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02.03.2012

Bewegte Studentenschaft: 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH (VSETH)

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Bildarchiv — Tags: — Michael Gasser @ 7:00

Der VSETH beteiligte sich nach dem Ersten Weltkrieg an Hilfsaktionen zugunsten kriegsversehrter Studierender. Gedenkkarte der Hilfsaktion für Wiener Studenten (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Fel_070145-RE).

Der Polytechnische Verein, die erste Vorläufervereinigung des VSETH, wurde 1867 aufgelöst. Der letzte Eintrag im Protokollband wurde daher mit einem Kreuz markiert (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1044:1, S. 77f).

Der Polyball ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Aushängeschild des VSETH. Im Bild eine Momentaufnahme des Polyballs von 1955 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Com_M04-0302-0007).

Das aktive studentische Referendumskomitee sammelte 1969 sehr erfolgreich Unterschriften gegen das umstrittene ETH-Gesetz. Passend zu den unkonventionellen Aktionen des Komitees wurden die Referendumsbogen, nach Kantonen getrennt, mit Fahrrädern vom Bahnhof Bern ins Bundeshaus transportiert (Bildarchiv, Com_L18-0021-0025).

Der Verband der Studierenden an der ETH (VSETH) feiert Anfang März 2012 sein 150jähriges Jubiläum. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des Verbands gehört u.a. die Präsentation der von Urs Lengwiler, Daniel Kauz und Simone Desiderato verfassten Festschrift „Was Studenten bewegt – 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH“ (Baden: hier + jetzt, 2012). Die Festschrift beruht zu einem guten Teil auf Text- und Bildquellen aus den Archiven und Nachlässen bzw. dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek.

In seiner Festschrift hinterfragt das Autorenkollektiv gezielt das gängige, nicht zuletzt vom VSETH selbst mitgeprägte Bild, wonach sich die Verbandsgeschichte über lange Strecken wie ein Tiefschlaf ausnimmt, der nur durch kurze Phasen studentenpolitischer Radikalisierung – dem Schüleraufstand und Massenaustritt von 1864 sowie dem Aufbruch von 1968 mit gewonnenem Referendum gegen das ETH-Gesetz und der darauffolgenden institutionellen „Experimentierphase“ der 1970er Jahre – unterbrochen wird.

Diese bekannten zentralen Ereignisse der Verbandsgeschichte fehlen selbstverständlich auch in der neuen Festschrift nicht. Daneben umfasst die chronologisch gegliederte Verbandsgeschichte von der anfänglichen Studentenverbindung hin zur etablierten modernen Interessensvertretung aber ebenfalls unbekanntere Aspekte. Etwa die aktive Rolle des damaligen Vereins der Polytechniker im langjährigen Prozess der Akademisierung der Polytechnischen Schule um 1900. Oder die Art und Weise wie sich der Verband in den Nachkriegsjahren eine antikommunistische Haltung im Zeichen des Kalten Krieges zu eigen machte. Ausführlich dargestellt wird abschliessend, wie der VSETH in jüngerer Zeit seine Verbandsarbeit zunehmend professionalisierte, sowohl auf hochschulpolitischer Ebene als auch beim Ausbau des Angebots an Freizeitaktivitäten. Interessante inhaltliche Ergänzungen bieten die eingeschobenen Texte zu Veranstaltungen und Institutionen, die eng mit dem VSETH verknüpft sind. Dazu gehören etwa der Polyball, die Wohnbaukommission (WoKo) oder das Studentische Zentrum (StuZ).

Quellen:
Verzeichnis des Bestands VSETH-Archiv der Archive und Nachlässe, ETH-Bibliothek

Lektüre:
Lengwiler, Urs et al. Was Studenten bewegt – 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH. Baden: hier + jetzt, 2012

24.02.2012

Schaltjahrkinder 1956

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Tags: , — Nicole Graf @ 16:52

 

Candid Lang: Schaltjahrkinder 1956. Com_M05-0142_0005

Auf dem Bild sind zwei Säuglinge abgebildet, die gemäss Kalenderblatt, das eine Säuglingsschwester in die Kamera hält, am Mittwoch 29. Februar geboren wurden.

