ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

23.05.2014

Neue Landeskarten

Filed under: *Bestände,Geographie und Karten,Karten — Markus Appenzeller @ 7:00

Landeskarte Ausschnitt Aarau Ausgabe 2007

Quelle: Landeskarte 1:25 000, Ausgabe 2007, Ausschnitt Blatt Aarau, Bundesamt für Landestopografie

Landeskarte Ausschnitt Aarau Ausgabe 2014

Quelle: Landeskarte 1:25 000, Ausgabe 2014, Ausschnitt Blatt Aarau, Bundesamt für Landestopografie

Legende Landeskarten neue Ausgaben

Quelle: Landeskarte 1:25 000, Ausgabe 2014, Ausschnitt Legende Blatt Aarau, Bundesamt für Landestopografie

In der Presse wurde es ausführlich besprochen: die Schweizer Landeskarten erhalten ab 2014 ein neues Erscheinungsbild, das sich vom Erscheinungsbild der älteren Ausgaben klar unterscheidet. Das Bundesamt für Landestopografie swisstopo , das für die Herausgabe der Landeskarten verantwortlich ist, informiert im Internet ausführlich über die Neuerungen. Info swisstopo

Nachfolgend die augenfälligsten Neuerungen auf den gedruckten Karten (siehe obenstehende Kartenausschnitte aus Blatt 1089, Aarau, Ausgabe 2007 ganz oben, darunter die neue Ausgabe 2014):

  • Eine neue, gut lesbare serifenlose Schrift (eine Frutiger-Schrift, verwandte Schriften von Adrian Frutiger begegnen wir im  schweizerischen Alltag immer wieder, z.B.  bei Verkehrsschildern)
  • Das Bahnnetz ist rot und die Bahnhöfe und Haltestellen mit Namen eingezeichnet
  • Abstufung der Strassen nach Breite (siehe obenstehender Ausschnitt aus Kartenlegende der neuen Kartenausgabe)
  • Die Bedeutung der Strassen wird durch Farbgebung unterstützt (Durchgangsstrassen rot, Verbindungsstrasse gelb)
  • Grenzen (Gemeinde, Bezirke , Kantone, Land) sind neu lila (im Kartenausschnitt Ausgabe 2014 sind  im Nordwesten Kantonsgrenze und Gemeindegrenze sichtbar)

Aus Kreisen der Wanderer und Alpinisten gab es besorgte Kommentare zur Darstellung der Wanderrouten. Sie befürchteten, dass aus der Luft nicht sichtbare Routen (im Gelände jedoch markiert) aus der Karte verschwinden könnten. Swisstopo beruhigt: In den neuen Landeskarten werden markierte Routen ohne Wegspur gepunktet dargestellt.  Siehe Beispiel aus „Die Alpen“ 03/2014.

Kritische Bemerkungen gibt es zu den sehr differenzierten Abstufungen der Strassen nach Breite. Es ist beispielsweise sehr schwierig auf der neuen Landeskarte eine eine 10 m – Strasse  von einer 8 m – Strasse zu unterscheiden (siehe obenstehender Ausschnitt aus der Kartenlegende).

Folgende Blätter der Landeskarten 1:25 000 im neuen Erscheinungsbild sind bereits erschienen und in der ETH-Bibliothek ausleihbar oder können im Lesesaal Sammlungen und Archive eingesehen werden:

Hauenstein : Oberdorf – Diegten – Olten
Wolhusen : Romoos – Menznau – Ruswil
Sumiswald : Lueg – Dürrenroth – Luthern
Sursee : Dagmersellen – Willisau – Nottwil
Langenthal : Madiswil – Huttwil – Zell
Schöftland : Zofingen – Triengen – Unterkulm
Murgenthal : Oensingen – Aarwangen – Oftringen
Aarau : Schönenwerd – Staffelegg – Seon

 

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16.05.2014

C.G. Jung und Thomas Mann: „Literarische Beziehungen haben nie bestanden“

Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung und der deutsche Schriftsteller Thomas Mann haben Einiges gemeinsam: Beide wurden 1875 geboren und (streng) protestantisch erzogen, Jung in Basel, Mann im norddeutschen Lübeck. Beide lebten zeitweise in Küsnacht, auch gleichzeitig, Jung von 1909 bis 1961, Mann von 1934 bis 1938, bis zu seinem Exil in Amerika. Zu ihrem 80. Geburtstag erhielten beide den Ehrendoktor in Naturwissenschaften der ETH Zürich auf Bestreben des damaligen Rektors und Germanisten Karl Schmid (1907-1977), der mit beiden bekannt war. C.G. Jung starb an einem 6. Juni (1961), dem Geburtstag Thomas Manns (gest. 1955).

 „Jung habe ich in der Schweiz nie gesehen“, berichtet Thomas Mann 1945 in einem Brief an Anna Jacobson (22.2.1945), sondern nur „einmal in München“. Jung habe damals einen „außerordentlich gescheiten Eindruck“ gemacht. Das Datum des Besuchs ist nicht bekannt, das Treffen muss aber zwischen 1921 und 1929 stattgefunden haben. Offenbar blieb man in Kontakt, denn Thomas Mann schreibt am 1. April 1929 C.G. Jung folgende Briefkarte:

 

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Briefkarte von Thomas Mann an Carl Gustav Jung, 1.4.1929, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1056: 422

 

München, den  1. IV.29.

