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27.01.2012

100 Jahre Jungfraubahn

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Eisenbahnwesen — Valérie Andres @ 7:00

Tourismus und Legenden am Berg

Die Jungfrauregion, besonders aber das Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau gehören, wie auch das Matterhorn, zu den faszinierendsten Touristenattraktionen der Schweiz. Postkarten und Bilder dieser imposanten Berge und der darunter liegenden Dörfer, locken seit über hundert Jahren verschiedenste Besucher an und tragen zum Bild von der idyllischen und urtümlichen Schweiz bei.

Spätestens durch das Aufkommen des Alpinismus im ausgehenden 18. Jahrhundert mit diversen Erstbesteigungen im hochalpinen Gebiet entstanden zahlreiche dramatische Legenden und später Filme der ebenso schönen wie schroffen und unzugänglichen Bergwelt. Es ist daher gut möglich, dass die Erstbesteigung der Jungfrau (1811) etwa 50 Jahre später den Anstoss gab, diesen Berg durch den Bau einer Bahn auf den Gipfel endgültig zu bezwingen. Als Sinnbild für diese gelungene Eroberung kann man heute die allgemein bekannten Massen an Turnschuhtouristen betrachten, welche aus aller Welt kommen und auf dem Jungfraujoch ganz bequem die Aussicht geniessen, die sich sonst nur erfahrenen Bergsteigern bieten würde.

Diese beiden Bilder vom 10.08.1957 mit dem Titel: „Eigernordwand, Bergdrama“ sind Zeugnis einer Bergrettung. Dank der bereits gebauten Jungfraubahn gelangte das Opfer sicherlich rascher als üblich zurück ins Tal, allerdings wurde die Rettung auch direkt fotografiert und von Unbeteiligten ‘aus der Nähe’ mitverfolgt.

Bildtitel 1: Eigernordwand, Bergdrama     

Bildlegende 1: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Bei der Station Eigergletscher der Jungfraubahn wird der Abstieg über die Westflanke beobachtet. Rechts: Funkhelfer.

                        

Bildtitel 2: Eigernordwand, Bergdrama 

Bildlegende 2: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Kurz vor der Station Eigergletscher der Jungfraubahn.

 Der Bahnbau

1893 reicht Adolf Guyer-Zeller, durch eine Bergwanderung inspiriert, ein Konzessionsgesuch für den Bau einer Bahn zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Jungfraugipfel ein. Die Bahn sollte nur bis zur ersten Station oberirdisch verlaufen und danach den grössten Teil des Weges durch Tunnel führen. Jede Station sollte einen speziellen Blickwinkel auf die Bergwelt geben und für sich ein eigenes touristisches Ziel darstellen. Die Strecke der elektrischen Zahnradbahn war von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau geplant.

 

 

Bildtitel 3: Bau der Jungfraubahn, Tunneleingang am Eiger, 1911

 

 Bildtitel 4: Jungfraubahn, Verbindungsstollen zwischen Aussteigperron im Tunnel und Station Eigerwand

Botschaft der Postkarte: Heute nach hier, Berge u. ? grossartig. Herzliche Grüsse Onkel u. Tante Keller. Frau Mugglin, Werner Mugglin.

Poststempel 6.9.1905.

1896 nach der Erteilung der Konzession durch das Parlament wurde mit dem Bau des ersten, zwei Kilometer langen und auf offener Strecke verlaufenden Abschnittes, begonnen. Trotz des Anschlusses an die Wengernalpbahn wurde eine Spurweite von 1000mm anstelle von 800mm für die Jungfraubahn gewählt.

Im Gegensatz zum ersten Streckenabschnitt waren die Arbeiten am Tunnelbau geprägt von Sprengunglücken und finanziellen Problemen. Doch trotz verschärfter Vorschriften ging auch dieser rasch voran so dass 1899 der Durchstich zur Station Rotstock (2530) stattfand. 1903 folgte die inmitten der Nordwand liegende Eigerwand, 1905 die Haltestelle Eismeer und am 21. Februar 1912 der Durchstich zum Jungfraujoch. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie dem Tod von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis hinauf zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde als Endstation das Jungfraujoch beschlossen.

