Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

30.09.2011

Landschaftsbilder

Erorberte Landschaft mittels Luftbilder: Spelterini, Eduard: Bâle, une prise à 3520-3820 mètres de hauteur, ca. 1895 (Ans_05752)

 

Landschaft als Souvenir und Reiseersatz: A native kraal, South Africa. Durban : publ. by Sallo Epstein & Co., ca. 1905 (Fel_035225-RE)

Nationale Landschaft: Gaberell, Jean: Steinbockgruppe in der Abteilung Jagd. Schweizerische Landesausstellung, 1939, Zürich (Ans_00796)

 Kulturlandschaft: 21. Mai 1891, Photographien vom Bau des neuen Stahlbades in St. Moritz erbaut von A. Bringolf, Architekt, 1891-1892 (Ans_05453-012-AL-PL)

„Die Landschaft“ zu beschreiben ist so unmöglich, wie die vielfältigen Bilder, die wir uns von ihr machen. Landschaft ist immer eine Konstruktion, ein kulturelles Konzept. Je nach Disziplin und Perspektive wird Landschaft interpretiert.

Landschaften repräsentieren den Abwechslungsreichtum natürlicher Bedingungen und zeigen, wie unterschiedlich sich das Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt hat. Landschaft umspannt das weite Spektrum von naturnahen Landschaften, Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, hochproduktiven, land-, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Gebieten, über Dorf- und Parklandschaften bis hin zu den dichtbesiedelten Städten mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten und den Verkehrsflächen und -wegen.

Die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft findet seit mehreren Jahrhunderten statt. Die Landschaftsfotografie hat sich rasch von der Landschaftmalerei gelöst, insbesondere weil der Dokumentationswert hohe funktionale (und neue) Ansprüche einlöste. Interessant ist, dass – obwohl das heute so naheliegend ist und Landschaftsfotografie alltäglich ist, dass die Abbildung der Landschaft lange Zeit keine Bedeutung hatte. Interessant war die Landschaft in der Fotografie höchstens als bildgebender Hintergrund.

Weitere Bilder sind im Wissensportal oder über das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Veranstaltungshinweis:

An der Abendführung des Bildarchivs am 4. Oktober zeigen wir einen vielfältigen Querschnitt durch die Bestände des Bildarchivs unter dem Gesichtspunkt der Landschaftsfotografie. Wir werden Themen wie die eroberte Landschaft, Landschaft als Souvenir und Reiseersatz, die nationale Landschaft und Kulturlandschaft anhand von mannigfaltigem Bildmaterial ausleuchten.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

02.09.2011

Start des neuen Semesters

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geschichte — Heike Hartmann @ 8:00

Am 19. September beginnt das Herbstsemester an der ETH Zürich. Aus diesem aktuellen Anlass haben wir im Bildarchiv der ETH-Bibliothek nach historischen Fotografien recherchiert, die Studenten im Labor, in Vorlesungen oder in sonstigen Situationen abbilden.

Das erste Bild zeigt zwei Studenten im Lesesaal und ist von 1957. Auf dem jüngsten Bild von 1986 sieht man Studenten im Computer-Übungsraum im Hauptgebäude der ETH Zürich. Wenn man die Studentenzahl von damals und heute vergleicht haben sich diese mehr als vervierfacht. War die Anzahl der Studenten 1957 noch 3‘384 so waren es 1986 bereits 10‘265 und heute sind es 16‘342 (Zahl von 2010). Die erste Studentin schrieb sich bereits im Wintersemester 1871/72 am Polytechnikum ein. Im Jahr 1917  waren es bereits 31 Studentinnen, die am Polytechnikum studierten . Heute sind es immerhin über 6‘000 Studentinnen, die an der ETH Zürich eingeschrieben sind.