                                                                           Poschingerstr. 1

 Sehr verehrter Herr Dr. Jung,

für die Uebersendung Ihrer schönen, bedeutenden Arbeit sage ich vielen Dank. Es war mir umso wichtiger, sie zu studieren, als ich gerade etwas Einschlägiges an die Psychoanalytische Gesellschaft in Wien abgeliefert habe, was ich nun im Licht Ihrer Ausführungen nachprüfen konnte. So zutreffend es ist, wenn Sie Freud einen Zerstörer idealistischer Illusionen über das Wesen des Menschen nennen, so bestätigend geht mir doch auch aus Ihrer Vorstellung hervor, daß das analytische Interesse fürs Irrationale-Nächtige nicht Sympathie, nicht Geistfeindschaft ist, sondern daß dieses Interesse nur Mittel ist und zuletzt dem Primat der Vernunft und des Geistes gilt.

                                                        Ihr ergebener Thomas Mann.

 

Ab 1934 ändert sich der Tonfall. Thomas Mann äussert sich in seinen Tagebüchern, auch vereinzelt in Briefen, nur noch ambivalent bis abfällig über Jung: „Klug, aber nicht achtenswert“ (Tagebuch vom 16.3.1935), urteilt er und noch Schlimmeres. Was war geschehen?

 Thomas Mann war ein Leser, Freund und Verehrer des jüdischen Psychoanalytikers Sigmund Freud (1856-1939). Er verfasste im Verlaufe seines schriftstellerischen Lebens zwei Essays über Sigmund Freud (1929; 1936), die zu seinen bedeutendsten gehören. So mag es nicht verwundern, dass er die als antisemitisch interpretierbaren Äusserungen Jungs über die „jüdische“ Seele (Freud!), seine Forderung einer „arischen“ Psychotherapie (Zur gegenwärtigen Lage der Psychotherapie; 1934) und Jungs zumindest anfängliche Nicht-Distanzierung von den Nationalsozialisten scharf verurteilte. So führt Thomas Mann im bereits erwähnten Brief an Anna Jacobson vom 22.2.1945 zu Jung weiter aus: „Seine Haltung gegenüber den Nazis war anfangs sehr zweifelhaft und mehr als das. Literarische Beziehungen haben nie bestanden.“

 „Literarische Beziehungen haben nie bestanden.“ Das stimmt so nicht. Die moralisch bedingte Abwehr Thomas Manns bezog sich klar auf die politische Haltung Jungs bis 1940, nicht aber auf sein fachliches Wissen. Denn die Psychologie des Schweizers stand Thomas Mann sehr viel näher als etwa die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Jungs Archetypen, seine Lehre vom kollektiven Unterbewusstsein und die Verbindung von Psychologie und Mythos stimmten mit gewissen Ideen des Schriftstellers überein und liessen sich literarisch fruchtbar gestalten.

 Vermittler zwischen C.G. Jung und Thomas Mann war aber der Religionswissenschaftler und Mythenforscher Karl Kerényi (1897-1973), der mit Jung zusammen publizierte. Kerényi förderte und begleitete Manns Interesse an Mythologie und Religionsgeschichte. Er zählte über 20 Jahre zu seinen Briefpartnern. Kerényi schickte Mann regelmässig seine Publikationen, auch diejenigen, die er zusammen mit Jung verfasste. In der Nachlassbibliothek von Thomas Mann befinden sich mehrere Bücher von Jung/Kerényi, die mit An- und Unterstreichungen des Schriftstellers versehen sind. Wie die Anstreichungen belegen, hat Thomas Mann die Beiträge von C.G. Jung gelesen und sie auch literarisch verarbeitet, vor allem in seinen Joseph-Romanen (1933-1943) und auch noch im Felix Krull (1954).

 

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C.G. Jung/ Karl Kerényi: Das göttliche Kind in mythologischer und psychologischer Beleuchtung. Albae Vigiliae, H.VI/VII [Amsterdam 1940]. In dem von Jung verfassten Kapitel über Kindgott und Heldenkind finden sich z.B. auf S. 106 Unterstreichungen von Thomas Mann (ETH-Bibliothek, TMA, Signatur: Thomas Mann 2623).

 

Die Nachlässe von Thomas Mann und C.G. Jung liegen heute in der ETH-Bibliothek in Zürich. C.G. Jung hatte von 1933 bis 1941 an der ETH Zürich Psychologie gelehrt, zunächst als Privatdozent, ab 1935 als Titularprofessor. Die Schenkung von Thomas Manns Nachlass an die ETH war laut des damaligen Rektors Karl Schmid eine direkte Folge der Verleihung der Ehrendoktorwürde.

 

Quellen:

Paul Bishop: ‚Literarische Beziehungen haben nie bestanden‘? Thomas Mann und C.G. Jung (Oxford German Studies, 23, 1994, S. 124-172).

Manfred Dirks: Opfergänge. C.G. Jung und Thomas Mann, S. 109-128. In: Das Unbewusste in Zürich. Literatur und Tiefenpsychologie um 1900. Sigmund Freud, Thomas Mann und C.G. Jung. Hg. Thomas Sprecher, Zürich 2000.

Thomas Mann: Briefe II (1914-1923). Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Frankfurt 2004, GKFA 22, 922.

Thomas Mann: Briefe III (1924-1932). Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Frankfurt 2011, GKFA 23.2, 406-408.

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09.05.2014

Flugzeuge fürs Vaterland: Schleppender Start der schweizerischen Fliegertruppen im Ersten Weltkrieg

Filed under: Bildarchiv,Geschichte,Militärwissenschaften — Tags: , — Michael Gasser @ 7:00

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Präsentation des Geschwaders der schweizerischen Fliegertruppen auf dem Flugplatz Dübendorf während des Ersten Weltkriegs, Ende 1915, Anfang 1916 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_05035-033).

