„Das älteste Bohrfeld der Welt“ – Arnold Heim besucht die chinesischen Bohrfelder in Tseliutsin-Kungtshing und TaWenPao

Der Lebensweg des Geologen Arnold Heim (1882-1965) führt ihn in alle Winkel unseres Planeten. So bereist er Afrika, Süd- und Mittelamerika, Grönland, den Nahen Osten und natürlich Asien. 1929 tritt er eine Professur für Geologie an der Sunyatsen Universität in Kanton an, deren geologisches Institut er während dieser Zeit leitet. Trotz Behinderungen durch den chinesischen Bürgerkrieg führt er regelmässig Exkursionen durch. Eine dieser Expeditionen führt ihn zu den Salzbohrfeldern in Tseliutsin-Kungtshing und TaWenPao in der chinesischen Provinz Sichuan 200 km westlich der Stadt Chongqing. Die Bambuskonstruktionen und die von Menschen angetriebene Bohrmethode beeindrucken Arnold Heim. Wie sehr beweisen die zahlreichen Fotos, die er während des Besuchs schiesst.

Linkes Bild: Tawenpao, Aufnahme vom 10.10.1929 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_018-032), rechtes Bild: Kungtsin, Bambus-Sool-Leitungen, Büffelfladen an der Hauswand, Aufnahme vom 8.10.1929 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_018-048)

 

Alte Bohrmethoden, Tawenpao. Linkes Bild: Aufnahme vom 10.10.1929 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_018-049), rechtes Bild: Aufnahme vom 10.10.1929 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_018-050)

Nach Recherchen in Archiven kommt er zum Schluss, dass es sich um das älteste Bohrfeld der Welt handelt. Und in einem Artikel in der Zeitschrift Atlantis verkündet er, die Chinesen hätten vor mehr als 1000 Jahren das Bohren erfunden, nachdem sich die Solquellen am Fluss erschöpft hatten. In seinem Tagebuch beschreibt Arnold Heim seine Beobachtungen ausführlich:

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Beschreibung des Bohrfeldes Jao-kha-san (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 494: 250. Tagebuch 39, China 1929-30, S. 26-27)

8.X.29: Tseliutsin-Kungtshing

Morgennebel, darüber hell! Da ich einen strengen Tag vor mir habe, bestelle ich 2 Dshantsě (Tragstühle). So sind wir in einer Stunde in Kungtshing, ca. 7 km westlich. Der uns vom Salzinspektor mitgegebene Führer bringt uns zum bedeutendsten Bohrfeld der Gegenwart Jao-kha-san, das auf beiden Flussufern liegt und einen gewaltigen Eindruck macht. Alles in Betrieb, Bohrungen von 3000‘ [m durchgestrichen, Fuss] in Arbeit, gewaltige dreibeinige Bohrtürme von 120‘ Höhe und über meterdicken Schäften aus mit Bambusseil zusammengebundenen und verkeilten Einzelmasten.  Da finden wir eine Bohrung, die aus 2870 chin. Fuss 40-50 Kattis [?] gelbes dünnflüssiges Öl per Tag liefert, neben Gas, das für 26 Salzsiedepfannen ausreicht. Grossartig sind diese Siedehallen, hochinteressant die alte Bohrmethode: 6 resp. 8 Männer, d.h. je 3 oder 4 auf jeder Seite, treten auf den Beam [sic!], an dem der Meissel hängt, sich etwa alle 3 Sekunden überkreuzend. Die 1000 m tiefen Bohrungen sind nur auf 200-300‘ Tiefe verrohrt, und zwar mit Bambusröhren von bis 12 cm innerem Durchmesser. Zum Ziehen der gegen 20 m langen Bambusbailer laufen bis 6 Wasserbüffel am Rad. Alle Leitungen sind aus mit Bambus umwundenen Bambusrohren hergestellt, ein ganzes Arteriensystem. Leider überzieht sich der Himmel mit Cirrhusschleier, aber doch hoffe ich, heute viele gute Aufnahmen gemacht zu haben.“

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Beschreibung des Salzbohrfeldes Ta Wen Pao am 10.10.29: Tseliutsin-Tawenpao (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 494: 250. Tagebuch 39, China 1929-30, S. 28-29)

„Der Nationalfeiertag der Chin. Republik-, die Häuser beflaggt, die Hauptstrasse behangen mit papierenen Laternen in allen Formen & Farben, als Heuschrecken, Ochsen, Tiger, Hähne, Libellen, Schmetterlinge etc. Wir haben aber keine Zeit, dem Fest zu fröhnen und ziehen wieder nach NE los, dem Salzbohrfeld von TaWenPao [FN: lokal-Aussprache Dafěnbau]. Der Tag ist wieder trüb und neblig. Wir gehen zuerst zu zwei Bohrungen, die etwas olivegrünes Öl und Emulsion liefern, stellen das NE-Ende der Antiklinale im Kalk fest: Axenfallen 3-4˚, und essen im Städtchen TaWenPao. Erst bei Dämmerung zu Fuss zurück. Der Tag – der letzte hier – war wieder voll gepfropft. Im Ganzen bin ich über die Resultate an d. Oberfläche sehr befriedigt, aber die Informationen betr. Bohrresultate sind bedenklich, und selbst für ansässige Chinesen wäre geologisch kaum ein klares Resultat herauszubringen. Trotz d. trüben Luft habe ich versucht, einige Kino-Aufn. der Tretpumpstationen zu machen , die bes. originell sind. In jedem Häuschen treten je 2 nackte sitzende Männer ein Rad mit hor. Axe, an dem eine endlose Kette aus Schöpfbecken läuft. Die Schaufeln heben die Sohle [sic!] von einem Pumphäuschen zum nächsten. So sind oft 10 und mehr Stationen übereinander, und die Männer treten unermüdlich den ganzen Tag. Es werden aber auch andere Pumpstationen für Wasserbüffel benützt. Oben läuft der Büffel mit angeseilter Nase & verbundenen Augen am Rad mit vertikaler Axe, das durch Zähne ein hor. axiges Rad treibt. An diesem ist eine vertikale endlose Schöpfbecken-Kette angebracht, die die Sohle [sic!] vertikal hebt.“

Das Prinzip des Tretpumpensystem skizziert Heim in sein Tagebuch. Natürlich verpasst es der passionierte Fotograf nicht den Vorgang ebenfalls auf Zelluloid zu bannen.

 

Pumpstationen, Tawenpao, Aufnahme vom 10.10.1929 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_018-065)

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