Am 1. August 1912 fuhr der erste Zug mit Gästen die 9.34 Kilometer lange Strecke hinauf auf das Jungfraujoch (3454). Etwas mehr als 7 Kilometer davon liegen im Tunnel und es werden dabei fast 1400 Höhenmeter überwunden.

 

 

Bildtitel 5: Jungfraubahn, Station Eismeer, 3161 m

Poststempel 16.10.1926

 

 

 

Bildtitel 6: Jungfraubahn 3457 m, Die Schweizerfahne auf dem Jungfraujoch

Poststempel 11.10.1933

 

 Bildtitel 7: Kleine Scheidegg, Jungfraubahn, Eiger 3975, Mönch 4105

Botschaft der Postkarte: Von einer Offiziers-Tanzerei im Hôtél Bellevue Scheidegg herzl. Grüsse! Ernst. Poststempel 11.8.1912

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

13.01.2012

Die Tücken des Fahrradfahrens

Filed under: Archive und Nachlässe,Bildarchiv — Tags: , , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“

Professor Johannes Barbieri fällt vom Velo. (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_11378-S1 und Portr_11378-S2)

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“ Johannes Barbieri, Professor für Photographie am Eidgenössischen Polytechnikum von 1879 bis 1895, demonstriert in Wort und Bild das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Beschriftung ist in der Mundart von Barbieris österreichischer Heimat verfasst. Die zwei Fotografien sind auf die beiden Seiten desselben Kartons montiert, das Missgeschick bildet somit die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille.

Die Aufnahmen sind nicht datiert, doch dürften sie frühestens irgendwann nach 1880 entstanden sein. Barbieri präsentiert sich nämlich mit einem erst ab dann sich verbreitenden Radtyp, der im Unterschied zum bisher beliebten, jedoch akrobatisches Geschick erfordernden Hochrad unter dem Namen Sicherheitsniederrad lief. Barbieris fotografischer Scherz kann durchaus als Kommentar zu dieser Bezeichnung betrachtet werden.

Die Idee zur kurzen Bildgeschichte mochte ihm beim Beobachten entsprechender Ereignisse in freier Natur* eingefallen sein oder dann in seinem Atelier, falls die ersten Versuche, standhaft an Ort zu balancieren, fehlgeschlagen waren.

Jedenfalls war die gängige fotografische Technik, von der experimentellen Serienfotografie und dem noch  jungen bewegten Film abgesehen, im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht geeignet, unruhige Objekte in gewünschter Bildschärfe festzuhalten. So inszenierte Barbieri sich und das neumodische Sportgerät im Atelier inmitten einer Bühnenkulisse. Vom hohen Stahlross blickt er mit aufgerissenen Augen starr in die leicht nach unten versetzte Kamera herab, um den Lidschlag während der langen Belichtungszeit zu vermeiden. Bei der unsanften Landung auf dem Kulissenwaldboden – oder sollte es dramatischerweise gar in den Fluten eines Bachbettes sein, wie das brückenähnliche Mäuerchen rechts im Bild andeutet? – verhinderte wohl der Pulsschlag oder beginnender Muskelschmerz eine längere reglose Haltung des linken Arms. Immerhin wird hier im unscharfen Detail der jähe Sturz oder der schnelle Griff nach der davonschwimmenden Mütze umso glaubhafter.

Die Bilder gelangten 1981 mit Materialien, die zu einem Teil Hinterlassenschaften von Barbieri enthalten, aus dem ehemaligen Photographischen Institut der ETH an die ETH-Bibliothek.

