Ein Blick in die Tiefe

Unter der Oberfläche verborgen liegen die Ursprünge unserer Erde. Geologische Karten bilden diese Situation ab und ermöglichen so überraschende Erkenntnisse zu Zusammenhängen und Entstehungsgeschichten. Im Bestand der ETH-Bibliothek finden sich tausende solcher, meist eher moderne geologische Karten aus der ganzen Welt. Und doch lassen sich auch etwas ältere Schätze finden, Exemplare aus den Anfängen der geologischen Karten der Schweiz. Eine davon wurde von einem Mediziner veröffentlicht.

Es ist die Karte Geognostische Karte der Alpen in Savoyen und der Schweitz in einem Theile von Deutschland, Frankreich, Piemont und der Lombardei. Der polnische Arzt Johann Gottfried Ebel (1764 – 1830) hat die Karte als Beilage zu seinem Werk Ueber den Bau der Erde in dem Alpen-Gebirge zwischen 12 Längen- und 2-4 Breitengraden […] (1808) herausgegeben.

Ebel war nach seinem Medizinstudium öfters in der Schweiz auf Reisen und hat dazu sowohl einen zu seiner Zeit erfolgreichen Reiseführer als auch eine Schriften zu den Gebirgsvölkern der Schweiz (wobei nur die Teile zu Appenzell und Glarus erschienen sind) verfasst.

Zur Geologie und Kartografie kam Ebel nebst seinen Reisen und dem allgemeinen Zeitgeist zur Relevanz der Geologie um die Jahrhundertwende vor allem durch seinen regelmässigen Kontakt mit Hans Konrad Escher von der Linth (1767 – 1823) bei seinen Aufenthalten in Zürich.

Abb. 1: Die Geognostische Karte der Alpen […] nach Ebel in der Übersicht

Die Karte selbst wurde nicht von Ebel selbst, sondern «von einem der geschicktesten Kartenzeichner unter den Augen des Verfassers verfertigt» (Ebels 1808, S. XVII). Gemeint ist der Schweizer Kupferstecher Jakob Scheuermann (1770-1844), welcher diverse Karten für bekannte Kartografen gestochen hat.

Interessant an der vorliegenden geologischen Karte ist, dass sie erstmals in einer hohen Genauigkeit und flächendeckend über die Schweiz und angrenzende Gebiete vom Schwarzwald bis zum Südrand der Alpen die Geologie der Alpen darstellt und so wesentlich zu Erkenntnissen hinsichtlich deren Entstehung beiträgt.

Als Besonderheit kann die Verzeichnung des Alpenkamms gesehen werden: Je nach wissenschaftlicher Disziplin ist diese für die Geologen (Entstehung der Alpen), Hydrologen (Wasserscheide, Abfluss- und Einzugsgebiete) oder Meteorologen (Wetterrelevanz) von Bedeutung.

Abb. 2: Der Alpenkamm (orange Linie) durch die Westalpen umfasst auch den Mont Blanc und die Dufourspitze.

Auf Punktinformationen, welche auf früheren geologischen Karten üblich waren, wird aber weitgehend verzichtet. Eine Ausnahme bilden die «Flötztrapp-Kuppen», die vulkanischen Bergkegel um Hohentwiel (D).

Abb. 3: Die verzeichneten «Flötztrapp-Kuppen» um Hohentwiel nahe Schaffhausen.

Auch wenn Ebels Erkenntnisse der geologischen Beobachtungen von zeitgenössischen Geologen (u.a. auch von Hans Conrad Escher selbst) bestritten wurden: Die Reiselust von Ebel – welcher sich 1810 in Zürich niedergelassen hat – und sein Interesse an der Entstehung der Alpen beschert uns eine der ersten, genaueren Übersichtskarten der Geologie der Schweiz und insbesondere der Alpen für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese wurden dann später natürlich korrigiert, verfeinert und weiterentwickelt (u.a. durch Arnold Escher von der Linth, Oswald Heer, Albert Heim, Peter Meiran, etc.).

Im Rahmen der Abendführung «Verborgenes ans Licht bringen – Ein Blick unter die Erdoberfläche mit geologischen Karten» werden am 16. April diese und weitere historische und moderne geologische Karten interessierten Besucherinnen und Besucher vorgestellt.

Literatur

Ebel, Johann Gottfried (1808): Ueber den Bau der Erde in dem Alpen-Gebirge zwischen 12 Längen- und 2-4 Breitengraden. [Zürich]: [Orell, Füssli und Compagnie], [1808]. https://doi.org/10.3931/e-rara-19946

Franks, Sibylle et al. (2000): Aus der Frühzeit der alpinen Geologie: Johann Gottfried Ebels Versuch einer Synthese (1808). Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Zürich, 203 (2001).

Heitzmann, Peter (2008): Die ersten geologischen Karten der Schweiz 1752-1853, in: Cartographica Helvetica 38, S.  21 – 36. http://dx.doi.org/10.5169/seals-17147

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