ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

14.02.2014

Eine Sonderausstellung des Max Frisch-Archivs Zürich: Rund um Max Frischs »Berliner Journal«

Filed under: Linguistik, Literatur,Max Frisch-Archiv — Margit Unser @ 7:00

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 Ausflug an den Müggelsee in Ost-Berlin: Max Frisch, seine Ehefrau Marianne sowie der befreundete Schriftsteller Uwe Johnson; ©Judith Macheiner/Max Frisch-Archiv, Zürich (Nutzung nur auf Anfrage)

Berlin war die Stadt, der Max Frisch zeit seines Lebens in besonderer Weise ver­bunden blieb. Schon als junger Student war er 1935 und 1936 mit seiner damaligen Freundin Käte Ruben­sohn erstmals in der deutschen Hauptstadt gewesen, von wo er irritiert über den offenen Antisemitismus zurückkehrte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte er jede Möglichkeit, ins europäische Ausland zu fahren. So bereist er im Novem­ber 1947 erstmals wieder Berlin, schon im Frühjahr 1948 ist er wieder in der Stadt, wo er auch den dramatischen Anfang der Blockade miterlebt. In seinem Tagebuch 1946-1949 hält er fest: „Auf dem Tempelhofer Feld wimmelt es von glitzernden Transportern -. »Luftbrücke«.“

Frisch hatte Bert Brecht 1947 in Zürich kennengelernt, den es schon bald nach Berlin zog. Trotz der räumlichen Trennung war der Kontakt zwischen den beiden nie abgerissen. 1950 reiste Frisch zu einer Theateraufführung des Berliner Ensembles ein weiteres Mal nach Berlin. Diesen Besuch, wie auch sein letztes Zusammentreffen mit Brecht in dessen Wohnung an der Chaussee-Strasse im September 1955, hat er in seinen Erinnerungen an Brecht festgehalten.

In den Sechzigerjahren besucht Max Frisch die Stadt Berlin immer wieder. Ausschlag­gebend ist die Freundschaft mit dem deutschen Literaturwissenschaftler und Kritiker Walter Höllerer, der ihn im Dezem­ber 1959 erstmalig zu einer Lesung nach Berlin einlädt.

Im Herbst 1972 kauft Frisch eine Eigen­tumswohnung in Berlin-Friedenau, das zu diesem Zeit­punkt ein Mekka deutschsprachiger Schrift­steller wie Günter Grass, Uwe Johnson und H. M. Enzens­berger ist. Das ist ein Grund, weshalb Frisch sich entschliesst, fortan in Berlin zu leben. Ein weiterer Grund scheint ein gewisser Überdruss an Zürich zu sein. Mit dieser Stadt verbinden Frisch fast nur Erinnerungen, gute und schlechte, jedenfalls Erinnerungen, die aber nicht mehr viel für sein gegenwärtiges Leben hergeben.

Nach dem Bezug der Wohnung im Februar 1973 beginnt Frisch wieder damit, ein Tagebuch zu führen, das er Berliner Journal nennt. Seiner literarischen Form nach steht es in der Tradition der beiden Tagebücher der Jahre 1946-1949 und 1966-1971. Im Januar 2014 wurden erstmalig Auszüge aus diesem Journal publiziert. Begleitend dazu zeigt das Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek Archivalien, die einen Querschnitt geben über die enge Verbundenheit von Max Frisch mit der Stadt Berlin. Erstmalig in der Schweiz werden Originalseiten aus dem Berliner Journal gezeigt. Die Inhalte dieses Journals widerspiegeln sich in den ausgestellten Briefen, die Frisch 1973 an Freunde und Bekannte schreibt. Unter den Exponaten finden sich auch Archivalien aus den 1940er bis 1960er Jahren, die dokumentieren, dass Frisch Berlin immer als literarische und menschliche Heraus­forderung empfunden hat.