Anmerkungen

*Ein Beobachtungsbeispiel in freier Natur, das in die Literatur einging, vom französischen Schriftsteller und Regisseur  Marcel Pagnol (1895-1974) aus dessen sechstem Lebensjahr:

„Dort gab es eine uralte schattige Platanenallee, wildwuchernde Sträucher, Wiesen, die einluden darauf herumzutollen […] Dort fanden sich zu jener Zeit auch Leute ein, die radfahren lernten. Mit starrem Blick und angespanntem Kinn verloren sie zum Schrecken ihrer Lehrer manchmal die Herrschaft über ihr Rad, überquerten die Allee, verschwanden in den Büschen und erschienen wieder, ihr Vehikel um den Hals. Dieses Schauspiel war nicht uninteressant, und ich lachte Tränen darüber.“

In: Eine Kindheit in der Provence, München 1969, S. 25.

 Technisches und Historisches zu Fahrrad sowie Fotografie und Film siehe Wikipedia Artikel „Fahrrad“, „Fahrradtypen“, „Hochrad“, „Sicherheitsniederrad“, „Fotografie“, „Film“ etc.

Links

Kurzbiografie von Barbieri

Findmittel zu Unterlagen in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek: Photographisches Institut der ETH/Teilnachlass Johannes Barbieri 

23.12.2011

Weihnachten steht vor der Tür

Filed under: Bildarchiv — Heike Hartmann @ 7:00

Für unseren heutigen Beitrag haben wir die Bildarchiv Datenbank (http://ba.e-pics.ethz.ch) nach ein paar Fotografien durchsucht, die etwas mit Weihnachten oder zumindest mit der kalten Jahreszeit zu tun haben. Vier unterschiedliche Bilder haben wir herausgesucht, die nun kurz vorgestellt werden sollen. Diese stammen aus drei verschiedenen Beständen und zeigen somit auch die Vielfalt der Bildersammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek.

Das erste Bild ist aus dem Bestand Leo Wehrli. Wehrli lebte von 1870 bis 1954 und war Geologe und Geograph. Von 1893bis 1896 war er Assistent am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich.Auf dem Glasdiapositiv sind verschiedene Schneekristallformen zu sehen. Diese „Schneesterne“ hat Wehrli im Winter 1912 in der Schweiz aufgenommen.

  

Schneekrystalle [Schneekristalle], 1918 (Dia_247-02154)

Das zweite Bild aus der Ansichtensammlung ist eine Fotografie und zeigt die Gondel des Zeppelins LZ 129 mit einem Weihnachtsbaum davor. Dieses Bild stammt aus einem Album mit 155 Bildern. Der Zeppelin LZ129 Hindenburg verunglückte am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst, USA.

 

Führergondel Weihnachten 1935, 1936 (Ans_05512-026-AL)

Aus unserem Bestand Postkartensammlung Adolf Feller haben wir zwei Bilder herausgesucht. Feller war ein Schweizer Unternehmer, der zusammen mit seiner Tochter (sie sammelte nach seinem Tod weiter) über 54‘000 Postkarten zusammen trug. Zum einen zeigen wir eine Postkarte mit geschmücktem Weihnachtsbaum von 1959 und zum anderen Skifahrer im Pulverschnee aus dem Jahr 1956.

 

God Jul = Frohe Weihnachten, 21.12.1959 (Fel_045709-RE)

 

Parsenn-Klosters, Abfahrt im Pulverschnee, 28.12.1956 (Fel_013452-RE)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

11.11.2011

Der Schuss aus dem Chemiegebäude – Mysteriöser Kriminalfall am Eidgenössischen Polytechnikum

 

 

Brief von Rudolf Wolf an Hermann Bleuler, Sternwarte Zürich, 12. Oktober 1891

(ETH-Bibliothek, Archive, SR3 1891, Nr. 470)

Als Professor Rudolf Wolf am zweiten Oktoberwochenende 1891 an die Sempersche Sternwarte heimkehrte, wo er ab 1864 zunächst mit Mutter und Schwester in der direktorialen Dienstwohnung im gesamten ersten Obergeschoss des Hauptbaus residiert hatte und seit dem Tod der Schwester vor zehn Jahren alleine hauste, erwartete ihn im Wohnzimmer eine üble Überraschung. Nachdem er sich wieder gefasst, die Situation analysiert, das weitere Vorgehen überdacht hatte, griff er zur Feder und schrieb an Hermann Bleuler, Präsident des Schweizerischen Schulrates:

Hochgeehrter Herr Präsident. 