 

Studenten im Lesesaal, 1957 (Ans_00355)

 

Studentenhotel in Altstetten, 1966. Comet Photo AG, Zürich (Com_L15-0469-0120)

 Vogt, Jules: TC Versammlung der ETH Studenten VSS im Chemiesaal ETH Zürich, 1970. Comet Photo AG, Zürich (Com_L19-0312-0223)

 

ETH-Zürich: Pflanzenbau – Studenten, 1971. Comet Photo AG, Zürich (Com_M20-0047-0025)

 

Fluri: Computer Übungsraum für Studenten im HG, 1986. Presseinformationsdienst der ETH Zürich (PID_00008)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder zur Geschichte der ETH Zürich.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

05.08.2011

Erdbeben, Gesteinsproben oder der Südpazifik – Bilder aus der Sammlung von Immanuel Friedländer

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geologie,Naturwissenschaften — Nicole Graf @ 13:22

 

links: Rittmann, Doderer: Villanova, 07.08.1930 (Hs_0625a-0001-005)
rechts: Rittmann, Doderer: Ariano di Puglia, 07.08.1930 (Hs_0625a-0001-016)

Perret, F. A.: Etna, Bomba dalla bocca no. 7;  quarzito ricoperto di lava nuova (grandezza naturale), 1910-11 (Hs_0625a-0002-002)

Friedländer, Immanuel: Fiji 1907 (Hs_0625a-0003-025)

 

Friedländer, Immanuel: Milos, Lolliu to Avlaki, 1923 (Hs_0625a-0004-074)

Das von Immanuel Friedländer (1871-1948) gegründete Vulkan-Institut in Neapel war von 1914 bis 1934 in Betrieb. Nach dessen Schliessung erhielt die ETH Zürich die Bibliothek des Vulkan-Instituts, die Foto- und Grafiksammlung sowie die Sammlung vulkanischer Gesteine im Jahr 1935 geschenkt. Die 8‘900 Fotografien aus den Vulkangebieten der Erde (ca. 1900-1935) befinden sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek, eine Auswahl von 800 Bildern ist nun digitalisiert und online über BildarchivOnline recherchierbar, darunter folgende Studienreisen und Bildserien: Erdbeben Irpinia, 23. Juli 1930; Bomben und andere Lavaprodukte, ca. 1910-11; Fiji, Samoa, Tonga 1902-1907; Milos, Kimolos, Polibos, Antimilos, 1923. Weitere Bilder sind in Vorbereitung.

Das Gesamtverzeichnis der Fotografien ist ebenfalls online.

 

 

01.08.2011

Das Rütli – ein Mythos im Bild

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Tags: — Michael Gasser @ 7:00

Postkarte Rütli und die Mythen. Zürich: Edition Photoglob, 1918 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Fel_000205-RE)

Postkarte Rütli. Blick auf die Mythen. E.Goetz, ca. 1950 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_04906)

Spätestens seit 1859 die Schweizerischen Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) die Rütli-Wiese dank einer Sammelaktion kaufte und der Schweizerischen Eidgenossenschaft schenkte, gehört dieser Ort zum 1. August wie die Nationalhymne, die Schweizerfahne und die obligate Festrede. Immer wieder wurde das Rütli als mythischer Ort des Bundessschwurs von 1291 zum Kristallisationspunkt nationaler Symbolik. Im Zweiten Weltkrieg versammelte General Guisan dort die Armeespitze zum berühmten Rütlirapport (25. Juli 1940). In jüngerer Zeit machte das Rütli vor allem im Zusammenhang mit Störaktionen der 1. August-Feierlichkeiten durch Rechtsextreme von sich reden.

Einen wichtigen Beitrag zur Festigung und Verankerung des Rütlis als nationales Symbol leisteten bildliche Darstellungen. Die SGG selbst liess nach dem Kauf des Rütlis davon einen Kupferstich erstellen, der in grosser Auflage an Schulkinder verteilt wurde. Das Rütli wurde aber auch bald zu einem beliebten Postkartenmotiv. Der Blick über das Rütli auf den Urnersee und die dahinter liegenden Mythen lieferte das perfekte Motiv für die „Wiege der Schweiz“. Dafür sind die oben gezeigten Postkarten aus den Beständen des Bildarchivs der ETH-Bibliothek aussagekräftige Beispiele.