 

Ort der Ausstellung:

Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek

Rämistrasse 101

8092 Zürich

 

Laufzeit der Ausstellung:

3. Februar – 29. August 2014

Montag – Freitag, 10:00 – 17:00

Eintritt frei

 

Ansprechpartner:

Dr. Margit Unser

Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek

Mail: unser@libary.ethz.ch

Telefon 044 632 40 35

 

 

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07.02.2014

Der erste Flug der Swissair in den Fernen Osten

Filed under: Bildarchiv — Tags: , , , — Roland Lüthi @ 7:00

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Ankunft des Swissair-Flugzeuges in Tokio, 5. April 1957 (LBS_SR08-02-001-AL)

Die Schweiz und Japan feiern im Jahr 2014 das 150. Jubiläum der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Das Bildarchiv wird aus diesem Anlass während des Jahres in loser Folge einige Fotografien mit Bezug zu Japan vorstellen. Hier ein Bild vom Swissair Eröffnungsflug Schweiz-Japan vom 1. April 1957. Die Reise mit einer DC-6B führte von Zürich Kloten über Genf, Athen, Beirut, Karachi, Mumbai, Bangkok, Manila nach Tokio. Die Piloten und Mechaniker wurden in Karachi, Bangkok und Manila ausgewechselt, was von den Beteiligten eine geschickte und aufwändige Planung verlangte. Am Ende der langen Reise, am 5. April

… um 16 Uhr 21 setzten die Räder des Flugzeugs auf der Landepiste des Flughafens Haneda auf, 16 Uhr 25, wie es der Flugplan will, werden vor dem Flughof die Motoren abgestellt. Und nun beginnt eine Begrüssung, die alles Vorangegangene übertrifft. Auf dem Flugsteig, auf der Zuschauerterrasse drängen sich die Gesichter, wohl tausende von Menschen. Japanische Kinder schwenken Schweizer Fähnchen, blonde Schweizer Kinder schwenken japanische Fähnchen. Die rote Sonne Japans im weissen Feld, die rot-weisse Flagge der Swissair sind am Flughafengebäude aufgezogen; ein Meer von Rot und Weiss… (NZZ, Donnerstag 18. April 1957, Blatt 2, Morgenausgabe, Nr. 1134).

Die Begeisterung des NZZ-Reporters ist eindrücklich und macht uns klar, welch wichtige Rolle der Luftverkehr für die Verbindung von Völkern und die Globalisierung spielt. Es ist tatsächlich ein wenig so, als hätte uns das Flugzeug alle zu Nachbarn gemacht.

Link:

Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan

 

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31.01.2014

Städtebauwettbewerb Zürich 1919

Filed under: Architektur,Geographie und Karten,Karten — Tags: — Markus Appenzeller @ 10:00

Kartenausschnitt Zürich Zentrum

Bild 1: Ausschnitt Zürich Zentrum der Karte “Arbeit” von Froelich/Bertschinger, Zürich, 1919

Kartenausschnitt projektierter Hafen Zürich Nord

Bild 2: Ausschnitt Zürich Nord der Karte “Arbeit” von Froelich/Bertschinger, Zürich, 1919

Kartenauschnitt Hönggerberg

Bild 3: Ausschnitt Hönggerberg der Karte “Arbeit” von Froelich/Bertschinger, Zürich, 1919

Mitten im 1. Weltkrieg hat die Stadt Zürich einen internationalen Wettbewerb zur Entwicklung von Zürich und Umgebung ausgeschrieben. Die Wettbewerbsteilnehmer mussten sich überlegen, wie sich Zürich in den nächsten 30 Jahren bezüglich Verkehr, Bebauung und Bevölkerung entwickeln könnte. Trotz des Weltkrieges wurden zahlreiche Wettbewerbsarbeiten auch aus dem Ausland eingereicht. Von diesen Arbeiten besitzt das Baugeschichtliche Archiv noch 11 Übersichtspläne und die Detailpläne der Siegerbeiträge. Die Übersichtspläne wurden 2001 mikroverfilmt und anschliessend digitalisiert. Von diesen digital vorhandenen Plänen wurde eine beschränkte Anzahl von Papierreproduktionen hergestellt, die im Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich erhältlich sind.

Jede eingereichte Wettbewerbsarbeit ist mit einem Motto überschrieben. Die Arbeit mit dem Motto „Arbeit“ von Albert Froelich mit Dr. ing. Bertschinger (Zürich) hat sich einige aus heutiger Sicht besondere Gedanken zum Thema Verkehr gemacht. Weil die zahlreichen Brücken im Stadtzentrum für einen effizienten Schifffahrtsverkehr hinderlich sind, schlägt die Wettbewerbsarbeit einen Entlastungskanal zwischen dem Zürichsee bei Wollishofen und der Limmat unterhalb der Werd-Insel bei Höngg vor (Bild 1). In Norden von Zürich, zwischen Schwamendingen und Opfikon sieht man auf dem Plan eine grosse Hafenanlage. Vermutlich hatten die Planer die Idee einer direkten Schifffahrtsverbindung zum Rhein und weiter zur Nordsee (Bild 2).

