Zirkus KNIE – Bilderwelt zwischen Heimat und Exotik

Der Zirkus Knie feiert 2019 sein hundertjähriges Jubiläum. Damit verkörpert und betreibt der Schweizer National-Circus schon seit Generationen mit Erfolg einen Gegenentwurf zum normalen helvetischen Alltag. Denn mit Knie verbindet man ein Leben im Wohnwagen, Dressur und Artistik unter dem Zeltdach, glitzernde Kostüme, Prominenz in und am Rand der Manege, eine Familiendynastie im Rampenlicht. Die Fotobestände des Bildarchivs der ETH-Bibliothek geben Einblick in diese Zirkuswelt und in die Geschichte ihrer Darstellung und Motive. Es ist eine Bilderwelt zwischen Heimat und Exotik.

Das Zirkuszelt von oben

Ein grosses Zelt ist das augenfälligste Merkmal eines Zirkus. Das sahen auch die Brüder Friedrich, Rudolf, Karl und Eugen Knie so, als sie 1918 ein erstes Zelt mit 3’000 Plätzen in Auftrag gaben. Erst dieses 1919 eingeweihte Zelt machte aus der Freiluft-Gauklertruppe Knie den neu gegründeten Cirque Variété National Suisse Frères Knie.

Als extravagantes Wahrzeichen des Zirkus auf Wanderschaft ist Knies Zelt auch aus der Luft gut zu erkennen. Regelmässig taucht es als prominentes Motiv auf Luftbildern der Jahre 1946 bis 1994 auf. Dazu gehören Aufnahmen der angestammten Standplätze auf der Rosentalanlage in Basel, der Luzerner Allmend und dem Sechseläutenplatz in Zürich. In manchen Fällen geben die Bilder auch den Blick frei auf die durchdachte Organisation der Transport- und Wohnwagen rund um das Zirkuszelt.

Zürich, Bellevue, Zirkus KnieLuftbild Schweiz / Fotograf: Friedli, Werner: Zürich, Bellevue, Zirkus Knie, 8.5.1968 (LBS_H1-027918)

Luzern-Allmend, Zirkus-KnieLuftbild Schweiz / Fotograf: Swissair Photo AG: Luzern-Allmend, Zirkus Knie, 4.8.1994 (LBS_L1-941054)

Prominente Gäste

Im Zelt richtet sich die Kamera gerne auf Prominenz. Als etwa Charlie Chaplin mit seiner Familie in den 1960er Jahren den Zirkus Knie besucht, wird dieses Ereignis selbstverständlich von Pressefotografen festgehalten.

Charlie Chaplin im Cirkus KnieComet Photo AG: Charlie Chaplin mit Familie im Zirkus Knie, ca. 1964 (Com_L13-0310-0018)

In den 1970er Jahren begann der Zirkus Knie damit, bekannte Namen aus der Schweizer Kleinkunstszene als Gäste auftreten zu lassen. Die mediale Aufmerksamkeit für die bald legendären Auftritte von Dimitri (1970, 1973 und 1979) oder Emil (1977) war riesig, die Tourneen waren ausverkauft. Dem Modell, über bekannte Gäste das Publikum anderer Sparten für den Zirkus zu gewinnen, ist der Zirkus Knie bis zum aktuellen Jubiläumsprogramm mit Viktor Giacobbo und Mike Müller treu geblieben.

Zirkus Knie, Emil SteinbergerComet Photo AG: Emil Steinberger als EMIL im Zirkus Knie, 1977 (Com_LC1029-006) 

Elefanten als Botschafter

Auf Druck des Tierschutzes und des sich verändernden Publikumsgeschmacks verschwanden im 21. Jahrhundert Nummern mit Wildtieren schrittweise aus dem Programm. Zuvor aber gehörten Dressuren mit Raubkatzen, Seelöwen, Affen und anderen Tieren über Jahrzehnte zum Zirkus Knie. Vor allem die Elefanten waren eine grosse Attraktion. Entsprechend wurden sie häufig auch als Werbeträger und Botschafter ausserhalb der Manege eingesetzt und wahrgenommen. So etwa bei einer Parade durch die Zürcher Altstadt, beim Verlad in Eisenbahnwaggons oder beim Knie-Gastspiel an der Expo 64 in Lausanne.

Expo-Hostessen mit Elefant des Zirkus KnieComet Photo AG: Hostessen der Expo 64 in Lausanne mit Elefant des Zirkus Knie, April 1964 (Com_C12-229-007)

Blick hinter die Kulissen

Aber auch die Welt jenseits der Manege interessiert die Öffentlichkeit: Wie sieht eigentlich das Leben eines Wanderzirkus auf Tournee aus? Wer sorgt für den Auf- und Aufbau des riesigen Zeltes? Wie verläuft ein Transport von Ort zu Ort? Gehen die Kinder zur Schule? Solche und ähnliche Fragen sind Gegenstand von Fotoreportagen über die Zirkuswelt. Die archivierte Reportage «Zirkus Knie: rund um den Zirkus» der Zürcher Fotoagentur Comet von 1951 ist das Resultat eines solchen Blicks hinter die Kulissen. Was immer die Erwartungen gewesen sein mögen, präsentiert wird ein zwar ungewöhnlicher, aber bestens organisierter, ordentlicher Betrieb mit effizienter Arbeitsteilung. Und spätestens eine weitere Reportage aus dem Jahr 1964 lieferte den Beweis: Selbstverständlich hatte der Schweizer National-Circus eine eigene, fahrende Schule.

Zirkus Knie : rund um den ZirkusComet Photo AG: Bild aus der Reportage «Zirkus Knie: rund um den Zirkus», März 1951 (Com_M01-0252-0006)

Knie's fahrende Schule für Zirkus KinderComet Photo AG, Fotograf: Gerber, Hans: Bild aus der Reportage «Knie’s fahrende Schule für Zirkus Kinder», ca. 1964 (Com_C14-029-003)

Weitere Bildmotive aus der Welt des Zirkus Knie gibt es auf E-Pics Bildarchiv Online zu entdecken – viel Vergnügen!

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