So eben nach Zürich zurückgekehrt, erfahre ich dass letzten Freitag auf Samstag in ein Fenster meines Wohnzimmers geschossen wurde. Das Vorfenster zeigt ein kleines, das innere Fenster ein grosses Loch, und die durch die beiden Löcher bestimmte Schussrichtung weist unzweifelhaft auf das oberste Stockwerk des Chemie-Gebäudes als Absende-Ort.

Glücklicher Weise befand sich Niemand in dem Zimmer, sonst hätte leicht eine Verwundung eintreten können, da die Glassplitter durch das ganze Zimmer zerstreut wurden.

Da ich mir denken muss, es wäre Ihnen unangenehm eine gewissermassen im Innern des Polytechnikums, durch Angestellte desselben oder deren Familien-Angehörige, verübte, strafbare Handlung an die Öffentlichkeit gebracht zu sehen, so glaube ich von einer Anzeige an die Polizei Umgang nehmen zu sollen, und ersuche Sie diesen Vorfall in Ihnen geeignet scheinender Weise untersuchen zu lassen, – den Thäter aber jedenfalls gehörig ins Gebet zu nehmen.

Die Fenster werde ich vorerst nicht reparieren lassen, damit Sie die wünschbare Controle vornehmen lassen können, das kleine Geschoss kann ebenfalls vorgewiesen werden.

 Ihr Hochachtungsvollst Ergebenster

 Sternwarte Zürich 1891 X 12.                 Prof. R. Wolf

Für Professor Wolf, Astronom, Mathematiker und Geodät, der die angehenden Ingenieure in Vermessungskunde unterrichtete, und in seiner anderen Funktion als Oberbibliothekar den Bücherschatz der Mathematisch-Militärischen Gesellschaft Zürichs inklusive Werke zur Ballistik und Artillerie anno 1880 ans Polytechnikum geholt hatte, war es ein leichtes, Einschusswinkel und Herkunftsort des Geschosses zu bestimmen.

  

Abbildung 1: Zürich, Stadtansicht mit Hochschulviertel. Links die Sternwarte mit Kuppelturm, rechts das Chemiegebäude mit hohem Kamin, um 1890 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00331-F)

Im obersten Stockwerk des Chemiegebäudes, in Sicht- und offenbar auch Schussweite der Sternwarte und umgekehrt (Abbildung 1), war in der Mitte die technologisch-chemische Sammlung untergebracht, „ein stets zur öffentlichen Benutzung, insbesondere natürlich zum Studium der Schüler dienendes […] Museum“ ohne permanente „Bedienung und Überwachung“.  An beiden Schmalseiten befanden sich Wohnungen für die Hauswarte und deren Familien.

   

Abbildung 2: ETH Zürich, Chemiegebäude, rechts im Hintergrund die Sternwarte, um 1889 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00382) 

Wolfs Wohnzimmer im ersten Obergeschoss der Sternwarte lag exakt südlich dem Kuppelturm gegenüber mit je einem Fenster auf drei Seiten, eines davon sichtbar vom Chemiegebäude her. Über dem Wohnzimmer lag ein Rechnungssaal für die Auswertung astronomischer Messungen zusammen mit dem Büro der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt. Bei genauer Betrachtung von Abbildung 2 mit dem Chemiegebäude in der Mitte und der Sternwarte rechts daneben im Hintergrund ist ersichtlich (Vergrösserungsmöglichkeit  hier), dass vor den Fenstern der Sternwarte teilweise die Storen geschlossen sind zum Schutz vor der Nachmittagssonne.