Literaturhinweis:
Kreis, Georg. Mythos Rütli – Geschichte eines Erinnerungsortes. Zürich, 2004

08.07.2011

Mittelholzers Abessinienflug (1934)

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten,Geschichte — Tags: , , — Nicole Graf @ 18:00

 

Links: Mittelholzer, Walter: Mazedonien, 200 km südlich von Belgrad. 07.02.1934 (LBS_MH02-22-0003)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Fokker F. VII b-3m, CH-192 an Tankstelle. 02/1934 (LBS_MH02-22-0907)

 

Links: Mittelholzer, Walter: Männer vor Flugzeug, Ma’an, Transjordanien. 15.02.1934 (LBS_MH02-22-0012)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Flugplatz in Addis Abeba. 03/1934 (LBS_MH02-22-0778)

  

Links: Mittelholzer, Walter: Kaiser Haile Selassie I. zu Pferd. 02/1934 (LBS_MH02-22-0382)
Rechts: Übergabe von Schild und Degen an Walter Mittelholzer, durch den Privatsekretär des Kaisers Haile Selassie I. 03/1934 (LBS_MH02-22-0789)

 

Mittelholzer, Walter: Dankali-Mädchen aus der Völkerfamilie der Galla, an der Küste von Französisch Somali-Land. 03/1934 (LBS_MH02-22-0775)

Der Fotograf, Flugpionier und Swissair-Mitgründer Walter Mittelholzer (1894–1937) und seine Crew flogen vom 2. bis 23. Februar 1934 über die Alpen – Athen – Jerusalem – Tel Aviv – Kairo – Assuan mit einem Abstecher nach Petra nach Addis Abeba. Mittelholzer flog 7‘118 km in 46,28h Flugstunden. Ziel des Abessinienflugs war ein Flugzeugtransport an den Hof des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Mittelholzer lieferte also die 3-motorige Fokker (CH 192) per Flug an die Regierung nach Äthiopien. Nebst der Dokumentation des Hinfluges mit vielen Luftbildern fotografierte Mittelholzer den Kaiser Haile Selassie, den Hof und das Militär und besuchte diverse Stämme in Süden Äthiopiens.

Die filmische und fotografische Ausbeute bei Mittelholzers Auslandflügen waren damals besonders wertvoll, wurden doch unberührte Gegenden erkundet und erstmals fotografisch festgehalten. Die vielen Pionierflüge (Afrika, Persien, Spitzbergen, Alpen, Kilimandscharo) fanden auch im Ausland stark Beachtung und machten Mittelholzer und die Schweizer Aviatik damals in weiten Kreisen bekannt.

Mittelholzer galt immer als sehr geschäftstüchtig und hat seine Auslandflüge optimal vermarktet: nicht nur hat er viel fotografiert – die Fotografien von rund 50 solcher Auslandflüge sind erhalten und werden seit dem Jahr 2009 im Bildarchiv der ETH-Bibliothek archiviert. Diese kulturhistorisch bedeutende Fotosammlung wird im Bildarchiv inventarisiert, digitalisiert und erschlossen. Der Abessinienflug ist nun der erste dieser Auslandflüge, den das Bildarchiv aufgearbeitet und übers Bildarchiv Online veröffentlicht hat.

Mittelholzer hat zudem oft auch als Regisseur für die Filmproduktionsfirma Praesens-Film, deren Mitbegründer er war, Filme über die Flüge gedreht. Seine Filme hat damals fast jeder Schweizer gesehen, es waren sehr populäre Filme zur grossen Zeit des Schweizer Films. Der Film über den Abessinienflug war Mittelholzers erster Tondokumentarfilm. Das Original ist ebenfalls Teil der Mittelholzer-Sammlung des Bildarchivs und liegt zur Zeit in der Cinemathèque Suisse im Depot. Ausserdem hat Mittelholzer in der Regel parallel zu den Flügen jeweils ein Fotobuch geschrieben. Das Buch zum Abessinienflug ist bereits 1934 erschienen und kann übers Wissensportal bestellt werden.

Die Mittelholzer-Bilder sind Bestandteil des Archivs der Stiftung Luftbild Schweiz. Sie werden kontinuierlich aufgearbeitet und sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

24.06.2011

Sommerzeit – Ferienzeit – Strandurlaub

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten — Tags: , — Nicole Graf @ 18:46

 

Badhusen, Marstrand. Marstrand : Imp. Otto Svensson, Poststempel 27.8.1903 (Fel_029392-RE)

Abbazia, Villen am Südstrand. Abbazia : Verlag a. Dietrich ; Dresden-A. : Chromotion von Markert & Sohn, Graph. Kunstanstalt, Poststempel 09.03.1908 (Fel_027337-RE)

 Catania, Hütten am Strand. Poststempel 26.6.1923 (Fel_054041-RE)