Die Technisierung der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg machte auch vor dem Luftraum nicht halt. Die grossen europäischen Militärnationen wie Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und England hatten schon vor 1914 mit dem Aufbau von Luftwaffen begonnen. Mit Kriegsbeginn setzte auch in dieser jungen Truppengattung ein Wettrüsten ein. Die Rüstungsindustrien lieferten sowohl Luftschiffe als auch immer leistungsfähigere Ein- und Doppeldecker, die als Aufklärungsflugzeuge, Jagdflieger oder Bomber eingesetzt wurden. Die Luftwaffen bildeten parallel dazu immer mehr Piloten, Beobachter, Funker und technisches Personal aus.

Ein Blick auf die Entwicklung der Schweizer Luftwaffe im Vorfeld und während des Ersten Weltkriegs zeigt ein gemischtes Bild. Einerseits gehörten zahlreiche Schweizer zur kleinen Gruppe enthusiastischer Flugpioniere, die sich vor 1914 international zusammensetzte und bewegte. So erwarb etwa Oskar Bider sein Fliegerbrevet 1912 an der Fliegerschule der Firma Blériot in Frankreich. Der ETH-Absolvent und später erste Kommandant der Schweizerischen Fliegertruppen, Theodor Real, besuchte 1910/11 die Flugschule des deutschen Flugpioniers August Euler. Zudem erfasste vor Kriegsausbruch eine Mischung aus Flugbegeisterung und Nationalstolz die Schweiz. Vergleichbaren Aktionen in Frankreich und Deutschland folgend, rief 1912 die als privater Verein organisierte Schweizerische Offiziersgesellschaft zu einer nationalen Flugspende auf. Die Aktion wurde nicht zuletzt dank zahlreicher Flugtage zu einem grossen Erfolg. Als Beitrag zum Aufbau einer Fliegertruppe wurden 1,7 Millionen Franken gespendet.

Andererseits tat man sich auf staatlicher Ebene und in der Armeeführung unter General Wille schwer mit der neuen Truppengattung. Unter dem Eindruck der nationalen Flugspende wurden zwar bei Kriegsausbruch Ende Juli 1914 in aller Eile die Schweizerischen Fliegertruppen gegründet und im Dezember auf dem Flugplatz Dübendorf stationiert. Die Aufbauphase aber verlief schleppend. Gewissermassen als Vorgeschmack auf die nachfolgenden Debatten um Tiger-, F/A-18- oder mögliche Gripen-Beschaffungen entspann sich sogar in Kriegszeiten eine langwierige Diskussion um den Kauf bzw. Bau von Flugzeugen. Hauptmann Real plädierte mit der einen Seite für privatwirtschaftliche Rüstungsproduktion und setzte sich für den Kauf von Wild-Maschinen ein. Ihre Gegner wollten mit der Beschaffung von Haefeli-Maschinen die staatliche Rüstungsindustrie fördern.

Anfang 1916 erhielten die Fliegertruppen schliesslich eine Serie von sechs Aufklärern des Typs Wild WT-1. Auf der oben gezeigten Aufnahme der Präsentation des Fliegergeschwaders auf dem Flugplatz Dübendorf sind sie in der zweiten Reihe deutlich zu erkennen. Bemerkenswert ist die Aufnahme vor allem aber deshalb, weil sie mit den Stapeln von Bauholz im Vordergrund schon fast überdeutlich zum Ausdruck bringt, wie stark die Fliegertruppen und deren Infrastruktur in Dübendorf noch im Aufbau begriffen waren. Propagandabilder einer wehrhaften Schweiz im Ersten Weltkrieg, die in ihrem Luftraum Präsenz markiert, sehen anders aus. Beispiele dafür hat aus gegebenem Anlass das Schweizerische Bundesarchiv aus seinem Bildbestand der geografisch-archivistischen Sektion des Armeestabes auf Wikimedia Commons veröffentlicht.

Weitere Bildquellen:
Fotografien im Bildarchiv der ETH-Bibliothek aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Literaturhinweise:
- Kreis, Georg. Schweizer Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Baden, 2013, S. 111-31.
- Urech, Jakob; Hunziker, Emil. Die Flugzeuge der schweizerischen Fliegertruppe seit 1914. 3. Aufl. Stäfa, 1979.
- Renati, Anne-Marie. “Theodor Real (1881-1971)”. In: Schweizer Wegbereiter des Luftverkehrs (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik Bd.67). Meilen, 1998, S. 8-28.

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02.05.2014

Kamogawa-Odori

Filed under: Bildarchiv — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

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Kamogawa-Odori-Postkarte, Recto (Fel_044731-RE)

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Kamogawa-Odori-Postkarte, Verso (Fel_044731-VE)

Diese dreiteilige Postkarte wurde am 2.5.1910 von G. Otomune in Osaka an Adolf Feller in Horgen gesandt. Sie zeigt das Kamogawa-Odori, eine gut einstündige Tanzperformance die alljährlich im ganzen Monat Mai im “Ponto-cho Kaburenjo Theater” in Kyoto aufgeführt wird. In luxuriösen Kimonos gehüllte Geishas stellen durch Ihre Bewegungen die Schönheit Kyotos dar. Die erste Aufführung fand 1872 statt. Seither hat sich die Tradition nun schon mehr als ein Jahrhundert erhalten.

Link:

Kamogawa-Odori Webseite: http://www1.odn.ne.jp/~adw58490/index.htm

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25.04.2014

“Die kokette Physikerin”: Die Montgolfière als skurrile Modeerscheinung

Filed under: Alte und Seltene Drucke — Tags: — Roman Walt @ 8:00

An der letztjährigen Abendführung hatte sich das Team Alte und Seltene Drucke mit den technischen Entwicklung in der Fortbewegung von Reisenden befasst. Getrieben von der Neugierde wurden zuerst zu Fuss, später mit dem Gespannwagen, dem Heissluftballon oder dem Zug immer schneller immer weitere Strecken zurückgelegt.

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Abb. 1: Der Start der Montgolfière “La Gustave” am 4. Juni 1784 in Lyon.