Am heutigen Standort Hönggerberg der ETH war ein Friedhof geplant. Wäre diese Idee wie auf dem Plan eingezeichnet verwirklicht worden, hätte der ETH Campus anderswo gebaut werden müssen (Bild 3).

Alle Reproduktionen der 11 Wettbewerbspläne können im Bibliothekskatalog bestellt und im Lesesaal Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek (Mo-Fr 10-17 Uhr) konsultiert werden. Link zum Katalogeintrag

 

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24.01.2014

Militärische Chinakarte vom Anfang des 18. Jahrhunderts?

Filed under: Geistes- und Sozialwissenschaften,Geographie und Karten,Hochschularchiv ETHZ — Tags: — Christian John Huber @ 16:42

Einer der schönsten Aspekte des Archivaren-Berufs ist das unerwartete Wiederentdecken historischer Schätze. So geschehen mit einer faszinierenden Chinakarte im Hochschularchiv der ETH Zürich. Die 77 cm grosse, 164 cm breite aquarellierte Pinselzeichnung ist zum Teil mit Tusche ausgezogen und seitlich mit Holzleisten versehen.

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ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1108. Chinakarte.

Neben chinesischen Schriftzeichen ist die Landkarte mit wenigen Transkriptionen in französischer Sprache beschriftet. Die Entstehungszeit des Dokuments wird auf ca. 1700 geschätzt. Es wird vermutet, dass es sich um eine Art Militärkarte aus der Zeit des Abwehrkampfs gegen die Mandschus handelt. Helfen Sie uns dabei, diese Vermutungen aus dem Jahr 1982 zu bestätigen oder zu widerlegen! Eine detaillierte Ansicht der Karte finden Sie hier.

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17.01.2014

Ein fossiler Verwandter des riesigen Weissen Hais

Filed under: Erdwissenschaftliche Sammlungen,Naturwissenschaften,Paläontologie,Zoologie — Tags: — Milena Pika-Biolzi @ 7:00

Carcharodon 1 AGASSIZ

 Carcharodon escheri AGASSIZ und Carcharodon polygyrus AGASSIZ aus der Meeresmolasse der Schweiz, ca. 18 Mio. Jahre alt (Erdwissenschafliche Sammlung der ETH Zürich)

Carcharodon megalodon ist eine ausgestorbene Art von Haien, die vor rund 28 bis 2 Millionen Jahren lebte. Man findet die Überreste dieser Haie fast überall in subtropischen und gemässigten Breiten auf der Erde, ob in Europa, Amerika, Asien, Australien oder Afrika. Warum C. megalodon ausstarb, ist nicht sicher. Man vermutet, dass durch Klimaänderungen die Wale, seine Hauptbeute, in den wärmeren Regionen nicht mehr in ausreichendem Mass verfügbar waren.

C. megalodon war eines der grössten und mächtigsten Raubtiere in der Geschichte der Wirbeltiere. Fossile Überreste deuten darauf hin, dass er eine maximale Länge von 14-18 m erreichte. Da nur Zähne und kaum knorpelige Skelettteile fossil überliefert sind, kann man das Aussehen nicht sicher rekonstruieren. Vermutlich war er aber  eine  stämmigere Version des heutigen Weißen Hais C. carcharias. Allerdings bleibt die genaue phylogenetische Beziehung zwischen diesen riesigen Haien und dem rezenten ‚Great White Shark‘ ungewiss.

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 Die berühmte Kieferrekonstruktion eines Megalodons (von Bashford Dean, 1909), heute als übertrieben eingeschätzt

Früher wurden die sehr grossen (bis 170 mm) dreieckigen fossilen Zähne, die man oft in Felsformationen eingebettet fand, von einigen  Völkern als ‚Geschenke der Götter’ oder als versteinerte Zungen von Drachen und Schlangen angesehen. Solche Interpretationen wurden im Jahre 1667 in Florenz von dem dänischen Naturforscher Nicolaus Steno (1638-1686) korrigiert. Er erkannte diese Objekte als fossile Haizähne , veröffentlichte als Beweis die Darstellung eines rezenten Haikopfs mit offenem Maul und beschrieb seine Erkenntnisse in der Abhandlung „Canis carchariae dissectum caput“ (Ein sezierter Haifischkopf). Steno war natürlich nicht der Erste, der die ‚Zungensteine‘ als Haifischzähne richtig erkannt hatte, aber seine vergleichbaren Illustrationen liessen kaum Zweifel daran.