Möglicherweise hatten Wolf oder seine Mitarbeiter im Stockwerk darüber vor dem Verlassen der Sternwarte an besagtem Wochenende keinen Anlass zum Herunterkurbeln der Sonnenstoren gehabt. Wenn irgendwann danach die Sonne in die Fenster schien, wurden vielleicht Personen im Chemiegebäude geblendet. Es ist daher denkbar, dass dann der „Thäter“ dem Spuk mit einem Schuss in die Richtung des grellen Scheins ein Ende bereiten wollte. Es sei denn, er (oder sie?) habe wirklich aus welchem Anlass auch immer in die dunkle Nacht hinausgeschossen, wie Wolfs zeitliche Annahme von „Freitag auf Samstag“ nahelegt.

Leider wurde die Angelegenheit tatsächlich diskret behandelt. Weder in den Verwaltungsakten der ETH, noch in überlieferten privaten Unterlagen der Beteiligten konnten bisher weitere Hinweise auf den Fall aufgespürt werden.

Anmerkungen

Zitate zum Chemiegebäude auf Seiten 31/32 in: Die chemischen Laboratorien des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, Hgg. F. Bluntschli, G. Lasius, G. Lunge, Zürich 1889

Zur Sternwarte Seite 360 in: Gottfried Semper 1803-1879. Architektur und Wissenschaft, Hgg. Winfried Nerdinger, Werner Oechslin, Zürich 2003

31.10.2011

Bilderwelten – die neue Buchreihe des Bildarchivs der ETH-Bibliothek

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geistes- und Sozialwissenschaften — Tags: , — Nicole Graf @ 18:03

Bildpostkarten stellten im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Aufsehen erregendes neues Kommunikationsmittel dar: Touristisch geschönte Werbebilder, Fotos von Unfällen und Naturkatastrophen oder idyllische Fiktionen von exotischen Lebensverhältnissen wurden von den handlichen Bildträgern übermittelt. Die Postkartensammlung Adolf Feller bildet ein einzigartiges Zeugnis der damaligen Ansichtskartenbegeisterung.

Die heute im Besitz des Bildarchivs der ETH Zürich befindliche Bildersammlung umfasst rund 54‘000 Bildpostkarten aus den Jahren 1889 bis 1980 und geht auf die Sammlungstätigkeit des Schweizer Unternehmers Adolf Feller und seiner Tochter Elisabeth Feller zurück. Ansichten von Orten und Landschaften bilden den thematischen Schwerpunkt, rund 15‘000 Motive stammen aus der Schweiz, auf den übrigen Karten sind Sujets aus über 140 Ländern vertreten.

Mit dem Bildband „Die Welt im Taschenformat“ von Monika Burri wird die neu geschaffene Publikationsreihe „Bilderwelten. Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek“ eröffnet, das Buch vermittelt einen ebenso anschaulichen wie kulturwissenschaftlich informierten Rundgang durch die Bildtraditionen, Geschmacksvorlieben und Wahrnehmungsprägungen des beliebten Massenmediums.

Das Buch können Sie im Lesesaal Spezialsammlungen für CHF 59.- oder im Buchhandel kaufen.

Weitere Postkarten sind im Wissensportal oder im Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

30.09.2011

Landschaftsbilder

Erorberte Landschaft mittels Luftbilder: Spelterini, Eduard: Bâle, une prise à 3520-3820 mètres de hauteur, ca. 1895 (Ans_05752)

 

Landschaft als Souvenir und Reiseersatz: A native kraal, South Africa. Durban : publ. by Sallo Epstein & Co., ca. 1905 (Fel_035225-RE)

Nationale Landschaft: Gaberell, Jean: Steinbockgruppe in der Abteilung Jagd. Schweizerische Landesausstellung, 1939, Zürich (Ans_00796)

 Kulturlandschaft: 21. Mai 1891, Photographien vom Bau des neuen Stahlbades in St. Moritz erbaut von A. Bringolf, Architekt, 1891-1892 (Ans_05453-012-AL-PL)

„Die Landschaft“ zu beschreiben ist so unmöglich, wie die vielfältigen Bilder, die wir uns von ihr machen. Landschaft ist immer eine Konstruktion, ein kulturelles Konzept. Je nach Disziplin und Perspektive wird Landschaft interpretiert.