Westerland a. Sylt, Strandleben a. Familienbad. Berlin : Verlag J. Wollstein, Poststempel 11.9.1925 (Fel_047222-RE)

Cannes, Promenade de la Croisette. Paris : Lévy & Neurdein Réunis, Poststempel 25.4.1928 (Fel_056586-RE)

Im 19. Jahrhundert ermöglichte die Schleifung von Stadtbefestigungen und die Auslagerung von Hafeneinrichtungen in vielen Städten die Anlage von Promenadenwegen auf den früheren Festungs- und Wallanlagen. Die Sommerfrische und Meereslust begannen sich auszubreiten und vielerorts wurden die Küstenregionen touristisch erschlossen.

Strandkörbe, Strandhütten, Seebäder, Sonnenhüte und sich nach modischem Geschmack ändernde Strandkleider prägen seither das Bild. Aber auch Strand- oder Uferpromenaden wie die Promenade de la Croisette in Cannes nehmen bis heute eine zentrale Rolle im Stadtleben ein und galten bzw. gelten als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Die Bilder sind Bestandteil der Postkartensammlung von Adolf Feller, die zahlreiche Kartenbeispiele von Strandaufnahmen aus aller Welt enthält. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

10.06.2011

Hopp de Bäse! – Petitionen der Putzfrauen an der ETH für mehr Lohn

Frau Augsburger, Putzfrau im technischen Labor, ETH Chemiegebäude, März 1917 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr 14413-005-AL-34898)

Im März 1917 posiert „Frau Augsburger, Putzfrau im technischen Labor“ oder gemäss Beschriftung des anderen Bildes „im oberen Labor“ des ETH Chemiegebäudes vor der Kamera. Sie tut so, als habe sie soeben mit dem langstieligen Gerät eine der Gaslampen angezündet. Gefährlich ist das Hantieren mit Feuer in explosiver Umgebung, sie lässt das Flämmchen des Anzünders nicht aus den Augen. Der schräge Lampenschirm wirft ein schiefes Licht auf die Arbeitsstätte: Ohne fotografische Zusatzbeleuchtung stünde Frau Augsburger im Schatten.

Neuneinhalb Jahre früher hatte sie nicht nur wie immer den Chemiestudierenden ein Licht aufgesteckt, sondern für einmal auch dem obersten Chemiker des Polytechnikums, Robert Gnehm, dem Präsidenten des Schweizerischen Schulrates und vormaligen Professor für technische Chemie.

 

Petition der Putzerinnen am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich,  7. September 1907 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1907/No.953)

Zusammen mit 30 Kolleginnen ersuchte sie in einem säuberlich getippten Schreiben am 7. September 1907 höflich um Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit. Die Putzfrauen begründeten ihr Gesuch unter anderem damit, dass sie einerseits in Privathäusern bei vergleichbarer Entschädigung zusätzlich freie Kost erhielten, anderseits die Arbeit am Polytechnikum weit anstrengender sei. Gestützt auf einen Vergleich mit den Arbeitsbedingungen des Reinigungspersonals in anderen öffentlichen Dienststellen beschloss der Schulrat am 27. September 1907, die Arbeitszeit von 10 auf 9 ½ Stunden pro Tag zu senken, nicht aber den Lohn zu erhöhen.

Frau Augsburger lächelt leicht. Während sie stellvertretend für alle Polyputzfrauen sich und ihre Arbeit bildlich ins richtige Licht rückt, fordern 18 Kolleginnen am 3. März 1917 erneut eine sofortige Erhöhung des inzwischen geltenden Halbtaglohns von Franken 2.60 auf Franken 2.80 und des Ganztaglohns von Franken 4.50 auf Franken 6.00 mit dem Hinweis auf „die gegenwärtige herrschende teure Lebenshaltung“ und angesichts „der allgemeinen Notlage des Dienst und Putzpersonals.“ 

Petition des Putzpersonals an der ETH, 3. März 1917 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1917/No.267)  

Das karierte, mit gleichmässiger Handschrift beschriebene Blatt geht zwei Tage später bei der Schulratskanzlei ein. Eine fremde Hand, vermutlich die des Schulratspräsidenten persönlich, notiert unter die geforderten Lohnansätze „2.65“ und „5.-“ sowie am unteren Blattrand „Kanton 50 Rp. pro Stunde ohne Teuerungszulage“. Der Präsident – es ist immer noch Robert Gnehm – fackelt diesmal nicht lange und verfügt schon am 10. März 1917: „Den Putzerinnen in den Gebäuden der E.T.H. wird vom 11. März 1917 an der Taglohn auf 5 ½ Fr. und der Halbtaglohn auf 2 Fr. 80 erhöht.“ Für einen kurzen Moment hat Frau Augsburger gut lächeln.

