Nationalatlanten II – Ukraine und Armenien

Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich aus den ehemaligen Teilrepubliken eigenständige Staaten mit starkem Nationalbewusstsein gebildet. Diese Entwicklung in Osteuropa hat sich auch auf die Atlaskartographie ausgewirkt. Die meisten Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion haben eigenständige und innovative Länderatlanten herausgebracht, die durch ihre Themenvielfalt und fundierte Karteninformationen hervorstechen.

Nationalatlanten im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek

Die dabei eindrücklichsten Atlaswerke sind die Nationalatlanten der Ukraine (2007) und Armenien (2007-), die im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek zu finden sind.

Sprache und Schrift entsprechen der jeweiligen Nationalsprache. Der ukrainische Atlas verfügt aber auch über ein englisches Inhaltsverzeichnis, wohingegen der armenische Atlas ausschliesslich die armenische Sprache benutzt und somit leider schwer zugänglich ist.

Die Themenvielfalt wird durch eine fundierte Datensammlung aufgewertet. Beide legen Wert auf eine historische Übersicht ihrer eigenen Geschichte. Die kulturellen Wurzeln werden dabei bis in die Urzeit zurückverfolgt. Beim ukrainischen Atlas sind die neuzeitlichen historischen Daten von erstaunlicher Detailtreue. So werden zum Beispiel Kriegsereignisse, politische Bewegungen, ethnische Säuberungen des 19. und 20. Jahrhunderts dargestellt, oder Statistiken zu Bildung, Bevölkerung, Ökologie sowie Ökonomie aufgeführt.

Nicht nur Ökologie und die kritische historische Aufarbeitung der Vergangenheit sind neue Akzente, sondern auch die Perspektive ist neu, dass diese Länder als souveräne Bestandteile in die globale Staatengemeinschaft eingegliedert werden.

Beide Atlanten sind offizielle staatliche Veröffentlichungen und von renommierten wissenschaftlichen Instituten wie zum Beispiel dem ukrainischen Akademieinstitut für Geographie herausgegeben worden. Die fundierte und innovative wissenschaftliche Arbeit erbringen somit immer noch alte Institutionen. Sie leisten aber mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag am Prozess der politischen und wirtschaftlichen Festigung des jungen Staates Ukraine. Der Nationalatlas der Ukraine wurde vom Parlament zum Bildungsatlas und Referenzatlas für Politik und Wirtschaft erklärt.

Die Atlanten befinden sich in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und können unter der Signatur KA 03 UKRA 01 und KA 03 ARME 01 eingesehen werden.

Teile des ukrainischen Atlas sind im Internet zu finden unter: http://wdc.org.ua/en/node/304

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