Landschaften repräsentieren den Abwechslungsreichtum natürlicher Bedingungen und zeigen, wie unterschiedlich sich das Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt hat. Landschaft umspannt das weite Spektrum von naturnahen Landschaften, Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, hochproduktiven, land-, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Gebieten, über Dorf- und Parklandschaften bis hin zu den dichtbesiedelten Städten mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten und den Verkehrsflächen und -wegen.

Die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft findet seit mehreren Jahrhunderten statt. Die Landschaftsfotografie hat sich rasch von der Landschaftmalerei gelöst, insbesondere weil der Dokumentationswert hohe funktionale (und neue) Ansprüche einlöste. Interessant ist, dass – obwohl das heute so naheliegend ist und Landschaftsfotografie alltäglich ist, dass die Abbildung der Landschaft lange Zeit keine Bedeutung hatte. Interessant war die Landschaft in der Fotografie höchstens als bildgebender Hintergrund.

Weitere Bilder sind im Wissensportal oder über das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Veranstaltungshinweis:

An der Abendführung des Bildarchivs am 4. Oktober zeigen wir einen vielfältigen Querschnitt durch die Bestände des Bildarchivs unter dem Gesichtspunkt der Landschaftsfotografie. Wir werden Themen wie die eroberte Landschaft, Landschaft als Souvenir und Reiseersatz, die nationale Landschaft und Kulturlandschaft anhand von mannigfaltigem Bildmaterial ausleuchten.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

02.09.2011

Start des neuen Semesters

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geschichte — Heike Hartmann @ 8:00

Am 19. September beginnt das Herbstsemester an der ETH Zürich. Aus diesem aktuellen Anlass haben wir im Bildarchiv der ETH-Bibliothek nach historischen Fotografien recherchiert, die Studenten im Labor, in Vorlesungen oder in sonstigen Situationen abbilden.

Das erste Bild zeigt zwei Studenten im Lesesaal und ist von 1957. Auf dem jüngsten Bild von 1986 sieht man Studenten im Computer-Übungsraum im Hauptgebäude der ETH Zürich. Wenn man die Studentenzahl von damals und heute vergleicht haben sich diese mehr als vervierfacht. War die Anzahl der Studenten 1957 noch 3‘384 so waren es 1986 bereits 10‘265 und heute sind es 16‘342 (Zahl von 2010). Die erste Studentin schrieb sich bereits im Wintersemester 1871/72 am Polytechnikum ein. Im Jahr 1917  waren es bereits 31 Studentinnen, die am Polytechnikum studierten . Heute sind es immerhin über 6‘000 Studentinnen, die an der ETH Zürich eingeschrieben sind.

 

Studenten im Lesesaal, 1957 (Ans_00355)

 

Studentenhotel in Altstetten, 1966. Comet Photo AG, Zürich (Com_L15-0469-0120)

 Vogt, Jules: TC Versammlung der ETH Studenten VSS im Chemiesaal ETH Zürich, 1970. Comet Photo AG, Zürich (Com_L19-0312-0223)

 

ETH-Zürich: Pflanzenbau – Studenten, 1971. Comet Photo AG, Zürich (Com_M20-0047-0025)

 

Fluri: Computer Übungsraum für Studenten im HG, 1986. Presseinformationsdienst der ETH Zürich (PID_00008)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder zur Geschichte der ETH Zürich.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