Gemäss Originalcouvert mit der Aufschrift “Schaltjahrkinder 1956″, in dem sieben Schwarzweiss-Mittelformat-Negative (6 x 6 cm) zu diesem Thema aufbewahrt werden, wurden die Bilder 1956 von einem Herrn Lang aufgenommen.

Originalcouvert mit Mittelformat-Negativen

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Vermutlich sind sie in einer Klinik in Zürich entstanden. Der Fotograf ist Candid Lang. Die Comet Photo AG war eine Zürcher Fotoagentur, die von 1952 bis ins Jahr 2000 existierte. Viele ihrer Reportagen entstanden in und um Zürich. Das gesamte Comet-Archiv wurde Anfang 2000 von der ETH-Bibliothek übernommen.

Die Comet Photo AG war gemäss Handelsregisterauszug eine „Presse-Photo-Agentur für Aktualitäten und Reportagen mit sämtlichen in den Bereich einer solchen Tätigkeit fallenden wirtschaftlichen und technischen Nebengebieten wie Reklame-Reportagen, Betrieb eines photographischen Laboratoriums, Herstellung und Verkauf von Photographien und Videofilmen u.ä.“.

Wer die zwei Säuglinge sind, die dieses Jahr ihren 14. bzw. 56. Geburtstag feiern, lässt sich leider gemäss Originalunterlagen nicht eruieren.

Das Bild ist in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Zitierte Quelle: Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB)

17.02.2012

Jacques Besson: Theatre des instrumens mathématiques et mechaniques (Lyon 1594)

Filed under: Alte Drucke,Mechanik und Maschinenbau — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Der französische Mathematiker, Erfinder und Philosoph Jacques Besson (1540? – 1573) ist vor allem bekannt durch sein Theatrum Instrumentorum – das erste neuzeitliche Buch über Maschinenbau (Erstausgabe Genf 1578). Bessons Biographie weist Lücken auf, aber wir wissen, dass er im Jahr 1557 in Lausanne weilte und sich auch danach für einige Jahre in der Westschweiz aufhielt. Es ist durchaus möglich, dass ihn das “Wasserschloss Schweiz” beeindruckt und zur Erfindung von Maschinen angeregt hat, welche die Wasserkraft nutzen oder bei deren Fehlen die menschliche Muskelkraft. Alex Keller schreibt dazu:

In a country where so much industry relied for its power on the fall of water, available on every side, Besson might have been stimulated to imagine ways whereby human muscles could be aided by ingenious design to circumvent nature and so compete with water power (38).

Eine solche mit Muskelkraft betriebene Maschine ist das “Sägewerk für Einmannbetrieb”, dessen Bewegung auf einem massiven Gegengewicht basiert. Diese pendelförmigen Gewichte stellten eine spezifische Eigenart der Besson’ schen Maschinen dar.

Figure Quatorsiesme

Links

Theatre des instrumens im Bibliothekskatalog

Deutsche Ausgabe von 1595 online bei ECHO

Jahr der erneuerbaren Energien 2012 im Wissensportal

Zitierte Literatur

Keller, Alex: “The Missing Years of Jacques Besson, Inventor of Machines, Teacher of Mathematics, Distiller of Oils, and Huguenot Pastor”, in: Technology and Culture 14 (1973), S. 28-39.

