„Eher fahre ich in die Hölle als in die Ehe“; ‘Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie’ von Max Frisch

Max Frisch schreibt seinen “Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie” im Jahr 1952 in nur wenigen Wochen. Anders als seine literarischen Vorgänger greift Frisch zwar die klassische Don Juan-Sage auf, stellt den Mythos des Frauenverführers und am Ende in die Hölle fahrenden Frevlers aber komplett auf den Kopf.

Bei Frisch ist Don Juan „ein Intellektueller, wenn auch von gutem Wuchs und ohne alles Brillenhafte.“ Seine Leidenschaft gilt der Geometrie, nicht der Liebe, denn „jeder Mann hat etwas Höheres als das Weib, wenn er wieder nüchtern ist“. Frischs Don Juan ist kein Verführer, wie ihn die literarischen Vorlagen zeigen, sondern ein Verführter, der letztendlich in der gefürchteten „Ehehölle“ landet. Damit ist die Legende zerstört und Don Juan hebt sich selbst auf.

Zwei handschriftliche Seiten aus einem Notizheft von Max Frisch, 1950; ©Max Frisch-Archiv, Zürich (Nutzung nur auf Anfrage)

Anlässlich des 60-jährigen Bühnenjubiläums von Frischs Stück zeigt das Max Frisch-Archiv eine Sonderausstellung über Genese und Rezeption dieser Komödie. Unter den Exponaten finden sich besonders wertvolle Originale wie etwa ein Notizheft von Frisch von 1950 mit handschriftlichen ersten Gedanken zum Don Juan-Thema. Ferner ein Brief von Thomas Mann, der an der Premiere in Zürich anwesend ist. Er lobt in hohen Tönen die „blühende szenische Phantasie“ des Stücks, während Friedrich Dürrenmatt vom sprachlichen Humor der Komödie hingerissen ist. Zu sehen sind außerdem Briefe an seine Mutter oder von seinem Verleger Peter Suhrkamp. Sie alle schildern detailliert den Schreibprozess und die Umsetzung auf der Bühne. Einen guten Eindruck von der zeitgenössischen Rezeption vermitteln die ausgestellten Presseerzeugnisse wie etwa Rezensionen in der Zürcher Presse oder eine ausführliche Titelstory über Max Frisch im Zeitschriftenmagazin Der Spiegel.

Die Ausstellung ist noch bis 20. Dezember 2013 im Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek zu sehen.

 

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