05.08.2011

Erdbeben, Gesteinsproben oder der Südpazifik – Bilder aus der Sammlung von Immanuel Friedländer

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geologie,Naturwissenschaften — Nicole Graf @ 13:22

 

links: Rittmann, Doderer: Villanova, 07.08.1930 (Hs_0625a-0001-005)
rechts: Rittmann, Doderer: Ariano di Puglia, 07.08.1930 (Hs_0625a-0001-016)

Perret, F. A.: Etna, Bomba dalla bocca no. 7;  quarzito ricoperto di lava nuova (grandezza naturale), 1910-11 (Hs_0625a-0002-002)

Friedländer, Immanuel: Fiji 1907 (Hs_0625a-0003-025)

 

Friedländer, Immanuel: Milos, Lolliu to Avlaki, 1923 (Hs_0625a-0004-074)

Das von Immanuel Friedländer (1871-1948) gegründete Vulkan-Institut in Neapel war von 1914 bis 1934 in Betrieb. Nach dessen Schliessung erhielt die ETH Zürich die Bibliothek des Vulkan-Instituts, die Foto- und Grafiksammlung sowie die Sammlung vulkanischer Gesteine im Jahr 1935 geschenkt. Die 8‘900 Fotografien aus den Vulkangebieten der Erde (ca. 1900-1935) befinden sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek, eine Auswahl von 800 Bildern ist nun digitalisiert und online über BildarchivOnline recherchierbar, darunter folgende Studienreisen und Bildserien: Erdbeben Irpinia, 23. Juli 1930; Bomben und andere Lavaprodukte, ca. 1910-11; Fiji, Samoa, Tonga 1902-1907; Milos, Kimolos, Polibos, Antimilos, 1923. Weitere Bilder sind in Vorbereitung.

Das Gesamtverzeichnis der Fotografien ist ebenfalls online.

 

 

01.08.2011

Das Rütli – ein Mythos im Bild

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Michael Gasser @ 7:00

Postkarte Rütli und die Mythen. Zürich: Edition Photoglob, 1918 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Fel_000205-RE)

Postkarte Rütli. Blick auf die Mythen. E.Goetz, ca. 1950 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_04906)

Spätestens seit 1859 die Schweizerischen Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) die Rütli-Wiese dank einer Sammelaktion kaufte und der Schweizerischen Eidgenossenschaft schenkte, gehört dieser Ort zum 1. August wie die Nationalhymne, die Schweizerfahne und die obligate Festrede. Immer wieder wurde das Rütli als mythischer Ort des Bundessschwurs von 1291 zum Kristallisationspunkt nationaler Symbolik. Im Zweiten Weltkrieg versammelte General Guisan dort die Armeespitze zum berühmten Rütlirapport (25. Juli 1940). In jüngerer Zeit machte das Rütli vor allem im Zusammenhang mit Störaktionen der 1. August-Feierlichkeiten durch Rechtsextreme von sich reden.

Einen wichtigen Beitrag zur Festigung und Verankerung des Rütlis als nationales Symbol leisteten bildliche Darstellungen. Die SGG selbst liess nach dem Kauf des Rütlis davon einen Kupferstich erstellen, der in grosser Auflage an Schulkinder verteilt wurde. Das Rütli wurde aber auch bald zu einem beliebten Postkartenmotiv. Der Blick über das Rütli auf den Urnersee und die dahinter liegenden Mythen lieferte das perfekte Motiv für die „Wiege der Schweiz“. Dafür sind die oben gezeigten Postkarten aus den Beständen des Bildarchivs der ETH-Bibliothek aussagekräftige Beispiele.