10.02.2012

Schweizer Skitourenkarten

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Markus Appenzeller @ 10:00

Ausschnitt Skitourenkarte

Ausschnitt Skitourenkarte Safiental

Skitourenbeschreibung

Ausschnitt Skitourenführer Nordbünden

Im Beitrag vom 20.1.2011 wurde über  Skikarten aus den Anfängen des Skisports berichtet. In den letzten Jahren hat das Skitourenfahren in der Schweiz einen richtigen Boom erlebt. In früheren Jahren wurden vor allem im Frühjahr, wenn die Schneedecke verfestigt und die Lawinengefahr am Vormittag klein war, die hohen Berge mit Skis bestiegen. Dank modernem Material und verbesserter Skitechnik sind Skitourenfahrer und Schneeschuhläufer heute auch im Früh- und Hochwinter im lockeren Pulverschnee (oder häufig leider auch im „Bruchharscht“) unterwegs. Mit den Skitourenkarten 1:50 000, den Landeskarten 1:25 000, beide vom Bundesamt für Landestopografie, den Skitourenführern vom Schweizer Alpen-Club (SAC) , dem Lawinenbulletin, das übers Internet (www.slf.ch) abgerufen werden kann,  sowie mit den aktuellen Wetterprognosen, können die Skitouren gut vorbereitet werden.

Im gezeigten Ausschnitt der aktuellen Skitourenkarte (Nr. 275 S, Safiental) sind die vorgeschlagenen Routen rot eingezeichnet. Sie stellen eine Auswahl dar und zeigen nur den ungefähren Routenverlauf. Die Nummer neben der Route verweist auf eine detaillierte Beschreibung im Skitourenführer (Skitouren Nordbünden:  Prätigau, Surselva, Rheinwald  von Vital Eggenberger, Bern 2008). Wenn sich die Tour auch für Snowboarder eignet, erscheint ein kleines Symbol neben der Routennummer. Routenabschnitte, die gepunktet sind, können nur zu Fuss begangen werden. Steilhänge mit Hangneigungen ab 30° sind rot eingefärbt. In diesen Gebieten herrscht bei ungünstigen Verhältnissen erhöhte Gefahr von Schneebrettlawinen. Unser Kartenausschnitt aus dem Safiental zeigt sanft geneigte Hänge Richtung Südost, die ausgezeichnet fürs Skitourenfahren geeignet sind, sowie steil abfallende rot gefärbte Hänge gegen Nordwest, die nur bei sicheren Verhältnissen befahren werden sollten. Gebiete, die im Winter nicht oder nur entlang den eingezeichneten Routen betreten werden dürfen, sind gelb umrandet. Es handelt sich um Schutzgebiete, in die sich Wildtiere im Winter zurückziehen. Änderungen an bestehenden oder neue Schutzgebiete, die in der Skitourenkarte noch nicht eingezeichnet werden konnten, sind im Webportal  www.respektiere-deine-grenzen.ch  oder www.wildruhezonen.ch einsehbar.
Für Skitourenfahrer, die mit dem öffentlichen Verkehr anreisen, sind die gelb eingezeichnete n Postautorouten mit den roten Punkten für die Haltestellen nützlich.

Auf der Rückseite der Skitourenkarten hat es weitere Informationen: Zeichenerklärung, Zeit- und Schwierigkeitsangaben zu den Routen, Informationen über Anreise, Schutzgebiete und Wildtiere, Lawinen, Gebirgsrettung, Checkliste, nützliche Telefonnummern und Internetadressen sowie themenbezogene Literatur.

Die Skitourenkarten decken praktisch das gesamte schweizerische Alpengebiet ab und werden auch aktualisiert. Eine Lücke im Grenzgebiet zu Italien wurde in diesem Winter mit dem Blatt Valle Antigorio Nr. 275 S geschlossen.

Sämtliche aktuellen Skitourenkarten der Schweiz mit den dazugehörigen Skitourenführern sowie die Landeskarten 1:25 000 für die Detailplanung sind im Lesesaal Spezialsammlungen in der Freihandbibliothek der Kartensammlung aufgestellt. Sie sind nicht ausleihbar, Ausschnitte von Karten  und Tourenführer dürfen  für Privatzwecke kopiert  werden.