Wir erlauben uns hier das Thema noch einmal aufzugreifen und einen interessanten Nebenaspekt in aller Kürze zu betrachten, nämlich wie zeitgenössische Mode durch solch technische Neuerungen beeinflusst werden konnte. So geschah es, dass Ende des 18. Jahrhunderts ein regelrechter “Hype” um die Ballonfahrt entstand, welcher sich in alle Lebensbereiche ausbreitete. Natürlich blieb auch die Mode nicht verschont, und so sah man “les grand et le peuple” mit Luftfahrt-inspirierter Kleidung durch die Strassen wandeln. Der Wissenschaftler und die Wissenschaftlerin füllten gar gewisse Kleidungsstücke mit Heissluft oder Gas, um der Silhouette einer Montgolfière möglichst nahe zu kommen oder sie wenigstens aufzugreifen…

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 Abb. 2: Zeichnungen eines männlichen und eines weiblichen Physikers mit gas- oder luftgefüllten Kleidungsstücken

Gewiss sind diese Karikaturen der “koketten Physikerin” oder des “Kleinen Meister-Physikers” überspitzt gezeichnet und dienen der Belustigung. Aber wie jede gute Karikatur spiegeln auch diese in ihrem Kern die Realität wider: So sah man ab 1783 durchaus Damen mit Kopfbedeckungen “à la Montgolfier” oder “à l’Air inflammable”, die Herren trugen bestickte Vesten “au ballon” und der Adel feine Handschuhen, bestickt mit Motiven der ersten bemannten Ballonfahrten. Hinzu kamen diverse Accessoires wie geprägte Schnupftabakdosen oder Säbelgriffe sowie Broschen und Taschen welche mit Motiven der Montgolfière oder anderen Luftfahrt-Elementen versehen wurden. Auch wenn die Kleidung wohl nicht wirklich mit Gas gefüllt wurde, so führte die Begeisterung um die Luftfahrt auch so zu heute eher skurril anmutenden Modeerscheinungen.

 

Abbildungen aus dem ersten Band der Histoire des ballons et des aéronautes célèbres von Gaston Tissandier.

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18.04.2014

Wilder Westgeologe – Zum 190. Geburtstag von Jules Marcou (1824 – 1898)

Filed under: Geographie und Karten,Geologie,Geschichte,Hochschularchiv ETHZ,Paläontologie — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Wann immer die Anfänge der heutigen ETH erzählt werden, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf ein paar ausländische politische Flüchtlinge sowie wenige einheimische Staatsmänner und Forscher. Einer fehlt regelmässig im Erinnerungsreigen der mehr oder minder Berühmten, keineswegs ein unscheinbares Mauerblümchen, im Gegenteil: Jules Marcou, Pionier der nordamerikanischen Geologie.

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Jules Marcou, Foto : Pach Bro’s, New York USA, 1883 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_09635)

Marcou wurde am 20. April 1824 als jüngstes von drei Kindern eines öffentlichen Angestellten und dessen Frau in Salins im französischen Jura geboren. Er besuchte 1842-1843 höhere Schulen in Besançon und Paris, scheiterte bei der Abschlussprüfung und verzichtete krankheitshalber auf einen weiteren Versuch, publizierte aber eine Arbeit über ein mathematisches Thema. Zurück in Salins lernte er 1844 den Arzt Claude-Marie Germain kennen, Amateurgeologe und Fossiliensammler, der ihn auf seine Exkursionen im Jura mitnahm und in die Grundlagen der Geologie einführte. Nach umfassender Lektüre von Fachliteratur entwickelte Marcou ein eigenes System der zeitlichen Abfolge von Gesteinsschichten, mit dem er die Sammlung seines Mentors ordnete. Dieser machte ihn mit dem aus Porrentruy im Schweizer Jura stammenden Naturforscher Jules Thurmann bekannt, der seinerseits Marcou dem renommierten Paläontologen und Glaziologen Louis Agassiz in Neuchâtel vorstellte. In dessen neugegründetem Fachorgan konnte Marcou 1845 seine erste geologische Arbeit publizieren. 1846 referierte Marcou in Paris vor der Société Géologique de France über seine „Recherches géologiques sur le Jura salinois“. Er erhielt eine Assistenzstelle für Naturgeschichte an der Sorbonne, wechselte in den „Jardin des Plantes“ und wurde hier im Januar 1848 auf Empfehlung von Agassiz zum Forschungsreisenden für eine dreijährige Expedition in Nordamerika ernannt.

Nach einmonatiger Schiffsreise anfangs Mai in New York gelandet, zog Marcou weiter nach Boston und Cambridge zu Agassiz, der da seit 1846 als Professor für Zoologie und Geologie wirkte. Er schloss sich einer Exkursion seines Förderers und dessen Studenten zu den grossen Seen an, erkundete danach allein den Nordosten der USA, die Niagarafälle und den Osten Kanadas. 1850 heiratete er Jane Belknap. eine reiche Erbin, mit der er im Laufe der Jahre drei Kinder hatte. Durch die Heirat materiell abgesichert kündigte er die Stelle beim „Jardin des Plantes“, konnte künftig unabhängig von offiziellen Institutionen forschen und seine Ergebnisse bei Bedarf auch ohne das Entgegenkommen wissenschaftlicher Organe publizieren. Auf der Basis seiner Exkursionen und vorhandener Publikationen anderer Geologen veröffentlichte er 1853 in Boston die erste geologische Übersichtskarte über die Vereinigten Staaten.