 Steno

 Kupferstich eines Haifischkopfs und zweier Zähne und eine Abbildung fossiler Haifischzähne in Stenos Publikation

Der Schweizer Naturforscher Jean-Louis Agassiz (1807-1873) unterschied anhand der gefundenen Zähne mehrere ausgestorbene Carcharodon-Arten und gab ihnen demnach auch verschiedene Namen. In seinem Buch „Recherches sur les poissons fossiles“ (1833–1843) gibt es also nicht nur den C. megalodon, sondern auch Arten, wie den C. escheri oder C. polygyrus und noch viele andere.

Einige dieser wertvollen Belege befinden sich als Nachlass Agassiz in der Erdwissenschaftlichen Sammlungen der ETH Zürich. Steno und Agassiz sind in e-rara komplett einsehbar.

 

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10.01.2014

Internationales Jahr der Kristallographie 2014

Filed under: Bildarchiv,Chemie und Pharmazie,Naturwissenschaften — Roland Lüthi @ 7:00

ETH Zürich, Institut für Mineralogie und Petrographie, 1955 (ETH-Bibliothek Bildarchiv, Ans_00540)

Kristallographische Studien wurden an der ETH bereits seit der Gründungszeit betrieben, zuerst im Hauptgebäude im Institut für Mineralogie und Petrographie und ab 1920 im neuen Naturwissenschaftlichen Gebäude an der Sonneggstrasse. Unter der Leitung von Paul Niggli (1888-1953) begann dort eine sehr fruchtbare Zeit für die Kristallographie in Zürich. Seine berühmte Geometrische Kristallographie des Diskontinuums (Leipzig, 1919) und seine Internationalen Tabellen zur Bestimmung der Kristallstrukturen (Berlin, 1935) waren fundamentale Beiträge zur strukturellen Kritallographie, die weltweit Beachtung fanden. Im Jahr 1959 leitete Nigglis Nachfolger Fritz Laves (1906-1978, im obigen Bild in der Mitte, stehend) eine Reorganisation des Instituts ein, das fortan den Namen Institut für Kristallographie und Petrographie trug. Das hauptsächliche Forschungsgebiet umfassten Kristallographie von Feldspäten und Metallen.

Die Kristallstrukturanalyse erlangte Mitte des Jahrhunderts solche Bedeutung für die Chemie, dass die Chemischen Laboratorien der ETH 1957 unter der Leitung von Jack David Dunitz (1923-) eine eigene kristallographische Gruppe einrichteten. Diese installierte die ersten automatischen und computergesteuerten Diffraktometer an der ETH. 1961 erhielt Alfred Niggli (1922–1985) ein Extraordinariat für Kristallstrukturforschung am Institut für Kristallographie und Petrographie. 1966 wurde der Gerätepark mit einem Picker-Diffraktometer  und einige Jahre später mit einem Syntex P21 erweitert. Als dritter Professor für Kristallographie am Institut amtete W.M. Meier ab 1966. Sein Hauptinteresse galt der Kristallchemie von Zeolith und der Pulverdiffraktion. Einer der ersten computergesteuerten Pulverdiffraktometer wurde 1973 in seiner Abteilung gebaut.

Die zunehmende Bedeutung von kristallographischen Methoden in der Molekularbiologie führte 1987 zur Berufung von T.J. Richmond als Professor der Kristallographie biologischer Makromoleküle am Institut für Molekularbiologie und Biophysik. Mit dem gemeinsamen Lehrstuhl für Kristallographie von Universität Zürich und ETH von Walter Steurer fand 1993 eine Reorganisation des Instituts statt, bei der das neue Laboratorium für Kristallographie auf dem Hönggerberg entstand.