03.02.2012

„haleluia!“ – Albert Einsteins Jubelschrei vom 2. Februar 1912

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Physik — Tags: — Christian John Huber @ 19:01

 

Briefkarte Albert Einstein an Alfred Stern vom 2.Februar 1912 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 1510: 1)

  

Prag 2.II 12

Verehrter Herr Professor und verehrte Frau Professor Stern!

 

Vor zwei Tagen wurde ich (haleluia!) an das Polytechnikum in Zürich berufen und habe hier schon meinen k.k. Abschied angemeldet. Darob bei uns Alten und beiden Bärchen grosse Freude, sodass ich nicht umhin kann, es Ihnen mitzuteilen. Im Sommer wird schon gezügelt.

 

Beste Grüsse an Sie und Ihre Kinder

Auf frohes Wiedersehen

 

Ihr A. Einstein & Frau

 

Sicherlich war der Jubelschrei Ausdruck der Freude Albert Einsteins über die Rückkehr an die Alma Mater. Am Eidgenössischen Polytechnikum (heute ETH Zürich) hatte er 1896 bis 1900 Mathematik und Physik studiert und mit dem Fachlehrerdiplom abgeschlossen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass seine Berufung zum Ordinarius für theoretische Physik auch Genugtuung bei ihm ausgelöst hat, und der Freudenschrei durchaus eine ironische Note besitzt. Denn Einstein hatte während des Studiums häufig durch Abwesenheit geglänzt, was seinen Lehrern auffiel und sich auch in seinen Abschlussnoten niederschlug. So schrieb er in einem früheren Brief an seinen väterlichen Freund Alfred Stern: „[…] soviel man mir sagte, bin ich bei keinem einzigen meiner früheren Lehrer gut angeschrieben“ (Albert Einstein an Alfred Stern am 3. Mai 1901). Er bekundete nach dem Studium denn auch Mühe eine Stelle zu finden.

 Mit dem Jahr 1905 nahm seine Biographie eine neue Wende. Während seiner Zeit als Patentbeamter in Bern publizierte er vier bahnbrechende Arbeiten, wurde hernach Extraordinarius an der Universität Zürich und dann Ordinarius in Prag, wo er nun seinen „k.k.“ also kaiserlich-königlichen Abschied nahm um mit seinen „beiden Bärchen“, den Söhnen Hans Albert und Eduard sowie seiner Gattin Mileva nach Zürich zurück zu kehren.

 Nicht zuletzt freute sich Albert Einstein jedoch auf das Wiedersehen mit seinem Freund Alfred Stern. Stern, wie Einstein ein deutscher Jude bürgerlicher Herkunft, wurde 1887 zum Ordinarius für Geschichte an das Eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1928 verblieb. Die Freundschaft der beiden hatte bereits während Albert Einsteins Studium begonnen. Einstein verkehrte damals regelmässig im Hause Stern und teilte mit dem Historiker die Leidenschaft für Musik. Über das gemeinsame Musizieren hinaus schwärmte Einstein in seinen Briefen verschiedentlich von der Güte und Heiterkeit, welche in der Familie geherrscht habe. Die herzliche Beziehung Einsteins zur gesamten Familie Stern hielt ein Leben lang.

 

Link

Einstein Online

 

Literatur

Norbert Schmitz. Alfred Stern (1846-1936): Ein europäischer Historiker gegen den Strom der nationalen Geschichtsschreibung. Hannover 2009.

27.01.2012

100 Jahre Jungfraubahn

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Eisenbahnwesen — Valérie Andres @ 7:00

Tourismus und Legenden am Berg

Die Jungfrauregion, besonders aber das Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau gehören, wie auch das Matterhorn, zu den faszinierendsten Touristenattraktionen der Schweiz. Postkarten und Bilder dieser imposanten Berge und der darunter liegenden Dörfer, locken seit über hundert Jahren verschiedenste Besucher an und tragen zum Bild von der idyllischen und urtümlichen Schweiz bei.