Im selben Jahr nahm Marcou das Angebot an, als Geologe an der staatlichen Expedition nach Westen entlang dem 35. nördlichen Breitengrad zur Planung einer künftigen transkontinentalen Eisenbahnlinie teilzunehmen. Nach 4000 Kilometern in 10 Monaten erreichte der Tross Ende März 1854 die Pazifikküste bei Los Angeles. Damit war Marcou der erste Geologe, der den ganzen Kontinent von Osten nach Westen durchquert hatte. Er reiste weiter in den Norden, besuchte dort – in der Ära des Goldrauschs – die Goldminen, schiffte sich ein nach Süden, überquerte mit Maultier und Bahn die Landenge von Panama und gelangte per Schiff zurück nach Boston im Mai 1854. Da er sich in den Tropen Panamas eine hartnäckige Krankheit zugezogen hatte,  reiste er mit der Familie zur Erholung nach Europa ins heimatliche Salins.

Im Bulletin der Société Géologique de France veröffentlichte er 1855 eine neue geologische Karte zusammen mit einem Geländeprofil vom Tal des Mississippi bis zum Pazifik, mit Begleittext und Zeichnungen von Fossilienfunden. Weiter skizzierte er in den Annales des Mines eine Klassifikation der Bergketten, die er bereist hatte. Während bisher angenommen worden war, die westlichen Gebiete Nordamerikas bestünden aus erdgeschichtlich jungen Gesteinsformationen, hatte Marcou Formationen aus verschiedenen, auch älteren Erdzeitaltern vorgefunden und zudem jurassische Ablagerungen, die ihn an diejenigen seiner Heimat erinnerten. Die geologische Vergleichbarkeit der „neuen“ Welt mit der „alten“ war eine Sensation, die den Nationalstolz mancher amerikanischer Geologen irritierte. In den USA erschien erst 1856 eine von Marcou nicht autorisierte Edition der Rohfassung seines Expeditionsberichts an die staatlichen Stellen mit Eingriffen von fremder Hand.

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Aus: Jules Marcou, Résumé explicatif d’une carte géologiques des Etats-Unis et des provinces anglaises de l’Amérique du Nord, avec un profil géologique allant de la vallée du Mississippi aux côtes du Pacifique, et une planche de fossiles, Bull. Soc. Géol. France, 1855 (2), XII, pp. 813-936, 1 carte. (ETH-Bibliothek, Signatur: P 81457 SER.2: 12 (1854/1855) )

Inzwischen war in der Schweiz 1854 das Eidgenössische Polytechnikum gegründet worden. Dessen Leitung hatte grösste Mühe, mit knappem Budget die vorgesehenen Professuren für Geologie, Paläontologie und Mineralogie adäquat zu besetzen und dabei gleichzeitig die innenpolitisch gebotene Vertretung der zweiten Landessprache Französisch zu berücksichtigen. Da erhielt Bernhard Studer, Schulratsmitglied und Mineralogieprofessor in Bern, von seinem Kollegen Elie de Beaumont, Geologe und ständiger Sekretär der Académie des Sciences, aus Paris im November 1855 den Hinweis auf Marcou. Studer nahm sofort mit diesem Kontakt auf und schrieb am 3. Dezember an seinen Zürcher Freund Arnold Escher, der ebenfalls für eine der zu besetzenden Professuren vorgesehen war:

„Das Ding scheint sich mir am Ende noch gut genug zu gestalten. Marcou von Elie de B. empfohlen, erbietet sich für Fr. 2000 J. Paläontologie zu übernehmen und allenfalls auch einen französischen Cours über Geologie zu lesen, so dass noch Fr. 2 bis 3000 für einen deutschen Mineralogen bleiben, […] sei so gut einstweilen deinen Mund zu halten, sonst könnte die Sache wieder ins Wasser fallen […].“

Offiziell wurde Studer vom Schulratspräsidenten erst am 10. Dezember 1855 beordert, „sich zu vergewissern, ob Herr Marcou in Salins die Lehrstelle für Paläontologie provisorisch zu übernehmen geneigt wäre“. (SR2, Präsidialverfügungen 1855, Nr. 390, 10. Dezember 1855).

Der Umworbene war trotz angeschlagener Gesundheit geneigt, wohl nicht zuletzt deshalb, weil er als weitgehend autodidaktischer Privatgelehrter ohne jegliche Studienabschlüsse endlich eine akademisch anerkannte Position in der Wissenschaftswelt erhielt. Im März 1856 wurde er zum Professor für Paläontologie und Geländegeologie gewählt. Am 30. April hielt er die Eröffnungslektion seines Kurses über Paläontologie, die er drucken liess. Darin erklärt er die Geologie zur Grundlage des technischen und kulturellen Fortschritts, zählt zahlreiche Namen schweizerischer Naturforscher mit ihren Verdiensten von den Anfängen bis in die damals jüngste Gegenwart auf, macht auf die notwendige Aufteilung des Forschungsgebietes in Spezialdisziplinen aufmerksam, kommt schliesslich auf die Paläontologie und deren Spezialisten zu sprechen mit detaillierten Literaturangaben.

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Jules Marcou, Ecole Polytechnique Fédérale, Cours de Géologie paléontologique, Leçon d’ouverture, Zurich 1856. Widmungsexemplar für Oswald Heer, Professor an der ETH und Universität Zürich. (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81797).

