. Leipzig: Zentralantiquariat, 1969.
  • Johannes Hevelius and his catalogs of Stars. The Millionth- Volume Acquisition the J. Reuben Clark Jr., Library. Provo: Brigham Young University Press, 1971.
  • Johannes Wünsch: Die Auswertung der Sonnen- und Mondbeobachtungen des Danziger Astronomen Johannes Hevelius. Dissertation. München: Frank, 1986.
  • Peter Oliver Loew: Danzig. Biographie einer Stadt. München: C. H. Beck, 2011.

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13.06.2014

Maturaprüfung abgesagt!

Filed under: *Bestände,HOCHSCHULARCHIV ETHZ,Pädagogik und Didaktik — Tags: , — Christian John Huber @ 17:14

August 1914: Die Juli-Krise auf dem Balkan hat sich zum europäischen Krieg ausgeweitet. Der Schweizerische Bundesrat löst die Generalmobilmachung aus. Zwischen dem 3. und 7. August rücken rund 220‘000 Männer in den aktiven Militärdienst ein. An allen Ecken und Enden fehlen Arbeitskräfte. Auch die Mittelschulen sind vom Fehlen zahlreicher Lehrer betroffen, was insbesondere die Durchführung der Maturitätsprüfungen gefährdet und damit auch den Übertritt potentieller Absolventen an schweizerische Hochschulen. Am 20. August wendet sich die Direktion des Erziehungswesens des Kantons Zürich in einem Schreiben an die Schulleitung der ETH Zürich.

„Die europäischen Kriegswirren greifen namentlich infolge der Einberufung einer Anzahl Lehrer in den Wehrdienst so sehr auch in den Betrieb unserer Mittelschulen ein, dass die Rektorate der Kantonsschule sich veranlasst sahen, zu beantragen, es sei die diesjährige Maturitätsprüfung auf die schriftliche Prüfung zu beschränken und von der Abnahme der mündlichen Prüfung abzusehen. Bei der Festsetzung der Noten sollen die Leistungsnoten der zwei letzten Quartalzeugnisse mit berücksichtigt werden, wie die Maturitätsreglemente dies vorsehen.“

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Gesuch der Direktion des Erziehungswesens des Kantons Zürich an des Schweizerischen Schulrat vom 20. August 1914 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3:1914, 886).

Im Schreiben wird auch der Schulrat der Stadt Winterthur erwähnt, der noch einen Schritt weiter geht und die Maturitätsprüfungen gänzlich ausfallen lassen möchte. Die Noten im Maturitätszeugnis sollen anhand der letzten drei Quartalszeugnisse eruiert werden. Ein entsprechendes Gesuch um Einverständnis an die Adresse der Schulleitung der ETH Zürich hatte das Rektorat der höheren Stadtschulen in Winterthur bereits am 11. des Monats eingereicht. Ähnliche Gesuche, die Matura ohne Prüfung anzuerkennen, gehen aus Aarau, La Chaux-de-Fonds und Trogen ein. Allen Anträgen wird stattgegeben.

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06.06.2014

Der denkmalpflegerische Blick

Filed under: Architektur,BILDARCHIV,Kunstgeschichte — Tags: , — Nicole Graf @ 7:00

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Poschiavo, Stiftskirche San Vittore, neue Kichenmauer. Restaurierung, 1989 (Dia_287-14847)

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Chur, Kathedrale, Hauptportal, Archivolten. Befund, 2004 (Dia_287-05307)

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St. Johannsen, Klostermauer. Fugen, 1982 (Dia_287-16276)

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Zürich, Kindergarten Zentralstrasse 105, Schirm-Ständer. Instandsetzung, 2002 (Dia_287-21459)

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Zürich, Kindergarten Zentralstrasse 105, WC; alte Fliesen (Detail). Instandsetzung, 2002 (Dia_287-21465)

Diese Bilder wurden zu einem ganz bestimmten Zweck aufgenommen. Der Urheber hat seinen denkmalpflegerischen Blick oft in der Bildbeschreibung mitgeliefert. Da finden sich Stichwörter wie Befund, Restaurierung, Instandsetzen, Inventarisation, Baugeschichte, Silhouette, Holzbau oder Denkmalbegriff. Diese fachlichen Zusatzinformationen machen die Sammlung besonders interessant und können auf Bildarchiv Online mit einer einfachen Suche abgerufen werden. Das Spektrum der abgebildeten Objekte ist breitgefächert und über die ganze Schweiz verteilt: Kirchen und Klöster, Nutzbauten, Brücken, Stadthäuser, Schulhäuser, Schlösser, Uferbebauungen, Gasthäuser usw. Es findet sich Kurioses wie Kaffeerahmdeckeli (Cafésahne) zum Denkmalbegriff neben vielen Detailaufnahmen von Gebäudeteilen wie Fassaden oder Fenster.

Bei der kürzlich online gestellten Bildersammlung handelt es sich um rund 5200 Fotos von Gebäuden und Objekten der Denkmalpflege in der Schweiz. Sie stammen von Georg Mörsch, der 1980 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Denkmalpflege an der ETH Zürich berufen wurde und bis 2005 als Institutsleiter tätig war. Der gesamte Fotonachlass umfasst 36‘000 Bilder aus Europa und den USA. Sie werden vom Bildarchiv der ETH-Bibliothek betreut und sind im Lesesaal Sammlungen und Archive einsehbar.

Die digitalisierten Fotos sind auf der Plattform Bildarchiv Online unter dem Bestandesschlagwort “ETH, Institut für Denkmalpflege” oder mit dem Bildcode “Dia_287″ recherchier- und bestellbar. Buch- und Zeitschriftenpublikationen von Georg Mörsch oder von ihm betreute Diplomarbeiten zur Denkmalpflege sind im Wissensportal der ETH-Bibliothek nachgewiesen. Seine Abschiedsvorlesung mit dem Titel „Vom Nutzen der Denkmäler für die Architektur“ ist als Film online verfügbar.

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30.05.2014

Hauptbahnhof Zürich vor 50 Jahren

Filed under: BILDARCHIV,Eisenbahnwesen — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Zürich, Hauptbahnhof

Hauptbahnhof Zürich, Sommer 1964 (Com_BC24-8000-006)

Obwohl diese Aufnahme eines Fotografen der Presseagentur Comet bereits 50 Jahre alt ist und sich baulich sehr vieles verändert hat, scheint der HB Zürich an diesem Sommermorgen im Jahr 1964 seltsam vertraut. So etwa die Lichtverhältnisse, die wartenden Passagiere oder der rote TEE-Zug auf Gleis 3. Letzterer ist vielen von uns wahrscheinlich noch aus den Jugendjahren in Erinnerung. Der letzte TEE verkehrte am 24. September 1988 zwischen Zürich und Mailand. Auch der TEE im Bild auf Gleis 3 wird um 8:45 nach Mailand abfahren, der Schnellzug nebenan auf Gleis 4 um 8:53 nach Ravenna, Rimini und Ancona.

Was sich in den 50 Jahren verändert hat, sind etwa Bestandteile der Bahnhofsarchitektur und die Mode und Accessoires der Passagiere. Letztere sind im Vergleich zu heute auffällig chic gekleidet, selbst wenn sie vielleicht nur für eine Wanderung in das Tessin fahren und dazu einen Stoffrucksack geschultert haben. Viele Männer tragen Hüte und die Koffer sind noch aus Leder oder lackiertem Karton. Da ist noch nichts zu sehen von der bunten Schrillheit der Gore-Tex- und Kunststoffbekleidung, mit der man heute fast uniform auf Reisen oder zur Arbeit geht.

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