Spätestens durch das Aufkommen des Alpinismus im ausgehenden 18. Jahrhundert mit diversen Erstbesteigungen im hochalpinen Gebiet entstanden zahlreiche dramatische Legenden und später Filme der ebenso schönen wie schroffen und unzugänglichen Bergwelt. Es ist daher gut möglich, dass die Erstbesteigung der Jungfrau (1811) etwa 50 Jahre später den Anstoss gab, diesen Berg durch den Bau einer Bahn auf den Gipfel endgültig zu bezwingen. Als Sinnbild für diese gelungene Eroberung kann man heute die allgemein bekannten Massen an Turnschuhtouristen betrachten, welche aus aller Welt kommen und auf dem Jungfraujoch ganz bequem die Aussicht geniessen, die sich sonst nur erfahrenen Bergsteigern bieten würde.

Diese beiden Bilder vom 10.08.1957 mit dem Titel: „Eigernordwand, Bergdrama“ sind Zeugnis einer Bergrettung. Dank der bereits gebauten Jungfraubahn gelangte das Opfer sicherlich rascher als üblich zurück ins Tal, allerdings wurde die Rettung auch direkt fotografiert und von Unbeteiligten ‘aus der Nähe’ mitverfolgt.

Bildtitel 1: Eigernordwand, Bergdrama

Bildlegende 1: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Bei der Station Eigergletscher der Jungfraubahn wird der Abstieg über die Westflanke beobachtet. Rechts: Funkhelfer.

Bildtitel 2: Eigernordwand, Bergdrama

Bildlegende 2: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Kurz vor der Station Eigergletscher der Jungfraubahn.

 Der Bahnbau

1893 reicht Adolf Guyer-Zeller, durch eine Bergwanderung inspiriert, ein Konzessionsgesuch für den Bau einer Bahn zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Jungfraugipfel ein. Die Bahn sollte nur bis zur ersten Station oberirdisch verlaufen und danach den grössten Teil des Weges durch Tunnel führen. Jede Station sollte einen speziellen Blickwinkel auf die Bergwelt geben und für sich ein eigenes touristisches Ziel darstellen. Die Strecke der elektrischen Zahnradbahn war von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau geplant.

 

 

Bildtitel 3: Bau der Jungfraubahn, Tunneleingang am Eiger, 1911

 

 Bildtitel 4: Jungfraubahn, Verbindungsstollen zwischen Aussteigperron im Tunnel und Station Eigerwand

Botschaft der Postkarte: Heute nach hier, Berge u. ? grossartig. Herzliche Grüsse Onkel u. Tante Keller. Frau Mugglin, Werner Mugglin.

Poststempel 6.9.1905.

1896 nach der Erteilung der Konzession durch das Parlament wurde mit dem Bau des ersten, zwei Kilometer langen und auf offener Strecke verlaufenden Abschnittes, begonnen. Trotz des Anschlusses an die Wengernalpbahn wurde eine Spurweite von 1000mm anstelle von 800mm für die Jungfraubahn gewählt.

Im Gegensatz zum ersten Streckenabschnitt waren die Arbeiten am Tunnelbau geprägt von Sprengunglücken und finanziellen Problemen. Doch trotz verschärfter Vorschriften ging auch dieser rasch voran so dass 1899 der Durchstich zur Station Rotstock (2530) stattfand. 1903 folgte die inmitten der Nordwand liegende Eigerwand, 1905 die Haltestelle Eismeer und am 21. Februar 1912 der Durchstich zum Jungfraujoch. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie dem Tod von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis hinauf zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde als Endstation das Jungfraujoch beschlossen.

Am 1. August 1912 fuhr der erste Zug mit Gästen die 9.34 Kilometer lange Strecke hinauf auf das Jungfraujoch (3454). Etwas mehr als 7 Kilometer davon liegen im Tunnel und es werden dabei fast 1400 Höhenmeter überwunden.