Damit hatte er sich offenbar zu viel zugemutet, denn schon eine Woche später wurden ihm 14 Tage Krankheitsurlaub gewährt. Im folgenden Wintersemester 1856/57 behandelte er Geschichte, Konstruktion und Kolorieren geologischer Karten und Schnitte. Doch am 22. Januar 1857 ersuchte er wieder um Urlaub auf unbestimmte Zeit wegen seines schlechten Gesundheitszustands infolge der Strapazen seiner vielen Reisen. Als seinen Stellvertreter schlug er den frisch habilitierten, zweisprachigen Charles Mayer vor, der auch französische Vorlesungen halten könne. Obwohl reglementarisch eine Stellvertretung zu Lasten des Polytechnikums gegangen wäre, bot Marcou an, ¾ seines Gehaltes an Mayer abzutreten. Das für die Lehranstalt vorteilhafte Arrangement, ersparte es ihr doch die Mühe der kurzfristigen Suche einer geeigneten Ersatzkraft und die zusätzlichen Kosten, wurde am 5. Februar bewilligt. Die finanzielle Umsetzung klappte allerdings nicht. Wie aus dem Brief Marcous an Mayer vom 22. September 1857 hervorgeht, hatten weder er noch Mayer bis dahin Geld vom Polytechnikum erhalten, so dass Marcou nach Reklamation beim Schulrat kurzerhand seinen Bankier in Paris anwies, Mayer den ihm zustehenden Betrag zukommen zu lassen.

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Jules Marcou an Charles Mayer, Zürich 22. September 1857  über die bis dahin vom Polytechnikum noch nicht bezahlte Entschädigung an Mayer für die Stellvertretung des erkrankten Marcou

Marcou hatte im Sommer 1857 seine Lehrtätigkeit vermutlich wieder aufgenommen. Wohl gestützt auf die Bewilligung für unbefristeten Urlaub Anfang Jahr oder in der Annahme, wenn er denn seinen Stellvertreter aus eigener Tasche bezahlen müsse, sei eine Information der Obrigkeit nicht dringlich, hatte Marcou im Wintersemester 1857/58 seine Veranstaltungen zunächst stillschweigend wiederum an Mayer abgetreten. Nach Ansicht des für Unterrichtsbelange zuständigen Direktors Joseph Wolfgang von Deschwanden war aber dazu eine neue offizielle Bewilligung nötig. Daher erneuerte Marcou „auf Einladung des Schulrates“ am 11. November 1857 sein Gesuch um unbefristeten Urlaub, der ihm wieder unter denselben Bedingungen wie beim letzten Mal gewährt wurde.

Im Sommer 1858 las Marcou über die Paläontologie der Juragebirge, wofür sich bei Semesterbeginn nur gerade ein Student interessierte. Marcou schrieb deshalb an Direktor von Deschwanden, dieser möge weiteren Interessenten die genauen Unterrichtszeiten und Lokalitäten anzeigen, denn mangels eines eigenen Gebäudes – Sempers Repräsentationsbau war erst ab 1864 bezugsbereit – fanden die Vorlesungen des Polytechnikums an verschiedenen über die Stadt verstreuten Orten statt. Ob die Resonanz der Veranstaltung sich danach verbesserte oder nicht, ist unbekannt. Marcou reichte jedenfalls am 21. Juni 1858 noch mitten im laufenden Semester sein Entlassungsgesuch ein mit der Begründung, dass eine Kehlkopfentzündung ihm langes Sprechen vor Publikum verunmögliche. Nach Behandlung des Gesuches durch den Schulrat und den Bundesrat im August wurde Marcou auf Ende September verabschiedet.

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Jules Marcou 1972, Foto: A. Sonrel, Boston USA. Herkunft: Bibliothèque National de France BNF. Fundort: http://www.christianboyer.com/philatelie/SocietesArticles.htm, Le Timbrophile, n°7, 15 mai 1865, pages 55 et 56.

Die Polytechnikums-Festschrift von 1905, die erste und letzte, die Marcou nicht nur im Personenregister oder gar nicht erwähnt, verdächtigt ihn, der Lehrtätigkeit überdrüssig gewesen zu sein und die Krankheit nur vorgeschoben zu haben, um sich wieder mehr der Forschung widmen zu können. Marcou bemerkte allerdings 14 Jahre nach seinem Rücktritt in einem Brief vom 2. Mai 1872 an Arnold Escher , er habe lange Zeit an einer Kehlkopfkrankheit gelitten, was der Hauptgrund für seine Demission gewesen sei. Die Krankheit war somit keine Ausrede gewesen, doch konzentrierte Marcou die ihm verbleibende Energie tatsächlich wieder ganz auf die Forschung, insbesondere auch auf die Verteidigung seines wissenschaftlichen Rufs.

Unterdessen hatten sich nämlich einige etablierte amerikanische Geologen gegen ihn formiert. Sie bezweifelten seine Neuentdeckungen, bestritten die Zuschreibungen der von ihm gesammelten Gesteinsproben und erklärten seine Übersichtskarte für unbrauchbar. Marcou konterte scharf. In einem offenen Brief widersprach er seinen Widersachern Punkt für Punkt und meinte unverblümt:

„[…] I profess the doctrine that geologists must see with their own eyes in order to decide the difficult questions of the science […]. Finally, I maintain all the observations contained in my preliminary report […] as exact, notwithstanding all the objections advanced against them. From your experience of the Indian Country, you will probably agree with me, that it is much easier to make objections from a comfortable room in a large town, than to observe in the wilderness of the Rocky Mountains; and you will permit me to suggest, that it would be better for the Science if my adversaries would go themselves on the field and follow my route near the 35th parallel, instead of making a show of their powers of argument in Silliman’s Journal, or at the meetings of scientific associations.”

Der Redaktor des Silliman Journal (American Journal of Science) suggerierte darauf, Marcou schmücke sich mit einem nicht existenten staatlichen Titel (sei also ein Hochstapler), seine Entdeckungen seien entweder nicht neu oder dann komplett falsch, und stellte Marcous wissenschaftliche Kompetenz überhaupt in Frage. Nun sah Marcous einflussreicher und wissenschaftlich hoch angesehener Gönner Agassiz sich genötigt, in die Debatte einzugreifen. Unter Androhung künftig nicht mehr mit dem Journal zusammenzuarbeiten, zwang er den widerspenstigen Redaktor, einen öffentlichen Antwortbrief ohne die redaktionell vorgeschlagenen Abschwächungen zu drucken. Darin wies Agassiz die Kritiker seines Schützlings in die Schranken mit dem Hinweis, dieser sei einer der weltbesten Kenner jurassischer Gebirgsformationen und ihm allein käme die Priorität neuer geologischer Entdeckungen in den westlichen amerikanischen Gebieten zu. Damit war der Streit nicht beigelegt. Marcou und seine Feinde liessen bis an ihr Lebensende keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig aufs heftigste zu attackieren.