Link:

Laboratorium für Kristallographie:  http://www.crystal.mat.ethz.ch/

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27.12.2013

Japanische Neujahrsgrüsse

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Osaka, Kunstkarte

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Osaka, Kunstkarte

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Beinahe wäre diese hübsche japanische Postkarte Gegenstand eines Bilderrätsels geworden, aber deren Hintergründe konnten dank einer Kollegin noch just vor dem Jahreswechsel aufgeklärt werden. Die Karte wurde am 25.12.1909 von G. Otomune in Osaka an Adolf Feller in Horgen geschickt. Die abgebildeten Hundefiguren scheinen aus verschiedenem Material wie Porzellan, Stoff, Papier oder Holz gefertigt zu sein. Da die Karte kurz vor Jahresende verschickt wurde und 1910 ein Jahr des Hundes war, handelt es sich hier sehr wahrscheinlich um eine Neujahrskarte. Diese haben in Japan Tradition und zeigen in der Regel das chinesische Tierkreiszeichen des neuen Jahres.

Das kommende Jahr des Pferdes 2014 (in China und Japan vom 31. Januar 2014 bis zum 19. Februar 2015) ist ein Jubiläumsjahr für die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan. In beiden Ländern finden aus diesem Anlass eine Reihe von Veranstaltungen statt. In ETHeritage werden wir im Jahr 2014 in loser Folge Beiträge zum Themenkreis Schweiz-Japan publizieren. Wir freuen uns auf das neue Jahr und wünschen unseren Leserinnen und Lesern alles Gute, oder eben: akemashite omedetō gozaimasu (明けましておめでとうございます)!

Links:

Jubiläum „150 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Japan und der Schweiz“: http://www.ch.emb-japan.go.jp/anniversary2014/

Postkartensammlung Adolf Feller: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2010/01/22/die-postkartensammlung-von-adolf-feller/

 

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20.12.2013

Öppi der Student – Zum 30. Todestag von Arnold Kübler (1890-1983)

ZVAB

Arnold Kübler, Öppi der Student, 1947. Auf dem Schutzumschlag, gezeichnet vom Autor, erhöht über dem Dachgewirr Zürichs im Hintergrund die Universität, die „Hohe Schule von Cheudra“ (Bild: zvab.com)

„Herr Eppi, was ischt den dees? No net aus die Federe? Auf, auf, sischt bald siebene voll. Was isch mer denn dees fir e Eirichtung!“

So wird Öppi der Student im gleichnamigen Buch von der süddeutschen Nichte seiner Zimmerwirtin geweckt. Arnold Kübler, Redaktor, Schriftsteller, Schauspieler, Zeichner, dessen Todestag sich am 27. Dezember zum dreissigsten Mal jährt, beschreibt im 1947 publizierten zweiten Band seiner zweitausendeinhundertseitigen autobiografischen Romanfolge sein Geologiestudium in den Jahren 1911-1915 in Zürich.

Öppi, vom mundartlichen öpper = jemand, fühlt sich fremd an der Hohen Schule in Cheudra (kaue daran = Zürich), begibt sich daher gerne unter die Fittiche des alten Tal (Professor Albert Heim) und ist von dessen Lehrmethode fasziniert:

„Grossartig war’s, richtig grossartig, so wie Öppi es gar nicht geahnt hatte. […] Die Werdegeschichte der Erde war des alten Tal Sache […]. Es war ihm nicht allein darum zu tun, seinen Hörern zu berichten, was er gefunden hatte, er wollte sie auch fragen lehren, wie er zu fragen pflegte […]. Ein völlig Neues war’s, als der alte Tal eines Tages mit einer Pferdedecke zur Vorlesung kam, die Pferdedecke auf dem Tisch ausbreitete, als er hernach, vom Schwund des Erdkerns und von Seitendruck der Rindenschichten redend, seine alten Hände auf die Pferdedecke legte und seitlich schiebend vor den Augen der Hörer und vor den Ohren der Seher die Pferdedecke in Falten legte, Gewölbe und langhingezogene Täler darin erzeugte, Abbilder der Wogenberge, Wiederholung der Urvorgänge, die zur Gebirgsbildung geführt hatten.“

Schlussexkursion ins Windgällengebiet 1911

Arnold Kübler als Student im Fensterrahmen. Ausschnitt aus „Schlussexkursion ins Windgällengebiet 1911“ (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0494b-0115-067-AL)