 

Bildtitel 5: Jungfraubahn, Station Eismeer, 3161 m

Poststempel 16.10.1926

 

 

 

Bildtitel 6: Jungfraubahn 3457 m, Die Schweizerfahne auf dem Jungfraujoch

Poststempel 11.10.1933

 

 Bildtitel 7: Kleine Scheidegg, Jungfraubahn, Eiger 3975, Mönch 4105

Botschaft der Postkarte: Von einer Offiziers-Tanzerei im Hôtél Bellevue Scheidegg herzl. Grüsse! Ernst. Poststempel 11.8.1912

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

20.01.2012

Skikarten aus den Anfängen des Skisports

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 8:00

 

Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923

 Ausschnitt aus der Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923

 Hofer’s Winter-Relief-Karte der Schwyzer Skiberge, 1927

 Skitourenkarte Oberengadin und Bernina, ca. 1923

Skitouren-Karte von Davos und Umgebung, ca. 1920

 

Der heute sehr beliebte alpine Wintersport etablierte sich in der Schweiz erst vor gut 100 Jahren. Davor erfreuten sich die Ferien- und Kurgäste fast ausschliesslich in den Sommermonaten des gesunden Höhenklimas und der fantastischen Landschaft in den Bergen.

Zu den ersten Wintersportorten zählten St. Moritz und Davos. Gäste aus Skandinavien, wo Skier in der Winterzeit zu den üblichen Fortbewegungsmitteln gehörten, brachten die ersten Bretter bereits in den 1870er Jahren nach Davos. Nach und nach breitete sich der Wintertourismus in weiteren alpinen Regionen aus, so auch in der Zentralschweiz, wie einem „Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz“ von 1921/22* zu entnehmen ist:  „Wer luxuriösen Komfort und fashionable Gesellschaft aufsucht, der kommt auch im Gebiete der Zentralschweiz, und besonders in Engelberg, vollkommen auf seine Rechnung.“

In den Anfängen des Wintertourismus vergnügten sich die Gäste noch mehrheitlich auf dem Eis oder beim Schlitteln. Gefördert durch den Bau von Bergbahnen und Skiliften erlebte der alpine Skisport in den 1920er und 1930er Jahren einen kräftigen Aufschwung und entwickelte sich zum Breitensport.

Mit zunehmender Beliebtheit des Tourenskilaufs stieg auch der Bedarf an Ski(touren)karten. Es handelte sich in der Regel um topographische Karten mit rot markierten Routen für die Skitouren. Als Kontrast zu den in gelblicher Farbe gehaltenen Wanderkarten für die Sommersaison erschienen die Skitourenkarten teils in winterlichem Blau.

Die Karten mit den Signaturen  K 888005 (Braunwald), K 691107 (Schwyz), K 680523: 3 (Oberengadin) und K 680523: 1 (Davos) können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen: *Winter in der Schweiz: Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz. Hrsg. unter dem Patronat der Schweizerischen Verkehrszentrale, 1921/22. Signatur ETH-Bibliothek: 56489

13.01.2012

Die Tücken des Fahrradfahrens

Filed under: Archive und Nachlässe,Bildarchiv — Tags: , , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“

Professor Johannes Barbieri fällt vom Velo. (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_11378-S1 und Portr_11378-S2)

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“ Johannes Barbieri, Professor für Photographie am Eidgenössischen Polytechnikum von 1879 bis 1895, demonstriert in Wort und Bild das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Beschriftung ist in der Mundart von Barbieris österreichischer Heimat verfasst. Die zwei Fotografien sind auf die beiden Seiten desselben Kartons montiert, das Missgeschick bildet somit die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille.