1860 kehrte Marcou in die USA zurück, unterstützte Agassiz ehrenamtlich beim Aufbau des neuen Naturhistorischen Museums in Cambridge und verlegte sein Forschungsfeld in die Appalachen. 1861 veröffentlichte er eine geologische Weltkarte, die er 1873 revidierte. 1864-1875 lebte er wieder in Frankreich, erhielt 1871 das Ritterkreuz der Ehrenlegion, kehrte 1875 in die USA zurück und nahm an seiner letzten staatlichen Expedition in den Süden Kaliforniens teil. Retour in Frankreich 1878-1881 kritisierte er als einer der ersten das Panama-Kanalprojekt ohne Schleusen von Ferdinand de Lesseps aus geologischen sowie humanitären Gründen als nicht durchführbar und als Betrug an den Geldgebern. 1889 scheiterte das Projekt tatsächlich. 1881 reiste Marcou endgültig in die USA, schrieb unter anderem in den 1890er Jahren eine zweibändige Biografie über Agassiz und starb am 17. April 1898 an Lungenentzündung in Cambridge. Mit der Schweiz war er zeitlebens weiter verbunden geblieben, wie eine Reihe von Briefen an verschiedene alte Freunde und neue Kollegen belegt. Mit ihrem herzlichen Ton voll warmer Anteilnahme am Alltag der Empfänger und von gemeinsamen Bekannten kontrastieren sie auffallend zu Marcous verletzenden Streitschriften an die Adresse seiner Gegner.

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Vergrösserung des Emblems aus dem Briefkopf  des Schreibens von Jules Marcou an Arnold Escher, Cambridge/Mass. 13.12.1871 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 4:1050): Zwischen den Initialen J und M Marcous gekreuzte Werkzeuge, der Geologenhammer für die Feldforschung, die gespitzte Schreibfeder zum Notieren der Ergebnisse, auch interpretierbar als Giftpfeil gegen Gegner. Unter den Werkzeugen ein Erdkreis mit Kartennetz, Marcous Forschungsgebiet.

 

Hinweise:

Marcou, Jules: American Geology. Letter on some point of the geology of Texas, New Mexico, Kansas, and Nebraska; adressed to Messrs. F.B. Meek and F.V. Hayden, Zurich 1858 (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81797). Daraus Zitate, pp. 10 und 13f.

Marcou, Jules: Replay to the Criticisms of James D. Dana, including Dana’s two articles with a letter of Louis Agassiz, Zurich 1859 (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81499).

Im Hochschularchiv der ETH an der ETH-Bibliothek wird das historische Schulratsarchiv aufbewahrt mit den Unterlagen zu Marcous Professur. Weiter sind in verschiedenen wissenschaftlichen Nachlässen von Professoren Briefe von Marcou zu finden.

Durand-Delga, Michel/Richard Moreau: Un savant dérangeant: Jules Marcou (1824-1898), géologue français d’amerique. In : Travaux du comité français d’histoire de la géologie (COFRHIGEO), troisième série, t. VIII, 1994, no 6 (séance du 30 novembre 1994), pp. 55-82.

Durand-Delga, Michel/Richard Moreau: Jules Marcou, précurseur français de la géologie nord-américaine. In : La Vie des Sciences, 13 (+), 1996, pp. 59-83.

 

 

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11.04.2014

Zum 125. Geburtstag von Charles Chaplin am 16. April

Filed under: *Bestände,Bildarchiv — Roland Lüthi @ 7:00

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Charles Chaplin, 16.4.1961 in Corsier (Com_C10-78-001)

Das Bild aus dem Bestand der Fotoagentur Comet zeigt Charles Chaplin bei seinem 72. Geburtstag am 16. April 1961 im Park des Manoir de Ban in Corsier bei Vevey. Der gebürtige Brite und längere Zeit in den USA lebende Filmstar und Produzent hatte das stattliche Anwesen 1953 erworben und lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1977. In seinen Memoiren, die er in den frühen 60er Jahren verfasste, betonte er mehrmals, dass er sich in der Schweiz sehr wohl fühlte:

Friends have asked me if I miss the United States – New York? In candour I do not. America has changed, so has New York.The gigantic scale of industrial institutions, of press, television and commercial advertising has completely divorced me from the American way of life. I want the other side of the coin, a simpler personal sense of living… (My autobiography, S. 523).

With such happiness, I sometimes sit out on our terrace at sunset and look over a vast green lawn to the lake in the distance, and beyond the lake to the reassuring mountains, and in this mood think of nothing and enjoy their magnificent serenity (My autobiography, S. 528).

2015 soll im Manoir de Ban ein Chaplin-Museum eröffnet werden. Dieses wird neben der Ausstellung von Briefen, Bildern, Filmmaterial und Objekten auch ein Kulturzentrum mit Wechselausstellungen und ein Kino beherbergen.