Literaturhinweis:
Kreis, Georg. Mythos Rütli – Geschichte eines Erinnerungsortes. Zürich, 2004

08.07.2011

Mittelholzers Abessinienflug (1934)

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten,Geschichte — Tags: , , — Nicole Graf @ 18:00

 

Links: Mittelholzer, Walter: Mazedonien, 200 km südlich von Belgrad. 07.02.1934 (LBS_MH02-22-0003)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Fokker F. VII b-3m, CH-192 an Tankstelle. 02/1934 (LBS_MH02-22-0907)

 

Links: Mittelholzer, Walter: Männer vor Flugzeug, Ma’an, Transjordanien. 15.02.1934 (LBS_MH02-22-0012)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Flugplatz in Addis Abeba. 03/1934 (LBS_MH02-22-0778)

  

Links: Mittelholzer, Walter: Kaiser Haile Selassie I. zu Pferd. 02/1934 (LBS_MH02-22-0382)
Rechts: Übergabe von Schild und Degen an Walter Mittelholzer, durch den Privatsekretär des Kaisers Haile Selassie I. 03/1934 (LBS_MH02-22-0789)

 

Mittelholzer, Walter: Dankali-Mädchen aus der Völkerfamilie der Galla, an der Küste von Französisch Somali-Land. 03/1934 (LBS_MH02-22-0775)

Der Fotograf, Flugpionier und Swissair-Mitgründer Walter Mittelholzer (1894–1937) und seine Crew flogen vom 2. bis 23. Februar 1934 über die Alpen – Athen – Jerusalem – Tel Aviv – Kairo – Assuan mit einem Abstecher nach Petra nach Addis Abeba. Mittelholzer flog 7‘118 km in 46,28h Flugstunden. Ziel des Abessinienflugs war ein Flugzeugtransport an den Hof des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Mittelholzer lieferte also die 3-motorige Fokker (CH 192) per Flug an die Regierung nach Äthiopien. Nebst der Dokumentation des Hinfluges mit vielen Luftbildern fotografierte Mittelholzer den Kaiser Haile Selassie, den Hof und das Militär und besuchte diverse Stämme in Süden Äthiopiens.

Die filmische und fotografische Ausbeute bei Mittelholzers Auslandflügen waren damals besonders wertvoll, wurden doch unberührte Gegenden erkundet und erstmals fotografisch festgehalten. Die vielen Pionierflüge (Afrika, Persien, Spitzbergen, Alpen, Kilimandscharo) fanden auch im Ausland stark Beachtung und machten Mittelholzer und die Schweizer Aviatik damals in weiten Kreisen bekannt.

Mittelholzer galt immer als sehr geschäftstüchtig und hat seine Auslandflüge optimal vermarktet: nicht nur hat er viel fotografiert – die Fotografien von rund 50 solcher Auslandflüge sind erhalten und werden seit dem Jahr 2009 im Bildarchiv der ETH-Bibliothek archiviert. Diese kulturhistorisch bedeutende Fotosammlung wird im Bildarchiv inventarisiert, digitalisiert und erschlossen. Der Abessinienflug ist nun der erste dieser Auslandflüge, den das Bildarchiv aufgearbeitet und übers Bildarchiv Online veröffentlicht hat.

Mittelholzer hat zudem oft auch als Regisseur für die Filmproduktionsfirma Praesens-Film, deren Mitbegründer er war, Filme über die Flüge gedreht. Seine Filme hat damals fast jeder Schweizer gesehen, es waren sehr populäre Filme zur grossen Zeit des Schweizer Films. Der Film über den Abessinienflug war Mittelholzers erster Tondokumentarfilm. Das Original ist ebenfalls Teil der Mittelholzer-Sammlung des Bildarchivs und liegt zur Zeit in der Cinemathèque Suisse im Depot. Ausserdem hat Mittelholzer in der Regel parallel zu den Flügen jeweils ein Fotobuch geschrieben. Das Buch zum Abessinienflug ist bereits 1934 erschienen und kann übers Wissensportal bestellt werden.

Die Mittelholzer-Bilder sind Bestandteil des Archivs der Stiftung Luftbild Schweiz. Sie werden kontinuierlich aufgearbeitet und sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

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