Im vierten Jahr des Weltkrieges geriet die Schweiz in eine schwere Versorgungskrise. Drohende Hungersnot, anhaltende massive Teuerung für lebensnotwendige Güter aller Art, sich verschärfende soziale Ungleichheiten führten 1917/1918 zu politischen Unruhen im Land. 

Verein der Wasch- und Putzfrauen Zürich, Frau Keller, Vereinspräsidentin, 7. April 1818 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1918/No.353)

Der Umgangston mit den Obrigkeiten wurde gereizt. In einem geharnischten Brief vom 7. April 1918 auf hochrechteckkariertem Papier, der bevorzugten Unterlage für Haushaltrechnungen, Buchhaltungen und andere Rechenaufgaben, bezichtigte die Präsidentin des Vereins der Wasch- und Putzfrauen Zürich die ETH der Lohndrückerei, verlangte Nachzahlungen für die Putzfrauen und drohte mit künftigem Boykott sowie offener Anklage in der Parteipresse.

Frau Augsburger war das Lächeln wohl vergangen.

Am 10. Juni 1918 zogen Arbeiterinnen zu einer Hungerdemonstration vor das Zürcher Rathaus. Mitte November 1918 kam es zum landesweiten Generalstreik, organisiert von Gewerkschaften und Sozialdemokratie. An zweiter Stelle der neun Streikforderungen – darunter sichere Lebensmittelversorgung, 48 Stunden Arbeitswoche, Alters- und Hinterbliebenenversicherung – stand die politische Gleichberechtigung der Frauen.

Deren Einführung erlebten erst Frau Augsburgers Töchter in fortgeschrittenem Alter. Die generelle verfassungsrechtliche und gesetzliche Gleichstellung von Frau und Mann zu fordern, wäre der mehrheitlich männlichen Streikführung nicht einmal im Albtraum eingefallen. Eine Mehrheit von Frau Augsburgers Enkelinnen setzte sie Jahrzehnte später durch. Um gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit in der wirtschaftlichen Realität kämpfen Frau Augsburgers Urenkelinnen immer noch.

Anmerkungen

- Gaslampen: Bereits am 25. Januar 1901 erhielt der Vorstand des technisch chemischen Laboratoriums die Ermächtigung zur Beschaffung eines Elektromotors und der nötigen Stromzufuhr aus dem städtischen Leitungsnetz. Bis 1917 dürfte somit die Beleuchtung längst auf elektrisches Licht umgestellt gewesen sein. ( ETH-Bibliothek, Archive, SR2:Präsidialverfügungen1901, Präsidialverfügung Nr. 41 vom 25.01.1901 )

- Beschluss des Schulrates zur Putzfrauenpetition 1907 ( ETH-Bibliothek, Archive SR2: Schulratsprotokolle 1907, Sitzung Nr. 8 vom 27.09.1907, § 110 )

- Präsidialverfügung zur Putzfrauenpetition 1917 ( ETH-Bibliothek, Archive, SR2: Präsidialverfügungen 1917, Präsidialverfügung Nr. 87 vom 10.03.1917 )

12.05.2011

Baustellen in Zürich? Zum Beispiel 1950 im Bereich der Bahnhofbrücke

Filed under: Architektur,Bildarchiv,Eisenbahnwesen,Ingenieurwissenschaften — Tags: — Nicole Graf @ 10:50

 Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Taucher in Taucheranzug, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193B-0013)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Abbau der Holzbrücke, im Hintergrund: Globus, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 6 x 8 cm (Com_M01-0193B-0111)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Abbruch Globus, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193B-0006)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke/Central, Blick vom Hauptbahnhof, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193A-0019)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke/Central, Neue Gleisanlage Limmatquai fertiggestellt, neue Gleisanlage Central Bahnhofbrücke im Bau, Globus bereits abgebrochen. Ce 2/2 231 + C 56 der Einsatzlinie E alter VBZ Turmwagen vorne links, ca. 1951. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193A-0006)