Literatur:

Charles Chaplin: My autobiography (London: The Bodley Head, 1964)

Link:

http://www.manoirdeban.com/

 

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04.04.2014

Panorama des Ober-Engadins von 1833

Filed under: Geographie und Karten,Karten — Tags: , , — Susanne Zollinger @ 10:00

Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin

 Abb. Ausschnitt aus: Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin / nach der Natur gezeichnet auf der Höhe Muottas des Mittelberges bey Samaden von E. E. Schaffner, 1833

Auf das wunderbare Panorama von E. E. Schaffner Bezug nehmend, verfassen Arnold Escher von der Linth und Bernhard Studer in der Einleitung ihres Berichts zur  ‘Geologische Beschreibung von Mittel-Bündten‘ um 1830 folgenden Abschnitt:

Es fühlt sich der Reisende, der, aus den heissen Seitenthälern der Lombardie, die Höhe der Engadinerpässe erreicht, wunderbar ergriffen, wenn hier, wo er nur die schmale Scheidecke zwischen zwei Abhängen zu überschreiten gedachte, sogleich nun die Hochebene des Oberengadins vor ihm sich ausbreitet, mit ihrer Reihe von See’n, ihren Wiesen mit alpinischer Flora bewachsen, ihren städtischen, von Reichthum und Luxus zeugenden Dörfern; und er das schöne Thal umschlossen sieht von Gebirgen, an denen der sparsame Wald nur wenig sich über den Thalboden zu erheben vermag, und nicht weit unter den Schneelehnen der höheren Felsgräte zurückbleibt.

In der Tat ist der Betrachter überwältigt vom Anblick der lieblichen Landschaft und des stattlichen Dorfs Samedan inmitten des grossartigen Bergpanoramas – und erschrickt sogleich, wenn er sich vorstellt, wie sich die Landschaft, von Muottas Muragl aus gesehen, heute präsentiert. Durch Anklicken des Bildes lässt sich das vollständige Panorama mit seiner 360 Grad Rundumsicht auf e-rara, der Plattform für digitalisierte Schweizer Drucke des 15. bis 19. Jahrhunderts der Schweizer Bibliotheken, betrachten.

Mit ihrem Detailreichtum sind Panoramen eindrückliche Zeugen der Veränderung unseres Siedlungsraumes und unserer Kulturlandschaft. Das Kartenzentrum Zürich lädt am 6. Mai 2014 zu einer Abendführung zum Thema Panoramen ein. Lassen Sie sich überraschen und tauchen Sie ein in die Welt dieses faszinierenden Mediums.

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02.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – April statt May

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Nein, der Schriftsteller Karl May studierte nicht am Eidgenössischen Polytechnikum, der heutigen ETH Zürich, jedenfalls nicht nachweislich. Der Blog-Eintrag „Ein Schuss ein Schrei – Stud. Ing. Karl May“ war ein Scherz zum 1. April.

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Studentendossier von August Aeppli, Seite 2 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1)

Das angebliche Aktenstück ist eine Bildmontage unter Verwendung des Studentendossiers von August Aeppli (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1) und der Unterschrift aus einer Kopie aus dem Jahr 1965 des Briefes aus Zürich vom 20. März 1876 von Charles/Karl Mayer-Eymar (1826-1907), Professor für Paläontologie an der Universität Zürich und Privatdozent am Eidgenössischen Polytechnikum, an Bernhard Studer (1794-1887), Mineralogieprofessor an der Universität Bern (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277: 1075). Das Original des Briefes liegt übrigens in der Burgerbibliothek Bern.

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Charles/Karl Mayer-Eymar an Bernhard Studer, Zürich, 20. März 1876, letzte Seite (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277:1075).

Das Erinnerungsbild des 3. Kurses der Ingenieurschule am Eidgenössischen Polytechnikum aus dem Jahr 1862 ist dagegen echt. Allerdings zeigt der Ausschnitt nicht Karl May, sondern eine nicht identifizierte Person.

Zürich, ETH Zürich, Ingenieurschule, 3. Kurs

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Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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01.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – Stud. Ing. Karl May

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Karl May am Eidgenössischen Polytechnikum 1860/61 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK/1/1/0)

Vor zwei Jahren wurde der 100. Todestag des Abenteuerromanautors Karl May (1842-1912) in den Medien ausgiebig begangen. Ein deutscher Finanzpolitiker, begeisterter Leser von Mays Wildwestgeschichten, wollte gar die Kavallerie ins Nachbarland der Alpenindianer reiten lassen, um dort frei nach der Erzählung „Der Schatz im Silbersee“ vor dem Fiskus versteckte Vermögen germanischer Bleichgesichter auszuheben.

„Der Schatz im Silbersee“, als Buch erstmals 1894 vor 110 Jahren erschienen, spielt wie weitere Wildwestwerke vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen Erschliessung des nordamerikanischen Kontinents mit Bahnlinien. Schienenbau und Überfälle von Eingeborenen auf das „Feuerross“ oder von weissen Banditen auf Dampfeisenbahnzüge sind wiederkehrende Handlungsmotive. Im ersten Band der „Winnetou“ Trilogie wird ein aus Deutschland eingewanderter Hauslehrer, der spätere Old Shatterhand, aufgrund seiner Vorkenntnisse nach gründlicher Prüfung von der Atlantic and Pacific Railroad Company als Vermessungsingenieur angestellt.

Woher hatte Karl May sein technisches Wissen? Ein Hinweis findet sich in den Akten der Studierenden der ETH Zürich. Ein Einschreibebogen belegt, dass Karl May im Wintersemester 1860/61 am Eidgenössischen Polytechnikum den mathematischen Vorkurs besuchte. Einige Semester später ist er abgelichtet auf der Erinnerungsfotografie des 3. Kurses der Ingenieurschule von 1862 im Kreise seiner Kommilitonen und Professoren, vor der Kulisse des kurz zuvor erbauten Wipkinger Eisenbahnviadukts und der dahinter liegenden Stadt Zürich mit dem See und den Voralpen in der Ferne.

Zürich, ETH Zürich, Ingenieurschule, 3. Kurs

Ausschnitt aus: Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs 1862

Portr_10676-FL

Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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