Auch die anderen Dozierenden und Mitstudierenden werden detailliert charakterisiert, nicht jeder kommt so vorteilhaft weg wie der grossväterliche Tal. Als dieser unverhofft emeritiert, begibt sich Öppi, der in der akademischen Umgebung nicht heimisch wird und sich obendrein auch von seinem bäuerlichen Zuhause entfremdet hat, auf Kunstreise nach Florenz und Rom. Zurückgekehrt wird er bereitwillig wieder in den Kreis der früheren Kollegen aufgenommen, doch sind diese nun bereits weiter fortgeschritten als er. Alle sind zielstrebig, er ist der einzige, der nicht weiss, wie es mit ihm weitergehen soll. Die Gesteinskunde und Erdgeschichte sagen ihm nicht mehr viel, vielmehr sind seine künstlerischen Neigungen geweckt. Der Nachfolger des alten Tal kommandiert auf Exkursionen die Teilnehmenden mit einer Trillerpfeife herum wie junge Hunde, Öppi wendet sich wie viele seiner Kollegen daher vermehrt dem Professor für Kristallographie zu. Im Labor von dessen Mitarbeiterin lernt er Dünnschliffe herstellen und mit chemischen Methoden Gesteinsproben analysieren. Als er gelobt wird, erschrickt er vor einer möglichen Zukunft in den Kellerkatakomben und beschliesst den Abbruch des Studiums. Noch hält ihn das Angebot, die private Bibliothek des alten Tal zu ordnen, zurück. Nachdem er ein wertvolles Instrument des verehrten Meisters beschädigt hat, hält ihn nichts mehr.

Hs_0494b-0115-067-AL

Die letzte Exkursion für Studierende unter der Leitung von Professor Albert Heim führte im Juli 1911 ins Windgällengebiet (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0494b-0115-067-AL)

Das epische Opus, dessen zahlreiches Personal Conrad Burri, Professor für Petrographie an der ETH, 1961 entschlüsselte, erzählt nicht nur den einstigen Studienbetrieb. Als Alltagsgeschichtsbuch gibt es auch Einblick in Lebensumstände und Freizeitverhalten von damaligen männlichen Studierenden bis hin zu sich verändernden Kleidergewohnheiten:

„Die Selbstbetrachtungen des Abends führten auch zu den Hemden und Kragen. Kavestrau trug um den Hals die weissen, steifen Stücke mit den sogenannten Sprungbrettchen, umgelegten Ecken, eine eher unmodische, aber gepflegte Form, die ihm einen Schimmer gut bewährter, überzeitlicher Eleganz verlieh. Bei den Unterhosen aber dachte Öppi wiederum obenauf zu schwingen und dem Kavestrau einiges heimzuzahlen, der ein solches Muttersöhnchen war, dass er derlei Unterzeug, wenn auch dünnes, sogar im Sommer trug, während Öppi solches überhaupt nie auf dem abgehärteten Leibe getragen hatte. ‚Keine Unterhosen? Nie? Das ist eine Sauerei, einfach eine Sauerei!‘ Kavestrau liebte die unmissverständlichen Antworten. Er war ein stachliger Umgang. Dennoch hielt Öppi sich an die Wahrheit des Ausspruchs, ging zum Unterhosentragen über […].”

Hinweise:

Arnold Küblers Öppi Romane sind über das Wissensportal bestell- und ausleihbar.

Im Hochschularchiv der ETH werden die wissenschaftlichen Nachlässe mancher Geologen aufbewahrt, die in Öppi der Student erwähnt sind. Arnold Küblers eigener Nachlass befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich.

 

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13.12.2013

Kindergeschichten und Kupferstiche

Filed under: Alte und Seltene Drucke,Geschichte,Pädagogik und Didaktik — Roman Walt @ 8:30

Die Adventszeit ist eine Zeit der Geschichten und Erzählungen, insbesondere für die Kinder. Mit den Schweizerischen Erzählungen erhob das Werk von Leonhard Meister zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Anspruch „eine Anzahl, für Kinder von 6 bis 12 Jahren berechneter Erzählungen aus der vaterländischen Geschichte zu liefern“ , da es bisher hierzu „sehr wenig Brauchbares“ gab.

Die ausgewählten Erzählungen umfassen grösstenteils für Kinder wohl nur bedingt geeignete, da sehr detaillierte Berichte und Darstellungen historischer Schlachten sowie Portraits bedeutender Persönlichkeiten, aber auch Besonderheiten, welche den aufklärerischen Charakter Leonhard Meisters unterstreichen.