Die Aufnahmen sind nicht datiert, doch dürften sie frühestens irgendwann nach 1880 entstanden sein. Barbieri präsentiert sich nämlich mit einem erst ab dann sich verbreitenden Radtyp, der im Unterschied zum bisher beliebten, jedoch akrobatisches Geschick erfordernden Hochrad unter dem Namen Sicherheitsniederrad lief. Barbieris fotografischer Scherz kann durchaus als Kommentar zu dieser Bezeichnung betrachtet werden.

Die Idee zur kurzen Bildgeschichte mochte ihm beim Beobachten entsprechender Ereignisse in freier Natur* eingefallen sein oder dann in seinem Atelier, falls die ersten Versuche, standhaft an Ort zu balancieren, fehlgeschlagen waren.

Jedenfalls war die gängige fotografische Technik, von der experimentellen Serienfotografie und dem noch  jungen bewegten Film abgesehen, im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht geeignet, unruhige Objekte in gewünschter Bildschärfe festzuhalten. So inszenierte Barbieri sich und das neumodische Sportgerät im Atelier inmitten einer Bühnenkulisse. Vom hohen Stahlross blickt er mit aufgerissenen Augen starr in die leicht nach unten versetzte Kamera herab, um den Lidschlag während der langen Belichtungszeit zu vermeiden. Bei der unsanften Landung auf dem Kulissenwaldboden – oder sollte es dramatischerweise gar in den Fluten eines Bachbettes sein, wie das brückenähnliche Mäuerchen rechts im Bild andeutet? – verhinderte wohl der Pulsschlag oder beginnender Muskelschmerz eine längere reglose Haltung des linken Arms. Immerhin wird hier im unscharfen Detail der jähe Sturz oder der schnelle Griff nach der davonschwimmenden Mütze umso glaubhafter.

Die Bilder gelangten 1981 mit Materialien, die zu einem Teil Hinterlassenschaften von Barbieri enthalten, aus dem ehemaligen Photographischen Institut der ETH an die ETH-Bibliothek.

Anmerkungen

*Ein Beobachtungsbeispiel in freier Natur, das in die Literatur einging, vom französischen Schriftsteller und Regisseur  Marcel Pagnol (1895-1974) aus dessen sechstem Lebensjahr:

„Dort gab es eine uralte schattige Platanenallee, wildwuchernde Sträucher, Wiesen, die einluden darauf herumzutollen […] Dort fanden sich zu jener Zeit auch Leute ein, die radfahren lernten. Mit starrem Blick und angespanntem Kinn verloren sie zum Schrecken ihrer Lehrer manchmal die Herrschaft über ihr Rad, überquerten die Allee, verschwanden in den Büschen und erschienen wieder, ihr Vehikel um den Hals. Dieses Schauspiel war nicht uninteressant, und ich lachte Tränen darüber.“

In: Eine Kindheit in der Provence, München 1969, S. 25.

 Technisches und Historisches zu Fahrrad sowie Fotografie und Film siehe Wikipedia Artikel „Fahrrad“, „Fahrradtypen“, „Hochrad“, „Sicherheitsniederrad“, „Fotografie“, „Film“ etc.

Links

Kurzbiografie von Barbieri

Findmittel zu Unterlagen in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek: Photographisches Institut der ETH/Teilnachlass Johannes Barbieri

06.01.2012

John Smeaton: A Narrative of the building and a description of the construction of the Edystone Lighthouse (London, 1791)

Filed under: Alte Drucke,Architektur — Roland Lüthi @ 7:00

   

 Titelblatt mit Titelvignette: The Morning after a Storm

  Tafel No. 8: South Elevation of the Stone Lighthouse completetd on the Edystone in 1759

 

 Tafel No. 9: Section of the Edystone Lighthouse upon the E & W Line, as relative to No. 8

Der wohl berühmteste Leuchtturm Grossbritanniens steht auf dem Eddystone Rock, einem kleinen, für Schiffe sehr gefährlichen Felsen ungefähr 20 Kilometer südwestlich von Plymouth. Im Lauf der Zeit wurden hier nacheinander vier Leuchttürme gebaut: Winstanley’s Tower (1698-1703), Rudyerd’s Tower (1709-1755), Smeaton’s Tower (1759-1882) und Douglass’s Tower (1882-heute). Von Smeaton’s Tower steht heute nur noch der Stumpf – der obere Teil wurde abgebaut und auf dem Festland in Plymouth Hoe als Denkmal zu Ehren des Erbauers wieder errichtet.

