Studentendossiers der ETH Zürich

Die Studentendossiers der ETH Zürich geben wichtige Informationen zu allen Studenten und Studentinnen, die einmal an der ETH Zürich immatrikuliert waren. Für jeden Studenten und jede Studentin lässt sich aus dem Studentendossier eine Vielzahl von Details wie Heimatort, Studienjahre, Fachrichtung, Art des Abschlusses u.a.m. herauslesen. Diese Dossiers stellen somit eine bedeutende Quelle für die Hochschulgeschichte und die Personenforschung dar. Die Studentendossiers der Jahre 1856 bis 1965 sind im Archiv der ETH Zürich zu finden.

Titelblatt der Matrikel von Nadina Smetzky, der ersten Frau, die sich zum Studium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich eingeschrieben hat (ETH Bibliothek, Hochschularchiv der ETH Zürich, EZ-REK1/1/2712)

An der ETH Zürich besteht ein Studentendossier anfänglich aus einem siebenseitigen Formular, auf dem sich unter der Überschrift „Matrikel“ auf der ersten Seite neben dem vollständigen Namen, Geburtsdatum und Heimatort auch die Adresse und die Namen der Eltern finden. Dann ist die Abteilung angegeben, in welcher der Student sein Studium aufgenommen hat, sowie das Schuljahr und die „deponierten Zeugnisse“ und Noten der Aufnahmeprüfung, die den Studienbeginn ermöglichten. Schliesslich sind auch noch der Aufnahme- und Austrittstermin angegeben. Auf den folgenden Seiten informieren die Einträge über besuchte Vorkurse, Fächer mit Angabe der Lehrer sowie Noten und besuchte nichtobligatorische Fächer. Auf der Seite 7 stehen schliesslich die Fächer und Noten des Abgangs-Zeugnisses. Vielen Matrikeln liegen ebenfalls die von den Studenten und Studentinnen ausgefüllten Anmeldeformulare zur Aufnahme in das „Eidgenössische Polytechnikum“ bei.

Die äussere Erscheinungsform der Matrikel hat sich im Laufe der Jahre geändert. So sind später zum Beispiel die Fotos der Studenten und Studentinnen dazugekommen, die auf das Aufnahmeformular geklebt wurden.

Die Abbildung oben zeigt das Titelblatt der Matrikel der Russin Nadina Smetzky (geboren 17. Oktober 1849), der ersten Frau am Eidgenössischen Polytechnikum. (Häufig wird in der Literatur der Name „Nadezda Smeckaja“ als erster Studentin genannt. Diese Schreibweise kann aufgrund der Matrikel und des Studentenverzeichnisses des Eidgenössischen Polytechnikums Zürich nicht bestätigt werden.) Bevor sie an die ETH kam, studierte Nadina Smetzky Medizin an der Universität Zürich (in den Matrikeln der Universität Zürich mit dem Vornamenzusatz „Nadezda Nikolaevna“). Dann schrieb sie sich in der Abteilung III (Mechanisch-Technische Abteilung) des Eidgenössischen Polytechnikums ein. Dort besuchte sie die Jahreskurse 1871/72 und 1872/73.

Aus dem „Bericht der eidgenössischen polytechnischen Schule über das Jahr 1872“:

„Unter den regelmässigen Schülern figurieren zum ersten Male zwei Damen, die eine an der mechanisch-technischen, die andere an der chemisch-technischen Abtheilung. Dieselben hatten durchaus das gleiche Aufnahmeexamen zu bestehen, wie die Schüler.“

Zum einen meinte man hier Nadina Smetzky, zum anderen Maria Rosenstein, die sich im Schuljahr 1872/73 in der Abt. IV (chemisch-technische Abteilung) einschrieb und vorher ebenfalls an der Universität Zürich war. Allerdings ist dem Schulrat ein kleiner Fehler unterlaufen, denn auch Maria Rosensteins Schwägerin Anna Rosenstein studierte 1872 an der ETH Bauingenieurwesen. Sie verliess die Hochschule jedoch bereits wieder im Februar 1873.

Links:

Zulassung von Nadina Smetzky zum Aufnahmeexamen an der mechanischen Abteilung durch den Schweizerischen Schulrat: Protokoll des Schweizerischen Schulrats vom 12.12.1870

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