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09.01.2009

Die Pläne für einen eigenen Atomreaktor an der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Physik — Tags: , — Christian John Huber @ 9:53

Lageplan zum Vorprojekt für das Atomkraftwerk FHK an der ETH Zürich, 13.2.1957 (ARK-ETH01:1)

Seit 1930 werden die Gebäude der ETH Zürich durch ein Fernheizkraftwerk mit Wärme und Heisswasser versorgt. Als die Anlage 1956 an ihre Grenzen stiess, wurde die Suche nach einer neuen leistungsfähigeren Lösung lanciert. Der Direktor des Kraftwerks und ordentliche Professor für angewandte Elektrotechnik, Bruno Bauer, sprach sich für einen Atomreaktor aus. Zusammen mit namhaften Partnern aus der Privatwirtschaft wie die BBC (heute ABB), die Gebrüder Sulzer AG, oder die Escher Wyss AG wurde ein Konsortium gebildet. Geplant war der Bau eines kleinen Versuchskraftwerks in einer Kaverne an der Clausiusstrasse, direkt neben dem ETH Hauptgebäude. Weder der Schweizerische Schulrat noch der Zürcher Regierungsrat oder der Stadtrat äusserten Sicherheitsbedenken wegen eines Reaktors mitten in der Stadt. Alle drei Räte unterstützten die Pläne.

1959 reichte das Konsortium ein Gesuch um Bundessubventionen ein. Zeitgleich buhlten 2 weitere Projekte für Versuchsatomkraftwerke um die finanzielle Unterstützung des Bundes. Die Energie Nucléaire S. A. (Enusa) plante einen Westschweizer Reaktor und wurde von der Maschinenindustrie und den Elektrizitätsgesellschaften der Romandie unterstützt. Die ebenfalls als Aktiengesellschaft organisierte Suisatom wurde von den führenden Elektrizitätsgesellschaften der Schweiz finanziert. Die BBC sollte die Projektierung und Bauleitung übernehmen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Projekten ging es der Suisatom nicht um die Entwicklung eines eigenen Reaktors, sondern um die Erfahrungen im Betrieb eines bereits erprobten Reaktors.

In gut schweizerischer Manier suchte der Bundesrat einen Kompromiss und beschloss bloss 1 Projekt zu unterstützen. Dieses Projekt sollte Elemente aller 3 Eingaben enthalten. So wurde der Versuchsreaktor wie von der Enusa vorgesehen in Lucens (VD) nach den Plänen des ETH-Fernheizreaktors gebaut und nach dem Konzept der Suisatom betrieben.

Nach grossen Verzögerungen und obgleich viele Teilhaber – u.a. die Gebrüder Sulzer AG und die BBC – das Projekt verlassen hatten,  wurde der Reaktor im Frühjahr 1968 dem Betrieb übergeben. Bereits im folgenden Januar kam es zu einem Kontrollverlust. Probleme mit dem Kühlsystem hatten zu einer partiellen Kernschmelze geführt. Damit war der schweizerische Traum vom selbst entwickelten Reaktor ausgeträumt.

Link: Die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek besitzen mit dem Archiv zur Geschichte der Kernenergie in der Schweiz eine weltweit wohl einzigartige Sammlung von Akten und Medien zur Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie.

08.04.2008

Brief von Albert Einstein an Conrad Habicht. Bern, 18. Mai 1905 (Hs 1457:20)

Filed under: Archive und Nachlässe,Physik — Tags: — Rudolf Mumenthaler @ 10:46

Brief Einstein an Habicht

Brief von Albert Einstein an Conrad Habicht. Bern, 18. Mai 1905 (Hs 1457:20). Albert Einstein kündigt in einem Brief an seinen Freund Conrad Habicht vom Mai 1905 mehrere Arbeiten an, die nächstens veröffentlicht werden sollen:

„… Ich verspreche Ihnen vier Arbeiten dafür, von denen ich die erste in Bälde schicken könnte, da ich die Freiexemplare baldigst erhalten werde. Sie handelt über die Strahlung und die energetischen Eigenschaften des Lichtes und ist sehr revolutionär, wie Sie sehen werden, wenn Sie mir ihre Arbeit vorher schicken. Die zweite Arbeit ist eine Bestimmung der wahren Atomgrösse aus der Diffusion und inneren Reibung der verdünnten flüssigen Lösungen neutraler Stoffe. Die dritte beweist, dass unter Voraussetzung der molekularen Theorie der Wärme in Flüssigkeiten suspendirte Körper von der Grössenordnung 1/1000 mm bereits eine wahrnehmbare ungeordnete Bewegung ausführen müssen, welche durch die Wärmebewegung erzeugt ist; [...] Die vierte Arbeit liegt erst im Konzept vor und ist eine Elektrodynamik bewegter Körper unter Benützung einer Modifikation der Lehre von Raum und Zeit;…“

Das Jahr 1905 wurde für Einstein zum „annus mirabilis“. Er schrieb insgesamt fünf bedeutende Arbeiten zu drei Themenkreisen, namentlich über die Realität und Grösse der Atome, über Lichtquanten und die Spezielle Relativitätstheorie. Vier der Arbeiten erwähnt er in seinem Brief an Conrad Habicht. Die zündende Idee zur Speziellen Relativitätstheorie kam Einstein im Mai 1905 in einem Gespräch mit Michele Besso in Bern. In den folgenden sechs Wochen verfasste er jenen Aufsatz, der drei Monate später in den „Annalen der Physik“ unter dem unauffälligen Titel „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ erschien und die Physik sowie die gängigen Vorstellungen von Raum und Zeit revolutionieren sollte.

Der Brief (Pdf) ist online veröffentlicht und Bestandteil des Angebots Einstein Online. Im Rahmen des Jubiläums zu 100 Jahren Relatvitätstheorie hat die ETH-Bibliothek alle Originaldokumente von Albert Einstein aus Korrespondenzen und dem Schulratsarchiv der ETH Zürich digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

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