Der britische Ingenieur John Smeaton (1724-1792) basierte seine Konstruktion auf der Form eines Eichenstammes. Gebaut wurde der Turm aus Stein, wobei für das Fundament und die Verkleidung ein lokaler Granitstein verwendet wurde. Als Mörtel setzte Smeaton einen neuartigen schnell bindenden Zement ein, der den nassen Bedingungen standhielt und noch heute Verwendung findet. Neu war auch eine revolutionäre Technik von Verzahnungen und Steindübeln, mittels denen die Granitblöcke verbunden wurden. Nach drei Jahren Bauzeit und der Inbetriebnahme im Jahr 1759 trotzte der Leuchtturm der rauen See über ein Jahrhundert, bis sich in den 1870er-Jahren Risse im Fels zeigten. Sobald eine hohe Welle den 18 Meter hohen Turm traf, geriet dieser ins Wanken und musste deshalb schliesslich abgebrochen werden. Der untere Teil erwies sich dabei als dermassen solide, dass man ihn stehen liess.

Links:

The construction of the Edystone Lighthouse (Rar 1788 GF) im Bibliothekskatalog NEBIS

Hochaufgelöste Bilder zu Smeaton’s Tower sind in E-Pics zu finden.

23.12.2011

Weihnachten steht vor der Tür

Filed under: Bildarchiv — Heike Hartmann @ 7:00

Für unseren heutigen Beitrag haben wir die Bildarchiv Datenbank (http://ba.e-pics.ethz.ch) nach ein paar Fotografien durchsucht, die etwas mit Weihnachten oder zumindest mit der kalten Jahreszeit zu tun haben. Vier unterschiedliche Bilder haben wir herausgesucht, die nun kurz vorgestellt werden sollen. Diese stammen aus drei verschiedenen Beständen und zeigen somit auch die Vielfalt der Bildersammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek.

Das erste Bild ist aus dem Bestand Leo Wehrli. Wehrli lebte von 1870 bis 1954 und war Geologe und Geograph. Von 1893bis 1896 war er Assistent am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich.Auf dem Glasdiapositiv sind verschiedene Schneekristallformen zu sehen. Diese „Schneesterne“ hat Wehrli im Winter 1912 in der Schweiz aufgenommen.

  

Schneekrystalle [Schneekristalle], 1918 (Dia_247-02154)

Das zweite Bild aus der Ansichtensammlung ist eine Fotografie und zeigt die Gondel des Zeppelins LZ 129 mit einem Weihnachtsbaum davor. Dieses Bild stammt aus einem Album mit 155 Bildern. Der Zeppelin LZ129 Hindenburg verunglückte am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst, USA.

 

Führergondel Weihnachten 1935, 1936 (Ans_05512-026-AL)

Aus unserem Bestand Postkartensammlung Adolf Feller haben wir zwei Bilder herausgesucht. Feller war ein Schweizer Unternehmer, der zusammen mit seiner Tochter (sie sammelte nach seinem Tod weiter) über 54‘000 Postkarten zusammen trug. Zum einen zeigen wir eine Postkarte mit geschmücktem Weihnachtsbaum von 1959 und zum anderen Skifahrer im Pulverschnee aus dem Jahr 1956.

 

God Jul = Frohe Weihnachten, 21.12.1959 (Fel_045709-RE)

 

Parsenn-Klosters, Abfahrt im Pulverschnee, 28.12.1956 (Fel_013452-RE)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

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