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 Abb. 1: [Bannfluch gegen Ungeziefer, Tafel 18]

So beispielsweise das Kapitel zu Kriegsmaassregeln gegen Ungeziefer, welche sich der Schattenseite „jeder Zeit“ widmet: dem Aberglauben und der Unwissenheit. Der Bischof von Lausanne, Georg von Saluzzo, habe um 1479 Blutegel, Engerlinge und Laubkäfer mittels Bannsprüchen vertrieben und vernichtet. Dass das “Endurtheil” jeweils auf Jahreszeiten fiel, in welchen die Population auf ganz natürliche Art abnahm schien dem Volke nicht aufgefallen zu sein. Aber heute sei man “besser und weiser”, so das Fazit des Verfassers. Leider war diesem selbst nicht aufgefallen, das Bischof Georg von Saluzzo bereits 1461 verstorben war und somit in der gegebenen Zeitlinie der Erzählung die Bannflüche gar nicht selbst hätte sprechen können.

 

Ebenfalls unerkannt geblieben sind gewisse Ungenauigkeiten und Fehler bei der Veröffentlichung des Werkes. Es fehlen beispielsweise die beiden letzten Kupfertafeln, obwohl diese im Index aufgeführt sind – es existieren scheinbar nur wenige wirklich vollständige Ausgaben. Die Kupfertafeln wurden mehrheitlich von Johann Rudolf Schellenberg gezeichnet und gestochen, einem um 1800 sehr bekannten Künstler und Kupferstecher aus Winterthur. Die Drucke sind wunderbar angefertigt, aber allesamt gespiegelt.

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Abb. 2: [Ritter Münch büsst seinen Hohn mit dem Tode, Tafel 17]. Gespiegelte Adresse am unteren Rand.

 

Interessant ist, dass die Kupferstiche bereits in einem früheren Werk (Leonard Meisters Helvetische Galerie grosser Männer und Thaten für die vaterländische Jugend) von Leonhard Meister um 1786 Verwendung fanden, und ebenfalls gespiegelt abgedruckt wurden. Ergänzt wurden die 24 durch Schellenberg angefertigten Kupferstiche durch sechs weitere Tafeln, gezeichnet von Johann Balthasar Bulliger und gestochen von Daniel Ehrenzeller, datiert mit 1826. Von diesen sechs Tafeln sind wiederum deren Vier gespiegelt abgedruckt.

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Abb. 3: [Die Wallgauer bitten die Eidgenossen um Gnade, Tafel 25]. Korrekter Druck.

 

Weiter bleibt auch beim Datum der Veröffentlichung und eigentlichem Autor ein Fragezeichen stehen: Leonhard Meister verstarb 1811, die den ursprünglichen Tafeln von 1786 ergänzten Kupferstiche datieren von 1826. Genauere Angaben sind keine zu finden.

Bieten die Schweizerischen Erzählungen also eine zwar schöne, wenn auch teilweise unsauber recherchierte Auswahl an nicht ganz kindergerechten Erzählungen, so machen erst die detaillierten Kupferstiche in Verbindung mit den erwähnten Ungenauigkeiten den Band zu einem bemerkenswerten Exemplar.

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06.12.2013

Kläuse an Bord

Filed under: *Bestände,Bildarchiv — Tags: — Nicole Graf @ 8:55

Bei der Swissair war es Tradition, dass Nikolause vor allem auf den Europaflügen mitflogen und den Passagieren und der Besatzung vorweihnachtliche Grüsse mitbrachten. Die Nikolause aus den Reihen der Kabinen-Crews sorgten auf diversen Flügen für strahlende Gesichter. Die Bilder aus dem Bestand des Swissair-Fotoarchivs zeigen, dass offenbar auch Flight-Attendants gerne in die Rolle der Kläuse geschlüpft sind. In der Samichlausen-Reportage finden sich weitere Bilder. Klicken Sie dazu auf einen Link unter den gezeigten Bildern.

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 Die Flight-Attendants beim Verkleiden (LBS_SR05-095096-00A)

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Der Samichlaus beschenkt das Bodenpersonal (LBS_SR05-095096-31A)

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Der Samichlaus in der Economy-Class-Kabine bei den Passagieren (LBS_SR04-030910)

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Zwei Nikolause in Zürich-Kloten (LBS_SR04-030913)

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