Ein Pumpwerk der Superlative – Josef Wolfgang Deschwanden skizziert 1851 für seine Schüler die technischen Details eines Dampfschöpfwerks in Nordholland

Nach der Mitte der 1840er Jahre waren in Nordholland die Arbeiten am Ringkanal und am Deich rund um die Wasserfläche des Haarlemmermeer soweit gediehen, dass die Trockenlegung des riesigen Sees in Angriff genommen werden konnte. Was im Kampf gegen das Wasser schon im 17. Jahrhundert mit Windmühlen angedacht, aber nicht realisiert worden war, gelang nun dank technischer Innovation. Insgesamt kamen drei riesige dampfbetriebene Pumpwerke zum Einsatz, die innerhalb weniger Jahre die Trockenlegung des Haarlemmermeers ermöglichten. Bereits am 1. Juli 1852 war die Fläche trocken.

Skizze eines Pumpwerks, mit dem das Haarlemmermeer trockengelegt wurde (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 143:5)

 

Josef Wolfgang Deschwanden (1819-1866) hielt das von ihm besuchte Pumpwerk in einem Skizzenbuch fest, als er 1851 die Weltausstellung in London besuchte. Deschwanden war Maschinenbauer und unterrichtete an der Industrieschule in Zürich. Er wurde als fachkundiger Berater Alfred Eschers zu einer der Schlüsselfiguren bei der Errichtung eines Eidgenössischen Polytechnikums, das schliesslich 1854 gegründet wurde. Ab 1855 war Josef Wolfgang Deschwanden der erste Direktor der neueröffneten Hochschule und Professor für darstellende Geometrie.

Um an die  Weltausstellung in London zu reisen, erhielt Josef Wolfgang Deschwanden 1851 von seinem damaligen Arbeitgeber 14 Tage Urlaub, die er zusätzlich zu seinen Ferien für die Bildungsreise einsetzen konnte. An der Weltausstellung informierte sich Deschwanden systematisch über die neusten technischen Innovationen. In einem Brief vom 21. Juli 1851 an seinen Vater schildert er sein Vorgehen während des Besuchs:

„… Ich sehe die Maschinen an, lasse mir wo es nöthig ist Auskunft darüber geben von den dabei zur Beaufsichtigung aufgestellten Leuten u. zeichne und schreibe … auf… Ich hoffe, eine grosse Masse sehr werthvollen Stoffes zusammenzubringen“.

Diese Praxis, die er während mehrerer Wochen in den Ausstellungsräumen in London anwandte, kam sicher auch beim Aufenthalt in Nordholland zum Einsatz. Die Skizze des Dampfzylinders mit den acht Hebelarmen, die durch die Fenster nach aussen reichten, ist versehen mit den wesentlichen technischen Angaben:

„8 Pumpen, jede zu 8[000] l Wasser per Hub, 21 Hübe in 4 Minuten. 18‘000 Acre [ca. 73‘000 km2] Oberfläche des Meeres, gegenwärtig etwa 8 Fuss tief. Drei solche Maschinen arbeiten. Die neuste seit April 1849. – Austrocknung bis in 18 Monaten (v. 24. Sept. 1849)…Senkung des zufliessenden Wasserspiegels bis auf 300 m Entfernung bemerkbar. 6 Kessel mit 4 innern Röhren und einem Dampfreservoir; 4 davon werden gleichzeitig geheizt. Dampf wirkt nur bei Heben des Dampfkolbens. Gegenwärtige Wirkung nur 92.3 Pfrd [PS?]. Es wird sehr stark expandirt. – Kosten der Masch. 1 Mill. Franken.“

Neben der hier gezeigten Skizze sind weitere technische Zeichnungen von 1851 vorhanden. Sie sind zusammen mit rund 40 mit Bleistift skizzierten Ansichten im Skizzenbuch der Englandreise enthalten und dienten Josef Deschwanden als Unterrichtsmaterial, zunächst an der Industrieschule, später am neu gegründeten Polytechnikum.

Link

http://www.cruquiusmuseum.nl/englishsite/english.html

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