Die weitgehende Umgestaltung des Limmatraumes im Bereich der Bahnhofbrücke um 1950 hinterliess auch am Bahnhofquai ihre Spuren. Das Warenhaus Globus an der Bahnhofbrücke und die angrenzende gedeckte Holzbrücke wurden abgerissen. Der einstige und trocken gelegte Limmatarm wurde in die noch heute existierende Strassenunterführung beim Bahnhofquai umfunktioniert. Um diese bauen zu können, verschob man das Tramtrassee während der Bauzeit unmittelbar vor die Gebäudefront des Hauptbahnhofes, und vor der Bahnhofbrücke mussten die Tramgleise auf Hilfsbrücken über die Baugruben gelegt werden.

Eigentlich wollte die Firma Globus auf dem durch den Abriss frei gewordenen Warenhausareal ein neues Warenhaus erbauen. Das Vorhaben gelangte 1951 vor das Zürcher Stimmvolk und wurde abgelehnt. Um dem Warenhaus Globus den Bau eines neuen Warenhauses in aller Ruhe zu ermöglichen, einigte man sich darauf, am bisherigen Standort ein Verkaufsprovisorium zu erstellen. Das bis heute bekannte “Globus-Provisorium” war entstanden und wurde auch bis 1967 durch die Firma Globus benutzt. Spätere Nutzer und Mieter des Gebäudes waren u.a. die Eidgenössische Technische Hochschule und heute das Warenhaus Coop.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

29.04.2011

Königliche Traditionen

Filed under: Bildarchiv — Nicole Graf @ 15:06

  

Baumann, Hans und Salvisberg, K.: Kronprinz Charles von England macht Skiferien in Schuls-Tarasp, 10./11.1.1963. Kleinbildnegative (Com_L12-0004-0109/0129/0225)

Kronprinz Charles von England verbrachte seine Skiferien im Januar 1963 in Schuls-Tarasp. Damals war er 15 Jahre alt. Das Skifahren in der Schweiz hat in der englischen Königsfamilie Tradition. Während der letzten 30 Jahre verbrachte Prinz Charles die Skiferien mit seiner Familie jeweils in Klosters. Und genau während dieser Skiferien in Klosters, nämlich im Januar 2006, werden Prinz Charles Sohn William und Kate Middleton, die am heutigen Tag in der Westminster Abbey ihre Hochzeit feiern, beim Küssen erstmals fotografiert.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Im Fotoarchiv der Comet Photo AG Zürich befinden sich nur vereinzelte Reportagen zur englischen Königsfamilie. 

16.04.2011

150 Jahre Kaufmännischer Verband Zürich

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Wirtschaft, Recht und Politik — Tags: — Nicole Graf @ 15:57

Schau- und Wettfrisieren, 1958. Negativ (Com_M07-0084-0008 und -0014)

Krebs, Hans: Briefmarkenbörse im Kaufleuten Zürich, September 1974. Comet Photo AG, Zürich. Negativ (Com_L23-0681-0724)

 

Krebs, Hans: Landesring Ständetag, mit Ständeratskandidaten v.r.n.l.: Jakob Stucki, Jagmetti und Emilie Lieberherr, 27.09.1979. Comet Photo AG, Zürich. Negativ (Com_L28-0540-0117)

Restaurant Kaufleuten, Innenaufnahmen, 1989. Comet Photo AG, Zürich. Diapositiv (Com_C20-107-007-001)

Der Kaufmännische Verband Zürich (KVZ) wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Der KVZ gilt als Herzstück des KV Schweiz, auch wegen seines Restaurants „Kaufleuten“. Das Haus am Pelikanplatz in Zürich war als Vereinslokal und Schulhaus durch den KVZ im Jahr 1915 gebaut worden. Heute ist der „Kaufleuten“ insbesondere bei Partygängern ein beliebtes Restaurant, Bar und Club. Verschiedene Reportagen aus dem Archiv der Comet Photo AG von 1958-1989 zeigen die unterschiedlichen Nutzungsarten und Ansichten der Säle und des Restaurants des „Kaufleuten“.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Newer Posts »« Older Posts

Powered by WordPress